Archiv für die Kategorie: “Review”

Über Fatalismus

Am 26. April vor 30 Jahren um 2 Uhr nachts ereignete sich die Kernkraftkatastrophe von Tschernobyl.

Alexander Kluge macht sich mit einem Potpourri von Beiträgen Gedanken zu dem Thema in gepflegter, essayistischer Manier, unterhaltsam und anregend, konzentrieren muss man sich vor allem beim Lesen der bunten Texttafeln.

Archivmaterial kommt zu Interviews mit gepflegter Simultanübersetzung.

Kluges Interessenspanne erstreckt sich von der Situation unmittelbar nach der Katastrophe bis zu Flüchtlingen, die sich inzwischen in der kontaminierten Sperrzone angesiedelt haben, die Schrecken von Krieg vor Augen lassen Pilze aus der Gegend harmlos erscheinen.

Kluge interviewt den ersten Fotografen, der schon kurz nach dem Unglück Fotos von den ersten Bergungsarbeiten geschossen hat, den Chef des Überwachungsteams, Augenzeugen aus der Nachbarschaft, die die Fenster geschlossen und weiter geschlafen haben, Bestatter, die hochkontaminierte Leichen begruben, Ärzte, die mit den Folgen konfrontiert sind und er berichtet von der Suche nach dem Reaktorkern und dem Fusionsmaterial, über Missbildungen bei Tieren und Menschen.

Es gibt Tapferkeitsdiplome für die Freiwilligen der Roten Armee, die sich als Dachläufer kurze Zeit hoher Strahlendosis ausgesetzt haben, um verstrahltes Material vom Dach zu werfen, es gibt den Jägerverein, der verstrahlte Hunde liquidierte, nicht aber Rehe und andere Tiere, man sieht „Liquidatoren“ sich in ihre Anzüge einbinden, man erhält die Schilderung der Folgen, die ein Mensch spüren kann, und zwischendrin gibts kurz und schmerzlos einen thematischen Querverweis zu Schiller oder Shakespeare und dann die Firma Bechtel, die in Tschernobyl das geschafft hat, was sie bei den Twin-Towers in New York nicht durfte: ein großes Bogengehäuse über den Sarkophag legen, das zwar nicht gegen Radiokativität abschirmt, aber gegen das Wetter.

Da das alles mit Schicksalshaftigkeit zu tun hat, stellt Kluge als Fazit (ironisch?) anhand von Verdrängungszyklen die Frage, ob Flechte oder Rentier lernfähig seien und stellt fest, dass wir das nicht wissen können, aber wir würden sehen, dass sie überleben – beide. Warum soll der Mensch das nicht auch tun, denn ob er lernfähig ist oder nicht, vielleicht überlebt er den Umgang mit der Atomkraft. Womit Kluge unserer Welt mit ihrem Rationalismus und dem Glauben an Planbarkeit und Beherrschbarkeit den Fatalismus als nicht zu unterschätzendes Agens entgegensetzt (und trifft hochaktuell ins Schwarze: ist es etwas anderes als Fatalismus, wenn die Bundesregierung der bequemen und betrügerischen Autoindustrie mit ihren bonusgierigen Vorständen eine Milliarde Euro aus Steuergeldern zuschiebt unter dem Vorwand der Ankurbelung des Verkaufs der noch lange nicht sauberen Elektromobilität? Oder ist hier schon die Grenze zum politischen Selbstmord überschritten?).

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Schöner Verenden.

Ihr geht es nicht um das schöner Wohnen, obwohl mehrere Hausbesichtigungen in dieser Dokumentation just darauf schließen lassen, nein, Sibylle Berg, das Kunstobjekt des Interesses von Wiltrud Baier und Sigrun Köhler, spricht lieber vom „Verenden“.

Verenden in L.A. in dem berühmten Lautner-Haus, das wäre etwas. Mit dessen Besichtigung fängt der Film an. Und damit auch das Thema des Verendens, eine Diktion, die charakteristisch für Frau Berg zu sein scheint, die die beiden Dokumentaristinnen als „Doku-Schlampen“ tituliert, was diese wiederum ungerührt drin lassen im Film und so beweisen, dass sie Frau Berg kapiert und dazu noch Humor haben.

Solcher Autorinnen-Sprech scheint Teil der Selbstinszenierung, der Schriftstellerinnen-Show der bekannten Autorin, die aus der Ex-DDR stammt und die, um sich ein angemessenes Verenden leisten zu können, vermutlich andere, weniger beknackte Texte schreiben müsste und höhere Auflagen anstreben.

Das sei hier erlaubt, ihre Texte, ihre Wortfreiheit sich zu eigen machen, als beknackt zu apostrophieren, einige davon sind zu hören und die Anstrengung, sie zu performen, zu sehen, hört sich im chorischen Sprechen kraftvoll an, um Augenhöhe vorzutäuschen und dass man die Berg kapiert habe.

Was wäre eine Schriftstellerin ohne ihre Show, was wäre Sibylle Berg ohne ihre Show? Vermutlich nicht allzu ergiebig für einen Dokumentarfilm. Angst vor ihr braucht keiner haben. Die Show dürfte Schutz für einen hochsensiblen Menschen sein, der erzählt, wie sie als Kind Angst vor Geräuschen gehabt hatte, eine extreme Geräuschempfindlichkeit. Lieber geräuschvoll durchs Leben eilen als unter Geräuschen leiden, mag sie als Devise entwickelt haben.

An ihrem Traumhaus zum schöneren Verenden arbeitet sie weiter. Sie wirbt in einem ihrer Bücher sogar damit auf einer der ersten Innenseiten, man möchte es kaufen, und damit einen Baustein zu ihrem Haus beitragen.

Nebst dem Schöner-Wohnen-Teil des Filmes gibt es einen „ellenlangen Interview“-Teil dazwischengeschnitten. Die Schriftstellerin (und wie heißt die männliche Form davon?) sitzt bewusst arrangiert auf einer Art Liege, ja sie thematisiert sogar die Arrangementmöglichkeiten ihrer hochbeweglichen Beine. Sie kann heute noch den Spagat ganz unaufgewärmt, das zeigt das Insert aus einer Talkshow. Diese Eigenschaft dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass sie einst eine Clownschule besucht hat. Auch dorthin kehren die Filmemacherinnen mit dem Objekt ihres Interesses, das sie beneugieren wie eine Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald, zurück, geraten beinah in eine Veranstaltung für eine Sparkasse hinein.

Es gibt, wie es sich für eine Autorinnendoku gehört, selbstverständlich Aufnahmen von Autogrammstunden, von Probenbesuchen für ein Theaterstück. Hin und wieder lassen Baier und Köhler, oder Böller und Brot, wie sie ihre Firma nennen, gesprochenen Text auch nur unter Schwarztafeln laufen.

Ein Running Gag an Inserts sind die Hashtags der Autorin auf Twitter, die belegen, dass sie knapp und würzig formulieren kann; daraus erfahren wir an einer Stelle, in welchem Hotel in Ascona sie gerade am Pool sitzt oder später sehen wir den Pool, den sie sich selber für ihre Wohnung leisten kann; er ist aufblasbar.

Leicht makaber und nichts für hypochondrische Gemüter wird es mit einem ausführlichen Bericht über ihren Besuch in einem Moulinagen-Museum. Da sind Abgüsse von Gesichtern, Körpern, Körperteilen bis zu einem Schwanz mit Krankheitssymptomen ausgestellt. Igitt.

Ein bisschen entsteht der Eindruck, dass es durchaus anstrengend sei, durchgehend so eine Schriftstellerinnenshow abziehen zu müssen.

Bei einem Gang durch die Tessiner Dschungelwelt fragt sie immer wieder, ob wir den Weg begriffen haben oder ob sie weitergehen müsse, dann sieht sie Feind kommen; ein ander Mal entdeckt sie einen Spanner im Bereich hinter der Kamera.

Sie selbst definiert sich als mittelständisches Unternehmen, das sich rechnen muss; sie unterrichtet in Zürich Dramaturgie, es seien nur Studentinnen. Allerdings sind die Rauschzustände des Schreibens von früher verflogen. Im Moulinagen-Museum stellt sie fest, dass viel kaputt gehen kann beim Mensch. Wohl wahr.

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Rekapitulationsfilm vor allem aus der Nähkästchenperspektive und mit Tendenz sowie Illustrationsfilm zum Thema Paranoia anhand des amerikanischen Weltklasseschachspielers Bobby Fischer nach einem Drehbuch von Steven Knight + 3 und in der Regie von Edward Zwick oder die Illustration der Behauptung, Schach sei als Thema fürs Kino eher schwierig.

Die These ist die, dass der Amerikaner jüdischer Herkunft Bobby Fischer der größte aller Schachspieler sei. Der wird aber vom KGB zur Paranoia getrieben und nur unter Aufbietung aller vaterländischen Kräfte und Tricks gelingt es ihm, 1972 in Reykjavik den russichen Großmeister Spassky zu schlagen, was in der weltpolitischen Dimension in dem Zusammenhang zu sehen sei, dass Amerika China verloren habe, dabei sei, Vietnahm zu verlieren und also wenigstens diesen Triumph nach Hause bringen müsse.

Der Film fängt 1951 an, wie der Bub Bobby ein Auto von 1952 vor dem Haus stehen sieht mit dubiosen Gestalten drin, die Fotos schießen und er möge eine solche Beobachtung doch bitte den Eltern mitteilen. So wird die ewige Ausspioniererei, die gerne aus subjektiver Kamerasicht des Spions gezeigt wird, eingeführt. Kalter Krieg und McCarthyismus.

Zügig werden nun verschiedene Karrierestationen und auch kurze Spots auf das zerrüttete Familienleben von Bobby mit Darstellern verschiedenen Alters, die alle hervorragend nach Originalfotos gestylt sind, rekapituliert, mit zeitgeschichtlichem Footage angereichert und unter Berücksichtigung der stetig wachsenden Paranoia, zum Beispiel dass er in Hotelzimmern immer ganz laut Musik hört oder die Telefonhörer auseinanderschraubt, auf den Titanenkampf von Reykjavik 1972 hingeführt, zum Höhepunkt in Fischers Karriere und auch in der Schachwelt, besonders Partie 6 soll in die Geschichte eingehen samt Applaus des überraschten Gegners.

Der Absturz Fischers nach dem Höhepunkt bis zu seinem Tod wird mit kurzen Inserts und Texttafeln burschikos abgehandelt und nachgeliefert.

Durch den Fokus auf die Paranoia und das Schach fällt es schwer, mit Fischer mitzugehen, mitzuleiden oder mitzutriumphieren. Er ist zwar umgeben von Chargen wie dem Anwalt oder dem schaschpielenden Pastor. Aber die sind nicht an menschlicher Beziehung interessiert, sondern nur daran, das Schachgenie am Laufen und am Spielen zu halten, es allenfalls vor Papparazzis und den Medien und nunnötigem Lärm (wie selbst das Laufen einer Kamera als solcher wirkt, das zu zeigen versteht Zwick hervorragend) zu beschützen. So dürfte Zwick jedoch nicht mal ein Remis gelungen sein. Und, Schachzüge auf der Leinwand nachvollziehbar zu zeigen, das interessiert ihn schon grad gar nicht.

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Beim dritten Mal nach Rico, Oskar und die Tieferschatten und Rico, Oskar und das Herzgebreche haben wir uns häuslich eingewohnt in diesen Berliner Wohnblock. Die Figuren sind uns vertraut und liebenswürdig geworden, die Regie austauschbar.

Die Buben sind älter geworden, doch darüber nachher mehr.

Es gibt einen Toten. Dessen Hinterlassenschaft setzt die Abenteuergeschichte in Gang. Nachbar Gustav Wilhelm Fitzke hat das Zeitliche gesegnet. Sein Forschungsenthusaismus galt der Züchtung von Steinen in seiner Wohnung. Er war am Ende erfolgreich. Wie eine Osterüberraschung konnte er den Kids den Kalbstein in einem schönen, weich gefütterten Kästchen präsentieren. Oskar, der Beschlagene weiß, dass das nichts mit einer Kuh zu tun hat, sondern dass sich der Begriff assoziativ vom Kalben von Gletschern ableitet.

Der Kalbstein wird bald schon aus der leeren Wohnung des Verblichenen geklaut.

Während die Mutter von Rico, Karoline Herfurth ragt aus dem Ensemble hervor, indem sie dieses leichte Berliner Mädchen mit einer Frische und Präsenz spielt wie am ersten Tag, während Ricos Mutter also mit ihrem Macker nach Thailand fliegt zum Knutschurlaub, ein Wort, was die Knaben begierig in ihren Wortschatz aufnehmen, lässt die Story die Knaben an einen FKK-Strand an die Ostsee ausreißen; FKK, das ist wohl das brisanteste Motiv, das der Film sich traut, dort soll nämlich die Übergabe des gestohlenen Kalbsteines stattfinden. Soweit der funktionable Krimiplot.

Der erste Film kam vor zwei Jahren in die Kinos. Zwei Jahre sind in der Entwicklung eines Kindes eine lange Zeit. Vor zwei Jahren bezog das Verhältnis von Rico und Oskar seine Spannung aus dem markanten Gegensatz des schnelleren Wachstumes von Rico, das parallel mit geistiger Langsamkeit einherging und umgekehrt beim kleineren Oskar, der komplizierte Befunde in langen Sätzen und aus breitem Wissen genährt wie aus dem Knie geschossen hatte.

Inzwischen haben sich die beiden Darsteller persönlich auseinanderentwickelt. Anton, der Darsteller des Rico, hat an Wachstum deutlich zugelegt, keine Milchzähne mehr, auch sein Geist hat sich entwickelt, gelegentliche Memoriertechniken in der Rolle wirken mehr wie Reminiszenzen, vor allem scheint Anton auf den Trichter des Kicks des Filmens gekommen zu sein, bereitwillig bietet er sich der Kamera an mit seinen stahlblauen Augen und der blonden Mähne, er zeigt gesteigerte Präsenz und Medienbewusstsein, während Juri, der Darsteller des Oskar, erst die beiden breiten Zahnschaufeln der oberen zweiten Zähne hat, rundum noch Milchzähne, er ist nicht mehr so schnell mit seinen Zitaten, scheint vom Filmblut unbeleckt, wirkt wie fremd in dieser Umgebung; wobei just das es gewesen sein dürfte, was ihn im ersten Film so spannend gemacht hat; sowieso scheint mir, dass die beiden persönlich kaum mehr etwas verbindet; die Balance stimmt nicht mehr, das Gefälle der kontrastierenden Eigenschaften ist eingeebnet; aber das konnten die Caster vor zwei oder drei Jahren nicht voraussehen, damals ist punktgenau gecastet worden. Jetzt soll das Pferd halt noch zu Tode geritten werden.

Und als ob dieser Wegfall der Spannung zwischen den beiden nicht reicht, ebnet das Drehbuch die Esprit-Differenz ein. So wirkt der Film nur noch nett und lieb. Immerhin, von der Ausstattung her ist er mit einer knallbunten und fröhlichen Note versehen. Ganz ist Steinhöfels Witz aus dem Originalbuch nicht weg.

Die fette, aggressive Mercedes-Werbung mittemang bei der Rückfahrt von der Ostsee erzählt eine Story, die mit Steinhöfels wenig zu tun hat: Mercedes, das Auto, das aus jeder Kolonne ausbricht und in die nächste Lücke prescht und so noch jede Straßenverkehrsordnung provoziert; verkehrspädagogisch wertvoll.

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Spaß am Design und der Interaktion von Mechanik, High-Tech und Comic auf urmenschlichem Substrat.

Die Hybris der Macht und der Traum vom Heldentum im Zeitalter hochtechnisierter Möglichkeiten als greller, fröhlicher Comic mit cross gezeichneten Karikaturen von Figuren – und sehr, sehr menschlich, für s Popcorn-Kino zubereitet ohne anbiedernde Gefühsduselei.

Das einzige Anrührelement ist ein Teil der Gesichtspartie unseres Protagonisten Ratchet, der ein kleiner Raumfahrzeugmechaniker ist und auch ein solches Teil fährt im Design einer schönen amerikanischen Limousine der 60er, romantisch angehaucht. Ratchet erinnert mit seinen Hasenohren und dem pfiffigen Blick nur leicht an süßliche Animationsfiguren, aber wirklich nur als Zuckerguss, bestens dosiert; dagen wirkt sein kleiner Roboterfreund Clank, der ihm eines Tages zufliegt, wie ein Knallbonbon.

Clank verhilft Ratchet, den Traum zu erfüllen, ein Ranger im Team des im Vergleich zu ihm monstergroßen Qwark zu werden. Das Casting für die Neubesetzung ist zeitgemäß im Trend solcher Shows mit den entsprechenden Jokes.

Die Mannschaft von Qwark ist gerade gefordert, weil in ihrer Galaxie Drek und seine Firma Drek Inustries pausenlos Planeten zerstören, man weiß nicht wieso, bisher gottlob nur unbewohnte. Drek muss in seine Grenzen gewiesen werden. So ist die Ausgangsbasis für die Story gut gelegt.

Nicht dass sie sich überraschend anders entwickelte als vergleichbare Geschichten, die Hindernisse, die sich auftürmen, gar der Verrat von Qwark; sind aber alle überwindbar.

Was sie trotzdem schauenswert macht, sind die zeichnerischen Mittel, die Figurcharakterisierung nach dem Buch von T.J. Fixman, Kevin Munroe und Gerry Swallow und in der Regie von Kevin Munroe und Jerrica Cleland, die begeistern. Die lustvolle Gestaltung macht sogar in 3D Spaß macht, krasse Bildwelt. Dabei sind die Figuren und deren Interaktion solide geerdet im anthropogenen Bereich und das durchaus humorvoll. Es überträgt sich der Spaß der Zeichner am Entwurf der Figuren, der Fahrzeuge, der technischen Möglichkeiten von Waffen aller Art, am Design der Planeten, der Städte, die teils an Luc Bessons „Das fünfte Element“ erinnern, wenn in mehreren Etagen übereinander die Verkehrsmittel durch die Luft kurven, die den Zuschauer unterhaltsam mit eintauchen lassen in diese Spielzeugwelt, die leichter beweglich und fantasievoller ist als jede reale Welt, aber doch mit ihr verbunden bleibt.

Qwarks Vorname lautet: Kopernikus. Roboter- und Industriewelt, mechanische und Computerwelt bis zur Täuschung mittels Hologramm oder kleinlicher Hickhack wegen Autogrammneiderei.

Eine Welt, in der es Magnetfeldgeneratoren gibt, Kampfanzüge in Trendfarben, Schubdrüsen, den Schafinator, aber auch Gartenzwergroboter und Deplanetisationsschub genau so wie Comicfiguren mit Stimmungsschwankungen oder einen Job mit Heldentumsschwerstarbeit aber auch das Problem mit dem Selbstmitleid.

Die deutsche Synchro hat sich vom Spaß an der Sach und der Leichtigkeit anstecken lassen und den ganzen Frotzeleien. Gut feierabendverdaulich auch, weil zwar voller Leben und Gags und Jokes und Action, und Listen, aber keinesfalls überladen oder overeffected, nicht gesteuert von der Panik vor der Lücke sondern vom Spaß am Comic. Die Ballereien, die trotzdem vorkommen, wirken nicht bedrohlich, sie sind klar als Lust am Spiel erkennbar, als Gedankenspiele, Gedankenwunsch- und machtspiele und des Austricksens des tierischen Ernstes dabei.

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Der dritte Schweizer Bergfilm in kurzer Zeit, der in die deutschen Kinos findet, nach den Kinderfilmen Heidi, die auf den schnellen Massenkonsum spekuliert hat und Schellen-Ursli, der großen, individuellen Berg- und Gerechtigkeitsgeschichte, legt jetzt Simon Jaquement mit einer Pubertätsstory nach.

Jaquement interessiert nicht die Großartigkeit und Schönheit der Berglandschaft, er hält unseren Geist auf Trab mit pausenlosem Hämmern von Thesen zum Thema Erwachsenwerden, Widerstand, Weltverachtung, Wertlosigkeit, Ziellosigkeit. Es gibt viele Fragen zu stellen, ist dieser Befund heutiger Jugend typisch Schweizerisch, Einzelfall oder Symptom?

Die Eingangsszene deutet auf den Symptomcharakter hin: gelecktes Mittelstandsmilieu, ein Esszimmer, das nur so strotzt vor gesichtslosem Design, ein Vater und ein Sohn, die appetitlos einander gegenübersitzen, ohne sich was zu sagen zu haben. Der Vater weiß nicht weiter mit dem Sohn, der voll in der pubertären Sinn- und Identitätskrise steckt, der dealt und sich mit seinen 16 Jahren Nutten aufs Zimmer holt, die sich als seine Freundinnen ausgeben müssen.

Matteo, so heißt der Protagonist, wird fabelhaft dargestellt von Benjamin Lutzke, einem Straßencast, einer Entdeckung, der voll diese Verzweiflung und Sprachunfähigkeit und auch dass er schon einiges hinter sich hat, zum Ausdruck bringt, ein Blickfang mit seiner blonden Mähne mit den blauen Strähnen drin.

Matteo ist beschenkt mit einem Berg von Frau als Mutter, die gerade noch einen Buben zur Welt gebracht hat. Just wegen ihr stellt sich gegen Schluss die Frage, ob es sich doch eher um einen psychologischen Einzelfall von Elternpaar handelt.

Die überforderten Eltern schicken ihren Buben, den Mutter liebevoll „Füchslein“ nennt, in ein Bootcamp auf eine Alp. Erneut stellt sich die Frage, Einzelfall oder Symptom, denn Hanspeter, Ernst Sigrist, der die Jungs Anton (Ste) und Dion (Sascha Gisler) und das Mädchen Ali (Ella Rumpf), das sich wie ein Mann benimmt, betreuen und beschäftigen, die Kids durch harte Arbeit bessern soll, ist Alkoholiker, hat die Sache nicht im Griff. Die Kids aber ihn und den Neuankömmling Matteo auch.

Es entwickelt sich eine aggressive Herrschaft der Kids. Das Aufnahmeritual für Matteo in die Gang ist grausam. Erst muss er den Hund spielen und dann in einer Aktion, die den Atem stocken lässt, auf dem Mast einer Seilbahn freihändig den Schlüssel holen, mit dem sich die Hundekette lösen lässt. Jetzt ist er aufgenommen und der Film kann sich wilden Ausflügen der Bande ins Tal zu Räubereien, Abfackeleien und Ausleben zügelloser Zerstörungswut widmen, Bootcamp auf Schweizerisch, Einzelfall oder Symptom?

In den ungelösten Vaterkonflikt von Matteo greift die Bande auf dessen Vorschlag mit brutalen und wenig diskursiven Mitteln und blutigen Folgen ein.

Es gibt rare Momente von Gesprächen unter den jungen Menschen, wo einer herkommt, über Muschi und schwul, Perspektivlosigkeit, und ein Hauch von Vertrauen, welcher sich im Bezug zu einem jungen Zicklein ergibt, fast zu süß um wahr zu sein. Nach der Rückkehr in die Stadt haut Matteo wieder von zuhause ab begibt sich wieder auf die Alp. Die ist verlassen, er ist allein, schaut sich die mickrigen Gebäulichkeiten an und wir fragen uns, ob er jetzt eine Entwicklung durchgemacht hat oder nicht.

Subtil ist der Film nicht. Das will er auch nicht sein, er will krass sein, denn Pubertät ist eine heftige Angelegenheit.

Jugend ohne Werte. Trotzdem, bei aller Gesetzlosigkeit, dem Sich-wie-von-Sinnen-Ausleben: die Angst vor der Polizei, die ist noch da; innerhalb dieses Rahmens befinden sich die Jugendlichen im „Chrieg“, im Krieg, womit demTrash noch Grenzen gesetzt sind; ein Rest an Autoritätsglauben scheint in der Schweiz bei den wildesten Exzessen gewahrt – Symptom oder Einzelfall?

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Sanft beschwingter Saudi-Arabien Trip mit Tom Hanks in der Regie von Tom Tykwer, der einen Roman von Dave Eggers zum Drehbuch umgeschrieben hat und mit Frank Griebe an der Kamera.

Für die Firma Reyland soll Hanks als Alan Clay und mit kleiner Mannschaft ein holographisches IT-System für eine in der Wüste aus dem Boden zu stampfende Traumstadt dem König präsentieren und womöglich den Zuschlag erhalten, für die Kings Metropolis of Economy and Trade, kurz KMET.

Über Alan erfahren wir, dass seine Ehe auseinander ist, dass er Probleme hat, die Uni für seine Tochter Kitty zu finanzieren, dass er mit seiner Firma Schwinn der chinesischen Konkurrenz erlegen ist und Hunderte von Angestellten entlassen musste. Schließlich entdeckt Alan in Saudi Arabien, dass sich bei ihm am Rücken eine große Geschwulst gebildet hat.

Nicht dass Hanks auch nur ansatzweise unter all dem leiden würde. Er hängt sich rein wie eh und je in Rolle und Job, leicht knautschgesichtig, voller Elan selbst, wenn er Antriebslosigkeit, Jet-Lag, Kater und Übernächtigung mimen muss.

Die Rücken-Geschwulst, eine Wucherung, ein Lipom, entwickelt einen erotischen Charme insofern, als sie von einer saudischen Ärztin behandelt wird; womit sich eine pikante Beziehung anbahnt, die unserer Vorstellung von den Sitten in dem streng reaktionär religiösen Land akkurat entgegenläuft, die gar droht, in westlich gepflegte Langeweile auszuarten.

Alan und die Ärztin trinken, sie schnorcheln gemeinsam, sie nur mit einer Shorts bekleidet, damit die Nachbarn in der großzügigen Umgebung aus der Ferne von den beiden ähnlichen Rücken auf zwei Männer schließen.

En passant werden die täglich passierenden, öffentlichen Hinrichtungen erwähnt.

Die Baustelle in der Wüste bietet kafkaesk-absurde Situtionen. Keiner ist zuständig, keiner weiß was, ständig wird Alan vertröstet, seine Mitarbeiter sitzen in einem klimatisierten Wüstenzelt hinter ihren Computern, arbeitsunfähig, da kein WLAN-Anschluss da ist.

In einem Hochhaus, in das Alan einmal beordert wird, entdeckt er eine Illustration des Satzes, den ihm sein Fahrer vorher zitiert hat, dass es in Saudi-Arabien keine Gewerkschaften gebe, man habe Filippinos.

Die Lage scheint aussichtlos, der Firmenboss in Amerika wird immer nervöser, nichts tut sich, träger Fatalismus macht sich breit, die Geschwulst muss wegoperiert werden – und dann, siehe da, auf einmal ist wie durch ein orientalisches Wunder alles organisiert und die holographische Präsentation kann stattfinden und erntet das Wohlwollen des Königs.

Der Film bietet eine schöne Plattform und starke Wüstenbilder für eine Audi-Präsentation.

Viel Geld kommt aus deutschen Fördertöpfen und im Abspann finden sich jede Menge deutscher Namen, vor allem aus der Postproduktion; gedreht worden ist nicht nur in Saudi-Arabien sondern auch in Marokko, in Berlin und in Boston.

Es lassen sich viele schöne Details genüsslich nacherzählen. Der Film wirkt wie eine Erkundung, wie sieht es aus in diesem Land, das von dem Spagat zwischen religiöser Rigidität und Scharia einerseits und dem Reichtum, den westlichen Sitten und technischen Errungenschaften andererseits schier zerrissen und aufgerieben wird.

Keine Bange, der Blick von Tykwer, und so ist es eben doch ein typischer Tykwerfilm bei all der Internationalität der Produktion, ist liebevoll, neugierig, nicht selten schalkhaft unter Ausschluss jeglicher Verbiestertheit, wozu ein Tom Hanks seinen angemessenen Anteil beiträgt. Insofern bleibt der Westen unter sich.

Allein die Vorstellung, dass Alan als gescheiterter amerikanischer Unternehmer sein Lebens- und Liebesglück in Saudi Arabien findet, darauf muss man erst mal kommen. Und wenn das kein Symbol ist: kein Stuhl, keine Bank, auf die Hanks sich setzt, ist gegen den sofortigen Zusammenbruch gefeit.

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Einen schönen Bären binden uns die Gebrüder Guillaume und Stéphane Malandrin in feinstem, belgisch-skurril-philosophischem Stil auf.

Dabei erzählen sie unterhaltsam über ein Leben mit Verlusten, mit entgangenem Gewinn und Erfolg und überhaupt, dass das Leben eine Reise sei, die nicht unbedingt den geplanten Verlauf nimmt, da gerne etwas dazwischen kommt und der Weg mit teils wechselnder Besetzung den Sinn ausmacht, auch wenn man nicht im Zug nach Montreal sitzt, obwohl man dorthin möchte; es gibt auch andere, lohnende Destinationen, die schönere Locations zum Verstreuen der Asche bieten als das eigentliche Konzertreiseziel L.A.

Nach L. A. will die Altrockband „Grand Ours“ (Großer Bär) zum Auftakt ihrer internationale Tournee von Brüssel aus aufbrechen.

Pläne sind eines, das Leben ist ein anderes. Der Tod lauert überall und kann ganz unerwartet und unspektakulär eintreten. Den Sänger der Gruppe hat es kurz vor der Abreise erwischt. Spektakulärer allerdings und bedrohlicher als der Tod von Jipé war, dass er nach dem letzten Konzert keine Stimme mehr hatte – mit tragischen Folgen.

Die Gebrüder Malandrin entwickeln ihre Geschichte step by step, ganz konkret. So öffnen sich ständig Fallen des Alltags. Wenn einer tot ist, braucht es eine Beerdigung. Wobei sie nicht nach realistischem Muster einen Handlungsablauf erklärenderweise aufbauen, aber die Szenen entstehen aus konsequentem Denken heraus. Wo eine Beerdigung stattfindet, kann etwas schief gehen, denn auch so eine Veranstaltung liegt in den Händen von Menschen. Und die machen Fehler. Es können Särge vertauscht oder Abdankungstermine durcheinander gebracht werden. Ist ganz logisch. Und selbstverständlich. Und glaubwürdig.

Und logisch ist das Chaos, was die vergeblich angereiste Trauergesellschaft auslöst. Denn die ist zwingend durch deren Charakterisierung mit all diesen alten, bärigen Typen, die joviale Souveränität ausstrahlen, die besagt, dass man nicht daran denke, sich gewisse Dinge gefallen zu lassen.

Schon gar nicht eine Urne, die schon weg ist. Und dass eine Rockband trotzdem würdig Abschied nehmen möchte, den Kollegen in Aschenform mitnehmen möchte auf die Tournee. Ganz verständliche Wünsche. Aber dazu muss man die Urne erst mal haben.

Die Wiederbeschaffung verbinden die Gebrüder Malandrin mit einem Motorradausflug zum eleganten Haus eines erfolgreichen Schlagersängers. Bei dem steht die Urne auf dem Flügel. Nebenbei sehen wir, was für ein tolles Haus der sich leisten kann mit seiner von den Rockmusikern verachteten Süßmusik, riesige Glasfront, der Rest des Hauses mit Grünzeug überwachsen. Der Sänger sitzt am weißen Flügel, auf welchem die Urne steht, und spielt und singt. Es folgt Urnenwiederbeschaffungs-Action, die muss solche Architektur aushalten, ist ja nur eine zerborstene Glasscheibe.

Dass es beim Zoll Schwierigkeiten geben würde, ist abzusehen.

In so einer verschworenen Männergesellschaft, die durch die Musik intensiv ist, wie die Eingangsszene zeigt, hat der eine oder andere durchaus seine Geheimnisse. Und wenn einer stirbt und es taucht plötzlich ein Nato-Soldat namens Dany auf, den ein solches mit dem Verstorbenen verband, so geraten die anderen ins Grübeln ob des posthum gelüfteten Geheimnisses.

So wird es ein wundervoller, überraschungsreicher Weg werden, bis sich das Rätel der Eingangsszene löst: die Erzählung eines alten Innuit von seiner Beeindrucktheit über Pete Best, der der erste Schlagzeuger der Beatles gewesen ist, aber kurz vor deren Durchbruch ausgetauscht wurde und der den Rest des Lebens als Bäcker gearbeitet habe, die Weltkarriere verschenkt.

Dieses Statement war der Anlass für die vorliegende Gründelei, Tüftelei der beiden belgischen Brüder, für den nahrhaften Bären, den sie uns mit dieser Story wohlgelaunt und pfiffig aufbinden.

Faszinierend an diesem Film ist, dass er einerseits den Eindruck erweckt, er komme kaum vom Fleck und dass just das es ausmacht, dass man nachher unendlich viel darüber erzählen möchte; weil einem kaum etwas vorenthalten wird.

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Der Plot ist lebenskompatibel.
Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass Kontrollmechanismen eingeführt werden zur Vermeidung von Kollateralschäden, die sich bei Aktionen zum Wohle der Menschen ergeben. Die Gruppe um Iron Man Tony Stark soll in diesem Sinne die Einsätze der Avengers kontrollieren. Und ebenso verständlich, dass sich daraus Komplikationen entwickeln, die kämpferisch in heldenhaftem Kräftemessen nur gelöst werden können.

Der Plot ist jedoch nicht primär das, was mich an diesem Film von Anthony und Joe Russo nach dem Drehbuch von Christopher Markus und Stephen McFeely nach dem Comic von Mark Millar fasziniert. Es ist die frische, sorglos jungenhafte Umsetzung des Comics, die aus ernster Vehrung für diesen und dem von ihm illustrierten Menschen-, insondere Männerbild genährt scheint: reine, unverstellte Superheldenträumerei, recht naiv auch.

Große, ernste Bubenspiele sind es, die von einem edlen Mannsein träumen, das sich für die Menschheit einsetzt, dabei Fehler macht und so in die Bredouille kommt; hier sind die Männer keine Machos, keine Karrieristen, keine Lover, keine Sozialfälle, keine Krankheitsfälle, keine Schmachtfritzen, sind nicht Kreatur, hier wird das Mannsein in der Verwirklichung des Kämpferseins als wahr und als bei sich seiend gezeichnet, der sich fantastisch technischer Hilfsmittel bedient, der insofern ein Fantasiemensch ist und über Kräfte verfügt, die die Natur ihm so nicht zur Verfügung stellt. Es ist ein überdimensioniertes Selbstbild, was die Anfälligkeiten und Schwächen der Natur des Menschseins kompensieren zu können glaubt.

Es stellt sich das Problem des Konfliktes zwischen Individualkämpfer und der Kontrollinstanz, die die Avengers überwachen und eingrenzen soll, denn das präsentierte Bild kann Kontrolle durch andere nicht vertragen; Autonomie, selbständiges Handeln prägen diese Superhelden; wobei es merkwürdig ist, dass ebensolche sich zu kleinlichem Kontrollverhalten hergeben; das widerspricht dem Ideal.

Ein Auftrag von 1991, Überfall auf einen Personenwagen mit Zivilisten und einer Gefahrgutladung im Kofferraum, Killerauftrag, ist das immer wieder aufscheinende Beispiel für das, was die Avengers in den letzten Jahren weltweit an Kollateralschäden verursacht haben, weshalb der „Civil War“ mit der Kontrollinstanz auf den Weg gebracht wird.

Die Gebrüder Russo scheinen zwei große, träumerische Buben, die diesen Marvel Comic andachtsvoll, hingebungsvoll, in nicht arg reflektierter Begeisterung, umsetzen; trotzdem ist auch mal Platz für Humor, wenn zum Beispiel der junge Spiderman ins Spiel gebracht wird .

Für dieses Männerbild haben die Macher den passenden Cast: Robert Downey Jr. als Tony Stark, der Iron Man, Chris Evans als Steve Rogers/Captain America, Sebastian Stan als Bucky Barnes/Winter Sodier, Anthona Macie als Sam Wilson /Falcon, Don Cheadle als Lieutenant James Rhodes /War Machine, Pauls Rudd als Scott Lang /Ant-Man, Daniel Brühl als Zemo.

Damit das Männerbouquet nicht fad und einseitig wird, sind zwischen ihnen Scarlett Johansson als Natasha Romanoff /Black Widow, Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff / Scarlet Witch, Emily VanCamp als Sharon Carter als feine Schmuckstücke wohlassortiert.

Die Freude an Muskelspielen fehlt nicht: einen Helikopter mit Muskelkraft am Abheben von einem Dach zu hindern versuchen, so geht die Kamera eher grinsend auf das schier platzende Oberarmmuskelpaket zwischen Helikopter und Dach zu. Anabolika-Ernst ist nicht gegeben.

Zur knabenhaft-reinen Freude gehört der Stolz des fine handicrafted Produktes, nicht es mit Computereffekten überladen, wenn auch sich ihrer kräftig bedienen, nicht den Zuschauer zudonnern, es soll so aussehen wie echt, wenn Stunts passieren, auch wenn dabei die Kamera gerne mit fahrigem Ruckeln nachhilft; es soll der Ernst des Superhelden auch im Film zu dessen Ehren gepflegt werden.

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4 x 25 Minuten thematisch hochkonzentriert fokussierter, geballter Input an Informationen, Erläuterungen, Bildern, Konzepten, Skizzen, Theorien und Beispielen modernen Umganges mit den Problemen des Bauens in asiatischen Megacities an ausgewählten, exzellenten architektonischen Beispielen, vorgestellt von Stararchitekten. Diese architektonischen Perlen werden ansprechend designt präsentiert von Michael Trabitzsch, Flaire Floquet und Jörg-Daniel Hissen. Manch ein Planungsreferat in unsere Städten könnte mittels gründlicher Beschäftigung mit dieser DVD teure Reisekosten in ferne Länder sparen und bei den Themen Neubau von Stadtteilen und Verdichtung sich inspirieren lassen. Erhältlich über absolutmedien.

Die Eroberung des Zwischenraums

Im ersten Film geht es um die pulsierende, disziplinierte, kaum ruhende, hocheffiziente Megacity Tokyo mit den überbordenden Boden- und Immobilienpreisen. Es gibt Lösungen mit verschiedenen Entwicklungen von Mikroappartment-Häusern, die versuchen, den Bewohnern das Gefühl von Individualität und Privatheit einerseits und menschlicher Gemeinschaft andererseits zu vermitteln.

Osama Nishida stellt seine Yokohama Appartments vor, die zur Straße offene Gemeinschaftsräume haben, die über kleine Stiegen zu den individuellen Einzelräumen führen, gekocht wird gemeinsam, die Einzelräume sind winzig. Hitoshi Wakamatsu hat das Sakura Appartmenthaus gebaut, das gedacht ist, klug Lücken zu füllen und welches mit variablen Wohnungskombinationen arbeitet, die sich den Dorf- oder Kleinstadtcharakter zu eigen machen. Sou Fujimotu präsentiert seine Tokyo-Appartments; die sehen lustig aus, wie ineinander verschachtelte und übereinander gestapelte Giebelhäuschen, die über kleine Pfade zu erreichen sind. Mitsuhiko Sato hat ein Genossenschaftshaus entwickelt, ein Terrassenhaus, das Komatsuagi Terrace; die Bewohner wussten, wer einzieht und waren in die Planung mit einbezogen.

Landschaft und Tradition

Im zweiten Film geht es um die Besinnung der Architektur auf die Natur und auf die Tradition, um eine Alternative zu entwickeln zu den Auswüchsen der amerikanischen Großstädte, wo planlos Wolkenkratzer an Wolkenkratzer in die Höhe ragt, ohne Beziehung zu einander und naturvergessen; es geht darum, der Architektur Natur zurückzugeben oder sie in die Natur einzubetten.

Das Yokosaka Art Museum von Riken Yamamoto, 70 Kilometer von Tokyo entfernt ist ganz unscheinbar in einen Naturpark am Meer eingebettet. Yamamotos Grundidee ist die, dass das Haus vom Meer aus gesehen praktisch unsichtbar bleiben soll; es ist zu großen Teilen in die Erde abgesenkt und von einer ausladenden Terrasse überdeckt. Die Vertikale als Imperativ des Bauens, Integration der Architektur in die Natur, sie fast zu verstecken in der Natur, das sind seine Ideen; entsprechend leicht ist die doppelte Haut des Gebäudes aus Glas und Metall.

In China, in Shan Shui City, stellt uns Ma Yansong, ein Architekt aus der Gruppe der MAD-Architekten, die stark von der kürzlich verstorbenen Zaha Hadid beeinflusst sind, ein Hochhaus mit Garten als lebendigem Organismus vor, das nicht den Eindruck erwecken soll, hier gehe es nur darum, möglichst effizient Menschen zu stapeln. In Beihai, dem ursprünglichen Ausgangspunkt der Seidenstraße, hat Yansong die Fake Hills gebaut, eine szenische Architekturlandschaft, die Ausblicke wie von einem Bergpanorama ermöglicht und in Zentralchina gibt er mit dem Huanshan Mountain Village das Beispiel eines Dorfes aus Luxusappartments, das sich in die Landschaft einschmiegt, Hochhäuser, die gar nicht als solche wahrgenommen werden und die die Geschichten der Großeltern erinnern sollen, eine spirituelle Landschaft.

In Peking folgt ein Einblick in Zaha Hadids Galaxy Soho, das wie eine Insel in der Smog-Großtadt wirkt, einer Oase gleich im pausenlosen Lärm dieser Stadt ohne Kern. Weiter geht es zu den Hofhäusern, die den Mikrokosmos einer Familie umfangen; daran orientiert ist die Hutong Bubble. Pei Zhu hat ein chinesisches Hofhaus renoviert, um dem Verlust des Historischen und des lange Entwickelten entgegenzuarbeiten.

Schwenk zurück nach Japan zum Z 58 von Kengo Kuma, einem renovierten Fabrikgebäude, das heute ein pflanzenloser Bürokomplex ist mit einer mehrstöckigen, pausenlos prickelnden Dauerbewässerung an den Wänden über Lamellen, die nicht nur hilfreich für die Luftbefeuchtung sind, sondern auch raffiniert mit dem Licht arbeiten, so dass die Atmosphäre eines botanischen Gartens entsteht, ein Naturgefühl.

Spektakuläre Kulturbauten

In der Sonderwirtschaftszone Shenzhen bei Hongkong mit ihren 10 Millionen Einwohnern hat Pei Zhu ein Design Museum entworfen und gebaut, es sieht aus wie ein „vom Meer geschliffener Stein“, ein archtiektonisches Faszinosum, das das immer über dem Megacitybau schwebende Dauerthema von Balance und Ordnung hochkonzentriert realisiert, ein Bau mit einem sich endlos fortsetzenden Innenraum; hier scheint alles zu schweben, das ausgestellte Auto ebenso wie der Besucher, ein Konzept, was sich auf die chinesische Kulur beruft und durch Irritation eine Erweiterung der Wahrnehmung anstrebt.

In Dalian im Norden Chinas hat der Wiener Architekt Wolfgang D. Prix von der Coop Himmelb(l)au, die auch die Münchner BMW-Welt entworfen hat, eine Oper als Wahrzeichen in die Sonderwirtschaftszone gestellt, die gleichzeitig auch Konferenzzentrum ist, die wie eine mittelalterliche Stadt funktioniert und nicht hierarchisch organisiert ist, somit eine ungewohnte Raufmerfahrung vermittelt: alles ist in Bewegung; immer muss der Archtiekt entscheiden, ob er eine Aussicht blockiert oder freigibt. Gemeinsinn statt Macht und Repräsentation ist die Philosophie bei diesem Entwurf, der in einer Achse zentraler Straßen mit Meersicht liegt. Ein Gebäude was durch Identitfikationsmomente zu emotionaler Besitzergreifung führen und auch auf die Entwicklung der Umgebung ausstrahlen soll.

In Ningbo hat Wang Shu sich auf die chinesische Geschichte besinnend und im Gegensatz zu den wild hochschießenden Wolkenkratzern ein Geschichtsmuseum hingewuchtet, das mit seinen alten, dunklen, erdigen Materialien an eine mittelalterliche Burg erinnert und dem Betrachter zuruft: „Denk an die Tradition!“ Dahinter steckt Wang Shus bittere Erkenntnis, dass unsere Städte ihr Gedächtnis verloren haben. Es gibt noch weitere Beispiele aus Ningbo, in denen Wang Shu seinem Ruf als einem Vertreter der Horizontalen und der Einfachheit alle Ehre macht, zB ein Kunstmuseum, das aussieht wie ein Lagerhaus.

Neue Stadtmodelle

Hier geht es um architektonische Meilensteine, die teils in Brachen erst geplanter Städte, Maßstäbe setzend gebaut werden.

In Ordos in der Steppenlandschaft in der Nähe der Mongolei hat die Architektin Xu Tian Tian eine Oper gebaut mitten im Niemandsland. Daran sollen sich die Planungen für die Umgebung orientieren. Die Oper liegt wie in einer Senke verborgen da. Das Gebäude ist von den Sanddünen inspiriert.

Ebenso baut Ma Yansong das Ordos Museum, eine raumschiffartige Blase, als ob sie nirgendwo hingehöre. Auch ihr fehlt noch die Umgebung. Aber vielleicht lässt sich die um sie herum zu bauende Stadt wie von einem Kreativimpuls davon beeinflussen.

Zurück in Ningbo: jetzt geht es um die Konzeption neuer Stadtteile, über die Jane Zhang, MADA-Mitbegründerin, erzählt, dass sie keinerlei Planungsvorgaben habe und der Fantasie freien Lauf lassen könne in der Gestaltung von CDDs, neuen Geschäftszentren, die bieten müssen, was die Städte in ihren chaotischen Entwicklungen nicht mehr leisten: menschlichen Bezug.

Ebenfalls in Ningbo hat Wang Shu die berühmten Hochhäuser gebaut, die aus übereinandergestapelten, traditionellen Hofhäusern bestehen und so Nachbarschaftsleben selbst in Hochhäusern ermöglichen: sehen und gesehen werden wie im traditionell gewachsenen Dorf oder Stadtteil; der Mensch und der nächste Mensch als Maßstab.

Dann noch ein Schwenk nach Shanghai zum Internationalen Yacht- und Kreuzfahrthafen; hier wird eine Stadt in der Stadt nach Masterplan wie die Docks in London neu entwickelt.

Zum Abschluss dieses nahrhaft kompakten, architektonischen Asientrips erklärt der Deutsche Meinhard von Gerkan die Millionenstadt, die er als Trabantenstadt Lingang 60 Kilometer von Shanghai entfernt aus dem Boden stampfen darf, die ihr Zentrum bereits hat und die vor allem von einem Offshore-Hafen, der 35 Kilometer im Meer draußen liegt und durch Brücken erreichbar ist, belebt werden soll. Auch er philosophiert über Ordnung und den sichtbaren Mittelpunkt, den bei ihm das Maritim Museum bildet und über die Balance von Vielfalt und Einheit. Er will die Mitte der Stadt, die nur zu gerne verstopft ist, für Aktivitäten freischaufeln und die Wohngebiete und Verwaltungsbezirke konzentrisch anordnen mit genügend grüner Natur dazwischen.

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