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Faszination Hochstapler.

Was fasziniert an einem Hochstapler? Doch dass er Menschen Sehnsüchte erfüllt, beispielsweise mit einer Berühmtheit aus der Familie Rockefeller bekannt oder benachbart zu sein.

Wer lässt sich nicht gerne beeindrucken von perfekten, europäisch-britischen Manieren, gut gekleidet mit Blazer mit Goldknöpfen, gerade Haltung, Inbegriff von Eleganz und einem klassischen Englisch ohne eine Spur von Akzent, die sich der bayerische Landbub und Sohn eines Lüftl-Malers und einer Etepetete-Schneiderin, wie sie charakterisiert werden, hochintelligent in kürzester Zeit selbst beigebracht hat.

Dass Christian Gerhardsreiter aus Übersee am Chiemsee einst ein Hochstapler und gar Mörder würde, war nicht unbedingt vorauszusehen; allerdings zeigt Steffi Kammerer, die unter der Redaktion von Walter Greifenstein diese Dokumentation für den BR erstellt hat, ein Bild aus den 80ern, aus seinen Teens, wo er mit anderen Jungs am See im Klüngel zusammen ist; alle sind sie in der Badehose, nur er ist mit langer, weißer Hose und damals perfekt modischem Hemd, langen Haaren und Sonnenbrille drauf zu sehen.

Er sei relativ klein gewesen und wollte immer schon weg, was andere wiederum nicht verstehen, die sich voll aufgehoben fühlen in der Gemeinde. Mit 17 ist er nach Amerika ausgewandert. Dort wollte er Drehbuchautor werden, hat Drehbücher geschrieben, aber die Reaktion von Robert Wise, dass er kein Talent habe, so erzählt er im einzigen direkten Interview in einem Gerichtssaal, dürfte die Entscheidung für eine anderweitige Karriere beeinflusst haben – wenn wir ihm denn ausnahmesweise glauben wollen.

Diese Ersatzkarriere besteht aus dem Spiel mit Identitäten, in der Suche von Kontakten, gerne über die Kirche in reichen Gemeinden im Westen Amerikas wie in San Marino, wo er durch seine Manieren sozusagen freien Eintritt genießt; den Erzählungen des 13. Baronett von Chichester wird allzu gerne und bereitwillig Glauben geschenkt. Später in New York, nachdem der Zauber aufgeflogen ist, fällt das Zitat „Der New Yorker Sommerskandal, auf den die New Yorker jedes Jahr hoffen.“

In dieser Dokumentation kommen verschiedene Menschen zu Wort, die sich von ihm haben bluffen lassen, die ihn zum Teil aber bis heute noch als Freund sehen, Ex-Freundinnen, Ex-Gattin, die immerhin Partnerin von McKinsey war mit Millioneneinkommen; der Mensch ist von der menschlichen Seite wohl immer verführbar, gerade im harten Geschäft, anfällig für einschmeichelnde Komplimente.

Es kommen ehemalige Nachbarn zu Wort, eine Galeristin, ein Maler, ein FBI-Mitarbeiter, ein Autor, der als Revanche für den Betrug ein Buch über den Hochstapler geschrieben hat und einige Szenen daraus vorliest.

Dass eine seiner falschen Identitäten aufzufliegen drohte, dürfte der Anlass für den Mord (oder gar die Morde) gewesen sein; verschwinden lassen von Zeugen.

Der Film erzählt chronologisch, schneidet immer wieder das Interview mit ihm dazwischen und blendet dabei auch zurück an den Ort seiner Jugend. Er macht heute im Gegensatz zu Fotos aus seinen besseren Zeiten keinen glücklichen Eindruck; wenn er spricht erinnert er in seiner heftigen Kopfsprache an den ehemaligen Ministerpräsidenten Stoiber.

Auch wenn hier die bittere Note des Mordes hinzukommt, so ist der Film doch vergnüglich anzuschauen, weil es darum geht, was kann man einem Menschen glauben und was nicht, wie leicht und gerne lässt jemand sich täuschen, wie schon köstlich zu beoachten war in Beltracchi – Die Kunst der Fälschung.
Dumm sind solche Menschen ja nicht – eher scheint etwas schief gelaufen zu sein in ihrem Leben.

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Ein Trauerspiel, was der BR uns hier für unser mühsam abgespartes Zwangsgebührengeld liefert. Franz Xaver Bogner war eine Ikone des Bayerischen Fernsehens, der populäre Serien wie „Irgendwie und Sowieso“ oder „Café Meineid“ kreierte, schrieb und inszenierte. Ein verdienter Fernsehmacher. Jetzt hat er das Pensionsalter erreicht.

Mit Monis Grill gibt er uns zu verstehen, dass er müde geworden ist. Vielleicht liegt es an den Budgets. Den BR drücken Megaschulden, Pensionslasten und an der Spitze ist eine graue Figur, die offenbar weder vorwärts noch rückwärts weiß in der verfahrenen Situation, aber Anspruch auf Bezahlung wie die Bundeskanzlerin erhebt.

Dafür werden solche Serien produziert, die offenbar ganz schnell geschossen werden müssen. Vom Titel her scheint sie sich an den Erfolg der Berliner Serie „Drei Damen vom Grill“ anlehnen zu wollen, denn drei Damen sind jeweils die Hauptfiguren.

Die drei Berliner Damen vom Grill waren geprägt von Persönlichkeiten wie Brigitte Mira, Brigitte Grothum; das waren Schauspielerinnen. Heute figurieren Promis. Die haben ganz andere Wege nach oben hinter sich.

Der Grill ist jetzt ein charakterloses, postmodernes Restaurant.

Die Struktur einer Folge besteht darin, dass eine weitere Promi-Frau, aber wer bittschön sind die?, ihren Auftritt hat und mit der Blonden in einem Nebenzimmer eine Art Zwergentalkshow veranstaltet zu Themen wie Haare unter den Achseln, Körperhygiene, Lesbiertum, Patientenverfügung und Organspende, Schönheitsprobleme oder Freundschaft unter Promis; außerdem hat je Folge eine böse Person von außen ihren Auftritt.

In der ersten Folge ist es eine Klischeedame vom Finanzamt, Typ Sozialarbeiterin, die die Aufgabe einer Gerichtsvollzieherin wahrnimmt, realitätsfremd, und in der zweiten Folge ist es der strohdumme Herr Meier, so dumm, dass ihm nicht zuzutrauen ist, dass er eine zentrale Immobilie am Viktualienmarkt, ein Filetstück mitten in München, angemessen verwaltet. Er fällt auf die billige Anmache von Damen, die ihre beste Zeit hinter sich haben, rein und die Fernsehmacher pupsen auf diese Art auf die extreme Münchner Mietsituation.

Das TV-Kalkül will um 19.30 Uhr alle Generationen erreichen, also wird noch vorpubertäre Jugend, die sich mit Cicero beschäftigt, und pubertäre Jugend, die einen flotten Dreier vorgaukeln soll, eingebaut, um dem strohdummen Herrn Meier den flotten Dreier mit zwei alten Damen schmackhaft zu machen.

Die Komparserie im Lokal wirkt sterbensgelangweilt – das ist mehr als verständlich bei dieser peinlichen Veranstaltung mit einem Cast, der nicht zum Renommieren oder Dranbleiben verführt und nebenbei wird fleissig Werbung für die Volkskrankheit Alkohol gemacht mit Bestellen, Einschenken und Zuprosten.

Einzig Sarah Camp als die Mutter, die zwar oft auf ihr Stichwort warten muss, wahrt eine gewisse Würde und bringt ab und an einen stimmigen, nicht aufgedonnerten Münchner Text.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers an Fernsehredakteur Elmar Jaeger und den Chef des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, der uns endlich beweisen soll, aus welchem Grund er ein Gehalt in Höhe eines Bundeskanzlers für sich beansprucht; sicher nicht mit der Produktion solch überflüssiger Serien, die offenbar als Apanage für Subventionspromis gedacht sind.

Die Promis, die hier für ihre Plapperauftritte Geld aus dem Zwangsgebührenhaufen kassieren, sollten sich zumindest bei jenen einkommensschwachen Haushalten entschuldigen, die leicht über HartzIV liegen, und die sich die Zwangsgebühr vom eng bemessenen Haushaltsbudget absparen müssen mit Verzicht auf Kino- oder Cafébesuche und die sich ein Essen in Monis Grill grad gar nicht leisten können!

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Europa und die Reformen.
Italien und die Reformen.
Norwegen ist ein vorbildlich zivilisiertes Land.
Norwegen ist nicht in der EU.

Italien ist ein besonders reformbedürftiges Land. Renzi soll richten, was Berlusconi hat anbrennen lassen. Das ist der Hintergrund für diese intelligente, italienische Komödie von Gennaro Nunziante, der mit Checco Zalon, dem Protagonisten, auch das Drehbuch geschrieben hat.

Checco, so nennt sich Zalon praktischerweise auch in seiner Rolle, ist Beamte auf Lebenszeit in der Provinzjagd- und -fischereiaufsicht. Frischer Wind weht von oben und will den wuchernden Beamtenapparat ausmisten.

Für Checcos Tätigkeit gibt es Beispiele. Er erteilt Jagd- oder Fischereierlaubnisse für Berechtigte und nimmt Geschenke nur, wenn sie unter gar keinen Umständen wie Bestechung aussehen, also nur als Selbstverständlichkeit für eine Selbstverständlichkeit. Später wird ein Blick in seine Aktenkammer viel über diese Selbstverständlichkeiten verraten.

Pech für Ceccho, der unverheiratet ist und noch bei Vater und Mutter lebt: er ist praktisch der einzige, dem überhaupt der Abschied vom Amt gegen großzügige Übergangsregelung und ebensolche Abfindung nahe gelegt werden kann. Den frischen Wind soll die Doktorin Sironi, Sonia Bergamasco, in die verstaubte Provinz-Bürokratie bringen. Sie wirkt eisern, dass sie auch ein Herz hat, wird eine Überraschung zur Verblüffung aller und bis zum Schluss aufgehoben.

Ihre Bemühungen, Checco den Amtsverzicht mit schönen Schecks mit immer höheren Zahlen drauf schmackhaft zu machen, laufen ins Leere, führen stattdessen zu einer Abenteuer-Versetzungsreise ins nördliche Norwegen zu einer Nordpolarforschungsstation, in welcher Checco die Forscher vor Eisbären schützen soll.

Ihm zieht es menschlich den Schuh mit einer attraktiven Wissenschaftlerin aus, er gerät in eine paneuropäische Multikulti-Patchworkfamilie und damit in eine Culture Clash-Farce, die das Flüchtlingsthema humorvoll und doch nicht verniedlichend reflektiert.

Das ist das Geheimnis von solchen Komikern, dass sie den Quasi-Normalbürger mit all seinem Hang zur Bequemlichkeit und seiner Listigkeit und Hinterfotzigkeit spielen, dass sie aktuelle Themen durch den Fleischwolf drehen und ihnen unterhaltsame Überzeichnungen mit dem bitteren Kern Wahrheit entlocken, den Zuschauer glucksen lassen.

Regisseur und Autor Nunziante fängt wie in einer Hommage an die italienische Gialli- und Mondo-Cane-Tradition in Afrika an, ein tapsiger Westmensch, Weißer und Europäer befindet sich auf einer Mission (wir bleiben vorerst uninformiert) irgendwo im tiefsten Afrika mit einem lottrigen Auto und einem Fahrer, der erzählt, wie problemlos der fährt – schon stottert der Motor.

Wo sind wir? Ja, harmlose Gegend, ok, es gibt hier ein paar Menschenfresser. Und schon entsteht die schönste Filmkulisse wie zu Zeiten des Kolonialismus. Ab jetzt wird Ceccho um sein Leben reden – können wir wissen, ob es wahr ist oder schön erfunden? Wir tendieren dazu, ihm zu glauben, vor allem, uns von seinen Erzählungen, die schnell in Realfilm übergehen, mitziehen zu lassen, so dass uns nicht mal die deutsche Synchro stört.

Der Film zeigt aber auch, welche massiven Beharrungsenergien in einem Beamten freigesetzt werden, wenn er seiner Privilegien verlustig zu gehen droht.

Beispiel für die Zivilisiertheit Norwegens: wie die Mutter von Ceccho gerührt ist und weint und nach einem Papiertaschentuch verlangt, herrscht er sie barsch an, deswegen würden keine Urwaldbäume gefällt oder man hält mit dem Auto extra an, um ein Papierfetzelchen von der Straße aufzuheben und ordnungsgemäß zu entsorgen.

Ein schönes Nordlicht haben die Filmemacher auch noch hineingezaubert in diesen Film und einer der Reformfortschritte wird greifbar: die Provinzjagdverwaltung heißt ab jetzt: Landesjagdverwaltung. Also: kein Grund, die Hoffnung auf Reformen in Italien und Europa aufzugeben!

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Wer ist die gute Mutter? Doch diejenige, die genau weiß, was richtig ist für ihr Kind und die das pefekt durch- und umsetzt und dieser Ansicht auch im Elternbeirat der Schule Nachdruck verleiht. So denkt und handelt zumindest Gwendolyn James (Christina Applegate) und damit setzt sie sich in dieser Lebenshilfe-Komödie der Hangover-Autoren (Hangover 3, Hangover 2) Jon Lucas und Scott Moore automatisch auf die Antagonisten-Position, womit bald schon für funkenden Zunder in der Auseinandersetzung mit den titelgebenden Bad Moms gesorgt ist.

Es dürfte kaum ein Gehimnis verraten sein, dass die Autoren auf Seiten der sogenannten Bad Moms stehen, denen bewusst wird, dass sie Fehler machen, dass sie nicht alles richtig machen können, dass es kein Patentrezept für die Erziehung gibt.

Bis zu dieser Erkenntnis geht gekonnt die Post ab durch alle Höhen und Tiefen einer Mutter- und Gattinenschaft. Erst ist Amy (Mila Kundis) nur gestresst von ihrem Job bei einem Kaffeeverkäufer und vom Haushalt mit den zwei Kindern und dem Schlaffi von Mann, Mike, David Walton.

Amy hat das berechtigte Gefühl, immer zu spät zu sein, hinter allem herzurennen. Dann erwischt sie ihren Mann beim Onanieren am Computer mit einer feschen Blondine und findet heraus, dass das schon länger so geht. Schwupps schmeißt sie ihn raus.

Mit ihren Freundinnen Kiki (Kristen Bell) und Carla (Kathryn Hahn) versucht sie nun den Ausbruch. Dazu sind bei unseren Autoren Frivolitäten Programm. Die Frauen lassen die Sau raus (Symbol: der feuerrote Mustang), machen Männer an, wollen auch mal einen anderen Penis in der Hand halten – und nicht nur das. Offene Worte und Taten, die folgen.

Allerdings konfligiert dieses Verhalten mit den Maximen der Elternratsvorsitzenden Gwendolyn. Dazu kommt eine andere amerikanische Heiligkeit ins Spiel: der Sport, der Schulsport, der Football, denn das Töchterchen von Amy ist ganz scharf darauf, da mitzutun, weil gute Ergebnisse hierbei die Türen fürs College leichter öffnen.

Gwendoly entdeckt diesen Schwachpunkt ihrer Gegnerin, setzt das Töchterchen auf die Ersatzbank. Das wird zum Auslöser dramatischer Entwicklungen, die in der Gegenkandiatur von Amy für das Amt der Vorsitzenden des Elternbeirates münden, wodurch die Gelegenheit für weitere Intrigen, Hinterhältigkeiten, fantasievolle Gegenaktionen im Zickenkrieg gegeben ist.

Die Wahlversammlung bietet das Podium für eine ausgiebige und rhethorisch erstklassig gearbeitete Darlegung der unterschiedlichen Erziehungsmethoden und bestens nachvollziehbar für den Zuschauer, denn welcher Mensch ist nicht mit diesen Themen befasst, welcher Mensch ist nicht das Produkt einer Erziehung und welcher Mensch hat noch nie mit der eigenen Erziehung gehadert?

Der Film ist ein würdiges, weiteres Kapitel, wenn auch dezidierter im Komödienmodus, zum Themenbereich nach Captain Fantastic.

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Der Film vermittelt mir das gruselig-unangenehme Gefühl, in einen abgestandenen, lauwarmen, menschlichen Intimtümpel einer fremden Person getunkt zu werden, den wir gar nicht erst kennenlernen möchten, ich komme mir benutzt vor wie ein seelischer Mülleimer für einen Quas an Kumulation von Scheinproblemen, die mit den Mitteln eines typisch deutschen Themenfilmes aus dem Nischenbiotop deutscher Zwangsgebührenkultur aufbereitet werden (lauter erfundene Figuren und Szenen, häufig lebens- und weltfremd; umso sichtbarer wird, dass die Schauspieler „gut“ spielen), ferner unter militanter Betonung des Wahrheitsanspruches mittels Beiziehung von Artefakten aus dem real-existierenden Leben der Bundesrepublik, von Kabarettisten, Pränataldiagnostikern und dergleichen als Stand-Ins für sich selber.

Klar, Julia Jentsch ist, gerade unter solch verzweifelten Umständen, eine hervorragende Darstellerin, die noch dem abgergläubigsten Humbug Verbindlichkeit verleiht, dem Satz von der Katze, die durch den Garten läuft, ob es die schwarze sei: womit der Film doch gleich sein eigenes Fundament aus Spuk und Aberglaube entlarvt.

Nur eines ist Julia Jentsch garantiert nicht, das schließt sich sozusagen aus: eine Kabarettistin. Das ist eher die Darstellerin ihrer Mutter, Johanna Gastorf; wobei das vielleicht die einzige Überlebenschance dieses Filmes gewesen wäre: diese Berufsbehauptung für Julia Jentsch ernst zu nehmen und den Themenkomplex an einem Handlungsfaden, der sich aus diesem Beruf ergibt, aufzuzäumen.

Aber daran waren offensichtlich weder die Protatgonistin noch die Regisseurin Anne Hohra Berrached noch ihr Mitautor Carl Geber interessiert, womit sie der Godard-Forderung nach der Zuschreibung eines Berufes für die Darsteller zwar formal Genüge tun, aber durch mangelnde Untersuchung der Folgen auf die Handlung diese gleich wieder austricksen und somit Godard die lange Nase zeigen.

Das Themenkonstrukt ist folgendes: Die Kabarettistin Astrid ist von ihrem affigen Mann schwanger; aus dem Embryo ist mit Ultraschall bereits erkennbar, dass das Kind mongoloid sein wird. Erschwerend zu diesem Befund kommt hinzu, dass in der Herzkammer des Embryos Löcher entdeckt werden, die kurz nach der Geburt opereriert werden müssen. Das ist vielleicht ein Problem, macht aber eben keine Story.

Als weiteres Thema kommt der Schwangerschaftsabbruch im siebten Monat hinzu, Tötung des Embryos im Mutterleib, und zu guter Letzt noch das Thema des Abschieds von diesem ungeborenen Baby.

Zur Erhöhung ihrer multiplen Themenverquickung plündert die Filmemacherin als Beifang das „reale“ Leben, bringt Aufnahmen von einem Chor von Menschen mit Down-Syndrom, eine Führung durch eine Brutkastenstation und viel Ultraschallfilm. Dazu liefert sie Reaktionen, die vermuten lassen, dass mongoloid ein Problem sein könnte, außerdem Gefühlswallungen der Darsteller, damit auch der letzte Zuschauer den Ernst der Lage begreift.

Die Darsteller bringen das prima auf Kommando, deshalb werden sie „professionell“ genannt und gut bezahlt. Als Gegengewicht zur Schwere ihrer konstruierten Themen lässt die Fimemacherin daher die Protagonistin, angeblich Kabarettistin, erst mal Witze erzählen, wobei die Haltung der Filmemacherin dazu diffus bleibt und der Zuschauer schwimmt.

Der Teig des Filmes, der die Themenbearbeitung zusammenhalten und wie mit Sahne verfeinern soll, ist eine bedeutungsgeladene Musiksauce und auch die Kamera scheint leicht verwirrt ob der gewollten Konfliktschwangerheit und schießt wild in der Gegend umher und geht gerne in vergeheimnissendes Unscharf; das wirkt, als wollen diese Gewerke auf die bereits überladene Bedröppelungsintention der Regisseurin noch einen fetten Moralfinger draufsetzen.

Der Mangel an Handlung verlässt die Darsteller oft zu typisch deutschem Improvisieren; sie liefern im Untertext mit, dass sie jetzt „Alltag“ improvisieren (von leider nicht gut genug studierten Rollen; das zeigt sich just im Improvisieren). Dazu noch Rekurs auf Fernsehware (‚Nuhr im Ersten‘), der wie gemacht ist, die Kinoahnungslosigkeit der Macher zu bestätigen.

Auch so eine Bedröppelungszeigefinger-Aktion: die Erwachsenen stochern lustlos – Achtung: das Thema bedrückt sie! – in ihrem Essen, während das kleine Mädchen mit einem laut aufknallenden Tennisball spielt und selbstverständlich die Erwachsenen nervt: mit solchen Themen will die Regisseurin, wie eine Ertrinkende scheint mir, dem Publikum klar machen, wie wichtig ihr doch das Thema ist und dass sie möchte, dass dieses es auch so wichtig nehme (für Humor ist dabei kein Platz; und schon gar nicht beim Kabarettistenthema; Django Asyl hat in einem Interview in der SZ-Reihe „Reden über Geld“ gesagt: Kabarettisten seien die reinsten Manchester-Kapitalisten, wer mehr Zuschauer hat, verdient mehr. Nichts davon in diesem Film von Frau Berrached; das wär doch ein vermaledeit guter Ansatz).

Ach, das ist alles so unausgegoren, wie kann ein Film sich nur so unwichtig machen! Mehr als einmal muss ein Darsteller zur Toilette – haben die beim Dreh keine Pinkelpause? Oder soll daran die Intention „Realismus“ und „Scharfe Beobachtungsgabe“ handfest gemacht werden?

Versucht, mangelnde Storykonsistenz mit dem Beizug von Artefakten aus dem Reallife zu beheben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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Jugendlich und energiegeladen aufgemotzter TV-Krimistoff mit Sonntagabendmoral: sei vorsichtig im Umgang mit unbekannten Facebookfreunden, besonders wenn sie attraktive Bilder posten, liebessehnsüchtig sich geben und verständnisvoll.

Ein weiterer, vielfältig geförderter, deutscher Nachwuchsfilm, der so von sich überzeugt ist, dass er es nicht nötig zu haben scheint, eine klare Exposition, wenigstens einen establishing Shot dem Zuschauer zu gönnen (damit er sich einfindet in die Geschichte und sich in ihr zurechtfindet) über die zwei benachbarten Häuser und Familien, die über die Straße wohnen und zwischen denen sich das Drama entwickeln wird.

Ein weiterer deutscher Nachwuchsfilm, bei dem einzelne Gewerke durchaus zu glänzen verstehen, dies zum Nachteil der Geschichte, des Drehbuches, das als nachvollziehbare Geschichte nicht schlüssig genug gearbeitet ist, das der Spielerei mit Effekten und Reißschwenks und Zack-Schnitten und zu knappem und forciertem Sprechen angehaltenen Schauspielern und Horror- und Trashelementen, wenn die Angelegenheit kriminell wird, den Vortritt lässt.

Zumindest der bedächtige Betrachter tut sich schwer, umso mehr, als die Geschichte eine Gesamtsituation und eine Gesamtmoral schildern will, auch wenn sie ein wirklich hübsches und nettes junge Darstellerstellerpaar als Lena und Tim (Emilia Schüle und Jannik Schümann) engagiert haben. Aber ihre Charaktere sind kaum studiert, sie ist edel und er ist verträumt, ein Außenseiter, der einen verlassenen Wohnwagen als sein Atelier eingerichtet hat und Sprayer. Die Liebe zur Kunst verbindet die beiden. Sie macht großflächige Klebecollagen aus Papier.

Die Freundinnen von Lena sind böse und neidisch und zickig und wollen diese Liebe zerstören. Aber sie sind nicht die einzigen. Auch die Vorzeigefamilie mit der bekannten Autorin, die ihr Geschäft mit Büchern über das perfekte Eheglück macht, und ihrem Mann als Trainer einer Tanztruppe und dem auf Lena eifersüchtigen Töchterchen als Lenas bester Freundin.

Mutter spioniert die Freundin als Fake „Noah“ aus und trägt zu der sich abzeichnenden Katastrophe bei, die die Liebe des Heldenpaares wie bei Romeo und Julia nur befestigen wird. Aber selbstverständlich ist auch ihre Ehe im Eimer, Vater ist ein Seitenspringer.

Das Drehuch ist mit diesen vielen Themen (Tim muss auch noch für die Rauschgiftthematik herhalten und Denunziation spielt eine Rolle und der Shitstorm kommt vor) überfrachtet und weil das nicht genug ist oder eben, weil das grad keine Spannung erzeugt, mögen die Szenen noch so temperamentvoll kurz und knapp aneinandergeschnitten sein, soll jetzt auch noch ein Tanzwettbewerb als Spannungserzeuger her.

Und dann gibt es einen Anschlag auf Lena und ihr Zusammenbruch beim Tanzen wird mit dem Handy gefilmt und das Mobbing übers Internet betrieben. Da die Macher spüren, dass auf diese Weise ihre Suppe zu dünn geraten ist, substantiell, weil die Bescheidenheit der Reduktion auf einen Konflikt und ein Thema fehlt, da hilft keine Materialfülle und keine Materialschlacht, muss die Tonspur mächtig aufdrehen.

Wir haben verstanden, hier gibt es Leute, die in sich als künftig große Filmemacher sehen. Unser Rat: konzentriert Euch erstmal auf eine Geschichte, einfach soll sie sein und nachvollziehbar.

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Ein Votum für’s Whistleblowing und gegen Überwachungsexzesse.

Während uns Laura Poitras mit ihrer Dokumentation Citizen Four auf Einladung und Vorschlag von Edward Snowden zu direkten Zeugen des historischen Momentes seines sensationellen Whistleblowings im mira-Hotel in Hong Kong machte, liefert Oliver Stone (Savages), der mit Kieran Fitzgerald auch das Drehbuch geschrieben hat, die breit ausgemalte Vorgeschichte und die verknappte Nachstellung des historischen Moments als klares Votum für Snowden, den er filmhandwerklich einwandfrei als Helden aufbaut, als amerikanischen Helden.

Ein Film primär für das amerikanische Publikum und die amerikanische Politik, die in Snowden gerne den Verräter sieht, der hinter Gitter gehört, gedreht in Bayern in den Bavaria-Studios und wohl deshalb oft in Nebeldampf gehüllt oder mit unscharfen Hintergründen.

Durch die Verheldisierung entfällt der filmgeschichtlich einmalige Moment, den Poitras einfangen konnte, wie dem hochintelligenten, blassen Jüngling nach den ersten Veröffentlichungen dämmert, was er da angerichtet hat, ein Vorgang in einem Menschen, den plausibel zu spielen vermutlich kein Schauspieler in der Lage sein dürfte. Diese Wandlung des Protagonisten kommt denn bei Stone auch nicht vor.

Kompensiert wird dieses Defizit mit deutlich mehr Hintergundinfo aus Snowdens Biographie und seinen Aktivitäten beim Geheimdienst, wie hoch hinauf er dort offenbar gestiegen ist, für wie hochbegabt er galt, das wird speziell deutlich am Programm „Epic Shelter“.

So etwas für jeden verständlich zu zeigen, das versteht das amerikanische Kino aus dem Effeff. Erst entwickelt Snowden das Programm. Dann kommen andere Schauplätze, man lässt ihn Fehler in Genf und Bukarest machen. Man lässt ihn Probleme haben, seine Epilepsie wird erläutert inklusive einer generellen Info über diese Krankheit und die Implikation auf die Fahrtüchtigkeit. Dann lässt man ihn in die Tiefen der Geheimdienst-Unterwelt von Hawaii abtauchen, in unterirdische Hochsicherheitsbunker, lässt ihn die neuen Kollegen vom Programm Epic Shelter schwärmen und ihn ganz bescheiden anmerken, er habe das entwickelt.

Hier auf Hawaii ist auch die Möglichkeit gegeben, einen kritischen Blick auf den amerikanischen Drohnenkrieg zu werfen, die Maustäter, die mit ihren Klicks ferntöten und die sehen, dass ein Kind getroffen ist und mitbekommen, wie diese Info sofort in einen Hund abgewandelt an die Öffentlichkeit geht; Enthüllungskino auch.

Auch das versteht das amerikanische Kino perfekt, mit dem nötigen Thrill das Kopieren und den Schmuggel der Daten aus dem Hochsicherheitstrakt hinaus mittels Zauberwürfel zu illustrieren; der Zauberwürfel wird gleich zu Beginn in der Hotellobby in Hong Kong als Erkennungsrequisit eingeführt beim Blind Date mit Glenn und der Filmemacherin Poitras.

Mit ähnlich plausibilisierendem Effekt wird auch die Liebesgeschichte zu Lindsay eingeführt. Eine Liebesszene wird außerdem dazu benutzt, Snowdens höchste Vorsicht im Umgang mit Computerkameras darzustellen. Ihm ist unwohl, wie er mit Lindsay sexuell zu Gange ist und die Kamera bei abgestelltem Computer nicht abgedeckt ist: die Russen, die kommen auch da rein. Ab sofort ist die Kamera verklebt.

Dem Argument, die Freundin habe nichts zu verbergen, nimmt Snowden gleich den Wind aus den Segeln, indem er sie auf eine Angelegenheit aufmerksam macht, die ihr sichtlich unangenehm ist.

Ein Ausschmückkino, ein Begründungskino und auch ein Überzeugungskino, ja in den USA durchaus als Agit-Prop zu verstehen mit langsamem, fundiertem Heldenaufbau. Die Darsteller überzeugen, was immer schwierig ist, wenn ein Originalvergleich vorliegt: Joseph Gordon-Levitt als Snowden, Zachary Quinto als Glenn Greenwald, Melissa Leo als Laura Poitras.

Die Message: bei der Überwachung geht es nicht um Sicherheit, die ist lediglich Vorwand, es geht um ökonomische und soziale Kontrolle. Das geht auch uns an!

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Vielleicht ist die Zeit des Western mit dem digitalen Zeitalter nicht mehr kompatibel.

Trotzdem wird das immer wieder getestet. Die Gebrüder Coen haben einen Versuch gestartet mit True Grit, Michael Fassbender versuchte es in Slow West in Neuseeland, Mad Mikkelsen in The Salvation in Südafrika gedreht. Für mich artikuliert sich in all diesen Versuchen mehr eine diffuse Kinosehnsucht denn das Need, uns heutigen Zuschauern etwas zu erzählen. Es spricht aus ihnen eine Nostalgie und eine Melancholie, eine Sehnsucht nach einsamen Helden und auch nach Gerechtigkeit.

Aber es ist auch ein Genre, in welchem gerne und ausgiebigt rumgeballert wird. Und das nicht zu kurz auch im vorliegenden, neuesten Versuch, in welchem Antoine Fuqua (Southpaw) nach einem Drehbuch von Shinobu Hashimoto eine Westernvariante des berühmten Akiro Kurosawa Filmes aus den Fünfzigern versucht. Und wenn man den vor Augen hat, frustriert erst mal die Transponierung der Story in eine konventionelle, filmische Goldgräberstadt in einem unter der Computerpostproduktion doch sehr in Mitleidenschaft gezogenen Westen.

Erfrischend oder erfreulich ist der anfängliche Diskurs über den Kapitalismus, dass der gleich Demokratie sei, das ist heutig und traurig und bedarf schon als solches der Abhilfe.

Der ausbeutende und unterdrückende Bösewicht ist Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard, der ihn manieristisch anlegt). Er bietet den Bewohnern von Rose Creek 20 Dollar für ihr Land, eine reine Erpressung; vielleicht zu sehen als aktuellen Hinweis auf das Sprießen von Despoten allerorten auf der Welt, die schamlos ihren Völkern die Rechte nehmen, Assad, Putin, Erdogan und die auch im feinen Anzug daherkommen; wobei der Verweis wacklig ist, da Bogue (in diesem Begriff kann gerne „Bogus“ mitgehört werden, Synonym für ‚betrügerisch‘ und ’schwindlerisch‘) lediglich ein Banker und kein Politiker ist. Er geht davon aus, dass jedermann auf der Welt käuflich sei.

Für die gebeutelten Dorfbewohner taucht da Chisholm (Denzel Washingt kaschiert gerade noch einigermaßen seinen fülligen Bauch) als Retter auf. Er will Bogue die Stirn bieten, wenn er das nächste Mal wieder in Rose Creen abkassieren will.

Den Rest der ersten Filmstunde füllt Antoine Fuqua mit ausgiebiger Suche nach den weiteren „Glorreichen“, ein Casting über Tage, manche Desperados laufen Chisholm über den Weg, andere sucht er gezielt. Das ist etwas verwirrend, zwar gut gemeint, die einzelnen Figuren zu charakterisieren, andererseits reicht die Zeit für mehr als eine Skizze nicht aus, so dass die Eindrücke vom einen schnell von den Eindrücken vom nächsten überlagert werden. Die Fotografie lässt alle ähnlich wild aussehen.

Es werden teils ausführlich Begründungen geliefert, Motiviationen erzählt, wieso die einzelnen Helden mitmachen werden bei diesem Akt der Selbstjustiz. Als Belohnung dafür hat die Heldin unter den Dorfbewohnern, Emma Cullen (Haley Bennett mit dem immer gleich verzweifelten Gesichtsausdruck) ihr ganzes Hab und Gut versprochen. Gerade hat Bogue ihren Mann vor aller Augen auf dem Dorfplatz erschossen.

Ganz klar: diese Helden sind keine Idealisten. Es kommt auch ein Bogenschütze der Komantschen dazu. Er ist von seinem Stamm verstoßen, ferner ein Säufer, ein Bonvivant und Bärentöter, und ein von Kopfgeldjägern Gesuchter.

Jetzt ist der Film beim zweiten Kapitel angekommen: erst müssen die Dorfbewohner überzeugt werden. Dies geschieht mittels Abschießerei von Bogues Schergen und Stadthaltern und dann kommt die Vorbereitung der dilettantischen Provinzler zur Verteidigung von Rose Creek.

Das Zeitfenster für die Abwehrvorbereitungen ist errechenbar, denn Bogue residiert in Sacramento. Der Unglücksbote, als welcher der Sheriff von Bogues Gnaden eingesetzt wird, braucht drei Tage hin.

Fuqua zeichnet jedoch nicht nur die Verteidigungsvorbereitungen breit nach, er zeigt auch Szenen der Pause, des Essens, des Ausruhens. Nachdem auch dies ausgiebig geschehen ist, geht’s endlich auf die finale Schlacht zu.

Bogue rückt mit einem gewaltigen Heer samt „Gattling Gun“ an. Es wird ein großes Schlachten werden mit vielen, vielen Opfern auf beiden Seiten, bis sich endlich die beiden Antagonisten in der klassischen Westernkulisse fast klassisch gegenüberstehen und das Gute siegen wird und auch die Begründung für das Handeln von Chisolm offengelegt wird. Aber auch dieser Western kann mir nur schwer seine Aktualität und warum ich mir den ansehen soll, erklären.

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Ein Film, der sich nach der Metaphysik streckt, nach dem außerirdisch Unbekannten oder jetzt tappen wir endgültig im Dunkeln und wie wappnen wir uns dagegen oder wie kompensieren wir das, ohne Angst zu bekommen.

Die Lösung von Michael Madsen (der schon den Beitrag „Das Halden Gefängnis“ in Kathedralen der Kultur geliefert hat) macht den Zuschauer zum Außerirdischen, der von Vertretern des Sprachrohrs der Menschheit, für die er die UN setzt, angesprochen und untersucht wird, alles nicht so ganz logisch, nicht so ganz nachvollziehbar, aber vielleicht sind die Gesetze der Logik im Umgang mit Außerirdischen außer Kraft gesetzt.

Die Befrager von der UN sind „Experten“ und erhellen deshalb für den Zuschauer nicht unbedingt viel. Die Interview-Aufnahmen montiert Madsen, da er sich wegen der UN-Dependence in Wien befindet, mit Fahrten durch Wiener Sehenswürdigkeiten vom Prater über das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum, den Tiergarten, Schloss Schönbrunn, eine Barockbibliothek, eine medizinische Sammlung und ein Globusmuseum.

Ab und an lässt Madsen in diesen Örtlichkeiten einen Wissenschaftler im orangenen Schutzanzug umhergehen, als befinde er sich in einer fremden Welt; dazu greift er auf Tempoverlangsamungen und andere Verkünstlichungen in der Bildbearbeitung; dazwischen hupft er geistig zum Zerstörungspotential der Menschen, zeigt Panzer und Soldaten, lässt Drohnen fliegen, schneidet verlangsamte bis zum-Stehen-gebrachte Passanten dazwischen, erweckt den Eindruck einer fleißigen Kunstübung.

Zur Erkundung eines Kloakenkanals mischt Madsen Strawinsky und Bach auf die Tonspur und ein Straußwalzer vertont das Thema Evolution. Madsen lässt von der Angst vor Kontrollverlust sprechen, von der Panik vor Unbekanntem, stellt die Forderung eines Vertrauensbeweises an den Zuschauer und lässt überlegen, ob der Mensch vielleicht ein Zufallsprodukt sei. Die Rede ist von der Schattenbiosphäre, zu sehen sind Dekontaminationen. Die „Experten“ sind zu wohlüberlegtem Rededuktus angehalten mit einem leichten Kick ins Überkandidelte.

Für den Philosophen wirkt das als eine reichlich schwammige Übung ohne reale Zugriffsmöglichkeit. Der Wiener Philosoph Wittgenstein würde wohl seinen berühmten Satz aus dem Tractatus logico-philosophicus „Worüber man nicht reden kann, soll man schweigen“ mit „und darüber soll man auch keine Filme machen“ ergänzen und Kant würde in Besinnung auf seine Kritik der reinen Vernunft sagen, gut bin ich in Königsberg geblieben, die Wiener kapieren das nicht, dass wir die Welt nur mit unseren Kategorien erfassen und bebildern können. Ein Hobbesianer würden allenfalls kommentieren, glücklich wer Angst vor Aliens und nicht vor den anderen Menschen hat.

Die Frage nach der philosophischen Begründung ihres Handelns im konkreten Falle der Finanzierung und Unterstützung dieses Filmes müssen sich folgende Institutionen gefallen lassen: Österreichisches Filminstitut, Filmfonds Wien, FISA – Filmstandort Austria, Land Niederösterreich, Danish Film Institute, Nordisk Film & TV Fond, The Irish Film Board, Section 481, Screen Scene, The Finnish Film Foundation, Norwegian Film Institute, MEDIA – Stlae Finding und die TV-Sender: DR3, VPRO, SVT, YLE.

Vielleicht wäre der Film mit dem Hinweis auf eine humoristische Intention zu retten als Parodie von UN-Aktivitäten?

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Hedi, Majd Mastoura, ist Autoverkäufer für Peugot in Tunesien. Er stammt aus Kairouan, lebt in Tunis, wird, weil die Verkäufe stagnieren, nach Mahdia versetzt, das nicht weit von seiner Heimatstadt entfernt ist.

Hedi ist im Hobby Comiczeichner; seine feinziselierten Topoi lassen auf Abgründe schließen und nicht auf heile Welt. Zwischen diesen Welten wird er in diesem Film von Mohamed Ben Attia hin- und hergerissen. Denn die geordnete Welt der Familie, die nach Regeln und Gebräuchen lebt und für Abweichungen kein Verständnis hat, drängt ihn zur Heirat.

Seit drei Jahren ist er mit Khedija, Omnia Ben Ghali, zugange. Immer nur treffen sie sich im Auto. Keine Berührungen, kein Kuss, die Braut schwärmt lediglich von solchen Dingen oder schreibt ihm Briefe mit Texten von Umarmungen und Küssen und dergleichen.

Im Hotel in Mahdia lernt Hedi Rim, Rym Ben Messaoud, kennen, eine selbständige, emanzipierte Persönlichkeit, eine Frau, die als Animateurin in Uraubsclubs in vielen Ländern dieser Welt arbeitet. Sie ist ungebunden, liebt das freie Leben, die verschiedenen Sitten und Gebräuche und Sprachen und das Reisen.

Rim und Hedi laufen sich im Hotel über den Weg. Schnell sitzen sie am Strand, schwimmen, klettern über die Fassade und den Balkon zu ihrem Zimmer; zwei, die miteinander Pferde stehlen.

Die Erlebnisse mit dieser Frau, nebst den physischen sind es auch Gespräche über die Gestaltung des Lebens und wie es in anderen Ländern aussieht, sie wird als nächstes nach Montepellier in Frankreich reisen, reißen Hedi aus seiner schicksalhaften Ergebenheit in die Hochzeitsvorbereitungen seiner Familie, allen voran seiner Mutter, heraus.

Hedi war immer der brave Sohn, der nach Mutters Pfeife tanzte, auch mit der bevorstehenden Hochzeit. Sein älterer Bruder Ahmed, Hakim Boumessoudi, ist nach Frankreich ausgewandert, will von der Familie wenig wissen. Wegen der Hochzeit ist er kurz zurückgekehrt, ohne seine französische Familie.

Die Begegnung mit Rim lässt den Konflikt in Hedi, der am liebsten Comic-Zeichnungen veröffentlichen und davon leben würde, hochkochen. Hedi ist ein glatter, feiner Typ mit sympathischen Lachfältchen, kann gerne versonnen schauen, macht einen geheimnisvollen Eindruck, zeigt, dass er Innenleben hat, das nicht unbedingt mit dem Äußeren, beruflichen Anzugsleben oder dem traditionellen seiner Familie, den religiösen Ritualen zu tun hat; aber auch mit „Ohren wie Satellitenschüsseln“, wie Rim an einer Stelle bemerkt; was ihn doch sichtlich schmerzt.

Hedi wirkt in Momenten auch, als sei Böses in ihm virulent, was er geschickt zurückhält; es kommt in einer eruptiven Auseinandersetzung mit seiner Mutter zum Ausbruch.

Mohamed Ben Attia erzählt seine Geschichte vorwärts blickend ohne überflüssige Erklärungen wie auf einer Ideallinie, sparsam im Dialog und mit prima gecasteten und geführten Schauspielern.

Die tunesische Revolution traucht peripher auf (die Feier am 14. Januar, Demo), auch ein Kalkwerk – da hatte die Mutter für ihren bald heiratenden Sohn eine Stelle als Personalchef organisiert.

En passant ergeben sich Einblicke in das Tunesien von heute, von Strand und Sonne, vom Hotelebetrieb mit deutschen Gästen (über dem Abspann läuft ein deutscher Schlager „ich lass Deinen Namen auf den Rücken schreiben… er soll bleiben..“), von schön erhaltenen, alten Gassen, von halbfertigen Gebäuden, Klubleben, Tanz, Kaffee und Apfelwasserpfeife.

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