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Wie schon im Film über Pepe Mujica ist die Dokumentaristin Heidi Specogna zurückhaltend mit dem Auffahren von belastbaren Fakten, hier über Zentralafrika, über den Kriegsverbrecher Jean-Pierre Bemba, der Jahre nach den Verbrechen, die unter seinem totalitären Kommando 2001 begangen worden sind, vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gestellt wird.

Bemba sieht man auf indirektem Wege. Die Verhandlung vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag wird vor einem Bildschirm in einer Kirche in Zentralafrika mitverfolgt. Nachher gibt es eine Diskussion. Die Teilnehmerinnen sind beunruhigt, wie steht es um die Sicherheit der Opfer, wer sorgt für die Sicherheit der Zeugen und ein Mann regt sich auf, wie der Verbrecher im Gefängnis offenbar gut ernährt wird, so dick wie er ist.

Es gibt ein Dokument, das dem Film den Titel gibt, das ist das afrikanische Heft, es ist ein Schulfheft. Darin haben die Opfer von Bemba Passfotos von sich hineingeklebt und in Schülerschrift sind Vermerke über Alter und die begangenen Verbrechen drin. Es sind vor allem Frauen und Mädchen, aber auch Männer, die vergewaltigt worden sind.

Der Film ist in drei Kapitel eingeteilt. Sie entsprechen den Dokumentationsphasen. 2008 ist Heidi Specogna auf das Heft aufmerksam geworden. Das erste Kapitel handelt von Wunden und Narben und umfasst den Zeitraum 2011 – 2012, das zweite von Kugeln und Schubkarren, 2013 – 2014, und das dritte handelt von einem neuen Tisch von 2015.

Die durchgehende Figur, aber nicht dominant präsent, ist Amzine, die in dem Heft die jüngste war und ihre Tochter, die den Vater nicht kennt, Fane. Sie betreiben anfangs einen kleinen Kramerladen auf dem Dorf. In der zweiten Phase kommt es wieder zu Unruhen, Schießereien, Plünderungen, Flucht. Amzine muss ihre ganze Habe, die schon verpackt ist, zurücklassen.

Der neue Tisch ist das wichtigste Requisit der dritten Phase nach gelungener Flucht in den Tschad in ein Lager der UN. Dort haben die Flüchtlinge einfache Strohhütten, sie bekommen ein Stück Land und Amzine plant, so schnell wie möglich einen Laden zu eröffnen. Aber Fane will sie nicht sagen, wer ihr Vater ist, Fane ist jetzt eine junge Frau, wachen Blickes und hilft der Mutter bei der Bewältigung der alltäglichen Dinge. Irgendwann wird sie wohl die Geschichte der dreifachen Vergewaltigung ihrer Mutter erfahren.

Über das wichtige Dokument des Oktavheftes mit den Aussagen der Opfer bleibt ungewiss, ob es in den Archiven von Den Haag verrotten oder doch noch einen Auftritt ins Licht der Weltöffentlichkeit erhalten wird.

Die hier geschrieben Geschichte ist eine, die immer wieder auftaucht in verstörenden Bildern der Zustandes der zentralafrikanischen Republik, vom Hauptort Bangui kaum geteerte Straßen, eine absurde Wahl einer Übergangspräsidentin, die im knallroten Kleid wie einer Kasperlfigur wirkt und in einer schweren Limousine mitten im Elend davon braust.

Bilder einer internationalen Armee, die die Stadt schützen sollen, Flüchtlingskarawanen auf total überladenen LKWs, ein provisorisches Flüchtlingslager direkt am Flughafen, weil hier Truppen sind. Krasser Gegensatz, wenn ein High-Tech-Airbus landet und direkt neben der Piste ein Elendslager von Tausenden von Flüchtlingen sich befindet.

Die Geschichte vom Mädchen, das ein kaputtes Knie von einem Schuss hat, das endlich in Berlin operiert werden kann. Und bei der nächsten Unruhewelle wieder aufs Knie fällt. Es sieht alles so aussichtslos aus. So trostlos.

Kaum gibt es eine muslimische Rebellentruppe, stellt sich ihr eine nicht minder radikale christliche Rebellentruppe in den Weg, die Moschen zerstört, den Imam grausam lyncht. Auf der Straße liegen Leichen, kaputte Gesichter. Aber Kinder finden immer wieder Dinge zum spielen.

Es gibt eine weitere Figur, die mehrfach auftaucht. Es ist die fiktionale Figur Jamal, der hier aus juristischen Gründen und zur Sicherheit der Person nicht individualisiert wird, dessen Gesicht nicht gezeigt werden kann. Das ist der Ermittler des ICC aus Den Haag, er muss geschützt werden. Er ist bei der zweiten Vertreibungswelle schnell vor Ort und richtet ein provisorisches Verhörzimmer ein, um an die Zeugenaussagen zu kommen, so lange sie noch frisch sind. Er transportiert das Oktavheft mit den Details über die Vergewaltigungen unter Bemba wie ein Hochsicherheitsgut nach Den Haag. Das wirkt fast wieder grotesk.

Der Film ist eine erschütternde, verstörender Schilderung zentralafrikanischen Alltags.

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Galliger Geschlechterhumor
(eine filmische Besonderheit aus Deutschland).

Der Horroralptraum vom Kuraufenthalt einer traumatisierten Frau, die Schlechtes mit Männern erlebt hat.

Oder ein Vorwand für den Filmproduzenten Luggi Waldleitner, den Regisseur Zbynek Brynych nach einem Drehbuch von Manfred Purzer nach einer Idee von Igor Sentjurc ein zeitgenössisches Frauenbild schwelgerisch zu entwerfen – ein Hauch Fellini. Da sind die exklusiven Traumfrauen, deren Existenzsinn sich erschöpft im Frausein im Sinne des Schönseins in neckisch mondän-elegantem Outfit und denen daraus psychische Probleme erwachsen, die Nerven, die Nerven; diese lassen sie im bayerischen Voralpenland in der feinen Klinik von Dr. Barbara behandeln (Frauen mit Neurosen).

Auf den Sitzbänken und in den Gassen des Kurortes finden sich verbrauchte Hausfrauen. Es gibt suffragettenhaften Feministinnen, die im Kurpark Randale veranstalten; ihr geistiger Leitfaden ist im MÄRZ-Verlag erschienen, die Bücher mit den gelben, knalligen Umschlägen: „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“. Sie veranstalten Demos mit BH-Verbrennungen und entsprechender Augenweide für das männliche Publikum. Auf ihrer Spruchwand rufen sie das Ende der Stiefellecker-Kultur aus und dass der Mann eine unvollständige Frau sei.

Uschi Glas ist das Zugpferd, damals schon hübsch und vor allem aufgedonnert von Maske und Make-Upe, literweise Wimperntusche und Lidstrich, ganz gestylt nach italienischen Filmgöttinnen wie Sophia Loren oder Claudia Cardinale und den entsprechenden Klamotten sowie dem Bewegungsablauf und mit groß ummalten Augen fotogen in die Welt schauend; ein Leinwandstar der Zeit.

Uschi Glas heißt hier Eve und ist traumatisiert. Sie hat Schwindel und ist mit dem Zug unterwegs zu einem Kurort; wobei ihr Trauma gar nicht als solches realistisch dargestellt wird; sie ist vor allem Filmstar.

Die Bahnfahrt filmt Brynych wie mit dem Fischauge, merwürdiger Kreiseleffekt. Mit kecken Sperenzien hat es die Kamera von Charly Steinberger überhaupt, bei der Frauendemo, in der sich die Frauen befreien und ihre BHs ins Feuer werfen, da kreist die Kamera wie berauscht.

Ingeborg Bachmann ist im Film angeführte Referenzliteratur neben Frauenemanzipationsbüchern aus dem Märzverlag. In einer hochstilisierten Buchhandlungsszene möchte sich Eve über das Phänomen der Gottesanbeterinnen kundig machen; die Buchhändlerin antwortet ihr mit einem kleinen, literarisch-virtuosen Solo über Insekten.

Bei dem enormen Frauenüberhang im Kurort, Männer kommen kaum vor bis auf den verkrüppelten Gärtner und den kartenhäuserbauenden Kommissar, müssen begattungsfähige Männer mit defektem Sportwagen stranden (sie sehen: lauter reifes Obst), um das in Frage gestellte Geschlechterrollenverhalten zu aktivieren.

In Ansätzen tendiert der Film hier in Richtung der seichteren Softsexfilme der Zeit (Regieassistent Sigi Rothemund hat dieses Wissen hungrig aufgesaugt als Basis für eine ganze Reihe von solchen Filmen, bei denen er unter dem Pseudonym Siggi Götz firmierte: „Drei Schwedinnen in Oberbayern“, „Griechische Feigen“ …)

Männer müssen auch her, damit es, das Horrorgenre bedienend (im Booklet zur DVD kommt das Wort Kreißsäge vor), Leichen geben kann für die wundersame „Requisiten“sammlung in Formalin.

Um gar nicht erst auf eine thematisch verbissene Auseinandersetzung zum Thema Frau zu kommen, untermalt Brynych den Film wild mit Bahngeräuschen, mit gar nichts, mit Jukebox- und Zirkusmusik bis hin zu ungezügelten Jazzimprovisationen, damit den leichten Spott in der Betrachtung des Themas sekundierend.

Vorbemerkend heißt es: Personen und Schauplätze seien frei erfunden und ausschließlich Produkte der Fantasie; wohlverstanden und durchs Band: männlicher Fantasie.

Eine internatioale Koproduktion, die auf Italienisch „Femmine Carnivore“ heißt, was fleischverschlingende Frauen meint in Anspielung an die Gottesanbeterin, die ihre Männchen nach dem Geschlechtsakt tötet und auffrisst. Eine männliche Antwort auf die Emanzipationsbewegung der Frau?

In der hübschroten Kassette sind zwei DVDs und eine Hintergründe beleuchtende Broschüre. In dieser ist einiges zu erfahren über die Restauration dieses Filmes und es gibt ein Interview, das Stefan Ertl und Rainer Knepperges 1994 mit dem tschechischen Regisseur Brynych geführt haben; der war mit einigen Wassern der Menschenbehandlung gewaschen und listenreich.

Die zweite DVD enthält die restaurierte Langfassung des Filmes, die nie in die Kinos gekommen ist, ein Interview mit Protagonistin Uschi Glas, das Domink Graf, Rainer Knepperges und Olaf Möller geführt haben (sie erzählt angeregt von den Kapriolen des phänomenalen Kameramannes Charly Steinberger), Standfotos, Werbeplakate, Aushangfotos, Pressematerial, Fotos des Regisseurs in Cameo-Auftritten in deutschen Krimis und einige Szenen im Vergleich des Zustandes des Filmes vor und nach der Restaurierung – ziemlich verblüffend, wie die Verblichenes auffrischen!

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Keine Anbiederung ans Publikum, kein Fishing-for-Compliments, keine Mitmach-Mitklatsch-Aufforderung, das Werk steht im Zentrum der hohen Konzentration der vier Männer von Kraftwerk (Wikipedia), die uniform gekleidet, roboterhaft, hinter ihren Synthesizern stehen, während der Sound aus Dolby-Atmos von allen Seiten auf die Zuschauer eindonnert und die 3D-computeranimierten Bilder überall im Raum umhersausen über und unter und hinter und vor den Musikern und durch diese hindurch.

Und kein Statement-Blabla, kein Nähkästchengeplaudere, keine Mäuschenperspektiveneinblicke, kein Adabei-Gelabere; das Werk selbst ist die Doku, 12345678 von Kraftwerk (Website), kataloghaft aneinandergereiht, die Clips dieser Computer-, Techno- und 3D-Pioniere, die längst in den wichtigen Museen der Welt Aufnahme gefunden haben. 77 Minuten Kraftwerk pur.

Das veröffentlicht heute Warner Music/Parlophone: „neue Aufnahmen der kompletten Kraftwerk-Meisterwerke 12345678 unter dem Namen Kraftwerk / 3-D Der Katalog auf Blu-ray, DVD, Vinyl, CD und als Download“.

Am vergangenen Dienstag wurde diese Dokumentation in einem halben Dutzend deutscher Städte in je einer Kinovorstellung präsentiert, in München im Cinema.

Kunstwerk ist sicher der richtige Begriff für diese Musikstücke mit Computergraphik, die sich immer um wenige Begriffe um einen brisanten Zusammenhang herum kondensieren. Die Themen waren Reizthemen, Themen der Zeit (Kraftwerk fing in den 70ern an). Über die Autobahn, da fahren, überholen sich, kommen einander entgegen: ein Mercedes mit der Nummer D KR 74 und ein VW mit der Nummer D KR 70 animiert über endlos-monotones Straßenband, aufgenommen aus den verschiedensten Perspektiven und das wichtigste am „Gesangstext“ ist das Wort Autobahn. Es spiegelt sich in dem Clip die Technisierung, am Horizont Industriesilhouetten, die Autobahntrasse, die sich unsensibel in die Landschaft legt, diese durchtrennt.

Wie Kraftwerk sowieso von der Technik begeistert und fasziniert ist, das zeigt sich im Film über den Trans Europa Express, heute ein wahres Museumsstück, damals topmodern oder an der Erfindung des Techno „Poing – Boom – Tschak, Techno-Pop“; wobei auch hier wie neulich bei Romuald Karmakars Denk ich an Deutschland in der Nacht schon erwähnt, sich bereits der „gleichbleibende Rhythmus der niedrigen Wertegemeinschaft einer Party“ sich abzeichnet.

Kraftwerk ist fasziniert von computergenuinen Zahlenreihen (durchaus in der Nähe von Hanne Darboven zu sehen; siehe demnächst die Review über „Timeswings“), von Maschinen und Robotern (Semi Human Being), ist schockiert über die Unfälle mit Radioaktivität (Tschernobyl, Harrisburg, Sellafield, Fukushima), sieht Musik als Transportmittel für Ideen und mixt zum Tape über die Tour de France radfahrerstoßatemdurchdrungenes Archivfootage.

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Die Tiefen des Meeres sind unergründlich, bergen so manch Geheimnis und die Eruptionen des Wassers können im Hirn der Seeleute, die lange auf den Weiten der Weltmeere unterwegs sind, zu Phatasmagorien von Gespensterschiffen führen oder dazu, dass sie Seemannsgarn spinnen, wie es heißt, also solche Geschichten erfinden wie diese Schatzsucher-Abenteuer-Piratengeschichte.

Die Seemansgeschichten waren besonders abenteuerlich, als noch mit der Kraft des Windes und mit dem Sextanten und dem Kompass zur See gefahren wurde und als Piraten mit zunehmendem Transport von Kostbartkeiten die Meere unsicher machten.

Der Reiz solcher Geschichten fürs Kino ist ungebrochen; besonders da sich heute mit Computeranimation extreme Wasser- und Unterwasserwelten, Gespensterschiffwelten, riskante Wendemanöver, das Auftauchen eines Wrackes aus dem Meeresgrund, der fliegende Holländer oder die Verwandlung eines Flaschenschiffes in ein seetüchtiges Piratenschiff prächtig illustrieren lassen.

Auch Kämpfe von Piratenschiffen gegeneinander, das Aufgehen in Flammen, das Entern eines barock eingerichteten Schiffes der Briten (ha, ha, Brexitelei) oder gar das Aufbäumen eines Gespensterschiffes und die Verwandlung von toten Haien in lebende Kampfwaffen, gefährliche Rettungsmanöver an der eisernen Kettes eines Rettungsankers, Artisten an der Ankerkette nicht ratlos.

All das und der Attraktionen viele mehr hat ein Heer von Computer- und Zeichenkünstlern der verschiedensten Denominationen in diesem Film von Joachim Ronning und Espen Sandberg nach dem Drehbuch von Jeff Nathanson + 5 angefertigt und zu einem muskulösen Abenteuerfilm zusammengebaut, der von einer donnernden Musik getragen wird wie von schwerer See.

Es ist schon der 5. Piratenfilm mit Johnny Depp als Jack Sparrow, der erste, der eingeschlagen hat wie eine Bombe, ist über zehn Jahre her; aber das Genre zeigt kaum Ermüdungserscheinungen; wobei Johnny Depp seine Mittel für Sparrow erfahren einsetzt, das Verziehen des Mundes, der erstaunt-große Blick und die schlacksigen Trunkenheitsbewegungen; die sind wirkungsvoll wie eh und je und für den Rest sorgt die gut erzählte Geschichte, die verschiedene Figuren auf die Jagd nach dem Dreizack des Poseidon in unbekannte Gewässer schickt, weil ein jeder sich Erlösung verspricht.

Der Junge, mit dem der Film anfängt, Henry möchte seinen Vater, den er im Wrack des Fliegenden Holländers auf dem Meeresgrund mutig aufsucht, von seinem Fluch erlösen, das erzählt uns die Vorszene vor den Titeln.

Dann schwenkt der Film neun Jahre weiter nach St. Martin in der Karibik. Hier befindet sich Jack Sparrow in einer misslichen Situation im Banktresor voller Gold und Münzen. Halsbrecherische Aktion mit einem Mehrfachgespann von Ochsen soll ihn vor der staatlichen Verfolgung schützen. Den Inhalt des Tresors will er mit seinen Mannen teilen. Das geht katastrophal schief, kinoherrlich aufregend schief.

Die Action bringt ihn in Kontakt mit der als Hexe verfolgten Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario); sie weiß, wo der Dreizack sich befindet und will ihn ebenfalls finden, um zu beweisen, dass sie eine taugliche Wissenschaftlerin ist; denn das Hexenvorurteil gegen sie ist stark.

Henry (jetzt als Erwachsener gespielt von Brenton Thwaites, einem frischäugigen, jugendlichen Abenteuergesicht), taucht ebenfalls hier auf, weil er nur über Jack Sparrows den Fluch seines Vaters lösen kann. Hinter Sparrow und hinter dem Dreizack her ist ebenfalls das Gespensterschiff, flunkernde Geisterbahnanimationen mit Captain Salazar (Javier Bardem) der hat noch einige Rechnungen offen und auch ein britisches Handelsschiff bekommt Wind davon und interessiert sich.

Diese Ausgangslage sorgt für zwei Stunden ununterbrochener Action, wie sie das Kino als Volksvergnügen nicht besser bieten kann, wie sie unterm Titel Kintopp einsten attraktiv war. Die Macher dosieren ausgewogen zwischen Stuntaction und Computeranimation. Wobei auch hier die Schärfen-Defizite von 3D nicht ganz ausgemerzt sind. Und wie Sparrows auf St. Martin der Guillotine entkommt, da haben sie sich trickreich einiges einfallen lassen zwischen Mechanik und Glück.

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Überdosis.

Bei aller Überdosis an Symbolismus, Hipster-Design und tiefstehendem Sonnenstand tänzelt und tändelt die swingende Kamera und das Interesse von Terence Malick vibrierend und schier den Atem anhaltend um immer neuen Variationen zum Thema der Brüchigkeit der Liebe und des Liebesbekenntnisses und dem erlesenen Ensemble bestehend aus Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holy Hunter und anderen mehr zuzuschauen ist schon ein Wert für sich.

Auch für sie dürfte das Parkett der Liebe genau so wenig wie für den Regisseur und Drehbuchautor Terence Malick ein unbekanntes Blatt sein und ist trotzdem voller Ungewissheiten und Unsicherheiten.

Eine Spezialität dieses Filmes, der von Lied zu Lied heißt, sind die Originalauftritte von Iggy Pop, Patti Smith, John Lydon und anderen bei Backstage-Szenen von großen Open-Air-Konzerten. Wobei die mir wenig zur Erhellung des Themas beitragen.

Musik und Liebe. Es ist schon immer die Frage auch nach Karriere und ob eine Frau sich nicht ganz uneigennützig an einen Impresario heranmacht, in der Hoffnung der Karriere etwas nachzuhelfen. Insofern ist die Liebe ein problematisch Ding.

Und dann war da früher schon eine andere. Und eine Mutter findet, der Mann sei nicht der richtige für die Tochter. Väter kommen vor. Das scheinen brockenhafte Grundelemente für diese eleganten Liebesreflektionen zu sein.

Die Settings sind nebst den Backstages jede Menge schick-weltläufiger Wohnungen in luxuriösen Wohnhochhäusern oder Villen mit Pool. Dazwischen rollt der Verkehr und Vogelschwärme beharren bei Malick auf ihrem symbolischen Auftritt genauso wie der Wasserstrudel, die Meeresoberfläche, der Sturm, der Regen, die Natur, die dem Design nichts anhaben kann.

Für beide, für die Liebe und die Musik gilt, dass es darum gehe, etwas Reales zu empfinden, to feel something real, und die Suche nach Erfahrungen und die Angst, jemanden zu enttäuschen

Elegance, Nonchalence, Design, Stil und Liebeständeleien im Stile eines Hochglanzmagazins. Über Heuchelei und Lüge oder die speziellen Kräfte, die die Liebe gibt und Glück, Gespräch und Entfremdung, Annäherung, sanfte Berührung, keine Geheimnis voreinander haben, sich fühlen, spüren und berühren, und wenn es nur die Hand ist, die locker gegriffen wird, aber auch Misstrauen, Entfremdung, Erinnerung, Abbruch, das Biestsein, die lauernde Frau, die Opfer, bin ich ein guter Mensch?

Was sind die Elemente, die die Liebe ausmachen?
Ich war einst wie du, und wusste nicht, was ich heute weiß. Ich musste meinen Weg aus dir heraus zum Leben finden.

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Nach den Cannes-Träumereien Männer zeigen Filme, Frauen ihre Brüste ist Isabell Suba, Regie, jetzt im deutschen Kinoalltag angekommen, im Kinoserien-Wesen, in einem der immerhin im deutschen Inland erfolgreichen Genres, bei Mädels im Wachstum, mit Pferden und im Internat, Hanni und Nanni die Zwillinge, kein x.ter Aufguss, frisch wie am ersten Tag mit neuen, frischen, gewinnenden Gesichtern als Hanni und Nanni: Rosa und Lisa Meinecke, die auch schön singen.

Beim Buch taucht Isabell Suba nicht auf, da stehen Katrin Milhahn (Ente gut!), Sandra Nettelbeck (Ich bin dann mal weg), Antonia Rothe (Ente gut!) nach den Geschichten von Enid Blyton.

Die Dialoge sind manchmal etwas schreibtischstarrig. Das tut der Geschichte kaum Abbruch.

Die beiden Zwillingsschwestern sollen auf das Internat Lindenhof, weil die Eltern eine Auszeit brauchen. Erst sind die Mädels dagegen, dann finden sie Gefallen am Internatsleben mit vielen anderen Mädels, wovon eines sogar (muss Lia Huber sein) einen Internetblog „Babsis Breaking News“ betreibt mit den neuesten Sensationsnachrichten aus dem Internat.

Die Bloggerin führt die Mädels flott ein in den Betrieb, zeigt ihnen die Gruppen, die Streberinnen, die Tussis, Margret als musikalische Einzelgruppe, die Reiterclique und jene, die die Schülerzeitung organisieren. Und die Autoritäten, Maria Schrader macht sich gut als Direktorin, Katharina Thalbach wird als angelandete Französisch-Lehrerin allmählich zum unverkennbaren Maskottchen dieser Reihe.

Es kommt nach lustigen Streichen mit Wasserhähnen und Chemieexplosionen zu einer Entfremdung zwischen den Zwillingsschwestern. Die Lösung der Probleme von widerspenstigen, nicht zähmbaren Pferd Pegasus, das auch verknüpft ist mit dem Schicksal des Internats, das verkauft, niedergerissen werden und einem Hotelneubau weichen soll, wird zu einem glücklichen Ende und dazu führen, dass Hanni und Nanni auf der Schule bleiben wollen.

Wobei die Problemlösung Zähmung des Pferdes, Rettung der Schule und ganz nebenbei noch Familienzusammenführung bei den Besitzern, den von Knigges, recht kursorisch und skizzenhaft vor sich geht, damit nach 90 Minuten der Sack mit viel Glücksguss und Friede-Freude-Eierkuchen zugemacht werden kann.

Entweder bin ich milde geworden, oder dieses neue Hanni-Nanni-Pfanni ist wirklich erfrischender als die Vorgänger Hanni Nanni 2 und Hanni Nanni 3.

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Reutlinger Str. 54, Karlsruhe,

ist der Ort für ein düster-schwermütiges Movie aus Baden-Württemberg mit wenig Licht, anstrengend für die Augen und fürs Hirn; die Wurst ganz vom Boden auflesen und dann nicht trauern können, das ergibt kein gutes Ende.

Es geht Jens Wischnewski, der mit Julia C. Kaiser auch das Drehbuch geschrieben hat, um die Illustrationen von Bonmots des Opas von Schimon May (gut trainierter Sprecher: Christoph Letkowski). Es geht um Aberglauben (zähle bis zehn) und den Umgang mit Unglück, dass sich erst am Ende zeigt, wozu ein Unglück gut sein kann (vergleiche den indischen Film vom Kamel).

Und es geht um das Einfangen von Tönen, ein Thema, das im Rudimentären stecken bleibt, aber ein paar schöne Bilder abgibt und was von der Vertonungsabteilung unter Peter Thomas Gromer so interpretiert wurde, dass der anfänglich nervig eingesetzte Zupfsound auf den Zuschauer so wirkt, als habe er Kopfhörer auf und die seien zu laut, so dass er die Außenwelt nur fragmentarisch mitkriegt, das was schon von der Geschichte her bruchstückhaft ist.

Schimon ist verheiratet, seine Frau schwanger, er, das wird erst im Laufe des Filmes nach und nach preisgegeben, arbeitet in L.A. in einem Musikstudio. Nachdem sein Vater einen Schlaganfall erlitten hat, entscheidet er sich zur Rückkehr in die Reutlinger Str. 54. Irgendwann im Film stirbt seine Frau Jella (Karoline Bär) an Ersticktem, nachdem sie anfangs schon gestorben ist und Schimon dirigiert innert zweier Wochen eine Studio-Swing-Musik, um an einem Wettbewerb für Toilettenwerbung teilnzunehmen. Das alles wirkt so erfunden wie die Figuren selber, die zur Illustration von Opas Weisheiten herhalten müssen.

Somit fehlt es an fundierter Drehbuchgrundlage und Figurfundementen, so dass zu oft der Satz vorkommt, was macht ihr hier, was ist hier los, also da lernt er schon Milena oder Jella kennen, bei dem Dunkel und dem Zeitverschnitt mit Rückblenden nicht mehr zu unterscheiden Luise Heyer als Milena oder Jella und hops ist er drehbuchfit mit ihr im Bett.

Das führt zu schülerhaft brav entwickelten Schockszenen im Elternhaus und auch Slapstick ist angedacht, wie die Schwiegereltern bereits ruckzuck nach dem Tod eine geschmacklose Statue in der Reutlinger Strasse 54 vorbeibringen, das denunziert diese Figuren mächtig, und wie sie versuchen, diese zu tragen, das ist miserabel inszeniert und unglaubwürdig bis dorthinaus, nur damit sie die neue Liebschaft von Schimon im Kofferraum vorfinden, zur Erheiterung von wem?

Das Sounddepartement wandelt meistens auf eigenmächtigen Spuren, hat das Thema des Filmes, so sich auf eines zu einigen ist, in den falschen Hals gekriegt.

Ach so, ja, alles im Leben hat einen Sinn, so wird denn wohl auch dieser Film einen haben, die Lehrkräfte der Filmakademie Baden-Württemberg soll er befriedigen, die Fernseh- und Filmförderer, die Fernsehredakteure – insofern hat auch dieser Film einen Sinn.

Er unterstützt als Produkt der Filmlehrbarkeitsideologie die Existenz von Filmlehrinstituten und Vater ist nach dem Schlaganfall gelähmt und muss das auch noch spielen mit Rollstuhl und Treppenlift. Was der Sinn so weltfremd erfundener Figuren ist und der entsprechend zwar gesetzten, aber nicht glaubwürdigen Dialoge, das erschließt sich mir allerdings nicht.

Trotzdem kann das Schicksal sehr böse spielen: der Frachter, auf dem Jella nach Europa übersetzen wollte mit dem Frachtcontainer mit dem Mobiliar, der nur ankommt aber nie gepackt wird oder aufgegeben, der ist gesunken; es hätte Milena also einen anderen Tod erwartet. So hat eben alles einen Sinn. Oder man gibt ihn.

Pädagogisch wertvoller Input: Die neue Freundin war Bildhauerin in L.A. und ist jetzt Klinikclown für todkranke Kinder in Deutschland. Ergibt alles einen Sinn. Und auch die Karikaturen von Marketing-Leuten des Toilettenehrstellers müssen einen Sinn machen. Oder man spült den Sinn die Toilette hinunter. Das macht dann auch wieder Sinn.

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Das ist Liebe: die Auserkorene mit geschlossenen Augen am Kuss erkennen. Und wenn das in einem Heiß-Wassersee in Island passiert, dann hat dieser letzte Film von Solveig Anspach, sie ist beim Schneiden des Filmes 55-jährig gestorben, sein Ziel erreicht. Umso kostbarer wird diese filmische Miniatur der Liebe zwischen Samir (Samir Guesmi) und Agathe (Florence Loiret Caille), die in wie leicht verlangsamten Szenen im Sinne eines filmischen Slow-Foods erzählt werden.

Wobei der Charakter von Guesemi eine eigene Komikerqualität entwickelt, das retardierende Reagieren, nie kommt etwas bei ihm aus der Kanone geschossen, immer braucht es einen langen Weg von den großen Augen und dem Wirklichkeit aufsaugenden, leicht geöffneten Mund mit den wunderbaren zwei Schaufelzähnen. Irgendwie lebt er fern der alltäglichen Kleinkariertheit, der Besitzstandsverteidigung, der Vorteilshascherei und dem Rechthabenwollen.

Samir stolpert mit untrüglichem Instinkt in die Situationen hinein und weiß nicht wie ihm geschieht. Er verliebt sich schnell in Agathe, die als Schwimmlehrerin arbeitet, auf sie ist er scharf und fixiert wie ein Tier auf seine Beute und ist der Ansicht, dass sie ihm gehören müsse.

Auf dem Weg dahin beobachtet Anspach liebevoll Lebenseigentümlichkeiten um den Schwimmbetrieb im Stade Nautique Maurice Thorez in der Stadt Monteuil, bietet eine feine Sammlung von Ausschnittszenen und Raum für sprudelnde Unterwassseraufnahmen.

Wie Samir, der behauptet Nichtschwimmer zu sein und sich so in den Schwimmunterricht seiner Angehimmelten reinschleicht, anlässlich eines Notfalles, der eine eigene kleine Schwimmbad- und Menschenstory um den Schwimmbadangestellten Reboute (Philippe Rebbot) in Gang setzt, sich als Rettungsschwimmer mit kühnem Sprung vom hohen Sprungbrett outet, das eben Liebesnestqualitäten entwickelt hat, ist Agathe entsetzt, dass er sie angelogen hat und will von ihm nichts mehr wissen.

Ein Kongress in Island schafft die nötige Distanz. Doch schon ist Samir in Island und bietet als vorgeblich israelischer Abgeordneter eine weitere perfekte und subtile Komikernummer, wie er plötzlich vor der internationalen Versammlung sprechen soll.

In Island wird das Personal auf der Leinwand aufgemischt mit konkret greifbaren Schauspielerfiguren: Anna (Didda Jonsdöttir), Frosti (Frosti Runolfsson) und Siggi (Ingvar Eggert Sigurosson), die nebst den fremdenverkehrswerbestauglichen Landschaftsaufnahmen den Film auf dem Weg zur Zielgerade kräftig und deftig würzen.

Anklang zum einen zur Malerei wie auf Bauernschränken oder bestickten Decken: so wirkt das Leben aus der Musseperspektive betrachtet. Den Frauen gefällt an Samir sein auf und ab sich bewegender Adampsapfel und sein Hüftschwung oder der Regisseurin gefällt, wie er beim Verlassen des Flughafens seinen Rucksack zurechtruckelt bei den ersten Schritten. Es muss alles sitzen, das kommt nicht von selbst.

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Dieser Film von Jonathan Teplitzky nach dem Drehbuh von Alex von Tunzelmann weiht uns ein in ein intimes Geheimnis direkt hinter den Kulissen eines der historisch vielleicht wichtigsten Militärentscheides des letzten Jahrhunderts, des Beschlusses der Alliierten zur Eroberung der Normandie am D-Day, der das Ende des Naziterrorregimes einläutete.

Teplitzky geht es pathetisch an. Er stellt Churchill (Brian Cox) ans Meer, darin sieht er Blut. Es geht um ein Trauma von Churchill, um die Schlacht von Gallipoli im ersten Weltkrieg, die er befehligt hatte und bei der 100’000 junge Männer starben. Das hängt Churchill schwer nach.

Es geht hier wohl nicht so sehr um ein Reenactment des historischen Churchills, es geht dem Autor um das persönliche Problem von Churchill bei der Entscheidung für die Invasion, um das Portrait eines Menschen mit Trauma und anderen Schwierigkeiten.

Churchill ist strikt gegen die Pläne von General Eisenhower (John Slattery) und General Montgomery (Julian Wadham), mit einer Übermacht die Normandie anzugreifen. Er sieht ein Blutbad voraus. Er ist gequält von seinen Erinnerungen. Die Generäle halten ihm entgegen, die Zeiten hätten sich geändert; Krieg würde nicht mehr wie im Ersten Weltkrieg geführt.

Teplitzky zeichnet Churchill als einen Mann, den dieser Entscheid umtreibt, als einen Mann, der seine Frau vernachlässigt und seine Sekretärin lauthals anschreit wegen eines falschen Zeilenabstandes, als einen Mann, der Aussetzer hat und im Bett liegen bleibt, den Zustände nahe einer Depression quälen, der zum Alkohol greift.

Es gibt Gespräche mit den Generälen, mit dem britischen König George VI (James Purefoy) (The Kings Speech, hier schließt sich ein filmischer Hinter-den-Kulissen-Kreis und etwas ferner, aber auch ganz nah Royal Night) und heftige Auseinandersetzungen mit seiner Gattin Clem (Miranda Richardson), wie er sie nennt.

Der Gegensatz zwischen privatem Trauma/Depression und öffentlichem Job kommt drastisch zum Ausdruck, da Inszenierung und Räumlichkeiten sich dem staatstragend steifen Duktus anpassen, große Räume, kleine Menschen und doch Machtmenschen und auch die Dialoginszenierung ohne Resonanzboden vermeidet die Privatheit so weit wie möglich, tendiert zum Bühnenformat. Abgewürgte Privatheit, die sich ihren Weg bahnt.

Der Film ist vielleicht nicht unbedingt einsetzbar als Ersatz für eine Schullektion, dafür sind die geschichtlichen Informationen und Zusammenhänge denn doch zu dünn geschildert. Aber er macht nachdenken, wie es überhaupt soweit kommen kann, dass Politiker solche Entschlüsse fassen müssen.

Zur Illustration der Tragweite wird der neuen Sekretärin Helen (Ella Purnell) noch ein Verlobter zugeschrieben, der sich just auf einem Zerstörer an vorderster Front der D-Day-Armada befindet; das erlaubt ein kleines privatistisches Zwischenspiel, dass Churchill herausfinden lässt, wo der ist und sogar Grüße schmuggeln lässt. Keine Bange, mit Arthur Clayton ist es gut ausgegangen.

Mit dem Schauspieler Brian Cox ist der anrührende Effekt der Inszenierung wunderbar gegeben. Denn den großen Hintergrund, das Wissen über die Riesenkulisse, vor welcher diese private Geschichte stattfindet, die denkt der Zuschauer mit.

Einen Ausstattungshinweis über die Gewichtigkeit der Rede, auf die der Film hinführt, die Rede an die Nation nach Eroberung der Normandie, ist ein offensichtlich teurer, hochpolierter, schwarzer Lederschuh, den Churchill vorher anzieht. Steht in starkem Kontrast zu einem früheren Auftritt in ausgebeulter Unterwäsche.

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Leerstehende Immobilie setzt Fantasien in Gang.

Mit dem Film Lore hat Regisseurin Cate Shortland einen herrlich sorglosen Umgang mit Coming-of-Age und Naziploitation bewiesen, sie, die Australierin.

So ist sie wohl an die Gelder gekommen für ihr jetziges Projekt nach dem Roman von Melanie Jossten, den sie mit Shaun Grant zum Drehbuch umgearbeitet hat. Diesmal legt sie ihre Keckheit mehr in die Geschichte als in die Kinematographie.

Mit Max Riemelt als Andi und Teresa Palmer als Clare ist ihr ein Besetzungsglücksgriff gelungen oder sie hat Instinkt bewiesen und Matthias Habich in einer Nebenrolle als Andis Vater fügt sich nahtlos ein. Dieser ist Professor und Andi ist Lehrer.

Andi hat in Berlin, gesegnet sei der offenbar flaue Wohnungsmarkt, einen leerstehenden Hinterhofwohnblock ausgemacht und darin eine Wohnung nach seinem Gusto und seinen Zwecken ausgebaut, kein Besuch ist hier zu erwarten, kein Nachbar, der stört oder sich für sein Privatleben interessiert. Denn dieses ist nicht ohne Spezialität.

Auf der Straße vor einer roten Ampel mitten im Berliner Verkehrsgewühl quatscht er Clare, eine australische Touristin auf Fotojagd in Berlin, an, ihm ist etwas zu Boden gefallen, sie bückt sich intuitiv. Schon sind die beiden im Gespräch. Er möchte sie von seinen Erdbeeren kosten lassen. Die seien aus dem Schrebergarten seines Vaters. Was denn ein Schrebergarten sei, fragt die Australierin.

Schon sind sie in diesem Garten und im nächsten Moment auch im Bett. Da kommt sie nicht mehr so leicht raus. Was folgt ist ein typischer Horrorfilm über einen Sadisten, der nach außen den Biedermann spielt und den man schon ganz genau studieren muss, um in seinen Augen Gestörtes aufflackern zu sehen.

Zwischendrin werden wir Zeuge einer wunderbar gefilmten Sportstunde. Er diktiert den Boys, wo es lang geht. Sein Auge aber ist auf ein Schmollmundmädchen gerichtet, das wiederum von ihm nicht loskommt. Da ist von den Blicken her die Beziehung schon eingegangen.

Solche spontanen Lebenseinblicke filmt Cate Shortland mit nach wie vor stupender Spontaneität und Natürlichkeit. Allerdings scheint sie sich das Thema Horrorfilm ebenso leger vorgenommen zu haben, ohne sich bewusst zu machen, dass filmisch funktionierender Horror streng kalkuliert werden muss, damit er spannend bleibt, frag nach bei Hitchcock. Insofen wabern manche Unentschiedenheiten durch die Zwangsbeziehung zwischen Andi und Clare, die vom Sommer bis Neujahr hält.

Vielleicht ist es nur eine Art Retourkutsche einer Australiern auf die Berichte von ermordeten Backpackern im Aussieland, zu zeigen, dass sowas auch in Deutschland möglich sei, wobei, das sei gespoilert, ermordet wird Clare nicht, aber sie erlebt Dinge, die sie in Deutschland nicht unbedingt erleben wollte, sie war ja auf Fotos und auf Bücher aus.

Während Andi den irgendwo in jedem Mann tief verborgenen Wunsch sich erfüllen will, eine jederzeit gefügige Frau zu haben. Das mit den roten Nägeln, wer will es ihr verdenken. Trotzdem, es ist auch das ein Kino, bei dem man alles um sich herum vergessen kann, ob man nun zwischen comperate und contemplate unterscheiden kann oder nicht. Der Film spielt in Kreuzberg.

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