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Die Herkunft der Zukunft.

Zur Schilderung einer integalaktischen Zukunft von 2150 plus 400 Jahren, die er in einem kurzen Entwicklungsabriss über Andockungen und Besuche von Raumstationen zwischen 1975, 2020, 2031 und 2150 schildert, blättert Luc Besson, der Buch und Regie für diesen Film nach den Comics von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières entwickelt hat, die menschliche Kulturgeschichte sämtlicher Kontinente bis weit ins Altertum zurück und hat gewiss auch manchen Almanach mit Fantasietierfiguren gewälzt, um schließlich in 500 Jahren bei der Megapolis Alpha irgendwo im Weltraum das Hauptbetätgiungsfeld für seinen Filmhelden Valerian (Dane DeHaan) zu finden.

Vorher schon hat Besson das friedliche Leben auf dem Planeten Mül paradiesisch entworfen. Ästhetische Figuren wie schlanke, silberne Schaufensterpuppen leben in Frieden, wie im Endzustand der Eurythmie. Sie leben davon, Perlen, die unglaubliche Energiegeneratoren sind, zu sammeln und von einem Transmutator vervielfältigen zu lassen. Der ist ein süßer kleiner Drache, der in einem kleinen Kistchen aufbewahrt wird. Ein Perlenscheißerchen.

Da das reine Paradies, der Frieden, langweilig und dem Zuschauerinteresse nicht zuträglich ist, zumindest auf Dauer eines Kinofilmes auf der Leinwand, lässt Besson die Apokalypse auffahren.

Bald darauf werden in Alpha Veränderungen festgestellt. Eine nicht betretbare Zone entwickelt sich zur Gefahr für die ganze Stadt. Valerian soll dieses Unheil zusammen mit seiner Kollegin Laureline (Cara Delevingne) abwenden, die Ursache ergründen.

Vorher gabs schon einen kaleidoskopbunten Ausflug zum Planeten Krian, dessen Markt eher an einen orientalischen Souks erinnert. Noch bunter gemischt ist Alpha. Unendlich hohe Hausfronten in allen vertikalen und horizontalen Lagen lassen riesige Fluchten von Gassen entstehen, in denen Luc Besson seine Verkehrselemente aus „Das fünfte Element“ noch potenzieren kann.

Auf der Suche nach der Ursache der drohenden Katastrophe treffen Laureline und Valerian auf eine unvorstellbar vielfältige Welt, auf ein Panoptikum wie aus einer Freak-Show an Miniwelten, auf merkwürdige Riesen, die offenbar mit phosphoreszierenden Schmetterlingen wie fliegenfischen und welche sich verfolgte und suchende Menschenkinder auch ganz anders zunutze machen können.

Sie erleben erstklassige Bar-, Striptease- und Transformationsnummern im Rotlichtviertel ‚Paradise Alley“. Hier begegnet Valerian, der seine verschwundene Kollegin sucht, der Gestaltwandlerin Bubble (Rihanna), die für sich und sogar für einen Begleiter die denkwürdigsten Transformationen vornehmen kann und somit unbemerkt eindringen in den archaisch anmutenden Thronsaal eines bulligen Imperators, einer Welt mehr von elefantösen Bullen als Menschen in einem prächtigen Thronsaal und die Rituale fest durchgetaktet wie bei einem G20-Gipfel.

Gleichzeitig müssen sie Kontakt halten zur modernst eingerichteten Kommandozentrale – Hologramme, Ortung etc. inklusive – mit recht menschlichen Offizieren und Chargen darin. Die selbst wiederum einen Hofstaat bilden mit einem merkwürdigen Trio an Hofschranzen, so groß wie Enten aber mit Rüsseln wie Rüsseltiere und einem Geschnatter, wie nur ein Hof es hervorbringen kann und Geheimnissen, die unterm Siegel der Verschwiegenheit und gegen kleines Entgelt umgehend zu Geheimnissen von neuen Geheimnisträgern werden.

Je größer der Stress der Mission, desto mehr meldet sich in Valerian, der über eine nicht auf Anhieb gefällige Mischung aus noch vorhandener kindlicher Naivität und verwunderten Augen aber auch an männlichem Durchsetzungsvermögen und Imponierkraft verfügt, der Liebhaber im Hinblick auf Laureline, die aber viel zu selbstbewusst ist, um gleich einzuknicken. Sie wird ihm eine Lektion erteilen. Eine Liebesgeschichte mit herbem Charme und fernab jeglicher kinoglatter Klischeeromanze.

Der Cast ist eine wunderbare Mischung aus noch blutjungen Akteuren auch in der Kommandozentrale, nebst den beiden Protagonisten und gestandenen Mimen wie John Goodman, Rutger Hauer, Clive Owen, Matthieu Kassovitz.

Auch die surrealistischen Traumwelten fehlen nicht, durch die ein Valerian unter Umständen in rasendem Tempo hindurchrauscht. Kämpfe werden nötig und eine hartnäckige Verfolgungsjagd eines unbekannten Fluggerätes, das aus der Ferne aussieht wie ein fliegender Diamant.

Die Szene mit der Referenz ans Fliegenfischen, die zeigt vielleicht am deutlichsten, mit welchem indivuellem Zugriff und Charme, der Dingen mit leichter Fantasie eine zweite Deutung zuordnet, Luc Besson an sein Werk rangeht.

Und wenn beim Verlassen des Kinos der Blick von oben auf den Garten des Mathäsers in München fällt und der Gedanke sich meldet, oh, da habe ich doch ein Stück Alpha vor mir, so hat der Film zumindest eine Sofortwirkung auf das Sehen erzielt.

Und falls Valerian inzwischen gelernt hat, dass die Hochzeit vor den Flitterwochen kommt, so hat sich auch bei ihm ein Stück Realität begradigt.

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Die unerfüllte Geschichte der Liebe von Leo Gursky (Derek Jacobi) und Alma Singer, später Mereminski (erst Sophie Nélisse, dann Gemma Arterton). Leo ist einer von den drei Jungs im Stedtl in Polen, die um die Gunst von Alma buhlen. Sie will sich nach der literarischen Qualität der potentiellen Dichter entscheiden, nebst Leo noch Zvi Litvinoff (Claudiu Maier) und Bruno Leibovitch (Elliott Gould).

Das Wort Nazizeit kommt in diesem Film von Radu Mihaileanu nach dem Roman „Die Geschichte der Liebe“ von Nicole Krauss nicht vor, nur das Stedtl. Im Krieg aber wurzelt die Geschichte, vertreibt die Menschen aus Polen, lässt sie sich aus den Augen verlieren – und wiederfinden, Stoff für große Geschichten.

Alma entscheidet sich für Leo. Sie flieht nach N.Y. Der Briefwechsel bricht ab. Die drei Freunde emigrieren auch nach New York, später. Zvi bekommt keine Einreiseerlaubnis und macht in Chile Karriere als Dichter.

Alma ist inzwischen verheiratet. Sie will dem Kind von Leo, das schon unterwegs ist, eine Familie und einen Vater bieten. Das Kind soll nie erfahren, wer der richtige Vater ist. Leo schreibt die Geschichte auf. Veröffentlichen tut sie ein anderer – Zvi in Chile und auf Spanisch.

Jahre später soll die Geschichte ins Englische übersetzt werden. Die Übesetzerin ist ein Fan des spanischen Originals immer schon gewesen. Sie tauft ihr Töchterchen, das in der jüngsten Spielphase des Filmes, 2006, pubertierend ist, Alma.

Das ist in etwa der Ansatz der Story, die der Zuschauer aus dem Film wie aus einem Vexierbild herausklauben muss. Denn Mihaileanu springt in seiner Drehbuchbearbeitung ständig zwischen der Zeit des Krieges, der Anfangszeit in New York, 1996 und dann 2006 und auch zwischen der Geschichte der Übersetzerin und dem Autor hin und her.

Wobei je nach Zeitpunkt auch verschiedene Darsteller die Rollen verkörpern. Dadurch entsteht eine gewisse Erzählnervosität, der Zuschauer wird durch Zeit- und Storyfäden durchgeschüttelt und -gerüttelt und versucht jedes Storyteilchen, das er erwischen kann, selbst zu verknüpfen.

Das ist vielleicht das Problem dieser Romanumarbeitung fürs Kino, dass Mihaileanu sich nicht auf einen Protagonisten oder eine Protagonistin konzentrieren wollte und dieser Figur genau durch den Lebensweg folgt. Das verursacht eine gewisse Storykonfusion. Dieser wiederum will er mit empathischer Musik und auch im Inszenatorischen mit viel Pathos begegnen, ständig ist zu spüren, wie wichtig ihm die Geschichte ist, das ist der Untertext, den er aufdringlich mitinszeniert.

Darunter leiden Vermittlung und Nachvollziehbarkeit der Story, obwohl er mitteilt, dass es sich um eine erzählenswerte Geschichte handelt. Ich denke, sie würde nicht an ihrer menschlich-literarischen Qualität leiden, wenn sie gradliniger einer Figur gefolgt wäre.

Gegen das Emphatische arbeitet die schmerzhaft sterile deutsche Synchro, deren Regie zwar jegliches Nuscheln eliminiert, was aber nicht gegen die Drehbuchdefizite hilft, diese vielleicht nur noch klarer herausstellt und auch wie ein Hammer gegen die emphatische Intention des Erzählers wirkt. Wobei der Beruf als Mann vom Schlüsseldienst von Leo nicht nur reizvoll ist, sondern auch zu einem dramaturgisch wichtigen Kniff wird.

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Gefahr der Eklampsie.

Am liebsten würde man ins Chalet der Familie Payan irgendwo in einem Tal der französischen Alpen einziehen, die sind zwar nicht lieblich, aber so herzerwärmend lebendig und munter und schenken sich nichts. – Aber ich wüsste dann doch nicht, wie lange ich es mit ihnen aushalten würde.

Und dann ist da noch ein Kleines unterwegs. Als ob es nicht reicht, dass Mutter Nicole (die fabelhafte Karin Viard) was Kleines unterm Herzen trägt. Es ist kein Irrtum, obwohl sie 50 ist. Aber Papa Jean-Pierre (von der süßen Enkelin nur Opa JP genannt), ist heiß auf seine Ehefrau und in dem Alter kann eh nichts mehr passieren, denkt er, schon gar keine Verhütungspanne, wie er einmal seiner Tochter Arielle (Hélène Kneusé) an den Kopf wirft.

Diese Tochter lebt mit ihrem wohlgenährten Toussaint aus dem Quebec und der kleinen Zoé auch im Chalet. Aber Arielle ist keine begabte Mutter und Hausfrau, sie glänzt dadurch, dass sie kaum da ist und wenn schon, dass sie nichts zum Haushalt beiträgt. Alles im Haushalt erledigt die Mutter und dann auch noch einen Fulltime-Job bei der Mautstelle der Autobahn. Und auch noch für die Oma Mamilette ( die entzückende Hélène Vincent) zu sorgen und sich um sie zu kümmern, bei der nie ganz klar ist, ob sie schon dement ist oder mal bloß wieder aus Scherz die Tote spielt, hören tut sie jedenfalls ganz gut und man wünschte ihr ein ewiges Leben.

Papa ist auch nicht sehr nützlich in der Familie; er ist arbeitslos, trainiert aber eine Mädchen-Akrobatik-Gruppe. Und auch Bruder Vincent (Raphael Fenouillet) gehört zur Familie. Er ist insofern der Pechvogel, als immer, wenn in seinem Leben etwas Wichtiges passiert ist, die Familie gerade nicht pässlich ist. So verpassen sie gemeinsam den Abschied vor seinem nächsten U-Boot-Tauchgang, so fängt der Film an.

Vincent ist U-Boot-Koch. Jetzt ist Mama schwanger – selbstverständlich hat die Erkenntnis und die Bekanntgabe einer solchen Zustandsänderung in dieser warmherzigen Komödie von Nadège Louise nach dem Buch von Fanny Burdiono + 4, eine eigene Dramaturgie, die wunderbar sichtbar macht, wie diese Leute mit einem Geheimnis umgehen.

Wobei solche Geheimnisse, wenn man so eng zusammenwohnt, sicher dazu gehören. Oder eine Geheimsprache, wie die beiden Geschwister sie als Kinder benutzt haben, die aber offenbar im Telegramm an den Bruder im U-Boot nicht mehr so richtig funktioniert.

Der Arzt verschreibt der schwangeren Oma Nic, wie die künftige Nichte Zoe in Erwartung ihres künftigen Onkels sie nennt, Stressfreiheit. Sie soll ein paar Tage im Spital bleiben. Wie sie zurückkommt ruft sie laut aus, es sei eingebrochen worden… ist es natürlich nicht. Aber ob der Rest der Familie kapiert hat, was diese Frau leistet, das bleibt zweifelhaft.

Vergessen zu erwähnen: Damien (Côme Levin) den Arbeitskollegen von der Maut und den Doktor Gentil (Grégroie Bonnet), der die Schwangere, wenns ans Hantieren geht, zu verzückten Träumen hinreißen lässt. Es entsteht der Eindruck von so prallem Familienleben, dass man befürchtet, das Bergtal könnte das gar nicht fassen. Der Doktor meint, eine solche späte Schwangerschaft berge das Risiko einer Eklampsie.

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Das Prinzip Spiderman beruhrt darauf, dass ein eher unauffälliger, braver gar etwas langweiliger Junge, Peter Parker, sich ab und an in den Spiderman verwandelt, der Gutes tut und der seinen Ruhm für sich behalten will.

Mit Tom Holland in der Rolle passt die Beschreibung exzellent auf die Figur, er ist so, dass die jugendliche Schönheit des Films Liz (Laura Harrier) – ihre Seinsbegründung scheint die Schönheit an und für sich zu sein -, sich überhaupt nicht für ihn interessiert. Erst wie sein dicker Freund Ned (Jacob Batalon) Spiderman-Andeutungen macht, ändert sich das.

In diesem-Marvel-ab-der-Stange-Konfektionsprodukt in einem viel zu dunklen 3D, so dass die Augen nach der Überlänge schmerzen, mussten die Schöpfer wieder gute Taten, die der Spiderman tun könnte, erfinden. Und sie sind erfunden und wirken auch so, als ginge es darum, das Spidermanprogramm mit viel Action und Computernaimation so sensationell wie möglich zu gestalten. Aber den Aktionen geht bald die Bodenhaftung ab. So geht auch der Charme der Story flöten.

Er muss es diesmal mit einem richtigen bösen Oberschurken aufnehmen. Das ist Michael Keaton als Adrian Toomes und Vulture (dieses ein mechanisches Vogelfluggerät). Toomes hat vor einiger Zeit aus „Alien-Crap“ sich einige Elemente gekapert und entwickelt damit gefährliche Waffen, die er an böse Menschen verkauft. Es geht mithin schon beinah um die Rettung der Welt und strapaziert somit die Spidermanfantasie.

Und weil die Finanzmanager der Filmproduktion ein eindrückliches Einnahmenergebnis am Startwochenende in den USA sich herbeisehnen, weil auch ein solches den Ruhm eines Filmes mitgestalten kann, haben sie die Macher (das sind Jon Watts als Regisseur und Jonathan Goldstein, John Francis Daley + 8 gedrängt) gezwungen, so vermute ich, einen überlangen Film und leider auch in Billig-3D zu produzieren.

So musste denn nach Eingreifen in einen Bankraub für einen Schulausflug eine Rettungsaktion aus einem hohen Turm erfunden werden, sämtliche Liftabsturz- und Fassadenkletterelemente aus der Filmgeschichte sollten dabei verwurstet werden, ziemlich sinnfrei, Action um der Action willen und sowieso dann der zähe und sich hinziehende Countdown (da musst auch noch eine Audi-Werbung platziert werden) mit dem Gegenspieler, der absurderweise auch noch der Vater von Schön-Liz ist.

Wobei wenig Augenmerk auf die Auswahl der Darsteller gelegt wurde, auch sie Konfektionsdarsteller bis vielleicht auf Michael Keaton, der aber hier auch nur seinen Bösewicht-Schuh runterzieht und auch die zwischenmenschlichen Szenen, es kommt noch die Familie von Peter Parker dazu, die Schule, strotzen nur so vor lieblosem Klischee. Ich komme mir vor wie Melkvieh der Filmindustrie.

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Wer sich dem Geiste nähert, wird seine Wärme spüren,
und sein Herz wird sich in neue Sphären erheben
“.
Aus einer Predigt des heiligen Antonius von Lissabon
anlässlich des Pfingstfestes 1222 in Forli, Italien.

„Manches muss man nicht versuchen zu verstehen, es geschieht einfach“ – der Satz aus dem Film von Jao Pedro Rodrigues kann gut auch für den Film selbst angewandt werden, der seine Spannung aus der Langsamkeit bezieht, nicht ein einziges Mal tv-kurzatmiger Zusammenschnitt einer Szene, nicht ein Schielen auf Zuschauerungeduld.

Wenn ein Mann (Paul Hamy als Protagonist Fernando) von einem Kajak auf einem grünen See in einer Felsschlucht mit dem Fernglas Steinadlerküken im Horst oder Gänsegeier boabacht, dagegen lässt sich nichts sagen.

Wenn dieser Mann am Ufer des Sees mit seinem Freund telefoniert, der ihn an die Einnahme der Tabletten erinnert, so lässt sich nichts dagegen sagen. Wenn dieser Mann vor lauter Vogelbeobachtung in eine Stromschnelle gerät und kentert, so lässt sich nichts dagegen sagen, nur hoffen, dass er überlebt.

Wenn zwei Chinesinnen mit Mundschutz, Rucksackgepäck und Walkingstöcken den Jakobsweg abpilgern, so lässt sich nichts dagegen sagen. Wenn sie vom Weg abkommen und sich im Dschungel verlieren, so lässt sich nichts dagegen sagen.

Alle diese Szenen wirken wie Wahrheiten, die da sind, die apodiktisch sind, die so hinzunehmen sind. Dass sich zwischen den Chinesinnen und dem Ornithologen eine Geschichte entwickelt, ist absehbar. Wie sie sich entwickelt, nicht unbedingt. Sie zeigt aber, dass der Filmemacher Jao Pedro Rodrigues nicht im Sinne hatte, einen Naturfilm zu machen, obwohl die Natur eine überwältigende Rolle spielt, von der zerklüfteten Gebirgslandschaft mit dem grünen See bis hin zur durch und durch verwachsenen, teils verwunschenen Dschungelgegend.

Die Bildelemente dessen, was sich hier abspielen wird, bezieht Rodrigues aus der Ikonographie der tief verwurzelten christlich-katholischen Kultur – samt einer guten Dosis des darin enthaltenen Männerkörperkultes im Sinne des Kreuzweges von Jesus oder des heiligen Sebastian (obwohl dieser namentlich keine Rolle spielt, hier wird auf den portugiesischen Nationalheiligen Antonius referiert) aber auch aus mythologischen Versatzstücken genaus so wie aus wilden, heidnischen, nächtlichen Mummenschanzritualen.

Fernando wird einen Leidensweg durchgehen im Dschungel, meist ohne Handykontakt zu seinem Freund. Er wird plötzlich ohne die Tabletten leben, deren Einnahme der Freund am Handy anmahnt. Er macht unerwartete Liebeserfahrungen oder begegnet jagenden Amazonen oder Überbleibsel wilder, nächtlicher Rituale, auch Ruinen wie aus der Romantik.

Er geht eine typischen mystischen Weg zum Coming-of-Age (obwohl er kein Teen mehr ist) als einem Coming-Out.

Ganz entfernt erinnert der Film an den Erstling von Bunuel, „Las Hurdes“, der in der Estremadura spielt; verbindend vielleicht die Suche nach Menschlichkeit und Liebe in einer menschenfeindlichen Gegend voll christlich-heidnischer wie religiös-mystischer Symbole und dem taubstummen Hirten Jesus (Xelo Cagiao). Vielleicht auch inspiriert durch das Werk von Alejandro Jodorowsky.

Man kann solche Filme, die aus dem Zauberhut der Mystik und des Mythos schöpfen gouttieren oder man muss sie bleiben lassen. Es ist alles, wie es ist im Film. Es ist vielleicht ein Bericht aus den Tiefen einer mystischen und auch quälenden wie am Ende erlösenden Traumwelt. Gegen Visionen sind keine Argumente gewachsen. Außer vielleicht, dass der Filmemacher am Ende selbst den Heiligen Antonius spielt, ein unheiliger Heiliger.

Durch dieses Coming-Out nimmt die Angelegenheit in Padua ein recht irdisches, recht heutiges Ende.

Mit enormer Kinoschriftsouveränität definiert Rodrigues die Bilder auf die Leinwand. Aus der christlichen Ikonographie leitet er allerdings nicht Zölibat oder Enthaltsamkeit ab sondern Erotik- und körperliche Liebeserlaubnis.

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Lässliche Sünden der Weißen.
Ein unvollendeter Film.

Regisseur George Sluizer hält eine kleine Vorrede. Dass River Phoenix 1993 während der Dreharbeiten zu Dark Blood gestorben ist. Und dass er jetzt, 2012, wo er selber ernsthaft krank werde, versuchen wolle, aus dem Material einen Film zu montieren. Dabei verhalte es sich wie bei einem Stuhl der nur aus zwei Beinen bestehe, er versuche wenigstens mit dieser Montage ein drittes Bein anzubringen – das vierte werde ewig fehlen.

Dieses fehlende dritte Bein wird ersetzt durch Drehbuchauszüge, wie es scheint, die der Regisseur selber liest, während er das Bild anhält. Es sind vor allem Szenen innerhalb der Hütte, in der Boy, River Phoenix, lebt. Er hat in seinen Adern das dunkle Blut durch seine 1/8-Abstammung von den Hopi Indianern, diese depressive Anlage.

Hier schlagen lässliche Sünden der Weißen nicht juristisch, nicht rational nachvollziehbar, sondern unerwartet dämonisch schicksalsungerecht zurück auf ein Ehepaar von Hollywoodstars, das mit seinem Bentley ein Erholungswochenende in der Wüste von Nevada verbringen möchte (Buffy und Harry, Judy Davis und Jonathan Pryce). Anfangs liest sie flachsend aus einem Drehbuch und meint, den Schmarren wolle sie nicht spielen, während er findet, das Geld stimme doch.

Wegen einem Problem mit ihrem Luxusauto stranden sie im Nirgendwo, werden aufgegabelt von Boy, der sie in seine einsame Hütte mitnimmt und verspricht, sie nach Saint John zu bringen, von wo aus der stehengebliebene Bentley geholt und repariert werden könne. Das zögert sich hinaus.

Stattdessen fängt das Schicksal in der Personifizierung des faszinierenden River Phoenix an zuzuschlagen. Er zitiert mit einer Härte, die keine Diskussion zulässt, diese Sünden der Weißen, die sie für lässlich halten, erst die Verdrängung der Indianer und dann die Atomtests in der Nähe, die sie aus ihren angestammten Dörfern vertrieben hat; ein verlassenes, verstrahltes Dorf (Boy spricht von Plutoniumflocken im Haar) wird auch Spielort für einige Szenen.

Außerdem ist Boy fasziniert von Bunny. Er hat sogar ein Bild aus ihrer Vorschauspielerzeit in Las Vegas, auf dem sie als Bunny posiert. Hier gehen die Gefühle schnell hoch und in Richtung zur Grenze des Kontrollverlustes. Aber auch von Todesmusik ist die Rede bei Boy. Indianische Drogen werden gereicht und Boy hat sich eine Atomschutzhöhle gebaut, die ausgestaltet ist wie eine Kapelle mit vielen Kerzen und mit indianischen Totemfiguren, die er selbst hingebungsvoll schnitzt.

Boy wird von Bunny als ein verstörter junger Mann beschrieben, was von der Erscheinung her zutrifft, von den Handlungen her scheint er doch zielbewusster mit diesen (grauenhaften) Sünden der Weißen im Hinterkopf präsent umzugehen.

Bunny ist für Boy attraktiv, aber auch sie ist fasziniert von ihm, während sie ihrem Ehemann vorwirft, er sei immer nur mit seiner Fassade beschäftigt (und mit seiner nächsten Rolle, wie er zu verstehen gibt).

Sluizer über Phoenix: Such a gentle and gifted actor.
Website des Filmes.

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Als Tänzerinnen noch mit Bären und Boas in Bars auftraten.

Eine poetisch-lyrisch-essayistische Suche der Entwirrung eine unruhigen Kindheit mit einer Familie ständig auf der Flucht zwischen Villen am Lago di Maggiore und an der spanischen Mittelmeerküste (Bauboom und un sacco die belle case) – über die Sozialwohnung in Genf (Schmetterlingswohnblock mit der roten Säule Nr. 8) bis zur Wohnblockwohnung in einem Schweizer Dorf hoch oben in einem Tessiner Tal.

Die Familie Knuchel ist eine Familie von wahren Schwindlern, wie Vater und Sohn gegen Ende dieses Autobiopics des Filmemachers verschmitzt festestellen und dabei parallel einen Zigarettenverschwindtrick zum Besten geben.

Diese Charaktereigenschaft des Vaters hat das Leben der schließlich 5-köpfigen Familie bestimmt. Die Eltern genossen in den 60ern das Night-Clubleben im Tessin in vollen Zügen, in einer „Villa der Exzesse“ bis hin zum Schließmuskeltest; die Kinder identifizierten sich mit der Mondfahrt – es schien alles möglich.

Geld verdiente der Papa, indem er Häuser für 5’000 Franken kaufte und am nächsten Tag nach einigen kleinen Reparaturen für 55’000 Franken an betuchte Deutschschweizer im aufkommenden Nachkriegswohlstand weiterverkaufte.

Die Erinnungen an diese Zeit malt Knuchel mit Fotos, mit Filmausschniten à la Hollywood, mit verträumten Rekonstruktionen in Häusern von damals. Nach und nach treten weitere Familienmitglieder auf nicht nur im Material der Vergangenheit, das zeitgemäß teils Polaroidbilder oder Super8-Aufnahmen sind, Musik aus der Jukebox oder dem Walkman.

Die fitte Mutter, die immer gerne in Bars gearbeitet hat – hinter der Theke, sie sei nie betätschelt worden, sagt sie. Die ältere Schwester Antonella, die musste in der Jugend Majorette spielen, wenn Bruder Stefan, der Macher dieses Filmes, als Fan des verstorbenen Sängers Claude Francois dessen Nummern nachspielte. Daher sein Spitzname Cloclo.

Immer musste in der Familie das Notbündel gepackt sein, um allenfalls sofort abhauen zu können, nach dem Motto: lieber ausziehen als Miete bezahlen. Bis irgendwann der Vater ins Gefängnis wanderte, weil er Dinge verkauft hatte, die es gar nicht gab. So trennte sich die Familie.

Der Rückzugsort ist das kleine Dorf Sementina im Tessin, von woher die Mutter stammt und wo sie nach 20 Jahren Familie mit 500 Franc ankam und mit Null anfangen und ein neues Leben aufbauen musste.

Stefan Knuchel spürt mit seinem Film den Emotionen nach, den Hoffnungen, den Glücksgefühlen, die alle mit Musik, mit einzelnen Fotos manifest werden, speziell eines mit seinem älteren Bruder in Frankreich in einer Landschaft mit roter Erde in den 70ern, wo er hinter dem Horizont etwas spürt. Entstanden ist daraus ein kunstvoll-künstlerischer Bilderbogen, der seine Faszination gerade aus Knuchels Nicht-Begabung für die Realität, wie er an einer Stelle sagt, bezieht und einen unwiderstehlichen Sog entwickelt, ein Sog wie ein Time-Channel in die Vergangenheit dieser Familie, aus der der Vater über längere Zeit verschwunden ist.

Poetischer Lebenssinnrekonstruktionstext, strikt persönlich und gefühlvoll, aber nicht sentimental. Musik gegen sein Unglück. Und die schönsten drei Tage seines Lebens waren auf dem Rücksitz eines Citroens auf der Flucht. Flucht in die Träumerei – so eine schöne Träumerei.

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Temperamentvoll grelle Einwandererklamotte aus Frankreich, die mit den Rassenvorurteilen spielt und diese ins Gegenteil verkehrt: statt dass weiße Eltern ein schwarzes Kind adoptieren, tun hier Schwarze solches mit einem Weißen und auf dieser engen Vorurteils-Klaviatur belässt es der Film auch grobmaschig aber zügig.

Die Eltern, das sind Herr und Frau Aioka, der Autor und Regisseur des Filmes in der Hauptrolle als Paul Aioka und Aissa Maiga als Salimata Aioka. Die beiden sind integriert in Frankreich, haben sich einen kleinen Wohlstand geschaffen, ein eigenes Häuschen und einen Blumenladen. Fehlt nur noch ein Kind.

Es sind rechtschaffene, ordentliche Leute. Sie erfüllen alle Voraussetzungen, um ein Kind adoptieren zu können. Es ist Benjamin, ein Bube. Nach kurzem Stutzen – denn es ist ein weißes Bübchen – entscheiden sie sich ohne langes Nachdenken für ihn. Womit sie sich ungeahnte Probleme einhandeln, vor allem in der eigenen Familie.

Speziell die Eltern von Alimata, die in der Nähe wohnen, kommen damit überhaupt nicht zurecht. Sie stammen aus dem Senegal. Was denken die Verwandten dort? Ein weißes Kind ist für Senegalesen mindestens so schlimm, wenn nicht noch schlimmer, als wenn es eines aus dem Kongo wäre.

Die besorgten und liebevollen Eltern haben zudem das Pech, dass die Verantwortliche vom Amt, Madame Mallet (Zabou Breitman) ihren Auftrag der Kontrolle sehr ernst nimmt und damit anfängt einen negativen Einfluss auf das Kindswohl zu nehmen.

Die Eltern werden durch die Zusatzbelastung zusehends gestresst, es muss ja auch das Haus noch fertig renoviert werden. So geraten die Dinge rasend schnell außer Kontrolle – und die Frage nach der Mutterliebe wird akut, wozu diese fähig ist. Zur Verschärfung der Lage tragen der unzuverlässige Kumpel von Paul, Manu (Vincent Elboz) und dessen Freundin Prune bei.

Lucien Jean-Baptiste inszeniert die Geschichte laut, schnell und schwungvoll, mit markanter physischer Präsenz der Darsteller und gewinnender Herzlichkeit, gerne mit einem Drall in Richtung Übertreibung im Spiel, wie ein wildes Wandgraffiti; vielleicht eher für den französischen Hausgebrauch. Trotzdem: herzerwärmende Patch-Workfamilie: er hat schon Deine Augen! – so lautet der Titel im Original (il a déjà tes yeux).

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So geht Eroberung auf Französisch (Erotoschmonzette).

Kulinarisch-lukullisches Verführerkino als Liebeserklärung an die Liebe, ans Kino und an Frankreich. Die Kunst der Verführung. Die braucht ein bisschen Zeit, die muss sich die Zeit nehmen, sie kommt unangekündigt. Aber sie weiß vom ersten Moment an, was ihr Ziel ist, sowohl der Verführer Jacques (Arnaud Viard) als auch die zu verführende Anne (Diane Lane) und vermutlich sogar ihr sie vernachlässigende Ehemann und Filmproduzent Michael (Alec Baldwin).

Eleanor Coppola erfüllt sich und sicher vielen anderen längjährigen Ehefrauen mit diesem RomComVerführerFilm den Traum des Verführtwerdens aus abgestandener Ehe.

Anne und Michael sind beim Festival in Cannes zugange. Michael ist pausenlos am Telefon, ironisiert seine Rückenschmerzen, sie würden vom vielen Verbeugen kommen, mosert einen Produzenten an, für das Projekt in Marokko soll er bittschön Ziegen und nicht Kamele nehmen, die seien billiger und sie würden obendrein im Drehbuch stehen.

Michael muss dringend nach Budapest jetten. Anne soll selbstverständlich mit. Sie ist sein dekoratives Anhängsel, eine gepflegte, attraktive Frau in mittleren Jahren, die ihre erotische Vertrocknetheit professionell überspielt mit allen Mitteln, die besser gestellten Damen zur Verfügung stehen.

Geschäftsfreund Jacques, der nicht verheiratet ist, bringt das Paar zum Flughafen. Anne hat ein Ohrensausen. Kurz vorm Einsteigen in den Privat-Jet entscheidet sie sich, direkt nach Paris zu fahren, der Pilot hat ihr abgeraten, das Fliegen sei nicht gut für die Ohren.

Jacques, der daneben steht und das mitbekommt, bietet ihr spontan an, sie nach Paris zu fahren. Mit seinem alten, lottrigen Peugot, nicht ganz standesgemäß, umso mehr ein Zeichen für ein sich abzeichnendes Road-Movie der Verführung, einer kulinarisch-kulturell-erotischen Tour durch Frankreich.

Denn Paris muss jetzt warten. Jacques findet immer einen Grund, vom Weg abzuweichen, weil es da so schöne Rosen gibt, dort so feine Erdbeeren, hier einen ausgezeichneten Bäcker und nicht weit einen der besten Köche Frankreichs.

Anne macht das Verführerspiel mit. Sie tut so, als realisiere sie es gar nicht, obwohl sie es ironisch durchschaut. Sie leistet nicht allzu viel Widerstand. Sie findet Gefallen an den feinen Gerichten, die aufgefahren werden, an dem Berg, den Cezanne (Montagne Sainte-Victoire) gezeichnet hat, am römischen Äquadukt, am Textilmuseum in Lyon, an der römischen Kirche von Vezelay und an der Musik von Erik Satie. Und vor allem: an der in der Luft liegenden Erotik, am professionellen Zögern des bedenkenlosesn Verführers Jacques.

Er begegnet früheren Objekten seiner Begierede und seiner Verführungskunst. Die sind ihm gar nicht übel gesinnt, wie die russischstämmige Martine in Nyon beweist.

Ehemann Michael kapiert offenbar die Lektion. Die Verführung gewinnt an Fahrt bei Fragen zum glücklichsten Moment des Lebens als auch zum traurigsten; Fragen können zwei Menschen, erst recht, wenn sie andächtig in einer Kirche bei Kerzenlicht gestellt werden, emotional näher bringen, noch ohne jede Berührung.

Und Fotografieren kann auch viel erzählen. Alles Zutaten zu einem kulinarischen Kino vom Feinsten, Trüffelsaison für Kino- und Verführungsliebhaber im Garten des Epikur mit wildem Fenchel und Dorade Royale und wenn der alte Peugeut stehen bleibt, so hilft ein Damenstrumpf als Keilriemenersatz.

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Engel sind hier nichts Süßliches, sind keine kitschigen Barockputen. Sie sind handfest fleischlich mit Flügeln bewehrt und wehe wenn sie losgelassen werden und vorm computeranimierten, surrealen Himmel rumsausen, da wirken sie nicht minder gefährlich als große Raubvögel, Adler, Geyer.

Engel sind hier das Produkt religionsphilosophischer Erwägungen, sie sind dem Teufel näher als dem lieben Gott, aber sie sind nur Liebessehnsüchtige, ein Fixierbild, eine Materie gewordene Idee und Bebilderung vor mystizistisch surrealem Hintergrund der Umwälzungen des Coming of Age von Lucinda (Addison Timlin), des Verlangens, mit einem anderen Menschen eins zu werden, um so in den Kreislauf des Vergehens und Wiederkehrens, der Reinkarnation, der Wiedergeburt der Liebe einzuschwenken, in dem alles enthalten ist und auch noch in Konflikt kommt mit Déja Vues.

Alles bekannt und doch aufregend neu. Das Gedächtnis der Menschheit, auch in den Bildern der Religion oder der Ahnen und sowieso in Büchern. Auch dass der Kuss zum Traumman gefährlich ist. Küssen kommt vor dem Fall beim Engel.

Die Örtlichkeit, in der diese Gefühle und Bilder ungezügelt expandieren können, ist ein Internat, die „Swords & Cross Academy“. Hier sollen schwierige, nicht auf Anhieb in die Gesellschaft und ins Erwachsenenleben integrierbare Jugendliche Betreuung und Halt finden, Orientierung.

Regisseur Scott Hicks schildert das nach dem Buch von Michael Arlen Ross, Kathryn Price + 2 nach dem Roman von Lauren Kate nicht realistisch sondern stilisiert, symbolhaft aufregend gemäldehaft.

In Kunst, Religion und Kampf (Fechten) sollen die Engel ausgebildet werden. Die Figuren sind typisiert vom Schulleiter bis zur Religionslehrerin, aber keinesfalls billig klischeehaft. Es gibt die böse, dunkle Schülerin (Daisy Head als Ariane Alter), es gibt den blonden jugendlichen Helden (Jeremy Irvine als Daniel Grigori) und den dunkelhaarigen (Harrison Gilbertson als Cam Briel) und Lucindas ganz und gar menschliche Freundin Penn (Lola Kirke), die wegen mangelnder Fachkenntnise der Schulleitung Zugang zum Computersystem mit den Files über die Schüler und die Lehrer hat.

Es gibt nächtliche Aktivitäten in den Fluren und Zimmern, Partys im Freien oder in der Disco, wilde Motorradfahrten, es gibt einen Bibliothekbrand, einen Toten (Leo Suter als Trevor), eine großen, steinerne Engelsfigur, die vom Dach fällt. Und es gibt die Schatten, die Lucinda begleiten, quälen, beunruhigen.

Es gibt die Bibliothek, die nicht weniger surreal wirkt als alle anderen Settings auch. Dagegen gibt es die Konzentration auf die Hauptfigur, auf Lucinda, die mit eisernem Willen zu sich selber finden will und sich von keiner noch so cineastisch wirkungsvollen Verfremdung der Realität abbringen lässt, ihren Weg zu gehen, ihrer Bestimmung zu folgen.

Allerdings lässt die disziplinierte deutsche Routinesynchro keinerlei Schatten spüren, wirkt wie ein biederer Klotz TV-Realismus‘ inmitten dieses hochkünstlerischen, unwirklich ausgeleuchteten Filmgemäldes, dieser Bilderemanation eines mystischen Surrealismus‘.

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