Archiv für die Kategorie: “Review”

Probleme ziehen Probleme an, oder: Wo einmal Krieg war wie im ehemaligen Jugoslawien, da lebt die Zerstörung noch lange in den Menschen fort. Eine Frau, Stewardess – daher die ständigen Flugzeugstarts und -Landungen – die mit sich selbst offenbar genügen Probleme hat, das zeigt die anfängliche narzisstische Handy-Movie-Selbstbetrachtung, die das Gegenteil zu behaupten versucht, ist mit einem Typen zusammen, der im Krieg ein Held war, als Fluglotse beim Trinken erwischt wird, seinen Job los ist und Zuflucht in extremer Religiösität sucht. Es kommt seine beschränkte Zeugungsfähigkeit erschwerend hinzu. Das kann nicht gut gehen. Schlimm ist vor allem, dass den handelnden Personen jede Konfliktfähigkeit abgeht. So zieht sich die Frau zusehends in die durch Ausblenden des Original-Tones dargestellte innere Isolation zurück und dem Mann sein Bart wird immer länger.

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In dieser Doku über Jane Goodall geht es zu wie bei Figaros, Jane hier, Jane da.

Jane in Afrika. Jane in Grönland. Jane in Nebraska. Jane in New York. Jane in England. Jane in Nordkorea. Jane im Urwald. Jane bei den Krokodilen. Jane bei den Schimpansen. Jane bei den Indios. Jane in Hallen. Jane in Sälen. Jane in Theatern. Jane beim Entgegennehmen von Standing Ovations. Jane beim Begrüßen. Jane beim Beküssen. Jane beim Händeschütteln. Jane beim Autrogrammgeben. Jane beim Signieren. Jane erster Klasse im Jet. Jane im Jeep. Jane zu Fuss. Jane auf alten Filmen. Jane auf alten Fotos. Jane nach der Meinung von Pierce Brosnan. Jane nach der Meinung von Angelina Jolie. Jane mit Schimpansenmaskottchen. Jane mit Kofi Annan. Jane bei Roots and Shoots. Jane und ihre gescheiterten Ehen. Jane und ihre eifersüchtigen Männer. Jane und ihr Sohn. Jane und das Gefühl der Unentbehrlichkeit. Jane und die Rettung des Planeten. Jane beim Pipi machen. Nein, letzteres hat wohl meine Fantasie fortgeschrieben.

Die Filmemacher hatten gewiss eine schöne Dienstreise um die halbe Welt, immer im Promitross, und mussten noch nicht einmal viel denken dabei.

Für mich hingegen müffelt diese Art von Hagiographie ein ganz klein wenig.

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Sehr viel Seminarfleiß wurde in diesen Film hineingesteckt.

Das Buch sorgfältig entwickelt, so sorgfältig, dass ungefähr alles voraussehbar ist. So sorgfältig, dass alle diese Menschen reine Papiermenschen bleiben, exemplarische Exemplare einer Menschheit, wie sie sich eben ein Schreibtischtäter so vorstellt und der noch dazu sehr auf kleinere Pointen Partnerschaften betreffend aus ist.

Diesen Menschen, die hier vorgeführt werden, fehlen Ecken und Kanten, Eigenschaften, die sie interessant machen könnten, die konfliktfördernd und spannungserzeugend wirken könnten. Sie sind einzig und allein in diesen  Film hineingestellt worden, um die Thesen von Herrn Müller zu sprechen.

Sie kommen auf die Leinwand, um ein erstes Date einer Internetbekanntschaft zu spielen, in einem Café. Um hier erste Verlegenheit und dann Gleich-ins-Bett-gehen zu spielen. Um dann Sätze zu sagen wie, ich mag Deinen Geruch. Um  umgehend zu beschliessen, dass sie bei ihm einzieht. Um zu klären, dass er unter Naturschützer versteht: Landschaftsgärtner, der Bäume umsägt.

Der Beruf ist so unwichtig, dass der Schauspieler auch die Szenen, wo er an Bäumen tätig ist,  nicht einmal glaubwürdig spielen muss.

Bis hierher wissen wir nicht, in welcher Himmels-Gegend wir uns befinden.

Und wie Maren mit Robert, so fantasie- und klangvoll sind die Namen der Protagonisten, gleich zu ihm nach Hause mitgeht, sind wir schon mitten im Flur der Wohnung, sehen sein Arbeitszimmer, sein Schlafzimmer, das Schlafzimmer seines Sohnes Daniel, ohne auch annähernd eine Ahnung zu haben, in welcher Art von Stadtteil oder Gebäude wir uns befinden.

Später hat der Filmemacher dann die Gnade, uns wenigstens einen Blick in den Vorgarten oder den Hintergarten zu gestatten. Diese Dinge sind hier so unwichtig, weil sie sowieso nicht von der Dramaturgie nützlich gemacht werden. Diese hat sich nämlich vorgenommen, ein Modell zwischenmenschlicher Beziehung zu entwerfen, wo … : – sie zieht dann mit ihrer Tochter bei ihm ein und die Kinder liegen schon zusammen im Bett, also die sind geschlechtsreif, darf noch hinzugefügt werden, und bumsen, bevor sie noch die Tür zugemacht haben – und wie dann die Liebe der Kinder auch die später kriselnde Liebe der Erwachsenen, die zwischendrin nach der Bekanntgabe der Heirat und nach diversen Seitensprüngen von ihr, sie ist Bibliothekarin, auch das ist nur dem Text und nicht ihrem Spiel zu entnehmen, wieder zu einem Happy End zusammenfügt, man sieht die beiden dann eine neue Wohnung, die gerade instande gesetzt wird, besichtigen.

Ein Film, der seine beste Verwertung vielleicht als Schulungsmaterial für Paartherapien finden wird.

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Wer es noch nicht wusste, der wird es spätestens nach diesem Film wissen, es ist die Seine, die durch Paris fließt, und auch demjenigen, dem das vorher schon bekannt war, wird nach der Vorführung des Filmes klar, dass diese Seine inzwischen um einige Zuschauertränen reicher sein dürfte, so kongenial haben Chabat/Tirard den Kinderbuchklassiker von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé verfilmt.

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Das größte Unglück für diesen Film ist sein Drehbuch.

Nur ein Beispiel. Der Film heisst Distanz. Heirat ist ein Indiz für eine Überwindung von Distanz, mithin in einem Film, der sich so betitelt, gewiss ein wichtiges Faktum. Dass der Protagonist, ein durch Zufall zum Serienkiller gewordener Gärtner, das Fräulein vom Institut, mit der er schon mal ins Bett gegangen ist, geheiratet hat, erfährt man im Nachhinein durch eine Befragung der Polizei. Ein drehbuchtechnische Schwerverdaulichkeit. Denn das reißt den Zuschauer, dem es hier eh nicht leicht gemacht wird, aus dem Versuch heraus, der Erzählung zu folgen, indem er sich sofort fragt: ‘Sag mal, habe ich jetzt was verpasst?’

Die Idee hinter dem Film ist löblich. Ein Schauspieler wird initiativ gegen die Rollenangebotsmisere im geisttrockenen Filmland, indem er an einem Drehbuch mit einer Traumrolle voller Abgründe, nämlich dem erwähnten Serienkiller, mitarbeitet.

Nur ergibt das weder einen Hannibal Lector noch einen Alain Delon als eiskalter Engel, wenn der Protagonist mit ausdruckslosem Gesicht in einem botanischen Garten Beete bearbeitet und dann zufälligerweise bei einem einsamen Spaziergang Jäger beobachtet, wie sie ein Tier schiessen und es achtlos liegenlassen, wie er ihnen dann hinterhergeht und sieht, dass der Kofferraum eines der Autos offen ist und eine Knarre inklusvie Munition und Fernrohr drin findet und klaut und dann anfängt wahllos auf Jogger oder Menschen auf der Parkbank zu schiessen.

Über weite Strecken im Film wird mittels des verschlossenen Gesichtes behauptet, der Protagonist leide unter einer Art Kommunikationsstörung oder schizoider Persönlichkeitsstörung; dann aber unterhält er sich urplötzlich mit anderen, als sei überhaupt nichts. Unerklärliche Inkonsequenz, die nichts erschließt. Diese plötzliche Kommunikationsfähigkeit steht in krassem Gegensatz dazu, wie die Figur eingeführt wird, durch einsame Spaziergänge, einsam vor dem Fernseher sitzen, Steine von der Autobahnbrücke werfen. Da soll einer noch mitgehen.

Auch der Übergang vom Steinewerfer zum Todesschützen bleibt im Dunkeln. Kein Motiv, kein Anlass und ergo kein Grund, sich weiter für die Figur zu interessieren.

Mein Eindruck ist, dass sich die Macher nicht so richtig getraut haben, die Hemmschwelle zum Töten bei der Hauptfigur offensiv zu überschreiten, als wollten sie den Menschen hinter diesen Handlungen irgendwie noch retten. Dabei haben sie ihn endgültig verloren. Das Movie kommt dann plötzlich wie ein Lehrfilm daher, der behauptet: ‘Leute, es gibt eben Menschen, die töten ohne Anlass.’ Um diese Info zu erhalten, brauche ich nicht ins Kino zu gehen.

Das Menschentümelnde wird fortgeführt in dem Gespräch mit seiner Frau, die behauptet, sie stehe hinter ihm, er habe nie etwas Böses getan, müsse aber mit dem Töten aufhören. Dieses psychologische Faktum, das Böse in seiner Nähe nicht wahrhaben zu wollen, ist zwar bekannt von Fällen innerfamiliärer Gewalt. Es wird hier aber ohne jede dramaturgische Funktion, eben lehrfilmhaft und nicht spannungserzeugend eingebracht.

Die Kamera trägt das ihre zur Dämpfung der Freude an diesem Film bei; so uninspiriert fotografiert wie der Patient das Gewehr auf seinem Bett auseinander nimmt oder wie seine Frau Tomaten schneidet, habe ich das schon lange nicht mehr gesehen.

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Hier kennt sich das Drehbuch erst nicht so richtig aus, worüber mache ich einen Film, ah, Männer, Landhockey, nein, Wasser, Schwimmen, nein, Wasserballett, ja für die Geburtstagsparty, ja, das kann man aufführen, ah, heureka! warum nicht an die WM in Berlin, ja, mit all diesen Männern mit einem Wasserballett an die WM nach Berlin! Wenn das Drehbuch dann das Ziel und somit auch die Motivation und den Weg dahin gefunden hat, dann geht’s flott ab in Richtung Berlin. Wenn es sich jetzt, das Buch, auch noch mehr für die privaten Befindlichkeiten seiner Männer interessiert hätte, so wäre die Erinnerung an Ganz Oder Gar Nicht noch schöner geworden.

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Teenie-TV-Kinoware mit nur spärlichen Kinofunken.

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Die Spannung beim Betrachten dieses Patchwork-Movies dürfte in etwa der Spannung entsprechen, die entsteht beim Durchblättern einer gestylten Hochglanzzeitschrift, einer Mischung vielleicht aus „Vogue“, „Schöner Wohnen“ und „Merian, Tokio und Japan“, welche die elegant arrangierten Bilder unter dem losen Thema „Fischereiverkäuferin arbeitet nachts als Profikillerin“ in einen narrativen Zusammenhang zu stellen versucht.

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I’m writing this book review in English, because there are some english-speaking folks I want to recommend the book to.

Scotsman Ian Rankin writes crime novels, and has been doing so for over two decades. His main work is a series of novels about John Rebus, a rather washed-up Edinburgh police detetive who, there are no nicer words to describe it, is an alcoholic. Now, his new series is coming along, starting with The Complaints.

Personally, I, as a German (Bavarian, actually), like reading books in English for two main reasons: If the book was originally written in English, I want to read the original version, because then I can enter the exact world the author describes. If I read a translated version, I feel blind, with someone trying to describe what’s around us as we stumble through the story. Now and then obvious translation errors spoil all the fun, usually false friends like “you must not”, which rather often gets translated into the German equivalent of “you may or may not”. The second reason is simply that I can keep up my own English. Back to the chase:

Den Rest des Eintrages lesen »

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Die lautstärkste Ansage dieses Filmes scheint mir zu sein: Leute, ich Dietrich Brüggemann, Autor und Regisseur dieses Filmes, bin von einem unbeugsamen Stilwillen besessen, um das Drama um einen Rollstuhlfahrer konsequent gegen den Mitleids-Strich zu bürsten.

Sein stärkster Mitstreiter in dieser Absicht ist Robert Gwisdeck, der mit unerbittlicher Konsequenz die Figur Ben, die an den Rollstuhl gefesselt ist, als Zyniker am Rande zum Feldwebel durchzieht, dadurch einen grossen Verschleiß an Zivis hat, der teils fast dozierend die Thesen über Invalidität, Potenz, Liebe und auch die oft gelegentlich als Witze beabsichtigten Texte, die nicht immer lustig sind, mit hoher Sprechpräzision hochfahrend wegspricht. Das hat durchaus etwas Faszinierendes, umso mehr, als er auch die Körperlichkeit der Figur gnadenlos durchspielt.

Der Film leidet jedoch unter der typisch deutschen Drehbuch-Krankheit. Es wird viel zu viel erklärt. Kommt jemand in eine Szene, fragt sie oder er, was los sei. Das sind meist fernsehtaugliche Dialoge, die sich daraus entspinnen, wobei hier sicher mehr Feinarbeit geleistet worden ist.

Ein Running Gag, statt „geil“ „porno“ zu sagen, kommt sehr, sehr konstruiert daher. Genau so wie der Gag mit der Mozart-Büste total aufgesetzt und verkrampft und nicht mal überzeugend dargestellt, dazu noch irgendwie sinnfrei abgespult wird.

Die Überkonsequenz im Gegen-den-Mitleids-Strich-Bürsten der Hauptfigur hat allerdings auch zur Folge, dass sie so negativ rüber kommt, dass es einem überhaupt nicht weh tut, wenn Ben mit dem Rollstuhl ins Eis einbricht. Man gönnt ihm gleich den ewigen Frieden, denn einem rein zynischen Menschen zuzuschauen ist eben nicht sehr erhebend.

Es gibt allerdings einen Augenblick, der ist Kino pur, wenn er mit der Cellistin im Bett liegt und sie ihn fragt, was er wolle und er nach einer Gedankenpause mit von ihr abgewandtem Gesicht antwortet „Liebe“, und das für seine Verhältnisse leise, und wie dann die Kamera einfach auf ihm bleibt, das ist ein schöner Kinomoment, der aber in der übrigen Feldwebelei sehr einsam dasteht.

Das kann die anderen Szenen, in denen Ben durchaus als Neonazi durchgehen würde, nicht aufwiegen. Aber die jungen Filmmenschen dürfen in ihrem Enthusiasmus Fehler machen. Sie können auch nicht, und müssen es auch nicht, alles können. Sie dürfen sich dabei zuviel vornehmen und vielleicht lernen sie die Lektion, dass auch in so ein Projekt, wenn es von mehr als nur von professionell und freiwillig mit Behinderten Befassten gesehen werden soll, eben auch Charme einfliessen muss, Anrührung, Zwischentöne; und dass Schwarzer Humor noch nicht ist, wenn Ben meint, er könne mit Behinderten nicht oder Plattitüden, dass zwei Drittel aller Männer beim Öffnen des BHs schon scheitern.

Fazit: eher eine Etüde für die Fachwelt als Futter fürs breite Publikum.

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