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	<title>Filmjournalisten.de &#187; Pressefreiheit</title>
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		<title>Wikileaks, oder: Who you gonna call?</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2010/12/09/wikileaks-oder-who-you-gonna-call/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 08:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun gibt es also diese sogenannte "Enthüllungsplattfor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun gibt es also diese sogenannte &#8220;Enthüllungsplattform&#8221; Wikileaks im Netz, und sie stellt sich nach und nach als Nest unbequemer Troublemaker heraus. Dieser Gründer und Chef, Julian Assange, wurde wegen mehrfacher Vergewaltigung per internationalem Haftbefehl gesucht, nun ist er also eingeknickt und hat sich am 7. Dezember in London gestellt. Währenddessen spritzt die Webseite, zwischenzeitlich mehrfach von Hackern attakiert, dann abgeschaltet und mittlerweile auf viele Spiegelserver verteilt, weiter Gift und Galle, wie eine Hydra, der man einen Kopf abgeschlagen hat (<a href="http://www.eweek.com/c/a/Security/WikiLeaks-Emerging-as-HydraLike-Web-Entity-Thats-Hard-to-Kill-744023/" target="_blank">1</a>). Es ist eine Katastrophe, die Katze ist aus dem Sack, die Büchse der Pandora geöffnet. Wo soll das nur enden, wenn nichtmal mehr Staatsgeheimnisse sicher sind?</p>
<p>So zumindest der Tenor des Mannes auf der Straße. Neulich haben sich ein paar Kollegen und ich nach einer Pressevorführung über Wikileaks unterhalten, deren Übereinkunft war, dass Wikileaks grundsätzlich eine gute Idee sei, aber dass die kürzliche Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen (im Gegensatz zur Veröffentlichung von Kriegsverbrechen von vor einiger Zeit) ein dummer Fehler war, denn beleidigende Depeschen nützen nicht und schaden nur.</p>
<p>Doch lasst uns zuerst einmal die Ausgangssituation beleuchten: Vereinfacht gesagt teilt sich die Bevölkerung des Planeten aus rein organisatorischen Gründen schon seit immer in Gruppen auf. Diese Gruppen bestehen nicht zwangsweise aus nationalen Zugehörigkeiten, sondern sind oft genug Interessengemeinschaften. Diese mögen sich über Landesgrenzen hinweg bilden (wie Großkonzerne oder &#8220;die Oberschicht&#8221;), oder von Landesgrenzen umschlossen werden (wie z.B. die Hartz IV-Empfänger), sie können verschwindend klein sein (wie die Stammkunden einer gewissen Kneipe) oder auch riesengroß (wie die regelmäßigen Zuschauer der Tagesschau). Auf jeden Fall fällt jeder Mensch in eine Vielzahl von Interessengemeinschaften, vom Brokkoli-Verachter bis zum Linkshänder, ob er will oder nicht, und vor allem oft, ohne dass er sich dessen bewusst ist. In diesen Gruppen bringt er sich mehr oder weniger intensiv ein, das Engagement reicht von völlig passiv (Sauerstoffatmer) bis euphorisch (Grundeinkommensbefürworter). (Interessant dazu übrigens: <a href="http://www.transnationalrepublic.org/" target="_blank">Transnational Republic</a>)</p>
<p>Nun liegt es in der Natur des Menschen, sich innerhalb der einzelnen Gruppen Konkurrenz zu machen, sich überbieten zu wollen. Die Angler wetteifern um den größten Fisch, die Sportler um die beste Zeit, die Schnäppchenjäger um das beste Angebot, die Filmjournalisten um das beste Fachwissen und die Brünftigen um die meisten Kerben am Bettpfosten. Jeder will am stärksten glänzen, obwohl das für den Forbestand der Menschheit eigentlich nicht nötig ist: Der Zweck des Angelns ist das Stillen von Hunger, beim Weglaufen fressen nur den letzten die Wölfe, kein Schnäppchenjäger muss nackt herumlaufen und so weiter. Wozu also die Anstrengung? Im Gegensatz zum Rest der Erdbewohner haben wir ein wirklich großes Gehirn, ein ausgeprägtes Bewusstsein und vor allem die Fähigkeit, die Konsequenzen unseres Tuns abzuschätzen, woraus sich in unserem Tun ein Pfad der Vernunft. Warum nutzen wir dies nicht stärker?</p>
<p>Inhärentes Merkmal allen Übervorteilens anderer ist das Geheimnis. Egal, welcher Gruppe man zugehört. Geheimnisse sind stets Herrschaftswissen, kriegswichtig, Chefsache und daher immer zu hüten wie der eigene Augapfel. Geheimnisverräter galten schon immer als Abschaum des Abschaums, das ist so gut wie jedem Menschen in Fleisch und Blut.</p>
<p>Doch mit Geheimnissen wird auch immer ein großes Geschäft gemacht. Die Coca-Cola-Formel ist so ein Geheimnis, das natürlich nicht verraten werden kann, wo kämen wir denn hin, wenn jeder Coca-Cola herstellen könnte? Bombenbauanleitungen ins Internet zu stellen ist auch so eine infame Sache, solches Wissen darf doch nicht frei verfügbar sein! Und wenn die Deutschen den Transrapid erfinden, dann hat China den nicht nachzubauen, weil, das ist fei unfair.</p>
<p>Auf Geheimnissen basiert der Weltfriede! Gäbe es nicht den heißen Draht zwischen Washington und Moskau (oder hieß es das rote Telefon?), wäre bestimmt schon die halbe Welt in die Luft geflogen. Diplomatische Geheimnisse sind unantastbar, denn sie sind für erfolgreiches Mauscheln und Taktieren absolut nötig. Man kann nicht den Außenminister eines befreundeten Landes einen unfähigen Deppen schimpfen und eine Woche später in irgendwelche Verhandlungen gehen und so tun, als wäre alles eitel Sonnenschein.</p>
<p>Natülrich geht das nicht. Geheimnisverrat ist völlig kontraproduktiv für unsere Gesellschaft. Geheimnisverrat untergräbt die Fundamente der Welt, die wir uns aufgebaut haben, und die auch wunderbar funktioniert. Verräter von Staatsgeheimnissen gehören verurteilt, weggesperrt oder gleich unauffällig beseitigt.</p>
<p>Nur: Stimmt das auch? Ist unsere Gesellschaft richtig so, wie sie ist? Führen wir unsere Welt auf eine gute Weise? Ist das alles okay, was wir hier veranstalten? Funktioniert alles wirklich so wunderbar?</p>
<p>Aha, denkt man jetzt, das ist es nicht, es gibt Verbesserungsbedarf. Verklappung von Müll in den Weltmeeren, das muss natürlich ans Licht gezerrt werden. Ebenso wie Kriegsverbrechen der USA im Irak. Oder auch perverse Abfindungen für unfähige Pleitebanker und andere schlagzeilenwürdige, leicht verständliche Stoffe. Aber was wichtige Politiker von anderen wichtigen Politikern halten, das ist natürlich Geheimsache, wenn das veröffentlicht würde, wäre das kontraproduktiv.</p>
<p>Nur: Wer bewacht die Wächter? Wer sollte entscheiden, was veröffentlicht werden darf und was nicht? Und in wessen Interesse? Mit welchen Folgen? Nichts geringeres als die Meinungsfreiheit steht gerade auf dem Spiel. (<a href="http://www.salon.com/technology/dan_gillmor/2010/12/06/war_on_speech" target="_blank">2</a>, <a href="http://www.theaustralian.com.au/in-depth/wikileaks/anonymous-hackers-hit-visa-mastercard-in-wikileaks-revenge/story-fn775xjq-1225968083650" target="_blank">3</a>, <a href="https://twitter.com/jackschofield/status/12666840278900736" target="_blank">4</a>, <a href="http://on.cnn.com/fEcg8E" target="_blank">5</a>)</p>
<p>Wikileaks tut das einzig Richtige: Sie veröffentlichen alles. Sie zensieren nicht selbst und stellen sich daher früher oder später, gewollt oder ungewollt, auf die eine oder andere Seite. Und Junge, fliegt denen gerade all das um die Ohren. When the fit hits the shan, sozusagen. Allerdings, das muss man zugestehen, sichtet Wikileaks das eingereichte Material, sonst wäre ja alles voller UFO-Sichtungen.</p>
<p>Sicher kann das pauschale Veröffentlichen von allem auch falsch sein, zum Beispiel bei Identitäten von aktiven Geheimagenten. Doch wie eingangs schon erwähnt: Die Katze ist aus dem Sack, und Wikileaks ist eine Institution geworden. Das Rad der Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen, und selbst wenn Wikileaks dichtgemacht werden sollte (wie soll das gehen?), wird es andere Portale geben, die dasselbe bieten (<a href="http://www.nachrichten.de/panorama/Wikileaks-Aussteiger-wollen-eigene-Enthuellungs-Plattform-gruenden-aid_TX-PAR-GSP13.html" target="_blank">6</a>). Es geht um die <em>Idee</em>, und Ideen, deren Zeit gekommen ist, sind bekanntlich nicht aufzuhalten.</p>
<p>Die große Aufgabe für die Menschheit besteht nun darin, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen. In einer Zeit, in der es möglich ist, in zwei Tagen jeden Punkt der Erde zu erreichen; in der es möglich ist, sofort und ich Echtzeit mit so gut wie jedem anderen Menschen der Welt zu kommunizieren, werden Geheimnisse Luxus werden. Und ich persönlich halte das für gut, denn es steht weit weniger Schaden als Nutzen zu erwarten.</p>
<p>Die Angstschürerei gegen den Geheimnisverrat läuft in allen Medien auf Hochtouren. Was, wenn medizinische Daten online einsehbar sind? Riesenpanik in der Bevölkerung. Doch mal ehrlich, wer interessiert sich schon für die Krampfadern von Oma Müller? Die Versicherung? Dann sollten wir eher mal die Gesetzgebung unter die Lupe nehmen, die es Versicherungen erlaubt, Leute aufgrund von Vorerkrankungen abzulehnen, als den Geheimnisverrat von Oma Müllers Krampfadern zu ahnden, finde ich. Die Gesellschaft muss sich den neuen Umständen anpassen, nicht die Umstände der Gesellschaft. Denn die Gesellschaft, zumindest der Teil mit politischem Einfluss, möchte natürlich nichts ändern an den vielen kleinen Tricks und Kniffen, die es ihm über die Jahrhunderte ermöglichten, reich, satt und fett zu werden, während der Rest es gar nicht schaffen kann, sich aus den Kreditschulden zu buckeln. Nein, Geheimnisverrat ist richtig und wichtig, nur her mit der neuen Offenheit.</p>
<p>Dies ist unser aller Planet, und ich wage zu bezweifeln, dass der afghanische Ackerbauer eine Gefahr für mich darstellt, die am Hindukusch verteidigt werden muss. Könnten wir, das Volk, solche Themen direkt mit ihm und den Seinen ausbaldowern, müssten unsere Politiker nicht gegenüber seinen Politikern mit den Ärmeln rauschen und jede Menge große Gesten und noch größere Missverständnisse und Gesichts-Wahr-Aktionen starten. Das Tolle ist: Wir können. Über das Internet und wenn es sein muss, sogar über das Telefon. Fragt mich nicht, wie, aber es ist doch offensichtlich, dass es wenigstens eine bessere Lösung geben muss als schwarz-gelb. Wir müssen sie nur finden.</p>
<p>Ich hoffe, dass Wikileaks weiter so macht, und in zwanzig Jahren wird auch der Letzte verstanden haben, dass Geheimnisse ganz generell keine gute Grundlage für ein friedvolles Zusammenleben sind.</p>
<p>Nachtrag: Ach ja, und das mit der Vergewaltigung&#8230; Naja&#8230; Da gibt es auch <a href="http://rixstep.com/1/20101202,01.shtml" target="_blank">andere Versionen</a>. Auch sind die gesellschaftlichen Umwälzungen mittlerweile auch an der Oberfläche zu erkennen, wie <a href="http://e13.de/archives/4609" target="_blank">dieses</a> und <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/assange156.html" target="_blank">dieses Beispiel</a> zeigt. <a href="http://www.michaelmoore.com/words/mike-friends-blog/why-im-posting-bail-money" target="_blank">Michael Moore</a> sieht es übrigens ähnlich.</p>
<p>Und so ganz unwichtig waren die Botschaftsdepeschen wohl doch nicht:</p>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="640" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/-7GkIZCepzI" frameborder="0"></iframe></p>
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		<title>Ein Film, eine Meinung</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 11:05:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unsere Schweizer Kollegin Silvia Süess äußert sich i [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere Schweizer Kollegin Silvia Süess äußert sich in der WOZ (&#8220;Die Wochenzeitung&#8221;) zu einem auch hierzulande deutlich erkennbaren Trend: <a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2010/nr03/Kultur/18831.html" target="_blank">Der Rückgang von Filmkritik im Zusammenhang mit dem Vormarsch von PR-Texten</a>. Lesenswert!</p>
<p>Danke an AF für den Hinweis.</p>
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		<title>Capitalism: A Love Story &#8211; Der Trailer</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 20:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich kann mir nicht helfen, mir gefallen die Filme von M [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mir nicht helfen, mir gefallen die Filme von Michael Moore. Man darf zwar nie aus den Augen verlieren, dass vielleicht nicht all seine Standpunkte neutral sind und andere verschwiegen werden, aber ich glaube ihm, dass alle genannten Informationen exakt so stimmen. Aber das kann man ja als sublime Kritik an der Neutralität von Dokumentationen auffassen. Hier jedenfalls der Trailer zu <a href="http://www.imdb.com/title/tt1232207/" target="_blank"><em>Capitalism: A Love Story</em></a>, auf den ich mich schon sehr freue:</p>
<p><a href="http://www.filmjournalisten.de/2009/08/21/capitalism-a-love-story-der-trailer/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>(Um die HD-Qualität besser genießen zu können, den Trailer besser direkt <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IhydyxRjujU" target="_blank">auf YouTube angucken</a>)</p>
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		<title>John Cusack, Twitter und 2012</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/08/01/john-cusack-und-2012/</link>
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		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 15:14:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[John Cusack twittert eifrig unter seinem Nick shockozul [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://valebrity.com/2009/06/26/john-cusack-shockozulu/" target="_blank">John Cusack twittert</a> eifrig unter seinem Nick <a href="http://twitter.com/shockozulu" target="_blank">shockozulu</a>. Der bekannte und beliebte <a href="http://www.imdb.com/name/nm0000131/" target="_blank">Schauspieler</a> spielt außerdem in Roland Emmerichs <a href="http://www.imdb.com/title/tt1190080/" target="_blank"><em>2012</em></a> die (oder zumindest eine) Hauptrolle.</p>
<p>Nun twitterte Cusack, <a href="https://twitter.com/shockozulu/statuses/3070281476" target="_blank">dass Sony ihn bat, den Filmstart via Twitter zu unterstützen</a>. Rein zwischenmenschlich sehe ich keinerlei Problem darin, dass man einen Beteiligten an einem Film bittet, positive oder gar keine Stimmung für den Film zu machen. Das ist nur natürlich. Selbst wenn es beim Dreh Schwierigkeiten gegeben haben sollte, ist es ja nur menschlich, dass man nicht wünscht, dass jemand einem nachträglich in den Pool <span style="text-decoration: line-through;">sch..</span> pinkelt.</p>
<p>Nun ist der Filmverleih kein Kumpel und John Cusack als Hauptdarsteller kein Jedermann. Immerhin über 20.000 Follower verfolgen Cusacks Tweets, und diese dürften, da Internet-affin und sicherlich selber <span style="text-decoration: line-through;">Blogger, Twitterer, Facebooker und Myspacer</span> Social Networker, als begehrenswerte Multiplikatoren gelten. Dann multipliziere ich doch mal:</p>
<p>Ich frage mich: Ist die Bitte von Sony an Cusack, den Film zu unterstützen, moralisch verwerflich oder nicht? Einerseits gibt es keinerlei Verpflichtung für Cusack, positiv über den Film zu twittern, und natürlich ist es nur im Sinne von Sony, dass der Film einen guten Start hat. Andererseits dürfte <em>2012</em> ohnehin keine Probleme bekommen, seine Kosten wieder reinzuspielen und obendrauf noch einen hübschen Gewinn zu erwirtschaften. Wenn Cusack oder andere Beteiligte über den Film twittern wollen, dann tun sie es sicherlich auch ohne Aufforderung, positiv wie negativ.</p>
<p>Doch wenn ein so großes Unternehmen Cusack direkt anspricht und bittet, Werbung für den Film über seinen privaten Twitter-Kanal zu machen, dann ist das für meine Begriffe doch reichlich unverschämt. Klar muss Cusack nicht, aber dass der Verleih überhaupt gefragt hat, ist ja wohl die Höhe.</p>
<p>Warum ist das die Höhe? Wenn man früher in einem Geschäft bedient wurde, hieß es an der Kasse oft &#8220;Empfehlen Sie uns weiter&#8221;. Das ist ganz normal und quasi schon eine Verabschiedungsformel. Doch wenn mich dahingegen der Geschäftsführer abends privat anruft und sagt: &#8220;Ich hab nachgeforscht, Du hast Doch viele Freunde. Empfiehl denen doch bitte aktiv mein Geschäft&#8221;, dann ist das doch reichlich unverschämt, oder nicht? Analog dazu heißt das: Da John Cusack bei <em>2012</em> mitspielt, steht zu hoffen (mehr nicht), dass er vielleicht positiv über seine Erfahrungen und den Film berichtet oder lieber gar nicht, wenn seine Erfahrungen und Eindrücke negativ sind. Bis hierhin reicht der gute Ton. Wenn er aber extra aufgefordert wird (im Urlaub übrigens, momentan berichtet er aus <a href="https://twitter.com/shockozulu/statuses/3070362203" target="_blank">Irland</a>), positiv die Werbetrommel zu rühren, noch dazu in einem eher privaten Umfeld, dann ist das echt frech. Und unpassend.</p>
<p>Und ganz normal für die heutige Zeit, leider. So wie übrigens auch diese Linktausch-Angebote, die ich immer wieder bekomme. Da wollen Kino/Film-Blogs sich mit meinem verlinken (oder auch <a href="http://www.billigfluege-weltweit.net/" target="_blank">Billigflugvermittler</a>, wtf?), und ich soll im Gegenzug den anderen Blog, den ich überhaupt nicht kenne, der womöglich nichtmal gut ist, und den es vielleicht noch gar nicht gibt (oder nicht mehr, wie <a href="http://www.film-deluxe.de/" target="_blank">diesen hier</a>), empfehlen. Dass dieser Blog eine völlig andere Zielgruppe hat als allgemeine Filmblogs, ist offenbar völlig egal. Es geht irgendwelchen Marketingagenturen bei diesen Schnellstartprojekten immer nur um Klicks, Page Impressions, Pageranks und lauter anderen Businesskäse. Mir geht es darum, zu schreiben, wozu ich Bock habe, und lesen können es Menschen (Menschen!), die auch Bock dazu haben. Da brauch ich keine Traffic-Pumpe, denn wer einen Blog wie diesen sucht, wird ihn schon finden. Und diese anonymen Massen, die scheinbar nur zum Klicken da sind, um irgendein Businessmodell am Funktionieren zu halten, interessieren mich überhaupt nicht.</p>
<p>Bin ich schon so vergrämt, dass ich behaupte, früher war alles besser? Sind diese Traffic-Businessideen was fundiertes? Braucht man zum Leben wirklich Google? So, und jetzt runter von meinem Rasen!</p>
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		<title>Von der Leyen-Faux Pas wird totgeschwiegen</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/07/20/von-der-leyen-faux-pas-wird-totgeschwiegen/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 09:29:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Timo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ursula von der Leyen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja, das gibt's noch. Auf dem morgendlichen Rundflug dur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, das gibt&#8217;s noch. Auf dem morgendlichen Rundflug durch meine subversiven Informationsquellen fiel mir vor ein paar Minuten die Kinnlade auf den Schreibtisch. Erster Grund: Familienministerin und enfant terriblé der Internetzensur Ursula von der Leyen soll in einem <a title="&quot;Sputnik&quot;-Interview mit von der Leyen" href="http://www.sputnik.de/download/_audio/090709_dein_morgen_von_der_leyen_rohfassung.mp3" target="_blank">Interview</a> mit dem MDR-Jugendsender Sputnik vom 9. Juli 2009 behauptet haben, Indien ahnde Kinderpornographie nicht. Und das war nicht das <a title="ct - Meldung vom 07.07.2009" href="http://www.heise.de/ct/Familienministerium-haelt-an-Zahlen-zur-Verbreitung-von-Kinderpornographie-fest--/news/meldung/141676" target="_blank">erste Mal</a>. Oha. Doch damit nicht genug.</p>
<p><span id="more-2553"></span>Denn es kommt noch dicker: In einem Wortwechsel auf <a title="abgeordnetenwatch.de - von der Leyen Faux Pas" href="http://www.abgeordnetenwatch.de/joerg_tauss-650-5656--f201285.html#q201285" target="_blank">abgeordnetenwatch.de</a> zwischen dem aktuell  Parteilosen  (und in diesem Zusammenhang nicht unumstrittenen) Abgebordneten Jörg Tauss und seinem Gesprächspartner Matthias Kienle erfuhr ich, dass bis auf ein paar <a title="Stellvertretend: Spiegel Online-Artikel vom 15.07.2009" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,636397,00.html" target="_blank">Internetleitmedien</a> nahezu kein Vertreter der &#8220;alten Medien&#8221;, wie Print, Radio oder Fernsehen dieses Thema in angemessener Form aufgegriffen hat.</p>
<p>Beim Durchblättern meiner Altpapierberge bleibt mir nur ein verzweifeltes Nicken. Und wieder musste erst jemand <a title="Blogartikel auf ichblogdich.de vom 14. Juli 2009" href="http://www.ichblogdich.de/?p=1888" target="_blank">laut werden</a>, in diesem Fall der Erste Sekretät der indischen Botschaft in Berlin, Ashutosh Agrawal. Dieser wendete sich in einem offenen Brief an die Bloggernation und bezeichnete die Äußerungen von der Leyens als &#8220;völlig unbegründet und irreführend&#8221;. Daraufhin ruderte das Familienministerium zurück. Man habe fälschlicherweise eine drei Jahre alte Studie zitiert. Eine persönliche Stellungnahme von der Leyens sucht man auf den <a title="Ich find nix..." href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/root.html" target="_blank">Internetseiten</a> ihres Ministeriums vergeblich.</p>
<p>Ärgerlich bloß, dass sich diese Art des Umgangs mit Informationen durch die gesamte Historie der von Leyenschen Argumentation bezüglich der<a title="Erläuterung des Themas auf wikipedi.org" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sperrung_von_Webseiten_in_Deutschland" target="_blank"> Sperrung von Internetseiten</a> zieht. So war bereits mehrfach auf <a title="Zeit-online-Artikel vom 13.05.2009" href="http://www.zeit.de/online/2009/20/kinderpornografie-fakten" target="_blank">&#8220;unseriöse Argumentation&#8221;</a> sowie  <a title="heise.de Artikel vom 08.06.2009" href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30460/1.html" target="_blank">&#8220;Lügen und Widersprüche&#8221;</a> hingewiesen worden. Umso ärgerlicher, dass diese scharfe Brüskierung eines internationalen Partners den Leitmedien dieses Landes nicht mehr als eine Randnotiz wert ist.</p>
<p>Auch wenn ich nicht mit Herrn Tauss konform gehe, für all das sei &#8220;die zunehmende   Verkommenheit des deutschen Journalismus&#8221; verantwortlich, frage ich mich doch, warum dieses Schmankerl einer Vorlage zur Politikerschmähung der sommerlöchrigen Berichterstattung entgehen konnte? Weltverschwörung? Mangelnde Aktualität? Michael-Jackson-Suffizienz?</p>
<p>Schlussendlich werden wir es nicht klären. Ich fürchte nur, es hat am Rande auch mit der schärfsten Waffe der Frau von der Leyen zu tun, die schon der Bush-Schorsch vortrefflich zu nutzen wusste: &#8220;Wenn ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns!&#8221; Der (nicht ganz so) stille Vorwurf, wer die Sperrung von Internetseiten nicht unterstütze, stehe automatisch auf einer Stufe mit Kinderschändern. Gegen diese unsachliche Führung einer politischen Debatte, die längst nicht mehr das Wohl der Kinder und Opfer im Fokus hat, gilt es sich weiterhin zu wehren.</p>
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		<title>Neda, Twitter und die Zweifel</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 08:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Timo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Für uns sind sie lustige Gimmicks. Im Iran stellen sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für uns sind sie lustige Gimmicks. Im Iran stellen sie momentan die einzig sichere Möglichkeit dar, Informationen auszutauschen: <a title="Twitter" href="http://www.twitter.com" target="_blank">Twitter</a>, <a title="Youtube" href="http://www.youtube.de" target="_blank">Youtube</a> und Konsorten. Angesichts der totalen Aussetzung von Pressefreiheit und des Verbots der freien Berichterstattung in Teheran, ist das zu begrüßen. Täglich werden es mehr, die mit ihren Handys filmen, die Truppenbewegungen auf Twitter dokumentieren oder einfach ihre Trauer über den Tod der Demonstrierenden kund tun.</p>
<p>Allerdings steigt mit der Vielzahl der Nutzer auch die Vielzahl der Manipulationsmöglichkeiten. <span id="more-2362"></span>Auf <a title="tagesschau.de" href="http://www.tagesschau.de" target="_blank">tagesschau.de</a> zum Beispiel ist jeder Artikel, der Bilder von einer Videoplattform nutzt mit einem Hinweis versehen, dass</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">&#8220;die Bilder auf technischem und inhaltlichem Wege nach bestem Wissen und Gewissen&#8221;</span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">geprüft würden. Die Angst davor, einer Manipulation aufzusitzen ist groß. Ich vermute, das ist auch der Grund, weshalb einige Newsportale die Nachricht von der vermeintlich getöteten Demonstrantin <a title="Spiegel-online Artikel über den Tod der Neda Soltani" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631670,00.html" target="_blank">Neda Soltani</a> erst mit erheblicher Verzögerung posteten. Auch das Fernsehen reagierte verhalten und dann auch nur mit deutlichen Hinweisen auf die Manipulierbarkeit solcher Bilder.<br />
</span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">Es gibt momentan keinen Weg diese Nachrichten zu verifizieren. Den ausländischen Korrespondenten im Iran sind die Hände gebunden. Sie begeben sich in höchste Gefahr, wenn sie sich nur in der Nähe einer Demonstrantengruppe aufhalten. Davon berichtete <a title="Navid Kermani, Schriftsteller und Islamwissenschaftler" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Navid_Kermani" target="_blank">Navid Kermani</a> gestern, am 22. Juni 2009, in einem <a title="Tagesthemen vom 22. Juni 2009 - Interview Navid Kermani" href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video518836.html" target="_blank">Tagesthemen-Interview</a> der ARD. </span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">Wir sind den Bildern ausgeliefert, die uns aus dem Iran erreichen. Was echt ist und was nicht, werden wir erst hinterher erfahren. Wenn überhaupt. Doch diese Bilder werden Einfluss auf uns nehmen, auf Journalisten und Blogger, so wie auf Leser und Zuschauer. Dabei gilt es, trotz aller Sympathie für die Protestierenden und Anteilnahme an den Leiden der Opfer, genau hinzuschauen. Hier kann Pressefreiheit auch heißen, frei zu sein, auch mal etwas nicht zu glauben. </span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">Das wird spätestens dann wichtig werden, wenn die ersten Videos auftauchen, die die andere Seite bebildern. Provozierende Demonstranten? Eine verwackelte Hetzrede Moussawis? Werden wir hier bereitwilliger glauben, dass es sich um Fälschungen handelt? Die Antwort ist: vermutlich ja. Vom moralischen Standpunkt ist das in Ordnung, vom journalistischen mindestens problematisch. Augen auf und durch.</span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">Meine Hoffnung ist, dass sich zumindest ein Massaker, wie das vor 20 Jahren in Peking auf dem Platz des himmlischen Friedens nicht wiederholt. Denn was immer auch geschieht, im Iran hat sich etwas bewegt. Es geht nicht mehr in den Status Quo zurück, der vor der Wahl bestanden hat. Entweder es gibt einen Wechsel oder das Regime steuert aktiv auf eine Militärdiktatur zu. De facto ist dieser Zustand schon erreicht. Bleibt abzuwarten, wie die Weltöffentlichkeit reagiert. </span></span></span></p>
<p><span class="zitatBox breit"><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine">Das sind allerdings auch wir.<br />
</span></span></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.filmjournalisten.de/2009/06/23/neda-twitter-und-die-zweifel/feed/</wfw:commentRss>
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		</item>
		<item>
		<title>Sperrfristklauseln auf neuem Niveau</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/04/24/sperrfristklauseln-auf-neuem-niveau/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 20:57:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Coming Attractions]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
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		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich gab es eine Pressevorführung von Wolverine. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich gab es eine Pressevorführung von <em>Wolverine</em>. Es hatte angeblich schon eine deutlich frühere gegeben, doch die war wohl nur für ausgewählte <em>Marketing-Candy-Kollegen</em>. Doch die Existenz dieser mysteriösen früheren PV, einer sogenannten &#8220;Pinkie&#8221;, die üblicherweise nur für Alpha-Kollegen stattfindet, ist mir nicht gesichert bekannt. Daher zurück zum eigentlichen Thema:</p>
<p><span id="more-2250"></span>Zur regulären Vorführung wurde ich, immerhin seit bald 12 Jahren als Filmjournalist tätig, auch eingeladen. In der Einladung stand, dass man den Film nur nach Unterzeichnung einer Sperrfristerklärung sehen darf. Dies ist nicht unüblich, und ich halte Sperrfristen grundsätzlich für eine faire Sache. Die Verleiher gestatten den Journalisten, den Film vorab zu sehen, und die Journalisten versprechen im Gegenzug, erst ab einem gewissen Datum über den Film zu berichten.</p>
<p>Hier gab es schon immer gern kleine Probleme und Reibereien (ganz allgemein, nicht speziell bei diesem Verleih), zum Beispiel müssen Printpublikationen ja auch rechtzeitig in den Druck gehen. Oder werden, insbesondere bei Monatsmagazinen, zu früh für den Geschmack des Verleihs und seiner Marketingstrategie veröffentlicht, insbesondere, wenn ein Film am Monatsende startet. Auch passiert es bisweilen, dass die Sperrfrist nur einen oder zwei Tage vor dem regulären Start endet &#8211; viel zu spät für ernsthaften Journalismus in allen Kanälen. Wie gesagt, hier kommen Presse und Filmwirtschaft bisweilen ins Gehege.</p>
<p>So eine Sperrfrist ist immer eine Gratwanderung zwischen Goodwill der Verleiher, den Film der organisatorischen Einfachkeit halber etwaas früher zu zeigen (so wie noch vor wenigen Jahren übrigens wäre es schön!), und dem Goodwill der Journalisten, sich trotz Kenntnis des Films und der theoretischen Möglichkeit, sofort und damit als Erster zu publizieren, bis zu einem gewissen Datum zurückzuhalten.</p>
<p>Natürlich sollten Sperrfristen stets für alle Publikationsformen gleich gelten (also für Print, Online, Radio und TV gleichermaßen und nicht getrennt), es sollte beiden Seiten stets klar sein, dass z.B. ein Druck alleine noch keiner Veröffentlichung entspricht (sondern erst der Verkauf), und es sollte ebenso nicht zur Schikane kommen, indem so eine Sperrfrist grundsätzlich gesunde zwei Wochen vor Filmstart endet. (Journalisten sind keine Marketinginstrumente.)</p>
<p>In diesem Falle jedoch will ich jedoch gar nicht eingehen auf die sehr knappe Sperrfrist (Frist: 27.4.09, Filmstart: 29.4.09), und auch nicht auf den Sonderfall, dass der Film bekanntermaßen <a href="http://wortvogel.de/?p=5572" target="_blank">schon vorab im Netz zu ziehen war</a>, was den Verleih möglicherweise erst zu dieser drastischen Sperrfristentscheidung getrieben hat, sondern auf <span style="text-decoration: line-through;">die bodenlose Frechheit</span> <span style="text-decoration: line-through;">die versuchte Beschneidung meiner Grundrechte</span> die überaus gewagte Entscheidung, uns Journalisten nicht nur das Kritik-Veröffentlichen zu untersagen, sondern auch noch die <a href="http://www.artikel5.de/gesetze/gg.html#art5" target="_blank">freie Meinungsäußerung</a>, wie sie uns laut §5 <a href="http://www.bundestag.de/parlament/funktion/gesetze/Grundgesetz/gg.html" target="_blank">GG</a> zusteht. In der Sperrfristklausel, die es zu unterschreiben galt, heißt es nämlich:</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2009-04-20-sperrfristklausel-wolverine-fox.png" rel="lightbox[2250]"><img class="aligncenter size-full wp-image-2251" style="vertical-align: baseline;" title="Sperrfristklausel zu Wolverine" src="/wp-content/uploads/2009-04-20-sperrfristklausel-wolverine-fox.png" alt="Sperrfristklausel zu Wolverine" width="467" height="103" /></a>Mal ehrlich: Die <strong>eigene Meinung</strong> nicht <strong>an Dritte</strong> weitergeben? Ich darf also nichtmal der Pressebetreuung nach dem Film ein Statement geben? Nicht meiner Frau/Freundin/Lebensgefährtin am Abend sagen, wie mein Arbeitstag so war? Meinen Freunden nicht sagen, dass ich <em>Wolverine</em> gesehen habe und er &#8230; war? Wäre ich mit Hugh Jackman* befreundet, dürfte ich nichtmal ihm sagen, was ich von seiner Arbeit halte? Das ist ja wohl ein schlechter Witz! Ein noch schlechterer als <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1236" target="_blank">der</a> <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1261" target="_blank">von</a> <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1307" target="_blank">neulich</a>!</p>
<p>Wenn ein Verleih möchte, dass sein Film möglichst jungfräulich auf den Markt kommt, dann ist eine <em>vernünftige</em> Sperrfrist das Mittel der Wahl. Denn <em>keine PV</em> zu machen, führt eher zu negativen Kritiken (und zu massenhaft entsprechenden Meinungen im Vorfeld). Aber selbst die <em>private Meinungsäußerung</em> verbieten zu wollen, das geht eindeutig zu weit, und führt zu noch schlechterer Stimmung, als den Film der Presse vorzuenthalten. Siehe <a href="http://wortvogel.de/?p=6000" target="_blank">Wortvogel</a> und <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/136468" target="_blank">Heise/Telepolis</a>. Und wer selber nach Meinungen zu Sperrfristen zu <em>Wolverine</em> suchen will, hier <a href="http://www.google.de/search?q=sperrfrist+wolverine" target="_blank">die entsprechende Google-Suche</a>.</p>
<p>Ich als Journalist bin ja gern bereit dazu, mich im Zuge des (nun nicht mehr ganz frischen) Aufkommens der neuen Medien, mit der &#8220;anderen Seite&#8221; an einen Tisch zu setzen und die Spielregeln (siehe auch mein <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=2010" target="_blank">Manifest</a>) für Produktjournalismus für das 21. Jahrhundert im Filmbereich auszukappeln: Fairness auf beiden Seiten, Presse- und Meinungsfreiheit, aber dafür keine Meinungsmache, wohl aber fundiert recherchierter, wahrer Journalismus. Keine Marketingslogans in den Publikationen (außer bezahlte Werbung natürlich), kein <em>Herding</em> der Journalisten in <em>Alpha, Prime</em> oder <em>Key</em> und <em>Rest</em> und keinerlei Versuche mehr, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt" target="_blank">Vierte Gewalt</a> zu umgehen. Mit der mag man ja im Kulturjournalismus leichtes Spiel haben, weil unsereins offenbar weitgehend aus Balsaholz geschnitzt ist, aber dennoch sind wir Journalisten. So richtig echte.</p>
<p>Doch die Kollegen haben schon recht: Filmjournalisten sind viel zu lethargisch und individuell, um selbst einen ordentlichen Streik zu organisieren, konkrete Maßnahmen zu bündeln, etwas auf die Beine zu stellen. Schade, dass die Filmverleiher und ihre Marketingstrategen das immer wieder ausnutzen wollen.</p>
<p>*Bin ich jetzt etwa schon dran, weil ich vor Ablauf der Sperrfrist verraten habe, dass Hugh Jackman mitspielt?</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Problem der missbrauchten Journalisten auch auf der anderen Seite bekannt &#8211; und tatsächlich unbeliebt!</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/03/01/problem-der-missbrauchten-journalisten-auch-auf-der-anderen-seite-bekannt-und-tatsachlich-unbeliebt/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Mar 2009 21:28:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Seite der PR- u [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Seite der PR- und Marketingindustrie tatsächlich Leute gibt, denen die Problematik der missbrauchten Journalisten (ausgeschrieben &#8220;die Problematik des ständigen versuchten Missbrauchs der Journalisten als billige Multiplikatoren für die eigene Marketingkampagne&#8221;) nicht nur bekannt ist, sondern auch unangenehm aufstößt. <a href="http://www.marketing-blog.biz/blog/archives/2854-Netzwerk-Recherche-ruft-Journalisten-zu-mehr-Distanz-gegenueber-Pressesprechern-auf.html" target="_blank">Mehr von Frauke Weber</a>, unbedingt lesen und weiterverfolgen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Das Presserecht: Ein Anspruch auf Auskunft. Könnte es das auch für den Filmjournalismus geben?</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/02/08/das-presserecht-ein-anspruch-auf-auskunft-geht-das-auch-fur-den-filmjournalismus/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2009 22:46:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Mitglied des Journalisten(dach)verbandes DJV erhalt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Mitglied des Journalisten(dach)verbandes DJV erhalte ich auch die Fachzeitschrift <a href="http://www.journalist.de/" target="_blank"><em>Journalist</em></a>. In der <a href="http://www.journalist.de/story/story_2009_02.html" target="_blank">Ausgabe 2/2009</a> beschreibt <a href="http://www.timo-rieg.de/" target="_blank"><em>Timo Rieg</em></a> in seinem Artikel <em>Bilder nach Art des Hauses</em> das Dilemma der Journalisten, die nur gegenüber Behörden Auskunftsrechte haben, nicht aber gegenüber Unternehmen.</p>
<p>Als roten Faden für seinen Artikel wählte Rieg die Arbeit der Fotografen: Meist dürfen diese nur nach dem Akzeptieren journalistisch stark einengender Verträge auf Konzerten u.ä. Veranstaltungen fotografieren, müssen sich einzelne Motive vor Veröffentlichung von den Veranstaltern schriftlich absegnen lassen und haben nicht die Möglichkeit, das Material an zusätzliche, vorab nicht genannte Kunden weiterzuverkaufen.</p>
<p>Dies ähnelt meines Erachtens stark der Situation von Filmkritikern: Wir müssen zwar keine Verträge unterschreiben, um Kritiken zu veröffentlichen (zumindest in <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1236" target="_blank">den</a> <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1261" target="_blank">allermeisten</a> <a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=1307" target="_blank">Fällen</a>), auch dürfen wir unsere Texte völlig frei formulieren. Doch welcher Journalist zu welchem Film geladen wird, um überhaupt darüber schreiben zu können, wird allein von Seiten des Veranstalters bestimmt.</p>
<p><span id="more-2010"></span>Nun unterscheidet sich ein Konzert ja deutlich von einem Film: Das Konzert findet einmalig statt, die Presse kann nur im Nachhinein berichten, und ist zum gleichen Zeitpunkt vor Ort wie die Zuschauer, die Kunden. Durch die Kritik können also keine neuen Zuschauer für das Konzert geworben werden, wohl aber die CD- und DVD-Verkäufe angekurbelt werden.</p>
<p>Ein Filmstart dahingegen wird ja vorbereitet, hierzu kann der Film natürlich der Presse vorab gezeigt werden, um punktgenau die Kritiken in den Zeitungen zu haben, also kurz <em>bevor</em> der Film anläuft. Könnte man diese Texte steuern, hätten die Veranstalter eine ideale Werbung im Deckmantel von neutralem Journalismus. Doch die Journalisten werden bisweilen nach Gusto eingeladen, und manche eben auch explizit nicht. Natürlich besteht genau darin der Versuch, die Berichterstattung zu beeinflussen.</p>
<p>Das finde ich noch nichtmal so richtig negativ, denn es ist natürlich das gute Recht eines Unternehmens, potentielle Fettnäpfchen bewusst zu umschiffen. Wer einem Literaten eine Schenkelklopferklamotte vorführt, braucht sich natürlich nicht zu wundern, wenn nacher ein Zornesausbruch würdig eines Marcel Reich-Ranicki in der Zeitung steht, also ist man natürlich versucht, nur die Kollegen einzuladen, mit denen &#8220;man kann&#8221;. Die anderen werden&#8217;s schon nicht erfahren &#8211; wird offenbar gedacht.</p>
<p>Andererseits ist es ebenfalls ein Fettnäpfchen, diese &#8220;kritischen&#8221; (für die gewünschte Berichterstattung unpassenden) Journalisten vorsichtshalber gar nicht erst einzuladen. Richtig Größe zeigen würde es, sämtliche Filmjournalisten kompromisslos zuzulassen und sich aufrichtig deren Kritik zu stellen. So, als würde ein Autohersteller nicht nur Autoblätter zu einer Präsentation einladen, sondern auch Umweltjournalisten, für die das Thema auch relevant ist.</p>
<p>Die Lage ist also komplex, die einzige wirkliche Lösung bestünde darin, einfach nur noch kompromisslos gute Filme zu machen. Da das natürlich illusorisch ist, bedarf es meines Erachtens einer Reihe von Richtlinien, um den Wünschen und Vorstellungen sowohl der Filmjournalisten als auch der Filmverleiher gerecht zu werden.</p>
<p>Ich schlage hiermit das Aufsetzen eines Manifests vor, das ich mir in etwa so vorstelle, eine Diskussion ist natürlich erwünscht:</p>
<p>Filmjournalisten sollten:</p>
<ul>
<li>ihre persönliche Meinung außen vor lassen und nur ihre professionelle Ansicht in die Bewertung eines Filmes einfließen lassen</li>
<li>jeden Film neutral, unter fachlichen Gesichtspunkten und zielgruppenrelevant bewerten</li>
<li>PVs nur dann besuchen, wenn sie auch wirklich über den Film zu berichten gedenken oder zumindest ihre Arbeit in Folge ihren Kunden anbieten</li>
<li>generell nach den Regeln spielen und sich der Grenzen ihrer Freiheiten und Rechte bewußt sein. Filmjournalismus ist nunmal nicht dasselbe wie Enthüllungsjournalismus, Kriegsberichterstattung oder Journalismus zu Politik, Sozialem und Wirtschaftlichem.</li>
<li>Sperrfristwünsche der Veranstalter respektieren, solange diese nicht selektiv sind.</li>
</ul>
<p>Filmverleiher und Filmpresseagenturen sollten:</p>
<ul>
<li>Die absolute Freiheit der Journalisten in der Einschätzung des jeweiligen Filmes akzeptieren</li>
<li>jegliche Konsequenzen negativer Berichterstattung unterlassen</li>
<li>bei Beginn der Zusammenarbeit mit einem Filmjournalisten <em>einmalig</em> etablieren, ob ein Filmjournalist <em>grundsätzlich</em> Zugang zu <em>allen</em> Pressevorführungen (=Produktpräsentationen) dieses Verleihs bekommt oder nicht. (Die Aufgabe dieses &#8220;Screenings&#8221; könnte eigentlich auch ein (der) Filmkritikerverband übernehmen.) Eine Ablehnung muss sachlich begründet werden.</li>
<li>eine feinere Unterteilung der Berichterstatter (nach Film, Vorlauf oder Zielgruppe) dahingegen nicht mehr vornehmen.</li>
<li>in Folge dem Journalisten ebenfalls freistellen, welche der mehreren Pressevorführungen des Filmes er besucht. Der Journalist kann dann frei entscheiden, in welcher Sprachfassung er den Film sieht, in welcher Stadt, und in welchem Abstand zum Start. Bezeichnungen wie &#8220;Langplanervorführung&#8221; und analoge fallen damit flach, es gibt nur noch eine erste, zweite und ggf. dritte Runde von Pressevorführungen. Da freie Filmjournalisten oft mehrere Kunden mit unterschiedlichen Vorläufen haben, ist eine zuverlässige Einteilung nach Vorlauf ohnehin unmöglich, daher sollte sich der Journalist einfach selbst organisieren können. Auch sind freie Journalisten oft terminlich nicht immer in der Lage, die für sie &#8220;gedachte&#8221; PV zu besuchen und haben dann Probleme, in eine frühere zu kommen, von der sie außerdem oft gar nichts erfahren haben. (Persönliche Anmerkung: Besonders toll ist es, wenn man zu einem Film kurz vor Start endlich eine PV-Einladung erhält, in der dann steht &#8220;&#8230;haben Sie letztmalig Gelegenheit, &#8230; vor dem Start zu sehen.&#8221;)</li>
<li>den Ablauf der PV-Termine für Journalisten in Kooperation mit den anderen Filmverleihern besser koordinieren oder durch einen Dienstleister koordinieren lassen. Das Blocken, aber Nicht-Wahrnehmen von Terminen führt zwangsläufig zu stundenlangem Leerlauf (und somit zur quasi-Obdachlosigkeit) büroloser Freelancer und außerdem zu unnötigen Früh- und Spätvorstellungen. (Natürlich könnte (Firmenname in Umfirmierung) so ein Dienstleister sein, das will ich gar nicht verschweigen. Es wäre mir eine Ehre, diese Aufgabe offiziell für die deutschen Städte zugeteilt zu bekommen.)</li>
<li>anerkennen, dass der Besuch von Kinofilmen für Filmjornalisten nicht reines Vergnügen, sondern Arbeit ist. Auch wenn Filmjournalisten oft das Glück haben, ihren Beruf wirklich zu mögen (das darf ja wohl kein Problem sein), ist es oft nicht leicht, Filme anzuschauen, auf die man eigentlich keine Lust hat, und für diese dann auch noch eine zielgruppenrelevante  Berichterstattung vorzunehmen. Die Filme sollten einem nicht auch noch abends (und das ohne die Möglichkeit einer Begleitung, oder gar am Wochenende) als besonderes illustres Event präsentiert werden, der für die meist extra langwierig anreisende Presse einfach nur ein Arbeitstermin ist. Auch wenn der Film Spaß machen sollte, ist es immer noch Arbeit.</li>
<li>über eine Trennung von Boulevardjournalismus und Filmjournalismus bei Interviews, PKs usw. nachdenken. Während Filmjournalisten oft Fragen über Machart, Aussage und Details eines Filmes stellen wollen, interessieren sich Boulevardjournalisten ja eher für Kleidung, menschliche Beziehungen und ähnliche Themen. Gesprächsrunden mit gemischtem journalistischen Teilnehmern sind entsprechend zerrissen und kommen nicht leicht auf einen &#8220;runden&#8221; Fluss des Interviews.</li>
<li>Sperrfristen nur noch pauschal ausgeben, keinesfalls mehr getrennt nach Online, Print, Radio und TV.</li>
</ul>
<p>Ich weiß, dass diese wenigen Punkte auf den ersten Blick vielleicht ein wenig schräg aussehen. Aber zum einen sollen sie ja nur eine Ausgangsbasis für Diskussion sein, zum anderen bin ich nicht der einzige, der das Thema diskutiert. So wird der <a href="http://vdfk.de/" target="_blank">Filmkritikerverband VdFk</a> dies zum Beispiel auf seiner morgigen Mitgliederversammlung (wegen der nach Berlin zu reisen ich leider finanziell nicht in der Lage bin) auch zur Sprache bringen. Ich möchte mit diesem Post ein Forum bieten, unter dem obige Liste erweitert oder gekürzt werden kann, in dem diskutiert werden kann, und in dem eventuell tatsächlich ein gemeinsamer Tenor gefunden werden kann. Denn das Thema Arbeitsbedinungen ist auch anderswo aktuell, von der Post bis zu den Beamten.</p>
<p>Zum Presserecht möchte ich noch nachreichen, dass ich der Meinung bin, dass es <em>kein</em> juristisch fundiertes Recht auf Produktauskunft <em>vor</em> dessen Veröffentlichung gegenüber der Privatwirtschaft geben sollte. Dennoch ist es sicher unter dem Strich eher im Sinne der guten Zusammenarbeit, wenn Mitglieder der Presse <em>nicht</em> projektbezogen selektiert werden wie Vieh, um die Gewinnmaximierung durch den Versuch der Unterbindung nicht-positiver Berichterstattung noch ein paar Prozentpunkte weiter in die Höhe zu treiben.</p>
<p>Ich persönlich kann mich nicht besonders laut beschweren, denn ich werde nach dem (Firmenname in Umfirmierung)-Imageschaden (<a href="http://www.filmjournalisten.de/?p=872" target="_blank">hier</a>) wieder generell recht gut behandelt (es gibt natürlich trotzdem die eine oder andere Spätfolge). Aber ein durch gemeinsamen Beschluss geschaffenes Regelwerk zwischen Veranstaltern und Journalisten, das für alle Beteiligten gilt, ist garantiert die bessere Arbeitsbasis als eine Unzahl von individuellen Abmachungen und Arrangements.</p>
<p>Möge sich nun eine <em>sachliche</em>, fruchtbare Diskussion entspannen!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie Pech und Schwefel &#8230;</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2009/01/12/wie-pech-und-schwefel/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Jan 2009 22:37:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">https://filmjournalisten.de:9017/?p=1904</guid>
		<description><![CDATA[In Büchern, Filmen und anderen Medien werden Journalis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Büchern, Filmen und anderen Medien werden Journalisten gern als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt" target="_blank"><em>Vierte Gewalt</em></a> gesehen, unwirsche Einzelkämpfer, als Menschen, die sich in Stories verbeißen und nicht mehr loslassen, die ihre Quellen nicht preisgeben, Geheimnisse mit <a href="http://www.boingboing.net/2009/01/12/last-words-from-jour.html" target="_blank">ins Grab</a> nehmen, sich nicht in die Karten schauen lassen und über spitze Ellenbogen zum Kampf gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen verfügen. Zwischen den Zeilen kommen Journalisten in der Fiktion meist als verschlagen, zielstrebig, gnadenlos und meist nur der guten Sache dienend rüber.</p>
<p><span id="more-1904"></span>Auch wenn dieses Image vielleicht für Entüllungsjournalisten vom Schlage eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Woodward" target="_blank">Bob Woodward</a> und eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Bernstein" target="_blank">Carl Bernstein</a> gelten mag, so kann doch bei der großen Mehrzahl der Kollegen nicht davon ausgegangen werden, dass sie nicht unbedingt jedes Fitzelchen Information, das ihnen zugespielt wird, bedingungslos für sich behalten. Um es mal sanft auszudrücken. Denn Journalisten haben sich meist deshalb überhaupt erst für ihr Berufsfeld entschieden, weil sie über ein gewisses Sendungsbewusstsein verfügen.</p>
<p>Jüngst erreichte mich diese Mail eines Pressebüros:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Sehr geehrte Damen und Herren,<br />
liebe Kolleginnen und Kollegen,</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>aufgrund einer Anfragen von Kollegen, dass am kommenden &lt;Datum&gt; eine Pressevorführung zu &lt;Film&gt; sattfinden soll, möchte ich Sie darüber informieren, dass dieser Termin, der auch eigentlich noch nicht kommuniziert wurde, wegen der Startverschiebung des Films auf den &lt;Datum&gt; ebenfalls verschoben wurde.</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Da es schon eine erste PV im &lt;Monat&gt; gab, wird die &lt;&gt; Pressevorführung wohl frühestens &lt;Monat&gt; stattfinden. Der genaue Termin wird Ihnen baldmöglichst mitgeteilt.</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Wir bitten um Ihr Verständnis,</em></p>
<p>Ein Termin, der also <em>noch nicht kommuniziert</em> wurde, hatte also die Runde gemacht. Dies ist überhaupt nicht verwunderlich, weil Journalisten (zumindest Filmjournalisten) sich <em>seit jeher</em> über Termine austauschen, was nichtmal ein großes Geheimnis ist. Doch scheinbar scheinen manche Filmverleiher und Marketingbüros dies stets aufs neue für ausgeschlossen zu halten und anzunehmen, dass man die Kollegen bequem in untereinander dichthaltende Gruppen aufteilen kann. Sie reagieren pikiert und bisweilen empört, wenn Leute Termine wissen, die das eigentlich nicht sollten.</p>
<p>Jedenfalls hat in diesem Fall die Anfrage eines Kollegen (wahrscheinlich, ob das Termin-Gerücht denn stimme), offenbar zu einigem Erstaunen und schließlich sogar zu einer Stellungnahme gegenüber den Journalisten geführt.</p>
<p>Ich frage mich oft, was für Welten da bei so einer Pressevorführung aufeinandertreffen. Rein menschlich verträgt man sich ja meist sehr gut untereinander. Doch sind die Typen, die gemeinsam so eine Pressevorführung bestreiten, grundverschieden:</p>
<ul>
<li>Der <em>Filmjournalist</em>, für den diese Veranstaltung überhaupt anberaumt wurde, wird über den Film schreiben.</li>
<li>Der <em>Boulevardjournalist</em>, für den ebenfalls die Veranstaltung angesetzt wurde, schreibt auch über den Film, doch eher über die Leute, die darin mitspielen, oder guckt ihn nur zur Vorbereitung für ein Star-Interview. (Viel deutlicher trennen sich diese Journalistentypen übrigens bei Interviews und Filmpremieren. Boulevardkollegen stellen im Interview definitiv nicht dieselben Fragen wie Filmjournalisten. Auch gehören manche Kollegen mal zu diesem, mal zu jenem Lager, je nach Auftrag und Kunde).</li>
<li>Das Pressebüro führt die Veranstaltung durch und fängt nach dem Film erste Meinungen ein, um zu &#8220;reporten&#8221;.</li>
<li>Die Sicherheitsleute und Garderobenkräfte leisten guten Service und &#8220;gehören&#8221; nach einigen Terminen natürlich ebenfalls &#8220;dazu&#8221;. Man lernt sich ein wenig kennen und schäkert halt ein wenig. Da läuft das Gefummle in der Arschfurche beim Abtasten auch gleich viel lockerer.</li>
<li>Und natürlich gibt&#8217;s da noch die Leute vom Kino, ohne die schonmal gleich gar nichts gehen würde. Die kennen alles und jeden und sind sowieso stets hilfsbereit und zuvorkommend. Ihre Motivation besteht darin, einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung im zeitlichen Rahmen hinzubekommen. Mit ihnen leiden alle, wenn die Kopie sich um einige Stunden verspätet.</li>
<li>Manchmal kommt auch jemand vom Verleih, doch meistens halten sich diese Besucher eher im Hintergrund.</li>
<li>Ganz selten taucht auch mal ein Crewmitglied auf, um zu sehen, wie der Film ankommt, aber das bemerkt man vielleicht viermal im Jahr.</li>
</ul>
<p>Die Motivationen der Gruppen ist grundverschieden: Feuilletonisten wollen über den Film schreiben und dem Leser (hauptsächlich den Cineasten unter ihnen) eine kompetente Einschätzung vermitteln, Boulevardkollegen wollen (oder müssen) über Klatsch, Tratsch und Stars schreiben (was ich persönlich übrigens für uninteressant halte), und ein Pressebüro will seinen Auftrag möglichst exakt nach den (natürlich supergeheimen) Vorgaben durchführen.</p>
<p>Kein Wunder, dass es da immer wieder zu Aha-Erlebnissen wie diesem kommt. Während der Journalist sich oftmals dem skurrilen Aha-Erlebnis gegenübersieht, zu einer eigentlich für seinesgleichen angesetzten Veranstaltung ohne wirkliche Begründung nicht eingelassen zu werden, gab es hier eben offenbar ein solches Erlebnis für die &#8220;andere Seite&#8221;, dass nämlich Termine gegenüber der Presse nicht geheimgehalten werden können.</p>
<p>Journalisten halten untereinander immer stärker zusammen als die Bindung zwischen diesen Welten sein kann. Auch wenn zu einem supergeheimen Termin tatsächlich nur die geladenen Gäste auftauchen, kann man davon ausgehen, dass wenigstens die dreifache Anzahl von Kollegen im Vorfeld davon erfahren hat (und etwas angefressen sind, dass sie nicht dabei sein durften). Das ist Networking vom Feinsten.</p>
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