Archiv für die Kategorie: “PR”
Zuallererst eine persönliche Anmerkung: Ich bin ja so froh, dass nicht John McCain gewonnen hat, sondern Barack Obama. Nochmal vier oder gar acht Jahre unter einer vernagelten Republikaner-Regierung hätte die Welt nicht ausgehalten, und die USA schon gar nicht.
Im Marketing-Blog gibt es den leider nicht besonders fiktiven Archetyp des Presseverhinderers. Ein Presseverhinderer ist jemand, der Pressearbeit machen soll, sich aber so ungeschickt anstellt, dass seine Message gnadenlos (aber verdientermaßen) untergeht.
Nun hat Dr. Frauke Weber all ihre Erfahrungen mit Presseverhinderern, von denen es übrigens eine ganze Menge gibt, in einem e-book zusammengefasst. Dieses steht bis 30. November 2008 kostenlos zum Download zur Verfügung. Nicht nur PR-Leute sollten sich die 30 PDF-Seiten durchlesen, sondern auch wir Journalisten: Zum einen liefert die Autorin wertvolle Argumente für eigene Anmerkungen, auch hilft die Lektüre, PR-Veranstaltungen besser zu verstehen.
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Cineasten diskutieren mitunter ja auch ganz gerne über deutsche Filmtitel, die sich im großen und ganzen in drei grobe Kategorien fassen lassen:
- korrekt übersetzt bzw. gekonnt eingedeutscht
- nicht exakt getroffen bzw. annehmbarer alternativer Titel
- völlig in den Wald gedichtet bzw. total übers Knie gebrochen (unter Filmkennern auch die weitläufige “Wie zum Geier konnte das passieren?”-Kategorie genannt)
Diese Kategorien sind natürlich nicht endgültig, man kann sie sicher noch verfeinern.
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Heute war sie endlich im Briefkasten, die Einladung zum neuen Indy-Abenteuer. Das letzte Mal, als Dr. Jones auf der Leinwand zu sehen war, stand die Mauer noch, ich hatte noch 5 Jahre Schule vor mir und war kinomäßig ohnehin wesentlich leichter zu beeindrucken als heute.Wir Teenager geiferten damals wochenlang auf den Tag unseres Kinobesuches hin, lachten uns scheckig ob der noch so prallen Gags (ein Autogramm von Hitler, also echt!), trauten uns natürlich nicht, Stunts nachzumachen und wollten allesamt Archäologie studieren.
Ich bin gespannt, ob der neue, wohl letzte Indiana Jones unseren über Jahrzehnte gewachsenen Anforderungen auch nur halbwegs genügen kann. Nichts ist so verzerrt wie Kindheits- und Jugenderinnerungen, ein Film wird nie in der Lage sein, diesen gerecht zu werden. Aber wenigstens will ich mich amüsieren, wenn ich dann im Kino sitze.Was mit dieser Einladung ebenfalls sachte ausklingt, ist die lange Ära der analogen Pressearbeit: Früher wurde ausschließlich per Post eingeladen.
Heute geht fast alles digital, und bei manchem Verleiher muss man einen Ausdruck der Einladung zur Vorführung mitbringen. Als ob man ein PDF nicht beliebig oft ausdrucken könnte, duh! Die letzte papierne Einladung, die ich vor dieser hier bekommen habe, ist Monate her.
Früher hab es ja auch noch Fotoabzüge oder fortschrittliche Dias zum Film, hier scannte jede Redaktion noch selbst. Daher sahen dieselben Bilder in verschiedenen Zeitungen auch anders aus, denn ohne vorgegebene Farbprofile kommt natürlich bei jedem Scanner was anderes heraus. Auch wurden den Radiokollegen noch Kassetten (!) und später CDs mit Tonausschnitten zur Verfügung gestellt. Heute gibt es nur noch Materialien für das TV-Geschäft auf physischem Medien, in Bälde dürfte auch dieses in HD vom Presseserver herunterzuladen sein.
Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, und ich finde das super. Wo heute noch kleine Schlupflöcher und Logikhürden sind (z.B. besagte Ausdrucke), wird es morgen sicherlich ein kompetentes Akkreditierungssystem für Journalisten geben, das das ganze, teilweise hochnotpeinliche “Du kommst hier nicht rein”-Kompetenzgerangel verschiedenster Parteien ad acta legen wird.
Aber auch ich habe mich digitalisiert: Wenn ich mich unten im Wohnzimmer vor die Glotze hocke, ärgert es mich mittlerweile, dass ich nicht wählen kann, was ich anschauen will, sondern gezwungen bin, aus dem laufenden Programm einen Sender auszuwählen. Ich kann keine Pausen überspringen, ich muss den Anfang einer Sendung erwischen und es muss was laufen, das mich interessiert. Es ist der Horror schlechthin, wenn man sich mittags vor die Glotze hängt und eine Kleinigkeit isst: Es kommt im Grunde nur Scheiße, unterbrochen durch grauenhafte Werbung. Kein Wunder, dass Leute im ganzen Land am Rad drehen, bei dem Dreck im tagsüber-Fernsehen. Man kann förmlich fühlen, wie einem die wertvollen IQ-Punkte zum Ohr raustropfen.
Durch die Digitalisierung der Welt sind die Informationen (also auch Filme) natürlich leichter zu erreichen, doch besser werden sie davon eben noch lange nicht. Da lob ich mir ab und an eben das Old-School-Filmvergnügen eines guten Regisseurs mit fähigen Schauspielern, perfekter Musik und eben passend dazu mit analoger Einladung. Dazu werde ich ein analoges Popcorn genießen, denke ich.
PS: Ausdrucken des obigen Bildes und Auftauchen bei den natürlich nicht veröffentlichten Terminen hilft nichts: Die Einladung ist eine Faltkarte.
PPS: Angeblich ist Indy 5 kein Ding der Unmöglichkeit.
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Beim Marketing-Blog gibt es den genialen Archetyp des Presseverhinderers. Der Presseverhinderer ist jemand, der Marketing und PR machen soll, aber unfähig ist, aus der Sicht der Presse zu beurteilen, ob das, was der Presseverhinderer an die Presse rausschicken will / der Presse zur Verfügung stellen will, auch attraktiv oder informativ für die Presse ist.
Heute habe mal ich Post vom Presseverhinderer bekommen.
Es handelt sich um eine Info-e-Mail für das Black International Cinema Filmfest in Berlin, das sich offenbar auf Black Cinema konzentriert, doch dabei sind noch Infos eines gewissen Fountainhead, wer auch immer das sein mag, und von The Collegium T.V., von dem man nur erahnen kann, dass es irgendwas mit Fernsehen zu tun hat.
Völlig ohne Anrede oder Anschreiben wird mir hier eine Liste von Veranstaltungen hingeklatscht (die noch dazu erst auf Seite zwei einer ansonsten leeren Mail anfängt), dazu zwei PDFs, viele Links und keinerlei Info, worum es überhaupt geht, warum ich diese Mail bekomme und so weiter. Ein Wunder, dass mein Spamfilter die nicht von alleine aufgehalten hat. Hier die Mail als PDF.
Eine kurze mittellange Recherche ergab, dass es sich bei dem Filmfest um ein Filmfest, bei Fountainhead um eine multikulturelle Tanzgruppe und beim Collegium um ein interkulturelles Fernsehprogramm des Fountainhead Tanztheaters handelt (Infovideo bei, wie könnte es auch anders sein, YouTube).
Also ein durchaus berichtenswertes Ereignis. Doch leider kommt die Mail einen Tag vor Festivalbeginn etwas zu spät für meinen Geschmack, auf der Webseite des Black International Cinema gibt es zuviel Informationen auf einmal, und zudem überhaupt keine Menuführung, und erst nach einigem Suchen habe ich ein PDF mit einer Art Übersicht und ein paar Erklärungen gefunden.
Ich fürchte, dass die meisten Kollegen mit weniger Geduld die Mail schon nach dem Überfliegen der ersten zwei Seiten gelöscht haben. Schade, denn ein interkulturelles Filmfest kann schon eine wunderschöne Erfahrung sein.
Ach ja: Das Festival findet statt vom Do., 8. bis Mo., 12. Mai 2008, und zwar im Moviemento-Kino Berlin-Kreuzberg, Kottbusser Damm 22.
Nachtrag: Das Thema wurde prompt aufgegriffen. Vielen Dank!
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Als <ironie> linientreuer Bürger dieses Landes </ironie> bin ich natürlich gerne bereit, folgende e-Mail des MFFE ohne jegliche Hinterfragung öffentlich zu machen:
Sehr geehrter Bürger, sehr geehrte Bürgerin,
wir möchten Sie hiermit darüber informieren, daß das im Rahmen der jüngsten Sicherheitsgesetzgebung neu gegründete Ministerium für Friedenserziehung (www.mffe.de) ab sofort seine Arbeit aufnimmt. Bitte lesen Sie die folgenden Informationen aufmerksam, da sie zum Verständnis künftiger politischer Prozesse und Entscheidungen in diesem Land von großer Wichtigkeit sind.
Die Hauptaufgaben des Ministeriums für Friedenserziehung liegen in der politischen Aufklärung der Bevölkerung, in der Herausbildung einer engagierten Bürgerschaft, die aktiven Anteil an der Gestaltung und Verteidigung unserer Demokratie nimmt. Zu diesem Zweck veröffentlicht das Ministerium diverse Informationsmaterialien und Aufklärungsfilme und unterhält ein weites Netzwerk geschulter politischer Berater. Im Rahmen seiner Arbeit für den Friedensschutz wertet es die Beobachtungen von Bürgern und Polizeikräften aus, kämpft gegen Spionage und Terrorismus und koordiniert die Arbeit von Schutztruppen und Geheimpolizei. Unsere Abteilung 7b beschäftigt sich letztendlich mit der Einschätzung verdächtiger Individuen und entscheidet gegebenenfalls über ihre Behandlung im Rahmen des institutionalisierten Strafvollzugs.
Viele weitere Details zur Arbeit unseres Ministeriums finden Sie auf unserer neugestalteten Website unter www.mffe.de. Neben ausführlichen Informationen über die zahlreichen Aspekte unserer Arbeite finden Sie Formulare, mit denen Sie verdächtige Beobachtungen in Ihrer Umgebung melden können, einen Test zur Feststellung Ihres persönlichen ideologischen Profils sowie eine Liste ab sofort indizierter literarischer und filmischer Werke.
Da unserem Ministerium daran liegt, das ihm zur Verfügung stehende Budget für Ihre Sicherheit und nicht für Werbemaßnahmen zu verwenden, bitten wir Sie um Ihre persönliche Unterstützung bei der Bekanntmachung unserer Arbeit. Es ist ganz einfach:
Senden Sie einfach diese Mail (den Link zu diesem Post, Anm. d. Red) an alle Ihre Bekannten, Verwandten und Arbeitskollegen,
und in kürzester Zeit wird unser Ministerium im ganzen Land bekannt sein, ohne auch nur einen Cent Ihrer Steuergelder dafür verschwendet zu haben. Sie werden merken, daß sich die Sicherheit Ihrer Umgebung innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches verbessern wird!
Also zögern Sie nicht – tun Sie Ihr Bestes zum Wohl Ihrer Mitbürger, zum Wohl der Menschen, die Sie lieben. Tun Sie Ihren Teil für eine sichere Zukunft!
Hochachtungsvoll dankt,
Ihr Ministerium für Friedenserziehung
Abteilung 1
Abteilung für öffentliche Aufklärung
(mehr Infos? Hier.)
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Es passiert ja immer mal wieder, dass Presseagenturen oder Filmverleiher umfirmieren, also den Namen ändern und sonst nichts. Da wurde aus Buena Vista wieder Disney, aus Anime Virtual die AV Visionen, und so weiter. Alltagsgeschäft eben, meist aus Gründen des Marketings.
Seltener scheint mir jedoch eine Umfirmierung wie die der Blockbusters PR aus Hamburg: In einem Schreiben vom 11. April erfuhr ich, dass die Agentur “aufgrund einer juristischen Verfügung” zum heutigen 15. April, also nur 4 Tage nach dem Datum des Schreibens (das ich klitschnass und halb aus dem Briefkasten hängend gefunden habe, als ich nach drei Tagen Abwesenheit wieder zuhause ankam, zum Glück haben die einen Laserdrucker) unter neuem Namen firmieren wird, nämlich Black Rabbit Maylin Zukunft public relations. Schon zum 18. April wird die alte Webseite abgeschaltet und die Mailadressen aufgelöst, also nur eine Woche nach dem Datum des Schreibens.
Ich habe natürlich keine Ahnung, welche Hintergründe hinter der Umfirmierung liegen, doch lässt die Erwähnung der juristischen Verfügung sowie die Geschwindigkeit der Änderungen darauf schließen, dass dies nicht ganz freiwillig von Seiten der Kollegen geschehen ist. Auch will ich hier nicht öffentlich spekulieren, was vorgefallen sein könnte, ich finde diese Entwicklung jedoch symptomatisch für den Verfall von Anstand und Moral in unserer Gesellschaft. Scheinbar wird heutzutage geklagt, was das Zeug hält, dies sofort, und wohl auch bereits, wenn man nur kann. Pah.
Den Kolleginnen bei Blockb Black Rabbit weiterhin viel Erfolg unter neuer Flagge!
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Das Schöne am Internet ist: Man kann mit etwas Geschmack, Geduld und Kunstfertigkeit eine schöne Webseite auf die Beine stellen, der man die tatsächlichen wirtschaftliche Situation des Betreibers nicht ansieht. Das hat nicht nur auf der oberflächlichen Glitter-Ebene des schönen Scheins den Vorteil eines verbesserten Images, nein, auch bei eingehender Betrachtung der Implikationen so einer schönen Fassade kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß das Budget des Betreibers tatsächlich auch egal ist: Solange jemand tatsächlich etwas zu sagen hat, bietet das Internet ihm die Möglichkeit, dies auch zu tun. Die virtuelle Repräsentation ist das alleinige Merkmal, an dem man fürderhin gemessen wird.
Was früher von vielen als Marktplatz der Großmäuler prophezeiht wurde, hat sich nicht bewahrheitet: Substanz ist Trumpf. Nachdem Trolle sich in den allermeisten Fällen praktisch sofort selbst disqualifizieren und somit automatisch wegfallen, zeichnet sich der Rest durch mehr oder weniger Substanz aus. Der Betrag an Substanz in einem Auftritt / Kommentar / Post (…) muß jedoch nicht einmal ein Kriterium für eine Wertung sein. Es handelt sich lediglich um eine Geschmacksfrage: Wem gefällt, was er sieht, der bleibt, wem’s nicht gefällt, zieht halt weiter. No harm done, no harm taken. Nur die Trolle, die erstmal eine Ladung Kot absetzen müssen, um ihr “Ich war hier” zu markieren, hinterlassen bisweilen einen üblen Nachgeschmack im Netz.
Nun wurde ich von einem alten Bekannten auf die Existenz des Ministeriums für Friedenserziehung hingewiesen. Es handelt sich hierbei um eine Kampagne für den Film Das Verhör, aber um eine gewaltige. Der Film selbst, mit Manfred Möck in der Hauptrolle, ist eine sehr kleine, ambitionierte Produktion, ein Erstlingswerk, zumindest in diesen Dimensionen. So klein, daß der Regisseur noch seine private Mailadresse auf der Filmwebseite hinterlegt, so klein, daß besagte Webseite auf irgendeinem Unterbereich eines kleinen Providers liegt und die Webadresse entsprechend viele Punkte, Slashes und Subdomains enthält. Aber egal, denn die Filmseite ist ansehlich und informativ, und das gefakte Ministerium für Friedenserziehung jagt mir einen kalten Schauer den Rücken hinunter. Warum? Nun, da gibt es mehrere Gründe.
Wer sich nur ein paar Minuten mit dem Ministerium für Friedenserziehung auseinandersetzt, stellt bald fest, daß hinter der Kampagne ein ziemlich gutes Konzept steht. So läßt sich zum Beispiel der Flash-Film der Startseite nicht ohne weiteres in Blogs wie diesen einbinden, was natürlich von der Werbe-Intention der Seite ablenkt. Die Seite selbst besteht nicht nur aus einigen oberflächlichen Einträgen, sondern ist ganz schön tief und vielschichtig, triefend vor bissiger Ironie. Formulare zur Meldung von Straftaten, Stellenangebote (Motivationsprüfer, Erfassungskoordinator und Facharbeiter für Raketentriebwerksmontage werden derzeit gesucht) und Wahl”empfehlungen” gibt es auch ein Gästebuch mit wundervollen Einträgen, eine Liste indizierter Werke von Mein Kampf bis Kafkas Prozeß, und vieles mehr, eingerahmt von einem fantastisch archaischem Emblem eines sein Volk beschützenden Adlers. Im “Ideologischen Gutachten” (30 Fragen mit tollen Antworten, was ein Spaß) habe ich einen negativen Wert erreicht und werde wohl morgen um diese Zeit ausgebürgert und spurlos verschwunden sein. Hätte die DDR das Internet noch erlebt, so hätte es sicherlich ausgesehen.
Das Verhör läuft in ausgewählten Kinos.
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Geschrieben von: Julian in Allgemein, PR, Web
Soeben habe ich die Meldung bekommen, daß Sony Pictures ab sofort sämtliche Unterlagen für Premieren, Pressekonferenzen und so weiter nur noch per e-Mail verschicken wird. Briefe und Faxe gehören damit zum alten Eisen und werden nicht mehr verwendet.
Sicherlich wird es Stimmen geben, die diese Entscheidung negativ bewerten werden, doch wenn man die Sony-Entscheidung aus einem beruflichen Umfeld betrachtet, ist sie ja durchaus nachvollziehbar: Der gesamte Produktionsweg einer Publikation ist mittlerweile volldigital, sowohl im Print-, als auch im Radio- und TV-Bereich, von der naturgemäß von Haus aus digitalen Onlinepublikation mal ganz zu schweigen. Selbst unser kleines, jüngst eingestelltes Audiomagazin Preview wurde die letzte Zeit seiner Existenz volldigital produziert. Wer tippt bitte schön noch auf einer echten Schreibmaschine? Die Zukunft ist nicht aufzuhalten.
Da kann man natürlich von den publizierenden Journalisten auch erwarten, daß sie sich entsprechend weiterbilden und die neuen Medien annehmen. Der einzige Journalist, den ich mir noch ohne Mailadresse und Internetzugang vorstellen kann, ist Horst Schlämmer. Daher finde ich den Schritt von Sony, ab sofort Akkreditierungsunterlagen nur noch online zu verschicken, absolut richtig.
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Bei rund 99% aller Pressevorführungen werden immer noch Pressehefte ausgelegt, oftmals Ausdrucke der einfacheren Versionen, die man so auf den Presseservern findet. Eine irre Papierverschwendung, wenn man bedenkt, wieviele von uns “schon” auf dem Computer schreiben. Anders verhält es sich mit dem Pressematerial, also mit Bildern, Tönen für Radio und Video fürs Fernsehen. Die Bilder bekommen wir schon lange nicht mehr als Dia zum Selberscannen (das sah übrigens ganz lustig aus, weil dieselben Bilder in den unterschiedlichen Publikationen immer ganz verschieden aussahen), die Töne nicht mehr auf Kassette und nur noch selten auf CD, nur die Videos werden zum großen Teil noch auf Profi-Medien verschickt, und dann auch nicht an jedermann, weil diese Datenträger teuer sind. Ich kenne noch Digibeta, aber heute ist das irgendein anderes Digitalformat, ich meine mal kleinere Kassetten gesehen zu haben. Pressematerialien werden heute, sofern der Journalist sie auch findet, übers Internet geladen.
Egal. Ich finde gedruckte Pressehefte eigentlich unnötig, auch wenn manch einer “lieber auf Papier liest als auf dem Monitor”. Zumindest gilt das für die ausgedruckten PDFs, die schönen, aufwendigen Pressematerialien und Hochglanzsammlerstücke lassen (trotz manch eigenwilliger Übersetzung) die Sammlerherzen unter uns höher schlagen. eBay ist in keinem Fall, weil die Dinger Eigentum des Verleihs bleiben, daher endet das meiste dann doch im Altpapier.
Nun, ich hatte neulich mal halb im Scherz vorgeschlagen, daß die Kollegen doch einfach jeder einen USB-Stick mitbringen sollen (kann auch zum Akkreditieren dienen, wenn man’s konsequent durchziehen würde), auf den dann die Pressematerialien gespielt werden können. Das wurde ein wenig belächelt, und nun gibt es – ta-daa:
Dieses Teil. Eine 20-fach-USB-Kopierstation für Sticks. Coole Wurst.
Gesehen bei und hier zitiert von BoingBoing.
Nun, mittlerweile ist das Internet ja weit genug verbreitet und schnell genug, daß man sich fast überall online mit Material versorgen kann. Außerdem kann man das Material ja auch schon deutlich vor der Pressevorführung brauchen (zumal diese tendenziell ja immer knapper vor Start stattfinden und die Journalisten offenbar nicht selber entscheiden können, wann sie einen Film zu sehen haben), was eine USB-Kopierstation ja eigentlich überflüssig macht. Daher ist diese Station wohl eher nicht für Pressevorführungen geeignet. Aber cool ist das Ding trotzdem, finde ich.
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In meinen jüngeren Dienstjahren als noch unerfahrener Filmjournalist (man hat sich übrigens immer unerfahren zu fühlen, das gebietet die Moral) gab es eine “graue Eminenz” im Norden, eine Anlaufstelle für die Presse, die wirklich jeder kannte: Klaas Akkermann.
Auf beinahe sämtlichen Einladungen, Presseheften, Presseinformationen prangte stets Klaas Akkermann als zuständig für “Hamburg”, “Nord” oder gleich “bundesweit”. Wer noch nicht von Klaas Akkermann gehört hatte, war im falschen Job.
Einmal habe ich ihn getroffen, den Klaas Akkermann, ich glaube, bei der fetten Premiere zu Mulan in der Kölnarena, wo Disney die Presse aus München, Hamburg und Berlin im eigens gecharterten Jet einfliegen ließ. Die Frankfurter waren ein wenig sauer, denn die bekamen nur einen eigenen Eisenbahnwaggon. Ich war damals noch ziemlich grün hinter den Ohren und versuchte, meine Sache dort so gut wie möglich zu machen, Interviews und Eindrücke aufzuzeichnen. Und dann stand plötzlich Klaas Akkermann vor mir, mitten im Getümmel des Pressebereichs irgendwo unter den Tribünen der Kölnarena. Ich kratzte meinen Mut zusammen, streckte ihm die Hand entgegen und stellte mich vor. Daß seine Pressearbeit bis an den Alpenrand bekannt sei, ließ ich ihn wissen und daß ich mich freue, ihn kennenzulernen. Ich Greenhorn. Herr Akkermann schien sich auch zu freuen, doch hatten wir eigentlich gar nichts zu bereden und so verloren wir uns wieder im Getümmel. Das war’s.
Jahre später habe ich dann erfahren, daß Klaas Akkermann einen schweren Schlaganfall erlitten habe. Die eigene Vorsorge hat wohl nicht gereicht und nun sind Spenden nötig, habe ich gehört, und mir gedacht, daß das wieder mal typisch ist für unsere Branche: Die mit Herzblut machen die beste Arbeit und schauen nicht aufs Geld, alle anderen nutzen es aus.
In welcher finanziellen Verfassung sich Klaas Akkermann genau befindet, weiß ich natürlich nicht, es ist nur offensichtlich, daß er nicht im Geld schwimmt. Ein Spendenaufruf wäre sonst sicher nicht nötig geworden. Wenn das schon einem so bekannten und gut gebuchten Manne passiert, dann frage ich mich, wo wir kleinen Journalisten alle in dreißig Jahren sind. Nicht auszumalen… Nun, zurück zum Thema:
Gestern bin ich dann bei einer Recherche zufällig auf die Webseite von Klaas Akkermann gestoßen, und deswegen schreibe ich diesen Post: Was dieser Mensch erlebt hat, wen er alles getroffen hat in seinem langen Pressebüro-Dasein, ist einfach schier unglaublich. Ganz begeistert rief ich seine Stieftochter Eike Hahn an, und eine ganze Weile schwelgten wir in Erinnerungen (wobei es natürlich recht wenig Gemeinsamkeiten gab).
Eike Hahn hat mich über ein interessantes Projekt informiert: Ein Buch über das Leben von Klaas Akkermann. Ich halte so ein Buch für einen ganz fantastischen Ansatz, Geschichten zum Schmunzeln und für Filmfans aller Art in einem speziellen Fokus (Filmmarketing in Deutschland von den 60ern bis heute, aus der Sicht von “hinter den Kulissen”) zu versammeln. Die Idee zum Buch stammt von Klaas Akkermann selbst, der laut seiner Tochter einst zu diesem Thema sagte: “Wenn ich das geschrieben habe, kann ich nach Sibirien auswandern!” – Man darf also gespannt sein, welche Geschichten da so zu Tage treten werden. Ich würde es verschlingen.
Doch da Klaas Akkermann jedoch selbst aufgrund der Folgen seines Schlaganfalles nicht mehr alle Details seines Lebens wiedergeben kann, wird um Hilfe ersucht. Ich bin sicher, daß gerade die älteren Hasen unter uns einige Anekdoten zum Besten geben können (und auch dazu bereit sind), die sie mit Klaas Akkermann verbinden. Es muß in ihnen auch nicht immer eitel Sonnenschein herrschen: Erwachsene Menschen sind ja in der Lage, das allzu menschliche vom geschäftlichen zu trennen. Bitte mit Eike Hahn Kontakt aufnehmen, Adresse hier.
Ich finde die Buchidee großartig und hoffe sehr, daß das Projekt zustande kommt. Zu seinem 75. Geburtstag am 17. März 2009 soll es rauskommen – hoffentlich klappt’s, hoffentlich beteiligen sich genug Freunde und Kollegen mit ihren Erinnerungen. Kein Geschichtchen ist zu klein, gekürzt werden kann immer!
Ein paar biographische Eckdaten zu Klaas Akkermanns Leben habe ich auch:
- Geburt am 17.3.1934 auf Borkum
- Dort ab 1954 Arbeit im lokalen Kino (das hier vielleicht? Sieht nicht aus wie ein Kino… Aber wahrscheinlich ist das alte nicht mehr da, ich stell mir das in der Stadtmitte vor)
- 1956 ab nach Hamburg, dort bei der Columbia mit 22 Jahren jüngster Pressestellenleiter Deutschlands
- in den 60ernPressestellenarbeit auch für United Artists und andere Verleiher, baut ein kleines “Imperium” auf
- betreut 270 bekannte Stars (siehe Liste)
- erleidet am 20. Mai 2003 einen Schlaganfall, der jedoch recht gut therapiert werden kann
Auf dem Foto ist Klaas Akkermann im grauen Jackett zu sehen, rechts Help!-Regisseur Richard Lester, und im Vordergrund sitzend John Lennon. Das Foto entstand auf der Pressekonferenz zum Film Wie ich den Krieg gewann.
Ich wünsche Klaas Akkermann die bestmögliche Genesung und viel Erfolg mit dem Buchprojekt!
Nachtrag: Eintrag wurde am 24.2. leicht korrigiert, ich hatte zwei Details bei meinem Telefonat mißverstanden.
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