Archiv für die Kategorie: “Kino”

Die Produzentenallianz (Allianz Deutscher Produzenten – Film & Vernsehen e.V.) veröffentlichte am 30. Mai ein Positionspapier mit 12 Forderungen an die Politik.

In Punkt 1 geht es um die Sicherung der Rundfunkzwangsgebühr. Die Produzentenallianz schreibt:
„So ist eine der grundlegenden Forderungen des mit über 240 Mitgliedsfirmen maßgeblichen filmpolitischen Produzentenverbandes in Deutschland, das für die Vermittlung demokratischer Werte zentrale öffentlich-rechtliche Qualitätsangebot von ARD und ZDF durch eine ausreichende Finanzierung zu sichern.“

Die Produzentenallianz spricht sich also aus für eine absehbar massive Zwangsgbührenerhöung zur Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkes (die Gerüchte gehen von über 10 Prozent aus). Sie begründet die Forderung mit der Vermittlung demokratischer Werte. (Hier ein Beispiel für die Vermittlung demokratischer Werte durch den BR).

Mein Einwand: Eine massive und offenbar längst geplante Erhöhung der Haushaltszwangsgebühr bedeutet: noch mehr Ungerechtigkeit in der Lastenverteilung zur Finanzierung dieses demokratischen Gemeinschaftswerkes, eine undemokratische Finanzierung, die zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht.

Durch die massive Zwangsgebührenerhöhung wird sich die Zahl der Haushalte, die Mühe haben, das Geld für die Zwangsgebühr aufzubringen, erhöhen, denn es handelt sich um einen absoluten Betrag, egal, ob ein Haushalt 300 Euro im Monat zu Verfügung hat oder 100′ 000 Euro.

Es soll jetzt schon über vier Millionen Haushalte geben, die nicht bezahlen oder nicht bezahlen können. Einkommensschwache Haushalte, und just deren Einkommen können mit der Erhöhung der Lebenshaltungskosten am wenigsten Schritt halten, das ist immer wieder zu lesen, werden also die Erhöhung deutlich stärker spüren als besser gestellte Haushalte.

Meiner Ansicht nach ist das Gesetz zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes ein Unrechtsgesetz, da es die einkommensschwachen Haushalte zur Finanzierung diese demokratischen Gemeinschaftswerkes weit überporportional belastet und die einkommensstarken Haushalte überproportional entlastet, was nicht im Sinne der Demokratie ist, zu der doch jeder Haushalt nach seinem Vermögen beitragen soll.

Oder soll das Gerechtigkeit sein, dass Rentner, die einkommensmäßig gerade so über der Grundsicherung liegen, Konsum- und Kultur-, wenn nicht gar Gesundheitsverzicht üben müssen, um die Zwangsgebühr aufzubringen, nur damit alte Säcke von Rundunkpensionären noch mehr Kohle kriegen, mit der sie nicht wissen wohin? Was hat das noch mit Demokratie zu tun?

Sind denn bei der Produzentenallianz lauter Dumpfbacken, dass keiner bemerkt, dass sie mit ihrer Forderung nach massiver Erhöhung der Rundfunkzwangsgebühr noch mehr Ungerechtigkeit in unser Land bringen, dass ihre Forderung mithin undemokratisch ist? Ist da nicht einer drunter, dem die soziale Unausgewogenheit des Rundfunk-Zwangsfinanzierungsmodells nach Prof. Paul Kirchhof auffällt?

Wenn der Produzentenallianz ernst ist mit ihrem demokratischen Auftrag und wenn sie ihre ja gut gedachte Mitwirkung dabei ernsthaft aufrecht erhalten will, so sollte sie sich zuallererst und dringendst für eine demokratisch akzeptable, gerechte Finanzierung dieses großen und wichtigen Gemeinschaftswerkes, einem über 8-Milliarden-Topf, einsetzen.

So aber ist zu befürchten, dass mit der absehbar massiven Erhöhung der Zwangsgebühr und der damit einhergehenden Vergrößerung der sozialen Ungleichheit im Lande die grundsätzliche Diskussion über die Existenz just dieses Rundfunkes – besonders angesichts der breiten Verfügbarkeit von Information auch ohne diesen – deutlich an Fahrt gewinnen dürfte mit unabsehbaren Folgen auch für die Produzenten, die sich in der Allianz zusammengeschlossen haben.

Die Produzentenallianz beruft sich für ihre Geldforderung auf ihre demokratische Funktion. Aber just mit dieser Forderung treibt sie einen weiteren Riss in unsere Demokratie, der im Finanzierungsgesetz für den Rundfunk angelegt ist und der mit jeder Zwangsbeitragserhöhung größer wird, der die Last für die einkommensschwachen Haushalte immer unerträglicher macht.

Ist das nicht einem der Mitglieder der Produzentenallianz aufgefallen?

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Morsches Hollywood.

Dieses Buch ist nicht der Bericht einer Betriebsprüfungskommission so wenig wie einer Unternehmensberatung. Es ist ein skeptischer Befund aus vielfältigsten Quellen und Gesprächen, Begegnungen und Einsichten über die jüngeren Jahrzehnte der großen Hollywoodstudios Walt Disney Pictures, Lionsgate, Paramount Pictures, Sony, 20th Century Fox, Universal Pictures und Warner Bros.

Die Haupteinsicht von Philipp Koenig, dem Autor dieser Recherche und Betrachtung, ist die, dass es den Studios einzig und allein darum geht, Geld zu verdienen, dass es jedoch eine hochspekulative Industrie sei, die zwar immer wieder mit spektakulären Hits aufwartet, die in kurzer Zeit ein Mehrfaches des Investments in die Kassen spülen, die aber die regelmäßigen Flops lieber zu verschweigen versucht, produktionsmethodisch erstarrt ist und auf Nummer sicher geht. Eine Industrie, in der das Künstlerische zum Handlanger der Manager verkommen ist, die die Filme mutlos nach ihrem Gusto formen.

Es ist eine Industrie, die sich bequem in den Franchises einrichtet und durch die Unzahl von Sequels und Prequels und Spin-Offs längst sich selbst zu kannibalisieren droht (Kampf um die Starttermine). Gleichzeitig ist sie aber bei jedem neuen Projekt überzeugt, den ultimativen Hit zu landen. Eine Industrie, die auf billige Jahrmarktunterhaltung setzt, auf universell vermarktbares Vergnügen mit Superhelden ohne Tiefe, eine Industrie, die inzwischen kaum mehr Oscars, dafür umso mehr Goldene Himbeeren einsackt.

Hollywood ist eine Industrie, die gut in der Nähe des Glücksspieles angesiedelt werden kann, denn keiner kennt sich aus und schon gar nicht die Executives und CEOs, keiner kann den Publikumsgeschmack und die Publikumsneigung Jahre im Voraus erraten, keiner weiß, wie das Erfolgsrezept geht.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Verwertungskette (nach dem Kinostart die DVD- und anschließend die Fernsehauswertung) wegen dem Internet bröckelt. Hollywood will die Herausforderung nicht wahrhaben und haut stattdessen wie besinnungslos mit immer gigantischeren Budgets immer ähnlichere, mit Computeranimation überladene Produkte raus. Dazu setzt es immense Werbebudgets ein, denn das erste Wochenende sollte die Produktionskosten annähernd einspielen, weil die Mund-zu-Mund-Propaganda an Tempo gewinnt und wenn ein Film den Publikumsgeschmack nicht trifft, so kursieren die ersten Negativmeldung stante pede im Internet.

In Amerika gibt es für diese Industrie praktisch kein Wachstum mehr. Die einzige Chance für Wachstum liegt im Export, im Weltmarkt; aber der größte Zukunftsmarkt, China, zeigt sich zickig, will die Studios nicht die Werbung machen lassen und ist restriktiv, indem nur eine bestimmte Anzahl ausländischer Filme dort überhaupt einen Start bekommen.

Philipp König schreibt das hochspannend und hat weitläufig und mit vielen Quellennachweisen recherchiert. Hollywood ist viel morscher als der Hochglanz, mit dem es sich umgibt, ahnen lässt, mithin auf dem absteigenden Ast – dies ist meine Interpretation.

Eine Frage allerdings, die mich schon lange wundert, die wird hier nicht behandelt, das war wohl thematisch auch nicht beabsichtigt: wieso die Tentpoles (die Zeltstangen, an denen sich die Studios festhalten), also die Blockbuster der Hollywoodstudios, sich auf dem Deutschen Markt doch generell so gut halten und warum sie in der Presse in Relation zur dünnen Substanz der Filme so überproportional viel Platz bekommen. Das wäre eine eigene Untersuchung wert, die vielleicht einiges über lange gewachsene Vertriebsstrukturen und Beziehungen zu den Medien erzählen würde. Mich wundert es immer wieder, wie bei Pressevorführungen eines neuen Tentpoles ein massiv stärkerer Andrang herrscht als bei vielen anderen, deutlich interessanteren Filmen.

Das Buch ist selbstverständlich auch, wie Philipp Koenig es beabsichtigt, eine Einführung in die amerikanische Hollywoodindustrie und ein aufregender Praxisbericht über ungeahnt abenteuerliche Planungs- und Herstellungsmethoden.

Inhalt kompakt.

Über die Autorenschwemme und die Chancenlosigkeit, ein Buch loszuwerden, wie Lottogewinn. Schlecht bezahlte Reader- und Assistentenjobs; diese aber als Karriereeinsteig. Die problematische Stellung des Autors ganz unten in der Hierarchie, mit dem nach Belieben umgesprungen wird. Die Executives von den Business-Schools, die Bürokratien (inklusive Antwälte) und die (haarsträubenden) Folgen. Verheerende stoffunabhängige Eigendynamiken, die sich in die Stoffentwicklung einschleichen. Das x-fache Umschreiben von Drehbüchern als Absicherung gegen den Vorwurf bei einem allfälligen Flop, nicht alles versucht zu haben. Oder von der Degradierung der Autoren zu überbezahlten Ghostwritern (Zettel von den Executives). Vom verderblichen Einfluss der Drehbuchratgeberliteratur.

Warum Marktforschung, computerisierte Drehbuchanalyse und Testscreenings nicht wissenschaftlich sein können und keine besseren Vorhersagen erlauben als beim Würfeln (die Suche nach der Erfolgsformel). Daten sammeln ist eines, sie zu interpretieren ein anderes – oder von der Kontrollillusion resp. von Ritualen, die glauben machen, in die Zukunft sehen zu können und die Panik vor Innovation.
Finanzierung „eine Verbindung von degeneriertem Glücksspiel, Wunscherfüllung und magischem Denken.

Über Einnahmequellen vorher und nachher und ab wann ein Film ein Geschäft ist für das Studio. Generell die Probleme der Kalkulation, da keiner weiß, wie das Produkt ankommen wird, da jeder Film ein Prototyp ist und lange vor der Premiere geplant werden muss. Eine Gewinn- und Verlustrechnung vor dem Verkauf sei in Hollywood reines Wunschdenken, was zu exorbitanter Kreativität in den Geschäftsbroschüren führt.

Über die chaotische Dynamik der Filmeinnahmen, dass er keine Leitwerte gibt, weil keiner was weiß und dass die Endabrechnung eines Filmes ein Geheimnis ist, was auch ein Problem ist für Mitarbeiter, die auf Profitbeteiligung arbeiten.

Problem der Nicht-Planbarkeit eines Hits; die historisch größten Hits seien der Fahrlässigkeit der Studiobosse zu verdanken. Marketing und Fernsehen (der 30-Sekunden-Trailer) als neu hinzukommende Einflussfaktoren. Der Zwang zum Erfolg am ersten Wochenende, die Werbemillionen und das Schreckgespenst Internet, das die Studios nicht mehr in der Hand haben.

High-Concept-Filme, Stars, Agenten und deren Killer-Instinkt. Blüte des Starsystems in den 90er Jahren, Package-System, Pac-Scripts und Drebhuchauktionen. Die Spezialeffekte als neue Stars, Franchises und Austauschbarkeit der Hauptdarsteller und dass Stars keine Garantie für Erfolg sind.

Probleme der Verfilmung von Videospielen (resp. der Entwicklung von Videospielen nach Filmen). Alternativlosigkeit der Franchises für die großen Studios, Tentpoles und die Monotonie der Effektenrekordjagd. Abnutzung von Wiederholungen und Remakes, von Sequels und Prequels, die aber gemacht werden, um möglichst kein Geld zu verlieren: „Die Eigentümer der Hollywoodstudios mögen keine Filme und träumen vom sicheren Wachstum“ (diese Eigentümer sind Investmentfonds oder eigenwillige Medienmogule).

Kino der Attraktionen, Spektakel, Bayhem und das unausgereifte 3D. Risiko der Tentpoles, zu einer Ökonomie zu führen, die nur Verlierer kennt. Das miese Geschäft VFX (Situation der VFX-Künstler oft prekär; von den Studios ausgenutzte Idealisten, ohne Gewerkschaften, ohne Verband, ohne Respekt von den Studios). Zunehmender Einfluss der Postproduktion und damit der Studios bei gleichzeitigem Schwinden des Einflusses des Regisseurs, der Arbeit am Set.

Über die Bedrohung der Hollywoodstudios durch das Internet. Erst bricht die DVD-Verwertung ein; die jungen Zuschauer sind kaum mehr Fernsehkonsumenten; man spricht von Cord-Cutting; somit auch die Fernsehwerbung. Ferner zeigt das Internet illegal die größte Auswahl von Filmen. Die Studios, die reagieren nicht. Thema Streaming-Dienste und Serienmarathone; Netflix und Amazon als Herausforderung für die Mediengiganten, die ignorieren diese; sie schauen tatenlos dem Ende der Verwertungskette zu.

Der Hochmut der Studios mit ihren Tentpoles und das neue Gewicht von Serien im Internet, die wieder Charaktere zulassen, über die die Leute sich unterhalten und die nicht nur blasse Superhelden haben.

Da in Amerika kein Wachstum zu erwarten ist und die Verwertungskette ausdünnt, heißt die Politik: Internationalisierung und Steuerschlupflöcher weltweit nutzen (siehe Stupid German Money bis 2007***). China als Wachstumsgebiet. Der ständige Niedergang der Filmindustrie.

Hollywoods Traumfabriken wollen keine neuen Ideen entwickeln, sondern nur noch ihr existierendes Repertoire recyceln“.

***Anmerkung von stefe: German Money ist auch heute noch stupid durch das Fördermodell, was jedem, der in Deutschland produziert, Carte-Blanche-Subvention in den Rachen wirft.

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Kino, das in die Geschichte eingreift. Dieser Film von Daniel Harrich und Ulrich Chaussy ist Teil und Bericht, Nachstellung der Recherchen des investigativen Journalisten Ulrich Chaussy, die mit dazu geführt haben dürften, dass das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980 nicht in den Schubladen als begangen von einem Einzeltäter vor sich hinverrotten konnte, so wie die Politik es damals schnell und leichtfertig behauptete, um die Hintergründe zu verschleiern, dass das Verfahren nämlich inzwischen neu aufgenommen worden ist.

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Ich liebe es, wenn sich Amateure zusammentun und einen Film drehen. Das, was dabei rauskommt, kann garantiert nicht mit Hollywood konkurrieren, aber den Spaß, den sämtliche Teammitglieder hatten, der quillt aus jedem Frame.

Wer etwas ganz besonderes dieser Art erleben möchte, dem sei Zombies from Outer Space empfohlen. Diese schon vom Trailer her offensichtlich äußerst skurrile Mischung aus 50er-Jahre-Scifi, Horror und Heimatfilm verspricht mächtig Kurzweil im Kinosaal.

Rund um München gibt es nun drei exklusive Kino-Previews des Films, und zwar:

Wer seiner Partnerin oder seinem Partner eine schöne vorweihnachtliche Film-Überraschung bieten will, der dürfte hier richtig sein. Die offizielle Filmseite samt Trailer findet Ihr hier.

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Inklusion statt Integration Behinderter, das ist das erklärte Ziel des wandernden Filmfests „überall dabei“, aber auch das Ziel der es ausrichtenden Aktion Mensch selbst. Inklusion ist völlig gleichberechtigte Integration, also Teilhabe statt „nur“ Aufnahme von Behinderten in die Gesellschaft.

Um dem Thema Gehör zu verschaffen, hat die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit einigen Kooperationspartnern sorgsam ein Bündel von Filmen zusammengestellt, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit nahebringen soll. Leider werden Behinderte auch heute noch beiseite geschoben, übergangen, ja geradezu versteckt. Ein paar Lifte in U-Bahnhöfen oder Rampen in Bussen reichen noch nicht, um Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Zumal Behinderungen in mannigfaltiger Breite auftreten, geistig und körperlich sind da nur ganz oberflächliche Unterscheidungskriterien.

Für ein reines Gewissen reicht es ebensowenig, Behinderten eine Behindertenwerkstatt an den Stadtrand zu bauen, ein paar Bufdis anzuwerben und das Thema als erledigt zu betrachten. In den Köpfen der Menschen muss sich der Bezug zu Behinderten ändern.

So auch die Kernaussage der heutigen Auftaktveranstaltung von „überall dabei“ (Schirmherr: Guildo Horn). Ich bin extra nach Berlin gefahren (geladen worden), um über den Startschuss zum Festival berichten zu können. Und ich bin ziemlich beeindruckt, was da auf die Beine gestellt wurde.

Theater RambaZamba, hier "La Paloma"Zum Auftakt gab das Theater RambaZamba, ein inklusives Theaterprojekt, das schon seit 1990 existiert, ein paar Klassiker der Unterhaltungsmusik zum Besten, eingeleitet von einem furiosen Schlagzeugduell zweier Könner. (Es folgten die Songs: Die Wilde Mathilde, Über sieben Brücken musst Du geh’n, Micha mein Micha (Du hast den Farbfilm vergessen), Die fesche Lola, Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, La Paloma, Keine Sorge, mir geht’s gut (aus der Nase rinnt das Blut).) Das Ensemble legte sich mächtig ins Zeug, um das in bequemen Kinosesseln flezende Publikum ordentlich in Fahrt zu bringen. Eine ziemliche Aufgabe, da die Bühne in einem Kino ja weit weniger prominent vor dem Publikum steht als in einem richtigen Theater. Entsprechend groß war die Freude, als der Auftritt voller Inbrunst und Kreativiät mit großem Applaus quittiert wurde. Man hörte die vor Freude kreischende und vergnügt quiekende Truppe selbst nach dem Abgang noch eine ganze Weile durch die Feuerschutztüren.

Im Anschluss kündigte Sascha Decker, der Pressesprecher der Aktion Mensch, noch einige Grußworte an. Neben Schirmherr Guildo Horn traten einige ausgewählte Gäste ans Mikrofon. So wies beispielsweise Hubert Hüppe, den Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, explizit darauf hin, dass es nur rund € 5.000 kostet, die Audiodeskriptionsfassung eines Spielfilms (eine beschreibende Hörfilmfassung) herzustellen. Das sei, so sagte er ganz zu Recht, „eine Summe, die sich jeder Filmverleih leisten kann“.  Schirmherr Guildo Horn und Aktion Mensch-Pressesprecher Sascha DeckerEs folgte ein Zeichentrickfilm über den noch eher wenig bekannten Begriff der Inklusion, dann sprach Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch, über den weiten Weg, den die Inklusion Behinderter schon zurückgelegt, aber zugleich noch vor sich hat. Weitere am Festival und vor allem am Thema Beteiligte treten auf, darunter auch Sebastian Urbanski und Zora Schell. Sie sind zwei der Synchronsprecher für den nun folgenden schwedischen Spielfilm. Beide sind selbst behindert, die anstrengende Aufgabe der Synchronarbeit hat beiden großen Spaß gemacht, berichten sie vergnügt, aber auch ein wenig lampenfiebrig.

Es folgt der Spielfilm Die Kunst, sich die Schuhe zu binden (Kritik folgt) von Lena Koppel. Die Geschichte einer Gruppe Behinderter, die durch einen unerfahrenen und unausgebildeten Betreuer aus der strengen Routine des gesellschaftlich akzeptierten Organisiert-Werdens ausbricht, bewegt das Publikum. Zumal es sich um die wahre Geschichte des Glada Hudik Theaters handelt, das jahrelang schlimmen Vorurteilen begegnete – gespielt übrigens von Mitgliedern des echten Glada Hudik Theaters.

Nach dem Film entspannte sich eine angeregte Publikumsdiskussion, die sich um Themen wie Inklusion behinderter Kinder in reguläre Schulklassen und deren Folgen für alle Beteiligten oder die Forderung nach mehr WGs für behinderte Erwachsene in der Mitte der Gesellschaft (statt am Rand) drehte. Ein engagierter Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom wies sogar darauf hin, dass die landläufige Bezeichnung „unter dem Down-Syndrom leiden“ irreführend sei, da die Betroffenen (das ist auch so ein Wort) im Grunde eine Menge Spaß hätten und ihr Leben in vollen Zügen genießen würden. Eine Mutter erzählte die bewegende Geschichte der neuen Freundin ihres älteren Sohnes, die ihren behinderten jüngeren Sohn aus dem Stand akzeptieren konnte und keinerlei Berührungängste zeigte, da sie zur Grundschulzeit in einer Inklusiponsklasse schon sämtliche Erfahrungen gemacht hatte, die man in diesem Bereich nur machen kann.

Die sehr bewegende Veranstaltung euphorisierte die Teilnehmer, da sie ihr Ziel, die Akzeptanz von Behinderten und den Aufruf zu anständiger Inklusion, voll ins Schwarze traf. Bei leckeren Häppchen, Prosecco und Orangensaft kam man sich im Foyer näher, diskutierte oder sinnierte, Behinderte und Nichtbehinderte, völlig ohne Grenzen. Ideal also.

Das Filmfestival „überall dabei“ läuft vom 20. September bis zum 26. September in Berlin, und zieht dann bis 8. Mai 2013 durch 40 Städte Deutschlands (Spielplan). Die Kritiken zu den sechs Festivalfilmen findet Ihr unter der Kategorie Filmfest oder dem Suchbegriff „überall dabei„, sie werden im Laufe des Freitags veröffentlicht.

Ein ausführlicher Bericht des RBB über das Festival auch hier oder hier.

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Das Hotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz ist seit jeher ein bevorzugter Ort für die Veranstaltung von Pressejunkets aller Art, so eben auch für alles rund ums Kino. Beruflich treibe ich mich also auch seit Jahren immer wieder in dieser noblen Herberge herum, hier habe ich Buzz Aldrin interviewt und viele Schauspieler, Regisseure und Produzenten getroffen.

Nun eröffnet morgen (15.9.) mit der astor@Cinema Lounge im Bayerischen Hof ein „Premiumkino“. Das Gemeinschaftsprojekt von Innegrit Volkhardt vom Bayerischen Hof und Kino-Mogul Hans-Joachim Flebbe verspricht „ein Kinovergnügen in neuer Qualität“. Die 38 Zuschauer nehmen auf „bequemen Loungesofas“ Platz, Beistelltische „aus edlen Hölzern“ bieten Platz für Getränke, Snacks. Zusätzlich punkten Tiefgarage, Garderobe und Service am Platz. An Kinotagen sind vier Vorstellungen geplant, „Daytime“ am frühen Nachmittag, „Evening“ am frühen Abend, „Prime Time“ und „Late Night“, außerdem soll es an Sonntagen Matinées geben. Der Eintritt für das Kino allein wird zwischen 15 und 18 Euro betragen, auf der Webseite des Kinos kann man Karte und Sitzplatz reservieren.

Ich hege ja schon lang den Traum eines bequemen Kinos mit Verzehr und Kellner, sozusagen „Dinner and a Movie“ in einem. Allerdings dachte ich dabei nicht an edle Hölzer, die man im Dunkeln ohnehin nicht bewundern kann, und auch nicht an derart saftige Preise. Sofas sind immer eine gute Idee, und die Coffeeshops machen vor, dass man sehr wohl Sofas in der Gastronomie benutzen kann, ohne ständig Polster reinigen zu müssen.

Generell finde ich die Idee so eines Bequem-Kinos sehr gelungen, was mir ein wenig missfällt, ist das offensichtliche Abzielen allein auf Premium-Kunden, sprich, Geldige, die sich so ihr quasi-privates Kino leisten und sich nicht mehr mit uns in die Reihen quetschen müssen. Denn Tiefgarage im Bayerischen Hof (es ist sowieso nackter Wahnsinn, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren), Garderobe, Snacks, Wein, Champagner oder Cocktails und „hausgemachtes Popcorn“ kommen zum Eintrittspreis noch dazu. Ich schätze, unter € 30 pro Person kommt man hier jedenfalls nicht zu einem zünftigen Kinobesuch.

Auch der sperrige Name ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, zumal das @, welches engl. „at“ gesprochen wird tatsächlich „zu“, „bei“ bedeutet, hierzulande schon lange unachtsam in irgendwelche Neologismen eingebaut wird, von „Intern@t“ für „Internet“ (statt „Internat“) bis „Freie Wähler Neubiberg@Unterbiberg – FW.N@U“ (was immer das auch bedeuten mag). Es ist eigentlich ein Kürzel aus dem Kaufmännischen und bedeutet „zu“, also z.B. 30 Stück zu je 10 Euro: 30@€10. In der Email verbindet es den Anschluss mit der Domain, also z.B. Mitarbeiter „bei“ Firma. Im Sprachgebrauch kann es meines Erachtens nur in dieser Form verwendet werden, und als Gag nur Laute ersetzen, die wie „at“ oder ganz ähnlich klingen. @omstrom wäre zum Beispiel möglich, oder f@creme, Heim@ ebenso. Heim@t dahingegen wäre wiederum falsch (Heim-at-t), obwohl es sich besser liest. Österreich hat Glück, die können ihr Landeskürzel einfach als @ angeben. Doch zurück zum Kino: „Geh‘ ma ins Mathäser oder ins astor@Cinema Lounge?“ zeigt doch schon eindeutig, dass der Name zu lang ist.

Bis ich meinen persönlichen Traum einer „Schwemme mit Kino“ umsetzen kann (inklusive verschiedener rückwandiger Glaskabinen mit Whirlpool, für Schwätzer und vielleicht noch für notorische Raucher), oder mir den Besuch im a@CL leisten kann, gehe ich gern weiterhin ins Ottobrunner Kino. Denn dort gibt es ein Bord für Getränke und Snacks in jeder Reihe (mit Licht!), eine Bar im Saal (!) mit Service und bequemen Barstühlen, und sogar einen trapezförmigen Stammtisch mit Leinwandblick für alle Plätze. Und der Eintritt kostet € 7, am Dienstag sogar nur € 4,50. Gerne bin ich aber bereit, das a@CL im Rahmen einer Pressevorführung einmal persönlich probezufahren.

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Der Film will  eine  Hommage an Manuel de Oliveira sein. Oliveira hatte immer ein Thema, die Hommage hat leider keines, das ist der schmerzlichste Unterschied. Bei Oliveira kommt die Reduktion als Stilisierung rüber. Green interpretiert diese Stilisierung als steife, vornehmlich alltagsbelanghafte, gelegentlich liebesthematische Dialoge, mit ausdrucksloser Mimik und aufgerissenen Augen bedeutungsheischend vorgetragen. Am erbaulichsten sind die Fadoeinlagen. Der Rest ist Füllmaterial aus unendlichen live-webcam-ähnlichen Schleifen über Lissabon.

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Diese spaßige Sammlung von typischen Kinosituationen habe ich hier gefunden. Weitere dieser Vereinfachungen bitte gern per Kommentar anfügen! Viel Spaß:

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Ab heute finden sich in den Werbeblöcken vor Kinofilmen eigenwillige Kurzfilme, eingebettet zwischen die Werbespots. Es handelt sich hierbei um das Kunstprojekt Choreographic Captures, bei dem Filmemacher 60-Sekunden-Clips zum Thema Choreographie im Film einreichen konnten. Die fünf Gewinnerfilme haben es in die Kinos geschafft, die restlichen der rund hundert eingereichten Werke sind zusammen mit Kinos und Terminen auf der o.a. Webseite zu sehen. Hier erfährt man auch mehr über den Wettbewerb, der dem Projekt zugrundelag.

Als besonders erfrischend habe ich übrigens die Pressearbeit zu diesem Projekt empfunden: Dragova Publicity aus München schien (völlig zu Recht) zu ahnen, dass kein Journalist extra zu einem Screening von fünf Minuten Gesamtlänge anreisen würde, also wurde die Pressevorführung genauso spontan angesetzt, wie das Projekt auch die normalen Kinozuschauer im Saal anspringen soll. Nach dem Ende einer anderen Vorführung wurden wir nichtsahnende Filmkritiker von einem sehr sympathischen Team abgefangen und in einen anderen Saal entführt, wo man uns die Captures vorspielte und uns mit dem Projekt vertraut machte. Ein Journalisten-Kidnapping also, aber sehr gesittet und zu jeder Sekunde freiwillig. Mutig, spontan, erfrischend und dadurch besonders einprägsam und gelungen, mal was ganz anderes in Sachen Pressearbeit.

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Hier in München fanden die Pressevorführungen schon immer (zumindest, seit ich dabei bin) in hauptsächlich drei Schienen statt:

  • Die 11-Uhr-Vorführung kommt der bayerischen Gemütlichkeit entgegen (in anderen Städten geht’s meist schon um 10 Uhr los, hier kommt man wenigstens noch zum frühstücken),
  • 13:30 Uhr ist ideal, um vorher noch einen leichten Lunch zu sich zu nehmen, aber auch, um im Anschluss nicht zu früh und nicht zu spät einen schönen Kaffee genießen zu können,
  • und 16 Uhr ist großartig, weil man noch früh genug aus dem Kino kommt, um nötigenfalls noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Wer erst zur 16 Uhr-Vorführung anreist, kann fast einen ganzen Tag vorher nutzen; und auch können sich Kollegen, die tagsüber in artverwandten (oder gar artfremden) Jobs festsitzen, bisweilen für diesen Termin loseisen. Uns geht’s also gut in München.

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