Archiv für die Kategorie: “Journalismus”

Als Johannes Bonke vor einigen Jahren bei den Münchner Pressevorführungen aufgetaucht ist, war er wie jeder andere Neuzugang: Ambitioniert, jung, den Kopf voller Ideen, vor Energie nur so sprühend. So fängt es immer an, und mit der wachsenden Erfahrung stoßen sich auch die Hörner ab. Wer ein paar Jahre “dabei” war, ist routiniert, abgebrüht, souverän, aber deswegen nicht unbedingt abgestumpft.

Nicht so Johannes. Seine Energie schien im Übermaß vorhanden zu sein, und nach einem Bilderbuchstart begann er sich schnell auf Interviews zu konzentrieren. Schon bald zog er nach Berlin, denn in der Hauptstadt tut sich natürlich deutlich mehr in Sachen Interviews, Pressekonferenzen und Roten Teppichen und so weiter als in München.

Ab und zu habe ich ihn wiedergetroffen, wenn ich mich selbst nach Berlin oder Hamburg begeben habe, um wichtigen Events beizuwohnen, und auch so stehen wir in – wenn auch sehr lockerem – Kontakt.

Heute hat mir Johannes erzählt, dass sein Geschäftspartner und er mit Thousand Faces eine neue Webvideoserie gestartet hat, eine Art Pressearbeit-Vlog. Nach den ersten Folgen denke ich: Absolut nicht uninteressant, noch etwas rauh an den Ecken in den ersten Folgen, doch definitiv Potential. Hier mal folge Eins, der Rest bei 3Min.



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Erschreckend, was ich da beim Marketingblog über unsere US-Kollegen lesen musste. Hier ist es ja auch so, dass die Presse PR-Texte benutzt (gerade auch im Filmjournalismus, man braucht ja nur mal nach Elementen einer Inhaltsangabe aus dem Presseheft googeln), aber scheinbar nimmt die eigene Recherchearbeit zunehmend ab.

Was mir hierzu persönlich auffällt, ist die Zahl der Filmjournalismus-Profis, die bei größeren Kinostarts in der Pressevorführung auftauchen. Ich weiß noch, wie die Journalisten beim letzten Star Trek im großen Saal des Royal-Kinos sogar in den Gängen saßen. Alles Profis. Aber bei kleinen Independent-Filmen sind meistens nur 10 Leute da, auch alles Profis. Da fragt man sich natürlich schon, ob an mancher Stelle nicht blind geflogen wird.

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Ich erlebte eine etwas seltsame Situation bei einer der Pressevorführungen der vergangenen Woche: Ich habe ca. eine Minute nach Filmstart den Saal betreten, da ich mich ausnahmsweise verspätet hatte. Die Pressebetreuung befand sich im Saal, noch im Eingangsbereich, und hatte sich noch nicht gesetzt. Ich fragte flüsternd, ob man mir bitte kurz die bisherige Handlung zusammenfassen könnte. Dies war schnell gemacht, dann suchte ich einen Platz in der letzten Reihe auf, wo ich ja üblicherweise sitze, zog möglichst leise Rucksack und Mantel aus (wir mussten nichts abgeben bei dieser Vorführung), ließ meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen und verfolgte den Film.

Außer mir waren vielleicht noch zehn, fünfzehn Kollegen über den Saal verteilt, niemand sonst saß in der letzten Reihe. Der nächste Kollege saß bestimmt 8 Plätze weiter rechts, drei oder vier Reihen weiter vorne. Die Pressebetreuung setzte sich in die zweite Reihe von hinten ganz links, etwa 5 Meter von mir entfernt. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche, schaltete es auf lautlos und begann, eine SMS zu schreiben, deren Verfassen nötig war. Dem Film konnte ich dabei leicht folgen, denn die Handlung plätscherte so dahin und war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders anspruchsvoll. (Hint: Das Genre war nicht Thriller)

Nach etwa einer Minute stand die Pressebetreuung plötzlich auf, betrat die letzte Reihe, kam zu mir herüber, und beugte sich zu mir hinunter: “Machst Du das aus jetzt!” – “Ach so, hätte ich das Handy abgeben müssen? Sorry, hab ich nicht gesehen, Moment.” antwortete ich. – “Nein, aber Du musst doch aufpassen!” war die Antwort.

Ich schickte die SMS unter den strengen Blicken der sich nun wieder hinsetzenden Pressebetreuung ab und verstaute das Handy dann ostentativ unerreichbar in meiner Hosentasche. Erst dann fiel mir auf, dass die Pressebetreuung nicht einmal “bitte” gesagt hatte.

Mal ehrlich: Ist es mir nicht freigestellt, im Kino Nase zu bohren, mich im Schritt zu kratzen oder die Lautsprecher zu zählen, wenn ich mag? Solange es niemanden stört, kann ich ja wohl auch das Handy benutzen (für eine geräuschlose SMS im fast leeren Kino wohlgemerkt, nicht zum telefonieren). Allein durch die räumliche Entfernung kann die Pressebetreuung mein Verhalten ja nur durch einen Kontrollblick mitbekommen haben. Ich habe nie unterschrieben, dass ich verpflichtet bin, aufzupassen. Und ob ich an meinem Arbeitsplatz eine (möglicherweise arbeitsbezogene) SMS schreibe, ist ja wohl immer noch mein Bier!

Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wie ein Schuljunge gemaßregelt worden zu sein, noch dazu als Selbständiger und von jemanden, der mich eigentlich auf Augenhöhe und partnerschaftlich behandeln sollte – und der nachher auch noch meine Meinung zum Film abgreifen will.

Wenn der Veranstalter verhindern will, dass die Journalisten ihre Handies benutzen, sollen sie eine Garderobe einrichten und die Geräte vor der Vorstellung einsammeln. Das ist gängige, akzeptierte Praxis und kein Problem. Wenn sie es aber gestatten, seine kompletten Gerätschaften mit in den Saal zu nehmen, dann sollte es auch kein schräges Anmachen von der Seite geben, wenn mal einer eine SMS schreibt.

Was anderes wäre es gewesen, wenn ich mich des Mitfilmens verdächtig gemacht hätte. Hier hätte man höflich eine entsprechende Frage stellen können oder vorsichtshalber (ebenfalls höflich) auf ein Mitfilmverbot hinweisen können. Auch kann ein Handy im Kino natürlich durch die Displaybeleuchtung stören – doch ich war völlig alleine in meiner ganzen Reihe, die ja auch noch dazu ganz hinten war. Hier genügt ein höflicher Hinweis, und nahezu jeder würde das Handy verschwinden lassen.

Aber mich ohne “bitte” anfahren wie einen unartigen Hund, der sein Stöckchen nicht loslassen will, und das dann auch noch mit einer absolut lachhaften Begründung untermauern, finde ich eine zu große Einflußnahme in meine berufliche und persönliche Sphäre. Das geht einfach niemanden was an – zumindest unter diesen Umständen.

Nichts gegen die Pressebetreuung persönlich – aber der Ton macht die Musik.

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Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Seite der PR- und Marketingindustrie tatsächlich Leute gibt, denen die Problematik der missbrauchten Journalisten (ausgeschrieben “die Problematik des ständigen versuchten Missbrauchs der Journalisten als billige Multiplikatoren für die eigene Marketingkampagne”) nicht nur bekannt ist, sondern auch unangenehm aufstößt. Mehr von Frauke Weber, unbedingt lesen und weiterverfolgen.

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Da hat sich die Presse nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert: Jemand von BILDblog hat den wirklich ungewöhnlich langen Namen des neuen Wirtschaftsministers leicht verändert. Der neue – verfälschte – Name wurde von ungeprüft von einigen großen Medien übernommen. Deren verfälschte Berichterstattung wiederum führte dazu, dass der verfälschte Eintrag bei Wikipedia nicht sofort wieder berichtigt werden konnte – denn es gab ja eine vertrauenswürdige journalistische Quelle, auf der dieser – falsche – Name genannt war.

Im Filmjournalismus sind solche Fehler natürlich nicht so schlimm (wer hat in seiner Jugend nicht mal Steve Martin mit Leslie Nielsen verwechselt?), doch bei politischen Themen ist das schon etwas anderes. Auf jeden Fall: Coole Aktion!

Nachtrag: BILDblog begleitet die Welle, die dieser kleine Spaß erzeugt hat.

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Als Mitglied des Journalisten(dach)verbandes DJV erhalte ich auch die Fachzeitschrift Journalist. In der Ausgabe 2/2009 beschreibt Timo Rieg in seinem Artikel Bilder nach Art des Hauses das Dilemma der Journalisten, die nur gegenüber Behörden Auskunftsrechte haben, nicht aber gegenüber Unternehmen.

Als roten Faden für seinen Artikel wählte Rieg die Arbeit der Fotografen: Meist dürfen diese nur nach dem Akzeptieren journalistisch stark einengender Verträge auf Konzerten u.ä. Veranstaltungen fotografieren, müssen sich einzelne Motive vor Veröffentlichung von den Veranstaltern schriftlich absegnen lassen und haben nicht die Möglichkeit, das Material an zusätzliche, vorab nicht genannte Kunden weiterzuverkaufen.

Dies ähnelt meines Erachtens stark der Situation von Filmkritikern: Wir müssen zwar keine Verträge unterschreiben, um Kritiken zu veröffentlichen (zumindest in den allermeisten Fällen), auch dürfen wir unsere Texte völlig frei formulieren. Doch welcher Journalist zu welchem Film geladen wird, um überhaupt darüber schreiben zu können, wird allein von Seiten des Veranstalters bestimmt.

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Auf der diesjährigen Berlinale erhält der Filmpromoter Klaas Akkermann am 10. Februar den Ehrenpreis des VdFk für sein Lebenswerk. Während sich heute eine Menge kleiner und großer Presseagenturen darauf spezialisieren, die Filmjournalisten möglichst effektiv und zweckgebunden zu verwalten, war Akkermann (so wie Horst Kindermann im Süden) stets einer für alle, ein Mensch für Menschen.

Sicher haben auch Akkermanns Entscheidungen nicht immer zu Wohlwollen unter den Journalisten geführt, doch war offenbar, dass Akkermann stets um Fairness bemüht war und ein offenes Ohr für alle hatte.

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Filmjournalismus Fail

… oder Google Fail? Auf jeden Fall lustig. (aus der Zugriffsstatistik)

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In Büchern, Filmen und anderen Medien werden Journalisten gern als Vierte Gewalt gesehen, unwirsche Einzelkämpfer, als Menschen, die sich in Stories verbeißen und nicht mehr loslassen, die ihre Quellen nicht preisgeben, Geheimnisse mit ins Grab nehmen, sich nicht in die Karten schauen lassen und über spitze Ellenbogen zum Kampf gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen verfügen. Zwischen den Zeilen kommen Journalisten in der Fiktion meist als verschlagen, zielstrebig, gnadenlos und meist nur der guten Sache dienend rüber.

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Heute nacht wurden die Golden Globes vergeben, also die Filmpreise der in Hollywood ansässigen Auslandspresse. Große Abräumer waren der wirklich unheimlich gelungene Slumdog Millionaire, Kate Winslet und Steven Spielberg, der für sein Lebenswerk (mal wieder) geehrt wurde. Der Baader Meinhof Komplex ging leer aus.

Unter den Kollegen gilt Slumdog Millionaire als großer Oscar-Favorit (ich teile diese Meinung), daher hier die beiden Trailer:

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