Archiv für die Kategorie: “Journalismus”

Schlagzeile der BILD zu Engel mit schmutzigen FlügelnDie heutige BILD-Schlagzeile weist darauf hin, dass die Schauspielerin Antje Mönning, die für die ARD auch als Nonne in der Serie Um Himmels Willen tätig ist, einen “Sexfilm fürs Kino” drehte, “mit echtem Geschlechtsverkehr”. Auf Seite 15 findet sich der Artikel (hier online), der sich weniger um den Film Engel mit schmutzigen Flügeln von Roland Reber dreht, als um die Frage, ob die Sexszenen nun echt oder gestellt waren. Laut BILD hatte Antje Mönning angegeben, bei jeder Sexszene einen echten Orgasmus gehabt zu haben, und sämtliche Penetrationen nicht gespielt zu haben.

Nunja.

Ich habe den Film auch gesehen und muss sagen: Ich habe keine einzige Penetration tatsächlich erblicken können, auch wenn es nicht wenige Szenen gibt, in denen der Geschlechtsakt des homo sapiens eine Rolle spielt. Es ist natürlich gut möglich, dass diese Szenen tatsächlich nicht gespielt waren, sondern eher dokumentarische Qualitäten hatten. Auch will ich Antje Mönning nicht absprechen, dass sie sich traut, vor der Kamera echten Sex zu haben und dabei auch noch wirklich kommt. Es ist allerdings auch Auslegungssache, ab wann man von “Geschlechtsverkehr” sprechen kann, und ob dieser auch ohne Penetration möglich ist. Ich wäre allerdings ein schlechter BILD-Schreiber, denn ich hätte die Story gar nicht erkannt. Bei mir hätte die Schlagzeile gelautet “Vielseitige Schauspielerin spielt Nonne und Sexszenen im selben Leben” oder “Schauspielerin macht ihren Job”.

Das tolle an der Angelegenheit ist jedoch nicht die Frage, ob oder ob nicht Antje Mönning Geschlechtsverkehr und dabei einen Orgasmus hatte, sondern der Werbeeffekt, den diese Schlagzeile haben wird. Denn die wtp Film um Roland Reber und seine Crew ist eine kleine, trotz Sexszenen seriöse Filmproduktions- und Verleihfirma, der ein durchschlagender finanzieller Erfolg (im Gegensatz zum eher abwertenden “Erfolg bei der Kritik”) zu wünschen ist. Nicht, dass das Team von wtp von ihren bisherigen Filmen nicht leben könnten, aber die Firma spielt halt in einer anderen Liga als die ganzen Mainstreamproduktionen, die ohne millionenschwere Fördertöpfe gar nicht erst vom Boden hochkommen.

Stark gestiegene Besucherzahlen im Blog dank der BILD-BerichterstattungAuch bei mir explodierten heute die Besucherzahlen, im Vergleich zu den “üblichen Zahlen” von Anfang des Monats (bevor ich den Blog für ein paar Tage offline nehmen musste) vermehrten sich die Besucher ungefähr um den Faktor 12. Und der Tag ist noch nicht vorbei.

Das wird natürlich wieder zurückgehen, außer ich poste täglich nackte Mädels (das geschäftliche mit dem angehemen verbinden? Vielleicht keine so schlechte Idee…), und ich hoffe, dass zum Filmstart im März sich eine Menge Leute persönlich von den Qualitäten von Engel mit schmutzigen Flügeln überzeugen wollen. Dieser Tage bricht die Crew um Roland Reber jedoch erstmal nach Indien auf, um der Reber-Retrospektive beim IFFI 2009 beizuwohnen.

Und wer diesen Blog weiterhin besuchen will, ist sowieso herzlich willkommen.

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Dass es unserer Branche nicht gerade blendend geht, ist ja schon länger bekannt. Nun hat Dietrich B. nach langer (drehbedingter) Blogpause deutlich darauf hingewiesen, welche Art Profis sich das Berliner Stadtmagazin berlinien.de eingekauft hat. Ich … #Facepalm #Berufswechsel

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Das seine Menge Aussagen in jedem noch so wohlmeinenden Arbeitszeugnis versteckt sind, weiß jeder. Ebenso verhält es sich bei Ärzten, die sich bisweilen mit lateinischen Notizen gegenseitig darüber informieren, ob der überwiesene Patient ein hypochondrischer Volldepp und Nervtöter ist oder tatsächlich (körperliche) Hilfe braucht.

Nun werden wir ja täglich mit einer Flut von schickem PR-Talk konfrontiert (alle, nicht nur die Journalisten), in dem sich auch so manche Wahrheit verbirgt. Ken Levine, ein Hollywood-Autor, hat ein paar der üblichen Schlagwörter für uns in normales Englisch übersetzt, hier sein Blogeintrag dazu. Mit Dank an meinen ehemaligen Drehbuchstudienkommilitonen Yannick, der doch glatt was aus seinen Anlagen gemacht hat.

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BJV-UmfrageDer Bayerische Journalisten-Verband BJV lud mich heute zu einer Umfrage über Mitarbeiterhonorare ein. Ich finde es prima, dass mein Verband solche Datenerhebungen macht, denn das zeigt, dass die sich kümmern, und dass vielleicht was vorwärtsgeht mit der Bezahlung, die sich für (zumindest freie) Journalisten am Monatsende oft als lausig herausstellt.

Doch die Umfrage selbst ist meines Erachtens kaum mehr als ein schlechter Witz: Die Fragen sind offensichtlich auf das Erheben der gewünschten Daten hin getrimmt und erlauben auch eine freie Auswahl der Antwort, doch leider wurde (wie bei so vielen Umfragen) nicht an die Situation aus der Sicht der Befragten gedacht: Alle außer bei einer Redaktion fest angestellten werden ernsthafte Schwierigkeiten haben, diese Umfrage nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

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Ein wenig traurig zwar, doch absolut lesenswert: Wie Journalisten sich zukunftssicher aufstellen.

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Ich kann mir nicht helfen, mir gefallen die Filme von Michael Moore. Man darf zwar nie aus den Augen verlieren, dass vielleicht nicht all seine Standpunkte neutral sind und andere verschwiegen werden, aber ich glaube ihm, dass alle genannten Informationen exakt so stimmen. Aber das kann man ja als sublime Kritik an der Neutralität von Dokumentationen auffassen. Hier jedenfalls der Trailer zu Capitalism: A Love Story, auf den ich mich schon sehr freue:

YouTube Preview Image

(Um die HD-Qualität besser genießen zu können, den Trailer besser direkt auf YouTube angucken)

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Da braucht man sich natürlich nicht wundern, wenn Journalismus nun weder Ausbildung noch Erfahrung (“Quereinstieg”) erfordert und die Branche den Bach runtergeh: Journalismus für Dummies mag das Jahrhundertwerk in Sachen Journalismus sein, doch wer sich selbst für einen Dummy hält und im Buchladen bei Lebenshilfe einen Ratgeber sucht, ist für den Job sowieso grundsätzlich wohl eher nicht geeignet.

Fun fact: In der Sprechblase des Covers stehen zwei verschiedene Texte, je nachdem, ob man die kleine Version anschaut oder die “Blick-ins-Buch”-Version. Focus, ick hör Dir trapsen.

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zoom - Das Magzin der Filmemacher

Seit gestern gibt es eine neuartige Filmzeitschrift im deutschsprachigen Zeitschriftenhandel. zoom – Das Magazin der Filmemacher grenzt sich von den bisherigen Titeln dieser Branche ab. Das Konzept muss von Anfang an vor allem eine Frage beantworten: Warum in der Krise ausgerechnet eine neue Filmzeitschrift?

Es gibt bisher am deutschen Markt einige Branchenmagazine, die den Profibereich mit Drehberichten und technischen Neuerungen für Film und Fernsehen abdecken. Außerdem gibt es zahlreiche Rezensionsmagazine, in denen die aktuellen Filme und Festivals besprochen werden. Zu guter Letzt die Technikmagazie, die für den Consumer Geräte und Software testen und darüber schreiben.

zoom wagt den Brückenschlag. Der ambitionierte Filmer, dessen Leidenschaft über den Urlaubfilmschnitt am PC hinaus geht, soll genauso erreicht werden, wie der Filmstudent, der seinen Abschlussfilm für das Kino vorbereitet. Die Menschen, die Filme machen stehen bei zoom im Mittelpunkt. Erstaunlicherweise findet sich das selten in den Zeitschriften am Markt.

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Ja, das gibt’s noch. Auf dem morgendlichen Rundflug durch meine subversiven Informationsquellen fiel mir vor ein paar Minuten die Kinnlade auf den Schreibtisch. Erster Grund: Familienministerin und enfant terriblé der Internetzensur Ursula von der Leyen soll in einem Interview mit dem MDR-Jugendsender Sputnik vom 9. Juli 2009 behauptet haben, Indien ahnde Kinderpornographie nicht. Und das war nicht das erste Mal. Oha. Doch damit nicht genug.

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Anlässlich einiger aggressiver Kommentare zu dessen Transformers 2-Kritik hat Roger Ebert ein paar grundsätzliche und besonders wohl gewählte Worte zum Thema Filmkritik im Allgemeinen geäußert. Ich finde den Artikel gerade wegen der oft so zwiegespaltenen Meinung zu Transformers 2 sehr gelungen. Das schöne am Text ist jedoch, dass Ebert mit einfachen Argumenten erklärt, was die Aufgabe der Journalisten ist. Und nichts anderes.

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