Trailer: Sharktopus
Geschrieben von: Julian in Allgemein, Coming Attractions, Film, Teaser & TrailerIch kann nur noch lachen, so genial trashig ist Sharktopus!
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08
2010
Trailer: SharktopusGeschrieben von: Julian in Allgemein, Coming Attractions, Film, Teaser & TrailerIch kann nur noch lachen, so genial trashig ist Sharktopus! Teenie-TV-Kinoware mit nur spärlichen Kinofunken. Die Spannung beim Betrachten dieses Patchwork-Movies dürfte in etwa der Spannung entsprechen, die entsteht beim Durchblättern einer gestylten Hochglanzzeitschrift, einer Mischung vielleicht aus „Vogue“, „Schöner Wohnen“ und „Merian, Tokio und Japan“, welche die elegant arrangierten Bilder unter dem losen Thema „Fischereiverkäuferin arbeitet nachts als Profikillerin“ in einen narrativen Zusammenhang zu stellen versucht. Die lautstärkste Ansage dieses Filmes scheint mir zu sein: Leute, ich Dietrich Brüggemann, Autor und Regisseur dieses Filmes, bin von einem unbeugsamen Stilwillen besessen, um das Drama um einen Rollstuhlfahrer konsequent gegen den Mitleids-Strich zu bürsten. Sein stärkster Mitstreiter in dieser Absicht ist Robert Gwisdeck, der mit unerbittlicher Konsequenz die Figur Ben, die an den Rollstuhl gefesselt ist, als Zyniker am Rande zum Feldwebel durchzieht, dadurch einen grossen Verschleiß an Zivis hat, der teils fast dozierend die Thesen über Invalidität, Potenz, Liebe und auch die oft gelegentlich als Witze beabsichtigten Texte, die nicht immer lustig sind, mit hoher Sprechpräzision hochfahrend wegspricht. Das hat durchaus etwas Faszinierendes, umso mehr, als er auch die Körperlichkeit der Figur gnadenlos durchspielt. Der Film leidet jedoch unter der typisch deutschen Drehbuch-Krankheit. Es wird viel zu viel erklärt. Kommt jemand in eine Szene, fragt sie oder er, was los sei. Das sind meist fernsehtaugliche Dialoge, die sich daraus entspinnen, wobei hier sicher mehr Feinarbeit geleistet worden ist. Ein Running Gag, statt „geil“ „porno“ zu sagen, kommt sehr, sehr konstruiert daher. Genau so wie der Gag mit der Mozart-Büste total aufgesetzt und verkrampft und nicht mal überzeugend dargestellt, dazu noch irgendwie sinnfrei abgespult wird. Die Überkonsequenz im Gegen-den-Mitleids-Strich-Bürsten der Hauptfigur hat allerdings auch zur Folge, dass sie so negativ rüber kommt, dass es einem überhaupt nicht weh tut, wenn Ben mit dem Rollstuhl ins Eis einbricht. Man gönnt ihm gleich den ewigen Frieden, denn einem rein zynischen Menschen zuzuschauen ist eben nicht sehr erhebend. Es gibt allerdings einen Augenblick, der ist Kino pur, wenn er mit der Cellistin im Bett liegt und sie ihn fragt, was er wolle und er nach einer Gedankenpause mit von ihr abgewandtem Gesicht antwortet „Liebe“, und das für seine Verhältnisse leise, und wie dann die Kamera einfach auf ihm bleibt, das ist ein schöner Kinomoment, der aber in der übrigen Feldwebelei sehr einsam dasteht. Das kann die anderen Szenen, in denen Ben durchaus als Neonazi durchgehen würde, nicht aufwiegen. Aber die jungen Filmmenschen dürfen in ihrem Enthusiasmus Fehler machen. Sie können auch nicht, und müssen es auch nicht, alles können. Sie dürfen sich dabei zuviel vornehmen und vielleicht lernen sie die Lektion, dass auch in so ein Projekt, wenn es von mehr als nur von professionell und freiwillig mit Behinderten Befassten gesehen werden soll, eben auch Charme einfliessen muss, Anrührung, Zwischentöne; und dass Schwarzer Humor noch nicht ist, wenn Ben meint, er könne mit Behinderten nicht oder Plattitüden, dass zwei Drittel aller Männer beim Öffnen des BHs schon scheitern. Fazit: eher eine Etüde für die Fachwelt als Futter fürs breite Publikum. Auf holprigerem und widrigerem Wege und ohne eine einzige Probe in den letzten 30 Jahren dürfte sich wohl kaum je zuvor ein Orchester so rasend schnell zu einem so wohlklingenden Klangkörper entwickelt haben. Was uns lehrt, wie überflüssig doch Orchesterproben sind oder dass heute allenfalls das Kino für solche Wunder zuständig sei. Neckische Gedankenspielereien um das Infektiöse und die Wirksamkeit von Ideen und deren Einpflanzung in den Köpfen anderer auf dem Wege des Eindringens in die verschiedenen Ebenen ihrer Träume, mit welchen Christopher Nolan Bildmaterial überwiegend aus dem Fundus der Untiefen des amerikanischen Actionkinos neu verschnürt und mit DiCaprio als unwiderstehlichem Schmerzensmann ziert. Oder: ein Bebilderungsversuch zum Satz „Im Anfang war das Wort“, und wie der Mensch damit rumtricksen möchte.
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07
2010
Jane Austen’s Fight ClubGeschrieben von: Julian in Allgemein, Fan Fiction, Film, Kultfilme, Teaser & Trailer, WebIst zwar leider nur eine kleine Fan Fiction, würde mich aber auf der großen Leinwand brennend interessieren. Die beiden Themen schreien ja geradezu danach, kombiniert zu werden… Eine saubere Parade der Fantasie gegen Minenproduktion und Waffenhandel.
Dany Boon ist der wunderbare Hauptdarsteller. Er arbeitet in einem kleinen Laden in Paris. Davor findet eine Schießerei statt. Eine fehlgeleitete Kugel landet in seiner Stirn. Dann die OP. Beides schwierig. Operation könnte das ganze Gehirn schädigen. Nicht-Operation könnte baldigen Tod bedeuten. Was tun. Hat jemand einen Euro. Der Entscheid fällt auf Nicht-Operieren. So läuft Dany Boon als Bazil denn ab jetzt mit schöner schlanker Stirnnarbe überm linken Auge (quer zu den Brauen) herum. Durch den Krankenhausaufenthalt hat sich seine wirtschaftliche Existenz in Nichts aufgelöst.
Eine Straßensängerin hat sich mit Lautsprecher an einer U-Bahn-Säule postiert, er stellt sich an die Rückwand, spricht die Texte mit den Lippen mit und kassiert das Geld der Passanten. Die Sängerin kriegt davon nichts mit. Aber wie er von dannen trottet, bekommt er Mitleid und schenkt ihr die Einnahmen. Wie er vor einem Café seine Nummer spielt, wird er von einem alten Typen, der auch sowas wie einen Stand hat, angesprochen. Der nimmt ihn anschliessend mit in sein Zauberreich der Fantasie, in ein als Schrotthaufen getarntes Paradies. Einzig der Blechmann über dem Eingang, der sich auf Knopfdruck auch bewegt und tanzt, macht deutlich, dass sich hier was verbirgt. Drinnen haust eine bunte Truppe aus abgestürzten Fantasten, der eine baut Fantasieroboter, die andere ist ein Schlangenmensch und bewahrt sich auch mal im Kühlschrank auf, und wieder eine andere ist ein Zahlenmensch, kann zu allem was vor sich geht, immer gleich die Zahlen sagen, wenn zum Beispiel Bazils Kopf gemessen werden soll, hat sie die Maße schneller als das Maßband.
Schliesslich gelingt es, eine ganze Waffenlieferung im Hafen zur Explosion zu bringen. Bilder: Kinowelt Die Regisseurin ist nicht unbegabt im Umgang mit Laien und inszeniert mit diesen Alltagssituationen einfacher Menschen in Istanbul, die einzig verbindet, dass sie was mit der Brücke zu tun haben. Die Frage ist, warum die Regisseurin gerade diesen – laienschauspielerseminarähnlichen – Film gemacht hat. Hätte sie ihn auch gemacht, wenn sie dafür keine Fördergelder bekommen hätte, wäre das wirklich ihr tiefstes Bedürfnis gewesen, dies (was genau?) mitzuteilen? Angetan von der Idee schienen immerhin das Medienboard Berlin-Brandenburg, der Deutsche Filmförderfonds, der Rotterdam Media Fund und Koproduzenten wie Kaliber Film, Bayerischer Rundfunk, ZDF/3SAT und Rush Hour Film. Im Fernsehen versendet sich das spielend. Eine ganze Spielfilmlänge nur dazu zu benutzen um aufzuzeigen, wie träge und faul und vorurteilshaft die Griechen doch seien, dürfte angesichts des griechischen Beinah-Staatsbankrottes ungefähr so sinnig sein, wie eine weitere Eule nach Athen zu tragen. Der aktuelle Versuch von Leandros Rakintzi, die Beamten Griechenlands zu zählen, nimmt sich dagegen wie ein Thriller aus. |