Archiv für die Kategorie: “Film”

Heute bohren die Filme tief nach dem Geheimnis: in Frankreich nach dem der „schönen Frau“, in der Bibel nach Munition gegen Maßregelungen, in Nahost nach Frieden, im Kambodscha nach dem der Liebe bei Aufbruchstimmung durch Globalisierung, im amerikanischen Ostküstenalltag nach Erlösung von der Schuld, in Wien nach dem Genre, in Indien nach der Unabhängigkeit der Frau, im Schrottuniversum nach der letzten Schraube, im Kindermund nach dem Weltfrieden und in einem Kurzfilm nach der Abhängigkeit des indischen Mannes; Action statt Geheimnis bietet van Diesel. Im Fernsehen gab es die eindrücklichen Lebenslinien über Verena Bentele.

Kino
PERSONAL SHOPPER
Ein Assayas-Film um die Leerstelle „schöne Frau“.

DER DIE ZEICHEN LIEST
Mit Bibelworten gegen den Vorwurf unkontrollierter, pubertärer Erektionen.

JUNCTION 48
Mit Musik gegen Unterdrückung und Mauer.

DIAMOND ISLAND
Am Zipfel der Globalisierung in Kambodscha von der Liebe angehaucht wie einsten im Neorealismus oder in der Nouvelle Vague.

MANCHESTER BY THE SEE
Christliches Schuldbewusstsein kann tiefe Gräben zu den Mitmenschen aufreißen.

VERBORGENE SCHÖNHEIT – COLLATERAL BEAUTY
Postmoderner Begriff für Trost?

DIE HÖLLE – INFERNO
Wiener Genrefilm mit Schmäh und Identitätsproblemen, insofern auf unsicheren Beinen, vielleicht wandelt er sich deshalb zum Revengefilm.

WHERE TO, MISS?
Die Inderin Devki entdeckt als Taxifahrerin Freiheit und Selbständigkeit.

RITTER ROST – DAS SCHROTTKOMPLOTT
Schrottland muss bis auf die letzte Schraube verteidigt werden.

NICHT OHNE UNS
Ein Leckerbissen für dattergreisige Kinderfilmjuries.

Kurzfilm
SEARCHING FOR WIVES
Ein Amuse-Geul als Gegenposition aus Singapur zum heute startenden Where to Miss?.

Action
xXx: RETURN OF XANDER CAGE
Der Eierkopfheld jagt hinter der Büchse der Pandora her.

TV
LEBENSLINIEN. VERENA BENTELE – UND PLÖTZLICH POLITIK
Von der Olmypiamedaillengewinnerin in die Bundesregierung, weil sie sich auskennt.

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Dem Terrorismus ans Schlawittchen.

Wenn die Welt einen breit grinsenden, muskelbepackten, glatzköpfigen Bodygard wie Xander Cage (Van Diesel) hat, so kann sie nicht untergehen, selbst wenn der Terror inzwischen gezielt Satelliten auf die Welt abstürzen lässt.

Um das zu verhindern, muss Cage der Büchse der Pandora habhaft werden. Der jagt er um die halbe Welt nach. Ihn begleitet ein Team vor allem desginhaft jugendlich und schick aussehender Männer und Frauen, super bis bikinihaft gekleidet, mit Gesichtern, die mehr hübsch sind als dass sie schon was erlebt haben. Sie bilden das ästhetische Gegengewicht gegen den mit diversen Erlebnissen gewaschenen Eierkopf.

Xander wird wieder kämpfen und schießen und Spiele mit bereits gezündeten Handgranaten treiben. Er wird tollkühne Stunts ausführen, er oder gut geschulte Doubles oder die Postproduktion, er wird eine waghalsige Passstraßenabfahrt in der Hocke auf dem Skateboard machen; sein Gewicht wird ihm mächtig Schub verleihen; er wird auf dem Motorrad, das Wasserskier untergebunden hat, durch den Wellentunnel surfen; er wird coole Kommentare von sich geben, nie die Ruhe verlieren und schon gar nicht ins Schwitzen kommen.

Kamera und Tricks und Schwenks und schnelle Schnitte tragen das ihre bei, dass keine Ruhe eintritt, so dass 3 D schnell mal ins Schleudern kommt und die Ausbeute an geschrotteten Autos ist nicht gering.

Fazit: Wo van Diesel drauf steht, ist van Diesel drin, aber auch Samuel L. Jackson hat seinen Auftritt. Die Regie besorgte D. J. Caruso nach dem Drehbuch von F. Scott Frazier nach Charakteren von Rich Wilkes. Hätten wir doch so einen Xander Cage zum Schutze unserer inneren Sicherheit … Wunschtraum, der vom Versagen der Behörden im Falle Amri ablenkt.

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Mit Musik gegen die Gewalt, die Lebensbeengung und die Unterdrückung durch Israel angehen und nicht mit Gegengewalt, das ist das Prinzip von Kareem (Tamer Nafar) und seinen Rap-Band-Mitgliedern.

Sie und ihre Familien wohnen an der Bahnkreuzung 48, einem Nicht-Ort, einem Un-Ort, der sogar einen Namen hat und den bis zu diesem Film keiner kennt, namens Lod oder Lyd oder Lydda, eingekeilt zwischen Gleisen, immer wieder kommen Bewohner durch vorbeifahrende Züge um. Und wenn kein Gleis sie eingrenzt, so ist es eine hohe Mauer.

Ständig werden Polizeirazzien durchgeführt, dazu gibt es einen Rap „Wirf es weg, George“, will heißen, wenn die Polizei im Anflug ist, gilt es, den Stoff, der hier das Leben erträglich macht, wegzuschmeißen, zu verbrennen.

Und wo ein Durchlass zum Rest der Welt ist, da machen sich Checkpoints breit und wenn sie sich langweilen, können sie recht schikanös werden, auch so eine Anekdote wird hier von zwei Israelis erzählt, wenn sie gemeinsam ein Wannenbad mit Kareem nehmen.

Die Band träumt vom Erfolg, träumt davon rauszukommen aus dieser Orstschaft die kleiner sei als die Pussy einer Frau, wie sie an einer Stelle sagen, dieses „Ghetto von 8500 Bewohnern“.

Sie sind eingeladen, die 3 Männer und ihre Sängerin, in einem israelischen Klub zu singen, was sich auch ganz gut anlässt, da sie ja nur von sich erzählen wollen, und dies mit Humor und nicht mit Hass tun. Sie kommen gut an. Mit steigendem Erfolg und den aussagekräftigen Plakaten der Band melden sich die Cousins der Sängerin, sie würden ihre öffentlichen Auftritte nicht gern sehen und falls sie weiter mache, könne ihr was geschehen.

Regisseur Udi Alon, der nach dem Buch von Oren Moverman und Tamer Nafar gearbeitet hat, inszeniert den Film mit bescheidenen Mitteln als authentisches Grassrootsmovie bewusst ‚unpolitisch‘, so wie auch Kareems Philosophie für seine Songs ist – wobei das alles hochpolitisch ist, aber eben nicht aufstachelnd.

Dabei kommt noch die Geschichte von Talal aus der Band dazu. Das ärmlichst wiederaufgebaute Haus seines Vaters soll von den Behörden abgerissen werden, um Platz für ein „Museum der Koexistenz“ zu machen, ein grotesker Euphemismus. Alltag in den besetzten Gebieten.

Aber nicht nur Talal, sondern auch Kareem erlebt einen Schicksalsschlag. Seine Eltern verunfallen auf der Nachhausefahrt von einem Konzert, der Vater stirbt, Mutter kommt in den Rollstuhl (sie ist nicht nur Sängerin sondern auch Geistheilerin). Damit ist der Vater-Sohn-Konflikt von Kareem gelöst, denn Vater war ein Vertreter der klassischen Musik, während Kareem den Rap vertritt, der seine Zuhörer ermuntert, sich zu wehren, nicht aufzugeben, für den Frieden sich einzusetzen.

Dass der Film trotz aller Tristesse dieses eingezwängten Lebens der Palästinenser keine Negativgefühle entstehen lässt, liegt vielleicht auch daran, dass die Leute hier oft singen, nicht nur bei den Auftritten und so von ihrer Lage berichten, ohne zu jammern oder Mitleid zu heischen, ihre Würde wahrend. Das ist groß. Ihr palästinensisches Minderwertigkeitsgefühl formulieren die Bandmitglieder nach einem erfolgreichen Auftritt in einem israelischen Club so, dass sie sich als Pussys vorkommen.

Ebenso auf friedlich-musikalischem Wege wirbt Ein Lied für Nour und auch Eine Geschichte aus Liebe und Finsternis aus dieser Weltgegend, in der sich die Menschen seit Jahrzehnten nach dem Rachemodus immer nur und immer neue Verwundungen zufügen, da sind das bemerkenswert Versuche, moderatere und versöhnlichere Töne anzuschlagen. Es geht darum, erst überhaupt zu beschreiben, wer hier wie lebt, ohne gleich in den Ruch der Parteilichkeit zu geraten.

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Wie ein dialektischer Vorfilm zum heute startenden Where to, Miss? (einem Film der Filmakademie Baden-Württemberg) kann dieser leichte, schnelle, unterhaltsame, von Peter Lim geschmeidig gschnittene Kurzfilmtupfer von Zuki Juno Tbgye gesehen werden.

Er berichtet nicht von der Emanzipation der Frau in Indien, sondern von der Nicht-Emanzipation eines indischen Mannes, von Shanmugavel Pathakarnan, 34, der in einer Variante der Tradition eine Frau sucht.

Sein Problem: er ist indischer Gastarbeiter in Singapur. Er hat das Geld für eine eigenes Haus zusammen. Aber er hat keine Gelegenheit, Frauen aus seiner Heimat kennenzulernen. Der Brauch ist, dagegen wehrt er sich nicht, dass die Familie die Braut aussucht und die Hochzeit die erste Begegnung der beiden ist.

Entscheidend für die Brautsuche ist also das Foto (Ganzkörperfoto), das er nach Hause schickt und welches in Frage kommenden Frauen gezeigt wird. Es sollte aus diesem Grund ein besonders attraktives Foto sein. Die Dokumentaristin ist beim Fotoshooting dabei. Sie befragt ihn auch zu seiner Haltung. Ihn interessiert eine Liebesheirat nicht. Die Frau muss zuverlässig und herzlich sein.

Allerdings stellt er fest, dass immer weniger Frauen bereit sind, auf diesem Wege ihren Mann zu suchen. Dazu liefert „Where to, Miss?“ ein Gegenbeispiel. Dieser Kurzfilm hier stammt auch aus Singapur, von der The Puttnam School of Film und dem Lasalle college of the Arts.

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Modellhaft-schematisch zu nennender Bilderbogen einer Doku zum Thema Frau in Indien mit einer eindrücklichen Protagonistin, Devki, in den Funktionen Tochter, Gattin, Mutter – und möchte doch am liebsten selbständige Taxifahrerin sein, ein in Indien noch revolutionärer Wunsch.

Im ersten Teil ihres Filmes schildert Manuela Bastian in diesem Crowd-Funding-Projekt der Filmakademie-Baden-Württemberg den Moloch Dehli in seinen unprägnanten Erscheinungsformen als überfüllte Straßen oder leere, düstere, angsteinflößende Gassen, schildert Dehli als für Frauen gefährlich, referiert auf die Frau als Opfer der Übergriffe von Männern.

Devki wohnt wieder zuhause bei ihren Eltern. Ihr Vater ist Fliesenleger. Devki ist zwar verheiratet, ist von ihrem Mann abgehauen, der hatte sich als ‚Niete‘ erwiesen, hat sie geschlagen. Das war sie gewohnt, ihr Vater habe das oft zwei bis drei Stunden lang getan. Das spiegelt sich in ihrem Gesicht, das überhaupt wie ein untrüglicher Indikator für den Zustand ihrer Seele wirkt – nie als Maske; auch später bei Glücksmomenten nicht.

Devki will nicht wieder heiraten. Sie will als Taxifahrerin arbeiten. Die Mühen des Erlernens des Autofahrens und der Prüfung, die sind ein Zwischen-Kapitel; augenfällig dabei, dass die Fahrschülerinnen eigens blaue Uniformen tragen. Bitterlich weint sie, wie sie die Prüfung erst nicht besteht. Umso glücklicher sehen wir sie nach bestandener Prüfung und wie sie in diesem Beruf ihr eigenes Geld erwirbt; plötzlich wirkt sie selbstsicher; vorher hatte sie auch einen Selbstverteidigungskurs absolviert.

Über den Beruf lernt sie Badri kennen. Nach einem Jahr sind sie sich einig. Sie heiraten. Devki ist wieder auf die Traditionsschiene geraten.

Der Film verlagert sich von Dehli in die bergig-ländliche Provinz Garhwal, wo eine andere Sprache gesprochen wird. Hier versucht Devki im Sari sich als Schwiegertochter eines erzkonservativen Mannes, als Ehefrau (obwohl Badri weiter in Dehli arbeitet) und als Mutter eines munteren Söhnchens anzupassen.

Allerdings hatte sie als Taxifahrerin die Freiheit geschmeckt. Das wird sie nicht loslassen. Das kann sie nicht vergessen.

Der Film ist fotogen-malerisch in seiner Bildgestaltung, Jean David Günther versetzt sich ganz in indische Stimmungen. Das indische Frauenemanzipationsproblem aus europäischer Sicht ganz sich hineinfühlend dargeboten als Variante zu 7 Göttinnen oder die Zeit der Frauen.

Der Film selbst ist unterteilt in die Kapitel: Vater, Ehemann, Sohn – als Ausdruck der herrschenden Verhältnisse, denen eine indische Frau ausgesetzt ist mit ihren reziproken Pflichten als Schwiegertochter, Ehefrau, Mutter.

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Dieser Film von Olivier Assayas (Clouds of Sils Maria, Die wilde Zeit), kreist um eine doppelte Leerstelle (wenn nicht gar eine dreifache, wir werden sehen).

Es sind Leerstellen im Leben der Protagonistin Maureen (Kristen Stewart, die wiederum selbst mit einem in keiner Weise anbiedernden, fast leeren Modelblick wie eine Leerstelle wirkt in ihrer abweisenden Fokussiertheit).

Die eine Leerstelle ist ihr Zwillingsbruder Lewis, der gestorben ist; Herzinfarkt. Auch Maureen hat eine Anlage dazu, muss sich deshalb regelmäßig durchchecken lassen. Er war ein Medium und wollte sich aus dem Jenseits melden. Das gibt Assayas die Gelegenheit, sich im Genre des Spukfilmes ertastend zu versuchen.

Es gibt niedliche, höchst diskrete Computeranimationen von kleinen Gespensterräuchlein oder Gläser, die linkisch durch die Luft getragen werden und dann auf den Boden knallen in Paris oder in Muskat. Das ergibt die Gelegenheit für einen Exkurs zu einem Youtube-Video über Victor Hugo, der in Jersey Séancen abgehalten haben soll.

Die zweite Leerstelle im Leben von Maureen ist ihre Auftraggeberin, Kyra (Nora von Waldstätten), eine berühmte, wohlhabende Schauspielerin. Maureen ist für sie als persönliche Einkäuferin (personal Shopper) tätigt. Sie fährt mit ihrem Mottorroller durch Paris, an den Armen die Tüten von Cartier und Chanel, die wehen mit ihrem wertvollen Inhalt im Wind. Durch diese Sicht wird die Schauspielerin zur Leerstelle, die lediglich durch Klamotten und Schmuck definiert ist.

Leerstelle schöne Frauen. Hier ist Assayas mehr in seinem Milieu, dem Künstlermilieu, von dem er in Clouds of Sils Maria ein bestechendes Innenbild geliefert hat.

Jetzt ist er nicht mehr so realitätsnah, denn er will die Leere dieser Welt schildern. Das geht offenbar nicht ohne Mystizismus und Horror.

Die dritte Leerstelle ist die ausführliche Texterei mit einem Unbekannten (also der Austausch von SMS), der Maureen in ein Hotelzimmer bestellt, wo sie ihm via Mobilfoto exquisite Garderoben ihrer Chefin vorführt, was sie gar nicht dürfte. Es gibt auch Textstellen über Angst. Dieser Unbekannte, aber da habe ich eine Lücke, hat möglicherweise etwas mit der Leerstelle Ingo (Lars Eidinger) zu tun, einem undurchsichtigen, deutschen Bekannten des Stars.

Einen künstlerischen Bezugspunkt, der vielleicht zur Entschlüsselung dieses Filmes beitragen kann, gibt Assayas mit Hilma of Klint und auch Rudolf Steiner wird bemüht – hm, Anthroposophie und Gespensterwissenschaft, sollen die womöglich etwas gemeinsam haben?

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Bildknabbermaterial, Bildknackmaterial. Oder: eine sehr christliche Weltsicht auf einen freudlosen Alltag.

Amerikanische Ostküstenethik-Film mit Ansprüchen ans Kino und vor christlich-moralischem Hintergrund. Ganz zum Hiob macht der Filmemacher Kenneth Lonergan den Schauspieler Casey Affleck als Lee Chandler jedoch nicht, wenn auch der Familiengrabstein gut gefüllt ist mit den Namen seiner Nächsten.

Lonergan scheint wie auf einem Flickenteppich lauter Szenen zusammgetragen zu haben, die ein Bild von Lee abgeben, wie er in seinen Lebenssituationen im titelgebenden Örtchen Manchester by the Sea in Massachusettes gefangen ist. Keine Befreiungstheologie spricht aus den Bildern.

Lee arbeitet als Hausmeister, repariert tropfende Wasserhähne. Immer tropft etwas, immer ist etwas undicht. Hier kennt ein jeder jeden und die Szenen und Begegnungen mit den verschiedensten Menschen in dem Käffchen geben Anlass, diese und jene Info über das Leben von Lee durchsickern zu lassen.

Obwohl sein Bild ein konstant freudloses ist, so zuverlässig wie seine Miene, als ob er nie eine hoffnungsvolle Zukunft gehabt hätte wie der „Schwede“ in Amerikanisches Idyll. Eher tendiert Lee zur Schuldbewusstigkeit. Dies drückt seine Stimme in ihrer depressiven Wegnuschelintonation aus.

Gegen die vorherrschende Tristesse gibt es Ansätze, Bemühungen um Lustigkeit, Leichtigkeit. Die Verantwortung für seinen Neffen Young Patrick (Ben O’Brien) bleibt nach dem Tod von Lees Bruder an Lee hängen. Der ist auf dem Weg, ein ähnlich dröger Existenzmuffel zu werden wie sein Onkel Lee.

Patrick ist noch nicht 21 und anfänglich in Liebesdingen unterwegs. Vielleicht muss man in so trostloser Welt mit dem Humor vorsichtig umgehen, ihn eingehend vorbereiten. Aber immer, wenn er mit seiner Freundin zur Sache kommen möchte, klopft deren alleinstehende Mutter an die Tür. So bittet denn Patrick seinen Vormund und Onkel Lee, ihn beim nächsten Date, zu dem er ihn eh fahren wird, bei der Mutter zu bleiben, sie in Beschlag zu nehmen, damit sie nicht gleich wieder an die Tür klopft und sowieso, die Mutter sei recht angetan von Lee.

Allerdings geht den beiden im Salon unten schneller die Gesprächspuste aus als die Liebeertastenden oben ihre Klamotten ausgezogen haben. Das ist der Humor hier, der ab und an in trockener Pointe gipfelt.

Es ist eine Welt ohne Erotik, ohne verführerischen Charme, da ist das generelle Schuldbewusstsein – vielleicht auch das Manchester-by-the-Sea-Bewusstsein – davor, eine Welt unausgelebter Gefühle.

Die suchen sich ihre Bahn in scheinbar unmotivierten Schlägereien, Explosionen, Anzetteln einer Schlägerei in einer Kneipe oder im Einschlagen einer Fensterscheibe, so dass Lee nachher einen dicken Verband um seine blutende Hand gelegt haben wird.

Lee wirkt nicht frei. Also könnte es um Freiheit gehen in diesem Film. Er wirkt wie ein Gefangener seines Manchester-Alltags, oft wie ein Halbmensch. Es gibt einen Hausbrand mit Toten, der ihn in einer Rückblende heimsucht und belastet und vielleicht etwas erklären kann.

Lee steht in der Welt, mustert sein Gegenüber messend, abschätzend, als wolle er sagen, du, es gibt da eine Differenz zwischen dir und mir und brauchst keine Angst haben, ich stelle schon keine Ansprüche.

Momentweise wirkt der Film auf mich allerdings wie ein Schauspielerworkshop, in dem immer neue Manchesterszenen mit dem festgeschriebenen Charakter Lee zu tun haben müssen, Alltagsszenen, Möbel in den Müll schmeißen oder Besuch der Pathologie, auch mal ein Essen und viele Autofahrten mit seinem Neffen Patrick, die recht eintönig verlaufen, da sich der junge Schauspieler offenbar dem älteren, den er sicher als Vorbild sieht, annähern möchte.

Über weite Strecken seines Filmes legt Lonergan eine feierlich vorweihnächtliche Musik, die den Ernst seiner Kunstübung hervorhebt, so dass auch alltägliche Handlungen bedeutungsvoll werden.

Die Maske des Lee: vorwurfsvoller Blick. Ein modernes, amerikanisches Unglücksleben. Der Film wirkt mehr präskriptiv als analytisch. Aufklärerisch? Oder Negativbefund? Bittet der Filmemacher zur Andacht? Leidensstimme von Lee. Ein moderner Jedermann? Ein ganz gewöhnlicher Mann – wobei die Wahl seiner Berufes im handwerklichen Bereich insofern pikant ist, als der Darsteller das vom Typ her nicht hergibt, was reichlich akademisch oder gar theologisch anmutet: der Vater von Jesus, Joseph, war Zimmermann.

Schön ist der graue Schnee – selten zu sehen in einem Film. Zur Deckung eines vermuteten Dystopie-Bedarfs des Publikums? Kommentar zur Freudlosigkeit christlich (protestantischer?) Lebensbewältigung?

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„Collateral Beauty“, im deutschen Titel vermutlich nicht ganz passend als „verborgene Schönheit“ übersetzt, das ist das magische Wort in diesem Film von David Frankel nach dem Drehbuch von Allan Loeb.

An dieser Stelle könnte jetzt ein Exkurs zum Begriff „collateral“ und dem Zusammenhang zum Begriff der Schönheit eingefügt werden. Dass der Begriff kollateral am bekanntesten bei uns ist vom Kollateralschaden eines Krieges, also negativ belastet, als unschöne Begleiterscheinung; während im Bankenwesen es mit dem Begriff vor allem um das Pfand, um Sicherheiten mittels Hinterlegung von Gegenständen, um zusätzliche Sicherheit geht.

Hier im Film steht der Begriff für das, was im Christentum der Trost wäre, den der Glauben an Gott und an die Auferstehung bietet, wenn ein Mensch in Verzweiflung gestürzt wird, in die Depression, weil er wie unser Protagonist Howard (Will Smith) sein Kind verloren hat. Da er offenbar kein gläubiger Christ ist noch sonstwie gläubig, wird er auf die „collateral beauty“ zurückgreifen müssen.

Das Problem bei Howards Rückzug in die Depression ist, dass die Werbeagentur, die er mit Partner Whit (Edward Norton) gegründet und zu Erfolg gebracht hat, durch seine Geschäftsunfähigkeit ins Straucheln zu geraten droht und dadurch auch die Mitarbeiter wie Claire (Kate Winselt) und Simon (Michael Pena).

Ihnen, die um ihre Existenzen bangen, stellt sich die Frage, wie können wir Howard wieder ansprechbar machen, wie können wir mit ihm, der sich in seiner Wohnung einschließt, keine Post beantwortet, Briefe an abstrakte Begriffe schreibt und abschickt und nur Spaziergänge in einen Hundepark macht, wieder in einen Dialog treten und ihn zu dringend nötigen Unterschriften bewegen.

Dem Autor Allan Loeb, der offenbar eine Liebe zum Theater besitzt, fällt dazu eine theateraffine Lösung ein. Die Stichwörter dazu fnden sich in den Briefen von Howard, die sich wiederum auf seine Geschäfts- und Erfolgsphilosophie berufen, was sind die wesentlich Punkte im Leben eines Menschen, über welche man in der Werbung ansprechen muss? Liebe, Zeit und Tod.

Dass die Geschichte gut ausgehen wird, ist bald klar, das liegt an der Inszenierung, die hochkarätig uninspiriert agiert, als ob die Schauspieler lediglich vor Stellwänden platziert seien (was sie zwar nicht sind), die schön absehbar von A nach B schreitet bar jeglicher Überraschung.

Der Film wirkt wie eine Pflichtübung und das Buch, als stamme es von einem jungen, idealistischen und leicht naiven Autor (dem ist allerdings nicht so, Allan Loeb hat als Autor und Produzent schon einiges vorzuweisen); so überrascht der Film dann doch noch kollateral.

Ein Cast aus lauter hochwertigen Prêt-à-Porter-Stars.
Penetranter sind Weihnachtsdekorationen selten so hochdosiert in einen Film eingebaut worden. Außerdem waren wohl Autor wie Regisseur verliebt in rekordverdächtige Domino-Aufstellungen.

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Die Geister, die der Tüftler rief, wird das Schrottkönigreich nicht mehr los.

Es fängt mit einem gewissen Desinteresse des Königs an. Er spielt leidenschatlich gerne Golf. Für den Rest interessiert er sich nicht besonders. Die Prinzessin ist nur an der Anschaffung neuer, goldener Kutschen interessiert. Dekadenzerscheinungen. Dadurch entgleiten dem König und seinem Kassenwart die Übersicht über die Staatskasse. Hier herrscht plötzlich Ebbe. Die Ritter können nicht mehr bezahlt werden. Sie müssen zum Arbeitsamt.

So weit die sozialkritische Komponente in dieser zweiten Auflage der Schrottstories aus dem Schrottreich von Ritter Rost und Konsorten, wieder höchst fantasievoll animiert in der Regie von Thomas Bodenstein und Marcus Hamann nach dem Buch von Gabriele Walther und Mark Slater und vertont mit den quicklebendig begeisternden Stimmen von Christoph Maria Herbst, Jella Haase, Tom Gerhardt, Dustin Semmelrogge, Detlef Redinger.

Wehe, das Soziale in einem Land gerät aus dem Gleichgewicht. Da dauert es nicht lange und einige fatale Erfindungen des Tüftlers Rösti, bis es zum Komplott auf den Königsthron kommt, bis zwei Polizisten sich wie die Könige der Welt fühlen und über eine Rost-Klon-Armee befehlen. Das ist der demokratisch-politische Einschuss in diesem Kinderfilm, der vor allem ein Tüftlerfilm ist, sowohl was die Erfindungen des Tüftlers Rösti anlangt, als auch jene der Zeichner, die sich bestimmt von Karel Zeman inspirieren haben lassen, was Luftschiffe im Reiche der Poesie betrifft, und auch zwei Mignon-Knöpfe haben sie an den Hof des Rostreiches gebracht.

Den Anfang vom Ende bedeutet die verhängnisvolle Idee von Rösti, ein gefaktes Drama vorspielen zu lassen, um den König auf das Elend der entlassenen Ritter aufmerksam zu machen, damit er merkt, wie wichtig die Ritter für das Königreich sind und wie unentbehrlich und dass er sie nicht einfach so entlassen kann.

Allerdings geht das Schauspiel schief, denn der Drachen Feuerzangenbrüder greift am falschen Ort an, zündet die Schrottstadt an, damit ist eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die zum Staatstreich führt. Weshalb die aufrechten Königreich-Demokraten all ihre Tüftler-Phantasie und ihren Mut zusammennehmen müssen, um wieder Herr der Lage zu werden.

Das geht über viel Action mit fantasievollen Waffen und Tricks und Propellern und Kugeln, die selber lachen, wenn sie geschossen werden.

Mehr Wundertüftlerwelt als stringente Story. Die Geschichte wird immer wieder kommentiert von einem Moderator (auch er selbstverständlich eine aus Schrotteilen gebastelte Figur) am Schrott-TV.

Die Ritter verteidigen Schrottland bis auf die letzte Schraube. Und die Prinzessin will mit den Rittern als Straßenmusikern Geld verdienen.

Es sind zuviele Story- und Genreelemente in diesen Film gepackt. Dazu hat Tüftler Rösti noch wie Hamlet Begegnungen mit dem Geist seiner Vaters, der ihm aufträgt, sein Werk zu vollenden, den Traum der perfekten Welt statt eines Polizestaates. Und Schäubles Schwarze Null wird auch noch draufgepackt.

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Ein Appellativfilm (siehe die Abgehängten aus aller Welt in Human – Die Menschheit).

Sigrid Klausmann will nach der Idee ihres Mannes, dem Fernsehdarsteller Walter Sittler, den Kindern der Welt eine Stimme geben.

Als verständnisvoller Adressat dieser Stimme (es sind Statements von intelligenten Kids kurz vor der Pubertät von allüberall auf der Welt und in wildem Durcheinander ineinandergeschnitten in der epigonenhaften Nachfolge des Filmes Auf dem Weg zur Schule) haben sich bis jetzt vor allem Jurys von Kinderfilmfestivals erwiesen. Sie können mit der Auszeichnung des Filmes sich als auf der korrekten Seite des Prinzipes Hoffnung wähnen. Man könnte ebenso gut einen Film kompilieren ohne besonderes Talent von kleinen Schweinchen oder kleinen Kätzchen weltweit und ihn, ihm den Niedlichkeitsfaktor attestierend, prämieren, man wäre moralisch ebenso auf der sicheren Seite wie bei diesem Film.

Jetzt wendet sich der Film mit seinem Appell offenbar an das deutsche Kinopublikum, das dann bittschön sich an die Umsetzung der Wünsche machen soll, Rettung der Umwelt, Bildung für alle, Antiatom, gegen Abholzung, für Gerechtigkeit und was der pauschalen Schlagworte mehr sind, die ein Zehnjähriger schon inhaliert haben kann.

Wenn das deutsche Kinopublikum den Film gesehen hat, wird es den Appell gewiss umgehend beherzigen, sich daran machen, die Postulate umzusetzen – somit ist der Weltfrieden garantiert, da kann nichts mehr schief gehen.

Potpourrifilm, Abrisskalenderfilm, Kompilationsfilm, Weltreisefilm, Statementfilm, Konfusdoku.

Von den fördernden Gremien ist zu wünschen, dass sie eine Kopie des Filmes an die entsprechenden Ministerien ihres Landes senden, damit die sich an die Umsetzung der Zukunftswünsche des weltweiten Menschheitsnachwuchses machen. Dann hätte der Film vielleicht doch was genützt.

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