Archiv für die Kategorie: “Film”

Dank 3D, Computeranimation und Kameras, die wie ferngesteuerte Flugzeuge den Raum durchpflügen und queren können, auch in rasendem Tempo, wirkt dieser bombastische Film, als ob man mit einer Zeitmaschine in einer ferne Zeit eintaucht. Es ist sogar eine doppelte Zeitreise, in die uns Baz Luhrmann mit seinem Opus mitnimmt, einmal in die goldenen 20er in New York, in denen der Roman von F. Scott Fitzgerald spielt, zum anderen dank Inszenierungs- und Ausstattungsart in das schwülstige, überladene, erstarrte Hollywood-Studio-Kino der 50er Jahre.

Gatsby verleitet zur Ausstattungsorgien wegen der rauschenden Feste, die er veranstaltet. Diese Mega- und Superlativ-Partys, in denen Tout New York, alles, was irgendwie sorglos war, seine Aufwartung machte, sind an Fülle von Menschen, Kostümen, Masken, Girlanden, Blumen, Feuerwerk, Musik kaum zu überbieten. Das ist das Messbare, das Imitierbare, das Rekonstruierbare am Roman im Gegensatz zum Metaphysischen, was in all dem Pomp und den Kostümen und den Frisuren und rasenden Autofahrten und Texten und Spielart der Schauspieler nirgends zu finden ist.

Was F. Scott Fitzgerald an dieser Gesellschaft durchschaut hat, woran auch das Plakat mit der Brille und den zwei Augen, die hier so leer schauen, was in einer Industriebrache rumsteht und hier wie im Roman immer wieder prominent ins Bild gerückt wird, das was also der Autor und das Plakat sehen, das in einem Film sichtbar zu machen, dürfte wohl kaum gelingen, wenn man sich, wie Baz Luhrmann, von der Überfülle an handwerklich Replizierbarem und in Zahlen von Stoffmetern und Darstellern und Kilowatt Messbarem verleiten lässt.

Der Storyfaden ist, wie es sich fürs Hollywood auch der 50er Jahre gehört, aufs Feinste herausgearbeitet. Der Autor Nick, der das alles beschreibt, kommt zufälligerweise in einer kleinen Behausung direkt neben dem Palais, das der große Gatsby bewohnt, zu wohnen und wird so unmittelbar in die Geschichte hineingezogen. Diese dürfte ihn arg mitgenommen haben, denn die Rahmengeschichte, die allerdings nur einen Anfangsrahmen abgibt und am Schluss nicht mehr vorkommt oder vielleicht erst am Ende des Abspannes, ich musste dann jedenfalls meine Augen vom sehr anstrengenden 3D erholen, das auch immer wieder bei Überblendungen zu verwirrenden Unschärfen führt, diese angeschnittene Rahmengeschichte findet im Perkins Sanitarium statt. Hier wird Nick von einem Arzt befragt, wie das denn alles gewesen sein.

Über diesen Halbrahmen wird auch der Zuschauer in die Geschichte hinein geführt. Nick erwähnt die unerschöpfliche Fülle, diese Vielfalt des Lebens, deren er ansichtig geworden sei; der Film allerdings dürfte den Begriff der Fülle als Ausstattungstipp deutlich missinterpretiert haben; was war die Fülle des Lebens, die Vielfalt, die den Autor Nick so mitgenommen hat? Eher nicht eine zudröhnende Ausstattungsorgie in 3D.

In der Filmrealität erscheint Gatsby wenig geheimnisvoll, obwohl er doch vom Text her genau dies sein soll. Die Begründung hingegen, weshalb er seinen Partyladen am Laufen hält, die wird akkurat gegeben. Es ist Daisy, die er vor fünf Jahren kennen gelernt hat, in die er unsterblich verliebt ist. Sie hat aber, da sie gegen Reichtum nicht unsensibel ist, den reichen Tom Buchanan geheiratet hat. Sein Prunkpalazzo steht am Ufer einer Bucht. Genau gegenüber hat Gatsby den seinigen hingestellt oder gekauft. Er sieht das grüne Licht vom Buchananbau. Es ist der Sehnsuchtspunkt für Gatsby, in dessen Kleidern Leonardo di Caprio steckt. Die Geste, die diese Sehnsucht anfangs und Ende des Films am Pier vor seinem Palast ausdrücken soll, die wirkt allerdings schlicht überdeutlich langsam statt irgendwie geheimnisvoll.

Auch Gatsbys Selbstdarstellungen, seine Erzählung aus seiner Vergangenheit, sind nicht geeignet, ihm Geheimnis einzupflanzen, dass er aus ärmlichsten Landarbeiterverhältnissen stamme – und der Film entblödet sich nicht, auch das noch zu illustrieren -, dann Gatsbys fabulierte, fantastische Kriegsvergangenheit im ersten Weltkrieg in Deutschland und dass er sogar mit dem Kaiser Wilhelm verwandt sein will.

Die Story reduziert sich letztlich auf eine simple Rivalitätsgeschichte, Dreiecksgeschichte, die weiter nicht von Belang scheint, wie es Dutzende, ja wohl Hunderte oder gar Tausende gibt und wie sie sicher schon subtiler und raffinierter und nicht so staatstheaterlich altmodisch, mit filmstudiohaft künstlich ausgeleuchteten Stars gezeigt worden ist und wie sie mit einem modernen Kino, was dem Heute-Menschen unter die Haut gehen könnte, nicht viel zu tun hat.

Gerade auch Glasscheiben, zum Beispiel in offenen Luxuswägen, führen dank der 3D-Brille immer wieder zu irritierenden Effekten, die dem Reiz oder Verständnis der Geschichte keineswegs hilfreich sind, die lediglich die Augen mit zusätzlichen Anstrengungen belasten. Stars fast wie aus dem Wachsfigurenkabinett und aus einer anderen Zeit, das wird durch 3D noch stärker hervorgehoben.

Nick, Tobey Maguire, hat den dankbarsten Part, der natürlichste, der die Geheimnisse von so vielen Leuten anvertraut bekommt.

Ein Hollywood-Schinken mit modernster Technik, der glaubt, der im Roman so scharf beobachteten und analysierten Abwesenheit von Metaphysik mit simplem Verzicht auf Metaphysik Genüge getan zu haben; vermutlich ein teurer Irrtum. Oder vielleicht der Versuch, die Kunst jahrmarktgängig zu machen.

Diese Abwesenheit der Metaphysik, vor allem jedoch die Abwesenheit eines Hinweises auf diese Abwesenheit, Abwesenheit also qua Nichtvorhandensein statt qua Abwesenheitsmeldung zeitigt die schwerwiegende Folge, dass die Wiedersehensszene zwischen Gatsby und Daisy, die Nick in seinem schnuckeligen Häuschen arrangiert, sich aus der Not der doppelten Abwesenheit der Metaphysik mit metaphysikfreiem Kindertheater und Kicherkino behelfen muss und Nick eher als einen plumpen Kuppler denn einen sensiblen Beobachter aussehen lässt.

Ein sonderbarer Schnitt, wie Gatsby aus Wut eine kleine Schirmlampe zu Boden schleudert, erst greift er sie, dann fällt sie mitten aus der Luft weiter.

Diese Leere an Inhalt, dieses Überaugenmerk auf den Augenschmaus führt gezwungenermaßen dazu, da ja keine psychologische Figurführung angestrebt war, sondern Ausleuchten der Stars, und wenns passt mit viel Glycerin für langhaltende Tränen, müssen emotionale Auseinandersetzungen auch immer einen Tick zu laut, zu theatralisch sein. Aber Gott sieht alles. Er wird sich auch mit so einer Schmonzette abfinden können. Denn die Vielfalt nicht nur an menschlichen Wesen, auch an möglichen Kinofilmen ist unendlich, auch wenn ein heutiger Film nur wie eine nach einer längst vergangenen Kinozeit lechzende Replik erscheinen mag.

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Seidl besticht auch hier wie in den zwei anderen Filmen der Paradies-Trilogie mit einer radikalen kinoästhetischen Konsequenz. Das wäre nichts für Anthroposophen. Immer schnurgerade in einen Flur, schnurgerade in ein Zimmer hinein oder die Akteure vor einer Wand fotografiert. Rechte Ecken. Gerade Linien. Und keine unnötigen Kamerabewegungen. So das Guckkastenprinzip vom Theater oder vom Türspion gnadenlos verschärfend.

Radikal aber auch von seiner inhaltlichen Gewichtung her: nicht für Geist, nicht für Visionen, nicht für Pläne von Menschen interessiert er sich. Er schaut sich an, was Leute im Bereich einmal entschiedener Vornahmen, Vorgaben und Pläne, die vorgeblich ihrem Glück dienen, tun. Wobei er in diesem Tun doch primär von den fleischlichen Vorgängen entzückt zu sein scheint. Von der Schwerkraft des Fleisches und nicht der erhebenden Kraft des Geistes.

Hier geht es um fette Mädels und Jungs. Melanie, die Tochter der Hauptfigur aus „Paradies Liebe“ und die Nichte der Hauptfigur aus „Paradies Glaube“, soll im Sommerurlaub, während ihre Mutter in Kenia Schwarze zu ficken und die Tante Menschen zu missionieren versucht, in einem Diät-Sommercamp nicht nur abspecken, sondern auch zu einer gesunden Ernährung finden.

Die Tante bringt sie hin. Im Camp selbst interessiert Seidl, wie die Gruppen adrett angezogen im Gänsemarsch ausrücken oder einmarschieren oder überhaupt marschieren. Wie sie in Einerkolonne walken. Wie sie im Flur zur Strafe in Reih und Glied stehend die Arme hochhalten müssen. Wie die Mädels im Zimmer liegen und Kissenschlachten machen oder auch über „das erste Mal“ sich unterhalten, wie sie mit ihren Handys telefonieren. Wie sie vermessen werden, wie sie schwimmen, wie sie Gymnastikübungen machen, Kniebeugen und Purzelbäume oder Sprossenwandhängen. Wie sie vor die Zimmer treten müssen.

Eine kleine Verführungsgeschichte ist eingebaut. Melanie verliebt sich in den Arzt, der vor den Untersuchungen sich auf die Patientenliege hinfläzt und Zigarette raucht. Sie lässt sich gerne und oft von ihm untersuchen. Macht sich schick dafür. Was dank der Seidl-Kino-Aesthetik mehr wie ein physisches Protokoll denn als ein seelischer Vorgang geschildert wird, warum er mir so leer vorkommt und so wenig inspirierend. Eine aufs Fleischliche reduzierte Sicht des Menschen. Mit diesem Fokus wird eine Art Wahrhaftigkeit vorgegaukelt. Gegen die Macht des Fleisches ist kein Kraut gewachsen. Das kann dem Kino die Magie austreiben.

Vom Narrativen her gibt es noch ein nächtliches Abenteuer von Melanie und einer ihrer Zimmerkumpaninnen und bei einem Ausflug einen Verführungsspaziergang mit dem Lehrer in die freie Natur. Das Gewöhnliche am Fleischlichen. Das Austauschbare daran. Das Fleisch ist die Hoffnungslosigkeit. Denn das Fleisch wird verwesen. Negativtheologie des Ulrich Seidl. Zelebrieren der Negativausstrahlung und Negativtheologie des Fleischlichen. Der Weg alles Fleischlichen. Vielleicht sollte Seidl Schauspiellercoach werden, denn seine Darsteller agieren unverkrampft und natürlich.

Sicher wird es möglich sein, anhand solcher Thesenfilme, die behaupten vom großen Thema Paradies zu handeln, die faktisch jedoch nur von der Vergänglichkeit alles Irdischen erzählen, Diskussionen zu beginnen. Ich wüsste aber nicht worüber. Denn wenn mir einer erzählt, alles Fleischliche ist irdisch, so kann man ihm nur beipflichten und sagen, gut, das das habe ich auch schon vermutet, das brauche ich mir nicht extra in einem Film noch vorführen lassen.

Imponierend an dieser Trilogie ist immerhin, dass Seidl jede Premiere bei je einem anderen der wichtigsten europäischen Filmfestivals gehabt hat. Cannes, Venedig und Berlin.

Die Hoffnung zeigt sich rein bildnerisch: dass meist bei den Frontalaufnahmen in Zimmer und Flure, hinten oder zumindest seitlich eine Lichtquelle sich befindet. Da könnte Christus der Erlöser auftreten. Oder vielleicht kommt doch noch ein Kinogott.

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Diese Dokumentation von Mario Schneider ist es durchaus wert, im Kino angeschaut zu werden. Dokumentation verstanden als erlebnishafter Bericht aus einer fremd-nichtfremden Welt.

Mario Schneider hat sich ein Dorf im Schatten einer gigantischen Bergbau-Abraumhalde in Ostdeutschland vorgenommen. Hier erzählt er über die Figuren der drei Protagonisten, das sind die Schulbuben Tom, Sebastian und Paul, vom familiären Alltagsleben im Dorf und als Ziel- und Höhepunkt seiner Dokumentationsdramaturgie von einem uralten Pfingstbrauch, der den Winter vertreiben soll.

Den Storyfaden baut er in die Beobachtungen nur sporadisch ein, um dem Film genügend Luft für stimmungsvolle Bilder um kleine Begebenheiten und immer wieder filmmelancholische Ansichten vom Dorf und der Abraumhalde einzuflechten. Wie zum Beispiel die „Rosen“ hergestellt werden für die farbenprächtigen Hüte der Jungs, die in ganz weißer Kleidung und mit bunten Bändern an den Hüten zum Fest erscheinen oder die Peitschen, die zum Knallen zu bringen sie immer wieder üben.

Aber auch Schulstunden fehlen nicht. Deutsche Sprache – schwere Sprache. Die Assoziationen sind ortsverbunden, da liest einer automatisch Stoffkleber auch wenn Stopfleber im Lesebuch steht. Oder wie die Eltern, meist die Mütter, bei den Hausaufgaben helfen.

Essen ist eine wichtige Angelegenheit. Mal in der Familie, mal richtet sich ein Bub das selber her. Schlachter wäre ein schöner Beruf. Wenn man als Kind zuschauen kann, wie zu Hause ein Kaninchen oder gar ein Schwein geschlachtet und ausgenommen wird. Das wird eine Festtafel geben.

Mario Schneider hat es geschafft, ein vertrautes Verhältnis zu den Familien herzustellen. Er scheint wie dazugehörig, selbst wenn die Buben zu Bett gehen oder wenn sie geweckt und angezogen werden für den großen Tag. Er stellt auch Fragen. Was sie von Gott halten. Oder wie sie sich ihr Leben mit dreißig vorstellen.

Er zeigt die Väter in ihren Familien. Es sind Männer, die man eher am Steuer eines LKWs oder beim Schlachten sich vorstellt denn als fürsorgliche Familienväter. Die Eltern eines der Jungen bestehen aus zwei Frauen, zwei Mütter. Der leibliche Vater kommt zu Besuch und schenkt moderne elektronische Spiele, die dem Buben gefallen.

Faszinierend sind die Archivaufnahmen von einem Pfingstfest tief in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Kamera muss eine Sensation gewesen sein. Wie die Menschen ärmlich gekleidet waren und auf die Kamera glotzen. Heute sind die Kinder gekleidet wie in einem modernen Industriestaat irgendwo in Deutschland, in Europa oder sonst wo auf der Welt.

Es ist abzusehen, dass einige das Dorf verlassen werden, sobald es um Bildung und Beruf geht. Als kleine Referenz auf die Kameragucker aus dem Archivmaterial lässt Schneider als launige letzte Sequenz die Schulkinder vor der Kamera sich aufstellen und sie dürfen Gaudi mit dem Objektiv, den imaginierten Zuschauern machen.

Das Fest selber hat überraschende Knaller bereit, die weit entfernt von Etepetete aber auch von sinnlosem Besäufnis sind. Es wird hart zur Sache gehen in einem eigens vorbereiteten Schlammtümpel – da bleibt kein weißes Hemd weiß.

Kino verstanden als Ersatz für eine Reise zur Entdeckung des Besonderen im vermeintlich Gewöhnlich-Alltäglichen – was interessiert uns der Osten. Um das alles zu erleben, was dieser Film sorgfältig montiert, wobei die Einsätze klassischer Musik gar nicht nötig gewesen wären, die Angst braucht Schneider nicht haben, die Angst vor der Leere, um das alles zu erleben, müsste der Zuschauer bestimmt einige Zeit im Mansfelder Land verbringen. Und mit Dreck bespritzt wird er beim Kinobesuch auch nicht.

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Er würde gerne küssen und kann doch nicht. Wolfram Huckes Eigen-Unglücks-Dokumentation habe ich schon anlässlich des München DOK.fest referiert http://www.filmjournalisten.de/2013/05/08/love-alien-dok-fest/

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Systematisch-hochindustriell hergestellte Animationskreativität, die vor nichts mehr Angst halt als vor der Lücke, davor, man könnte etwas schon gesehen haben, es könnte Langeweile eintreten, der Zuschauer könnte zum Distanz und Atem holen sich kurz zurücklehnen; damit diese Gefahr noch geringer wird, wird das Ganze auch noch in 3D gezeigt, damit die Distanzierung noch kleiner ausfällt; damit vielleicht noch weniger auffällt, wie stereotyp die Geschichte ist: das kleine Mädchen, was kein kleines Mädchen mehr ist und nach langer Zeit seinen Vater wieder besucht und hofft von diesem wahrgenommen, anerkannt, bemerkt zu werden.

Der Vater ist ein Besessener, ein Forscher in einem Traumurwald, wie er genau zu einem rekordsüchtigen Animationsfilm passt. Er bewohnt ein ausladendes Holzhaus mit genügend Raum für seine Forschungen. Er will die Existenz von Kleinstlebewesen, Feen oder Zwergen beweisen. Mehr als Indizien hat er allerdings nicht in der Hand. Er hat noch keines dieser Feenwesen, dieser Fabelwesen, dieser Trolle oder was auch immer zu Gesicht bekommen. Obwohl er den Urwald mit einem systematischen Netz von fernsteuerbaren, hochauflösenden Kameras überzogen hat und er selbst für die Feldforschung wie ein uralt-modischer Tropenforscher mit einem merkwürdigen Helm ausgerüstet ist, der mit High-Tech-Kameras und Scheinwerfern sein Augenlicht verstärken soll.

Wenn von einer der im Urwald installierten Kameras ein Alarm kommt, dann rennt er wie ein Verrückter los, wie irre in der Hoffnung, endlich die kleinen Wesen zu Gesicht zu bekommen. Jagdfieber als Sucht, als Krankheit.

Sein Töchterchen taucht unverhofft und unangemeldet bei ihm zu Besuch auf. Mit Flugreiseköfferchen. Nach langem an ihr Vorbeirennen nimmt Papa, der garantiert kein Papablut, wenn überhaupt welches, in sich hat, sie endlich wahr, bringt sie auf ihr noch intaktes Kinderzimmer, wird aber ständig vom Feen-Alarm abgelenkt.

Das Töchterchen ist enttäuscht und will schon wieder abreisen. Da aber pfuscht ihr die Feenwelt, dieses Lilliputreich dazwischen. Glückliche oder unglückliche Zufälle wollen es, dass die junge Frau selbst auf Feenformat geschrumpft und in die wahnwitzigen Auseinandersetzungen um die Königin des Guten hineingezogen wird. Diese Königin in einem Reich, in dem alles grün und farbig und nett und plauschig fast plüschig wirkt, obwohl doch Urwald ist und die mannigfaltigsten Kreaturen um sie herum kreuchen und fleuchen und Massen und Mengen insektenähnlicher Völker.

Aber es gibt die Welt des Bösen, auch das gnadenlos konventionell. Die beiden Welten liegen im Clinch. Irgendwann ist die Feenkönigin verschwunden. Es gibt eine Blumenknospe als alleinige Hoffnung auf Rettung – und auch darauf, dass unser Mädchen wieder zu menschliche Größe wachsen kann. Dazu muss diese Knospe zu Vollmond an einer bestimmten Stelle zu liegen kommen.

Bis dahin werden wir Tausende von bösen und guten und skurrilen Wesen zu Gesicht bekommen, eine Weinberg- und eine Nacktschnecke werden unser Vertrauen zu gewinnen versuchen und auch ein männlicher Held, der auf pferdeähnlichen Insekten reitet, hofft auf Sympathie. Die Überfülle an Fauna und Flora, die ein riesiges Lexikon ausfüllen könnten, haben sich die industriell Kreativen ausgedacht und haben sie animiert und auf einander losgelassen, sie durch die Luft fliegen lassen, sie Pfeile abschießen lassen, Bäume fällen, sich verstecken in Gruben und Löchern, Fechtkämpfe auf dünnsten Stegen austragen, waghalsige Über-Kopf-Klettereien an der Schleimspur von Schnecken, eine Fauna, die belebt ist wie in der Fabel, jeder Pilz, jedes Gras, jede Wurzel, jede Astgabel bekommt ein eigenes, Minimenschlein-Leben, Farn entfaltet sich zum prächtigen Türrahmen fürs Schloss der Königin.

Und weil die Filmemacher dem noch nicht trauten, dieser übertoppenden Fütterung des Zuschauers mit Bildern und Action, haben sie auch noch eine unglaublich voluminöse Musiksauce darüber gelegt, so dass gewiss niemand brutal Härte oder Einsamkeit empfinden oder in ein Bilderloch fallen muss, sondern das gesamte Publikum in den weichen Wogen der Musik gleichsam wie mit Geist eindämmerndem Gift beträufelt wird.

Sie wollen alles overtoppen, dass man sich an nichts halten kann, obwohl das kleine Mädchen, die zum Minimädchen gewordene junge Frau, die Hauptfigur ist und doch auch das Motiv hat, zu ihrem Vater eine Beziehung aufzubauen.

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Hier dominiert die Manhunt, die Jagd nach dem Bösewicht Khan, lieber alive als dead soll er gefangen werden, und so füllen den Film vor allem Kämpfe, Mann gegen Mann, Jagden, Explosionen; was neben dem witzigen „Iron Man 3“ trotz noch so moderner Film- und Computertechnik leicht altbacken wirkt.

Die erste Phase des Filmes bringt urweltlich Gemäldehaftes, Eingeborene in weißen Masken, gelben Tüchern über eine Art Toga gehängt, drängen durch meterhohes rot angemaltes Röhricht auf der Jagd nach zwei Kapuzenmännern wie Mönchen, die sich durch einen gewagten Sprung ins Wasser retten können, um unter Wasser zu ihrem abgetauchten Raumschiff zurückzukehren.

Einer aber blieb auf vulkanischem Gestein zurück. Spock. Rettungslos, wie es scheint, die feurigen Lavamassen kommen immer näher, immer höher. Ein Regelverstoß der Mannschaft im Schiff ermöglicht die Rettung.

Regelverstoß ist jedenfalls eine weiteres Thema in diesem wieder überflüssigerweise in 3D vermarkteten Überlangfilm, Blockbusterfilm. Die moralisch-ethischen Paramater eigentümlich in eine Antiterrorkriegstheorie eingebettet, wie erwähnt Menschenjagd, Regeln, das scheinen die viel wichtigeren Werte zu sein, als das Team, die Raumschiffmannschaft oder die Erkundung neuer Welten, das Abenteuer.

Der Stellenwert des Teams wird zwar später als theoretischer Wert angesprochen, wie auch das gesamte Ziel des Unternehmens, nämlich in unbekannte Weiten des Universums vorzudringen, um das Wissen der Menschen zu erweitern, sinnlich höchstens in einem Moment erfahrbar wird. Sonst dominiert Kommandostruktur, Scherze, die zeigen sollen, dass wir noch Menschen sind, oder Bemerkungen über Spock, der ja nur halb ein Mensch sei; andere Figuren, die komisch sein sollen, wie der russische Techniker oder Scotty (Scotty um des Scotty willen).

Oder schön heldisch wie Kirk. Es dominiert ansonsten der Bierernst der Rettungssituation, der Beförderungssituation oder der Degradierungssituation. Es fehlt der Charme. Die Steh- und Textaustauschparties kommen verwackelt daher. Dass der Böse eben „on the run“ sei und eingefangen werden müsse. Oder die Ehre, dass Scotty in dem Falle, dass ein bestimmter Torpedo – Killerdrohne? – an Bord sei, die Leitung niederlege.

Es ist eine oft brutale Welt, wenn es ums Kämpfen geht. Der Film zeigt Figuren in einem strengen Regelwerk. Die allerdings physisch oft durchgeschüttelt werden, wenn wieder feindliches Fluggerät die Verfolgung aufgenommen hat. Es ist ein Krimi. Der gejagte Khan ist ein Krimineller. Relevanz ist von Relevanz. Regelwerk und dessen Verletzung spielen eine Rolle. Krieg spielt eine extrem wichtige Rolle. Obwohl es doch Star Trek und nicht Star Wars heißt im Titel, was ganz andere Assoziationen auslöst.

Die Sicherheit garantieren. Pull the trigger. Welcome aboard. Scuse me, kleiner Joke. Letztlich entscheidet der Faustkampf. Shall I destroy you, Mr. Spok? Ich erfülle Ihre Bedingungen, nun erfüllen Sie meine. Die Systeme brechen zusammen, keine Chance mehr, die Energie zu regulieren. Da helfen nur noch Fußtritte von Kirk, der sich an den Armen festhalten kann. Dann ist es natürlich ein Wunder. Ja, Sie haben mein Leben gerettet und vice versa.

In einer feierlich-amerikanisch patriotischen Feierstunde wird zum Ende hin der eigentliche, der wahre, der traditionelle Gehalt von Star Trek feierlich angemahnt: friedlich andere Welten kennen zu lernen. Hier haben wir allerdings nur eine über und über bekannte, sicher gut gemachte, aber gut ist so eben nicht gut genug, Actionwelt kennen gelernt.

Nun soll es auf eine 5-jährige Reise gehen.

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Da hatte ich doch glatt nach Verlassen des Kinos kurzfristig die Pin-Nummer für meine Bankkarte vergessen, so hat mich dieser weltallphilosophische Film von Peter Mettler, der mit Alexandra Gill auch das Buch geschrieben hat, rausgerissen aus meinem Alltag.

Dabei ist die Präsentation der Fakten und Vorgänge und Beobachtungen vom Werden und Vergehen, von Zerfall und Umwälzung und die Fragen nach Raum und Zeit überhaupt nicht auf sensationell getrimmt, eher mit diesem typisch schweizerischen Understatement vorgetragen. Wobei es sich doch um aufregende Dinge handelt.

Es gibt eine Erzählerstimme und auch Stimmen von Interviewpartnern, die werden aber gar nicht als Individuen personifiziert. Was ist schon der Name? Was ist schon ein Name? Diese Frage wird gleich eingangs gestellt. Dabei ist alles nicht neu und der Film folgt nicht einmal einem stringent narrativen Muster, was für einen Dokumentarfilm von Vorteil sein kann. Eher orientiert er sich an der Art illustrierter Zeitungen mit Themenschwerpunkt.

Wobei der Film am Schluss zu einem Finale Experimentale Furioso anhebt, in dem die ganzen Strukturen, Konvulsionen, Eruptionen sich zu einem großartigen Bildorchester vereinen. Bevor wir die Mutter des Autors erleben, wie sie uns auf die alltagsmenschliche Ebene zurückholt mit der Definition von Glück, wie sie in einem Buch von Dostojewski zu finden ist: Glück sei Zeitlosigkeit, Glück brauche keine Zeit.

Die Philosopheme, die Philsophiererei, die wissenschaftlichen Populärgrunderkenntnisse im Film, die kennt jeder, der schon mal in einer lauschigen Sommernacht in der freien Natur fern einer Stadt unter dem Sternenhimmel gelegen hat. Dabei ist von Gott hier nicht die Rede. Die Grundgröße ist der Raum und die Zeit und die Relation der beiden mit ausdrücklichem Bezug auf Einstein.

Die kleine Reise zu den Zeitstationen fängt in 30 Kilometern über der Erde an. 1960 ließ sich Joe Kittinger in einem Heißluftballon auf diese Höhe über der Erdoberfläche transportieren um anschließend hinunterzuspringen. Da ihm Vergleichsgegenstände fehlten, konnte er gar nicht sagen, ob er das Gefühl hatte, schnell zu sein. Die Zeit stand still.

Es stellt sich die Frage nach dem Beginn der Zeit. In der Nähe der Frage nach dem Urknall anzusiedeln. Nach diesem forschen Wissenschaftler in Genf beim CERN (die technische Ausstattung dort, die Apparaturen, die Rohre und Gänge sind eine Sci-Fi-Bild-Strukturwelt für sich), indem sie im größten Teilchenbeschleuniger der Welt, einem über 20 Kilometer langen Tunnel, durch den die bekanntest kleinsten Teilchen zum Zusammenprall gebracht werden sollen, nach Hinweisen auf die allerkleinsten kleinsten Teilchen suchen. Hier löst sich alles in Struktur auf.

Zwischen die Besuchsstationen schneidet Mettler Wolkengebilde im Zeitraffer, in Zeitlupe, Blitze, Regen, Regenbogen, kontemplative Bilder steter Veränderung, begabte Bild-Spielereien, Versuche, sich dem Unvorstellbaren zu nähern, der Zeit, dem, was jenseits der Physis sein mag. Wie nehmen wir Zeit wahr? Wie Veränderungen im Zeitraffer, in der Zeitlupe?

Um dem näher zu kommen, besucht der Filmemacher einen Zivilisationsflüchtling, der allein auf einer Vulkaninsel lebt. Für ihn kann sich die Zeit sowohl ziehen als auch sehr schnell ablaufen. Kaum los kommt hier unser Filmemacher von ganz langsam ins Tal sich quälenden, glühenden Lava-Asche-Strömen, wie sie noch die letzten Pflanzen unter sich begraben, ein Faszinosum sondergleichen.

Ein anderer Ort der Zerfalls ist Detroit. Straßenzüge leerstehender Häuser oder nur in einzelnen noch menschliches Leben (und das mitten in unserer prosperierenden Wohlstandsgesellschaft; da wo Ford einst die Arbeiter Autos vom Fließband bauen ließ, war später ein Prunk-Kino, heute bildet die leere Hülle des Hauses einen überdachten Parkplatz). Ein Eisverkäufer samt Wagen mit sorgloser Musik dreht in den halbverfallenen Straßen seine Runden.

Die Buddhisten würden die Zeit am liebsten negieren. Das erfahren wir in einem Buddha-Tempel, denn es gibt keine Zeit an sich. Wir wohnen einem buddhistischen Begräbnis bei, wie der Leichnam auf einem Scheiterhaufen in der freien Natur verbrannt wird.

Mit Teleskopen kann der Mensch in ferne, vergangen Galaxien schauen, wenn er von bloßem Auge zwei Milliarden zurück sehen kann, so sind es mit den Teleskopen ein mehrfaches davon. Faszinierend ein Zeitraffer über eine ganze Nacht, wie der Sternenhimmel mit Kometenschweifen sich über den Teleskopen dreht.

Aufregende Glutbilder auch von der Sonne, der die Wissenschaftler noch 6 Milliarden Jahre bis zu ihrem Tod geben. Das Schlusswort spricht am 9. Mai 2010 die Mutter des Filmemachers in Canada, denn sie spricht Englisch, betont aber, dass sie Ausländerin sei. Wohl der letzte Drehtag dieser kanadisch-schweizerischen Koproduktion. Ein festes, klares Datum. Es muss der Muttertag gewesen sein. Womit der Übergang zu einem Film zum Thema Mutter Erde vielleicht gegeben wäre, nach diesen doch primär abstrakten Erläuterungen zu wunderbar eruptiven, konvulsiven, das Gedeihen und Verderben, den Kreislauf des Seins illustrierenden Bildern.

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Die Hauptfigur ist India Stoker, gespielt von Mia Wasikowska. Sie wird als eine junge Frau vorgestellt, die hochsensibel ist, hypersensibel. Sie sieht Dinge, die andere nicht sehen. Sie hört Dinge, die andere nicht spüren. Sie durchschaut Familie als einen Ort tödlicher Liebe. So kann das vielleicht interpretiert werden, falls dieser Film ein Halbwachtraum von India ist.

Ein einfühlsamer Bewusstseinsstrom, den uns Chan-wook Park hier höchst künstlerisch nach einem Buch von Wentworth Miller und Erin Cresida Wilson angerichtet hat. Es mischen sich Vergangenheit und Gegenwart der Familie Stoker. Nicole Kidman ist die Mutter Evelyn Stoker. Der Vater Richard, der ist ums Leben gekommen bei einem furchtbaren Unfall.

Vielleicht sind es Trauerfantasien, Traueralpträume, die der Film uns schildert, ein Film, der auch innehalten kann, der zurückblättern kann zu einer vorhergehenden Szene. Der in den Briefen blättert, die der Bruder des Vaters, Charles, seiner Nichte India geschrieben hat, wie sie noch klein war und er in aller Welt unterwegs.

Charles taucht auf bei der Beerdigung seines Bruders. Und bleibt vorerst in der vornehmen Villa. Die Stokers scheinen gut betucht zu sein. Personal ist vorhanden. Frau Stoker wäre selbst unfähig im Haushalt mit anzupacken. Ihre Augen richten sich jetzt auf Charles. Das tun aber auch die Augen von India. Sie ist versonnen, in sich gekehrt. Sie kann sich vieles vorstellen, was in dieser Familie alles passieren könnte, passiert sein könnte.

Die Chefin des Hauspersonals, Mrs. McGarrick ist plötzlich verschwunden. Genau so wie die Tante aus England, Gwendolyn. Sie wollte sich unbedingt allein mit Evelyn unterhalten. Aber das war nicht leicht. Sie ist in einem Motel abgestiegen. Ließ sich mit der Taxe dorthin chauffieren. Fuhr aber in ein anderes Hotel. Unregelmäßigkeiten in den Aussagen der Menschen.

Dann wieder Erinnerungen. An den Vater. Mit dem ging India gerne auf die Jagd. Er stopfte alle von ihr geschossenen Tiere aus. Vor allem Federvieh. Pistolen spielen mit. Eine blaue Wasserpistole. Und eine schwarze, schwere, echte. Aus Schubladen oder aus mit gelben Bändern verpackten Schuhschachteln kommen Gegenstände. Jedes Jahr ein neues Paar Turnschuhe. Morbidität wird zelebriert. Schwer dahinter zu kommen.

Wer sind die Blooms? Piano spielen. Ein Metronom kann auch nerven. Die Zeit laut bemerkbar machen. Klavierspielen vierhändig mit dem Onkel. Ein Film im Schwebezustand. Der immer wieder in Vergangenheit oder Vorstellungen abdriftet. Die Highschool von Middlebend hat Jungs, die in die Vorstellungswelt von India Eingang finden. Anmache und Selbstverteidigung. Die Liebe wollen und nicht wollen. Hin und her gerissen. Blutige Enden in der Fantasie.

Der Gürtel des Vaters dringt immer wieder ein in diese Fantasiewelt. Sein Bruder trägt genau so einen. Was Gürtel allein für Bilder der Angst auslösen können. Und immer wieder. India geht normalerweise nicht zum Pöbel. Nicht zur neongrell erleuchteten Bar „Rockets“, wo die jungen Männer mit ihren Motorrädern sich aufhalten. Aber dort ist Whip anzutreffen, ein Mann, vor dem sie vielleicht nicht so viel Angst haben muss. Schöne Ausrede, wie India alles hinter sich lassen will, mit dem Jaguar-Cabriolet viel zu schnell über die Landstraße braust und der Sheriff sie anhält. Sie entschuldigt die Geschwindigkeitsübertretung mit den Musikbegriffen vivace affectuoso. Hier gibt der Film sich selbst sein Etikett. In diesem Film jedenfalls können weiße Blumen nicht weiß bleiben, wenn drumherum Blut spritzt; aber auch rote Blumen sind doch filmschön.

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Ein düsterer Film. Düstere Bilder. Wenig Hoffnung. Ein Pessimismus-Gemälde aus Bulgarien mit deutscher Unterstützung. Drehbuch: Borislav Chouchkov und Viktor Chouchkov, Regie: Viktor Chouchkov.

Wenig Licht in den Szenen. Wenig Licht im Drehbuch. Wenig Licht in der deutschen Synchronisation, die wie der Sargdeckel auf das Ganze wirkt. Bulgarien 1989. Noch vor dem Fall der Mauer. Ein Film mit einer Hauptfigur, die eine für die dramaturgische Entwicklung entscheidende Liebesgeschichte durchmacht, die aber nicht als Hauptfigur geschrieben ist. Viel mehr werden alle Figuren wie in einem beamtenhaften Protokoll von außen betrachtet. Entsprechend unpersönlich wirken die Sätze. Das wirkt düster.

Stash, Gogo, B-Gum und Angel sind vier Freunde, just erwachsene Burschen, die im Sofia des Kommunismus zusammen abhängen, verbotene Geschäfte mit Pornos für Snake betreiben, eher soft, nach dem bayerischen Dirndl-Porno, der am Monitor ab Kassette läuft, soft oder hart ist immer die Frage. Sonst stehen sie auf Skate-Boards, ein im Osten gefragter West-Import. Nebenher haben sie Spielautomaten, solche, bei denen ein Tilt möglich ist, wenn du zu sehr rüttelst am Automaten, um der Kugel zu helfen, kann eine aussichtslose Situation entstehen, bei der man aufgeben muss.

Nicht so im Leben, findet am Ende unsere Hauptfigur. Das ist Stash. Der verliebt sich in Becky. Liebe auf den ersten Blick muss es sein, nicht aufgrund der Inszenierung, sondern aufgrund der Handlung, dass er nämlich auf seinem Skate-Board halsbrecherisch den Bus verfolgt, in dem Becky hinten drin am Fenster zu sehen ist, die Kopfhörer auf. Bis Stash einen Unfall baut. Ab da hat er einen Gips am Bein. Dumm an der Geschichte ist, dass B-Gum auch auf Becky steht und sie für seine Braut hält. Ferner, dass der Vater von Becky ein Oberst aus der Diktatur ist. Der ist strikt gegen die Liaison. Lässt die Boys auffliegen. Droht ihnen mit Gericht und jahrelangem Gefängnis. Aber wenn Stash sich von Becky fernhält, so will er ein Einsehen haben.

Es folgen viele Szenen, wie die vier Burschen in einen leeren Büroraum zitiert werden. Und warten, warten, warten. Nach Stunden taucht der Oberst, eine weitere deprimierende Figur, auf und entlässt sie. Vorladung als reine Schikane. Am nächsten Tag haben sie sich wieder zu melden.

Es folgt der Mauerfall. Die Jungs wollen über die DDR in den Westen. Allerdings ist inzwischen das Misstrauen gegen B-Gum, der ein unsauberes Spiel zu spielen scheint, gewachsen, so dass er nicht mit von der Partie ist. Aber Becky fährt mit im Zug. Grenzkontrolle. Becky wird aus dem Zug genommen. Die Jungs sind verraten worden. Düstere Welt. Sie arbeiten in Westdeutschland als Totengräber. Verdienen sich ein Geld. Leben in deprimierenden Unterkünften. Alkohol ist ihr Lebenselixir. Stash kann Becky nicht vergessen. Schreibt und versucht zu telefonieren. Keine Post kommt an. Die drei Jungs wollen zurückkehren. Sie haben ein bisschen Geld verdient.

Wie sie wieder in Sofia sind, haben sich ein paar Dinge geändert und einige nicht. Die Liebe von Stash zu Becky ist geblieben. Aber sie scheint kein richtiges Verhältnis zu dieser Liebe zu haben. So deprimierend protokollarisch, wie diese Story hier kurz zusammengefasst ist, so deprimierend wirkt sie im Film. Weil die Figuren nicht als solche mit Konflikten und Sehnsüchten dargestellt werden, sondern nur protokollarisch ihre Handlungen wiederkäuen nach Drehbuch.

Dieses Deproprodukt wurde von deutscher Seite von der Mitteldeutschen Medienförderung gefördert (Geschäftsführer Manfred Schmidt).

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Das Starlet ist hier nicht der Star, es ist ein Hund, eine mexikanische Hündin mit einem männlichen Vornamen, weil Jane noch bevor sie ihn gekauft hat, sich diesen Namen ausgedacht hat, und das erzählt schon sehr viel über diese eine der beiden Protagonistinnen in diesem Film.

Jane wird gespielt von Dree Hemingway, eine Urenkelin des berühmten Ernest, aber das ist eher ein zusätzliches Flair, was diesem Film verliehen wird, der überhaupt durch den internationalen Mix an Namen in Crew und Besetzungsliste für ein vibrierendes lautmalerisches Gedicht herhalten könnte: Sean Baker und Chris Bergoch als Autoren, Sean Baker als Regisseur; Besedka Johnson – sie ist vielleicht die wahre Entdeckung in diesem Film, Tochter eines Stummfilmstars, die davon geträumt hat, Schauspielerin zu werden, und jetzt mit 86 Jahren ihren Traum erfüllt und die nicht ein Fältchen im Gesicht wegretouchiert hat, das gibt ihrer Figur soviel Wahrhaftigkeit, James Ransone als Mikey, weitere Namen, die als solche musikalische Aura verbreiten, die sich einfach gut anhören: Asa Akira, Dean Andre, Dave Bean, Liz Beebe, Manuel Ferrara, Cesar Garcia, Tess Hunt, Kurt Leitner, Michael Adrenne O’Hagan, Eliezer Ortiz, Nick Santoro, Josh Sussman, Victoria Tate, Karren Karagulian, Amin Joseph und beim Stab und der Produktion: Blake Ashman, Giancarlo Canavesio, Kevin Chinoy, Julie Cumming, Patrick Cunningham, Spaemi Kim, Saerom Kim, Chris Maybach, Francesca Silvestry, Radium Cheung; also diese Klanghaftigkeit der Namen auch das ist nur ein periphere Sphärenerscheinung, die ganz gut passt zu diesem merkwürdig pastell gehaltenen Bildwerk, in welchem sogar Stromautobahnen poetisch wirken, fast beschützend.

Dieser kinematographische Zauber, der auch von der vollen Hingabe der Macher, des Teams und der Darsteller an den Film erzählt, umhüllt eine Story, die merkwürdig gespreitzt oder auf den ersten Blick simpel erscheint. Jane ist ein Pornosternchen, was nicht besonders gut im Geschäft ist; Geld ist immer ein Problem. Sie kann bei einer Kollegin und deren Macker wohnen. Sie möchte aber das leere Zimmer, das auch für Drehs verwendet wird, persönlich einrichten, vielleicht bei Ikea. Ihre Kollegin findet das sei zu teuer, sie solle sich auf Flohmärkten umschauen.

Jane folgt ohne Umstände oder Einwände dem Rat, angenehm unkompliziert; keine Bedenken, keine Widerrede; das erzählt viel über sie – und auch über Mikey und Melissa– dass eigentlich egal ist, was sie machen, welche Story sie uns vorspielen; es ist immer so, als täten sie es bloss für ein Fotoshooting; fast blasiert, obwohl das wieder zu negativ sich anhört; einfach immer schön, ganz abgesehen von der durchgehend sexy Bekleidung, die sehr knapp sein kann, wie Hot-Pants nur knapp sein können. Schönheit als Selbstzweck zelebriert und gelebt; es gibt keinen Pragmatismus, keine Gewinnmaximierung, keine Zwänge will es scheinen. Man ist. Man ist schön. Man ist fotogen. Man freut sich auf das nächste Shooting.

Sicher, es gibt Auseinandersetzungen, sogar einen Rauswurf, weil Melissa die Zwanglosigkeit zu sehr praktiziert und nicht erscheint zu einem Termin.

Dee Hemingway kommt von einer Karriere als Fotomodel; was ihren Bewegungsabläufen bestechende bis provokante Faszination verleiht. Ein Hingucker.

Auf ihrer Flohmarkttour ersteht sie eine alte Thermoskanne. Sie hält sie für eine Urne und will sie als Vase benutzen – vielleicht schon ein Hinweis auf die ungewöhnlich ruhig-berauschende Friedhofsszene am Schluss; die alte Dame, die diese Kanne anbietet, ist Sadie und äußerst kurz angebunden in ihren Antworten.

Zuhause nimmt die Geschichte eine Wendung, die konträr zu bisher konsequent blasierten Atmosphäre ist. Jane findet in der Thermoskanne 10’000 Dollar in alten Scheinen und zu Rollen gerollt. Hier bricht jetzt, irgendwie aber auch nicht kochend, eher fast theoretisch, der Gewissenskonflikt in ihr aus, ob sie das Geld zurückbringen soll oder nicht. Gebrauchen könnte sie es. Ein langmütiger Konflikt.

Erst fährt sie wieder zu der Dame, denn sie hatte ihren Krempel vor ihrem Haus zum Verkauf angeboten, und will die Kanne zurückgeben. Sie bekommt durch die geschlossene Tür nur zu hören, dass nichts zurückgenommen werde. Ihr Gewissen gibt aber keine Ruhe. Jetzt wartet sie vor dem Haus in ihrem Auto. Wie die Dame mit einer Taxe wegfährt, nimmt Jane die Verfolgung auf. Schickt den Fahrer, der vor einem Geschäft auf sie wartet weg, bezahlt ihn aus. Und bietet der ratlosen Dame an, sie nach Hause zu fahren. Es ist faktisch ein Stalken, was Jane zu praktizieren anfängt, was wiederum in merkwürdigem Kontrast zu ihrem nonchalanten Bewegungsablauf und der entsprechenden Weltbefindlichkeit sich verhält; was darum auch so schräg, so überraschend wirkt.

Jane folgt Sadie in einen Bingoladen. Die Hartnäckigkeit fruchtet allmählich, anders wäre es nicht zu erwarten, die Annäherung nimmt ihren Lauf bis Jane Sadie sogar den früheren Traum einer Reise nach Paris erfüllen will. Die Bilder erzählen von einem nachlässig-gepflegten Lifestyle, style blaisé, ein gebrochener Fingernagel kann wahre Panik auslösen.

Ein Film in verhaltenem Beige; Farbgebung so, dass aus dem realistischen Bild fast mehr ein Dekor wird so mild und unprätentiös, unaufdringlich elegant wie eine exklusive Seidentapete; wir wollen unsere Geschichte nicht zu laut erzählen; auch ohne diesen oft zu sehenden, nervenden amerikanischen-nervösen, hysterischen Schauspielerhabitus.; eine Aquarellmalerei mit Erdfarben drin.

Hotpants und beinlange Strümpfe mit unifarbenen Kringeln im Oberschenkelbereich.

Ein Besuch in einen vor Jahren schon geschlossenen Zoo, wo Sadie ihren Mann das erste Mal geküsst hat, ein Einschlag von Morbidität in die Geschichte von malerischem Zerfall.
Die Porno-Messe eXXXotica in Downtown L.A.
Die Story ist eine kleine, hm, nicht mal eine Diebstahlgeschichte.
Die Models als schlanke Stuten.
Die Soundspur kongenial zur Bild- und Storyspur.
Im größten, lasziven Getue findet sich noch ein Hauch Menschlichkeit, das ist vielleicht die Botschaft. Aber nicht auf das Auge gedrückt, sondern eher beiläufig zu entdecken.

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