Archiv für die Kategorie: “Film”

Rudelbumsen, Rudelradeln, Rudelsterben, das in etwa ist der Gehalt dieses staatlich hochgeförderten Filmes.

Wobei das Rudelsterben insofern differenziert werden muss, als einer aus dem Rudel sich die Todesspritze geben lässt und der Rest steht belämmert da und gibt Händchen oder steht auf dem Balkon.

Der Rudelbegriff, der im Film selber nur im Zusammenhang mit dem Rudelbumsen erwähnt wird, als einer der Aufgabenstellungen, die sich dieses Rudel Menschen aus verblühender Jugend und zweier namhafter Subventionsstars (die unverzichtbare Hannelore Elsner und der ebenso unverzichtbare Jürgen Vogel, die aber ihren Rollen auch nicht mehr als Rudelidentität abgewinnen können) gegenseitig für die letzte Radtour ihres sterbewilligen Rudelmitgliedes Hannes, Florian David Fitz, gestellt hat, nämlich den Besuch eines Swingerclubs, den der Film als Schlüssellochtratsch dem Zuschauer recht verklemmt darbietet. Ein Gewächs an Film, wie es nur und perverser nicht im hochsubventionierten Filmland gedeihen kann.

Zwei der treibenden Figuren des Filmes haben mit erfolgreichen Erstlingen auf sich aufmerksam und sich einen Namen gemacht. Der Regisseur Christian Zübert als Autor und Regisseur mit “Lammbock” und der Protagonist Florian David Fitz mit Vincent will Meer und sind seither Namen am Subventionshimmel oder Höflinge am Hofstaat der Subvention. Tauschen ihre Kreativität und Eigenwilligkeit gegen den Komfort an diesem Hofe ein und werden belanglos, hier in diesem Falle sogar peinlich und jeder Menschenwürde, auch dem Todesgedanken mit emotionaler Sauce spottend.

Sicher ist es ehrenwert, so ein schwieriges Thema wie aktive Sterbehilfe zu behandeln. Aber dann sollte man das schon genau recherchieren. Auch die Philsophie, dass manche Menschen im Sterben gerne allein sind. Vor allem muss wie im vorliegenden Fall leider nicht geschehen, schon eine tiefere Begründung gegeben werden, dass dieser junge Mann, der noch total fit aussieht, der lediglich schneller erschöpft ist als die anderen, bereits in diesem Zustand, wo er noch mindestens ein Jahr lang leben könnte, freiwillig den Tod in Belgien sucht (der wehleidige Deutsche! Ab 25. Dezember werden uns die Engländer zu diesem ALS-Thema zeigen, was cineastisch eine Harke ist mit “Die Entdeckung der Unendlichkeit – The Theory of Everything”). Nur die Angst vor den Schmerzen, so wie er es bei seinem Vater erlebt haben will, die reicht nicht aus. Da müsste schon eine ganz besondere Ängstlichkeit und Hypochondrie in seinem Charakter angelegt sein (damit wäre womöglich die Basis für eine richtig rabenschwarze Komödie gelegt).

Leider aber sind in diesem Rudelfilm Charaktere vom Drehbuch her (Christian Zübert und Ariane Schröder) überhaupt nicht untersucht worden; die Autoren und der Regisseur (Christian Zübert) haben sich lediglich auf den vorgeblich professionell angebotenen Rudelcast verlassen, dessen Hauptaufgabe nebst den lächerlichen Gruppenaufgaben (einen Jesuiten zu ohrfeigen, Swingerclub, Schlammschlacht) augenscheinlich darin bestand, in der Todesszene und vorher bei der Abschiedsrede des Moriturus bedröppelt reinzuschauen. Was gerade bei den Stars bsonders peinlich und laienhaft wirkt.

Das Thema, mit dem der Film sich wichtig machen will, wird schlampig behandelt.

Thema Privatheit des Sterbens. Die mag von mir aus in einem Film gezeigt werden. Das muss aber aufgebaut werden. Sterben ist ein, so Sterbekundler, höchst intimer Moment. Wenn man den im Film zeigen will, so muss diese Figur vorher entsprechend intim und privat eingeführt werden, damit das schlüssig ist, damit dieses Sterben eine nachvollziehbar, emotional berührende Basis hat, die vielleicht so nur das Kino leisten kann. Das passiert hier nicht. Die kranke Hauptfigur wird nur als Rudelmensch vorgestellt und ist immer im Rudel. Dadurch wirkt dieser Film zu so einem anspruchsvollen Thema einfältig und dumm.

Am Hof der Subvention fanden folgende Subventionsfürsten diese Einfalt, ja Perversion im Umgang mit diesem Thema, als staatlich förderungswürdig, (weil sie eben nur auf die Namen schauen und Bücher nicht lesen können, weil sie mithin ihren Job nicht richtig erfüllen): HessenInvestFilm, Medienboard Berlin-Brandenburg, DFFF und die FFA.

Eine Sprachregie beim Rudel hat nicht stattgefunden, die sprechen alle immer viel zu laut. Dadurch werden die paar Sprüche, die eingebaut sind auch nicht besser.
Ich wollt schon immer mal einen Zeugen Jehovas verprügeln.
Ich hab ALS. Ist das nicht die Krankheit, an der dein Vater gestorben ist?
Bei dieser Krankheit gibt’s nur eine Richtung, immer tiefer in die Scheiße.
Einmal eine Frau sein. Wir hauen auf die Kacke. (Anlass für eine der üblichen Discoszenen in deutschen geförderten Filmen).
Die zahlen Sie aber extra.
Mag noch jemand Kaugummi?
Mein Papa ist vor drei Jahren gestorben (und der Fitz, der leidet uns hier einen vor und sieht dabei superfit aus).
Und ich will auch viel öfter mit meiner Frau schlafen.
Dann mach mehr, als mir nur zwischen die Titten zu greifen, „Mareike, es ist Zutzelfreitag“.
Dass ich alt geworden bin, merk ich, dass ich in der Disco den Ausweis nicht mehr zeigen muss.
Wir hatten eine gute Zeit.
Die Injektion ist fertig. Jetzt geht es ganz schnell (Bis dahin hats aber gedauert).

Der Film kann sich nicht entscheiden zwischen Realismus, Parodie oder schwarzer Komödie; er entscheidet sich fürs Rudel.

Man weiß nicht mal, wo sie starten zu ihrer Reise, plötzlich sind sie in einem Zelt oder in einem Flugzeug, nichts wird vorbereitet.

Was der Film überträgt, dass das Rudel offenbar Spaß beim Drehen hatte. Was ich von mir beim Zuschauen nicht behaupten kann. Der Zuschauer bleibt außen vor.

Comments Keine Kommentare »

Wenn in einem deutschen Film unter den Drehbuchautoren der Name Jane Ainscough auftaucht, besteht Gewissheit, dass wir es mit dem neuen deutschen Gefühlskino (was eo ipso ein menschelndes Biederkino ist) zu tun bekommen („Alles ist Liebe“, der Ende Jahr ins Kino kommt, Miss Sixty, Der fast perfekte Mann, Eltern, Omamamia, Hanni und Nanni 2). So ist es auch hier, nebst ihr stehen als Drehbuchautoren Marco Kreuzpaintner und Christoph Müller. Kreuzpaintner hat auch die anfangs recht hackelige Regie mit viel überflüssigem Text der Darsteller, die anfangs noch recht steif wirken, geführt.

Gefühlskino also, und die deutschen Darsteller lernen zusehends so eines zu spielen, wenn auch noch nicht alle gleichermaßen, ein Gefühlskino, welches vielleicht im Bereich der bunten Blätter in einem Frisörsalon anzusiedeln wäre, und welches hier explizit eine Verführung in umgekehrter Richtung zum schwulen Outen, dem Coming Out schildert, eben einem Coming In, die Verführung eines geouteten und offen schwul lebenden Mannes zur Heterosexualität.

Ein Themenfilm gewissermaßen, der sich offenbar an jene vermutete Mehrheit im Lande wendet, für die die konstitutionelle Bisexualität des Menschen keine Selbstverständlichkeit ist. Große Gefühle vor begrenztem Geisteshorizont.

Die Verführung findet statt durch Eylin Tezel, sicher eine der spannenderen jüngeren Darstellerinnen im Filmland. Sie betreibt in Neukölln einen wunderschön weltvergessenen Damensalon für Kundinnen, die Neukölln nie verlassen haben und nie verlassen werden. Ihr „Opfer“ wird der schwule Frisör- und Kosmetikstar Tom Herzinger. Die Idee seiner Geschäftspartner ist die, mit seinen Kosmetikprodukten auch den Markt für die Heten zu erschließen. So soll er die Frauen in dem kleinen Salon kennenlernen. Was er auch mit einer Perücke und unter dem Namen Horst tut. Da wirken Kostja Ullmanns treuherzige, große Augen wirklich niedlich.

Es gibt noch einige Geschichten drum herum. Da ist sein Freund und da sind seine Geschäftspartner, die ein Problem damit haben, dass Tom sich plötzlich für Frauen interessiert. Es gibt die entzückenden Eltern von Heidi, es gibt einen Theaterbesuch von Romeo und Julia und selbstverständlich das Thema Berühmtheit, Blitzlichtgewitter und Papparazzi.

Egal, wo der Film spielt, es finden sich dauernd Gelegenheiten für putzige Sprüche und Witzchen, die Differenz der geschlechtlichen Orientierung und die Probleme damit artikulierend, gerne auch am Rande der Klamotte.

Allmählich stellt sich im Zuschauerraum ein wohliges Family-Feeling ein, auch dank der Musik und der Erkenntnis, dass ja kein Mensch böse sei, und dass wir das alles bestens verstehen. Und dass jeder irgendwann mit irgendwem sein Glück findet. Im Grund geht es um die Nuancen, oder wie Frisöse stur korrigiert: die „Nüansen“ (was gelesen werden kann wie der Unterschied zwischen Neukölln und dem Rest der Welt oder wie der zwischen Schwulen und Heteros).

Sie leben mit einem Mann zusammen? Ja. Das muss das Leben um vieles einfacher machen.
Und die Weisheit, dass man sich gerne in das verliebe, was man nicht haben kann.
Frisörkino.

Comments Keine Kommentare »

Eine raue Betrachtung der menschlichen Gesellschaft als durch und durch kaputt, sündig, durch das Auge eines Priesters, der ohne Skrupel einem selbstmordwilligen Autoren eine Pistole besorgen will.

John Michael McDonagh (The Guard) riskiert einen abgrundtiefen, symbolisch-synthetisch-thetischen Blick in die moralische Verkommenheit, in die Kaputtheitsstruktur unserer Gesellschaft. Dieses „gute“ Auge wird gespielt von Brendan Gleeson als Pfarrer James.

Um welch beispiellosen Abgründe es geht, zeigt ein Beichtgespräch, womit der Film anfängt und gleich seine Methode bekannt gibt, dass es hier vor allem um Gespräche geht, immer um Gut und Böse und wie die wirken. Der Pfarrer ist im Bild. Er hört nur zu, muss sich die schlimmsten Verfehlungen durch einen Priester an Jungs anhören von einem der Opfer, von fünf bis zehn Jahren immer blasen und dann wurde es schlimmer und geblutet hat er täglich. Dem Pfarrer wird leicht mulmig, besonders wie der Beichtling dem Pfarrer ankündet, dass er nächsten Sonntag tot sei. Erst wird der Hund dran glauben müssen.

Der Film wird ab hier in Wochentage aufgeteilt. Der Pfarrer durcheilt die Gemeinde. Korrektheit, Ordnung, bürgerliches Glück, das findet sich nicht, statt dessen Brutalität, Schläge an der Frau, einen Finanzhai trifft er, der Polizeichef erscheint mit seinem Stricher, dem Autoren, der sich umbringen möchte, will er ein Gewehr besorgen.

Es wird ein eigenartiger Kreuzweg werden, den der Pfarrer in dieser Woche durchmisst. Es wird um Selbstmord gehen (in dessen permanenter Nähe befindet sich seine rothaarige Tochter Fiona, ja richtig, er selbst war einmal verheiratet und ist dann erst nach dem Scheitern der Ehe zum Priester geworden). Es geht um Ehebruch, auch der permanent, dazu noch Rassimus mit einem Schwarzen, aber auch der Pfarrer kann wenig differenzieren, wer woher aus Afrika kommt. Schließlich Kannibalismus, wobei das Opfer eh schon vergewaltigt worden sei. Ferner vom Koks auf dem Klo bis zum Kirchenbrand.

Der Film kommt mir vor wie eine systematische, jesuitische Predigt; ein hochmoralisch-theologischer Film; der sich dem Publikum über das Mittel der schwarzen Komödie verständlich machen möchte. Der Film fordert geistige Konzentration, fordert geistiges Mitgehen – und bringt er einem etwas Neues, etwas Unbekanntes, außer dass die Welt schlecht ist und dies offenbar auch die Kirche nicht ändern kann?

Die Stadt ist auch nur eine symbolische Stadt, sie wird, außer am Schluss mit einer Aufnahme aus der entfernten Totalen, nicht näher definiert. Eine Beichtstuhlstadt. Der Blick ins Beichtgeheimnis einer Gesellschaft. Da kommt so viel zusammen wie bei einem Purge.

Ein Schauderblick auf eine verkommene, menschliche Gesellschaft mit einem schönen Countdown am Meer zum Thema Zynismus und Mobby Dick.

Comments Keine Kommentare »

Das Problem bei dieser animierten 3-D-Monster-Grusel-Geschichte scheint mir, sind die Schachteln und die Verschachtelung. Eine Schachtel ist etwas Abstraktes, Eckiges, Auf- und Zuklappbares, Zusammenpressbares. Die Schachtel ist lediglich die Kiste. Aus der vielleicht ein Zaubereffekt kommen kann. Hier sind allerdings die titelgebenden Figuren, die Boxtrolls, solche Schachtelmonster, die ganz harmlos und fleißig sind, die Extremitäten und einen Kopf, gar einen Fischkopf ausfahren können, um dann wieder die leblose Schachtel zu spielen.

Man könnte diese Schachteln als reduzierte Modelle von Kakerlaken-Panzern sehen. Von ihrem Wesen her könnten die Boxtrolls also in der Nähe von Schachteln und Kakerlaken angesiedelt werden. Das Wesen von Schachteln, was ist das? Denn die Boxtrolls sind harmlose Wesen, sind Massenerscheinungen. Sie werden von den Menschen denunziert. Sie leben in der Unterwelt, in der Kellerwelt.

In der menschlichen Oberwelt gibt es wiederum zwei Abteilungen, das Bürgertum der verschachtelten, mittelalterlichen Stadt um Lord Portley-Rind und die Monsterjäger um Archibald Snatcher, der noch dazu ein Varieté-Doppelleben führt. Er will einerseits die Anerkennung der bürgerlichen Welt, nämlich einen weißen Hut (nun ja, vermutlich das, was heutzutage ambitionierte Akademiker als Doktorhut sehen), denn er und seine Spießgesellen tragen rote Hüte. Er macht nächtens mit einem Gefährt, was wie ein futuristisches Skelett von Maschinenmensch-Roboter aussieht, Jagd auf die Boxtrolls. Um die Jagd zu legitimieren, die Stadt vor der Gefahr zu reinigen, muss er diese erst heraufbeschwören und in Umlauf setzen, was für Monster diese Schachtelfiguren seien. Snatcher hat bereits den wichtigen Tüftler Mr. Trout in seinen Gewahrsam gebracht, der hängt sei Jahren mit schweren Eisenketten gefesselt kopfüber von der Decke.

Es gibt zwei Nachwuchsfiguren, ein Mädchen, das Töchterchen des Lords und den einsten gestohlenen Sohn von Mr. Trout, Eggs, der mit einer Schachtel um die Brust herumläuft und meint, er sei ein Boxtroll, wie Mogli im Dschungel meint, er sei ein Wolf, aber schachtelweise. Die jugendliche Unschuld und Liebe wird allmählich den Nebel der Verschachtelungen in der Erwachsenenwelt und der Denunziation der Schachtelwelt lichten. Bis dahin ist viel Käse durch die Käsestadt Käsebrücke geflossen. Snatcher hat eine Käseallergie. Das Genre wechselt von der Monsterparodie zum todernsten Monsterfilm zur Opernparodie mit musikalischen Nummern und die Geschichte erhält durch die deutsche Synchro einen Zacken zu viel preussischen Schneids, als dass die womöglich beabsichtigte Haltung, hey, wir machen hier jetzt ganz lustig einen auf Monsterfilm und amüsieren uns darüber, snobbishly, verloren geht.

Comments Keine Kommentare »

Ein verdienstvoller Film. Er behandelt ein Stück Schwulengeschichte der Schweiz, was weit über die Schweiz ausgestrahlt hat. Sein Standpunkt ist dezidiert nicht insiderisch sondern der achtungsvoll-behutsamer Hingabe von außen. Stefan Haupt verbreitet mit diesem Film die heimelige Atmosphäre einer Bibelstunde. Wir sind in einem geschützten Raum. Wir haben alle Verständnis für solche, die anders sind, wir proben die tolerante, subtile Art der Annäherung.

Allerdings können sich die Autoren, das sind Stefan Haupt, Christian Felix, Urs Frey und Ivan Madeo nicht so richtig entscheiden, ob Melodram, ob Abriss der Schwulengeschichte oder ob Liebesgeschichte der beiden Protagonisten (des inzwischen verpartnerten Seniorenpaares, das als erste Schwule in der Schweiz geheiratet hat) in den Hauptfokus zu setzen. Entschuldigt wird dies vielleicht durch den Umstand, dass Haupt sich für eine Mischform aus Fiktion (also nachinszenierten Szenen) und üblicher Dokumentation aus Interviews und Archivmaterial entschieden hat.

Ernst und Röbi, Melodram oder Emanzipationsgeschichte? Die Inszenierung ist jedenfalls rücksichtsvoll, fast andächtig leise wird zum Teil gesprochen, als ob man die Geschichte wie ein verletzliches Gut behandle.

Der Titel weist darauf hin, dass hier die Geschichte der Schwulenzeitschrift „Der Kreis“ im Mittelpunkt steht, die engagierte Schwule in Zürich jahrelang herausgegeben hatten; bis sie in den frühen 60ern aufhören mussten. „Der Kreis“ war auch eine eingeschworene Schwulengemeinschaft; da in der Schweiz der Paragraph 175 früher gestrichen wurde als in Deutschland, ist sie zu einem Paradies für Schwule geworden und der jährlich organisierte Ball zog Schwule aus aller Herren Länder an und sei damals weltweit einmalig gewesen.

Bis Morde im Strichermilieu die Stimmung in Zürich kippen ließen; Schwulität war zwar nicht verboten, aber registrierbar. Das setzte die Staatsmacht brutal um, das zeigt der Film schonungslos.

Mehr Mühe als auf Drehbuch und Schauspielerauswahl scheint die Produktion auf die glaubwürdige Ausstattung von 60er-Jahre-Innenräumen verwendet zu haben. Die sind eine eigene Museumsbesichtigung wert, so viel 60er Jahre dürfte es damals kaum je an einem Ort so ramassiert gegeben haben; das versetzt den Film in ein leicht distanzierendes, künstliches, museales, sympathisch schummrig wirkendes Licht.

Prima Besetzungen sind vor allem die beiden Hauptdarsteller Matthias Hungerbühler als Lehrer Ernst und Sven Schelker als Röbi, der leinwandgewinnend ist, sei es als Mann oder als Frau, ob er singt oder charmiert. Während Anatole Taubmann mit seinem Spiel als Felix wie nicht integrierbar ins Kreis-Ensemble wirkt, wie ein Doppelagent. Besetzungs- oder Rollenarbeitsproblem? Gerne hätte man allerdings mehr über den Beruf von Röbi erfahren, anfangs sehen wir, dass er Coiffeur ist und dass er Travestie-Auftritte macht. Hat er das später als seinen Beruf ausgeübt?

Marianne Sägebrecht als die tolerante Mutter von Röbi hat in Stefan Haupt einen sie gut führenden Regisseur gefunden. Die teils heftigen Kämpfe, die ein Coming-Out mit sich bringen kann, werden ausgelassen oder nur höchst distanziert erzählt, ist ja bei der Familie von Ernst auch gar nicht gewollt gewesen.

Wie ein Amen in der Kirche wirkt das Schlusswort – vor dem Rest der Abspannes – wenn Ernst vor dem Lehrerkollegium noch ein verschlungenes Wort zum Selbstmord des Schulrektors sagt (brav verheiratet, zwei Kinder, aber mit schwulen Neigungen versehen): da fällt auf; ein Film ist ja fürs Publikum von heute gemacht; dieses wird einer vermuteten historischen Genauigkeit zuliebe wie ausgeblendet. Hört sich so besehen an wie ein liturgisches Amen.

Comments Keine Kommentare »

Hier geht es um den Vikinger-Film um des Vikinger-Filmes willen. Hier wollen Claudio Fäh (Regie) und Bastina Zack, Matthias Bauer (Drehbuch) zeigen, dass sie Vikinger-Film können. Die Beurteilung fällt gemischt aus.

Die logistische Arbeit für das fast pausenlose Hit and Run im Film, die zeugt von großer Sorgfalt. Darauf scheint viel Wert gelegt worden zu sein. Auch auf die Ausstattung. Vor allem in den ersten Bildern, nachdem die schiffbrüchigen, geächteten Wikinger gestrandet sind, erzählen sie mit ihren Gesichtsausdrücken und Kostümen und den wilden Haaren, dass es ihnen richtig Spaß macht, solch wilde Männer zu spielen. So wie es wohl Pfadfindern Spaß machen würde. Entschlossener Gesichtsausdruck, wilde Blicke, eigenwillige Haarpracht.

Wenn der erste deutliche Satz in einem Film so etwas wie einen Hinweis auf das geben soll, was er erzählen möchte, so geht es hier darum, dass Wikinger nicht in geschlossenen Häusern übernachten wollen, denn das ist zu gefährlich, da könnte ein Feind durch die Tür kommen. Und tatsächlich, wie unser bescheidenzahliges Trüppchen später bei einem christlichen Mönch in einem Turm Zuflucht findet, so werden sie dort erst vom Feind umzingelt und bald stürzt der Turm auch ein. Aber ob so eine Weisheit reicht, um einen Film zu füllen? Denn worauf hier weitgehend verzichtet worden ist, das ist ein Interesse an den Charakteren. Die sind austauschbar, die haben keine persönlichen Konflikte wie in der Wiking-Serie, die Amazon neulich präsentiert hat, wo fundamentale Drehbucharbeit geleistet worden ist. Kein Wunder, die wollen ja auch richig Geld verdienen damit.

Bei unserem vorliegenden Wikingerprodukt scheint es primär um das Abschöpfen von Suventionen gegangen zu sein und sicher auch darum, aufregende Drehtage in einer ansprechenden südafrikanischen Landschaft zu erleben, wo es bei den Besetzungen nicht auf Punktgenauigkeit der Rolle ankam, sondern wo vermutlich mehr Funktionärsbeziehungen eine Rolle gespielt haben dürften; allein die einzige Frau, die vorkommt ist irgendwie so nicht Fisch und nicht Fleisch und überzeugt nicht, wie soll sie auch, bei fehlendem Drehbuchfutter (sie soll verheiratet werden von ihrem Vater, dem König und wird in eine fensterlosen Kutsche eingesperrt von dessen Reitern über Land gezogen, bis unsere Wikinger sie kapern können).

Der dick gebrachte Satz „I am a warrior not a climber“ wie die Krieger als einzigen Ausweg eine Steilküste hochzukraxeln versuchen, der wird extrem ausgestellt, kann aber nichts zur Spannung beitragen, es sei denn, die Regie bestätige das durch die Art des Kletterns, was aber nicht passiert. Immerhin schön malerisch aber auch im Rahmen der Erwartungen. Ich fragte mich die ganze Zeit, was wollen uns die Filmemacher hier erzählen?

Immerhin bemühen sich die Darsteller, in tiefer, timbrierter Männerstimme zu sprechen.

Flugaufnahmen sollen Tempo und Zielgerichtetheit suggerieren, die der Film so nicht zu bieten hat. Ein schlichter, anspruchsloser Vikinger-Film, der vom Meer bis wieder zum Meer ein sich zusehends dezimierendes und eh schon kleines Trüppchen Geächteter durch einen Gefahrenkorridor führt. Die Kämpfe sind intensiv, aber kinematographisch wenig ergiebig. Den größten Drive verpasst dem Film noch die Musik.

Comments Keine Kommentare »

Was damit gemeint ist, dass die Zeit wie ein brüllender Löwe vergehe, das kann dieser filmphilosophische Essay von Philipp Hartmann (Mitarbeit bei Buch und Regie: Jan Eichberg) zwar nicht erhellen, außer dass der Spruch von der Oma stamme, aber er führt den Zuschauer an sicherer Hand durch eine ganze Reihe von Fragen, die alle auf das Thema Zeit fokussiert sind.

Von seiner Machart erinnert der Film an Hellmuth Costard (der sich sowohl mit Prof. Zuse, dem Erfinder des Computers beschäftigte, also hochwissenschaftlich, hochphilosophisch, der aber genauso Freude an den Runden der Spielzeugeisenbahn auf seinem Wohnzimmerboden haben konnte), Costard, der selbst wiederum ein deutsches Echo auf die Nouvelle Vague und da vor allem auf Godard war. Mit Philipp Hartmann meldet die sich hier plötzlich wieder, wenn auch mit wenig Filmphilosophie, bis auf das kurze Statement über die 3 Akte des Films, aber mit der collagenhaften Freiheit von Fotos, schwarz-weiß und in Farbe über Super-8-Filme ebenso, über reine Höraufnahmen, die zu einem anderen Bild geschnitten werden, über nachgestellte Spiel- und Performanceszenen, Interviews und mit Zwischentiteln, die den Geist der Zuschauer gehörig bannen und auf Trab halten und ihm nach dem Kinobesuch durchaus suggerieren sich selbst mal wieder zu dem Thema zu befragen.

Thema Zeit und Tagebuch. Ein solches führen sicher viele von uns. Was habe ich heute gemacht, wen habe ich getroffen, „es ist zwar nicht groß was passiert, aber es war Struktur da“. Das ist ein naheliegender alltäglicher Nexus zum Thema Zeit.

An die Grenzen von Wahrnehmbarkeit, Erinnerung und Geschichte stößt der Film gleich zu Beginn mit einer Serie von schwarzweiß Fotos, deren halbe Seite überbelichtet war, die Anfänge der Filmrollen, die beim Einlegen in die Kamera Licht abbekommen haben, wodurch das bisschen Motiv, was erkennbar ist, eine eigentümlich Freiheit und Losgelöstheit bekommt. Später wird diese Grenze deutlich unheimlich und gibt zu denken, das Thema Zeit frontal angegegangen: der Alzheimer-Test: auf einem vorgegebenen blattgroßen Kreis soll der Patient versuchen, das Ziffernblatt einer Uhr einzuzeichnen und dabei die Uhrzeit 5 vor 11 angeben. Viele Beispiele zeigen, wie leicht offenbar einem Menschen die Zeit entgleiten kann. Das macht schaudern.

Hartmann bringt auch eine kleine Genese über die Bewusstwerdung von Zeit und damit auch der Fähigkeit zur Narration bis zur gesetzlich fixierten Erwachsenheit über einen langen Bogen seinskonstituierender Parameter von der die Zeit manipulierenden Atomuhr über einen Pseudoanarchisten, eine Super-8-Erinnerung an eine familiär-gesellige „Reise nach Jerusalem“, Waldspaziergänge mit dem „Wittihäuser“, über Chronophobie, mit der überzeugenden Nina Petri als Patientin Christiane (von der Psychiatrie in die Neurologie) über mehrere Extempores nach Lateinamerika, die Anden, die Eisenbahn und die Zeit (kommt vorbei und vergeht), die höchst gelegene Salzwüste oder über die aztekischen Zeitalter von 52 Jahren, nach denen alles neu gemacht wurde, über einen Ampelstoppjux, die Bilder vom toten Vater, die nie einer angeschaut hat, über Verwandte, das Thema Vater über ein bemerkenswertes Statement eines chronischen Spielers, der im Leben alles verspielt hat, bis zu einer minutenlangen Sesselbahnfahrt, bei der die Kamera nur den Schatten des Sessels mit dem Kameramann verfolgt, wie dieser über die Almwiesen nach oben gleitet und dabei Gedanken über das menschliche Ende frönt. Immer ist man kurz davor, dass sich einem die Nackenhaare sträuben.

Hartmann ist ein Zeitgrübler, ein Zeitgründler, mit dem Zeit zu verbringen ein inspirierendes Geschenk ist. Nun, so ganz vergebens scheint die Nouvelle Vague doch nicht gewesen zu sein, denn ein Enkel zumindest lebt.

Am diesem Wochenende zeigt das Münchner Werkstattkino zu diesem Film noch zwei Kurzfilmprogramme von Philipp Hartmann, eines auf Deutsch, eines auf Englisch.

Comments Keine Kommentare »

Ein Film, der weit über das darin beschriebene Einzelschicksal hinausweist.
Deprimierende Einsicht: auch 100 Jahre Kino haben die Welt nicht besser gemacht. Daher die Hommage ans Kino in diesem Film doch eher fragwürdig, wenn sich das Elend auf der Welt überhaupt nicht mindert – denn genau dies zeigt der Film.

Leider auch im noch nicht allzu alten 21. Jahrhundert eines der dominierendsten Themen: Unterdrückung, Diskriminierung, Aussonderung, Verfolgung und Vertreibung nach religiös-rassistischen Motiven. Das 20. Jahrhundert scheint noch nicht vorbei. Im Gegenteil: wie die Pilze im Herbst vermehren sich zur Zeit die Krisenherde und damit die Flüchtlingsströme.

Fatih Akin, der sich klugerweise für das Drehbuch der Mitarbeit eines alten Meisters, den er in Amerika ausfindig gemacht hat, Mardik Martin (hat mit Scorsese-Filmen Filmgeschichte geschrieben siehe IMDb), versichert hat, bietet jetzt einen intensiven, hochaktuellen, epischen Bilderbogen von fast 2 ½ Stunden Länge zu diesem Thema.

Es handelt sich um einen Völkermord und eine Vertreibung von vor 100 Jahren, den Genozid der Türken an den Armeniern. Wobei es die armenischen Bewohner im abgelegenen Mardin ganz unvorbereitet trifft. Die leben hier als kleine Handwerker mit ihren Familien ein glückliches Familienleben. Unser Protagonist, Tahar Rahim, als Nazaret Manoogian mit Frau und zwei Töchtern. Das kleine Glück in der Familie und im Beruf, was sich jeder Mensch ersehnt.

Zwar gibt es Gerüchte, dass der Sultan irgendwas plane, aber man sei ja weit weg und nicht betroffen, beruhigen sich die Leute. Doch mitten in der Nacht poltert die Polizei an die Haustür. Alle armenischen Männer werden sofort eingezogen. Bestechung wird zwar angenommen, hilft jedoch nichts. Das ist „the cut“, der Schnitt im Leben von Nazaret. Dem Versuch der Wiederherstellung des plötzlich auseinandergerissenen Familienglücks wird er die nächsten Jahre um die halbe Welt und den Rest des Filmes hinterherlaufen.

Die armenischen Männer werden erst zum Straßenbau eingezogen. Peu a peu kommen Szenen vor, die punktuell ein Licht auf die genozidalen Gräueltaten gegen die Armenier werfen. Nicht parteiergreifend oder anklagend. Nazaret will auch nur seine eigenen Haut retten. Das gelingt ihm kurz vor der Enthauptung (aktueller Flash: das islamische Kalifat und die Enthauptungen); Nazaret kommt mit einem Stich in den Hals davon; verliert aber seine Stimme.

Als Stummer verfolgt und auf der Suche nach seiner Familie. Auf seiner Reise wird er Situationen begegnen, die alle aktuellen Flüchtlingsbilder versammeln: auf die Flucht der Jessiden, ganze Ortschaften armselig zu Fuß unterwegs mit wenig Habseligkeiten, in Aleppo beim Roten Kreuz die Suche nach Vermissten und Verwandten (hier bekommt Nazaret 100 Adressen von Waisenhäusern im Libanon, wo er nach seinen Töchtern suchen könne – dass seine Frau tot sei, hat er inzwischen erfahren); Flüchtlingslager, könnte wie Somalia oder Sudan sein, eindrückliche Szene mit seiner sterben wollenden Schwägerin, Pietá mit brutalem Schluss, im Libanon endlich die Waisenhäuser von christlichen Schwestern betrieben, da fühlt sich der Westler schon fast wie zuhause in dieser Ordentlichkeit.

Aber seine beiden Töchter sind nach Havanna gereist, um dort zu heiraten. Schiffspassage nach Kuba. In einem fremden Land ohne Sprachkenntnis und ohne Stimme. Dort erfährt er, dass die Töchter nach Minneapolis in den USA gezogen seien, bei einem Herrn Edelmann hätten sie als Näherinnen gearbeitet (Assoziation: Billignäharbeit in Bangladesch); Schiffspassage von Kuba rüber in die USA; erinnert an die heutigen Bootsflüchtlinge, die zu Tausenden auf dem Mittelmeer unterwegs sind; in den USA schließlich das Aufspringen auf den Güterzug, das machen in Lateinamerika heute täglich Tausende, um in Richtung USA vorwärts zu kommen. Schließlich wird er Schienen-Bauarbeiter in Nord Dakota. Und es wird dort tatsächlich zu einer Begegnung kommen.

Der Film beeindruckt durch die Konsequenz des epischen, kommentarlosen Erzählens, des nie das Ziel aus dem Auge verliert; da wirkt die deutsche Synchro, besonders wenn auf der Leinwand eine orientalische Sprache gesprochen wird, als nicht mit der Mühe gemacht, mit der der Film gemacht ist.

Die düstere Leidensgeschiche Vertriebener ins Heute fortgeschrieben. Ein Gang durch die Welt heutiger Flüchtlingsströme in der Verkleidung und Etiekttierung von vor 100 Jahren. Geändert hat sich an Rassismus, Diskriminierung, Tötung, Vertreibung, Todesmärschen offenbar gar nichts.

Und eine subtile Referenz an die neueste Geschichte in den USA. Nazarets Weg führt über Talahassy. Das ist der Ort, an welchem Bush Junior den Wahlbetrug begann, der ihm die Präsidentschaft verschaffte, mit der er den Hass anfeuerte, mit dem Krieg gegen den Terror in Afghanistan und im Irak, die heute Millionen Menschen zur Flucht oder in den Tod treiben.

In Aleppo gibt es eine direkte Referenz an die Kinogeschichte: hier wird Charly Chaplin gezeigt.

Es gibt vielleicht noch eine andere Schlüsselszene: wie die Welt bei Nazaret noch in Ordnung ist, beichtet er in der Kirche, er hätte gesündigt, er hätten geneidet. Der Neid, der viel Unglück in Gang setzt, jeder will nur sein kleines Glück, aber wenn der Nachbar etwas mehr davon hat, so kann das bereits zu Ungleichgewichten führen, die im großen politischen Spiel ganze Nationen gegeneinander aufbringen und die Sündenböcke, schwarze Schafe brauchen: die Juden, die Griechen, die Armenier. Ein nie endender Kreislauf?

Für mich der bewegendste und bemerkenswerteste deutsche Kinofilm seit langem, der weit über den Tellerrand des Pfründenlandes hinausschaut und von diesem in keiner Weise beeinträchtigt scheint.

Comments Keine Kommentare »

Der Titel dieses Filmes von Joel Hopkins (Buch und Regie) verspricht Nostalgie-Input und der Film hält, was der Titel verspricht.

Der Hallux und die Prostata, Katzenallergie wie Blumenallergie, meine Frau, ähm, meine Ex-Frau, das sind die verbindenden Elemente zwischen Kate und Richard, zwischen Emma Thompson und Pierce Brosnan und ihren Kindern, die unter der Trennung leiden, aber in diesem Film weiter keine Rolle spielen, außer dass der Jüngste den Eltern, wie die in diesem Film sie wieder verbindende Aktion losgehen soll, Stichwörter für Computerhackereien verschafft.

Diese erwähnten Dinge, die sind alltäglich, die dürften vor allem vielen der älteren Zuschauer durchaus bekannt sein. Der Verbindungsdraht zur Realität ist gelegt. Richard will seine Firma aufgeben und in Ruhestand treten. Allerdings hat er das Firmenvermögen einem dubiosen Finanzmakler aus Paris anvertraut. Es hat sich in Nichts aufgelöst. Auch solche Betrügereien sind auf unserem News-Radar alltäglich.

Jetzt kommt der eigentliche Teil der Komödie, der Gaunerkomödienteil, der Teil, in welchem die beiden Protagonisten versuchen, sich ihr Geld vom Gauner wieder zurückzuholen, und sie und auch ihre Mitspieler haben sichtlich Spaß daran, Erwachsene zu spielen, die zum Überrempeln eines Concierges Tricks aus ihrer Studentenzeit anwenden, die sich in einen Junggesellinnenabschied in feinstem Milieu reinschleichen, die mit ihren Nachbarn texanische Ölmagnaten erst mit k.o.-Tropfen außer Gefecht setzen und dann als selbige beim rauschenden Hochzeitsfest auftauchen, um das „Auge des Regenbogens“, das Brautcollier, zu klauen und sich mit diesem millionenschweren Teil gütlich zu tun am Finanzganoven. Denn dessen Braut soll eben diesen raren Diamanten tragen.

Bis es soweit ist, passieren allerlei Aktionen, die wie aus 70er Jahre Ganovenfilmen zusammengelesen scheinen, als Konstrukt von Geschichte wirkt es merkwürdig abgestanden und altbacken, nostalgisch. Luxushotels und Yachten, Limousinen und Bodyguards, Mittelmeer und Palmen. Dagegen gesetzt die zwei-Sterne Pension für die Geneppten, die auf Verfolgungsjagd sind und dort eben von der Rezeptionistin wieder zusammengebracht werden wollen.

Oder die Freunde aus England, die nachreisen müssen zwecks Spielen eines der Texaner-Paare, Jerry und Penelope, wobei Jerry eine recht dubiose Vergangenheit hat, es fallen Reizworte, die an Vietnam erinnern und der Ganzkörperscanner findet merkwürdigere Hinterlassenschaften in seinen Innereien.

Da es eine Feelgood- und Frotzelkomödie sein soll, unterhaltsam, macht die Geschichte noch einige Windungen und Wendungen, auch ein junger hübscher, superreicher Franzose, der auf alte Frauen steht, spielt eine Rolle, bis die Erzählung zum guten und schnell zusammengeflickten Ende kommt.

Die deutsche Synchro trägt zum Spaß nicht bei. Aber Brosnan fühlt sich wohl und überträgt dieses Wohlgefühl, schmackhaft wie ein runzliger, reifer Boskop und Emma Thompson, die findet, auch wo das Buch es nicht vorsieht, Zwischenfarben, die ihre Figur über die reine Komödienmechanik hinaus bereichern. Gekrönt wird dieses 70er Jahre-Aufguss mit einer hitchcockschen Suspense-Szene über einer Klippe.

Comments Keine Kommentare »

Ein lustiges Interieur- und Ausstattungs-Belebungs-Theater, was uns hier Ursula Gruber, Buch, und Wolfgang Groos, Regie, bieten.
Da bleiben die Augen hängen, wie die Räume ausgestattet sind, wie die Leute kostümiert sind. Wie der Nachbar Dirk van Kombast mit einer Art provisorischem Bauzaun, aber sehr hoch, die ganze normative Ästhetik der niedlichen Einfamilienhaussiedlung kaputt macht, denn es sind nicht nur dicke Holzlatten sondern auch noch mit Stacheldraht drum herum und zum Tür öffnen braucht es eine ganze Kaskade von Knöpfen, die gedrückt werden müssen, bis er endlich seine Geliebte, Krankenschwester Ursula, Diana Amft, ein Wonnepfopfen von rundlichem Glück, einlassen kann.

Ins Krankenhaus gerät er, und damit in Kontakt mit der Schwester, weil mit seinem Knobilator, einem Augenfang von Requisit, dem von ihm erfundenen Gerät zu Vertreibung der im Nachbarhaus vermuteten Vampire, ein Unglück passiert. Staubsauger sind immer auch Staubbläser, aber nicht nur das, der hier ist auch noch ein Knoblauchmixer und Hundeansauger dazu, arme Nachbarin. Die hat ja immer gesagt, er solle sich eine Frau zutun.

Darum geht es in einem Vampirfilm. Um die Liebe und auch um die erste Liebe. Unsere beiden Schwestern und Protagonistinnen, Silvania und Dakaria Tepes, sind im hübschesten, aufregendsten Alter und sie sind Halbvampire, können fliegen, vertragen das Tageslicht nicht, schlafen in Särgen und sind sowieso kunterbunt und grotesk eingerichtet.

Dakaria verliebt sich bei einem Vampirkonzert der weltbesten Vampirband Krypton Krax in den Leadsänger Murdo. Dieses Konzert ergibt eindrückliche Aufnahmen aus einer gespenstisch erhellten Kirche angefüllt mit viel Rhyhtmus und Stakkatobewegungen. Gegen die Liebe von Dakaria und Murdo stehen Hindernisse. Denn der Vater von Dakaria ist auf den Vater von Murdo gar nicht gut zu sprechen. Ihn spielt jener österreichische Schauspieler mit dem herrlich schmierigen Rollentypus, den er immer in deutschen Filmen spielt (Georg Friedrich hier als Xantor), der österreichische Strizzi im deutschen Dienst.

Der Vater Tepes der Vampirschwestern ist eine auffällige Besetzung mit so schmalem Gesicht, fast hohlwangig, markant, filmwirksam großen Augen, schmalem Mund. Und seine Frau, das ist Christiane Paul, die scheint es zu genießen, einmal in langem Rock, folkloristisch-modern-traditionell und mit langen, weichen Haaren eine für sie ungewohnte Feminität spielen zu dürfen. Sie ist Künstlerin und möchte ein Atelier mieten. Der Nachbar, auch ein Künstler, ist so angetan, dass er ihr rote Rosen schenkt. Das führt zu naheliegenden Missverständnissen mit Vater Tepes.

Nach einer misslungenen Entführung zwecks Vampirschwestern-Inititation durch den alten Sack Xantor geht der herrliche Vampirismus über in ein gemütliches Lagerfeuerleben, wo alle sich treffen und happy sind.

Lustige Bilder ergeben die Vampire auch, wenn sie wie Fledermäuse von der Decke hängen und meditieren. Und weiteres süß-symbolisches Detail: die beiden pfurzenden Blutegelschleimtiere Karl und Karlotta, die Dakaria und Murdo gehören, und die das Symbol ihrer Liebe oder Liebessehnsucht darstellen.

Stimmungsbilder versuchen die fehlende Story-Spannung zu ersetzen. Der Nachbar heißt Richard und ist English speaking. Inszenieren und Filmemachen heißt hier: Belebung der Ausstattung, das ist ja auch eine Art Magie. Zum Beispiel die sogenannte “Wildnis”, die sich als Streichelzoo entpuppt, der Brunnen als Wasserfall. Grotesk. Und, blaue Lagune, die zarte Liebesszene zwischen Jakob und Silvana am idyllischen Steg: sie gesteht ihm, dass sie Halbvampir sei und fliegen könne; er guckt entsetzt. Er habe Flugangst, meint er kleinlaut.

Comments Keine Kommentare »