Archiv für die Kategorie: “Film”

Don Leonardo und Don Fresssack sind am Ende (sie hätten sich gegenseitig umgebracht, wird es heißen) Spitznamen von Don Rumata und Don Reba, ein Duo wie Pech und Schwefel, Ritter von der traurigen Gestalt, Gottes Sohn und irdischer Sicherheitsminister, die uns ohne Navi durch dieses in jeder Sekunde vibrierende, dreistündige Werk von Aleksey German nach dem Drehbuch von Arkadiy Strugatskiy nach dem Roman seines Bruders Boris geleiten und zur Erkenntnis kommen, dass es schwer sei, ein Gott zu sein.

1. Mose 27 „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“. Sich auf dieses Bibelwort zu besinnen, ist vielleicht ganz nützlich bei der Beschäftigung mit diesem Filmhammer, mit diesem Hammerfilm in Schwarz-Weiß. Der Titel beinhaltet so besehen auch den Satz, dass es schwer sei, ein Mensch zu sein, dass der Mensch ohne geistigen Input einem schwerkraftmäßigen Hang zur Verkommenheit erliegt. Das ist vielleicht nicht neu, wird hier aber drastisch bebildert.

Vom Narrativen her ist die Geschichte 800 Jahre vor unserer Zeit angesiedelt und auf einem anderen Planeten, von denen es noch mehrere geben soll, eine Zeit wie im Mittelalter, vor der Renaissance. A la recherche de la Renaissance, auf der Suche nach dem Humanismus – es sieht schlecht aus auf diesem Planeten.

Die Geschichte führt etwa 30 Wissenschaftler ein, die diesen Ort, diesen Planeten nach Spuren der Menschlichkeit untersuchen sollten; insofern könnte dieser Film auch als ein minutiöser Bericht über das ganze Barbarentum, was sie hier vorfinden, gelesen werden. Ein Bericht über einen Staat Arkanda, in dem die Universität zerstört worden ist, in dem „Jagd auf eine bestimmte Denkweise“ gemacht wurde, auf Gelehrte, Bücherfreunde und talentierte Handwerker; manche flohen in das benachbarte Irukan, dort soll es besser sein. Dazwischen liegen die stinkigen Sümpfe von Pitanien. Die Stadt ist umringt von diesen („der ertränkte Bücherfreund kroch über die Sümpfe, traf den Rebellen vom einäugigen Ramta, dem buckligen“). In der Gegend versteckt Don Rumata seine heimlich geretten Gelehrten. Auch der kühle Kopf von Arzt ist verschwunden, der in Arkanar ein guter Gesprächspartner war. In Arakanda aber übte der Sicherheitsminister Don Reba mit seinen Truppen ein grausames Regiment aus, in einer Welt des Grau in Grau; die königliche Garde war auf dem Abstellgleis.

Statt der 30 Wissenschaftler begleiten wir den Gott Don Rumata, den Gott, der ein Gottessohn, ein unehelicher Sohn von Goran ist, einem einheimischen, heidnischen Gott. Im weißen Hemd macht er sich hoch zu Pferd auf seine Recherchetour, wirkt auf eine Art wie ein Pilger, auf eine andere wie ein Grobian, eine Liebeserkundungstour, eine Recherche der Menschlichkeit auf einem verkommenen Planeten, ein Roadmovie durch ein Tal der Tränen und des Schmerzes, der Gemeinheit und Erniedrigung, der Brutalität und der Folter und von Fragmenten einer zerstörten Kultur mit Musik und Büchern und Gläserschleifern.

Unsere zwei Helden wirken oft wie zwei Politiker, die sich in die Niederungen ihres Stimmvolkes begeben, die sich huldigen lassen, verehren und grüßen „Herr Ihr seid gut, denn Ihr seid ein Gott“ und der Herr (oder der Scharlatan?) zaubert einen Vogel aus der Hand und lässt ihn fliegen. Aber man kann dem Herrn auch an die Eier langen, überhaupt pausenlos obszöne Gesten und Worte, das entsetzt ihn nicht oder er reitet rückwärts auf einem Esel und jüngerhaft gekleidete Männer rufen: „Euer Esel soll Euch ficken“. Ein anderer ruft „Tausche meine Frau gegen Tabak“.

Da es sich um ein höfisch-mittelalterliches Epos handelt, spielt Musik immer wieder eine Rolle, aus diversen Instrumenten. Im Don ist auch ein Lyriker und Musikant verloren gegangen, ein Menschheitssehnsüchtler ist er, wandert durch die Vor-Renaissance, das übelste Zeitalter der Menschengeschichte. Es geht um Humanismus, was macht den Menschen aus, was unterscheidet ihn vom Tier und warum ist das so schwer, den anderen Menschen zu respektieren, ihn nicht zu vergewaltigen, ihm nicht die Ohren abzuhauen, ihn nicht grauenhaft zu foltern, ihn nicht zu töten?

Don Rumata langt den Figuren, denen er begegnet oft mitten ins Gesicht, packt sie an der Nase und hebelt das Gesicht daran hin und her. Aber er kann auch in eine Eberfalle geraten, Fuß abschneiden? Verkommene Welt mit Alkoholopfern, wo ist die Kunst, wo ist die Renaissance, wo sind die Bücher, wo sind die Gelehrten, die eine Kultur ausmachen? Die Suche nach Küssen und nach Vergebung.

Aber wir haben es mit Lügnern zu tun in dieser kaum referierbaren Welt, so voller Lyrik, so voller Fantasie, so voller Liebessehnsucht in diesem prallen, puren, bösen Leben. Ein Welt, die sich in Herrschaft und Dienerschaft trennt, in Sänftenträger, Sklaven, Schwarze, Rotschöpfe, Graue und das graue Gesindel (wie Flöhe), Goldene und Menschen, deren Kopf in einem Brett wie in einem Klodeckel steckt. Und Dreck allerorten. Immer pissen sie in die Sänfte. Solcherart ist die Gefolgschaft des Gottes, der gelegentlich auch unter einem Schirmbaldachin geht, für den Reinheit und Waschung Themen sind, und wenns in einem Zuber ist; „hier sind saubere Tischdecken zum Draufkotzen“, „Ein Edelmann soll sauber sein und gut riechen“, „Hockt im Gurkenfass in der Salzlake, hat sich eingeschissen“.

Es gibt einen kleinen Jungen im Gefolge, der heißt Muga, „der Fisch ist in dich verliebt, Muga“.

Ein Film, in dem vom Komparsen bis zum Protagonisten, alle immer wieder in die Kamera blicken, entweder mit skeptischem Blick, fragend bis misstrauisch oder gar Grimassen schneidend. Oder der Gott dreht sich zur Kamera, schüttelt die Schultern, nachdem ein Sklave aus den Zinnminen schmerzerfüllt zusammengebrochen ist. Missgebildetes, ungebildetes, vergetierendes Volk, che mondo cane!

Ein Gott, der sich amüsiert über die Menschheit, der seine Allotria treibt mit ihr, immer Faxen macht, sich freut über Gelungenes, mit Fingern vor der Kamera tanzt. Goran grinst oft wie ein Schelm, kann das alles nicht so ernst nehmen, hat aber nie jemanden getötet. Einzig Ohren hat er abgehauen, in 186 Duellen 372 Ohren und kein einziger Toter, denn das Töten ist ihm verwehrt, das Schwert wirbeln nicht. „Zieht niemals Euer Schwert in Tavernen“, „Ihr habt gegen das dritte Gebot verstossen“, „lasst uns ein paar Ohren abschneiden“.

„Rumata, Ihr seit jetzt 105 Jahre alt“, scherzando, Blumen, Blumen, ein Blumenregen. Aber, er ist sich nicht sicher, ob er der Sohn Gottes ist, „ich wusste schon länger, dass Gott gestorben ist“. Ein Grandguignol, der sich nicht sicher ist, ein Gott zu sein in Anbetracht der Schöpfungsrealität. Ein Verwandter von König Ubu?

Der Wunsch einer Frau, von Goran befruchtet zu werden, „ich werde Gorans Enkel in mir tragen, das werden meine Reißzähne sein“. Dann lässt sie sich den Keuschheitsgürtel entfernen und wilde Stoffbilderverwicklungen füllen das Bild. Das Motiv von Gorans Enkel kommt mehrfach vor. Stammbaum, aber keine Hosen.

Fehlte nur noch, dass dieser Gott, dieser Gottessohn übers Wasser gehen kann. Das nicht, aber stehend auf einer Fähre sich über einen Fluss ziehen und den Kerl mit den Kiemen im Fluss thematisieren.

Ein verseiltes Paket aus Knochen aus Irukan. Mann als Rammbock benutzen, um offene Tür einzurennen. Und immer irgend ein Reisegepäck, wechselnd.

Die Sprunghaftigkeit des Interesses, Interessenwillkür und somit die Freiheit und Losgelöstheit unseres Gottes, ihn stören Umstehende, dann findet er etwas, dann lenkt ihn ein anderer ab, dann interessiert ihn der Geruch des Schwerts, das Anfühlen eines Gegenstandes, ein Pickel auf dem Kopf des Gegenübers oder er juxt jemandem eine Maus in den Kragen, kratzt sein Wange lasziv an einem Seil, schmiert sich die flüssig-dunklen, schmierigen Reste, die am Folterinstrument kleben, ins Gesicht oder macht Gaudi mit einem Löffel, mit dem er gegen eine Art Xylophon schlägt, hält sich einen Löffel vors Auge, grinst wie in den Spiegel oder in die Kamera, Schalk, Schalk, kauft ein Auge, es reflektiert das Licht. Alles Wahnsinn. Er spielt auch den Narren mit den beiden Händen an den Ohren gespreitz, hupft auf und ab und grinst. Dann schaut einer mit Brille ganz genau in die Kamera, Auge wie Vergrößerungsglas.

Wie eine visionäre Reise in den schwammigen Untergrund – der Humus des Humanismus? All dieses Leid! Viel Pyrotechnik, viel Rauchtechnik, viel Staubtechnik, viel Regentechnik, viel Flatterttechnik. Ein Film, in dem es pausenlaus raucht, regnet, staubt, in dem immer irgendwo ein Vogel fliegt oder eine Feder oder Blumen oder in dem Fischschuppen über den Kopf von Gehenkten gegossen werden, den Vögeln zuliebe. Da sind Wespen. Überall hängen Würste wie Eingweide.

Der Don mit den Panzerfingerhandschuhen und mit dem Bewusstsein von Biographie: „Pashka, wenn du über mich schreibst, dann schreib einfach, dass es schwer ist, ein Gott zu sei“.

So eine Reise ist anstrengend und hoffnungslos, irgendwann steht der Gott barfuß in einem Nachthemd im Tümpel, bekommt einen Hermelinmantel wie zur Krönung übergehängt, ist müde, hockt versunken da, hat keine Lust mehr, die Menschheit, ein hoffnungsloses Unternehmen. Schnitt; Winterlandschaft.

Dieses Bildwerk übertrifft an Bildgewalt jedes computeranimierte 200 Millionen-Dollar-Bluckbuster-Fantasyspektakel aus Hollywood; monströs-wuchtige Filmkunst. Der Zuschauer bekommt nicht die Chance auf Distanz, durch die ständigen Halbnahen wird er hineingezogen in diesen atemlosen Lebenswirbel, in diesen Stream of Elend und Verrohung und ständig ragen Gegenstände ins Bild, werden groß direkt, schmerzhafter als 3D es zu illusioniren vermag, direkt von hinter der Kamera ins durchkomponierte Bild gestoßen. Drei Stunden Überlebensdekonstruktivismus immer wieder mit Blicken von Darstellern in die Kamera durchbrochen. Sehgläser, die plötzlich bedrohlich sind. Das Kino als Sehglas der Grausamkeit.

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So ganz schlüssig ist das nicht, was Diablo Cody in ihrem Drehbuch über diese merkwürdige amerikanische Familie schreibt und was Jonathan Demme mit lässiger Routine auf die Leinwand bringt.

Ricki muss schon vor einiger Zeit von ihrem wohlhabenden Mann, der luxuriös in einer „gated community“ lebt, abgehauen sein. Ihre zwei Söhne und das Mädchen hat sie bei ihm zurückgelassen. Sie hat es vorgezogen, ins letzte Kaff nach Indiana zu ziehen, um mit ein paar abgefuckten Musikern in einem mäßig besuchten Provinzschuppen als Rocksängerin und Gittaristin aufzutreten in Lederdress mit Kettengehänge, in hohen Stiefeln und die eine Hälfte der Frisur in lange Zöpfe geflochten, die andere Hälfte in Strähnen. Mit Geld kann sie nicht umgehen. Tagsüber arbeitet sie an der Kasse eines Supermarktes. Hier wird sie von einem 17jährigen Vorgesetzten, der ihr Kundenmanieren beibringen will, gedemütigt.

Ricki ist gerade in der Insolvenz. Da erhält sie einen Anruf von ihrem Exmann, der mit einer Maureen zusammenlebt, die Tochter sei sehr krank, denn ihr Freund habe sie verlassen. Ricki macht sich auf den Weg. So stoßen Jetzt-Welt und Ex-Welt zusammen.

Es wird amerikanischer Lebensstil zelebriert. Man versteht sich, man versteht sich nicht, man verliebt sich wieder ein bisschen, die beiden Frauen verstehen sich nicht, mit der Tochter versteht sie sich, die ein gar abweisend, garstig Ding ist. Der eine Sohn will bald heiraten, der andere ist schwul. Soll Ricki zur Hochzeit eingeladen werden? Dann doch. So läuft das banal und erdenschwer ab. Weiter nicht von Interesse oder Belang.

Wenn da nicht die Protagonistin wäre, Meryl Streep. Die Rockröhre, die nimmt man ihr auf Anhieb ab. Sie macht die Provinzsängerin so gut, dass es einen schon wieder deprimieren könnte, dass man so mittelmäßig Musik machen kann. Aber das Faszinosum an der Sache ist, dass ihre Leinwandtochter auch ihre leibliche Tochter von jenseits der Leinwand ist. Der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Das ist aufregend und da ist der Stoff drum herum, wie bieder er sein mag, vollkommen egal. In manchen Momenten fragt man sich, welche jetzt die jüngere ist, hier die alte Streep mit ihrer ungeheuren Professionalität und Leichtigkeit und natürlich raffiniert auf jung geschminkt und da die die Tochter, die anfangs ganz verbittert auftritt, alt wirkt und gar nicht auf so jung geschminkt ist. Und welche der beiden die faszinierendere ist.

Aber, am Schluss wars dann doch nur ein Hochzeitsfilm, ein süßer, käsiger, amerikanischer Hochzeitsfilm, fett am Gewöhnlichen klebend, an zäher, vermeintlicher Realität.

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Spiel mit dem Blend von Blondinen.
Stellen Sie sich vor, sie könnten über 320 Millionen Euro verfügen, was täten Sie damit?

Anna kann das – wenn praktisch alles vorbei ist. Sie ist eine der Hauptfiguren in dieser französisch-chinesischen Koproduktion, die deutlich die Handschrift des Produzenten Luc Besson trägt, der mit Bill Collage, Adam Cooper und Robert Mark Camen auch für das Drehbuch geschrieben hat. Die Regie führt Camille Delamarre (Regie von: Brick Mansions, Schnitt von: 96 Hours Taken 2, Colombiana, Lockout, 22 Bullets).

Anna, Loan Chabanol, überweist das Geld in großen Tranchen an lauter Menschen, denen sie sich verpflichtet fühlt, eine kleine, humane Geste nach einem PS-starken Spektakel, das sie durch ihren Befreiungsversuch in Gang setzt und aktiv vorantreibt.

Anna ist, das ist ein Rührmoment, da sie aus armen Verhältnissen stammt, mit 12 Jahren von ihrer Mutter an das russische Verbrecherkartell, das an der franzöischen Riviera das Sagen hat, übergeben worden, wurde früh zur Prostituierten. Vielleicht hat sie der Roman von Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ inspiriert, zumindest hat es die drei Drehbuchautoren gereizt, dass sie sich Mitstreiterinnen sucht, um sich an ihren Ausbeutern zu rächen, insofern ein Revenge-Movie.

Aber selbst zu dritt, und wenn sie alle zur Tarnung die gleichen blonden Perücken aufsetzen und sich identisch anziehen, ganz ohne Mann geht sowas nicht. Sie schnappen sich Frank Martin, Ed Skrein, der einen guten Ruf als Transporteur gefährlicher und heikler Güter hat. Dass die beiden Pakete inklusive vorheriger Kiloangaben, die er transportieren soll, ebenfalls zwei Blondinen sind wie die Auftraggeberin, davon war jedoch nicht die Rede. Zu spät, die Polizei nähert sich dem Wagen. Das löst die erste Verfolgungsjagd durch die engen Gassen von Monaco aus.

Die Damen gehen gewieft vor. Sie wissen Bescheid über das gute Verhältnis von Frank zu seinem Vater, Ray Stevenson, auch dies ein weiterer, humaner Input im Actionstreifen, und nutzen das schamlos zur Erpessung. Dabei hat der sich doch so auf sein Rentnerdasein gefreut, auf ein Tete-á-Tete mit einer Blondine, tja die sind wirklich sehr gefährlich in diesem Film, auch wenn sie lange nicht alle blond sind, der Vater hat dafür sogar einen 900 Euro teuren Wein besorgt.

Auf der Gegenseite gibt es diverse schablonenhaft trübe, russische Ganovenfiguren aus dem 1-Euro-Shop und mit kurzem Leben, deren Hauptquartier ein geducktes Energiebündel von Millionenyacht ist, die aussieht, als ob sie sich einen militärischen Tarnschirm zugelegt hat. Sie ankert in einer Bucht abseits.

Als weiterer Hauptakteur wird eine Automarke aus Ingolstadt eingeführt, kühnes Kraftknäuel und immer wieder hochglänzend fotografiert. Was das alles kann, das ist enorm und sorgt für viel Action. Es schüttelt jeden Verfolger ab, zum Beispiel einen Polizisten auf dem Motorrad, indem der Audi die Hydranten an einer Kreuzung so anrasiert, dass sie zu spritzen anfangen und der verfolgende Motorradpolizist in den Wassserfontänen zu Sturz kommt. Diese Autos können auch Passagiere aus einem Großraumflugzeug, das führerlos auf der Startpiste Gas gibt, retten und mit einer wilden Flucht mit tollkühnen Flügen über Fahrgastbrücken und durch die Warteräume abhauen. Man kann nur sagen: Chapeau für so unterhaltsames Product-Placement. Der Hauptdarsteller Skrein, der ihn meist fährt, der nimmt trotz großer Augen und deutlich rot geschminkter Lippen mit seiner überwiegenden Sachlichkeit und Ruhe in ärgster Krise den Autos nicht das Butter vom Brot.

Wenn Blondinen als Musketiere zuschlagen, dann gibt’s auch malerisch verkohlte Leichen, Betäubungsgasangriff auf eine Diskothek und wie sonst bei ähnlichen Streifen darf der Zuschauer in einer Welt des Luxus und des Überflusses schwelgen, sieht aber, dass es auch da Probleme mit einer Kaffee-Pad-Maschine geben kann und mit Erpressung oder mit dem Dauerthema Pünktlichkeit; auch mit der hässlichen Bedrohungen von Gift in den Venen sind sie nicht eben zimperlich – Abgebrühtheit aus jahrelangem, unfreiwilligen Studium des Milieus.

Andererseits können auch solche taffen Blondinen ganz schnell die Nerven verlieren, wenn ihr Fahrer, weil er noch einige Kleinigkeiten von Verfolgern erledigen muss, das starke, kühne Auto fahrerlos langsam rollen lässt. Trotzdem können die Blondinen auch prinzipientreu sei: selbst bei einer lebensgefährlich angeschossenen Kollegin schließen sie das Krankenhaus aus; so greifen denn Vater und Sohn beherzt zu kriegsbehelfsmäßigen Mitteln, um eine Kugel aus der Magengrube rauszufischen. Schmerz lass nach.

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Warum bloss wollen sie alle weg aus Köln?

Der Bewährungshelfer Benno, Christoph Maria Herbst, will weg, weil er unfruchtbar ist und deswegen ständig seine Freundinnen verliert und es aus diesem Grund aufgegeben hat, es ihnen zu gestehen, denn daraufhin wollen sie ihn ständig wie verrückt stimulieren, weil sie, aktuell ist es Tanja, Anneke Kim Sarnau, unbedingt ein eigenes Kind haben und nicht eines adoptieren will aus dem großen Reservoir an Sozialfällen und Immigranten (zum Glück gibt es auf dem Sozialamt den Kollegen Rolf, Pasquale Aleardi, den spendierfreudigen).

Hotte, Peter Kurth, will weg, weil er auf Bewährung aus dem Knast draußen ist und seine schönste Zeit mit verschiedensten Jobs am Ballermann auf Malle, wie er Mallorca nennt, verbracht hat. Er ist der Bockerer-Typ, hypochondrisch, rationalen Argumenten wenig zugänglich, ungebildet, und im Gegengewicht eine Seele von Mensch aber auch deutlich verkümmert. Wie er seinen beiden Kinder begegnet, ist er ganz überrascht, dass eines ein Mädchen ist, Jenny, denn er hat sie noch nie gesehen. Er bietet ihnen sofort Zigaretten und Alkohol an; seine Ahnung von menschlichem Umgang ist gelinde gesagt verdorrt.

Und auch Anabell, Dorka Gryllus, die in einer Kölsch-Kneipe arbeitet, will weg. Sie möchte nach Belgien.

Man kann die Darsteller hier ruhig namentlich erwähnen, auch Traute Hoess als Frau Pohl vom Jugendamt, denn sie hängen sich rein, sie spielen freudig für die Sache; wobei sie sich in Köln doch alle viel zu wohl zu fühlen scheinen, als dass sie einen Grund hätten weg zu wollen. Es sind mehr die sozialen, gesellschaftlichen Verhältnisse, das kleine Leben, wobei Benno in einem recht schicken Loft wohnt.

Den Anfang des Filmes schildert Markus Sehr, der ein Drehbuch von Martin Ritzenhoff und Xao Seffcheque als Grundlage hatte, als engagiertes Kölner Soziodram mit ernsthaft exakten Infos wie in einem Lehrfilm über die soziale Misere und wie viel billiger den Staat die Resozialisierung zu stehen komme als die Unterbringung im Knast. Sehr schildert seriös die Überforderung der Bewährungshelfer, deren Engagement weit über das Pflichtenheft hinaus, er versucht den Charakteren Individualität zu verleihen.

Wie jedoch die Bündel aus 1000-Euro-Scheinen ins Spiel kommen, ist Schluss mit Soziodram. Da haben die Filmemacher vielleicht selbst ein paar Kölsch zuviel gekippt und verratschen sich über den Rest des Filmes in einer eilig zusammengeschusterten Halbweltklamotte. Denn die sozialen Randgebiete, von denen der Film erst ernsthaft handelt, haben eine hohe Affinität zur Kriminalität und über ein paar Ecken und ein paar halbgare Jungs gerät ein in Scheinen gebündelte Barvermögen ins Blickfeld aller Beteiligten und lässt deren Traum vom Weg-aus-Köln in Realitätsnähe – und den Film damit in Realitätsferne rücken. Köln ist halt eine Baustelle, das zeigt ein Blick auf eine (stillstehende?) U-Bahn-Baugrube.

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Sommer, Sonne, Finnland, Seen, Sommerfrische, Übernachten im Freien und ein Hauch von Robin-Hood und Metallic-Rock-Festival-Romantik, das sind die erholsamen Settings dieser Kinderräubergeschichte, bei der die Erwachsenen mit Spaß mittun.

Vilja ist ein zehnjähriges, hochwohlerzogenes Mädchen mit blonden Zöpfen und von Zuhause angehalten, die Violine spielen zu lernen, streberhaft soll sie sein und der Vater umarmt sie gar nicht, der ist mehr an seiner Münzsammlung interessiert und bricht nur ständig seine Versprechungen, eben eine TMC, Totale Middle Class Familie; die auszuhalten ruft nach starken Gegenbildern.

Da kommt der Eskapismustraum vom Gekidnappt-Werden gerade recht. Den lässt Marjut Komulainen, die mit Melli Maikkula nach der Romanvorlage von Siri Kolu auch das Drehbuch geschrieben hat, wahr werden.

Mit Sack und Pack ist die gutbürgerliche Familie unterwegs, auch die Geige ist dabei und das Schwesterchen, was eh nur streiten will. Im richtigen Moment kommt der Überfall der Piraten. Es ist eine abenteuerlich aussehende Familie wie alte Rocker mit Blondschopf von Buben und dunkelhaarigem Mädel. Sie haben sich der Umverteilung des Reichtums verschrieben, dem der hat, wird genommen, und dem, der nicht hat, wird gegeben. Geklautes Spielzeug wird vor einer Kindertagesstätte deponiert, andere Gegenstände in einem Milchhäuschen. Zur Verschleierung ihrer Überfälle tun sie so, als ob sie das Team eines Reality-TVShow seien.

Die Piraten-Familie ist mit ihrem bullig-schwarzen Auto, dem aber der aggressive Ernst mit Dreckgrau weggeputzt worden ist, unterwegs zu den Piralympics, das ist ein Piratenfestspiel, bei dem auf unterhaltsame Art ein Sieger auserkoren wird mit Wettbewerben, wie sie vor Zeiten für die Samstagabend-Unterhaltung beim Familienfernsehen gerne gebracht wurden.

Vilja ist mehr zufällig bei der Familie gelandet, findet aber schnell Spaß an der Räuberei, möchte es ihnen, erst halbherzig, gleichtun; beim Überfall auf einen Videoladen mit Bonbons zahlt sie heimlich mit der Scheckkarte ihrer Eltern. Es entwickelt sich eine Freundschaft zum dem Mädchen Hele, eine sperrige Freundschaft, die aber bei einem mutigen Wettbewerbsspiel ihren Härtetest besteht.

Zu den Räubern gehört bei so einem Spiel auch die Polizei, die versuchen muss, die Räuber zu fangen. Hier hält sie sich zurück, wird aber vom besorgten Vater auf die Spur vom Töchterchen geführt, so dass einer herzlichen Umarmung zwischen ihm und ihr am Ende, wenn alles gut gegangen ist, nichts mehr im Wege steht. Dass ein Tagebuch sein Gutes habt, das kann man bei aller Unbeschwertheit der Erzählung dieses Sommerabenteuers, auch noch mitnehmen.

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Ein nüchternes Protokoll über das Leben von Gertrude Bell, einer arabaffinen Britin aus feinem Hause, die pionierhaft eigenwillige Reisen in den Orient unternahm und versucht hat, das Wesen der Araber und der Wüste zu verstehen.

Gertrude Bell war hochintelligent. Ihre Eltern haben sie gewarnt, sie soll diese Intelligenz nicht zu deutlich durchblicken lassen, sonst verängstige sie die Männer. Zur Illustration dieser These gibt es schöne Szenen eines Balles und die mehr oder weniger plumpe Anmache von Briten, die wohl nicht so „prudish“ sind wie Queen Victoria, die an einer Stelle von Gertrude als the „prudish Queen“ erwähnt wird, wobei hier das Wort „britisch“ andersklingend ausgesprochen wurde.

Werner Herzog, der Autor und Regisseur des Filmes, fängt diesen 1914 in Kairo an, wie die künftigen Kolonialmächte England und Frankreich das zerfallende osmanische Reich unter sich aufteilen, wie sie mit dem Lineal künftige Ländergrenzen ziehen, die heute noch von verhängnisvoller Wirkung sind, immer auch im Gegenspiel mit den Kolonialmächten und ihren Rechtsnachfolgern, siehe die zerfallenden Staaten Irak und Syrien.

Hier drückt Herzog auf einen Schmerzpunkt unserer Zeit, ermuntert aber auch dazu, sich endlich ernsthaft mit diesen Völkern und Stämmen und Kulturen auseinanderzusetzen, so wie Gertrude Bell es getan hat.

Hochaktuell ist, dass der Film mit einer Reise nach Persien anfängt, welches bei uns aus politischen Gründen jahrelang als Bösewicht verstoßen war, somit als Reiseziel tabuisiert, wobei uns die persische Kultur doch seit Generationen fasziniert – solches Interesse war die letzten Jahre politisch unerwünscht.

Nicole Kidman spielt Gertrude Bell. Sie spielt sie so jung und frisch und neugierig und wach, wie sie wohl gewesen sein muss, um sich aus den Konventionen des erstarrten britischen Kolonialreiches zu befreien. In Teheran verliebt sie sich in den Botschaftsangestellten Henry Cadogan. Den spielt James Franco mit genügend Charme, der für eine Verführung ausreicht.

Symbolik wie die der zertrennten Münze, je eine Hälfte für ihn und für sie, präsentiert Werner Herzog souverän, aber auch nicht über den protokollarischen Stellenwert hinaus. Henry macht ihr einen Heiratsantrag. Zur Hochzeit kommt es nie. Er muss sich von einem Felsen gestürzt haben. Die halbe Münze hat sie zurückerhalten.

Herzog bleibt knapp im Vorangehen seiner Erzählung. Ihn faszinieren nach wie vor Urgewalten, Naturgewalten, Sandstürme in der Sandwüste, das Röhren der Kamele, davon zeigt er gerne mehr, als die Erzählung als solche bräuchte.

Gertrude wird weitere Reisen in den Orient machen, zu den Drusen in Syrien, und sie macht sich auf die Suche nach einem Araberführer. Sie gerät in schwierige Situationen, wird überfallen, gefangen genommen. Aber mit Hilfe eines unbezahlenbaren Dieners kommt sie immmer wieder aus der Patsche heraus. Sie treibt ihre Studien weiter, weiß soviel über die Stammesstrukturen der Araber wie kaum ein Weißer sonst; vielleicht noch Lawrence of Arabien, der hier auch auftaucht. Robert Pattinson spielt ihn achtbar.

Was aber genau das Vermächtnis von Gertrude Bell und deren Einfluss auf das Abkommen von Kairo war, ist mir nicht ganz klar geworden, warum sie selbst von Arabern als Königin der Wüste bezeichnet wurde. Sie hat sich jedenfalls weitherum Respekt verschafft, auch als Frau, obwohl sie das herkömmliche Muster konterkariert hat. Und reiten auf dem Kamel oder dem Dromedar, das bringt die Kidman sowieso.

Was Herzog uns hier sehenswert bietet, ist ein Stück Nachhilfe in dringend benötigter Geschichtskenntnis angesichts der aktuellen, instabilen Weltlage.

Die Fotografie orientiert sich am zeitgenössischen Fotografie-Stil. Inszenierungstipp im Film: beschreiben wie Vergil: die Pracht der Dinge. Das würde ich von Herzog nicht unbedingt sagen wollen. Faszination durch die Araber, their poetry of life. Getrude lehnt das Angebot, für die Westler zu spionieren, rundweg ab. Sie bringt aber in die Verhandlungen in Kairo ihr Wissen im Sinne eines Vorteils für die Araber ein. Eine kleine Slapstickszene am Rande für das Politikergruppenfoto vor den Pyramiden von Gizeh muss auch sein.

Dieser Film könnte aber auch als ein Grabstein gelesen werden, als ein informativer.
Vor allem das Drehbuch kommt mir protokollhaft vor. Mehr ein Bildungs- denn ein Abenteuerfilm.

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Der Anspruch, den Hannes Lang mit seinem Dokumentarpuzzle aus lauter Teilen, die nicht zusammengehen, mit dem vorangestellten und teils titelgebenden Borroughs-Wort stellt, ist enorm: Wenn ein Außeriridischer auf die Welt käme, so würde er sofort sagen: I want to see the manager. Will sagen: die Welt ist reparaturbedürftig und unser Dokumentarist sieht sich als Diagnostiker. Dazu hätte er gar nicht so weit in die Ferne schweifen und Außerirdische bemühen müssen, schon der Fabian von Erich Kästner befand, der Globus habe die Krätze.

Lang will uns also zeigen, dass und wie die Welt nicht funktioniert. Und dass der Manager eingreifen muss. Lang hat im Presseheft auch einige theoretische Erörterungen vorgelegt, einen thematischen Überbau, der allerdings schon schwach skeptischer Nachfrage nicht standhält.

Die sieben Dokufragmente, die er unter diesem pauschalen Titel und dem löchrigen Begründungsdach aneinanderreiht, wirken beliebig; könnten nach der Google-Methode gefunden worden sein und der Entscheid fiel nach dem Motto des Filmemachers: Ich möchte mir eine kleine Weltreise auf Gebührenzahlerkosten leisten (ZDF, Intendant Dr. Thomas Bellut, und arte, Präsidentin Véronique Cayla, sind die Finanziers). Ich muss das nur den Schwachköpfen von Redakteuren des ZDF und von arte mit einem pseudointellektuellen Treatment richtig verbraten; allein ein Bourroughs-Zitat wirkt wahre Wunder, denn die Schwachköpfe glauben ja, sie seien gebildet.

Dem Zwangsgebührenzahler kommt bei so einem durchsichtigen Kalkül die Galle hoch. Das muss er sich mit Verzicht auf sinnigen Kulturkonsum absparen. Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach der Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gar nicht gezeigt werden darf; denn es ist faustdicke Werbung für BMW drin: der Chinabeitrag schildert Verkaufsschulung und Probefahrt für ein neues Modell, das wirkt wie ein direkter, etwas in die Länge gezogener Werbespot. Unkritisch-devotes Product-Placement (falls nicht sogar privat noch was für den vorgeblichen Dokumentaristen abgefallen ist).

Die Methode von Lang ist billig: er stellt seine Protagonisten, die er wohl nach dem Losverfahren ausgewählt hat, so wie in China die Autokäufer an der Zulassungslotterie teilnehmen dürfen, direkt vor die generell sehschwache Kamera und lässt sie einen präparierten Monolog halten.

Das fängt mit einem Inder an. Die Kamera braucht den Großteil des Monologes mit ungedeckten Voraussagen über die weltwirtschaftliche Entwicklung, höchst laienhaft dargestellt und allein durch den Börsencrash in China widerlegt, um nach langem Vorlauf über einen dreckerten Boden und endlos lange Hosenbeine endlich auf dem Gesicht des Redners zu landen.

So plappert der chinesische Autoverkäufer. Die bolivianische Bäuerin liegt das untätige Quaken, wie der Westler es verlangt, nicht; sie wendet sich immer wieder ihrer Wäsche zu. In Pompeii macht Lang es sich besonders billig. Er hält die Kamera auf einen als Römerlegionär verkleideten Bettler, der mit Touristenfotos Trinkgeld verdienen möchte. Das Kuddelmuddel-Strategie dieses Filmes interessiert sich in Bolivien für die Lithiumgewinnung, und hängt doch in der Luft, zeigt endlose Salzwüstenbilder, Salzseenbilder, in Amerika lässt sie einen Typen monologisieren, der Leichen einfriert, die eines Tages wieder zum Leben kommen wollen, dieser spricht nur von seinen „Patienten“; die Suche nach ewigem Leben und Übermenschentum gehört wohl eher in einen Horrorfilm.

In Thailand zeigt der reisefreudige Lang deutsche Pflegefälle, die sich von Thailänderinnen pflegen lassen; auch hier fehlt es an greifbaren, wirtschaftlichen Infos zum globalen Zusammenhang, die Lang doch vorgibt, offenzulegen.

Selten so eine billig hingerotzte, konzeptlos dargebotene Doku gesehen. Die wird im Kino kein Mensch anschauen – und die Redakteure werden sich die Haare raufen und die Fehler überall nur nicht bei sich selber suchen: diese wären just selbst ein nahtlos sich einfügender Beitrag für diese Sendung – kuriose, weltfremde, schläfrige Exoten.

Ach ja, dann kommt noch eine Ansammlung von beliebigen Bildern aus einer besetzten Hochhaus-Investitionsruine in Caracas. Denn da wollte unser Filmemacher auch mal hinfahren. Solch reisefreudige Globalisierung des Dokumentarismus ohne jede inhaltliche Ausbeute auf Kosten der deutschen Zwangsgebührenzahlers verdient eine fette rote Karte.

Großsprech von Hannes Lang im Presseheft: er ermögliche mit seinem Film „eine neue und umfassende filmische Auseinandersetzung mit den großen geopolitischen Veränderungen unserer Zeit und ihren Auswirkungen auf den Einzelnen“. Das ist reines Geschwätz, wird nicht in einem Punkt en detail befestigt. Das hochtrabende, prahlerische Blabla geht weiter: „So werden Gemeinsamkeiten sichtbar, die im Fremden das Vertraute erkennen“ oder der Film zeige, dass „die Menschen dieselben Hoffnungen, Wünsche und Ängste teilen“. Fehlt nur noch, dass er schreibt, sein Film würde zu Toleranz und Weltfrieden beitragen.

Verschnarcht genug, so ein Riesenblabla zu fördern, war auch die Film und Medien Stiftung NRW, Vorsitzender des Aufsichtsrates, Prof., Dr. Werner Schwaderlapp. Keine Ahnung, was diese Leute auf ihren wohldotierten Positionen auf unsere Kosten treiben; weiß dieser Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Schwaderlapp überhaupt, was unter ihm passiert?

Puesto & Fijos.

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Ein Topf voller quirliger, schöner, attraktiver, munterer Französinnen serviert uns hier die Schauspielerin Audrey Dana in einem nicht enden wollenden Strom an Geplauder und Geplapper und Diskussion und Auseinandersetzung und ausufernder weiblicher Selbstbeschäftigung mit den ständig gleichen fraulichen Themen, den unpersönlichen Themen, den allgemeinen Themen von der Orgasmus-Statistik über Cunnilingus, Periode, Eisprung, Menopause, Massagestab, Dessous, Dildo, Klitoris, die Lust aufs Deflorieren, Scheißschwanz, Ausbleiben der Regel und Krebsdiagnose, das ganze Programm Frau bis zur Hoffnung, mittels Flohmarkt die Vergangenheit bewältigen zu können, von Frauen für Frauen, am Schluss ist nur noch ein quietschendes Gegackere, was verständlich macht, dass Solidarität unter Frauen nie möglich sein wird.

Aber die Franzosen haben einen unerschöpflichen Quell an attraktiven Darstellerinnen, hier heißen sie Isabelle Adjani, Alice Balaidi, Laetitia Casta, Audreuy Dana, Julie Ferrier, Audrey Fleurot, Marina Hands, Géraldine Nkache, Vanessa Paraids, Alice Taglioni. In ihren Rollen haben sie Jobs, führende Positionen oder Kindermädchen, Ehefrau oder Busfahrerin und Liebschaften, betrügerische Ehemänner oder entdecken das Lesbiertum und sind geschockt, wenn die eigenen Töchter plötzlich von der Pille reden und das Geschlechtsleben entdecken.

Oder sie können einen Dachschaden bekommen, wenn sie gegen ein Straßenschild laufen und ein Gehirnlappen defekt wird, dann braucht es eine Therapie, die feststellt, dass der Defekt weg ist, sobald die Rede von den Dingen der Frau ist, die sich „unterm Jupe“ (so der französische Originaltitel) befinden.

Als männlicher Zuschauer kommt man sich vor wie bei einer etwas überlangen Bahnfahrt in einem Bahnabteil voll schnatternder Frauen. Und eine hat noch ständig Probleme mit dem Magen und Flatulentien, auch das wird ausgewalzt bis zum Geht-nicht-mehr, das scheint jedes Mal aufs Neue lustig zu sein, besonders beim Essen von Austern.

Ohne pausenloses Denken an Sex und Liebe muss das Leben furchtbar öde und langweilig sein, Frauen sind da um Frau zu sein. Da kann auch ein Mordprozess um einen erschlagenen Vater eine Rolle spielen, bei dem die Tochter aussagt, die Mutter habe ihr zweimal das Leben geschenkt, einmal bei ihrer Geburt und zum zweiten Mal mittels Erschlagen ihres Vaters.

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Wes Geistes Kind ist denn dieser stylishe Hochglanz-Design-Agententhriller, der wie eine geschmierte PR-Maschinerie für die kühne Skyline von Singapur und für einen knackig-roten Audi aus Ingolstadt sich aufführt?

Wie schon im musealen und mauermusealen Codename U.N.C.L.E soll auch hier über die Tochter an einen Wissenschaftler zu kommen sein, hier kein Bombenbauer, sondern ein Agentenkonstrukteur, der Menschen durch biogenetische Manipulation zu Kampfmaschinen umfunktioniert, auch an seiner Tochter hat er solche Versuche gestartet. Die Tochter tut so, als wisse sie von nichts, sie scheint ihrem Vater entfremdet, ähnlich war es schon im Codenamen. Hinter ihrem Vater her ist ein Syndikat aus Singapur, das offenbar selber solche Halbroboter-Menschen beschäftigt.

Der Film ist eine amerikanisch-deutsche Koproduktion, deshalb spielen einige Akte auch in Berlin, somit fallen naturgemäß nicht weiter auffallende Rollen für deutsche Schauspieler ab.

Das industriell-routinierte Drehbuch stammt von Skip Woods und Michael Finch, für die Regie steht Aleksander Bach. Dieser versteht unter Kino Design, auch das Design rasender Reiß-Schnitte, wenn er einen Blick in das genmanipulierte Wahrnehmungsvermögen und das Gedächtnis von Katia wirft, ein Vorgang der vielfach wiederholt wird im Film, ohne dass er tiefere Aufschlüsse erlaubte in das Need, diesen Film zu machen.

Alle möglichen, modernen Überwachungs- und Gesichtserkennungssysteme, scannen, scannen, scannen bis zum Umfallen, werden selbstverständlich eingesetzt, auch der Versuch, Überwachungskameras auszutricksen, was eher dem Slapstick oder dem Blinde-Kuh-Spiel in die Nähe kommt.

Der Cast ist möglicherweise mit einer Hinteridee im Kopf ausgewählt worden, dass diese Menschen ja keine richtigen Menschen seien, sondern überwiegend von diesem Professor manipulierte Wesen. Womit spannende, menschliche Konflikte sich a priori erübrigen, dem Design sei dank.

Der Name „Internationales Syndikat“ lässt auf wenig Fantasiearbeit der Autoren schließen. Der Form halber bringen sie einmal ein Gespräch mit der Frage zum Thema Liebe, das erstickt aber schnell.

Mehrfach mag der Regisseur es auch, wenn seine Figuren wie nachdenklich einfach dasitzen. Nur leider tut sich in diesem Momenten grad gar nichts, weil es ja nichts zum Nachdenken gibt, so bleiben Posen, leere Denkfassaden. Was die Menschen gerade noch verbindet: „we are part of the same program“, Reduktion des Humanen auf ein nicht mehr aussagekräftiges Minimum.

Hin und wieder schaut die Agentin 90 (quatre-vingt-dix) etwas verwirrt oder wie belämmert. Es gibt Actionszenen mit „Einfällen“, ein Flugzeugtriebwerk spielt mit oder der Audi soll mit von Hochhäusern abgeschossenen Harpunen arretiert werden und ein Heli kann über Singapur zun herzigen Feuerwerk explodieren. Dazu kurz ein Hauch von Vater-Tochter-Romantik in einem Orchideengarten. Sonst: ein stylishes Spektakel, so geistanregend wie ein gelecktes Hochglanzmagazin. Und, kleiner Joke der Autoren, zu einem der Agenten brummt der „Vater“, er sei ein misslungenes Experiment, ein Bastard. Thriller mit Halbmensch-Halbrobotern. Und richtig: um das, was sich im Kopf tut, geht es – sollte es gehen. Und ob mans glaubt oder nicht, auch die Determinismus-Philosophie kommt vor, zwar wie reines Papier, aber immerhin: „wir bestimmen, was wir sind durch unser Tun“. Dieses Wort in Gottes Ohr.

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Süßholz-Kino, das den krassen Widerspruch zwischen dem darin behaupteten Kunstideal der Authentizität und der eigenen Performance nicht aushält.

Es geht um die Kunst eines DJs. Die Musik, die er generiert, soll authentisch sein, heißt es in diesem Film von Max Joseph, der mit Meaghan Oppenheimer nach einer Geschichte von Rick Silverman auch das Drehbuch geschrieben hat, soll aus seinem eigenen Lebens- und Erfahrungsbereich stammen und zwar im Sinne der Resonanz, dass sie die Massen bei den Konzerten elektrisieren kann, weil sie darin eigenes Leben erkennen können – was inkludieren würde, dass der DJ seinen Lebenserfahrungsbereich dem der Massen anpasst; er müsste also ein Anpasser sein.

Die „Erlebnisse“ aus denen unser DJ Cole, Zac Efron, seine Künstleridentität erzeugen soll, das ist Joggen mit Kopfhörern durch Pappelallen, entlang von Pinienhecken, an Stromleitungstrassen vorbei, das sind wilde Tiere im Fernsehen, das ist das Abrollen eines Geldstückes auf einer Tischplatte, das sind Reihen von Häusern, das ist das Antuckern von Dachpappe auf das undichte Dach der heruntergekommen Villa ohne Pool im Wasser, in welcher er mit seinen Freunden in einem verlorenen Tal irgendwo hinter Hollywood wohnt, rumhängt, nach Inspiration sucht, Drogen und Alkohol konsumiert; in der Schilderung dieses Lebens kennt der Film kein Ende.

Geld können er und seine Freunde im dubiosen Immobilienladen von James verdienen, ein Geschäft, was im Gefolge des Platzens der Immobilienblase von den Banken mit überschuldeten Hausbesitzern brutal betrieben wurde. So ganz wohl ist Cole nicht bei der Sache. Außerdem bandelt er mit der „Assistentin“ von James an. Er kommt also mehrfach nicht los von James, weil der ihm auch Gigs anbietet.

Die Freunde selbst verbindet außer der Träumerei von einer Karriere nicht viel. Vor allem eine Eskapade in einer leerstehende Traumvilla mit tödlichen Ausgang bleibt in Erinnerung.

Erst im Moment, wo es um das karrierfördernde Sommerkonzert geht, da macht es endlich Klick bei Cole. Jetzt baut er die eingangs geschilderten Erlebnisse in seine Kunst ein. Aber das ist bei einer Figur wie Zac Efron so ein Problem. Er sieht vielleicht nach manchen Schönheitsvorstellungen von Männern hübsch aus. Es gibt einen Film, in dem er mich beeindruckt hat: Um jeden Preis, vielleicht, weil er da in Dennis Quaid einen ernstzunehmenden Spielpartner hatte. Aber hier steht er vor allem da und ist für einen DJ mit viel zu muskulösen Oberarmpaketen bestückt, hat zwar seinen Silberblick, wirkt so, als sei er ständig besorgt, von seiner Schönheit könnte bei einer unbedachten Bewegung etwas abfallen, aber sonst wird nicht viel klar bei seiner Figur. Es fehlt ihm gerade die Authentizität, die der Film doch für die Kunst reklamiert. Er wirkt viel eher wie ein Synthetic-Star-Product aus der Duftindustrie.

Wer keinen Zugang zu diesem Life-Style und zu dieser Musik hat, der wird ihn durch diesen Film nicht finden.

Ein Beispiel für das Süßholz ist eine Kussszene in einem feinen Hotel zwischen Cole und der „Assistentin“ beim Frühstück, dazu fallen Texte mit den Wünschen zu den Zutaten zum Frühstück. Und es ist wenig authentisch, wenn die Assistentin links und rechts eingerahmt von James und Cole auf einem Sofa sitzt und sie alle trinken Mineralwasser wie auf Kommando aus Flaschen, das kommt als Operette rüber, Süßholz, nicht aber Authentizität.

Und weil Zac der Held ist, will er nicht mehr mitmachen beim bösen Geschäft von James, nachdem er schweigender Zeuge wurde, wie diese eine bemitleidenswerte Frau aus ihrem eigenen Haus raustrickst. Noch rührender, noch kitschiger kommt dann die Pseudowiedergutmachung mit dem Schuhwerbungskarton raus, in dem Cole Bargeld sammelt – oft kriecht er im Film unters Bett und steckt Scheine rein – und dass er dieses der armen Frau schenkt. Das ist vielleicht Märchen, kaum Authentizität. Auch die Dreiecks-Geschichte zwischen Cole, James und der „Assistentin“, die kommt wie ein putziger Papierkonflikt daher.

Religiös ist in diesem Film keiner, an einer Stelle aber, bei der Beerdigung von Sqirrel, da sind sie plötzlich alle jüdisch. Das kommt etepetete rüber, wie hier sowieso alles so käsig redlich aus der Sicht des Protagonisten erzählt wirkt, der bei seinem Publikum als ein guter Mensch dastehen möchte und der dafür auch die rechte Lehre von der Kunst vertreten möchte, selbst wenn er sie wegen seiner Rücksichten aufs Publikum gar nicht beherzigen kann. Das honorige Motiv, er wolle einen Quality-Song machen, will sagen: das Bekenntnis zur Authentizität ist vielleicht die größte Lüge, die es in der Kunst gibt, weil es Bekenntnis ist und nicht Kunst.

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