Archiv für die Kategorie: “DVD”

Elegant und smart gemachter Thriller, der im internationalen Finanz-, Geldwäsche- und Drogenhandelsmilieu spielt mit exquisiten Locations in New York, Leeds, Montreux, Lille. Mittendrin entsteht eine Killer-Tochterersatz-Beziehung, denn ein Killer, der kein Herz hat, wäre nicht spannend. Jonathan Mostow hat souverän ein Drehbuch von John Branato und Michael Ferris nach dem Thriller von Kevin Wignall verfilmt.

Aber einer, der mordet und doch Empfindungen zeigt, fasziniert. Wobei das wiederum als unprofessionell gilt, mit dem Opfer eine Beziehung anzufangen. Es kann aber neckisch die Gesetze des Genres auf die Probe stellen – und so vielleicht doch zu einem guten Ausgang führen, trotz vieler Toter, die einem genregerecht nicht allzusehr zu Herzen gehen.

Der Killer, das ist Lucas (Sam Worthington), ein zutiefst verunsicherter Mensch, ein Falludscha-Veteran, der das Töten gelernt hat und das Menschsein in sich offenbar noch nicht ganz ausgerottet, der sich einen zweiflerisch-menschlichen Kern bewahrt hat. Auch wenn er seine eigene Tochter nie gesehen hat; sentimentalerweise hängt in seiner heruntergekommenen Absteige in Leeds eine ganz Wand voll mit Fotos von ihr. Und dann hat er noch Diabetes – oder ist es etwas anderes?

Er soll im Auftrag des Oberdrahtziehers Richard Addison (Allen Leech) – so prunkvoll pompös altbritisch wie der wohnt, müsste ihn sogar die Queen beneiden – ein Mädchen im ähnlichen Alter wie seine ihm unbekannte Tochter töten, Ella (Odey Rush, eine Erdbeermundschönheit mit dunklem Glanzhaar), Sproß eines New Yorker Geldwäschers und Geschäftspartners von Addison.

Addison ist der Meinung, der New Yorker habe ihn betrogen und will ihm, bevor er ihn umbringen lässt, eine Lektion erteilen. Auf diesen und seine Frau ist Killer Metzger (Martin Compston) angesetzt. Sie residieren superluxuriös im feinen Scarsdale, New York.

Tochter Ella ist in einem internationalen Internat in Montreux am Genfersee untergebracht – sie wird dort von Security-Leuten ihres Vaters unauffällig beobachtet.

Weil Lucas als reine Tötmaschine nicht funktioniert, gerät das Mädel ins Fadenkreuz der unterschiedlichsten Waffen, Verfolger, Schützen, Beschützer und kalter Killer, zwielichtiger FBI-Agenten ebenso, gerät in Verfolgungsjagden mit dem Auto durch enge Gassen von Montreux, auf eine Odysse durch Europa im Auto, per Schiff, im Zug.

Auf der Flucht, die das Opfer Ella und den Killer Lucas zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißt, bleibt Zeit für beide, sich gegenseitig auf den Zahn zu fühlen. In dieser misstrauensgetränkten Umgebung bahnt sich vorsichtig eine Beziehung an, denn Ella macht sich so ihre Gedanken. Auf den eigenen Vater ist sie nicht gut zu sprechen.

Und schon sind die Verfolger, die vor nichts zurückschrecken, ihnen wieder auf den Fersen; die beiden verlieren sich. Das hat dramatische Auswirkungen. Sie geraten in höchster Gefahr.

Verfolgung und Action laufen sich heiß, aber Jonathan Mostow verkompliziert die Dinge nicht, sondern kommt nach 88 kurzweiligen Minuten zu einem gut verträglichen Ende. Und in Basel gibt es ein Parkhaus, das heißt „Zürihäggel“, ein Wort, das bei Google keinen einzigen Treffer generiert.

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Ein nicht ganz klassischer Tanzfilm.

Er fängt so an, lässt erst ein klassisches Tanzmärchen erwarten, dem Ballet und der Kunst zugeneigt, Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen arbeitet sich in den Balletthimmel am Bolschoi-Theater, dem „Symbol, der Herrlichkeit Russlands“, (in Bolschoi Babylon wird das Symbol allerdings weniger herrlich gezeigt).

Polina ist tanzbegabt. Ihr Vater stammt aus einer armen Familie aus Georgien, ihre Mutter aus Sibirien. Sie wohnen in einer Siedlung mit öden Wohnhochhaussilos in der Nachbarschaft von stets dampfenden Kraftwerksmeilern.

Als Hindernis für die Bolschoi-Karriere erweisen sich die finanziellen Verhältnisse zuhause, sie können es sich gar nicht leisten. Der Vater ist in dubiose Geschäfte verwickelt. Aber Polina wird von ihren Eltern unterstützt. Das hindert sie nicht, Konzentrationsprobleme zu haben im Widerspruch zum geforderten ‚Streben nach Vollkommenheit‘.

Polina nutzt jede Gelegenheit zu tanzen. Auch im Freien, in verschneiter Landschaft vor den dampfenden Kraftwerktürmen.

Auf ihrem Weg in den Ballethimmel trifft sie Adrien (Nils Schneider). Sie selbst wird jetzt von Anastasia Shevtsova dargestellt. Sie verliebt sich in Adrien. Der Film tendiert zur BallettRomCom.

Aber die Graphic Novel von Bastien Vivès, die Valérie Müller und Angelin Preljocaj als Grundlage ihre Filmes diente, hat genügend Volten in petto, dass die Angelegenheit weder kitschig noch süßlich wird, dass sie andererseits nicht nur schöne Ausschnitte aus Proben und Vorführungen klassischen Balletts einfügen, eingeschlossen die nötigen Imperative von harter Arbeit, Verzicht und Disziplin (Motto: die Leichtigkeit muss zu sehen sein und nicht die Anstrengung), sondern ihren Weg mitgehen über Misserfolg, der mit Knatsch in der Liebe einhergeht.

Polina büchst aus nach Belgien. Ein selbst entschiedener Bruch in ihrem Leben. Und ein Neuanfang. Hier muss sie sich erst mal durchschlagen, muss jobben, bis sie schließlich bei Juliette Binoche einen Zugang zum modernen Tanz und damit zur Kunst findet, der ihr bisher fremd war.

Damit wird die Leinwand frei für den modernen Tanz, was sich auch auf der Tonspur in Form von Techno (nicht nur in der Disco) niederschlägt.

Ein Tanzfilm für den anspruchsvollen Tanzfan. Polina geht den Weg von der Verbohrtheit der Kunstansicht des klassischen Ballettes zur Offenheit eines modernen Tanzverständnisses.

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Japanisch post-chaplineskes Roadmovie ‚Tramp mit Kid auf der Suche nach dessen Mutter‘. Die findet er nicht. Das darf verraten werden.

Aber was finden die beiden einsamen Seelen, was verbindet sie, was suchen sie wirklich, was praktizieren sie?

Masao ist der Schulbub, der in Tokio bei seiner Großmutter lebt. Sympathiegewinnend inszeniert Takeshi Kitano, der Autor, Regisseur und die Hauptfigur Kikujiro, den Jungen wie er zur Schule eilt, immr leicht beschwingt, leicht rennend über eine geschwungene Brücke, mal mit einem Rucksack mit Engelsflügeln dran, mal mit einer Tüte mit einem Smiley drauf.

Masao hat einen Schulfreund. Aber es sind Schulferien. Der Vater ist lange gestorben. Die Mutter ist weit weg und nicht greifbar. Die Oma arbeitet bei einem Imbiss. Der Junge geht allein auf den Sportplatz. Der Trainer macht ihn darauf aufmerksam, dass Schulferien sind. Knabe allein, anrührendes Bild. Vielleicht sieht Kitano in dem Jugen sich selbst.

Zuhause bei Oma muss Masao ein Paket entgegennehmen. Auf der Suche nach dem Quittungsstempel der Oma entdeckt er Fotoalben, Bilder von seiner Mutter. Der Entschluss reift: sich loszumachen, die Mutter zu suchen. Ausreißergeschichte.

Schnell läuft er dem Ehepaar Kikujiro über den Weg. Seine Frau (Kayoko Kishimoto) mit der hübschen Katze vorne auf ihrem Kleid checkt die Lage des Jungen, schickt ihren Mann mit ihm auf die Reise zu dessen Mutter. Sie gibt ihrem Mann auch genügend Geld mit und informiert die Oma, die nichts dagegen einzuwenden hat.

Takeshi spielt Kikujiro so, dass sofort klar ist, dass das keine Reise ohne Komplikationen sein wird. Auch er wird seine Mutter im Heim besuchen. Aber er ist ein Spieler. Weit kommen die beiden Tramps nicht. Kikujiro bleibt an der Rennbahn am Wettschalter hängen. Das Geld bleibt auf der Strecke.

So sind denn die Voraussetzungen gegeben für eine existentielle Trampreise kreuz und quer durch die japanische Landschaft, die Bereiche Poesie, Hoffnung, Einsamkeit, Sehnsucht, Kunst und Ungerechtigkeit, erlitten wie selbst praktiziert und die Frage, was will ein Mann in seinem Leben.

Kateshi tanzt stilsicher auf dem dünnen Grat zwischen Poesie und nackter Gewalt, die hier allerdings nie so richtig oder brutal ausbricht. In der schlimmsten Situation machen ihn ein paar Kerle fertig. Mit blauem Auge erzählt er dem Kid, dass er die Treppe runtergefallen sei.

Der Film wird erzählt aus der Sicht des Buben, der wie eine Art Fototagebuch führt. So werden einzelne Kapitel überschriftet: ein signifikantes Foto der folgenden Szene und der Bub spricht den japanischen Text dazu, der nicht auf deutsch untertitelt ist (dies ist in manchen Szenen ein Manko, wo japanische Schriftzeichen nicht akustisch übersetzt werden, wie beim Heim, in dem die Mutter von Kikujiro sich befindet).

„Der böse Mann“, das ist der Mann, der Masao in einem unbemerkten Augenblick in ein Klo entführt und von ihm verlangt, dass er die Hose runterziehe.

Sie steigen in einem Luxushotel ab. Der Concierge behauptet, es sei ausgebucht, zu sehen ist allerdings kein Gast. Kikujiro übt Schwimmbewegungen im Bett. Die beiden Tramps lassen das Hotel auf der Rechnung sitzen. Sie sind unempfindlich der Ungerechtigkeit gegenüber, die sie praktizieren.

Masao hat Alpträume. Kitano bebildert diese mit opernhaft schönen Bildern. Die Kunst spielt immer wieder eine Rolle, Tanz, Jonglieren, Singen, Schreiben, Steptanz, Indianertanz, Ufo-Marsmensch.

Motorradrocker kommen vor. Auch hier bricht die tendenziell in der Luft liegende physischen Auseinandersetzung nicht aus. Hier endet sie in Camping-Minne, hier wollen die Männer nur noch spielen. Strand, Dünen, Wasser, spielende Männer. Auf den Melonenhelm des im Sand eingegrabenen Rockers hauen oder Kleiderrobben. Lakonie japonnaise.

Einmal spielt Kikujiro den Blinden, um als Anhalter von einem Auto mitgenommen zu werden.

Die Ausstattung findet immer wieder Blumenmotive in der Dekoration oder steckt den beiden Tramps ein großes, grüned Blatt über den Kopf als Sonnenschutz oder dem Kid eine Sonnenblume in den Rucksack wie eine Fahne und blumenmustrige Hawaihemden sowieso.

Die Musik reagiert sensibel auf die Gehalte, die klimpert mal diese hellen Pianotöne, kann aber auch mit den Streichern in die Region des Requiems abdriften oder parallel weich-sanft sein oder auf dem Rummelplatz folkloristisch-traditionell japanisch werden.

Der Grat zwischen Poesie und Brutalität, zwischen Banalität und Kunst. Nägel auf die Straße, um mitgenommen zu werden. Kunst: der Mann, der die mechanische Puppe spielt.

Die einsame Bushaltestelle, an der kein Bus hält, aber ein merkwürdiger Bankier. Kikujiro vertauscht den Snacktüteninhalt. Sonnenblumensomnambul? Das Engelsglöckchen von den Rockern. Statt Kampf müssen sie ihm die Fische machen oder den Tintenfisch.
Am Seil am Baum schwingen mit Sumpflandung.

Zu bemängeln sind an der DVD: keine Übersetzung der Credits im Abspann und
die deutsche Synchro ist leider zu billig, keineswegs takeshikongenial; sie nimmt dem Film von seinem Charme.

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Öl bringt Reichtum, Öl bringt Krieg.

Opulenz, orientalische Pracht, breite, epische Kinoleinwand für große RomCom, Augenweidenkino: Kutschen, Oldtimer, Pferde, Dampflokzüge, hübsche Protagonisten, feudale Palastinterieurs, Pfau im Garten und prachtvolle Kostüme, einfache Landbehausungen, Steppe, Meer und Glück in den Bergen Aserbaidschans, aber auch Kriegsszenen und Ölförderfelder, voluminöses Orchester und Ausstattung wie in der Oper, das sind die Zutaten, mit denen Asif Kapadia (Amy, Senna) nach dem schlanken, linearen Drehbuch von Christopher Hampton (Eine dunkle Begierde, Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten) nach dem Buch von Kurban Said die Liebesgeschichte von Ali Khan Shirvanshir (Adam Bakri) aus Baku (hier kommt das Öl her) und Nino Kiplani (Maria Valverede) mit Sommerresidenz in Tiflis erzählt.

Ali stammt aus einer generationenlangen Herrscherfamilie Aserbeidschans, er ist ein Prinz und Muslim. Nino ist orthodox und stammt aus der reichen Geschäftsfamilie Kiplani. Die Heirat der beiden ist von Seiten der Familie Kiplani unerwünscht und nicht opportun.

Der Film spielt zur Zeit des ersten Weltkrieges. Aserbeidschan träumt von der Unabhängigkeit von Russland; das Land soll aber auch in den Krieg ziehen. Ali sieht nicht ein, in einen Krieg von Christen gegen Christen zu ziehen. Er steht da im Gegensatz zu den meisten jungen Männern seiner Generation allein. Er muss in die Berge fliehen.

Nino sollte nach Moskau geschickt werden. Dem entzieht sie sich, indem sie ebenfalls zu Ali flieht. Dort in den Bergen lassen sie sich trauen. Friedvolles, einfaches, karges Landleben. Bilder mit Schafen, er als Hirte.

Wie der Krieg zu Ende ist und Baku gesäubert, wird Aserbeidschan zur unabhängigen, demokratischen Republik erklärt. Aber die Stimmen sollen recht behalten, die behaupten, solange es das Öl gibt, besteht das Interesse der Bolschewiken daran – und sie wollen nichts zahlen dafür.

Das erinnert an den vorerst letzten Akt russischen Imperialismus‘, die Inbesitznahme der Krim. So wird es auch hier kommen. Die Bolschewiken rücken vor. Nino, die ihr Kind in Persien zur Welt gebracht hat, soll jetzt nach Tiflis zu ihrer Familie fliehen, bis der Befreiungskampf zu einem glücklichen Ende gekommen ist.

Die Geschichte wird erzählt wie ein Märchen aus 1001 Nacht, aber mit bitterem historischem Hintergrund und letztlich auch mit bitteren, persönlichen Konsequenzen. Dabei zeigt der Film die Schönheiten Aserbeidschans (allerdings ist in der Türkei gedreht worden) und: Haschisch gegen Schmerzen war hier schon bekannt.

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Alptraumschlaufe eines Teenagers-Girls zwischen Menschlichkeit und arrogant-überheblichem Bitch-Verhalten. Siehe Review von stefe.

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Nicht nur überleben: AUFBLÜHEN!

Deine Nahrung soll Deine Medizin sein. (Hippokrates)

Ausgehend von einer wahren Diabetes-Epidemie und von der ganz subjektiven Problematik in der eigenen Familie, in der Vorfahren schon früh Herzoperationen brauchten, hält sich Protagonist Kip Andersen, der mit Keegan Kuhn auch für Regie und Drehbuch steht, selbst für genetisch gefährdet, glaubt, ebenfalls für solche Krankheiten anfällig zu sein.

Er macht sich auf die Suche, fängt an zu recherchieren. Als erstes bei Vereinigungen, die vor Krebs, Diabetes, Herzerkankungen warnen und helfen wollen.

Bald schon stößt er auf Leute, die ungern Interviews geben, stößt darauf, dass die eine Ernährung empfehlen, die just diese Krankheiten auslöst: verarbeitetes Fleisch, Eier, Milch.

Andersen weitet seine Recherche aus auf Wissenschaftler aller Couleur, Publizisten, Vertreter von Organisationen gegen diese Krankheiten. Das Muster ist bekannt: es wimmelt überall von Studien, die einen sagen dies, die anderen das. Er trifft auf Menschen, die für den Rest des Lebens Medikamente nehmen müssen wegen Asthma, Blutdruck, Diabetes, Cholesterin. Er trifft auf Verfechter veganer Ernährung und dass es schon vor Jahrzehnten Ärzte gab, die zwischen Gesundheit und Ernährung eine Relation gesehen haben. Er wundert sich, dass auch heute noch Ärztevereinigungen sich weigern, auch nur Schulungen oder Referate anzubieten, die darauf hinweisen.

Er entdeckt, das kennt man alles schon aus Dokumentationen über die Tabakindustrie, über den Zucker, über die Impfindustrie, wie diese Industrien, Pharmazie als auch industrielle Tierhaltung endlos Gelder in Studien und Lobby pumpen, wie sie selbst Krebsligen und dergleichen massiv unterstüzten, damit die eine Ernährung empfehlen, die statt Krebs, Diabetes, Herzkrankheiten zu heilen, diese befördert.

Es schält sich immer mehr heraus, wie schädlich die tierische Ernährung nicht nur für den Menschen und seinen Organismus direkt ist, sondern auch welche Schäden diese Industrie sowohl bei ihrer direkten Umwelt (Beispiele aus North Carolina) verursachen, wie Pestizide überall eindringen. Wie selbst Fisch von Rückständen aus dieser Nahrungsmittelproduktion nicht verschont wird, Quecksilberansammlungen, aber auch die Rückstände von Antibiotica (die Pharmaindustrie verkaufe mehr davon an die Massentierhaltung als an die Menschen).

Beispiele, die überzeugen: Menschen, die vor lauter Medikamenten kaum mehr sich bewegen können, und die schon nach wenigen Tagen der Umstellung auf vegane Ernährung auf die Medikamente verzichten ebenso auf den Rollator oder den Rollstuhl, die freier atmen.

Als Negativbeispiele Horrorbilder aus der Massentierhaltung und Massenschlachtung und dass die Produktionstaktung ständig erhöht wird, dabei die Infektionsgefahren steigen; sticht einer in ein eben getötetes Schwein: ein Riesenstrahl Eiter schießt heraus.

Eine happige Lektion in Ernährung. Das sind Filme, die gehören in jeden Haushalt, zwengs Ernährungshygiene, um sich immer wieder den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit bewusst zu machen.

Verwunderung darüber, wie wenig die Ärzte über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit wissen.

Wenn falsche Ernährung von Generation zu Generation weitergegeben ist, sind die Krankheiten deswegen nicht genetisch bedingt.

Wenn Sie dem Rat Ihres Arzte folgen, bleiben Sie immer krank.

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Denkpausenmacher als Pausenfüller – die KiKa-Nachtschleife, das mimiklose Kastenbrot Bernd mit den für den Joystick zu kurz geratenen Armen und der imaginären Fußkette, die es vor dem White-Screen fesselt – nach dem Buch von Tommy Krappweis und Norman Cöster und in der Regie von Tommy Krappweis und Erik Haffner.

Bernd das tägliche Nachtbrot, das mit seinem 4.0-Dadaismus aus den ultramodischen Begriffen rund um die virtuelle Welt aus Games und Internet und Chat und Videoclips und Kommentarfunktionen nüchtern reflektiert und bestens unterhält und nicht mal beabsichtigt, witzig zu sein.

Dieses bemitleidenswerte Zeichnergeschöpf Bernd soll nun mit seinem pferdegebissigen Praktikanten Bob, der den Drehplan falsch herum hält, auf Tournee gehen, soll auftreten und singen. Sonst droht ihm eine Rolle als Komparsen-Brösel in Hänsel und Gretel – das Schicksal dieser Brösel darf als bekannt vorausgesetzt werden.

Bernd wundert sich, warum ihm überhaupt jemand zuschaut, da doch nix passiert. Das ist vielleicht das Geheimnis dieser reduzierten Zeichenkunst, dass mehr reflektiert und wortverdreht und wortverspaßt als agiert wird. Dass die Figur über die neuen Wörter stolpert. Dass sie über ihre neue Rolle als Follow-Me skeptisch spricht.

Die Serie Follow-Me, in der Bernd mitspielen soll, behandelt witzig kurz das Thema, was der Film The Circle extensiv macht, dass die ganze Welt teilhaben soll an Bernds Leben unter Ausbeutung des privaten Aspektes, dass Bernd in ständigem Chat-Austausch mit seinen Followern steht, was wieder eine Kette von absurd-witzigen Dialogen nach sich zieht; wodurch er aber auch preisgibt, dass er täglich seinen Schimmelblocker brauche, damit ihm aufgrund von Schimmel kein Haar wächst und aus der Netiquette wird die Berndikette.

Aber die Drehabeiten sind hart, der frühe Vogel ist auch saumüde; immerhin bekommt Bernd eine eigene Garderobe und das ist doch besser als im Recycling-Container zu landen. Seine Verträge hat Bernd mit Fußabdruck besiegelt. Und so wortspielt sich Bernd brillant durch seine Aphorismus-Brösel-Existentialismus-Abenteuer.

Auf der kurzweiligen DVD sind außerdem zu finden; Videoclips ICH SAGE NEIN und SINGT DAS BROT! – Hinter den Kulissen WIE EIN BROT – Singt das Brot! (Videoeffekte) und SINGT DAS BROT! (Outtakes)

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Grusel vom Feinsten.

Und so nah am Alltag.

Der Halleysche Komet spielt eine Rolle in diesem Film von Sebastian Hofmann, der mit Julio Chavemontes auch das Buch geschrieben hat. Wobei der Komet eher der Illustration einer kosmologischen Begründung des Menschenbildes gelten dürfte, das den Menschen in existenzieller Verlorenheit einordnet. Darauf wird in der ausgiebigen Schlusssequenz des Filmes nochmals wortlos referiert.

Die Haupterwägung gilt allerdings der Frage, wo denn der Unterschied zwischen Mensch und Zombie liege, auf welch dünnem Grat der Alltagsbewältigung sich das entscheidet.

Das Auge der Kamera von Matias Penachino denkt mit. Es versucht, sich in diesem Zwischenbereich festzuhalten an geometrischen Strukturen wenn immer möglich, wobei diese schnell und gerne verschwimmen in einer Überbelichtung.

Die Figur, die so eine Verwandlung durchmacht, ist Alberto (Alberto Trujillo). Er ist Wachperson in einem Fitnessstudio. Er ist mit sich beschäftigt, ein ruhiger, aber durchaus beobachtender Mensch.

Das Insektenmotiv lässt andeuten (Insekten in einem Glas gefangen, das nicht gleich als solches erkennbar ist), dass er möglicherweise eine Verwandlung durchmachen wird wie der Gregor Samsa.

Aber Sebastian Hofmann bleibt näher am Leben, am Alltagsleben. So wird das gruseliger. Nach und nach offenbart sich Alberto, fächert seine Existenz vor uns auf. Er hat eine penibel sauber gehaltene Sammlung von Porzellantellern an der Wand und von Kaffeetässchen in einer Vitrine.

Die Kamera übernimmt seine Sicht. Figuren in der S-Bahn oder im Fitnessstudio gemahnen plötzlich an Zombies. Das hängt mit der raffinierten Kamera zusammen.

Alberto selbst kommt beim Verlassen des Studios an Silvi (Luly Trueba) vorbei. Er sagt ihr, er könne nicht mehr länger arbeiten, er sei krank. Sie bittet ihn, noch eine Woche auszuharren. Seine ‚Krankheit‘ hat es in sich. Das ist nicht gerade appetitlich, was es zu sehen gibt. Subtiler Grusel, nah am Leben.

In etwa der Hälfte des Filmes erleidet er seinen Tod, landet in der Pathologie. Der Angestellte dort (Hugo Albores) wundert sich nicht sonderlich über einen Toten, den er eben noch gewaschen hat und der jetzt wieder aufwacht und sich aufsetzt. Er hält ihm einen Monolog und mampft dabei Suppe.

Der weitere Verlauf des Filmes wird jetzt noch merkwürdiger, insofern, als Hofmann alle äußerlichen Zombieelemente auf ein Mininmum reduziert. Alberto geht etwas verlangsamt, mühsamer. Das Leben läuft weiter ohne besondere Zombieauffälligkeiten.

Silvi möchte sich am letzten Abend von ihm verabschieden, verschleppt ihn in einen Imbiss und später in ihre von Stofftieren überquellende Wohnung. Hier wird der Halleysche Komet zum Thema. Aber die Frage, wer sind die Lebenden, wer sind die Lebend-Toten, die kann auch nicht weiter beantwortet werden, allenfalls die nach der Einsamkeit des Menschen, der Ureinsamkeitn(?): Silvi fragt Alberto: Red ich zuviel? Er antwortet: Nein, Du fühlst dich nur einsam.

Qualitäten und Elemente: Hofmann lässt sich viel Zeit für seine Figuren und für kleine Vorgänge, wie das Herausschneiden von Haaren aus der Nase oder den Tropfen einer Infusion oder eine kleine Menge Rotzblut, das in den Ausguss gespült wird, Wasser, was Alberto aus einem Schöpfer über seinen Körper laufen lässt als spannender Vorgang für sich, immer sieht Hofmann die Strukturen, sieht sie als philosophische Hilfe, als Rahmen, er setzt Alberto gerne in einen Rahmen, in ein Geflecht aus geometrischen Strukturen, nimmt durch eine Überdosis Licht viel vom Realismus, – zuviel Licht führt zu Ununterscheidbarkeit, zu Wahrnehmungsverlusten, lässt Realität und Dinge in eine symbolische Dimension gleiten.

Wodurch auch der Mensch, der im Mittelpunkt steht, in den Verdacht des gleitenden Realitätsverlustes gerät. Demgegenüber führt Hofmann auch das Thema Blindheit ein im Rahmen eines Gottesdienstes für Blinde, das Leben in Dunkelheit. Symbole veränderter Perzeption.

Über einen Menschen, der langsam aus der menschlichen Gemeinschaft ausscheidet, in der er nie richtig drin gewesen ist. Der fast bildlich aus einem stinknormalen Alltag herausgelöst wird, resp. der ’stinknormale‘ Alltag löst sich allmählich auf für ihn. Übergangswelten.

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Ein Humanismusfilm, der die Chancen einer humanen Existenz des Menschen trotz seiner zwiespältigen Konstruktion aus Monster und Mensch, auslotet.

Der Mann in seiner existentiellen Schizophrenie zwischen Monster und Bürger/Zivilist als Dae-su Oh (Min-sik chi). Anlass für diese harte Auseiandersetzung ist der, dass Dae-su 15 Jahre in einem Appartement eingesperrt war, ohne zu wissen warum, dass mit ihm möglicherweise Experimente gemacht worden sind, manchmal ist Gas zu einer bestimmten Melodie reingesprüht worden (er erzählt seine Geschichte in gepflegter deutsche Synchro und oft als voice-over), das er mit bekannten Vorgängen in der Geschichte assoziiert und mit einem Bodycheck an Russlands Tschetschenien-Politik verbindet (der Film ist von 2003).

Dae-su hat in seinem Gefängnis nur einen Fernseher – als Schule, Religion, Freund, Geliebter; das erinnert an den Film „Willkommen, Mr. Chance“ mit Peter Sellers. Er trainiert Selbstverteidigung gegen eine Männersilhouette, die er an die merkwürdig kleinbürgerliche Tapete gemalt hat. Es werden ihm möglicherweise auch ab und an Frauen geschickt. So genau weiß er es nicht, denn es werden ihm auch unbekannte Ingredienzien in die Venen gespritzt.

Aber für jedes Jahr, das er in dieser Gefangenschaft verbringt, tättowiert er sich einen Strich auf seine Hand. Irgendwann kommt er frei. Ein fast absurde Szene, aber es ist ja eine Geschichte, die er als seine Geschichte vorgeblich in ein Tagebuch schreibt. Er entsteigt einem massigen Reisekoffer, der auf eine Wiese fliegt.

Er hat Jahre an einem Loch in der Wand des Gefängnis-Appartments gebohrt, nicht wissend, ob er sich möglicherweise in einem Hochhaus befindet und falls ja, auf welcher Etage.

Kaum in Freiheit, macht er sich auf den Pfad der Rache. Erst muss er herausfinden, wer überhaupt sein Quäler war. Bald merkt er, dass er ständig überwacht wird. Audio-Bänder werden eine Rolle spielen. Und Frauen lernt er kennen und weiß doch nicht, wie weit er ihnen trauen kann.

Alles, um herauszufinden, das ist jetzt ein kleiner Spoiler, dass es, wenn ich das richtig verstanden habe, lediglich mit einer flapisgen Bemerkung aus leichter Zunge in der Jugend einem Altersgenossen gegenüber zu tun hat.

Womit Meisterregisseur Chan-wook Park, der ein Buch von Garon Tsuchiya nach dem Comic von Nobuaki Minegishi verfilmt hat, zeigt, an welch dünnem Faden die Differenz zwischen Mensch und Tier/Monster hängen kann. Und weil der offenbar schicksalshaft immer wieder reißt, stellt sich für Dae-su die berechtigte Frage, „auch wenn ich schlimmer bin als ein Tier, habe ich nicht ein Recht zu leben?.

Der Mann kommt nicht zur Ruhe, das Monster treibt ihn um, er kann von der Rache nicht lassen (und die kann in einem asiatischen Film wie hier aus Korea besonders blutig, fleischlich und schmerzhaft sein) und hat gleichzeitig Angst davor, was er machen werde, wenn er die Rache erledigt hat, so ist er angefixt von dem Schmerz, der ihm zugefügt wurde.

Eine Gegenmeinung spricht davon, dass dann erst recht der Schmerz hervortreten würde. Vielleicht versteht sich der Film auch als eine Illustration des Satzes: „Lache – und die ganze Welt lacht mit Dir; weine – und Du weinst allein.“

Freiheits- und Menschenbegriff werden relativiert. „Sei ein Sandkorn – oder ein Stein – im Wasser gehen sie beide unter“ oder dass die Freiheit nach dem Weggesperrtsein nur als ein größeres Gefängnis beschrieben wird; wie verführerisch das Monster ist, zeigt Dae-sus Bestellung im Fischrestaurant: etwas Lebendiges; es gibt auch andere Situationen, die klar machen, dass sein mentales Training nicht von Nutzen ist.

Über dieser Ebene gibt es noch jene der Manipulation dieser Existenzparameter zwischen Monster und Mensch. Das zeichnet ein noch widersprüchlicheres und nicht allzu erfreuliches Menschenbild – und wenn man auf die Kriege schaut, die aktuell auf der Welt von den verschiedensten Interessengruppen betrieben werden, so kann man nur sagen, wie zu recht skeptisch Chan-wook Park den Menschen entwirft.

Ein hochaktuelles cineastisches Meisterwerk, das sich raffiniert und bildstark mit der menschlichen Natur beschäftigt. Gegen das Bild des bürgerlichen Mannes als Vater, Ehemann und mit einem Familienalbum. Wozu Menschen Menschen bringen können.

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Zwei aufregende Filme in einem: der Irrweg des Buben Lion, der durch unglückliche Umstände verloren geht, und von zuhause in Indien bis nach Australien zu einer Familie gespült wird, die ihn adoptiert und dann die Suche des inzwischen erwachsenen Australiers und studierten Lion über Google Earth und verschwommene Kindheitserinnerungen nach seiner Herkunft im Slum in Indien und nach einem Bahnhof. Zwei auf ihre je eigene Art anrührende Geschichten mit je einem überzeugenden Protagonisten (Lion jung und Lion erwachsen).

Hier ist die Review von stefe.

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