Archiv für die Kategorie: “Allgemein”

Filme, die einen Blick hinter die Kulissen von Theater und Film bieten, können immer mit einer gewissen Neugierde des Publikums rechnen, weil es zu Mitverschworenen gemacht wird, weil es sich vielleicht einen Hinweis auf die Wahrheit des Geschehens auf der Bühne oder der Leinwand erhoffen mag. Meist sind diese Filme auch eine Hommage an die Darsteller, an ihre Größe und ihre Schwächen. Allein letzten Herbst gab es eine ganze Reihe von Hinter-die-Kulissen-Schau-Filme. Den Anfang macht der zynischste von allen, der ganz Hollywood als eine einzige Inzuchtfarm charakterisierte, David Cronenberg mit Maps to the Stars, weicher verpackt, aber mit noch schmerzhafterem Kern war Mike Myers’ Superstar – Wer ist Shep Gordon?, es folgte Clouds of Sils Maria von Olivier Assayas, der die Tiefen weiblichen Startums auslotet ohne sie zu verletzen und auch Ein Geschenk der Götter aus Deutschland kann hier ruhig angeführt werden, bei dem der sorgfältige Blickwinkel derjenige der Arbeitslosigkeit ist.

Hier jetzt der Broadway. Ein Theaterstück zum Thema Liebe von Raymond Carver, für die Bühne adoptiert vom ehemaligen Hollywoodstar Riggan, der als Vogelmann in Blockbustern berühmt geworden ist, der aber auch unter diesem Image leidet, muss er sich doch von der gefürchteten New York Times Kritikerin Dickinson vorwerfen lassen, er sei ein Promi und nicht ein guter Schauspieler und sie werde ihm auf jeden Fall einen Verriß widmen.

Allerdings können solche Kritiker heutzutage auch nicht mehr auf so einem allmächtigen Ross sitzen, das wird der Film zeigen anhand ausgeflippter Szenen von Riggan, die zum Riesenerfolg im Internet werden und die ihn in die Zeitungsschlagzeilen bringen, die dem Publikumsandrang durchaus förderlich sind.

Regisseur Alejandro González Inárritu (er hat auch das Buch zu diesem Film, das sich auf Carver bezieht, mit Nicolas Giacobona, Alexander Dinelaris und Armando Bo geschrieben) interessiert sich zum einen für die aufgedrehte Aufgeregtheit, die um die Premiere einer solchen Broadway-Produktion herum herrrscht. Es geht um die letzten öffentlichen Proben, wo die Schauspieler sich noch ausprobieren dürfen und Pannen erlaubt sind, wo vor allem auch die Publikumsreaktion getestet wird. Andererseits interessieren Inárritu durchaus die Abgründe eines Schauspielers, und wenn er noch so bekannt ist, wie er unsicher ist, wie er an sich zweifelt, wie er nicht genügend von Zuneigung und Anerkennung haben kann, wie er überhaupt nicht mit anderen Darstellern auskommen kann, als seien alles egozentrische Planeten; das führt hier soweit, dass noch im Stadium der Leseproben Riggan dazu beiträgt, dass dem verhassten Konkurrenten, den er für einen absoluten No-Go hält, dummerweise vom Bühnenboden eine schwerer Gegenstand auf den Kopf fällt.

Also muss umbesetzt werden; viel besser läuft es dadurch nicht. Die lieben Kollegen treiben sich zur Weißglut. Die Aufgeregtheit, die Aufgewühltheit, die Verletzlichkeit der Darsteller, die mit nahender Premiere sich ins Maßlose steigern, die zeigt Innáritu mit einer Kamera, die Hochleistungssport betreibt, die Kamera von Emmanuel Lubezki: endlose Szenen lang ohne Schnitt verfolgt sie die Schauspieler durch Garderoben und Gänge hinter dem Theater bis auf die Bühne oder wenn sich Riggan, weil er eine Zigarette während der Vorstellung rauchen will und sich aussperrt aus dem Theater, so muss er nur mit einem Minislip bekleidet um den Block über den halben Broadway zum Haupteingang laufen, um gerade noch rechtzeitig die Szene zu erreichen, in die er hineinzuplatzen hat.

Die Darsteller sprechen leicht utriert, reden oft viel zu laut, als hätten sie Angst, man könne sie überhören, sie nicht wahrnehmen. Ich nehme an, Inárritu hat das bewusst so inszeniert.

Edward Norton als Mike springt für den unfallhalber ausgestiegenen Schauspieler ein. Die Gespaltenheit von Riggan wird durch ein Double von ihm deutlich gemacht, das mit tiefer, diskreter Stimme spricht, das seine dunkle Seite, die Seite seiner Selbsterkenntnis formuliert. Des Schauspielers zwingendes Need, wichtig sein zu wollen. Seine panische Angst vor Bedeutungslosigkeit. Interessanterweise verfügt Riggan über telekinetische Fähigkeiten. Ein Schauspieler ist eben etwas Besonderes, er kann vor dem Spielen oder bei Proben auch in der Garderobe im Yoga-Sitz einen halben Meter über dem Grund schweben.

Die labile Psyche, der Hang zur Demütigung, die existentielle Unsicherheit des Schauspielers, das kommt hier als ein wildes, exzentrisch-surrealistisches Gemälde zur Geltung so heftig wie bei einem El Greco.

Nette Insiderbeobachtung, wie sich die Darsteller schon bei der Entgegennahme des Applauses fetzen. Ein Film nicht über die condition humaine, sondern über die condition d’acteur, durch Trommelwirbel und die Trommelei auf dem Soundtrack präsentiert wie eine Zirkusshow, so artistisch wie artifiziell, als lphysischer Hochleistungsakt nicht nur der Kamera, sondern auch der Darsteller.

Und was gibt es Leichteres zur Motivierung eines erledigten Schauspielers, eines Schauspielers, der am Ende ist, der an einem Abgrund steht vor der Premiere, als ihm allen Ernstes zuzuflüstern, Scorsese sitze im Publikum? Schauspieler und die nie endende Hoffnung und wie leicht sie daran zu manipulieren sind. Denn der Darsteller Gier nach Anerkennung scheint grenzenlos, unersätttlich so unentbehrlich wie für den Vampir das Blut.

Als Wundpflaster über die ungeheuren Ängste und Verletzungen lässt der Film, pathetisch geworden, am guten Ende den Star in der Garderobe in einem Blumenmeer schier ertränken. Nicht zu vergessen, der Schuss in die Nase.

Carver: krasser Menschenbeobachter. Inárritu: krasser Menscheninszenierer.

Comments Keine Kommentare »

Der Vorläuferfilm hieß „Mann tut was mann kann“. Stefes Begeisterung hielt sich in Grenzen („Komödiengeschichtsvergessene, bleifüßige deutsche Boulevardkomödie für ein gesetzteres, anspruchsloses Publikum, das sich darüber vergnügen möchte, wie in die Jahre gekommene, nicht mehr ganz junge Herren Liebesprobleme wälzen, die sie schon mindestens ein Jahrzehnt früher hätten durchseuchen müssen. Komödie der „neuen Alten“ in wenig erhellter Zeit.“).

Jetzt sind die Darsteller noch mehr in die Jahre gekommen, sehen noch verlebter aus, brauchen noch mehr Schminke, sind behäbiger geworden und was die Erhellung betrifft, so ist in dieser Fortsetzung von großen Lichtproblemen zu sprechen, die sich bei der Drehzeit in Mallorca ergeben haben und die in der Postproduktion nur ungenügend behoben worden sind. Stellenweise wirkt es so, als sei jeder Take zu einer anderen Tageszeit, mal bewölkt, mal grelle Sonne geschoßen worden; lange Schatten, kurze Schatten, keine Schatten.

Als Regisseur fungiert ein Thomas Lee, über den das Presseheft gar nichts verrät. Bei IMDb gibt es aktuell einen Hinweis auf Marc Rothemund. Hier schlägt der Sohn nach seinem Vater Sigi Rothemund, der für Filme, für die er sich genierte, ebenfalls ein Pseudonym benutzt hat: “Siggi Götz” , welches bei IMDb inzwischen offen gelegt ist. Dieses Pseudonym wiederum ist die Namensinspirationsquelle für SigiGötzENTERTAINMENT, einer Website und einer Zeitschrift von und für Film- und Entertainment-Enthusiasten, die von Ulrich Mannes herausgegeben werden. Dass das Pseudonym “Thomas Lee” mit einem Film wie dem vorliegenden allerdings Leute fürs Kino begeistern könnte, ist eher auszuschließen.

Der Film verzichtet konsequent auf alles, was ein Publikum verführen könnte: zwingende Story, Witz, Tempo, Gags, Charme, Erotik, Situationskomik bis Tragikomik, Konflikte, die sich ins Absurde steigern.

Der Verdacht, dass auch die Filmemacher spürten, dass es an Allen Ecken und Enden hapert, wird leicht bestätigt durch die Zudröhnmusik, die sie holterdiepolter über die Bilder legten.

Vielleicht war der Wurm drin in der Produktion. Aber die Texte von Hans Rath, die sind eben auch nicht so von der Zunge weg zu sprechen, mit ihren vielen Schriftsprach-Relativsätzen und der chronischen Frage, was denn hier los sei, die im deutschen Kino prinzipiell auf schwache Drehbucharbeit schließen lässt.

Es gibt einen Ansatz von Grundstory. Wotan Wilke Möring als Paul Schubert ist Personalchef einer großen Firma. Bei einer Jubiläumsfeier auf Mallorca verliebt er sich in die Tochter des adeligen Chefs. Die bekommt allerdings gerade von einem reichen Briten einen Heiratsantrag. Und Herr Schubert ist ihren Eltern sowieso nicht genehm als Schwiegersohn. Merkwürdigerweise will aber die Firma ihn und noch einen Kumpel von ihm zum Vorstandsvorsitzenden oder irgend so was Haarsträubendem machen, haarsträubend, weil nichts, aber auch gar nichts weder am Spiel der Adeligen (den Besetzungen fehlt schlicht die Souveränität), noch der Unternehmer, auch den Personalchef nimmt man Möring nicht ab, stimmt, es wirkt alles rein theoretisch oder soapmäßig, mit wenig Rollenstudium.

Entsprechend die Inszenierung, das sind vor allem erstarrte Stehpartys mit Textaufsagen. Einzig die prallen Brüste von Simone Thomalla am Pool bringen kurzfristig etwas Erotik in den abgestandenen Plot, in das müde, uninspirierte, wenig durchdachte Spiel.

Es scheint, dass diese Fortsetzung zum Vornherein geplant war. Im Presseheft stellt es sich so dar, sie hätten sich „sehr gefreut, dass das Publikum dem Film so zugesprochen hat“ steht über den Vorgängerfilm – einen Erfolg beschreibt man anders – „Und wir wollten es nicht zu lange warten lassen und hatten deshalb schon vorgearbeitet“ – allzu zahlreich dürfte das Publikum nicht sein, das auf diese Fortsetzung wartet. Auf den mäßigen ersten Teil folgt nun der noch mäßigere zweite Teil, bei dem es sich offenbar nur noch um ein eingefahrenes Modell zum pfründenhaften Abgreifen von Subventions- und Fernsehgeldern handelt ohne Rücksicht auf Kollateralschäden beim Publikumsandrang und mit Subventions-Starnamen wie Julia Jentsch (warum die sich für so ein schwaches Produkt hergibt, so verleiht sie ihrm Namen keinen Glanz), Jan Josef Liefers, Oliver Korritke. Was so eine Produktion allein an Flug- und Unterbringungskosten den Gebührenzahler kostet! Darum musste dann wohl bei der Regie und vielem anderem gespart werden. Das sieht man dem Produkt deutlich an, es wirkt wie ein Möbelstück, das nicht sachgerecht verfugt ist, diese einfältige Liebesgeschichte.

Eine Rüge für die Unterstützung dieses jeden Anspruch auf förderungswürdige Filmkultur beleidigenden Geworges verdienen: Medienboard Berlin-Brandenburg (Kirsten Niehuus), Filmförderungsanstalt FFA (Peter Dinges), Mitteldeutsche Medienförderung (Manfred Schmidt), Film- und Medienstiftung NRW (Petra Müller), nordmedia (Thomas Schäffer), Deutscher Filmförderfonds (Monika Grütters). Das Zwangsgebührenfernsehen ist auch mit dabei; das verdient einmal mehr die Rote Karte.

Aus den Komödien-Dialogen:
Willst du dich frisch machen? Da ist das Bad. Soll ich auf dich warten?
Ich bin 37 und will ein Baby und wenn die Männer das hören, laufen sie davon, weil sie nicht mit Druck umgehen können.
Was machst Du denn hier?
Ich will nicht, dass dem Porsche was passiert, wenn das Dach runterkommt.
Schlagen wir doch ein paar Bälle und reden.
Der Scherz ist das Loch, aus dem die Wahrheit pfeift.

Um zu einem Ende zu kommen, werden hinten billig hingerotzt Mallorca-Glücksimpressionen rangeschnitten.

Comments Keine Kommentare »

Nach Vergiss mein nicht von David Sieveking und Titos Brille von Adriana Altaras ein weiterer, tiefer Einblick in eine deutsche Elitefamilie.

Bei Maurizius Staerkle-Drux geht es weder um eine Intellektuellenfamilie aus dem wissenschaftlichen Bereich noch um jüdisches Bürgertum, sondern um eine Architektenfamilie und es ist auch nicht die eigene Familie, die hier abgebildet wird. Der Dokumentarist kennt die Böhms seit langem über seine Kölner Verwandtschaft. Er hat also ein etwas distanzierteres Verhältnis zum Objekt seines Interesses als der Sohn Sieveking oder die Protagonistin Altaras.

Wie bei Sieveking leidet auch hier eine Frau, die Gattin/Mutter an Demenz und wird im Laufe der Dreharbeiten, die sich über mehrere Jahre hinziehen, sterben. Während bei Sieveking von Introspektion in so eine Familie gesprochen werden kann, läuft Maurizius Staerkle-Drux’ Doku mehr auf ein Gemälde hinaus, auf eine Architekturbetrachtung, so imposant wie manche der Gebäude aus der Architektendynastie Böhm. Die drei Söhne von Gottfried Böhm betreiben ihre Büros im Hause ihres Vaters.

Den Pritzkerpreis (von der Verleihung gibt es herrlich schummrige Super-8-Aufnahmen) wie der Vater hat zwar keiner der Söhne gewonnen, aber alle haben sie ihre Marken gesetzt, der eine mit dem neuen HFF-Bau in München und dem staatlichen ägyptischen Museum, der alten Pinakothek nachempfunden, der andere mit einem Moscheebau in Köln und der dritte mit Schnellarchitektur in rasant sich entwickelnden Millionenstädten in China.

Schönstes Symbol für die Tendenz zur Gemäldehaftigkeit dieses Filmes sind Aufnahmen von der mächtigen Trauerweide im Garten der Architekten, die die Mutter einst gepflanzt hat; ein Mirakulum, wenn die im Wind sich biegt und beugt und bewegt.

Der Film kreist erst respektvoll um das alte Ehepaar, den 94 jährigen Gottfried Böhm und seine demente Frau Elisabeth, legt nach ihrem Tod andachtsvoll einige Kondolenzbilder ein, und lässt nach und nach auch die Söhne zu Wort kommen.

Es geht um das enge, berufliche Zusammenleben, den Wettbewerb, die Dominanz des Vaters, auch um die Mutter, die ihre eigenen Karrierepläne, auch sie hat Architektur studiert, zugunsten der Familie zurückgestellt hat, und der das Glück des Ehepaares, das Glück mit ihrem Partner das Wichtigste war, noch vor dem Wohlergehen der Familie (ähnlich wie in Yaloms Anleitung zum Glücklichsein, wobei hier in Köln die Kinder glücklich verheiratet scheinen und ein Enkel sei bereits dabei, Archtiektur zu studieren).

Den stärksten Eindruck aus dem Bildmaterial ergeben die Bilder des 94 jährigen Gottfried, wie er noch arbeitet, in den Swimming-Pool springt, mit seinem noch älteren Bruder Tischtennis spielt, ein Auto kauft oder in Paris das Haus besucht, das seine Frau als ihr Traumhaus gekauft und eingerichtet hat (über sie gibt es die urige Anekdote, dass sie einmal Biedermeiersessel gekauft habe, und weil sie zu hoch für sie waren, die Beine mit der Säge gekürzt habe). Dazwischen immer wieder Fotos und Super-8-Aufnahmen aus dem Leben der beiden.

So wird der Film auch zu einer melancholischen Erzählung über die Vergänglichkeit.
Möglicherweise ist es das erste Mal, dass der Greis jetzt auch über den Krieg erzählt hat, auch dass er davon nie gern geredet habe, dass er getötet hat, deutet er an. Dazu Super-8-Aufnahmen von der Hohen Tatra.

Comments Keine Kommentare »

Die Wonnen des Klischees im Ruhestand eines Killers.

Keanu Reeves spielt den Ruheständler John Wick in diesem Film von Chard Stahelski nach dem Drehbuch von Derek Kolstad.

John hat seinen Beruf ad acta gelegt: er hat die Überbleibsel, das ist ein schwerer Koffer mit einem Arsenal von Waffen und auch von Goldmünzen, in seiner Wohnung in den Boden einbetoniert. Er wohnt in New York, das die Kamera immer wieder auf der Höhe von hohen Etagen von Hochhäusern nächtens durchfliegt.

John fährt einen romantisch schönen Mustang aus den 60ern. Er hat einen Schicksalsschlag zu verkraften. Seine Freundin ist gestorben. Sie hinterlässt ihm einen süßen, kleinen Hund. Das zeigt, was für eine Seele von Mensch er ist, auch wenn Keeanu Reeves doch oft recht tumb wirkt, besonders wenn die Dinge nicht so laufen, wie er es gerne hätte, dann scheint es, als wolle er keine Energie in Regungen des Gesichtes investieren, sondern alle darin, sich und der Welt zu beweisen, dass ein Held wie er immer überleben wird, da können seine Gegner Schützen noch und nöcher mobilisieren, mehr als auf einer Kuhhaut Platz haben, er killt sie alle.

Allerdings gehört heute auch dazu, dass der Held angeschlagen wird, dass er später sogar in die Hände seines Gegners fallen wird und auch, dass er sich selbst verarzten muss. Das wollte er nicht mehr. Er wollte ein hundefreundlicher Mensch mit einem Oldtimer sein, nichts anderes. Die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen.

Dummerweise ist sein schwarzer Mustang bei einem Tankstopp dem milchbärtigen, russischen Bürschen Iosef aufgefallen. Der wollte den Mustang gleich kaufen. Stößt bei John auf taube Ohren. Das kann sich Söhnchen vom Underground-Boss Viggo nicht bieten lassen. Er probt den Überfall auf die Villa von John, tötet den Hund, klaut den Wagen. Das kann sich wiederum der nur leicht lädierte John nicht bieten lassen. Jetzt kommt das Klischee der Abrechnung so richtig schön in Gang.

Das haben die Filmemacher auch tempo- und schallreich inszeniert und zusammengeschnitten, das Auge bleibt gut beschäftigt, obwohl der Geist sich am Schluss fragt, oh, war da was? Sogar ein Kunsthinweis findet sich im Film: auf Johns Bett liegt ein Buch über den Architekten Alvaro Siza, was immer das für die inhaltliche Interpretation des Filmes bedeuten mag.

In den Verbrecherkreisen hat John den gefürchteten Namen „the Boogey-Man“, Baba Jega. Und ganz böse, russische Verbrecher singen an einer Stelle ein traurig-russisches Schlaflied; der Film versteht sich vielleicht sogar als eine Ballade von der empfindsamen Seele eines Killers im Ruhestand mit einem Augenzwinkern zum Zuschauer und zum Genre.

Comments Keine Kommentare »

Gigolo ist nicht die richtige Berufsbezeichnung für die beiden Herren, die in diesem Film porträtiert werden; einer der beiden erläutert, sie seien „Hosts“, also von der Reederei für die Kreuzfahrt angeheuert als Tänzer für einsame Damen. Gigolos dagegen seien Herren, die immer direkt vom Kunden für ihre jeweilige Dienstleistung bezahlt würden.

Hier sind die Herren für die Kunden im Preis inbegriffen. Denn die Zahlen sind deprimierend auf dem Luxusdeck: auf 15 Damen kommt ein Herr, so stellt es jedenfalls eine der Damen, vornehmlich reiche Witwen, bei einer Singleveranstaltung auf der MS Deutschland (zur Zeit in Insolvenz) fest.

Was den Dokumentaristen Stephan Bergmann an seinem Thema so faszinierte, das ist schwer zu sagen; auf jeden Fall konnte er mit seinem Team ein gewisse Zeit auf diesem Kreuzfahrtschiff verbringen; es wäre allerdings kühn zu behaupten, er habe ein wahrhaftiges Kino geschaffen, das ganz genau die Ödnis und Trostlosigkeit im Milieu dieses Schaumkrönchens der Menschheit beschreibt. Trotzdem schafft er es, diesen Kosmos als vollkommen überflüßig darzustellen. Es sei denn, man freue sich über die Jobs, die sich für die Crewmitglieder ergeben.

Auf dem Luxusdeck mit dem Bassin, was bei Wellengang wild überschwappt, versammeln sich Menschen mit Schicksalsschlägen, ja sogar welche, die Schicksalsschläge mit Kreuzfahrten bewusst kompensieren wollen. Diese Schicksalsschläge dokumentiert Bergmann, indem er die Erzählenden stumm vor die Kamera stellt oder sie auf der Sonnenliege schlafend abfilmt, während er auf der Tonspur ihre Berichte laufen lässt. Dabei schweift er tüchtig in die Umgebung seiner titelgebenden Protagonisten ab.

Besonders die blonde Witwe Babsi kommt ausgiebig zu Wort und mit dem „Host“ Peter stößt sie sogar auf das „Du“ an. Zwischen den beiden bahnt sich gegen das Distanz-Gebot der „Hosts“ etwas an, was sich leicht zu einer Liebesgeschichte entwickeln könnte, ja man wünscht es sich sehnlichst in all der wohlbetuchten, protzigen Einsamkeit.

Ganz unverhofft, wenn man glaubt, der Film ist schon zu Ende, ganz unvermittelt gibt der Dokumentarist einen Hinweis aus dem Privatleben der beiden. Da entsteht im Zuschauerhirn wie irritiert die Frage, um was ging es jetzt eben. Wo liegt die gesellschaftliche Relevanz eines solchen Filmes, der mit Zwangsgebührengeldern gefördert wurde? Will der Filmemacher wirklich nur das Klischee einer gelangweiligten, vollkommen verzichtbaren Gesellschaftsschicht zementieren? Noch dazu unter falschem Aufhänger?

„Mein Name ist Jennifer, ich bin ihre Kabine“ (aus dem Deutschkurs fürs Personal).
Berührend ist die Witwe, die beklagt, dass sie seit dem Tod ihres Mannes in der Gesellschaft nicht mehr so viel gelte, nicht mehr so viel wert sei.

Der Landausflug könnte einen Storyfaden ergeben, aber da gibt es nur eine dämliche Feilschszene über einen Rock in Gambia, den die Europäerin für höchstens (sie hat echt ein Problem mit der Unterscheidung von „höchstens“ und „mindestens“) 25 Euro, während er nach Angebot der Verkäuferin maximal 6 Dollar wert sei.

Filmemacher versucht mit Effekten, die Ödnis einer Kreuzfahrt erträglich zu machen, schöne Bilder vom Meer, Zeitlupe oder Voice-Over zu Still.
Zur Garnitur noch ein schwules Paar, die Diskussionen nicht mit in den Schlaf nehmen.

Comments Keine Kommentare »

Ester Amrami, die mit Momme Peters auch das Drehbuch geschrieben hat, bietet uns einen glaubwürdigen (wobei ich nicht beurteilen kann, ob auch stimmigen) Einblick in das heutige Leben in Israel.

In der Art einer Fake-Doku, zwischendrin dachte ich wirklich an Self- und Familyploitation, spielt Neta Riskin die Israelin Noa, die nach Berlin gezogen ist und dort Gelder aufzutreiben versucht für ein Projekt, das sich mit Wörtern beschäftigt, die sich nicht in andere Sprachen übersetzen lassen. Aus dieser Arbeit werden immer wieder Interviews mit Fremdsprachlern eingespielt, die versuchen, spezielle Wörter aus ihren Idiomen ins Deutsche zu übertragen.

Noa lebt in Berlin mit einem Vorzeige-Deutschen zusammen, blond und großgewachsen ist er, etwas milchbubihaft naiv noch. Er ist Musiker. Und denkt sich nicht allzuviel dabei.

Wie Noa kein Geld für ihr Projekt auftreiben kann, fliegt sie qua Sekundeneingebung zurück nach Israel. Dort spielt uns Ester Amrami nun eine so richtig klischeehafte, jüdische Familie mit einer typisch jüdischen Mutter und sowieso viel Typischem, auch was die Jokes zum Holocaust betrifft, vor, chaotisch, wild durcheinander, lebendig und dazwischen Alarm wegen einer Gedenkminute oder das Vorführen eines Luftschutzkellers. Der Bruder Dudi der Regisseurin, der ist gerade beim Militär. Auch typisch für Israel.

Wie Noa ihren Kurztrip beenden will, muss Oma ins Krankenhaus. Sie möchte kurz vorm Sterben noch mal die Tür geöffnet haben, um nach Czernowitz zu schauen. Noas Aufenthalt verlängert sich, arbeiten kann Noa nicht, also reist Jörg, wie ihr Vorzeigedeutscher heißt, gespielt von Golo Euler, nach. Auch er wird jetzt den Culture Clash so erleben, dass er nach ein paar Sprüngen nackt ins Meer sich wieder auf seine Rückreise nach dem geordneten Berlin freuen wird.

Der Film spielt vor allem in den Anfangssequenzen frei und lustig auch mit verspielten, graphischen und Struktur- Elementen. Wird sich allerdings in Israel zusehends „seriös“ auf die erfundene Story konzentrieren und erst im Übergang zur Rückreise nach Berlin kommen wieder die graphischen Spielereien dazu.

Der Film macht jedenfalls gut verständlich, warum es junge Israelis nach Berlin zieht (und nicht etwa nach Stuttgart). Und Jiddisch ist für die Ohren noch jedesmal ein besonderer Genuss.

Der Film wirkt wie von leichter Hand und aus dem prallen Leben geschöpft; er flutscht wie ein erfrischender Sommerregen über ein dröges Deutschland.

Comments Keine Kommentare »

Die Jugend, die sich uns in diesem Film mitteilen möchte, will die Welt verändern.
Wobei die Situation, in der der Satz ganz am Schluss fällt, eher im Sinne der Liebe, die die persönliche Welt verändert, zu interpretieren ist. Denn wenn der Satz politisch gemeint wäre im Hinblick auf eine gerechtere Welt, dann wären doch erhebliche Zweifel an dieser Jugend angebracht, die hier mit ungestümer, pausenlos wackelnder Handkamera Frische und Zukunftsgerichtetheit postulieren möchte.

Wobei der Begriff „project“ im Titel auf einen älteren Film im Horrorgenre hinweist, auf das „Blair-Witch-Project“, wo auch einige Dinge außer Kontrolle geraten sind. So werden sie es hier vorhersehbar auch tun.

Die Sache ist nämlich die: ein junger Bursche, David Raskin (Jonny Weston) möchte am MIT, am Massachusettes Institute of Technology, studieren. Allerdings bekommt er kein Stipendium. Das Geld müsste also seine Familie aufbringen. Das würde nur gehen, wenn die Mutter das Haus verkaufte, in welchem er mit ihr und seinen Geschwistern lebt. Der Vater ist schon nach Davids 7. Geburtstag gestorben.

Wie also das Geld auftreiben? Am besten, mit Schwesterchen Chris, welche die Wackelkamera bedient, sich auf den Dachboden begeben und in den alten Sachen wühlen. Tatsächlich finden sie eine Videokamera mit Aufnahmen von Davids 7. Geburtstag, als der Vater noch lebte. Aber im Schrankspiegel taucht im alten Video plötzlich David als heutiger, junger Erwachsener auf. Zeitsprungerscheinung.

Also nichts wie in den Keller, ins Labor von Vater selig, denn der hatte an einer Zeitmaschine herumexperimentiert. Ohne den geringsten Versuch, irgend eine kausale Plausibilität herzustellen, setzen die drei Jungs – Schwesterchen dokumentiert – diese Zeitmaschine wieder in Gang. Hauptsache, die schließen Batterien an, drücken Knöpfe, studieren Schaltpläne und wenn Handwerkszeug zu fliegen anfängt, dann ist schon der erste Versuch geglückt. Nach dem System Trial-and-Error machen die Kids weiter.

Der Film wirkt teilweise wie ein Kinderabenteuerfilm von der sorglosen Sorte der „5 Freunde“. Sie schaffen schnell die Zeitsprünge, können in frühere Situationen zurückkehren. Und wie verändern sie nun mit dieser Macht die Welt? Sie benutzen sie dazu, im Lotto zu gewinnen oder in der Schule Fehler zu korrigieren. Sie benutzen sie also nicht, um die Welt gerechter, sozialer zu machen, sondern einzig um sie zu überlisten zum eigenen, egoistischen Vorteil. Sie benutzen sie dazu, um sich einen Perfektionismus vorzumachen, der zutiefst unbarmherzig, intolerant, ja faschistoid ist, denn errare humanum est und wer keine Fehler macht, wer alle Fehler ungeschehen machen kann, der ist nicht mehr menschlich. Von so einer Jugend sollte man vielleicht nicht allzu viel erwarten.

Buch: Andrew Deutschmann, Jason Pagan
Regie: Dean Israelite

Comments Keine Kommentare »

Hier ist alles bewährt. Es ist schon Nummer Vier der Geschichte der 5 Freunde nach der Buchreihe von Enid Blyton. Hier ist die Vorlage bewährt, das Team (Drehbuch: Peer Klehemet, Sebastian Wehling, Mike Marzuk, Regie: Mike Marzuk) und auch die Produzenten. Das Rezept hat sich bisher ausbezahlt. Abenteuergeschichten für Kinder, die der Fantasie freien Lauf lassen und nicht unbedingt sich an die Realität und Glaubwürdigkeit klammern.

Hauptsache, die 5 Freunde die 3 Jungs und, wie man inzwischen sagen muss, die junge Frau und der Hund und noch etwelche zugewandten Orte kommen am Ende gut davon, überstehen alle Gefahren, die es diesmal in Ägypten zu bestehen gilt, kommen letztlich mit dem Schreck davon und gelegentlich mit einem Befreiungstrick, einer atemberaubenden Flucht oder auch mit dem Niederschlagen eines Bösewichtes mit einer Schaufel und anderen Ungezogenheiten.

Die Geschichten wirken spielerisch. Wie im Sommerurlaub von den Kindern selbst erfunden. So ist es kein Problem, dass der Taschendieb in Kairo, der sie erst bestiehlt und später zu ihrem Freund und Helfer in Ägypten wird, makellos deutsch spricht wie so viele andere ägyptische Figuren. So ist es in Berlin kein Problem, dass der Vater des einen, der im ägyptischen Museum einen hohen Posten innehat, nach einer privaten Führung, den Kids die Schlüssel gibt, weil das Mädel was vergessen haben will. Und so ist es kein Problem, dass die Kids bei einer noch einbandagierten Mumie in den Mund greifen und da ein Amulett herausfingern, was für die weitere Geschichte von entscheidender Bedeutung sein wird, vom museumskonservatorischen Standpunkt aus gesehen ein Sakrileg. Hoffentlich findet die Aktion keine Nachahmer.

Es gibt drei dieser Amulette und nur wer alle drei besitzt, kann sich den Zugang zu einem sagenhaften Schatz in einer unterirdischen Grabkammer in der Wüste Ägyptens verschaffen. Dahinter sind nun mehrere, rivalisierende Interessengruppen her und die bringen unsere jungen Freunde in ziemlich gefährliche Situationen bis an den Rand des Verdurstens in der Wüste, aber auch in abenteuerliche, wie Reiten auf Kamelen oder an einer Stelle spielt eines der Mädchen aus Ablenkungsgründen eine Ohnmacht vor und einer der Boys definiert das als eine “orthostatische Synkope”.

Immer wieder müssen sie findig sein, sich etwas einfallen lassen, um sich aus Fallen, in die sie getapst sind oder gelockt worden sind, zu befreien. Auch da kann es höchst brenzlig werden, wenn eine tonnenschwere, runde Steinplatte von einem Mechanismus unaufhaltsam auf die Gruppe Gefesselter hinuntergesenkt wird. Nicht schön, das Erdrücktwerden auf sich zukommen zu sehen.

Aber nicht nur mit Ganoven, die sich gerne Kapuzen wie der Kuluxklan überziehen, bekommen sie es zu tun, auch mit einem ganz verbissenen, deutschen Botschaftsmitarbeiter oder einem merkwürdigen, ägyptischen Gericht, aber auch mit Polizisten. Und wenn sie mit einer kopfüber in einen Innenhof runtergeworfenen Mülltonne einen flüchtigen, untreuen Anwalt dingfest machen, so ist die Freude im Publikum groß. Nicht weniger als beim das Filmabteneuer kommentierenden Satz: „War ne verdammt coole Action mit Dir, Baby“.

Filme, nicht für die Ewigkeit, eher für eine Saison, die sich aber rechnen und ihre Funktion wohl erfüllen. Die Orchestermusik gibt den Sound für das große Abenteuer vor, erzählt, dass es sich um ein Kinoabenteuer handelt. Und natürlich erzählt der Film, dass wenn eine Gruppe zusammenhält, sie Gefahren bestehen kann, dass Freundschaft überlebenswichtig ist.

Comments Keine Kommentare »

Eine aus Russen und Briten zusammengewürftelte Mannschaft, in Gang gesetzt von undurchsichtigen Geldgebern im Hintergrund, geht mit einem gerade noch seetauglichen, russischen U-Boot, das vor Sewastopol vor sich hinmümmelt, auf Tauchgang im Schwarzen Meer auf der Suche nach einem versunkenen Nazi-U-Boot mit einem legendären Goldschatz an Bord.

Bei diesem abenteuerlichen Tauchgang wird es zu vielen brenzligen Situationen, technischen Defekten und anderen Katastrophen kommen, die Jude Law als Captain Robinson heldenhaft und mit diesem starken, strengen, unirritierbaren Blick und der leicht angeheiserten Stimme und Gesichtsmimikbehrrschung männlicher Kinohelden meistert.

Zuletzt war als Unterwasserfilm zu sehen Pioneer Der Taucher, eine europäische Koproduktion, die im Untertext vor allem die Liebhaberei zum Unterwasserfilm artikulierte und dadurch wenig Rücksicht auf die konkreten Vorgänge und einen hieb- und stichfesten Handlungsfaden nahm.

Hier bei Dennis Kelly, der ein Drehbuch von Kevin Macdonald zur Vorlage hatte, scheint es nicht viel anders. Wobei Kelly viele Dokumentarfilme gemacht hat. Insofern sind punktuell immer wieder nachvollziehbare Vorgänge, die bannen, zu sehen; allerdings mit großen Lücken und Sprüngen im Storyfaden.

Ebenso scheint es Kelly zu interessieren, Jude Law diese Bühne für die Heldenrolle zu geben, in der er gegebenenfalls sehr, sehr deutlich, langsamm laut und ganz ohne Differenzierung, dompteurhaft artikulieren darf. Denn mit einer gemischten Mannschaft aus Russen und Briten im Schwarzen Meer und einem alles andere als Vertrauen erweckenden U-Boot, das mit Innenräumen wie die Moskauer U-Bahn aufwarten kann, einen Nazi-Schatz aus einem versenkten U-Boot im Schwarzen Meer zu heben, das ist kein Zuckerschlecken.

Hierbei gibt es Details, die schmerzhaft schön die Schwierigkeiten einer solchen Bergung bildlich glaubwürdig machen. Wenn auf einer Lore über sandig-schwammigen Meeresgrund eine oder gar zwei Tonnen Gold von einem U-Boot zum anderen über eine Strecke von deutlich mehr als hundert Metern von Männern in hinderlichen Taucheranzügen gehievt, gezogen und geschoben werden soll, da kann sich eine begeisterte Kamera an tausend Details und nahen Abgründen und schier reißenden Zugseilen exzessiv drauf fixen – was sie auch tut. Und genau das ist es, was der Angelegenheit diesen sympathischen Charme der Liebhaberei verpasst. Nicht das streng gebürstete Drehbuch, mehr herausgepickte, bildeeinträgliche, atmosphärisch-technische beeindruckende Impressionen bilden diesen Film. Auch die Tonspur ist hin und weg von dieser gedämpften Unterwasseratmosphäre.

Anfangs wird solide britisch gearbeitet (zur Bodenständigkeit trägt manch schöner, englische Arbeiter-Dialekt bei), wie in einem britischen Soziodram. Denn Arbeitslosigkeit ist das erste, recht ausladend geschilderte Thema. Captain Robinson hat seinen Job verloren. Aber wer sich nicht hängen lässt, dem kann schnell das Glück winken. Die Info über die Suche nach einem Captain, der ein U-Boot bewegen und befehligen kann, muss ihm wie eine Himmelsbotschaft erscheinen.

Von hier bis zum Abtauchen im Schwarzen Meer haben sich die Filmemacher entschieden, nicht viel Berichtenswertes, irgendwelche Verhandlungsdetails, zu sehen, ein kurzes Insert des U-Bootes vor Sewastopol, das wars, denn das Verführerische finden sie unter Wasser oder im gigantischen U-Boot, was es so her gibt an Defekten, Auseinandersetzungen, ohne zu sehr dem Realismus zu frönen; dann erst die „Land“gänge, und nach der Verfrachtung des Goldes die bange Frage, wie wieder rauskommen aus der Tiefe, aus dem U-Boot und wohin, sich den Schatz vielleicht selbst unter den Nagel zu reißen, und den mit möglichst wenigen teilen. Der Wert scheint über 100 Millionen Dollar zu sein. Die Gier des Menschen ist leicht abrufbar angesichts eines solchen Betrages. Wie er die Geschichte aus den Tiefen wieder an die Oberfläche bringen kann, da hat der Film die apartesten Lösungen gefunden, um nach zwei Stunden zu einem verdienten Leinwandende zu kommen.

In der Tiefe variiert/ventiliert der Film die Themen: Gier, Neid, Mordlust, Totschlag, illegaler Fahrtweg, letzte Zigarette. Ist vernarrt in die Unterwasser-Film-Idee, zelebriert ein Hochamt für einen opferbereiten Superhelden unter Wasser.

Comments Keine Kommentare »

Hier sind wir nicht Charlie.
In der Review von stefe über “Adieu Paris” ist zu lesen von akademischer Elfenbeinturmsicht auf die Welt, von akademischer Arroganz, von ständig bedeutungsschwangerer Musik, vom Fehlen einer eindeutigen Erzählposition, vom Selbstmitleidigen dieses Filmes, von Figuren ohne Historie und Konflikte, von inszenatorischer Bedeutungsschwere und dramturgischem Murks, von beachtlichen literarischen Referenzgrößen, von einem männlichen Cast wie aus der Rasierwasserwerbung und davon dass hier wohl das deutsche Kino das französische Kino für seinen Erfolg bestrafen möchte, sowie das Zitat aus dem Film, dass Zahnärzte neugierig seien, weil sie zur Wurzel vorstoßen wollen. Eine Kinolektion über die Menschen, wie sie nie sind.

Comments Keine Kommentare »