Archiv für die Kategorie: “Allgemein”

Diese Woche gibt es lärmigere Tier-Filme und leisere politische, wobei ich letzteren angesichts ihrer Qualitäten den Vorzug gebe, zuallererst:

FUOCOAMMARE
Hier sind die sensible Ahnungshaftigkeit eines Coming of Age mit dem elementaren Kampf ums nackte Überleben auf der Flucht übers Meers rein geographisch und in Zuspitzung weltpolitischer Begebenheiten zu einem erschreckend schönen Bilderbogen verquickt.

HEIMATLAND
Junge Schweizer Filmemacher üben sich in Schweiz-Bashing mittels Herbeiziehung des Katastrophenfilmgenres, welches ihnen allerdings ob der moralischen Bemühungen gelegentlich aus dem Blickfeld gerät.

WIENER DOG
Der Wiener Dog ist ein Dackel und die Filmemacher machen sich einen Spaß daraus, rund um einen Dackel die dramaturgisch bedeutsame Frage zu stellen: was wäre wenn?

PETS
Ist ist die Katz aus dem Haus, tanzt die Maus. Und dann ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn einem sonst nichts einfällt.

LEGEND OF TARZAN
Der dritte, laute Tierfilm in dieser Woche.

Neu vorgestellte DVDs

DER BUNKER
In diesem Bunker riecht es nicht ganz so modrig nach deutscher Pfründen- und Zwangsgebührenkultur. Hier herrscht die Klassik und ein Gast wird erwartet.

VON 5 – 7 – EINE ETWAS ANDERE LIEBESGESCHICHTE
Ein reichlich pikanter, reichlich akademischer Affärenversuch eines unbeschriebenen Blattes von Dichter und dessen Bedürfnis, das leere Blatt mittels erdachter Affäre zu füllen; eine Ahnung von Größe darf attestiert werden.

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„Fuocoammare“ (Seefeuer) oder „Liebe eines Fuhrmanns“ heißen Lieder, die auf der Insel Lampedusa, 20 km² groß und näher an Afrika als an Sizilien gelegen, gesungen werden.

Die Lieder spielt Pippo auf seinem lokalen Radiosender auf Wunsch der Hörer zum Geburtstag oder auch nur zum Ausdruck von Liebe. Er spielt auch Opernarien. In seinem kleinen Sendekabäuschen kriegt er Notrufe von Schiffen mit Flüchtlingen mit, versucht die Sprecher, die sich in Untergangspanik befinden und kaum des Englischen mächtig sind, zur Ruhe aufzufordern, was er braucht, sind genaue Koordinaten, damit die Retterarmada losziehen kann.

Pippo ist einer der Vertreter des beschaulichen Teils des Lebens auf dieser Europa vorgelagerten Mittelmeerinsel. Ein anderer, so etwas wie eine Hauptfigur in diesem Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi nach einer Idee von Carla Cattani, ist Samuele, ein Bub, der gerade Englisch lernt in der Schule, der ein „müdes“ linkes Auge hat, der fürs Leben gern mit der Steinschleuder auf Jagd geht mit seinem etwas älteren Freund Matthias und dem schlecht wird auf dem Fischkutter von seinem Papa. Bei ihm zuhause macht die Oma Stickarbeiten oder kocht einen Fischsugo zu den Spaghettis. Ein einfach eingerichtetes Milieu, gott- und mariengläubig. Man darbt nicht.

Gerade mal drei Jahre ist es her, dass der Papst, weltaufsehenerregend, Lampedusa, den Strandungsort vieler Flüchtlinge, geretteter und auch von Leichen, aufgesucht hat. Gerade mal drei Jahre ist es her, dass unser Helferinstinkt sich rührte und das darf nicht passieren, dass Menschen in überfüllten Seelenverkäufern vor den Küsten Europas ertrinken.

Drei Jahre können eine lange Zeit sein. Der Flüchtlingstrom ist seither stetig angeschwollen, die Willkommenskultur erlebte Blüte und Niedergang – und es ist kein Ende der Anbrandung von Flüchtlingen abzusehen.

Das ist das Erschütternde an diesem Film, dass man bei sich selbst einen Sättigungseffekt entdeckt, dass man wünschte, die Flüchtlinge wüssten Bescheid, auf was sie sich einlassen, sie würden die Infos kriegen, dass jetzt, 2016, bereits Tausende wieder im Mittelmeer ertrunken sind.

Eine Dokumentation, die nicht wertend berichtet von einem kleinen Flecken Land, der vom Meer umspült wird, was sich hier alles mit großer Selbstverständlichkeit abspielt. Denn parallel zum gewohnten Alltag vom Fischer, der sein Netz flickt, vom Buben, der Angstgefühle hat, der mit einer Augenklappe vor der Brille das eine Auge trainieren muss, geht Rosi auch den hochprofessionellen Rettungsaktivitäten nach. Wie die Flüchtlinge, ob lebend oder tot, von den überfüllten Fluchtbooten mit Gummimotorbooten zu großen Schiffen gebracht werden, wie sie erfasst, an Bord gehievt werden, die Finger angeschaut, ein Foto gemacht, wie die Leichen geborgen werden.

Oder der Arzt, der bei einer schwangeren Frau mit Ultraschall versucht, das Geschlecht der beiden eng umschlungenen Zwillinge festzustellen und der bemerkt, dass wohl der Stress der Flucht zu einem Mangel an Fruchtwasser geführt hat.

Mit Samuele junior hat Rosi einen großartigen, jugendlichen Protagonisten, der seine eigenen Konflikte hat, mit dem müden Auge oder mit dem Wunsch des Vaters, dass er Fischer werden soll; symbolhaft schön ist der wild verwurzelte, verwickelte Baum, eine Kiefer, denn die sind robuster, von welchem er anfangs ein Stück Holz als Griff für seine Steinschleuder sucht. Der Baum auch als Symbol für die Kompliziertheit der Dinge.

Die Einheimischen, die haben Namen, während die Flüchtlinge numeriert werden, sie bleiben eine anonyme Masse, solche, die überlebt haben, singen einen Rettungsrap oder spielen Fußball in der Erstaufnahme oder telefonieren als Silhouetten in die Heimat.

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Allmählich scheint die Schweiz aus ihrem wohlstandsgestättigten, cineastischen Dornröschenschlaf aufzuwachen. Der Schweizer Film wird kritisch, ist auch geschockt von den rechtsradikalen Tendenzen der Schweizer Volksverführerpartei SVP. Jetzt zeigen es ihnen die Enkel von Friedrich Dürrenmatt oder die Schweizer Neffen des Schwaben Roland Emmerich. Sie stellen im Kollektiv diesen Film her, der auf Ideen von Jan Gassmann und Michael Krummenacher basiert.

Wobei Demokratie und Film sich durchaus beißen und das von den Filmemachern im Presseheft selbst festgestellte, unter vielen Schmerzen und Schnaps zustande gekommene Viereckige dieses Filmes keinesfalls rund geschrieben werden kann.

Sie erdenken eine kinoschöne Katastrophe für die heile Schweiz und wirbeln liebgewordene Selbstverständlichkeiten durcheinander. Eine der Vorgängerkatstrophen ist der literarische Text „Der Tunnel“ von Dürrenmatt, eine parallele, ähnliche ist der neueste Film von Roland Emmerich, der sich ein Alien-Raumschiff von 5000 Kilometern Durchmesser ausdenkt und es in Amerika landen lässt.

In der Schweiz ist es ein unerklärliches Wetterphänomen, das sonderbarer Weise an der Schweizer Grenze Halt macht. Die Vorahnung davon zeigen sie filmisch attraktiv und faszinierend schon in den ersten Bildern aus zerklüftetem Gebirge und die kaum sichtbaren Nebelchen, die merkwürdige Wege schleichen, wie unnatürlich und sich auf einen See konzentrieren, der plötzlich ganz ruhig wird. Die Ruhe vor dem Sturm. Gerade noch Zeit genug, den Titel einzublenden.

Die erste halbe Stunde werden temporeich und leinwandspannend einige alltägliche Schweizer Milieus geschildert, über die bald schon der Sturm, der Stromausfall, der Wassermangel fegen wird.

Es gibt Einblicke in das Leben eines Taxifahrerehepaar, in die oberen Etagen einer Versicherungskonzerns, Fußballfans und Neonazis oder Bürgerwehr, eine Polizeieinheit, zwei allein in piekfeinem, bürgerlichen Hause zurückgelassene Schwestern (die kleinere, die Ballettelevin, ist motzig frech zur älteren Schwester), es gibt die einsame Alte, die Überwachungszentrale eines Supermarktes, der es bald schon mit Hamsterkäufen zu tun bekommt.

Alle sind sie damit konfrontiert, dass sie allmählich die Katastrophe bemerken und damit umgehen müssen. Das wird auch überzeugend dargestellt von einem Cast, der vom üblichen Pfründenmix sich angenehm und positiv unterscheidet.

Die selbstgestellte Aufgabe der Filmemacher erweist sich als schwieriger als gedacht, denn sie wollen primär einen schweizkritischen und nicht zuvörderst einen Katastrophenfilm machen. Die Katastrophe soll der verbindende Anlass sein, um auf Defekte in der Schweiz hinzuweisen, für das Schweizbashing.

Dadurch scheinen die Filmemacher im Mittelteil den mechanischen Dominoeffekt, der eine Katastrophe charakterisiert und den darzustellen ein simple logistische Fleißarbeit wäre, gelegentlich aus den Augen zu verlieren, scheinen sich gelegentlich ideologisch zu verlaufen im Ideologiekritischen: dass die Schweizer daran Schuld sind, dass der plündernde Ehemann jetzt wohl einen Kurden oder einen Asylanten geschädigt habe oder Alpträume einer eingesperrten Polizistin, ferner darf die Zeichnung eines traumatisierten Kindes nicht fehlen oder der Satz „du hast kein Gespür und darum geht es abwärts bei uns“.

Diese Einschübe wirken wie ein Hinkebein der Katastrophenerzählung. Erst gegen Schluss lassen die Filmemacher actionreich aus allen Rohren schießen. Sie schicken die Schweizer in langen Kolonnen auf die Flucht ins nahe europäische Ausland. Und lassen sie dort nicht rein. Die Filmemacher wollen die Schweizer die Folgen des Kantschen Imperativs am eigenen Leibe erleben lassen, handle stets so, dass die Maxime deines Handelns allgemeingültig gesetzt werden kann.

Mit anderen Worten, sie führen den Schweizern mit Heidenspaß vor, wie es ist, auf der Flucht zu sein und nicht in das Gelobte Land reingelassen zu werden, so wie die Schweizer es im Zweiten Weltkrieg aus Hitlerfreundlichkeit gehandhabt haben (auch das wird zitiert) und so wie sie es heute mit diversen Abschottungsinitiativen versuchen, auf den Weg zu bringen. Jetzt wollen die Schweizer in die EU – und werden nicht reingelassen – der Jugoslawe Goran schon – ätsch-bätsch. Und die Website www.naturgefahren.ch, die gibt es wirklich!

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Endemisch-industrielle Panik-vor-der Gaglücke-Illustration zum Thema „ist das Herrchen oder Frauchen aus dem Haus, so tanzen und toben die Haustiere“ – oder wie deckle ich die Kinder mit pausenlosen Gags und teils massiver Zirkus- bis kriegerischer Musik zu, ohne dass sie zum Denken kommen oder der eigenen Phantasie Raum lassen können, wie biedere ich mich einem Publikum in überflüssigem 3D an, damit es ins Kino rennt und die Kohle rüberschiebt und so leer ausgeht wie bei Zuckerwatte.

Es gibt ein Minimum an Story. Max ist die Hauptfigur, eine Straßenköteremischung von Terrier. Sein Frauchen gesellt ihm mit Duke einen Neufundländer aus dem Tierheim bei. An diesen beiden werden erstmals elementare, kindlich-familiäre Grundsituationen durchexerziert: der Futterneid, der Kampf ums Bettchen, was ist mir, was gehört dir.

Dieser Konflikt wird allerdings eher als Pflichtübung und kursorisch und nicht mit der vehementen Systematik bearbeitet, welche die Zeichner dafür aufwenden, aus jeder Situation einen Gag zu machen.

Das ist noch nachvollziehbar, dass Max anfängt, kostbare Gegenstände von Frauchen kaputt zu machen, um abends bei der Rückkehr von Frauchen dem unerwünschten Mitbewerber die Schuld zuzuschieben.

Nachvollziehbar ist auch, dass tagsüber turbulente Erlebnisse stattfinden müssen (es gibt noch eine größere Zahl von Haustieren, die von einem Pet-Walker, ausgeführt werden, während die Herrschaften arbeiten. Hier werden Max und Duke ausbrechen, werden in Kontakt kommen mit der – und hier wächst sich der Film weit über Kinderwelten in Metropoliswelten aus – Unterwelt der weggeworfenen Tiere, die in einer turmhohen Halle in der Kanalisation haust und grausame Aufnahmerituale mit einer Viper, die zur gigantischen Riesenschlange mit einem Giftzahn wird, alles so hart amerikanisch actionfilmmäßig, und weitere Elemente aus dem Katastrophenfilmgenre werden folgen; denn Max und Duke werden entlarvt als brave Haustiere mit Luxusleben und von der Meute der Weggeworfenen verfolgt, was holprige Verfolgungsjagden zeitigt, Stürze über Wasserfälle, Rowdiefahrt im Kombiwagen mit nachfolgendem Absturz von einer Brücke auf ein Baugerüst und der Wagen bleibt kopfüber drin stecken und dann wieder bedrohliche Maßenszenen mit dieser Unterweltmenagerie; ein Storyzusammengestiefele bis hin zur Weiner-Fabrik gleich ausgesprochen Wiener, von Ken Daurio, Brian Lynch und Cinco Paul in der Regie von Chris Renaud und Yarrow Cheney.

Bis abends jedenfalls sind alle wieder zuhause an ihrem Platz. Es folgt, weil eine nicht reicht, eine ganze Reihe reiner Kitschbilder von Herrschaften, die ihre Tiere abends zuhause in die Arme schließen und herzen. So wirkt dann auch der ganze revolutionäre Input, den die Tierunterwelt bringt, lediglich niedlich im Katastrophenformat, lediglich exploitet, um irgendwie die Leere des Tages zu füllen, sie keinesfalls ernst nehmend.

Die deutsche Nachsynchronisation ist unsensibel, humor- und charmlose, mit wenig Sprachgefühl, wirkt mechanisch industriell, bis villeicht auf die Figur des Greifvogels Tiberius, den Uwe Ochsenknecht spricht und die Stimme der Streunerkatze Ozon von Ralf Richter. Dieter Hallervordens Stimme als Pops mit dem Rollgestell statt der Hinterbeine ist zwar unverkennbar, scheint mir aber eine Fehlbesetzung zu sein, mein Eindruck wäre, die Figur müsste entweder viel abgeklärter oder dann absolut machtzynisch inszeniert werden; Hallervorden bleibt mir dagegen zu aufgeregt. Vor allem die Frauenstimmen sind zu hart. Man könnte jetzt versuchen zu analysieren, woran das liegt, ob es an der Schnell-Schnell-Synchronkultur in Deutschland liegt; es gibt andere Beispiele, die für die Entwicklung von Gehör und Sprachgefühl für die Kinder deutlich verbindlicher sind, ungefähr parallel dazu der Film Molly Monster, der allerdings für deutlich kleinere Kinder ist.

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What if – was wäre wenn – Todd Solondz, der Autor und Regissuer dieses Filmes, uns wirklich etwas zu erzählen hätte?

Stattdessen bietet er uns einen Stattdessen-Film. Bei ihm ist der drehbuchphilosophische oder drehbuchdidaktische Lehrsatz „What if?“, der auf den gewissen Kick einer Story zielt, auf den Hund gekommen, genauer auf den Wiener-Dog, auf den Dackel.

Das belegt er damit, dass er wenig inspirierend eine Aneinanderreihung von Stories/Sktechen in der Art trockener Zeichnungen uns vorführt, in welchen ein Dackel eine nicht mal unbedingt zentrale Rolle spielt und denen man nacheinander die Frage stellen könnte:

Was wäre wenn der Dackel Wiener-Dog hieße und aus dem Tierheim zu einem todkranken Buben käme, der anhand des Hundes mit seiner Mutter im sterilen Elternhaus die Themen Tod und Einschläfern besprechen könnte.

Was wäre, wenn Greta Gerwig als Dawn mit Kieran Culkin als Brad und Drogenabhängigem mit einem Dackel einen Trip nach Ohio machte, um den Zuschauern die asoziale Herkunft von Brandon zu schildern?

Was wäre, wenn Danny de Vito als Drehbuchprofessor Schmerz auf den Hund gekommen wäre und sich alles nur noch um die Frage drehte, was wäre wenn, what if?

Was wäre, wenn Oma einen anderen Lebensweg eingeschlagen hätte und nicht reich und dafür mit Blindheit geschlagen wäre und von ihrer schauspielambitionierten Enkelin (hat grad zwei Sätze als Junkie in einem Fernsehspiel bekommen) ständig um Geld angepumpt würde?

Was wäre, wenn Todd Solandz mit der Dackelidee wirklich etwas zu erzählen hätte?

Immerhin, Danny de Vito als Filmhochschulprofessor Schmerz ist anrührend und bekommt Dinge gesagt, die so manch deutscher Drehbuchprofessor längst einmal gesagt zu bekommen verdient hätte.

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Der Traum vom Fliegen an Lianen und von der Liebe zwischen Jane und John, dem muskelbepackten, bartlosen, Wildheit- und Urwald inhaliert habenden Traummann, kommt am Schluss in einigen drübergestreuten Bildern in der Attitüde von Bonus-Material vor und so traumschön, dass jeder Werbefritze für Duschgels und dergleichen einen Orgasmus bekommen dürfte.

Bis es so weit ist, haben die Drehbuchautoren Adam Cozad, Craig Brewer + 3 viel Tarzan- und Jane-Vorgeschichte in Rückblenden mit einer Fortschreibung kombiniert und hat Regisseur David Yates, der schon einige Harry-Potter-Bücher verfilmt hat, die Szenen wie in einer Eins plus Eins-Erzählung aneinandergereiht in der Art von nicht allzu ziselierter Fließbandarbeit, die sich lieber mit Nahaufnahmen beschäftigt als mit kreativem Schwung, wobei schon die einzelnen Szenen genügend statisch in sich ruhen.

Alexander Skarsgard als John Clayton alias Tarzan hat sich möglicherweise ein paar Muckis antrainiert, soweit nicht die Postpro, speziell bei seinem selten zu sehenden bloßen Oberkörper, noch ein wenig zur Idealfigur nachgeholfen hat. Als Rollenneed scheint er sich für den versonnen introspektiv versunkenen, fixen Blick entschieden zu haben mit ein paar pathetischen Blickschwenks, die dem Aufwand des Schwenkens eines Kanonenrohre gleichkommen, dazu die Ruhe in sich selbst in der Mitte des Wilden und auch das Ruhighalten des Hauptes, damit die Frisur, die Wildheit erzählt, schön zur Geltung kommt, die Attitüde von Beherrschung, und für die bewegten Actionszenen waren die Herren am Computer unerlässlich.

Jane, besetzt mit Margot Robbie, scheint ihrerseits als Hauptneed der Figur erkannt zu haben, dass sie vor allem gut und strahlend dastehen und aussehen muss, wenn irgend möglich ein Zahnpastalächeln im Gesicht.

Die Story selbst verliert sich grosso modo in der undifferenzierten Aneinanderreihung pausenloser Nahaufnahmen, Zeitsprünge hin oder her, und im Dschungel sowieso.

Es gibt Hinweise auf den historischen Kontext, auf die Konferenz von 1884 (ohne diese Details), die den Kongo dem belgischen König Leopold II zur blutigen Ausbeutung überließ. An den Diamanten haben allerdings andere Kolonialisten auch Interesse.

Deshalb soll Tarzan, der längst berühmt und gezähmt mit Jane zusammen und zurück in London ist, nochmal ran. Hier erlaubt sich das an sich humorlose Drehbuch einen kleinen Scherz: Tarzan antwortet den hohen Gremien auf das Angebot: wozu?, er kenne den Dschungel ja schon.

Gegen seinen Willen folgt ihm auch Jane. Sie gerät in eine missliche Lage, was die Mission heftig verkompliziert und für die Computeranimation Gelegenheit gibt, groß mit der Schlachtenkelle anzurühren. Es geht eindeutig um Bilder von Schlachten „an sich“ und nicht um konkrete, historische Aufarbeitung oder Aufklärung.

Im Film sind einige „Ideen“ erkennbar. Da ist der Angriff von Tarzan und seinen Dschungelbrüdern an schwingenden Lianen von hoch oben im Urwald auf einen fahrenden Eisenbahntransport von Sklaven.

Die Eigenschaft, dass Tarzan die Sprache des Dschungels spricht wird deutlich daran, dass er es mit ein paar Tönen schafft, eine ganze Büffel- oder Gnuherde von ihrem Weg abzubringen und sie als eine unerwartete, weitere Phalanx in die Entscheidungsschlacht eingreifen zu lassen.

Im Endkampf mit seinem belgischen Widersacher genügt ein Lockruf, um die Krokodile anzulocken, den Gegner geräusch- und blutspurlos zu entsorgen, so schnell, wie im richtigen Leben; des Zuschauers Auge kann nicht mitessen. Aber den Schockmoment über so eine Geräusch- und Spurlosigkeit spielt der Film auch nicht aus.

Die ersten Dschungelszenen vergheimnisst der Regisseur mit Retardierungen, Tempoverkünstlichung, Nebel und gedecktem Sprechen. Es geht um die Begegnung mit dem Diamantenspender. Das wirkt merkwürdig spooky und legt den Grundstein für den späteren Eindruck, dass hier versucht werde, einen Monumentalfilm zu produzieren, dass aber nicht genügend Mittel dafür zusammengebracht worden seien.

Die häufigen, wilden Drohnenflüge der Kamera dagegen wirken wie ein Tick des Kameramannes. Sowieso ändert das nichts daran, dass der Film dem Zuschauer keine Zeit lässt, eine Erwartungshaltung aufzubauen, Empathie für die Figuren zu entwickeln; viel zu wichtig vorgetragene Details halten ihn davon ab: Krokodile, die wie Haustiere an Leinen spazierengeführt werden oder ein Gestell für gekochte Frühstückseier, das in London raumfüllend über die Leinwand getragen wird. Erschwerend kommt das einmal mehr überflüssige, die Augen strapazierende 3D hinzu.

Kolonialismuskritik ist nicht das primäre Anliegen dieses Filmes. Ab und an hallt Tarzans berühmter Ruf aus dem Off über den Dschungel.

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„Im Bunker gedeiht die Bunkermentalität. Das ist das satirisch-absurde Pflänzchen, was Nikias Chryssos mit seinem Film liebevoll pflegt und illustriert.“ So fängt stefes Review an. Es kommt ein Gast zu Besuch, der diese Mentalität auf die Probe stellt.

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Du hast mich tief berührt. Ich hätte alles getan, um dich zu retten.
„The Beautiful Kate Kaurate, Age 18 deserved so much better & died so young.
I was so moved by you, I would have done anything to save you.“

Diese im Anspann zitierten Sätze hat die Hauptfigur des Filmes, ein unbeschriebenes Blatt von talentiertem Autor, auf einer Parkbank als Widmung gefunden. Er sammelt zwei Arten von Texten. Das eine sind diese Dedikationen auf Parkbänken, die je eine Liebesgeschichte erahnen (oder literarisch erfinden) lassen; das andere sind die Absagen von Verlagen, mit denen der ambitionierte Nachwuchsschreiber zuhause eine Zimmerwand dekoriert, es werden ihrer immer mehr.

Zu vermuten, dass der Autor und Regisseur Victor Levin, der bisher vor allem als Produzent in Erscheinung getreten ist, damit durchaus eigenes Erleben in den Film einbringt, vielleicht Rückschau hält auf vergangene, jugendliche, dichterische Ambitionen, der Traum, gedruckt zu werden, in den Schaufenstern zu stehen oder im „New Yorker“, der Traum, bekannt und ein Name zu werden.

Wenn man nur das Rezept wüsste. Man müsste Geschichten erzählen, die die Leute mögen. Das sind die Ambitions-Parameter, mit denen Levin seinen Protagonisten ausstattet, Brian Bloom. Er wird dargestellt von einer High-Hope des Kinos, von Anton Yelchin, der eben im Juni bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist; eine unerwartet tragische Komponente, die der Film so erhält.

Dabei setzt er auf Zukunft und Hoffnung. Es scheint, dass der junge Autor Brian Bloom ganz systematisch vorgeht im Erfinden seiner Geschichte, in der Erzählung.

Die Erstbegegnung mit Arielle, Bérénice Malohe, eine aparte Französin: sie steht rauchend auf der anderen Straßenseite. Er geht zu ihr rüber. Über Dialog wird sofort eine Affäre daraus mit strikten Regeln: immer nur von 5 – 7 dürfen sie sich treffen (im Carlyle-Hotel, im Kino, im Museum, am See oder in der Vinothek).

Die geheimnisvolle Arielle (zu deutsch: Meerjungfrau), ist verheiratet mit einem französischen Diplomaten, hat zwei entzückende Kinder. Sie hat früher Liebe für Geld verkauft. Es schält sich also auch hier, wie schon kürzlich in Palmen im Schnee ein mehrfaches Konzept der Liebe heraus: Liebe zum Geldverdienen, Liebe zum Unterkommen in der Ehe und die Affäre, die in diesem Falle hochoffiziell wird.

Brian wird in die Familie von Arielle eingeladen, dem Ehegatten Valery, Lambert Wilson, vorgestellt. Er ist hoch erfreut über die Beziehung. Sie wirke sich positiv auf seine Frau aus. Brian wird die Kinder hüten. Er wird Arielle auch seinen etwas kleinkarierteren Eltern vorstellen. Sein Vater regt sich vor allem über hohe Parkgebühren auf und ist nicht begeistert von der schriftstellerischen Ambition seines Sohnes.

Die Affäre steigert sich. Brians Gefühle werden überdimensioniert, radikal, total, er begehrt sie ganz. Früher hätte dieser Wunsch auf ein Duell mit dem Ehegatten hingeführt. Heute gibt es andere Möglichkeiten.

Levin arbeitet sich sorgfältig voran von Szene zu Szene in der Art eines Dialog- und Salonstückes in die Gefühlsentwicklung des doch sehr akademischen Jungautors und Talentes, der auch noch unter seiner jüdischen Herkunft leidet. Und Levin hat ein Einsehen mit dem Karrierewunsch von Brian und auch mit dessen Gefühlswallungen für Arielle. Diese werden sich legen, Brian wird sie exploiten für den Roman mit ihrem Namen als Titel; der selbstverständlich erfolgreich sein wird.

Bei einem Besuch im Guggenheim-Museum wird bei der Betrachtung des berühmten Hopper-Gemäldes „Night-Hawks“ die Totheit der Figuren konstatiert und kontrastierend dazu der Wunsch zu leben artikuliert (der in der Affäre ansatzweise verwirklicht wird). Und es gibt den selbstironischen Literaturkommentar: „Ihre Geschichte hat eine Ahnung von Größe.“ Dem soll hier nicht widersprochen werden.

Die Musikuntermalung gibt sich sanft-klassisch-getragen.

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Heute gemischte Wetterlage bei den Kinostarts mit durchaus beachtlichen Blüten.

STAR TREK: BEYOND
Hochanständiges Unternehmen, das an die Grenzen der Erkundung der Möglichkeiten einer besseren Welt geht, das menschenzentriert ist und uns den 3D-Migräne-Obulus abverlangt; das Anti-Trump-Programm.

MA FOLIE
Die berühmte Liebe auf den ersten Blick zweier weniger berühmter Charaktere, was die die Angelegenheit schwierig und spannend zugleich macht.

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI
Und immer wieder tändeln die Franzosen gekonnt rational mit der Liebe; hier erwischt es den großartigen Claude Brasseur.

THE GIRL KING
Das schwedische Königshaus und der Katholizismus vertragen sich nicht; wie erst, wenn eine schwedische Königin nicht nur dem Katholizismus, sondern auch den Frauen zuneigt? Eine Geschichte aus der Geschichte, damals ihrer Zeit weit voraus.

BOLSCHOI BABYLON
Eine Dokumenation so strikt und diszipliniert zusammengeschnitten wie Balletttänzer konsequent üben. Sie gibt einen grausigen Blick frei hinter die Kulissen des Perfektionsanspruches dieser Kunst und wie unzulänglich und verbrechensanfällig das Leben dahinter ist.

BFG: BIG FRIENDLY GIANT
Die bunte Patchworkdecke, die die Protagonistin erst wie ein kleines Gebirge ausschauen lässt, führt durch eine Wunderwelt von Riesen und Traumfängerei.

Neu vorgestellte DVDs

UHF – SENDER MIT BESCHRÄNKTER HOFFNUNG
Die Jugend von 89 habe sich bepisst vor Lachen über diese Werbe- und TV-Show-Parodie, die Übertriebenes noch übertriebener dargestellt hat und doch die Geschichte von einem guten Herzen erzählt.

PALMEN IM SCHNEE
Epische Kolonialromanze und ein bisschen spanische Kolonialzeitaufarbeitung zwischen schneeiger Pyrenäenregion und tropischem Neuguinea von einer Liebe, die nicht sein durfte.

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Für mich als Nicht-Trekki stellt sich die Geschichte der Mannschaft um Captain Kirk dar wie eine Pfadfinderübung, wild-romantisch, die Fantasie in die Grenzbereiche unserer empirischen Welt vorstoßen lassen, in einer fremden, unbekannten Weltregion landen und Raumschiffbruch erleiden (eine fremde Welt, in der die Verhältnisse und Verhaltensweise aber dann doch nur allzu vertraut sind), es mit unbekannten Gegnern zu tun bekommen und als Team, das an sich hervorragend funktioniert und gebaut ist, noch getrennt werden.

Die Mittel, die unseren Abenteurern zur Verfügung stehen, sind kraß unterschiedlich, das geht von händischen Reparaturen an Raumfahrzeugen, über die krude Notoperationen eines Verletzten mit einem Handwerkskasten über das „Energizing“ und die Holographie bis zum althergebrachten Mann-zu-Mann-Kampf.

Sympathisch an diesem Universum ist zum einen der Teamgeist der Mannschaft, ist der gepflegte, formale bis formelhafte Umgang miteinander, das heißt auch viele ernsthafte Erörterungen, was zu tun sei, demokratischer Diskurs in Reinform und in prima Sprache gesprochen, zum anderen, dass hier immer das menschliche Handeln im Mittelpunkt steht, auch wenn Außeriridische auftauchen, und auch, dass es hier nicht um Superhelden geht, es ist lediglich Krall.

In diesem Kontext kann ein zerrissenes Hemd zum Megajoke und Event werden. Was bedeutet, dass das Menschliche ganz und gar irdisch bleibt, allerdings in fantastischer, fantasievoller Kulisse (dabei viele Rundräume, die anthroposophieaffin wirken) stattfindet und aus dieser faszinierend viel Reiz bezieht. Wobei auch die Computeranimateure gut im Saft stecken und fleißig Effekte generieren und Strudel und Feuer und Explosionen und auf elementare Kreissymbolik nicht verzichten, sie gar als esoterisches Artefakt einbauen, das immer der letzte oder erste Deckel zu einer Eskalierung oder Eindämmung eines Vorganges liefert.

Allerdings scheint mir, hat sich eine gewisse Sterilität in Stoffweiterentwicklung und Performance dieses jahrzehntealten Kultproduktes eingeschlichen, scheint mir ein Hang zur Liturgisierung spürbar; dass die Darsteller schon fast wie brave Jünger die berühmten Vorbilder nicht provozieren wollen mit Eigenem oder mit dem Ansinnen, aus der Spur zu fallen.

Das Spiel mit den widersprüchlichen Gefühlen von Zuhausesein gegen das Gefühl des Abenteuers, vom Gefühl von Vertrautheit gegen das Gefühl von Verlorenheit und Fremdheit. Und dahinter der Entdecker-Gedanke und die Neugier auf Neues (auch eine urdemokratische Eigenschaft) und was ist, wenn es nichts mehr zu entdecken gäbe?

Ferner der Familien- und der Opfergedanke und, das hört sich nach Militärfilm an, das Ding durchziehen („get it done“) und die Mannschaft wieder nachhause bringen.

Zwischen all diesem heiligen Lebensernst, gespickt mit Alltagsscherzchen, gibt’s zur Abwechslung das ganz irdische Vergnügen wilder Motocrossfahrten durch schwierigstes Felsformationsgelände in Annäherung oder entsprungen aus Easy-Rider-Nostalgie.

Wie die Action heftiger wird und das sie begleitende Getöse ebenfalls, fällt der Satz: „lasst uns ein bisschen Lärm machen“ dabei wird die Musik auf Maximum eingestellt.

Ein hochanständiges Konfirmandenvergnügen und die verdammten Augenschmerzen durch das düstere, lichtschluckende 3D sind ein Obulus, der Bemühung um eine bessere Welt geschuldet (ein Schelm, wer anderes denkt dabei!).

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