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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Akademisches, snobistisches oder Fan-Vergnügen?
Auf jeden Fall ein Vergnügen und das ohne Not. Für Fans von Marilyn Monroe oder Sir Laurence Olivier oder von Michelle Williams oder Kenneth Branagh – die beiden letzteren spielen hier die beiden ersteren – oder von Colin Clark, der bei einem Dreh der beiden ersteren in London „Dritter“ also in der Regieassistenten-Hierarchie der Underdog war und der eine gewisse vertrauliche, seelentröstende Zeit mit Marilyn allein verbringen durfte und darüber ein Buch geschrieben hat, welches ganz zufällig am 19. März als Deutsche Erstveröffentlichung in den Buchhandel gelangen wird.
Auf jeden Fall ein feines Häppchen für die Freunde Britischer Schauspiel- und Inszenierungskunst, speziell hierfür steht das phasenweise von Kenneth Branagh überkandidelt snobistisch-überprononcierte Shakepeare-English, bei dem jede Silbe im Unterton fragt, na, hab ichs drauf oder nicht? Da darf das verständige Publikum dann verständlicherweise verständig Beifall nicken, denn es wird kapiert haben.
Auch die Figurführung durch den Regisseur Simon Curtis, das Buch nach Colin Clark hat Adrian Hodges geschrieben, lässt an Deutlichkeit und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig.
Der junge Colin Clark, gespielt von Eddie Redmayne, ein junger Brite aus bestem Hause, schlossähnlich zumindest, der im Schatten des Erfolges von Vater und Brüdern steht, ein Brite wie aus dem Bilderbuch. Der aber ausbüxt aus dem Wunschszenario seiner Familie und sich frisch, naiv, aber wach und schlagfertig beim Film bewirbt.
Auf Anhieb wird er „Dritter“. Der sich um die Macken von Frau Monroe kümmern soll. Es ist bekannt, sie hat ein Riesenproblem mit der Pünktlichkeit, unbekannt die Zahl der Stunden, die sie ganze Ensembles und Crews hat warten lassen. Jedenfalls schon einen seiner ersten Aufträge erledigt er ganz im Sinne seiner Auftraggeber: eine diskrete Unterbringung und standesgemäss für sie zu organisieren. Allerdings hat der Vermieter gleich geplaudert, finden die Produzenten heraus. Da zieht der „Dritte“ eine Alternative aus dem Hut, die er genau aus diesem Grund, weil er den Vermieter für schwätzig hielt, schon vorbeugend organisiert hatte.
Die Figurzeichnung von Marilyn Monroe lässt keinen Zweifel daran, dass sie ein höchst unsicheres Geschöpf und dazu noch keine besonders begabte Schauspielerin war, mit ihrem Leidenspäckchen, Tabletten und Alkohol, Angst vor den Menschen und den Kollegen, misstrauisch kein Wort dem Regisseur glaubend. Da Clark ihr aber, das dürfte Dreh- und Angelpunkt des Filmes sein, in einem Zwiegespräch offen sagt, was Sache sei, verkürzt gesagt, sie sei ein einmaliger Star, der nicht gerade viel könne und ihre Kollegen, die viel können aber keine solchen Stars seien, fasst sie etwas Vertrauen zu ihm und das dürfte ein Grund gewesen sein, dass sie bei der Stange geblieben ist.
Denn ihr aktueller Mann, Arthur Miller, hält es nicht lange aus in England und fährt zurück zu den Kindern nach New York. Eine weitere gut gezeichnete Figur ist Marilyns Coach Paula Strasberg, die fürs Method Acting zuständig ist, denn Marilyn kann nur spielen, wenn sie eine Rolle begriffen hat und auch drin ist – das kann dauern, da ist so ein Coach ganz nützlich, auch als Schutz.
Es gibt viele Szenen, wo man ihr diese Unsicherheit ansieht und fast zusammenbrechen möchte mit ihr, weil man spürt, sie schaffts wieder nicht, sie ist so leicht irritierbar. Hauptsächlich ist es aber auch ein Nähkästchenfilm, aus dem Filmnähkästchen plaudern, so wie es hinter der Kamera und hinter den Kulissen aussieht oder welch ein Volksauflauf zustande kommt, wenn Marilyn einmal unerkannt shoppen will. Aber man hat ja starangemessen einen Rolls Royce organisiert, in dem sie sich mit ihren Begleitern flüchten kann.
Ein Film für Kulturmenschen. Sicher geeignet für die Sonntagsmatinée.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Dass der Film um die 40 Millionen Dollar gekostet haben soll (laut IMDb) wundert mich nun doch ein bisschen. Die Geschichte scheint nämlich gar nicht so wichtig (junge Frau braucht Geld, heuert bei einem Büro an, das für die Polizei gesuchte Verbrecher beschafft und dafür Prämien kassiert, also eine Art Kopfgeldjägerfirma, und gerät in einen ziemlich verwickelten Fall).
Die Geschichte sieht nun so grad gar nicht darnach aus, als ob sie dringend erzählt werden müsste. Was der Film aber erzählt, das scheint mir, dass die Macher einfach einen großen Spaß daran haben, Kino zu machen, Typen zu stilisieren und ins Extrem zu treiben, Gegensätze aufeinander prallen zu lassen, ein hübsche Frau, die sorglos und mit nicht ganz unerotisch offenem Haar durch die Weltgeschichte stöckelt, in kriminelle Verhältnisse eindringen zu lassen. Da soll sie sich bewähren.
Wenn man kurz vorher einen farblosen, needlosen deutschen Film mit deutschen Subventionsschauspielern gesehen hat, so findet man diese amerikanische Ostküstenart-Filme direkt erholsam, erfrischend; auch wenn die Darsteller sehr deutlich zeigen, dass sie spielen und dass sie Spaß dabei haben; die Nutte mit dem breiten Hintern und der viel zu engen Leggins, die Mutter mit der Haarpracht im Stile eines billigen Frisiersalons, der Exhibitionist, der alte, der bei der Polizei abgeliefert wird, die Oma, die beim Essen unversehens die Pistole der dank ihrem neuen Job jetzt bewaffneten Enkelin rauszieht und prompt in die Luft ballert oder der Metzger oder der Cop oder wer auch immer.
Ganz werde ich aber, wenn ich das so versuche Revue passieren zu lassen, den Eindruck nicht los, als handle es sich eher um einen Acting-Workshop für Fortgeschrittene und für sehr ausgewählte Typen, Männer wie Frauen, die schon versuchen, aus jeder Szene des Drehbuches von Stady Sherman, Karen Reay, Liz Brixius (nach dem Roman von Janet Evanovich) und unter der Regie von Julie Ann Robinson das Maximum rauszuholen. Wobei vermutlich von einem stimulierenden Wettbewerb unter den Akteuren ausgegangen werden kann.
Man wird den Eindruck nicht los, dass da ganz genau überlegt worden ist, wie die Szenen aufgelöst werden, vor allem auch, wie die Schauspieler agieren, wie sie reagieren, welche Emotionszustände sie zu spielen haben. Auch wenn sie nur so anwesend sind und keinen Text haben. Aus welcher Nähe sie aufgenommen werden. Wie wohldosiert man mit Nacktheit einer schönen Frau, wie Katherine Heigl, die die Protagonistin Stephanie Plum spielt, umgeht, ob es köstlich sei, wenn sie von ihrem Ex-Verehrten, den sie nun jagt, in ihrer eigenen Wohnung beim Duschen überrascht und noch dazu mit Handschellen an die Wand gefesselt wird, nackt natürlich. Wie schwierig daraufhin das Handy vom Lavabo zu angeln ist, mit dem sie den offiziellen Cop zwengs Rettung anrufen kann. Wie züchtig sie sich ihm gegenüber in den Duschvorhang wickeln soll.
Der Film passt durchaus in die Ostküstentradition, dadurch, dass viel mehr durch ständige Dialoge stattfindet, die Frage wer wo sei, wer was gesehen habe, wer wem vertrauen kann und die Action sich auf wenige Momente reduziert.
Was mir auch gefällt, ist der direkte, schnörkellose Ton der Schauspieler, das signalisiert Sachbezogenheit, Themenbezogenheit. Kleine ausgedachte Spielereien beweisen die These vom Schauspiel-und Inszenierungworkshop. Sie macht mit einem Cop Schießübungen. Es wird auf Scheiben mit aufgezeichneten Menschenköpfen geschossen. Er ballert genau in die Mitte des Kopfes. Einmal durchlöchert er richtig diese Mitte. Dann gibt’s ein kleines Schau-durch-dieses-Loch-Spiel, sie schaut ihn durch dieses Loch an und möchte die Zielscheibe behalten. Doch eher Kleinmädchenfantasien. Aber für ihn hatte sie ja auch als kleines Mädchen geschwärmt. Zu breit wird das Thema Liebe aber nicht behandelt.
Die Figuren werden weder psychologisch analysiert noch verändern sie sich, sie werden eher filmskulpturhaft herausgemeißelt. Eine nette Szene, wie ihr Cop sie für eine Überwachung mit Mikroport verkabelt, auch das wird ganz genau inszeniert, das Hinpeppen des Mikros in der Mitte des BHs, wie er sie dreht, um den Mikroport festzustecken – nun, aus Distanz betrachtet fragt man sich aber doch, wozu. Soll das irgend an eine Ersatzerotik erinnern? Soll es einfach den wunden Punkt, dass sie allein ist und eigentlich mit keinem Mann wieder was zu tun haben will, erinnern? Ist es dann doch Frauensentimentalität, gar Kitsch, das so zu zeigen, zu erinnern, dran zu tupfen.
Film auf jeden Fall verstanden als Handwerk wie das Schreinern, der Versuch, alles zu feilen und vor allem alles ins Lot zu stellen nach mannigfachen Tests. Das mag den physisch starken Eindruck eines solchen Kinos hervorrufen. Das aber übers Handwerkliche kaum hinauslangt. Warum ich mich dann wie eingangs erwähnt wundere, dass der Spaß 40 Millionen Dollar gekostet haben soll. Solch solides Handwerk sollte doch günstiger zu haben sein.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Der Titel könnte Erwartungen in Richtung einer leicht schlüpfrigen Hofgeschichte erwecken; diese Erwartung wird zwar im kleinem Umfang auch erfüllt. Sie wird aber weit übertroffen, denn Nikolaj Arcel, der mit Rasmus Heisterberg das Drehbuch nach einem Buch von Bodil Steensen Leth geschrieben hat, gibt uns für dänische Verhältnisse sicher beeindruckend einen pointierten Einblick in die politische Entwicklung des 17. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Aufklärung.
Aus taktischen Adelserhalts- und Connectionsgründen wird die eine Titelfigur des Filmes, Caroline Mathilde, die jüngste Tochter von Friedrich Ludwig von Hannover und Augusta von Sachsen-Gotha, Schwester des Prinzen von Wales und späteren englischen Königs George III, früh von England nach Dänemark geschickt, um dort den dänischen Thronerben Christian zu heiraten. Sie war 15, er 17.
Der Film fängt in England an mit ihren Vorstellungen von Christian als Traummann. Mit der Ankunft in Dänemark geht es weiter. Der Prinz holt sie unterwegs mit eigenen Kutschen ab. Das erste Treffen ist einerseits Zeremoniell. Die Kutschen und viele Bedienstete stehen in der Gegend herum. Sie entsteigt ihrem Reisegefährt. Sehr formales Rumstehen, höfisch, auf Acker. Wo ist der Mann? Der Film benutzt das Steife und die Etiquette des Hofes generell genüsslich, um die Differenz dazu aufzuzeigen, oft auch, um dem Menschen dem Zeremoniell gegenüber als Individuum abzusetzen.
Wo also ist der König? Er ist nirgends zu sehen. Nur prächtig Uniformierte stehen steif in der freien Natur rum. Doch dort hinter einem Baum, da bewegt sich was. Ein Wasserstrahl. Offenbar ist da jemand beim Wasserlassen. Sicher der passendste Moment. Dann lugt der Prinz hinter dem dicken Baumstamm hervor. Schaut sie verlegen an. Sie steigt zu ihm in die Kutsche.
Sie haben sich nichts zu sagen. Ein Gespräch kommt nicht in Gang. Nicht mal Blabla. Er ist ein Verrückter, ein Träumer, ein Fantast, ein Kindskopf vielleicht. Er wird bei ihr keinen hochkriegen. Der Empfang am Hofe. Er müsse ihr so bald wie möglich einen Zimmerbesuch abstatten, so ist die Erwartungshaltung der Entourage. Wenn sie das schafft, dass er sie besuche, dann sei alles bestens. Solche Themen beschäftigen den ganzen Hof. Von Intimität keine Spur. Er besucht sie. Der Besuch endet in einem ganz ungentlemanhaften Desaster. Bald schon verabschiedet er sich für längere Zeit auf eine Europa-Reise. Lässt die Frau allein zurück.
Immerhin ist sie schwanger geworden mit einem Sohn. In Hamburg findet der Prinz einen neuen Leibarzt, den Preussen Johann Friedrich Stuensee. Der ist vom aufklärerischen Gedankengut durchdrungen. Arbeitet mit den Menschen ganz unten, mit denen im Elend. Aber er nimmt das Angebot des Prinzen einer Stellung am dänischen Hofe an, findet einen Draht zu ihm und über ihn, wie sie wieder in Dänemark sind, auch zu dessen Frau, die er bald schon über die Bediensteten-Tür heimlich aufsuchen kann. Hier setzt das Pikante an der Geschichte ein. Aber es wird eben nicht als Wert für sich erzählt. Es ist eingefügt in den aufklärerischen Gedankenzusammenhang.
Es bildet sich um die Drei herum ein Gruppe von Leuten, es kommen aus Hamburg die Deutschen Enevold Brandt und Schack Carl Rantzau dazu, die von den Ideen der Aufklärung durchdrungen sind, die Voltaire lesen. Und die das mithilfe des Prinzen, der zwar immer wieder im Clinch mit dem Staatsrat steht, politisch auch umsetzen wollen: Abschaffung von Prügelstrafe und Zensur, Einführung der Pockenimpfung und Gründung von Waisenhäusern und Universitäten.
Das Establishment am Hofe und der Staatsrat sehen sich immer mehr überfahren, wehren sich, bis Christian gerade noch rechtzeitig die Macht selbst übernimmt und den Staatsrat auflöst. Das brachte kurzfristig Dänemark zum Erblühen. Weiter blühte auch die Liebe zwischen Struensee und Caroline und er zeugte ein zweites Kind. Darin witterten die Entmachteten, darunter auch die Mutter von Christian, ihre Chance zum Staatstreich.
Denn inzwischen hatte der Leibarzt sich von Friedich die Procura geben lassen. Er durfte selber Gesetze unterschreiben. Friedrich hat das mehr belustigt zur Kenntnis genommen. Er ist und bleibt ein großes Kind, nicht dumm noch bösartig, aber ohne jede Verständnis für Sachzwänge, Intrigen oder eheliche Pflichten. Vielleicht war der in Dänemark einziehende Fortschritt einfach zu früh, jedenfalls siegte die Restauration. Friedrich wurde entmachtet, der Leibarzt und Brandt wurden geköpft. Dänemark sei daraufhin wirtschaftlich zurückgefallen, Schlusslicht in Europa. Bis dann der nächste dänische König alle Neuerungen wieder einführte und Dänemark eine lange Blützeit im Sinne der aufklärerischen Ideen bereitete.
Ein epischer Film, der sehr genau erzählt, sehr schön die Figuren charakterisiert, das Pikante nicht ausspart, aber gleichzeitig ein Stück Kultur- und Politgeschichte Europas erzählt. Angenehmer kann man allfällige Bildungslücken nicht schließen.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Doch, doch, der Film hat ein Thema: scheuer junger Männer Allmachtfantasien. Aber dieses Thema scheint mit dem Autor Max Landis durchgegangen zu sein. Und auch der Regisseur Josh Trank konnte sich offenbar nicht wehren dagegen. Zu verlockend sind die Computertricks, mit denen man Menschen fliegen lassen kann oder wie sie mit einer Handbewegung einen Cordon von Polizeifahrzeugen, die einen jungen Mann ohne Chance auf Flucht umringen, wegfliegen lassen können. Die jungen Männer entdecken dieser Fähigkeiten nach und nach. Wie sie am Sportplatz rumhängen und entdecken, dass sie einen Motorlaubbläser fernbefohlen die Röcke einiger Cheerleader zum Flattern bringen können – und die Girls zum Kreischen. Oder sie fernverschieben ein Auto auf dem Parkplatz und freuen sich über die entsetzte Besitzerin, die mit Einkaufstüten an beiden Händen überladen zielgerichtet auf das umgeparkte Auto zustrebt.
Sie haben Namen, unserer drei Protagonisten. Die Sache fängt mit Andrew an. Der wächst in einem merkwürdig verwahrlosten Haus und Haushalt auf. Der Vater ist Trinker, Mutter schwer krank, sie hat Schläuche in der Nase zur Unterstützung der Atmung. In diesem Chaos fühlt Andrew, der immer sehr allein war, wie wir später erfahren, gerade mal mit seinem Cousin Matt kam er gelegentlich zusammen, also Andrew fühlt, dass er etwas tun muss, er hat ein Projekt, er möchte ab jetzt alles mit seiner Kamera aufnehmen; nicht das dümmste in einer Phase der Orientierung und Identittässuche oder Krise. Und mit Frauen hat er noch nichts gehabt.
Damit fängt der Film an: der betrunkene Vater poltert an seine Tür. Andrew macht nicht auf, erklärt ihm aber, dass er eine Kamera aufgestellt habe und ab jetzt alles dokumentieren werde, was hier vor sich geht. Ein junger Mann wie er, kann sich ziemlich radikal in so ein Projekt reinhängen. Dann filmt er die bettlägrige Mutter. Dann ist er mit seinem Cousin Matt im Auto unterwegs. Dem erklärt er das Projekt, meint aber, dass sich emotionale und phyische Wünsche nicht filmen liessen. Matt lädt ihn auf eine Party ein, möchte ihm aber dafür die Kamera ausreden. Geht nicht. Er stößt auf der Party auf ein blondes Girl, die auch mit einer Kamera bewaffnet ist, für den Blog, wie sei meint.
Nach der Party dürfte Andrew eine Art Blackout gehabt haben. Er findet sich auf einem Rasen in seiner Wohngegend wieder. Da taucht Steve auf, das wird der Dritte im Bunde, er ist ein Kumpel von Matt und die haben eben eine Entdeckung gemacht, die unbedingt mit der Kamera festgehalten werden muss. Diese Entdeckung wird, was zwar weder physikalisch noch parapsychologisch so richtig erklärlich sein wird, die Entdeckung dieser übernatürlichen Kräfte sein, die womöglich nur psychologisch ein Symbol für dieses unglaubliche Stärke- und Kraftgefühl eben ewachsener junger Männer werden dürfte.
Sie haben das Gefühl sie können alles, sie können die Welt erobern; aber sie haben noch keine Erfahrung und wissen doch nicht so recht, was mit den Kräften anfangen. Das scheint zunehmend auch mit dem Buch zu passieren. Die Entdeckung dieser Kräfte geht zwar noch sachte, nebst den erwähnten Beispielen auch beim einträchtigen Legospielen auf dem Teppich, wie der Turm sich ohne phyischen Einsatz zusammenbaut. Schön, solche schwebenden Teile. Es gibt heftigere Dinge, ein ferngesteuerter Tennisball kann blutige Folgen zeitigen. Und in der Talentshow ist Andrew plötzlich ein gefeierter Magier, der einen ganz sensationellen Kartentrick zeigt, auf dem Seil geht und die Kugeln so jongliert, dass es physisch auch nicht mehr erklärbar ist.
Wie sie schließlich entdecken, dass sie bis in die Wolken hinauffliegen können, da artet die Geschichte vollends aus. Ebenso geht es mit dem Film. Die jungen Männer werden der Kräfte, die sie riefen, nicht mehr Herr mit katastrophalen Folgen, die den Zuschauer nur insofern nicht weiter berühren, als man heute Animations-Tricks doch schnell durchschaut und jeder mit ein bisschen Talent das am Computer selber herstellen kann. Hinzu kommt, dass die Geschichte sich selbst zu sehr vom Thema hat blenden lassen und es nicht für nötig hielt, uns Andrew genauer vorzustellen, damit der Zuschauer das Gefälle zwischen seinem bisherigen, wohl sehr ruhigen Leben und der aufregenden Entdeckung der magischen Kräfte nachvollziehbar erleben kann.
Die Machart des Filmes kommt in der durchaus sympathischen Art des Independent American Kinos daher, wenn es sowas denn noch gibt. Die Jungs spielen sehr locker, fast privatistisch, das dürfte jedoch den Wirkraum des Filmes einengen, dass man oft den Eindruck eines rein privaten Vergnügens der Beteiligten hat. Recht naiv noch zum Teil.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Ein Portrait des berühmten Fotografen und Filmemachers Anton Corbijn, das nicht ohne Widersprüche ist.
Einerseits ein einfühlsames Verehrungsbild aus einer geistigen, nämlich der protestantischen Welt, die Bildern doch eher abhold ist, andererseits eine protestantische Erbauungsstunde, die knapp 90 Minuten dauert und uns erzählt, dass auch ein Junge aus einer niederländisch-protestantischen Pastorenfamilie, der die Jugend eher einsam und düster in Erinnerung hat (auf dem Weg zur Kirche musste man über Gräber gehen; und in der Familie wurde nicht allzu viel gesprochen; unter der Woche waren die Eltern wenig anzutreffen, am Samstag musste der Papa die Predigt vorbereiten und hat sich zu diesem Zwecke in sein Studierzimmer eingesperrt und am Sonntag stand er zur Verfügung der ganzen Gemeinde), wie also selbst ein Junge aus einer solchen Familie relativ glücklich und sogar ein weltberühmter Fotograf und auch Filmemacher werden kann.
Anton Corbijn: ein Mensch, der von seinen Projekten ausgefüllt ist, viel unterwegs, ein Profi im Kofferpacken. Fotoshootings planen, Filmdrehs, Auswahl für Ausstellungen treffen, Vernissagen und Filmpremieren mit Fotografenmeuten und roten Teppichen.
Bei alle dem bleibt er die leicht schlacksige, leicht gekrümmte Figur, gekleidet, wie ein eben Hochgeschossener, meist ein etwas denkerisch angestrengtes Gesicht, immer ein Problem im Kopf wälzend. Darum liegen ihm Geselligkeiten wie Empfänge und dergleichen wenig, Small-Talk noch weniger, weil er schnell bei einem Gedanken, der geäußert wurde, hängen bleibt und dann das Folgende nicht aufnimmt, den Faden zum Gespräch verliert.
Seine engste Familie ist die Familie geblieben, in der er aufgewachsen ist, seine Mutter, der Vater liegt schon auf dem Friedhof, seine Schwester und deren Familie. Ein für eine Dokumentation eher unergiebiges Privatleben.
Die Filmemacherin Klaartje Quirijns hat ihn verstanden, wie sie ihn auf einem Spaziergang über seine menschliche Beziehungs-Geflechte ausfragen möchte und er sagt, er tue sich schwer damit, mit Leuten engeren Kontakt zu knüpfen; gleich darauf schlägt er vor „inside“ zu gehen, da lässt die Dokumentaristin oder die Verehrerin, ihn stehen, schwenkt auf eine Wiese.
Sie sucht zwar seine Nähe, aber letztlich erfahren wir nicht, ob es der Ruhm ist, der sie anzieht oder der Mann oder der Fotograf oder gar der creepy Einzelgänger. In seinen Filmen komme automatisch eher das Thema Tod auf denn Sex und Leichtigkeit. In „Control“ bringt sich der junge Mann, der sein Heil in der Musik sucht, am Ende um. Der Film sollte zwar eine Love-Story werden.
Er selbst ist über die Musik zur Fotografie gekommen. Weil ihn Musik begeistert hat, hat er angefangen Musiker zu fotografieren. Vielleicht einer der Gründe, warum so viele berühmte Musiker und Musikgruppen sich von ihm haben ablichten lassen. Dabei sehen sie auf seinen Fotos doch alles andere als anbiedernd oder leicht und lustig aus. Fast eher wie ein protestantischer Vorwurf, wie ein Gewissensappell gar? Er stellt sie gern vor Mauern, (wie Echos auf die Kirchengewölbe der Jugend) oder an den Meeresrand, wie Statuen, keine Heiligen, aber Figur gewordene, greifbar gewordene Figuren. Gebannt auf Film. Festgehalten. Vom Fotografen in die Form verpflichtet. In das Bild, was kein Abbild sein sollte.
Für Corbijn selbst sind die Shootings wie Ausflüge aus seinem Studio und dann ist er ganz glücklich, wenn er mit dem Material als seiner Beute nach Hause kommt, in seinen Kokon, und diesen Blick auf die Welt bearbeiten kann. Er sieht sich selbst als romantischen Fotojäger, auch wenn er diesen Eindruck äußerlich nicht unbedingt zwingend vermittelt. Das wäre dann die Frage, ob das Bild äußerlich wirklich das erzählt, was innen ist.
Fotgrafieren ist auch ein Mittel gegen die Einsamkeit.
Vom Technischen her ist spannend, wie er immer noch mit Polaroid arbeitet zur ersten Überprüfung eines Sujets und dessen Inszenierung. Eimal hat er eine digitale Kamera in der Hand und spottet ganz abschätzig aus den Mundwinkeln, da sehe er ja gar nichts.
In der Jugend hat er eine Reihe von Selbstportraits geschossen als die verschiedenen Beatles, als Janis Choplin, als Jimi Hendrix. Aber sein eigenes Werk sieht er durchaus skeptisch, perfekt sei es nicht, er hofft, dass noch etwas Leben drin enthalten und erhalten sei. Nüchterne protestantische Sichtweise. Könnte auch frösteln machen.
Klaartje Quirijns begleitet Anton Corbijn behutsam, respektvoll, einühlsam, versucht intuitiv in ihren Bildern zu erzählen, was sie verstanden zu haben glaubt von der Fotografie von Corbijn. Wobei die Verehrungshaltung gewiss einer seziererisch analytischen Haltung wenig Raum lässt. Immerhin scheint sie Corbijn bei seiner Arbeit nicht zu stören, wie Corinna Belz es sich gelegentlich von Gerhard Richter, den sie dokumentierte, vorwerfen lassen musste.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Im Gschäftsbereich „Tierfilm“ findet eine Art Sensationswettbewerb statt, jeder glaubt, er müsse etwas ganz Spezielles, noch nie Gesehenes bieten, um auf dem Markt bestehen zu können.
Auch dieser Film ist davon infiziert. Was sich aber in manchen Dingen durchaus positiv auswirkt. Dass der ganze Film in der Freien Wildbahn, in der Massai Mara im Südwesten Kenias, gedreht worden ist. Dabei hatten die Filmer starke Teleobjektive und erhielten so eindrückliche Großaufnahmen von den Tieren, sie müssen auch starke Richtmikros gehabt haben für die Originallaute. So wird der Zuschauer vor Zootieren bewahrt.
Häufig leidet allerdings unter der Jagd nach Sensationen aus dem Tierreich die Geschichte, die erzählt wird. Hier wird ein Plot versucht, resp. zwei Plots, der eine betrifft eine Gruppe von Geparden, im Zentrum die Gepardenmutter Sita und ihr Nachwuchs. Der andere ist ein Rudel Löwen mit dem Herrscher Fang mit dem mitleiderregenden Gesicht und dem Zahn, der ihm zwischen den Lefzen raushängt, seinen Löwinnen und deren Nachwuchs, davon die junge Löwin Mara, die heranwächst.
Fortpflanzungsszenen sieht man keine im Film, der vermutlich jugendfrei sein soll. Aber einen stolzen Löwen mit seinen vier Söhnen, wie sie sich über den gefährlichen Fluss aufmachen, die Herrschaft über das Rudel oder die Sippe des angeschlagenen, alternden Fang zu übernehmen, der trottete dann einfach ab in die Savanne.
Für eine Kinogeschichte ist es eher ein Handicap, zwei Geschichten parallel zu erzählen, die nur einmal kurz in Kontakt kommen miteinander und dies eher zufällig, vermutlich weil man mit dem Aufnahmeequipment in der Gegend war, und weil die zu sehen waren. Da immer nur Zoomaufnahmen von ruhenden, leckenden, sich sonnenden, rennenden, spielenden Löwen, Löwinnen und Löwenkindern, Gepardinnen und Gepardenkindern ermüdend sind, wird dann versucht, eine Geschichte zu konstruieren. Da solche Naturaufnahmen viel Geduld erfordern, es ein Riesenzeitaufwand ist, solche Bilder überhaupt zu erhalten und gar einen Film zu füllen, wird dann doch noch viel Foto-Beifang aufgetischt von Vögeln, die Luftsprünge machen, von Geiern und Nashörnern, von Nilpferden und Krokodilen und immer wieder die Gnuherden. Das sind alles imponierende Aufnahmen, auch immer wieder die Luftaufnahmen über den Nationalpark hinweg, hoffentlich haben die diese mit einem geräuscharmen Gleitflieger gemacht. Aber das wirkt mehr wie ein erlesener Wandkalender, denn wie eine spannende Kinogeschichte. Insofern ist dieser Film eher was für Betrachter und nicht für Spannungssucher.
Musikalisch wird es oft bedeutungsvoll mit dieser weiblichen Sphärenstimme überhöht, was mir eine merkwürdige Interpretation der Natur scheint, wie auch der Text am Schluss, dass die beiden Protagonistinnen, die Löwin und die Gepardin, ausgezeichnete Mütter gewesen seien. Das ist schon sehr anthropotümelnd. Tierfilm als Lob auf die Mütter und die Mutterschaft.
Die Großaufnahmen der Raubkatzen sind beeindruckend und ich habe solche so noch nie gesehen. Insofern darf dem Sensationsanspruch recht gegeben werden.
Aber als Geschichte wäre es doch spannender gewesen, ganz genau zum Beispiel nur die Geschichte des Löwenrudels zu verfolgen, auch die Paarungen, die offenbar alle nachts statt finden, denn plötzlich ist wieder ein neuer Wurf da. So erwecken die eingesprochenen Texte den Eindruck, als ob aus der Fotostrecke eine Geschichte zurechtgebogen werden soll.
Der Mensch – und Kinozuschauer – ist immer wieder fasziniert von diesem Kampf auf Leben und Tod, wenn eine Raubkatze ein Gnu schlägt zum Beispiel. Denn die Verhaltensweisen sind uns nicht unbekannt. Was mich mal interessieren würde, wäre ein Naturfilm, der uns Respekt vor der Natur und damit vielleicht auch Respekt vor uns selber lehrt und der nicht irgendwelche irgendwo dann doch immer wieder süßlich und kitschig werdende Babygeschichten auftischt.
Eindrücklich, das versteht sich von selbst, wie auch die alte Löwin, die verletzt ist, davontrottet und einen ruhigen Platz zum Sterben sucht oder wie der alte Löwe Fang von den Gegnern von ennet dem Fluss vertrieben wird. Auch die Flussüberquerungen von Löwen und Geparden dürften unter das Kapitel „selten“ einzuordnen sein.
Und noch eine Vermutung: letztlich erwartet der Zuschauer im Kino, wenn er einen Tierfilm anschaut, doch eine menschliche Geschichte. Die wenigsten werden aus naturwissenschaftlichem Interesse hingehen. Ob der heutige Zuschauer allerdings sich damit abspeisen lässt, wenn die menschliche Geschichte in der tierischen lediglich ein Votum für die Mutterschaft ist, ob sie sich mit einer so einseitigen Interpration, einer dermassen eingeschränkten Sicht auf das Löwen- und Gepardenlebens zufrieden geben, würde ich eher bezweifeln.
Das Buch stammt von Keith Scholey und John Truby. Für die Regie zeichnen Alistair Fothergill und Keith Scholey.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Hier geht nichts zusammen. Es fängt an in der Art von Reality-TV mit einer Phalanx von Wohnhochhäusern, Anonymität, Großstadt signalisierend. Radost, gespielt von Lola Dockhorn, die allein schon deswegen sympathisch ist, weil ihre Mundpartie der von der jungen Karin Baal ähnelt, radelt mit Schulzeugs beladen in den Eingangsbereich eines dieser Hochhäuser ein. Schnitt. Schon ist sie auf einer Etage auf dem Weg zu einer der Wohnungen.
Bei ihr geht allerdings auch nicht zusammen, dass sie hier eine 13jährige spielen soll, wobei sie selbst offensichtlich deutlich älter ist und im Teenbereich machen schon wenige Jahre eine Generation von Altersunterschied aus. Hier geht sozusagen die Besetzung nicht mit der Rolle zusammen.
In der Wohnung trifft sie auf ihren Vater. Der wird nun von Christian Ulmen gespielt. Und darum ist das die Hauptrolle. So dürfte der Film allenfalls für eingefleischteste Ulmen-Fans gerade noch erträglich sein. Auch bei ihm geht so einiges nicht zusammen. Er ist der Erziehungsverantwortliche für das Mädchen. Die Mutter ist gestorben. Es gibt noch eine Aufsichtsperson vom Amt, die gelegentlich ein Auge auf die Entwicklung in diesem Haushalt wirf. Denn dem Amt ist nicht verborgen geblieben, dass Herr Bruno Markowitsch, den der Herr Ulmen hier spielt, nicht ganz dicht ist.
Was Herr Ulmen im Laufe des Filmes uns nun an geistigen Krankheiten und Behinderungen vorspielt, das geht auf keine Kuhhaut – er würde jetzt sofort wieder den dadaistischen Übersprungswitz von Kuh auf Frau Corazon vom Sozialamt machen. Er hat Sprechschwierigkeiten, verhält sich manchmal wie ein Affe (oder wie Schauspieler gelegentlich glauben, Idioten darstellen zu müssen), er hat aber auch einen Zahlenfimmel, er kann in jedem Moment sagen, wie alt seine Tochter ist, auf den Tag. Aber auch diese Eigenschaft geht mit vielen anderen Eigenschaften seiner Behinderung überhaupt nicht zusammen. Das wird an einer Stelle offenbar, an der die Tochter genau 13 Jahre, 20 Monate und 17 Tage alt ist.
Oder er weiß ganz genau, wieviel Prozent Behinderung er hat. Aber dass es nur zehn seien, das widerlegt er glaubwürdig mit seinem Spiel. Es geht überhaupt nicht mit der realistischen Erfahrung zusammen, dass so ein Mensch der Erziehungsverantwortliche für eine heranwachsende Tochter sein soll. Es geht auch nicht mit dem, was er spielt zusammen, dass er einen verantwortlichen Job in einem Großmarkt hat, er füllt immer wieder Regale auf und macht dabei oft die Kunden blöd an.
Oder – und auch das scheint widersprüchlich – arbeitet er wieder in der Flaschenabfüll-, Flaschenreinigungsanlage. Vollkommen anderer Job.
Es geht auch der ganze Cast nicht zusammen. Da muss das entsprechende Departement etwas falsch oder gar nichts verstanden haben, aber vielleicht gabs hier schon beim Drehbuch nicht viel zu verstehen. Alles Figuren, die überhaupt keine Beziehungen zu einander aufbauen. Das lächerliche Architektenehepaar, wobei hier schon von der Besetzung her offenbar gegen jede Lebenserfahrung gecastet worden ist und den Rest erledigte die im Umgang mit Schauspielern offenbar vollkommen unbedarfte Regie (Anja Jacobs). Soll-lustig-sein-Karikaturen. Die Schauspieler lassen es mit sich machen. Einzig Hans Löw überzeugt in dem Moment als Chef des Supermarktes, wie er nach einem weiteren Unglück, was der behinderte Ulmen angestellt hat, neben diesem hockt und Verständnis zeigt. Das ist anrührend, dürfte aber eher ein Beitrag des Schauspielers sein. Alles andere sind Chargierungen (bis auf Radost und ja, auch ihr kleiner Architektensohnfreund), offenbar ausgewählt, um Herrn Ulmens Affigkeiten nicht ernsthaft zu konkurrieren. Der Zoo kommt natürlich auch vor in so einem Film. Und da wir Tierfreunde sind, so würden wir die ganze Veranstaltung am liebsten im Zoo lassen. Aber vermutlich würden selbst die niedrigsten Tiere sich schämen. Wer ums Himmels willen kommt auf die hirnrissige Idee, sowas ernsthaft als Kino verkaufen zu wollen?
Das muss dann noch sein, das ist auch so ein Einfall, den sich die Autorin, die mit der Regisseurin identisch ist, irgendwie aus den Fingern gesaugt hat, ein sich anbahnendes Liebesverhältnis zwischen dem Söhnchen des Architektenehepaares und Radost. Das Söhnchen macht einen auf Musik. Gitarre und so. Das misinterpretiert die Regie, dass sie über den ganzen Film Klampfentöne oder Xylophon legen zu müssen glaubt. Hilft alles nichts.
Erlebnisverhinderungskino. Eine Beleidigung für alle Behinderten und diejenigen, die mit ihnen zu tun haben.
Was vor allem die Glaubwürdigkeit der Behinderten-Figur von Herrn Ulmen unterminiert, ist der fehlende Ernst. Es geht jetzt nicht darum, ob etwas übertrieben dargestellt wird, das mag legitim sein, wobei aber der Film die Voraussetzung dafür gar nicht schafft, und insofern schon nach wenigen Minuten viele Zuschauer abhängen wird. Gerade die Komik verlangt einen tiefen Ernst. Es ist die Tiefenkonstruktion eines Behinderten, der im Innersten genau weiß, dass er eine Behinderung hat, dass er anders ist als die anderen, die fehlt in Ulmens Darstellung vollkomen. Er verblödelt lediglich die Figur. Darum ist er oft zu laut. Als ob er mit dicker Farbe an eine Scheibe male: Ausverkauf, Sonderangebot, Preisnachlass, mit dem er auf sich aufmerksam machen möchte. Auch wenn so eine Figur nur zur Unterhaltung als Comic-Figur kreiert werden würde, müsste ganz genau klar sein, ob es sich lediglich um physische Ticks, um Legasthenie und Sprech- und Sprachstörungen handelt, um das Tourettsyndrom oder welchen Spasst auch immer. Ulmens Antwort darauf: U L M E N.
Hahnebüchene bekloppte Geschichte (Anja Jakobs), ein lumpig hingehauener Film. Staatliches Filmgeld verblödet.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Mit den Forsetzungen kann das so eine Sache sein. Der erst Knerten-Film, der ganz einfach „Knerten“ hieß, war eine einmalige und bemerkenswerte Angelegenheit, von tief-existentieller Bedeutung. Denn Lillebror, der kleine Bruder wie der Bub heißt, wird aus seiner vertrauten und prägenden Umgebung rausgerissen, weil seine Familie aus der großen Stadt ins abgelegene Land zieht. Lillebror verliert seine Freunde, hat ein richtig großes Problem. Die Astgabel, die ihm vom Baum zufällt, die erfindet er als seinen Freund Knerten. Der hilft ihm nun als fantasievolle Freundeserfindung, die schwierigen Situationen zu meistern.
Jetzt kommt die Fortsetzung. Das Hauptproblem von Lillebroer, das hat sich im ersten Film fantasievoll gelöst. Vor dem Screening habe ich mich gefragt, wie es jetzt weiter gehen könnte. Vielleicht die Ablösung des Holzgabelfreundes durch einen richtigen Freund? Denn der Mensch kann ja nicht immer nur von Imagination leben. Ganz so geht es aber nicht.
Die Story verwandelt sich jetzt in eine Art Bubenabenteuer-Feelgoodmovie, dazu Anfänge einer „Kribbeln-im-Bauch-Story“. Denn die kleine Freundin von Knerten hat ein Astfrauchen gefunden mit lustigen Zöpfen und die beiden Holzfigürchen unterhalten sich ganz ungeniert übers Heiraten.
Lillebroer hat aber noch ein anderes Abenteuer zu bestehen. Seine Mutter kommt eines Abends nicht nach Hause. Die beiden Brüder suchen sie, denn der Vater ist mit seinem holzverkleideten Kastenwagen und der bunten Damenunterwäsche auf Geschäftsreise. Sie fnden die Mutter verletzt in einem Waldstück im Graben neben der Straße liegen. Sie ist vom Fahrrad gestürzt.
Lillebroer findet in der Nähe der Unfallstelle ein Stück Blinklicht von einem Auto. Er ist überzeugt, dass das Auto, von dem das Blinklichtteil stammt, die Mutter angefahren hat mit anschließender Fahrerflucht. Es geht jetzt darum, den Täter oder die Täterin anhand des beschädigten Vorder- oder Rücklichtes zu ermitteln und der Polizei zu übergeben. Knerten ist dabei zweifellos hilfreich und die Dinge entwickeln sich unvorhergesehen, wie es sich gehört für eine anständige Bubenabenteuergeschichte.
Auch die Hochzeit des norwegischen Königspaares, die am Fernsehen übertragen wird, spielt ein Rolle. Es gibt außerdem einen neuen Buben in der Gegend, Carsten heißt er, der gerne von seiner Mutter in einem stolzen Mercedes rumkutschiert wird. Am eindrücklichsten ist allerdings die Fahrzeugmechanikerin mit ihrem Abschleppwagen. Sie ist herzzereißend charakterisiert als eine Person, die immer unglücklich ist, die sich für ein Nichts, ein Niemand hält und die ein Dutzend Crêpes auf einmal verschlingen kann. Die harte, sinnliche Schönheit, die sich mutig eine Sonnenbrille aufsetzt und das Haar löst. Sie ist hier unversehens zu der Figur geworden, die dringend eines Knerten bedürfte.
Die Musik wird mächtig in Richtung Feelgood-Movie filmorchestral aufgemotzt.
Das Buch ist von Birgitte Bratseth, für die Regie zeichnet Martin Lund.
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Das ist nicht Kino als Katharsis, das ist nicht Kino als Ort der großen Gefühle, das ist nicht Kino, um abzulachen, das ist nicht Kino zur geistigen Erbauung und Anregung. Das ist ein Kino der Enge. Der doppelten Enge. Der Enge in der Kommune, in der sie, Martha Marcy May Marlene eine Zeitlang lebt, wie die Enge des „großzügigen“ Hauses ihrer Schwester an einem See in Connecticut.
Denn die Enge der Gefühle der Hauptfigur Marthy Marcy legt sich wie ein Pressverband über den Zuschauer, schnürt ihn ein, lässt ihn mit einem Gefühl der Verantwortung für das Unglück dieser jungen Frau zurück. Es gibt in diesem Kino kein Entkommen dem Unglück, der Ziellosigkeit, der Opfernatur dieser Frau, die nicht weiß wer sie ist, was sie ist, was sie will, wohin sie will.
Es gibt diese Frauentypen, die sich andererseits so selbstverständlich in den Mittelpunkt, auch schauspielerisch als Protagonistinnen stellen, deren Hauptbehauptung darin zu bestehen scheint, vorwurfsvoll darin zu bestehen scheint, ich bin eine Frau, jetzt fangt was mit mir an. Dieses Kino ist insofern gefühlsmäßig lähmend oder schockierend, weil es auch keinen Ausweg durch eine distanzierende Story weist, diese Frau hat so gut wie keinen Background, außer dass wir erfahren, dass ihre Mutter gestorben ist, sie hat keine Zukunft, sie galt in der Kommune zwar als Lehrerin, als Leaderin, das wird man dort offenbar sehr schnell, nachdem der Oberguru das Jus Primae Noctis bei den Neuankömlinginnen sich herausgenommen hat, dem sie sich im weißen Morgenmantel hinzugeben haben.
Und schon können sie die nächste Abhängige einweisen, sind Teacher, Leader, was bei Marthas Schwester in Connecticut vollkommen falsch verstanden wird. Dort ist die Enge genau so vorhanden. Es geht nie um räumlich Enge, es geht um gefühlsmässige Enge, vielleicht auch um intellektuelle Enge, wenn nicht Leere, darum auch hat die Geschichte keinen Anfang und kein Ende, ist nicht in Griff zu kriegen, treibt die Frau nur immer mehr in Richtung psychischen Zusammenbruchs, denn es gibt auch von der Story her kein Korrektiv gegen diese vereinnahmende Gefühlswelt der Enge und Sehnsucht bei gleichzeitiger Desorientiertheit.
Eine Frau auf dem Weg in die Psychiatrie könnte der Film auch genannt werden. Er seziert aber nicht die Befunde, er malt lediglich die Gefühlswelt und darum auch ist die einzige Leistung dieses Filmes, diese auf den Zuschauer zu übertragen, was durchaus auch für viele, die in „normaleren, gezügelteren“ Gefühlswelten zuhause sind, als eine Zumutung verstanden werden kann. Denn Hilfe und Erlösung sind bei dieser Frau nicht in Sicht. Das ist ein deprimierender Befund.
Die Kommune heißt Catshills. Ein Lehrsatz vom Guru (nachdem sie bei einem Einbruch einen Mann getötet hatten): Der Tod ist das schönste am Leben. Die negative Sicht dieses Filmes illustrierend.
Aber Martha ist vielleicht auch herrschsüchtig und solange sie nicht herrschen kann, mit ihren Gefühlen nicht die Umwelt beherrschen kann, todunglücklich. Und wenn sie herrschen kann, ist sie weiter todunglücklich. Es wäre jetzt spannend dem Namen Martha in Film und Literatur etwas nachzuspüren. Fassbinder hat einen „Martha“-Film gemacht, auch eine sehr düstere Angelegenheit (allein in IMDb sind über ein Dutzend Titel „Martha“ angeführt, von 1916 bis 2011).
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruches und wie sie keine Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen. Das wird in diesem Film deutlich bei der Party, die ihre Schwester mit Ted gibt. Hier wirkt Martha nur noch zerstörerisch. Laut wikipedia ist Martha die Schutzheilige der Hausfrauen.
Buch und Regie: Sean Durkin
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Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Review
Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Damit lässt sich alles ertragen, Angola, die kubanische Revolution und sogar eine Zombie- oder Vampirinvasion auf Kuba (und vermutlich kürzlich sogar der Papstbesuch).
Die zwei Freunde, die uns durch diesen unkompliziert-frischen fantasievoll-verrückten, höchst politischen Vampirfilm führen, sind die Titelfiguren Juan und Lazaro. Sie pflegen den Müßigang, was will man auf Kuba auch anderes tun. Sie gehen mit einer Harpune fischen. Juan liegt breit ausgestreckt auf einem notdürftig zusammengebastelten dreieckigen Floß, schaukelt träumend in den Wellen, während Lazar taucht. Aber statt eines Fisches fängt er eine ziemlich tote Hinterlassenschaft in orangener Sträflingskleidung des amerikanischen Imperialismus aus Guantanamo. Nichtsdestotrotz reden sie davon, nach Miami rüberzumachen. Tun es aber nicht. Die Lethargie, die Zufriedenheit im Unglück.
Was diesem kubanischen Film an Geldmitteln fehlt, das macht er mit Fantasie und bitterbösem, schwarzem Humor wett. Auch die Freundschaftsfrage der beiden wird auf die Spitze getrieben. Dazu muss erwähnt werden, dass das Hauptereignis dieses Filmes eine Vampirinvasion auf Kuba ist. Wie also Lazaro überzeugt ist, dass auch Juan von den Vampiren infiziert ist und Juan gesteht dass er ihn liebt und er das Thema Freundesliebe bis auf die Ebene der geschlechtlichen Liebe weitertreibt, da biegt Alejandro Brugués, der Autor und Regisseur dieses Filmes, die sich anbahnende Romantic Comedy gerade noch rechtzeitig mit einem Joke ab.
Nebst der Harpune, die Lazaro auch in Havanna mit sich trägt und die gerne in den ungeschicktesten Momenten losgeht, haben die beiden genügend Alkohol gebunkert und außerdem ein erstklassiges Fernroh auf dem Dach des Mietshauses installiert, in dem sie wohnen. Damit kann Juan seine Tochter Camila und den Sohn von Lazaro, den dieser Vladi California nennt, beim Anbandeln beobachten und noch rechtzeitig eingreifen.
Juan vertreibt sich die Zeit auch gerne mal mit Fensterln, über den Balkon bei einer verheirateten Frau einsteigen; aber bevor sie es zum fünften Mal treiben können, kehrt der Ehemann zurück. Also ab über den Balkon. Der Freund auf dem Dach fragt ahnungslos, wo er denn gewesen sein.
Die Verhältnisse, in denen unsere Cubanos leben sind desaströs. Der Lift im Haus bleibt einen halben Meter unterhalb der Etage stecken, so heißt es rauskriechen, was saukomisch aussieht; kann sich aber zur Entsorgung einer Leiche als ganz praktisch erweisen. Denn das Problem wird sich stellen, wie sich ganz unbemerkt Zombies oder Vampire auf Kuba einnisten. Erst einer, eine dicke Frau bricht mit großem Knall wie ein Ungeheuer durch eine Tür, stürzt sich auf andere Menschen. Es kommt wirklich überraschend. Bis auch das Nachbarschaftskomitee sich mit dem Thema befassen muss.
Für die offizielle Politik ist klar, dass es sich um imperialistische Parasiten, um Dissidenten handeln muss; die Unordnung wird vom Erzfeind geschürt. Die Nachbarin Yiya, deren Mann Regelio seit 15 Jahren unbeweglich im Rollstuhl sitzt, ist überzeugt, das kommt von den Medikamenten, die man ihr und ihm verabreicht. Auch hier wird die Harpune einiges regeln.
Wie das mit den Vampiren zur Plage ausartet (oder: wie Kuba immer mehr von „Dissidenten“ bevölkert wird), hat Juan die brilliante Geschäftsidee, vielleicht sein erste, einzige und eine richtig kapitalistische noch dazu: er garantiert Beseitigung von Vampiren in Verwandt- und Nachbarschaften. Man kann ihn auf seinem Festnetzanschluss auf dem Dach erreichen, einem grünpatinisierten Apparat aus den prähistorischen Zeiten der Draht-Telefonie. Er und seine Truppe kommen auf Anruf und erledigen die Zombies.
Diese schräge, schäbige, ärmliche Truppe besteht aus Juan, Lazaro, China, einem transvestitischen Typen, der aber im entscheidenden Moment gekonnt die asiatische Kampfkunst einsetzt, einem großen Dicken, dem noch die Augen für den Kampf mit einer roten Binde verbunden werden. Das ist also Juans zündende „idea to get rich“. Eine Art Reinigungsbusiness gegen Dissidente. Jedenfalls ist das so eine richtig filmreife, filmschräge, zombiefilmergiebige, armselige Truppe, die hier die kubanische Welt und damit die Revolution auf kapitalistische Weise retten will.
Der Film ist gespickt mit Anspielungen auf die beschissene Gegenwart in Kuba, auf den verlotterten Zustand des Landes zum 50. Jahrestag der Revolution.
Im Laufe des Kampfes treten plötzlich martialisch ausgerüstete Soldaten auf, die es schaffen unsere Vampirbeseitigungstruppe zu fesseln und sich ausziehen zu lassen; die tänzeln daraufhin ein herrlich erotisches Männer-Ballet in der Nacht statt sich ihren Humor nehmen zu lassen. Diese Rettungsarmee, bestehend aus zwei Soldaten nennt sich übrigens die Altruisten.
Je krasser die Invasion der Zombies wird, desto mehr werden auch locker einige Animationstricks eingefügt, die Havanna nach und nach zerstören, die Helikopter in schöne Kuppeln oder in Hochhäuser crashen lassen, die nur noch rauchenden Kaminen gleichen: die gute Frage, wer nun wirlich die Vampire sind, sind sie nicht ein Bild für die revolutionären Ideen, die Kuba seit Jahrzehnten verarmen lassen und ausrauben?
Übrigens warnt Juan seine Tochter vor California, er habe Herpes. So wird junge Liebe gezügelt.
Die vordergründige Intention hinter dem ganzen Spektaktel ist sowieso die eines Musicals, denn ständig wird Sambamusik gespielt und auch dazu gesungen.
Juan definiert sich selbst als ein Überlebender, ein Survivor, er hat Angola überlebt, er hat das 50. Jubiläum der kubanischen Revolution überlebt, er hat die Zombies überlebt, was will er nach Amerika abhauen.
Die Bösen, das sind die Dissidenten, Imperialisten, die Sklaven, der Plebs, Anarcho-Dissidents, Iconoclastics.
Lustiges Spiel: mit einem Auto in Vollgas gegen eine Kartonmauer fahren und genau so bremsen, dass diese nicht umfällt.
Havana Libre, die Neoninschrift über einem Hotel.
Auch eine Bloggerin kommt vor: Sara.
Ein schwarzhumoriges kubanisches Panoptikum. Kuba erfasst und durchschaut.
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