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Die britische Krone hat die Vorführung dieses Filmes von Bertram Verhaag in England, dem Commonwealth und überhaupt außerhalb Europas verboten. Es besteht die Befürchtung, dass der oft belächelte Prinz Charles sein grünes Profil deutlich schärfen könnte. Das leistet der Film auch.

Anlass für sein ökologisches Denken gaben vor über 30 Jahren regelmäßige Meldungen, dass landwirtschaftliche Pestizide über Nacht vom Markt genommen worden sind, weil bei Versuchen an Ratten schädliche Folgen sich einstellten. Kein Mensch hat Lust, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, von denen er weiß, dass sie dank Pestizidrückständen seine Gesundheit schädigen können.

Wenn Charles der Ermöglicher und der Kopf seiner biologischen Landwirtschaft ist, so ist David Wilson der Realisator, ein Bauer, der anfänglich skeptisch war, aber den Job bei Charles nicht absagen konnte. Anfangs hat das Gespann Hilfe und Infos aus Deutschland geholt: Hartmut Vogtmann aus Kassel gilt als Wegbereiter für den Ökolandbau und half den Briten auf die Sprünge, wofür sie ihm heute noch dankbar sind.

Aber sie experimentieren weiter unter dem Gesichtspunkt der Frage, wie der Natur was zurückgeben, damit die Harmonie gewahrt wird, um die Zerstörung des Planeten zu verhindern.

Beim Pflügen testen sie, wie die Wirkung ist, ob sie die Krume nur wenige Zentimeter oder doch 15 Centimeter lockern. Für die tiefere Furche ist allein der Kraftstoffverbrauch für den Traktor ein Mehrfaches (48 Liter pro Hektar statt 16). Bei wenig Zentimetern können die Mikroben an der Oberfläche wirksam bleiben, den Unterschied riecht man an der Erde.

Über 5 Jahre lang ist Bertram Verhaag immer wieder zum inzwischen von 311 auf 760 ha angewachsene Landgut von Charles gefahren. Er hat zwei Interviews mit dem Prinzen geführt, in denen dieser es an deutlicher Sprache über den Unsinn der aktuellen, perversen Landwirtschaftssubventionen, die die Nebenwirkungen nicht einkalkulieren, nicht mangeln lässt (das System müsste umgedreht werden) und sein prinzlicher Janker ist an einer Stelle sichtbar geflickt. Darauf kommt es nun wirklich nicht an.

Die meisten Erläuterungen über die Viehhaltung und den Ackerbau bringt gut nachvollziehbar sein Chefbauer David Wilson. Weltberühmte Leute winden Charles ein Kränzchen, die Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva aus Indien oder die Halbschwester von US-Präsident Obama, die in Kenia bäuerliche Projekte initiiert.

Die beiden Kameramänner Gerald Fritzen und Waldemar Hauschild haben das Gut wie ein Paradies fotografiert. Die mit Stroh auf dem Fußboden ausgelegtenLaufställe für die Kühe, die im Gegensatz zu den industriell gehaltenen Kühen, die gerade noch ein bis zwei Laktationen erleben, es immerhin auf 6 – 8 bringen, wenn auch der Ausstoß an Milch etwas geringer ist. Aber wenn die Kühe neugierig und temperamentvoll den Stall verlassen oder die Schafe sich über die Weiden bewegen, so erweckt das den Eindruck von glücklichen Tieren, so leichte Bewegungen, so unverkrampft.

Auch die Bilder von den Weiden und Hecken und den Blumen und dem kleinen Getier sind mehr als werbewirksam. Es gibt Führungen durch das Gelände, vor allem Bauern interessieren sich, denn Charles ist der Meinung, dass sie die Resultate sehen müssen, um sie auch zu glauben.

Die deutschen Voice-Over- Texte hören sich angenehm an, sie werden immer erst eingespielt, wenn die Originalstimme der Interviewpartner schon zu hören war, ökologisch schonende Nachsynchronisation.

Die Kunstform des Heckenherstellens. Die Neugier der Rinder. You are entering a GMO free Zone. Charles ist glücklich, diese Farm zu haben. Vielfalt als ein Geschäft. Seltene braune und schwarze Schweine. Verhütungsdach.

Sie bearbeiten die Felder mit schweren Maschinen. Es gibt radikalere Formen der biologischen Landwirtschaft. Man fährt da zwar mal hin. Aber viel erfahren wir nicht über Richard, der biodynamisch arbeitet .

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Luzide, skandinavische Familienaufstellung in hochtechnisiertem, französischem, Skiparadies, was uns zeigt, wie diffizil der Zusammenhalt und wie kostbar eine Familie ist und wie schnell diese heikle Balance aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Thomas soll von seiner Arbeit ausspannen und fährt mit seiner Frau Ebba und den beiden Kindern Vera und Harry für eine Woche in den aus dem Boden gestampften Retortenressort hoch in den Alpen zum Skifahren.

Diesen Ressort mit seiner gewaltigen Maschinerie nimmt Ruben Östlund (Play), der Autor und Regisseur dieses Filmes, als faszinierenden Rahmen für sein Filettieren der Kleinfamilie. Die Kolonnen von Pistenraupen, die Berieselungsanlagen, die Seilbahnen und Sessellifte, die Kanonen, mit denen dauernd Lawinen vorbeugend ausgelöst werden, und bei Nacht das dichtgedrängte Lichtermeer auf diesem urbar gemachten Felsvorsprung. Auch die Kompliziertheit des Skifahrens in dieser modernen Welt gibt Östlung ergiebige Rahmenbilder, allein in den Skianzug zu steigen, die Skier zu befestigen oder das Pinkeln in so einem Teil.

Eingeführt wird die Familie als eine glückliche Vier-Personenfamilie bei einer Fotosession mit einem Tourismusfotografen, ziemlich dilettantisch seine Anleitungen, aber entzückend die Bilder. Ein besonderer Farbtupfer im Film, wie SciFi, ist die Drohne, die Sohn Harry vom Appartementzimmer aus nächtens durchs Bergtal fliegen lässt.

Die Unebenheit in der Familie ist minim. Papa hat sich frei genommen. Pappa will nicht ans Handy. Er geht dann doch, aber nicht gehetzt und Mama nimmt es belustigt zur Kenntnis. Kein böses Blut. Der Fall, der die Krise und damit die Thematik im Film auslöst, ist eine Lawine, die bei einem Aufenthalt der Familie auf der Sonnenterrasse eines Restaurants immer näher kommt. Papa meint beruhigend, das sei eine kontrollierte Sprengung. Aber der Staub überrennt die Terrasse. Panik wird ausgelöst. Schäden sind nicht zu besichtigen.

Die Schäden sind fragilerer Natur und tauchen erst im Nachhall auf. Ebba ist der Meinung, Thomas habe im Augenblick der Gefahr nach seinen Handschuhen und seinem Handy gegriffen und sei losgerannt, während Ebba den Mutterinstinkten folgte und sich um die Kinder kümmerte. Das stößt Ebba urplötzlich auf.

Was ist der Mann. Allein und als Vater einer Familie? Das ist hier die Erörterung. Als Vorwurf von seiner Frau, er kümmere sich nur um seine Belange. Als Gesprächsthema mit einem Kumpel, der geschieden ist und mit einer 20jährigen Blondine urlaubt. In Gesprächen mit einer anderen Frau, die verheiratet ist und mit Selbstverständlichkeit ihre Abenteuer mit anderen Männern hat.

Hier im Film wird Thomas eine Läuterung durchmachen. Die ist schauspielerisch etwas zwiespältig. Und – das ist vielleicht eine Folge davon, dass Ruben Östlung sich sein Thema doch nicht ganz präzise klar gemacht hat, dass das Ende sich zieht, weil er auch Ebba Gerechtigkeit widerfahren lassen und zeigen will, dass sie nicht nur das vorbildhafte Mutterinstinkttier sei.

Auf Distanz betrachtet eine doch recht akademische Erörterung, aber prima eingebettet in ein bildergiebiges Bergressortpanorama. Auch ein Begriff, wie „der Meute trotzen“, der einmal in diesem industrialisierten Massenskibetrieb fällt, wirkt eher akademisch. Oft aber werden die Diskussionen mit kleinen Einfällen, die aus dem Leben sein könnten und die recht treffend sind, unterbrochen, die Drohne des Buben, die in einen Gast zu fliegen droht, weil Harry im Nebenzimmer die Diskussion für unerfreulich hält. Oder die Vision eines orgiastischen Männerbesäufnisses, nachts, halbnackt, im Schnee. Eine urige Figur ist der Mann vom Room-Service, der wie ein Waldschrat wirkt oder aus einem amerikanischen Gangsterfilm entstammen könnte.

Die Mechanik einer alles planierenden, modernen Ski- und Pistenindustrie bildlich der Mechanik einer sich asubreitenden schlechten Stimmung in einer Familie entgegengesetzt.

Dass er sich thematisch auf dünnem Eis bewegt, beweist der Regisseur, mit dem hinausgedehnten Schluss, in dem es ihm nur darum geht, zu zeigen, dasss die Frau auch nicht der edle Charakter ist, als die sie sich aufgeführt hat. Aber das war doch gar nicht das Thema. Das Thema war doch mehr, wie jemand, das war zufällig sie, die Balance in der Familie, die dadurch als eine höchst sensible aufgezeigt wird, durch die Interpretation des Verhaltens des Partners bei der Beinahkatastrophe fundamental ins Wanken bringen kann, ja das Zusammenbrechen riskiert und zwar mutwillig, wie es scheint. Wenn man hier aber weiter bohrt, kommt man schnell in Schwierigkeiten. Oder ist die Frau die, die allein durch das Beharren auf dem Vorwurf des Egoismus ihm gegenüber die schlechte Stimmung in die Familie bringt?

So apart das Ineinanderschneiden von Familienkrise und alpinem Skizirkus und brillant gemacht ist, so dünn erweist sich die zugrundegelegte Behauptung für die Familie.

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Auf langem Bildwege der Illusion des Glückes hinterherjagen und dann doch im Abspann ganz gerührt singen von der heilenden Wirkung der Berührung, der Wärme bis ins tief Innere und der Hoffnung.

Ein japanisches Animé-Märchen in der großartigen Tradition einer Bildrolle erzählt von Isao Takahata aus dem berühmten Ghibli Studio, fern von billig durchschaubaren Computertricks, anschließend an die Zeichnertradition eben jener Bildrollen, von denen eine im Film sogar vorkommt und von unserer Prinzessin Kaguya durch einen langen Palastraum mit nonchalantem Schwung ellenlang aufgerollt wird.

Von direkt berührender Präsenz sind die Stimmen der Figuren, bleibt zu hoffen, dass der Verleih der Versuchung einer deutschen Nachsynchronisation widersteht. Denn so großartig der Film ist, so meisterlich, so wunderbar, er dürfte hier nicht auf ein zu breites Interesse stoßen, dazu ist die Geschichte für uns doch etwas weit weg, vor allem die höfische, steife Atmosphäre in der Stadt.

Ein einfacher Bambussammler entdeckt bei seiner Arbeit ein Wunder. Ein Stamm fängt plötzlich fluoreszierend an zu leuchten, ein Bambussproß stößt eilig aus der Erde; statt einer Blüte trägt er ein Kind. Der Bambussammler bringt es zu seiner Frau. Die kann den Säugling, ohne dass sie schwanger war, säugen. Noch ein Wunder. Das Kind wächst rasend schnell und sorglos mit anderen Kindern aus dem Dorf heran. Unbeschwerte Jugend.

Es ist aber noch kein Ende mit den Wundern, die die Bambuspflanzen dem Bauern darbieten. Einmal geben sie Säcke voll Gold, dann feinste Tücher. Dem Bauern ist klar, dass das mit dem Kind zu tun hat. Dass es eine bessere Umgebung und Erziehung verdient, als er ihm hier auf dem Land bieten kann.

Der Bauer geht jetzt oft beladen mit diesen Dingen in die Stadt. Er baut dort eine repräsentative Residenz. Eines Tages, das Mädchen kann nicht mal den eben abenteuerlich errungenen Fasaneneintopf genießen, zieht er mit seiner Frau und der schnell erwachsen gewordenen Tochter in die Stadt in ein adelig anmutendes Anwesen, in dem er selbst ständig den Kopf anschlägt, weil er die niedrigen Räumlichkeiten nicht gewohnt ist. Er engagiert eine Hofdame, die dem Töchterchen das Schreiben, die Kultur, die höfische Haltung beibringen soll.

Pure Komik, wie das Töchterchen ankommt in der für sie gebauten Residenz und der Bambushauer und seine Frau versuchen, majestätisch wie Buddha Herrschaften zu spielen. Ab jetzt dominiert im Film das höfisch Steife, das Zeremoniell.

Bald finden sich Freier von feinstem Adel ein. Sie versprechen der jungen Frau, die inzwischen, in einer mehrtägigen Zeremonie, bei der sie weggesperrt war, den Namen Kaguya erhalten hat, das Blaue vom Himmel. Sie nimmt sie beim Wort. Das wirkt wie ein ungebührlicher Schock bei Hofe und führt zu einem Intermezzo des Rückzuges von drei Jahren: Weben, Gärtnern, zufrieden sein, bis plötzlich der erste der Freier sich meldet, er habe den Juwelenzweig vom Berg Ituca gefunden. Entpuppt sich als Bluff. So geht es weiter mit den anderen, auch der Feuerrattenapelz, das Drachenjuwel, die Steinschüssel des Buddha oder die Muschel der Schwalben erweisen sich als unecht.

Erst wie der Kaiser höchstpersönlich von der Schönheit hört und sich ihr physisch gewaltsam nähert, da wird Kaguya ihre Geschichte und ihre Herkunft bewusst. Das läutet den Endspurt des Filmes ein.

Zeichnerische Wunder allein schon am Anfang, wie der Säugling sich auf dem Boden rollt und dreht und purzelt und parallel dazu wie Blüten und Sproßen sich entwickeln, ein unerhört sensibles, zeichnerische Echo.

Was die Illusion der Liebe in den Menschen doch alles auszlösen vermag.
Kalligraphie: die sieht bei ihrer sehr frech aus.
Sie spielt schön Koto, das Zupfinstrument.

Bemerkenswert bei den Zeichnungen ist, dass sie nicht versuchen das Bild kompakt zu füllen, sondern das zu zeichnen, was nötig und reizvoll ist; nichts aber wird nur der Vollständigkeit halber eingefügt.

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Eine norwegische Rache- und Selbstjustizgeschichte, die nicht ohne Humor und mit einem speziellen Faible fürs Design (von Innenräumen wie Schneelandschaften oder nordischen Flughäfen) und Systematik zeigt, dass sie, der Autor Kim Fupz Aakeson und der Regisseur Hans Petter Moland, dem Genre nordisch Eigenes abzugewinnen vermögen.

Die Nordlichter kann nichts aus der Ruhe bringen. Wenn zwei Ganoven auf einer Fahrt zu einem Tatort Zeit finden, so diskutieren sie ausgiebig den Unterschied von Klimaverhältnissen und deren Auswirkungen auf den Sozialstaat. Oder zwei brave Streifenpolizisten, die in ihrer entlegenen Gegend plötzlich mit jeder Menge Toten konfrontiert sind, entdecken ganz zart die Liebe zueinander.

Auch ein Schneepflugfilm. Unser Protagonist Nils ist ein verlässlicher Schneepflugfahrer und vorbildlicher Bürger. Der Tod seines Sohnes, der am Flughafen beschäftigt war, trifft ihn zutiefst. Es kann nicht sein, dass er an einer Überdosis gestorben ist, wie die Pathologie feststellt, denn er war garantiert kein Junkie. Das lässt dem Vater keine Ruhe.

Kurz nach der Szene in der Pathologie erscheint der Name des Sohnes auf eingeblendetem Schwarz mit Kreuz. Es wird im Film nicht bei dieser einzigen Verabschiedung einer Figur aus dem Film bleiben.

Noch ist Nils ein Biedermann. Aber bald schon findet er den Kontakt, der zu den Übeltätern führt. Bei Nils muss in der ethischen Ecke im Gehirn eine Veränderung stattgefunden haben. Sein Rachfeldzug ist unerbittlich, obwohl Stellan Skarsgard, der Nils spielt, nun mit Dirty Harry grad gar nichts gemein hat, aber der Film will auf die verbale Anspielung nicht verzichten. So zuverlässig wie er seinen Schneepflug durch das winterliche Norwegen steuert (Fontänen von 30 – 35 Metern Weite in die Lanschaft blasend), erledigt er den ersten, dessen er habhaft wird, sobald er die nötige Information zur nächsten Person aus ihm herausgepresst hat.

Nun, das erste Mal bedarf es vielleicht wie beim Anzapfen eines Bierfasses noch einiger Schläge. Nils aber wird sich von Mal zu Mal steigern. Auch für die Entsorgung der Leichen hat er ein praktische Idee: einwickeln in Hühnerdraht und sie, das ist ein beinah poetisches Bild, über einen Wasserfall entsorgen. Auf diese Weise kann die Leiche nicht an die Oberfläche treiben, die Fische aber können die Fleischteile abknabbern.

Des rachesüchtigen Vaters Taten beunruhigen den lokalen Drogenhero, der Norwegen mit Albanern und Serben friedlich aufgeteilt hat. Dieses Gleichgewicht gerät ins Wanken, nachdem Greven, der Drogenboss, verunsichert ist, wer die Tode seiner Mitarbeiter auf dem Gewissen hat. Ein attraktives zusätzliches Spielmoment in diese ausladende Gangstergeschichte, die fast wie eine Elegie zelebriert wird mit nordischer Klarheit und reizvoll fotografiert ist, bringt die Sorge um Grevens Sohn, um den jener sich abwechselnd mit seiner Frau kümmert.

Schnee zu Schnee.
Bring mir einen von den Serben.
Die Designsessel des nervösen Greven, die wie Gesichter aussehen.
Gespräch über die Verbrechernamen. Der Mehlkönig.
Stellenweise wieder erinnert es mehr an liebevolles Provinztheater.
Ein Gespräch über die vorbildlichen Knastbedingungen in Skandinavien, geheizte Zimmer, anständige Behandlung, keine Vergewaltigung.
Entzückend: wie Nils seiner Geisel, dem Buben Rune von Greven, ein Gutnachgschichtlein vorlesen soll. Er hat nur einen Prospekt über Schneepflüge.
Ein Spaß für große, genreverspielte Buben.

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Diesen Film von Israel Horovitz, den er nach seinem eigenen Theaterstück gedreht hat, könnte man einen Themenfilm nennen, der uns etwas erzählt über eine besondere Art spekulativer Mietverhältnisse in Paris: die Immobilienleibrente („système viager“).

Der Deal besteht darin, dass der Käufer dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht und dazu noch eine monatliche Rente verspricht. Stirbt der Verkäufer kurz nach Vertragsabschluss, hat der Käufer den dicken Reibach gemacht, lebt aber die bereits 92jährige Dame noch 20 Jahre, so kann das ein unrentables und teures Geschäft werden.

Dieser Sachverhalt ist nur der Vorwand, um die Leinwand zur Bühne für großartige, ungeschminkte, reine Schauspielerei werden zu lassen, denn auf technischen, ausstatterischen oder Kostüm- und Schnittschnickschnack verzichtet Horovitz klüglich. Es ist reine Schauspielerei von wunderbaren Mimen, die wir vor dem Hintergrund dieser französischen Mietvertragsspezialität genießen dürfen, zuvörderst in einer altmondän eingerichteten Pariser Wohnung.

Dort lebt die große alte Dame der britischen Schauspielkunst Maggie Schmith als Mathilde. Sie spielt völlig ungeschminkt eine 92-jährige. Die Rolle hat sie 25 anderen vorgezogen, weil sie hier nicht sterben muss. Sie hat in diesem Haus das Wohnrecht bis an ihr Lebensende und erhält dazu von ihrem einstigen Lover 2400 Euro Rente im Monat. Der ehemalige Lover ist jüngst verstorben und nun möchte dessen Sohn, Kevin Klein als Mathias Gold, das Erbe antreten. Er wird aus Amerika kommend in Paris diese Lektion über die Immobilienleibrente lernen. Für ihn ist der Sachverhalt besonders bitter, da er blank ist.

Im diesem Haus wohnt noch die Tochter Mathilde, Kristin Scott Thomas als Chloé, von ähnlichem Spielalter wie Kevin Klein. Anhand von Golds Absicht, das Haus samt dieser Erblast zu verkaufen bei gleichzeitig akutem Geldmangel, wird Licht gebracht in die geheimnisvolle Beziehung zwischen ihm und Chloé einerseits und Mathilde, Chloés Vater und Golds Vater andererseits. Eine sanfte Liebesgeschichte bahnt sich an.

Für Verehrer und Liebhaber der Schauspielkunst.

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Die Schweiz und die Monarchie, das sind sich ausschließende Begriffe. So darf man besonders neugierig sein, wenn ein, noch dazu experimentierfreudiger, Schweizer, sich für die Monarchie interessiert. Gar für eine katholische Monarchin, die dramaturgisch wenig ergiebige Mary, Königin von Schottland, während ihre Gegenspielerin Elisabeth, zumindest im Drama von Schiller „Maria Stuart“, den brutalen Staatsraisonkonflikt zu bewältigen hat. Mary jedoch scheint, so einer der Texte im Film, einem Schicksal ergeben zu sein, was von Anfang an schief laufen musste. Wie löst Thomas Imbach das? Von ihm war zuletzt die persönliche und witzige Zürich-Doku Day is Done zu sehen.

Als Grundlage für das Drehbuch, das Imbach mit Andrea Staka geschrieben hat, beruft er sich auf die Novelle von Stefan Zweig. Für die Inszenierung schwelgt er vor allem in den Renaissance-Kostümen, die wie eine Galerie belebter Bilder mit den Dialogen als Bilduntertiteln vor dem Zuschauer ablaufen, dazwischen mixt er impressionistische Naturaufnahmen und Bodennebel.

Für die Hauptrolle der Mary hat er die französische Schauspielerin Camille Rutherford besetzt, eine sogenannt schöne Frau mit weit aufgerissenen Augen über dem Stupsnäschen und makellosem Teint und entsprechendem Behaviour.

Wer die Geschichte nicht kennt, tut sich möglicherweise nicht leicht mit den Texten, da sich Imbach nicht für eine dramatische Struktur, die aufgrund von Konflikten vorwärts getrieben wird, entschieden hat, sondern für eine lockere, mit großen Sprüngen versehene Chronologie nach der Biographie.

Die unbeständige Kindheit der Königin, die immer schon im Fokus der Machtinteressen stand („Ich konnte kaum meine Händchen bewegen, da griff die Politik schon nach meiner ahnungslosen Seele“). Sie wurde als Kind nach Frankreich gebracht und Jahre später durch Heirat Königin von Frankreich, wobei sie gleichzeitig Königin von England und Schottland war; bis ihre Cousine, die sie im Film nie persönlich trifft, die sie aber liebt und verehrt, Königin von England wird.

Mary ist umgeben von Hetzern, die dem Katholizismus zum Durchbruch verhelfen wollen; einen untauglichen Gatten lässt sie ins Jenseits befördern; aber sie gebiert einen würdigen Thronfolger; sie mag Krieg nicht („Es ist furchtbar, dass ich die Ursache dieses Krieges bin“). Sie hat keine machtpolitischen Ambitionen, sie will kein Blutvergießen. Eine Frau ohne Machtwillen, eine Frau ohne Widerhaken, die nur das Gute will; ob das dramaturgisch so ergiebig ist?

Reizvoll sind die Begegnungen mit ihrer Cousine Elisabeth, die immer nur in Form eines Gemäldes vom Personal vertreten wird, oder Francois stellt das Schicksal der beiden mit körpergroßen Puppen dar.

Ein Pinakothekenfilm. Ein Film für anspruchsvolle Kulturkonsumenten. Gerne mit heftiger Musik, auch Orgel, aufgemotzt. Kino als Durchschreiten einer Gemäldegalerie in weniger als Schritttempo wegen der Augenweide.

„Es ist sehr lange nach Mitternacht,
da sich Maria Stuart auf das Bett legt,
alles was im Leben zu tun war,
hat sie getan.
Nur ein paar Stunden noch,
hat die Seele jetzt Gastrecht in dem abgemüdeten Leib.“
So fängt der Film an, zeigt, mit welchem Ton und Sprache wir rechnen müssen. Das ist die Nacht vor ihrer Hinrichtung. Dann springt der Film 44 Jahre zurück. Ein Mädchen wird geboren, eine künftige Königin, die schöne Frau, um die herum Thomas Imbach diesen Bilderbogen lust- und kunstvoll gestaltet hat.

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Der Münchner Zwidercharme von Eckhard Preuß prägt diesen lockeren Jeder-Topf-braucht-seinen-Deckel Paar-Verwirrungs- und Lösungsfilm. Denn Preuß hat nicht nur das Buch zusammen mit Butz Ulrich Buse, geschrieben, er hat auch die Regie geführt und spielt noch die Hauptrolle des 44 jährigen Udo, der schon lange mit Doris, Jule Ronsted, zusammen ist. Doch Treue ist ein Problem, speziell in einem Film, der mit „Bocksprünge“ betitelt wird, was einem Mann, der sich für einen Mann hält, passieren kann, wenn ihm eine Frau über den Weg läuft, ein recht simples Grundkonstrukt.

In diesem Bocksprungspiel spielen noch mit: Maja, Julia Koschitz, die so gerne ein Kind hätte, aber ihr Mann Silvan, Benjamin Sadler, spielt lieber mit der Tochter seines Chefs den Nachwuchserzeuger, so wird es zumindest kolportiert, da ist Valerie, Teresa Rizos, die aber sowieso noch ein recht junges Luder ist und schnell mal einen Mann anmacht, auch wenn es sich um den Gynäkologen Rudolf, Friedrich Mücke, handelt, der selbst wiederum anbandelt, wie es sich gerade ergibt, denn allmählich hat er die Verdauungszeit des Betruges seiner Freundin hinter sich.

Die Seelsorgerseele für die Beziehungskisten ist der Barmann Jochen Nickel und auch die Elterngeneration hat ihre Probleme, das wird klar an Robert Giggenbach als Chef Dahlmann. Wenn wir glauben, jetzt sei alles geritzt nach etwa über 80 bocksprüngigen Minuten, taucht wie eine Göttin und für jeden Bockspringer unwiderstehlich Yvonne Catterfield als Eva auf und bringt das sorgsam gekittete Menschen- und Geschlechtergefüge ins Wanken.

Eckhard Preuß scheint die bestimmende Kraft in diesem Schauspieler-Teamfilm zu sein, bei dem bis auf den Frauenarzt keiner einen Beruf ausübt. Ein Lob der Gentrifizierung: alle wohnen sie in renovierten, lauschigen Altbauwohnungen und leben diesen oberflächlich-urbanen Münchner Lifestyle bar jeglichen bayerischen Sprachkolorits. Doku oder Fiktion, das ist hier die Frage.

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Dieser Fernsehfilm von Stefan Dähnert (Buch) und Christian Wagner (Regie) zeigt, dass ein Justizfilm auch in Deutschland spannend sein kann. Die Filmemacher haben pragmatisch gehandelt. Sie hatten das Buch der Jugendrichterin Kirsten Heisig zur Grundlage, das diese vor ihrem Selbstmord 2010 geschrieben hat und das zu einem stark diskutierten Titel geworden ist (wie der Film: „Das Ende der Geduld“).

Hier im Film heißt die Richterin Corinna Kleist. Sie wird fabelhaft mit Charme und ganz ohne Verbiesterung gespielt von Martina Gedeck, die allein mit ihrer Rolle den Film schon trägt. Sie ist eine moderne Heldin. Sie will der Verwahrlosung des Rechtes in Berliner Problemvierteln Einhalt gebieten, sie bekommt nach einer Krise oder einem Burnout wie ihr Chef meint, eine Stelle in Neukölln angeboten, weil sie unbedingt Jugendrichterin bleiben und etwas verändern will: beschleunigte Verfahren, damit die Jugendlichen den Zusammenhang zwischen Tat und Strafe auch spüren und kapieren.

Sie macht sich nicht beliebt in dem Viertel. Sie legt sich mit einem einflussreichen, libanesischen Clan an. Hauptfigur ist Rafiq, ein Junge, der just in der Nacht zu seinem 14. Geburtstag einen Drogerieeinbruch begeht, wobei das Einwerfen der Fensterscheibe vor Mitternacht noch unter die Strafunmündigkeit mit 13 fällt, aber das Ausrauben und Abschleppen des Diebesgutes nach Mitternacht mit jetzt 14 juristisch verfolgt werden kann.

Was die Richterin, die ihren Klienten schon länger kennt, auch als ein Exemplum durchzieht. Der entscheidende Fall, der zur Verhandlung kommt, ist die Vergewaltigung einer jungen Frau, Susanne, an der peripher auch Rafiq beteiligt war. Allerdings wird das vor Gericht verzwickt, die Drohungen der Mafia verändern die Wahrnehmung der Zeugen und auch des Opfers. Es kann für eine Richterin zum Verzweifeln werden.

Ein Film, der sicher im Sinne des öffentlichen Rundfunkauftrages ist, und nicht nur das, er ist sogar spannend; die ganze Vielfalt an Figuren, die er auffährt, die Polizeistation, die Behörden, der Gerichtsdiener (“Käffchen?“), die alle irgendwie aufgegeben haben, die aber durch motivierende Reden aufzuwecken sind. Demokratie braucht Wachheit. Und Mut. Der Film wird dadurch zum vehementen Votum für einen aktiven Rechtsstaat, für ein funktionierendes Rechtssystem. Ein kurzweiliger Fernsehfilm mit ernstem Thema und mit Hand und Fuß.

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Sportgrößen sind tendenziell unpolitisch. So ist es auch bei Walaa Hussein, einer faszinierenden Fußballerin, der beim Spielen zuzuschauen enorm Spaß macht, so schnörkellos wie sie den Ball mit fantastisch sicherer Motorik bezwingt. Nicht nur den Ball bezwingt sie, auch die Dokumentaristin Noemi Schneider scheint von diesem Drive, den die Sportlerin nicht nur beim Spiel hat, angesteckt und wendet den um in einen wunderbar filmischen Drive, der dem Zuschauer einen spannenden Einblick wie aus einem Guß in die hochkompliziert israelisch-palästinensische Gesellschaft bietet.

Noch lebt die Plästinenserin ihr kompliziertes Leben in legerer nicht allzu damenhafter Kleidung und mit blondiertem Haar zwischen Israel und Palästina, denn sie lebt in Israel, ist dort geboren, hat einen israelischen Pass, spielt dort in der Nationalliga. Seit einigen Jahren ist sie auch Teammitglied in der palästinensischen Nationalmannschaft, wodurch sie ständig in ihrem pannenanfälligen Kleinwagen unterwegs ist zwischen Israel und Palästina. Das bedeutet Warten, Warten und wieder Warten an Check-Points, manchmal gar nicht reingelassen werden. Ein geplantes Spiel gegen eine Mannschaft aus einem Emirat kann nicht stattfinden, weil die Israelis die Mannschaft nicht ins Land lassen.

Immer führt der Weg Walla an der gigantischen Mauer entlang, die Israel gegen Palästina gebaut hat und die Dokumentaristin versucht, diese zu thematisieren. Aber beim Politischen stößt sie bei der Sportlerin auf Beton. Walaa sagt nicht, die Verhältnisse sind schlecht, die müssen geändert werden, sie sagt, „mein Leben ist kompliziert“. Sie schiebt es auf sich, sie muss mit ihrer Rostlaube damit zurechtkommen, „Fußball, Studium, Unfall, das ist mein Leben und Checkpoints“, „Für den Fußball mach ich alles“.

Das größere Problem für ihre Zukunft sieht Walaa in der arabischen Gesellschaft, in der die Stellung der Frau im Gegensatz zu Judentum und Christentum eng als Familienmensch und Mutter definiert ist. Auch bei ihr zuhause wurde es nicht gern gesehen, dass sie immer nur mit den Jungs Fußball spielte. Die Brüder wollen nicht, dass die Mädchen spielen. In der arabischen Gesellschaft sieht Walaa für sich keine Zukunftsperspektive; die bietet ihr nur das Ausland. Denn wenn sie im Land bleibt, wird sie sich den islamischen Gepflogenheiten beugen, heiraten, Kinder aufziehen, sich verschleiern, das fordere der Islam.

Walaa ist wie ein Chamäleon, wenn sie bei den Palästinensern spielt, ist sie eine von denen, wenn sie mit den Israelis spielt, ist sie eine von denen, und wenn sie für eine arabische Hochzeit zum bassen Erstaunen ihrer Mutter ein langes Kleid anzieht, dann tanzt sie darin mit derselben Schicksalergebenheit im Gesichtsausdruck wie die anderen arabischen Frauen.

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Herzallerliebst, diese Fürsorge des öffentlichen Zwangsfunks um das Pornobefinden seiner Zwangsbeitragsbezahler, als ob diese nicht selbst wüssten, wie es darum steht und dass es sich dabei um eine private Angelegenheit handelt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist allerdings der Ansicht, dass diese Fürsorge ums Pornofeeling zu seinem Grundauftrag gehört, man sollte das Recht darauf direkt im Grundgesetz verankern. Weil ihm, dem Rundfunk aber doch nicht so wohl ist bei der Sache, so verteckt er sie tief in die Dunkelheit der Sendenacht, noch besser wäre, die Sendung unter der Bettdecke oder in den eigenen vier Wänden stattfinden zu lassen – und ganz ohne Rundfunk.

Da ferner die Nachfrage, weil es sich um eine privat-persönlich-intime Sache handelt, in Straßenumfragen nicht befriedigend erörtert werden kann, landet sie notgedrungenermaßen beim Sex-Business, bei dessen moderner Kombination von Foto, Sexfilm und Internetangeboten von Sexarbeiterinnen – dabei darf der Moderator unschuldig reinschauen und kichern, ihn ekle – so wäre doch logisch, wenn denn die Fürsorge um das Pornowohl des Rundfunkzwangsteilnehmers ehrlich und ernst gemeint ist, dem Zwangsgebührenzahler die Gebühr zu erstatten, damit er sich stattdessen wenigstens eine Internetsession mit einem der aufgemotzten Models leisten kann. Das wäre echte, staatliche Pornofürsorge. So aber bleibt es beim unergiebigen Geschwätz.

Um der Angelegenheit einen seriösen Anstrich zu verpassen, damit ja nicht der Verdacht aufkommt, hier mache sich einer auf Kosten von Zwangsgebühren einen lustigen Lenz mit Lustmolchreisen zwischen Zürich und Wilhelmshaven (der Kapuzenpulli-Moderator wird ganz nervös, wenn er gleich einen Pornostar trifft und es übersteigt sein Vorstellungsvermögen, Sex vor andern zu treiben), beruft er sich doch tatsächlich auf eine mehrwöchige „Recherche“.

Dass Porno Anlass für schmierigen Ersatzblabla ist, auch das beweist diese Sendung, von der nicht ganz klar ist, an welchem Puls sie sich befindet und misst, was sie überhaupt mit dem Begriff „porno“ meint: adjektivisch-adverbiale Abkürzung für Pornographie oder Ersatzwort für Sex? Egal, am Schluss muss wie in der Kirche die Moral angeführt werden, dass wir nämlich eine Verantwortung haben, welche Pornos wir uns anschauen – damit der öffentliche Zwangsgroschen in seine korrekten Bahnen fällt. Diesen Gedanken fortgesponnen hieße, dass auch der Zwangsgebührenzahler künftig Verantwortung übernimmt, was gesendet wird, und dass er solchen Magazinen, die mit dem gesetzlichen Grundauftrag des Mediums nichts zu tun haben, die rote Karte zeigt.

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