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So sympathisch dieses Magazin gemacht und moderiert ist, so ist es doch überwiegend von rein inneruniveristärem Interesse (Moocs zum Thema Chirurgie und Storytelling, Diskussion über Bachelor- und Masterabschlüsse an der Uni), um dann am Schluss noch über ein Projekt von zwei Game-Designern aus Berlin zu berichten, ungelegte Eier. Alles natürlich interaktiv oder crossmedial wie es heutzutage heißt.

Was mir nicht einleuchtet, ist, dass dieses Magazin aus dem Topf öffentlich-rechtlicher Zwangsgebühren finanziert wird, insofern es sich doch um inneruniversitäre Themen handelt, die aus Bildungstöpfen zu finanzieren wären.

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Rudelbumsen, Rudelradeln, Rudelsterben, das in etwa ist der Gehalt dieses staatlich hochgeförderten Filmes.

Wobei das Rudelsterben insofern differenziert werden muss, als einer aus dem Rudel sich die Todesspritze geben lässt und der Rest steht belämmert da und gibt Händchen oder steht auf dem Balkon.

Der Rudelbegriff, der im Film selber nur im Zusammenhang mit dem Rudelbumsen erwähnt wird, als einer der Aufgabenstellungen, die sich dieses Rudel Menschen aus verblühender Jugend und zweier namhafter Subventionsstars (die unverzichtbare Hannelore Elsner und der ebenso unverzichtbare Jürgen Vogel, die aber ihren Rollen auch nicht mehr als Rudelidentität abgewinnen können) gegenseitig für die letzte Radtour ihres sterbewilligen Rudelmitgliedes Hannes, Florian David Fitz, gestellt hat, nämlich den Besuch eines Swingerclubs, den der Film als Schlüssellochtratsch dem Zuschauer recht verklemmt darbietet. Ein Gewächs an Film, wie es nur und perverser nicht im hochsubventionierten Filmland gedeihen kann.

Zwei der treibenden Figuren des Filmes haben mit erfolgreichen Erstlingen auf sich aufmerksam und sich einen Namen gemacht. Der Regisseur Christian Zübert als Autor und Regisseur mit “Lammbock” und der Protagonist Florian David Fitz mit Vincent will Meer und sind seither Namen am Subventionshimmel oder Höflinge am Hofstaat der Subvention. Tauschen ihre Kreativität und Eigenwilligkeit gegen den Komfort an diesem Hofe ein und werden belanglos, hier in diesem Falle sogar peinlich und jeder Menschenwürde, auch dem Todesgedanken mit emotionaler Sauce spottend.

Sicher ist es ehrenwert, so ein schwieriges Thema wie aktive Sterbehilfe zu behandeln. Aber dann sollte man das schon genau recherchieren. Auch die Philsophie, dass manche Menschen im Sterben gerne allein sind. Vor allem muss wie im vorliegenden Fall leider nicht geschehen, schon eine tiefere Begründung gegeben werden, dass dieser junge Mann, der noch total fit aussieht, der lediglich schneller erschöpft ist als die anderen, bereits in diesem Zustand, wo er noch mindestens ein Jahr lang leben könnte, freiwillig den Tod in Belgien sucht (der wehleidige Deutsche! Ab 25. Dezember werden uns die Engländer zu diesem ALS-Thema zeigen, was cineastisch eine Harke ist mit “Die Entdeckung der Unendlichkeit – The Theory of Everything”). Nur die Angst vor den Schmerzen, so wie er es bei seinem Vater erlebt haben will, die reicht nicht aus. Da müsste schon eine ganz besondere Ängstlichkeit und Hypochondrie in seinem Charakter angelegt sein (damit wäre womöglich die Basis für eine richtig rabenschwarze Komödie gelegt).

Leider aber sind in diesem Rudelfilm Charaktere vom Drehbuch her (Christian Zübert und Ariane Schröder) überhaupt nicht untersucht worden; die Autoren und der Regisseur (Christian Zübert) haben sich lediglich auf den vorgeblich professionell angebotenen Rudelcast verlassen, dessen Hauptaufgabe nebst den lächerlichen Gruppenaufgaben (einen Jesuiten zu ohrfeigen, Swingerclub, Schlammschlacht) augenscheinlich darin bestand, in der Todesszene und vorher bei der Abschiedsrede des Moriturus bedröppelt reinzuschauen. Was gerade bei den Stars bsonders peinlich und laienhaft wirkt.

Das Thema, mit dem der Film sich wichtig machen will, wird schlampig behandelt.

Thema Privatheit des Sterbens. Die mag von mir aus in einem Film gezeigt werden. Das muss aber aufgebaut werden. Sterben ist ein, so Sterbekundler, höchst intimer Moment. Wenn man den im Film zeigen will, so muss diese Figur vorher entsprechend intim und privat eingeführt werden, damit das schlüssig ist, damit dieses Sterben eine nachvollziehbar, emotional berührende Basis hat, die vielleicht so nur das Kino leisten kann. Das passiert hier nicht. Die kranke Hauptfigur wird nur als Rudelmensch vorgestellt und ist immer im Rudel. Dadurch wirkt dieser Film zu so einem anspruchsvollen Thema einfältig und dumm.

Am Hof der Subvention fanden folgende Subventionsfürsten diese Einfalt, ja Perversion im Umgang mit diesem Thema, als staatlich förderungswürdig, (weil sie eben nur auf die Namen schauen und Bücher nicht lesen können, weil sie mithin ihren Job nicht richtig erfüllen): HessenInvestFilm, Medienboard Berlin-Brandenburg, DFFF und die FFA.

Eine Sprachregie beim Rudel hat nicht stattgefunden, die sprechen alle immer viel zu laut. Dadurch werden die paar Sprüche, die eingebaut sind auch nicht besser.
Ich wollt schon immer mal einen Zeugen Jehovas verprügeln.
Ich hab ALS. Ist das nicht die Krankheit, an der dein Vater gestorben ist?
Bei dieser Krankheit gibt’s nur eine Richtung, immer tiefer in die Scheiße.
Einmal eine Frau sein. Wir hauen auf die Kacke. (Anlass für eine der üblichen Discoszenen in deutschen geförderten Filmen).
Die zahlen Sie aber extra.
Mag noch jemand Kaugummi?
Mein Papa ist vor drei Jahren gestorben (und der Fitz, der leidet uns hier einen vor und sieht dabei superfit aus).
Und ich will auch viel öfter mit meiner Frau schlafen.
Dann mach mehr, als mir nur zwischen die Titten zu greifen, „Mareike, es ist Zutzelfreitag“.
Dass ich alt geworden bin, merk ich, dass ich in der Disco den Ausweis nicht mehr zeigen muss.
Wir hatten eine gute Zeit.
Die Injektion ist fertig. Jetzt geht es ganz schnell (Bis dahin hats aber gedauert).

Der Film kann sich nicht entscheiden zwischen Realismus, Parodie oder schwarzer Komödie; er entscheidet sich fürs Rudel.

Man weiß nicht mal, wo sie starten zu ihrer Reise, plötzlich sind sie in einem Zelt oder in einem Flugzeug, nichts wird vorbereitet.

Was der Film überträgt, dass das Rudel offenbar Spaß beim Drehen hatte. Was ich von mir beim Zuschauen nicht behaupten kann. Der Zuschauer bleibt außen vor.

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Wenn in einem deutschen Film unter den Drehbuchautoren der Name Jane Ainscough auftaucht, besteht Gewissheit, dass wir es mit dem neuen deutschen Gefühlskino (was eo ipso ein menschelndes Biederkino ist) zu tun bekommen („Alles ist Liebe“, der Ende Jahr ins Kino kommt, Miss Sixty, Der fast perfekte Mann, Eltern, Omamamia, Hanni und Nanni 2). So ist es auch hier, nebst ihr stehen als Drehbuchautoren Marco Kreuzpaintner und Christoph Müller. Kreuzpaintner hat auch die anfangs recht hackelige Regie mit viel überflüssigem Text der Darsteller, die anfangs noch recht steif wirken, geführt.

Gefühlskino also, und die deutschen Darsteller lernen zusehends so eines zu spielen, wenn auch noch nicht alle gleichermaßen, ein Gefühlskino, welches vielleicht im Bereich der bunten Blätter in einem Frisörsalon anzusiedeln wäre, und welches hier explizit eine Verführung in umgekehrter Richtung zum schwulen Outen, dem Coming Out schildert, eben einem Coming In, die Verführung eines geouteten und offen schwul lebenden Mannes zur Heterosexualität.

Ein Themenfilm gewissermaßen, der sich offenbar an jene vermutete Mehrheit im Lande wendet, für die die konstitutionelle Bisexualität des Menschen keine Selbstverständlichkeit ist. Große Gefühle vor begrenztem Geisteshorizont.

Die Verführung findet statt durch Eylin Tezel, sicher eine der spannenderen jüngeren Darstellerinnen im Filmland. Sie betreibt in Neukölln einen wunderschön weltvergessenen Damensalon für Kundinnen, die Neukölln nie verlassen haben und nie verlassen werden. Ihr „Opfer“ wird der schwule Frisör- und Kosmetikstar Tom Herzinger. Die Idee seiner Geschäftspartner ist die, mit seinen Kosmetikprodukten auch den Markt für die Heten zu erschließen. So soll er die Frauen in dem kleinen Salon kennenlernen. Was er auch mit einer Perücke und unter dem Namen Horst tut. Da wirken Kostja Ullmanns treuherzige, große Augen wirklich niedlich.

Es gibt noch einige Geschichten drum herum. Da ist sein Freund und da sind seine Geschäftspartner, die ein Problem damit haben, dass Tom sich plötzlich für Frauen interessiert. Es gibt die entzückenden Eltern von Heidi, es gibt einen Theaterbesuch von Romeo und Julia und selbstverständlich das Thema Berühmtheit, Blitzlichtgewitter und Papparazzi.

Egal, wo der Film spielt, es finden sich dauernd Gelegenheiten für putzige Sprüche und Witzchen, die Differenz der geschlechtlichen Orientierung und die Probleme damit artikulierend, gerne auch am Rande der Klamotte.

Allmählich stellt sich im Zuschauerraum ein wohliges Family-Feeling ein, auch dank der Musik und der Erkenntnis, dass ja kein Mensch böse sei, und dass wir das alles bestens verstehen. Und dass jeder irgendwann mit irgendwem sein Glück findet. Im Grund geht es um die Nuancen, oder wie Frisöse stur korrigiert: die „Nüansen“ (was gelesen werden kann wie der Unterschied zwischen Neukölln und dem Rest der Welt oder wie der zwischen Schwulen und Heteros).

Sie leben mit einem Mann zusammen? Ja. Das muss das Leben um vieles einfacher machen.
Und die Weisheit, dass man sich gerne in das verliebe, was man nicht haben kann.
Frisörkino.

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Eine raue Betrachtung der menschlichen Gesellschaft als durch und durch kaputt, sündig, durch das Auge eines Priesters, der ohne Skrupel einem selbstmordwilligen Autoren eine Pistole besorgen will.

John Michael McDonagh (The Guard) riskiert einen abgrundtiefen, symbolisch-synthetisch-thetischen Blick in die moralische Verkommenheit, in die Kaputtheitsstruktur unserer Gesellschaft. Dieses „gute“ Auge wird gespielt von Brendan Gleeson als Pfarrer James.

Um welch beispiellosen Abgründe es geht, zeigt ein Beichtgespräch, womit der Film anfängt und gleich seine Methode bekannt gibt, dass es hier vor allem um Gespräche geht, immer um Gut und Böse und wie die wirken. Der Pfarrer ist im Bild. Er hört nur zu, muss sich die schlimmsten Verfehlungen durch einen Priester an Jungs anhören von einem der Opfer, von fünf bis zehn Jahren immer blasen und dann wurde es schlimmer und geblutet hat er täglich. Dem Pfarrer wird leicht mulmig, besonders wie der Beichtling dem Pfarrer ankündet, dass er nächsten Sonntag tot sei. Erst wird der Hund dran glauben müssen.

Der Film wird ab hier in Wochentage aufgeteilt. Der Pfarrer durcheilt die Gemeinde. Korrektheit, Ordnung, bürgerliches Glück, das findet sich nicht, statt dessen Brutalität, Schläge an der Frau, einen Finanzhai trifft er, der Polizeichef erscheint mit seinem Stricher, dem Autoren, der sich umbringen möchte, will er ein Gewehr besorgen.

Es wird ein eigenartiger Kreuzweg werden, den der Pfarrer in dieser Woche durchmisst. Es wird um Selbstmord gehen (in dessen permanenter Nähe befindet sich seine rothaarige Tochter Fiona, ja richtig, er selbst war einmal verheiratet und ist dann erst nach dem Scheitern der Ehe zum Priester geworden). Es geht um Ehebruch, auch der permanent, dazu noch Rassimus mit einem Schwarzen, aber auch der Pfarrer kann wenig differenzieren, wer woher aus Afrika kommt. Schließlich Kannibalismus, wobei das Opfer eh schon vergewaltigt worden sei. Ferner vom Koks auf dem Klo bis zum Kirchenbrand.

Der Film kommt mir vor wie eine systematische, jesuitische Predigt; ein hochmoralisch-theologischer Film; der sich dem Publikum über das Mittel der schwarzen Komödie verständlich machen möchte. Der Film fordert geistige Konzentration, fordert geistiges Mitgehen – und bringt er einem etwas Neues, etwas Unbekanntes, außer dass die Welt schlecht ist und dies offenbar auch die Kirche nicht ändern kann?

Die Stadt ist auch nur eine symbolische Stadt, sie wird, außer am Schluss mit einer Aufnahme aus der entfernten Totalen, nicht näher definiert. Eine Beichtstuhlstadt. Der Blick ins Beichtgeheimnis einer Gesellschaft. Da kommt so viel zusammen wie bei einem Purge.

Ein Schauderblick auf eine verkommene, menschliche Gesellschaft mit einem schönen Countdown am Meer zum Thema Zynismus und Mobby Dick.

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Das Problem bei dieser animierten 3-D-Monster-Grusel-Geschichte scheint mir, sind die Schachteln und die Verschachtelung. Eine Schachtel ist etwas Abstraktes, Eckiges, Auf- und Zuklappbares, Zusammenpressbares. Die Schachtel ist lediglich die Kiste. Aus der vielleicht ein Zaubereffekt kommen kann. Hier sind allerdings die titelgebenden Figuren, die Boxtrolls, solche Schachtelmonster, die ganz harmlos und fleißig sind, die Extremitäten und einen Kopf, gar einen Fischkopf ausfahren können, um dann wieder die leblose Schachtel zu spielen.

Man könnte diese Schachteln als reduzierte Modelle von Kakerlaken-Panzern sehen. Von ihrem Wesen her könnten die Boxtrolls also in der Nähe von Schachteln und Kakerlaken angesiedelt werden. Das Wesen von Schachteln, was ist das? Denn die Boxtrolls sind harmlose Wesen, sind Massenerscheinungen. Sie werden von den Menschen denunziert. Sie leben in der Unterwelt, in der Kellerwelt.

In der menschlichen Oberwelt gibt es wiederum zwei Abteilungen, das Bürgertum der verschachtelten, mittelalterlichen Stadt um Lord Portley-Rind und die Monsterjäger um Archibald Snatcher, der noch dazu ein Varieté-Doppelleben führt. Er will einerseits die Anerkennung der bürgerlichen Welt, nämlich einen weißen Hut (nun ja, vermutlich das, was heutzutage ambitionierte Akademiker als Doktorhut sehen), denn er und seine Spießgesellen tragen rote Hüte. Er macht nächtens mit einem Gefährt, was wie ein futuristisches Skelett von Maschinenmensch-Roboter aussieht, Jagd auf die Boxtrolls. Um die Jagd zu legitimieren, die Stadt vor der Gefahr zu reinigen, muss er diese erst heraufbeschwören und in Umlauf setzen, was für Monster diese Schachtelfiguren seien. Snatcher hat bereits den wichtigen Tüftler Mr. Trout in seinen Gewahrsam gebracht, der hängt sei Jahren mit schweren Eisenketten gefesselt kopfüber von der Decke.

Es gibt zwei Nachwuchsfiguren, ein Mädchen, das Töchterchen des Lords und den einsten gestohlenen Sohn von Mr. Trout, Eggs, der mit einer Schachtel um die Brust herumläuft und meint, er sei ein Boxtroll, wie Mogli im Dschungel meint, er sei ein Wolf, aber schachtelweise. Die jugendliche Unschuld und Liebe wird allmählich den Nebel der Verschachtelungen in der Erwachsenenwelt und der Denunziation der Schachtelwelt lichten. Bis dahin ist viel Käse durch die Käsestadt Käsebrücke geflossen. Snatcher hat eine Käseallergie. Das Genre wechselt von der Monsterparodie zum todernsten Monsterfilm zur Opernparodie mit musikalischen Nummern und die Geschichte erhält durch die deutsche Synchro einen Zacken zu viel preussischen Schneids, als dass die womöglich beabsichtigte Haltung, hey, wir machen hier jetzt ganz lustig einen auf Monsterfilm und amüsieren uns darüber, snobbishly, verloren geht.

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Ein verdienstvoller Film. Er behandelt ein Stück Schwulengeschichte der Schweiz, was weit über die Schweiz ausgestrahlt hat. Sein Standpunkt ist dezidiert nicht insiderisch sondern der achtungsvoll-behutsamer Hingabe von außen. Stefan Haupt verbreitet mit diesem Film die heimelige Atmosphäre einer Bibelstunde. Wir sind in einem geschützten Raum. Wir haben alle Verständnis für solche, die anders sind, wir proben die tolerante, subtile Art der Annäherung.

Allerdings können sich die Autoren, das sind Stefan Haupt, Christian Felix, Urs Frey und Ivan Madeo nicht so richtig entscheiden, ob Melodram, ob Abriss der Schwulengeschichte oder ob Liebesgeschichte der beiden Protagonisten (des inzwischen verpartnerten Seniorenpaares, das als erste Schwule in der Schweiz geheiratet hat) in den Hauptfokus zu setzen. Entschuldigt wird dies vielleicht durch den Umstand, dass Haupt sich für eine Mischform aus Fiktion (also nachinszenierten Szenen) und üblicher Dokumentation aus Interviews und Archivmaterial entschieden hat.

Ernst und Röbi, Melodram oder Emanzipationsgeschichte? Die Inszenierung ist jedenfalls rücksichtsvoll, fast andächtig leise wird zum Teil gesprochen, als ob man die Geschichte wie ein verletzliches Gut behandle.

Der Titel weist darauf hin, dass hier die Geschichte der Schwulenzeitschrift „Der Kreis“ im Mittelpunkt steht, die engagierte Schwule in Zürich jahrelang herausgegeben hatten; bis sie in den frühen 60ern aufhören mussten. „Der Kreis“ war auch eine eingeschworene Schwulengemeinschaft; da in der Schweiz der Paragraph 175 früher gestrichen wurde als in Deutschland, ist sie zu einem Paradies für Schwule geworden und der jährlich organisierte Ball zog Schwule aus aller Herren Länder an und sei damals weltweit einmalig gewesen.

Bis Morde im Strichermilieu die Stimmung in Zürich kippen ließen; Schwulität war zwar nicht verboten, aber registrierbar. Das setzte die Staatsmacht brutal um, das zeigt der Film schonungslos.

Mehr Mühe als auf Drehbuch und Schauspielerauswahl scheint die Produktion auf die glaubwürdige Ausstattung von 60er-Jahre-Innenräumen verwendet zu haben. Die sind eine eigene Museumsbesichtigung wert, so viel 60er Jahre dürfte es damals kaum je an einem Ort so ramassiert gegeben haben; das versetzt den Film in ein leicht distanzierendes, künstliches, museales, sympathisch schummrig wirkendes Licht.

Prima Besetzungen sind vor allem die beiden Hauptdarsteller Matthias Hungerbühler als Lehrer Ernst und Sven Schelker als Röbi, der leinwandgewinnend ist, sei es als Mann oder als Frau, ob er singt oder charmiert. Während Anatole Taubmann mit seinem Spiel als Felix wie nicht integrierbar ins Kreis-Ensemble wirkt, wie ein Doppelagent. Besetzungs- oder Rollenarbeitsproblem? Gerne hätte man allerdings mehr über den Beruf von Röbi erfahren, anfangs sehen wir, dass er Coiffeur ist und dass er Travestie-Auftritte macht. Hat er das später als seinen Beruf ausgeübt?

Marianne Sägebrecht als die tolerante Mutter von Röbi hat in Stefan Haupt einen sie gut führenden Regisseur gefunden. Die teils heftigen Kämpfe, die ein Coming-Out mit sich bringen kann, werden ausgelassen oder nur höchst distanziert erzählt, ist ja bei der Familie von Ernst auch gar nicht gewollt gewesen.

Wie ein Amen in der Kirche wirkt das Schlusswort – vor dem Rest der Abspannes – wenn Ernst vor dem Lehrerkollegium noch ein verschlungenes Wort zum Selbstmord des Schulrektors sagt (brav verheiratet, zwei Kinder, aber mit schwulen Neigungen versehen): da fällt auf; ein Film ist ja fürs Publikum von heute gemacht; dieses wird einer vermuteten historischen Genauigkeit zuliebe wie ausgeblendet. Hört sich so besehen an wie ein liturgisches Amen.

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Hier geht es um den Vikinger-Film um des Vikinger-Filmes willen. Hier wollen Claudio Fäh (Regie) und Bastina Zack, Matthias Bauer (Drehbuch) zeigen, dass sie Vikinger-Film können. Die Beurteilung fällt gemischt aus.

Die logistische Arbeit für das fast pausenlose Hit and Run im Film, die zeugt von großer Sorgfalt. Darauf scheint viel Wert gelegt worden zu sein. Auch auf die Ausstattung. Vor allem in den ersten Bildern, nachdem die schiffbrüchigen, geächteten Wikinger gestrandet sind, erzählen sie mit ihren Gesichtsausdrücken und Kostümen und den wilden Haaren, dass es ihnen richtig Spaß macht, solch wilde Männer zu spielen. So wie es wohl Pfadfindern Spaß machen würde. Entschlossener Gesichtsausdruck, wilde Blicke, eigenwillige Haarpracht.

Wenn der erste deutliche Satz in einem Film so etwas wie einen Hinweis auf das geben soll, was er erzählen möchte, so geht es hier darum, dass Wikinger nicht in geschlossenen Häusern übernachten wollen, denn das ist zu gefährlich, da könnte ein Feind durch die Tür kommen. Und tatsächlich, wie unser bescheidenzahliges Trüppchen später bei einem christlichen Mönch in einem Turm Zuflucht findet, so werden sie dort erst vom Feind umzingelt und bald stürzt der Turm auch ein. Aber ob so eine Weisheit reicht, um einen Film zu füllen? Denn worauf hier weitgehend verzichtet worden ist, das ist ein Interesse an den Charakteren. Die sind austauschbar, die haben keine persönlichen Konflikte wie in der Wiking-Serie, die Amazon neulich präsentiert hat, wo fundamentale Drehbucharbeit geleistet worden ist. Kein Wunder, die wollen ja auch richig Geld verdienen damit.

Bei unserem vorliegenden Wikingerprodukt scheint es primär um das Abschöpfen von Suventionen gegangen zu sein und sicher auch darum, aufregende Drehtage in einer ansprechenden südafrikanischen Landschaft zu erleben, wo es bei den Besetzungen nicht auf Punktgenauigkeit der Rolle ankam, sondern wo vermutlich mehr Funktionärsbeziehungen eine Rolle gespielt haben dürften; allein die einzige Frau, die vorkommt ist irgendwie so nicht Fisch und nicht Fleisch und überzeugt nicht, wie soll sie auch, bei fehlendem Drehbuchfutter (sie soll verheiratet werden von ihrem Vater, dem König und wird in eine fensterlosen Kutsche eingesperrt von dessen Reitern über Land gezogen, bis unsere Wikinger sie kapern können).

Der dick gebrachte Satz „I am a warrior not a climber“ wie die Krieger als einzigen Ausweg eine Steilküste hochzukraxeln versuchen, der wird extrem ausgestellt, kann aber nichts zur Spannung beitragen, es sei denn, die Regie bestätige das durch die Art des Kletterns, was aber nicht passiert. Immerhin schön malerisch aber auch im Rahmen der Erwartungen. Ich fragte mich die ganze Zeit, was wollen uns die Filmemacher hier erzählen?

Immerhin bemühen sich die Darsteller, in tiefer, timbrierter Männerstimme zu sprechen.

Flugaufnahmen sollen Tempo und Zielgerichtetheit suggerieren, die der Film so nicht zu bieten hat. Ein schlichter, anspruchsloser Vikinger-Film, der vom Meer bis wieder zum Meer ein sich zusehends dezimierendes und eh schon kleines Trüppchen Geächteter durch einen Gefahrenkorridor führt. Die Kämpfe sind intensiv, aber kinematographisch wenig ergiebig. Den größten Drive verpasst dem Film noch die Musik.

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Das traurige und wohl auch tanzpolitisch kritische Fazit dieses Filmes ist, dass der begabtere der beiden Protagonisten, Syl, nicht genommen wird beim Casting, während Frenzy, der alles Syl zu verdanken hat, genommen wird und dann sogar in der Show der Hauptdarsteller sein wird.

Die Idee ist sicher ganz nett, Bauernjunge, der auf dem elterlichen Hof mitarbeiten muss, schafft es mit seinem Kumpel zu einem Vortanzen in Paris – als Anfang der Träume.

Nur müsste das vom Buch her auch ein bisschen vorbereitet sein. Man müsste erfahren, wieso Tanzen für ihn wichtig ist (er sagt nur, das mache ihm den Kopf frei); und worin sein Unglück auf dem Bauernhof begründet liegt. Sein Motiv müsste kenntlich werden. Nun, nicht alles was aus Frankreich kommt, ist Gold. Über eine halbe Stunde lang schreibt Camillie Fontaine, die Autorin des Drehbuches, willkürlich bäuerliche Szenen hintereinander (Misten, Melken, Kälbchen die Flasche geben, Traktor fahren und dazwischen tanzt die Hauptfigur, so ganz unbäuerlich besetzt). Besonders unglücklich wirkt unser Protagonist dabei nicht.

Es gibt zwei Schlüsselszenen im Film, die sind in Richtung traumhaft. Das eine ist der Erweckungstraum von Franzy, nachdem er mit einer Freundin mit halluzogenen Pilzen vermengtes Hasch-Zigaretterl geraucht hat: eine nächtliche Tanzszene wie ein Scherenschnitt vor tiefblauem Vollmondhimmel und dem filigranen Geäst von zwei Bäumen. Nachher weiß der Bauernjunge, dass er tanzen muss. Die andere Szene ist am Schluss, die könnte eine Hommag an Muhammed Ali sein, so leicht tanzen die Darsteller als Boxer in der Show. Mit dem Lockenkopf sieht Frenzy das erste Mal auch attraktiv aus.

Die Wichtigkeit des Tanzes für Frenzy wird nur theoretisch erläutert: als Frenzys Vater starb, habe Syl ihn zum Hipphoppen gebracht und damit über die Trauer weggeholfen.

Das Hängenbleiben oder Weggehen vom Land, das wird nach einer Stunde ein bisschen das Thema im Film. Sporadisch eingestreut zwischen künstlicher Besamung und der Feier für den 1. Preis der Milchkuh Shakira. Hier setzt der Film aufs Melo.

Nach vierzig Minuten sind die beiden Freunde, die eine merkwürdige Mechanik im gegenseitigen Körperkontakt zeigen, beim Vortanzen in Paris.

Im letzten Drittel entwickelt die Dramaturgie sich allmählich mit einigen Twists, dass zuerst klar ist, dass beide genommen worden sind, der Bauer aber auf gar keinen Fall hingeht, dann die Erkenntnis, dass er gehen wird und die entsprechenden Diskussion zuhause bis zum Packen. Die Entfremdung seinem Freund und Vorbild Syl gegenüber, bis dieser schließlich reuig gesteht, dass er nicht genommen worden sei. Am Bahnhof verabschieden sich die Freunde mit einer schöner Tanznummer mit einem reziproken Pas de Deux über die Bahnsteige hinweg.

Ein Film, der einen langen Anlauf nimmt, um dann melodramatisch zu schlingern, der die Hauptmotivation für den Protagonisten Frenzy nur theoretisch nachliefert, erst kurz vor Ende im Gespräch mit Syl.

Die deutsche Synchro ist lieblose Routine mit wenig Rücksicht auf den ganz unbäuerlich zusammengemixten Cast.

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Die beiden ambitionierten Berliner Nachwuchsköche Felix und Max machen sich wie die Zimmerleute auf die Walz. Auf die Kochwalz nach Asien. Für 8 Monate haben sie sich einen Erkundungsfreiraum geschaffen, den sie mit wachen Sinne ausschöpfen. Sie reisen quer durch Asien und erhalten Einblick in die Küchen und die Kochkünste, von der Garküche im Straßendreck bis zum berühmten Sternelokal in Hongkong. Oft dürfen sie selbst mitkochen, beim Schnellimbiss wie beim Feinschmeckerlokal oder dürfen eigene Gerichte anbieten. Einmal landen sie sogar in einer Kindersendung im Fernsehen und bereiten Milchreis zu.

Die Regie für die begleitende Dokumentation hat Jonas Gernstl übernommen. Hier bürgt der Name des Produzenten Franz-Xaver Gernstl für Qualität, die der Junior nahtlos weiterentwickelt. Er hat Kameraleute dabei, die nicht weniger wach Atmosphären, kleine Dinge am Wegrand, Impressionen und genauso die unterschiedlichsten Gerichte, die nicht unbedingt immer nach unserem Geschmack sein müssen, von Walfleisch über Kobrainnereien bis Heuschrecken und Spinnen prima ins Bild setzen. So wird denn aus diesem Reise- und Abenteuerbericht weit mehr als nur ein Dokumentation übers Kochen. Es ist eine Dokumentation über das Reisen geworden, über das Wachsein, über die Offenheit Anderem gegenüber. Wie Bildungsabenteuerreisen sinnvoll und unendlich bereichernd sein kann. Die erfrischende Spontaneität unserer beiden Protagonisten trägt den Film wunderbar, sie übertragen ihren Erlebnishunger direkt auf die Zuschauer.

Eine Kochexpedition von Thailand über Bangkok, Kambodscha, Vietnam, China, Taiwan („gut für den Charakter, aber nicht für die Kochmission“), Japan, Singapur, Indien. Die Begründung für ihre Reise ist, dass sie ihr Ziel des perfekten Tellers noch nicht erreicht haben, dass sie noch besser werden müssen. Und die Asiaten kochen ganz anders. Ihr kniffligste Aufgabe bekamen sie in Indien gestellt: ein Menü ganz ohne Zwiebeln und Knoblauch. Die bange Frage: wo soll denn da der Geschmack her kommen? Selbstverständlich wird sie positiv und kreativ beantwortet.

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Darum lieben sie ihren Dominik Graf, den Regisseur und Drehbuchautor. Geschmackvolle Interieurs. Geschmackvolle Darsteller. Etwas linkes Engagement (Plakate wie „Leidenschaft“, „Erhebt Euch“, „Widerstand gegen Militarismus“ oder der liebevolle Plakatverhau im Cafe Stöpsel und weder Autorenbuchhandlung noch der Exkurs zu den Kurden und Jessiden darf fehlen; Bekenntnis-Ästhetizismus). Geschmackvoll-graphische Abbildung eines Schädels. Mehr impressionistisches Mixen von Bildern als hartnäckiges Verfolgen und Ergründen einer Sache. Gerne auch Wiederholungen von Bildern. Dazwischen Klatsch-Philosophie über Bunte-Leser: die das Leben lieber anderen überlassen, weil sie Angst haben, es komme etwas an sie ran. Oder Lebensphilosophie: dass das Glück nie Spuren hinterlässt, es sind immer nur die dunklen Tage; zum Beweis dafür eine süße Zeig-mir-Deine-Wunden-Szene zwischen Kommissar und lesbischer Freundin des Opfers. Etepetete-Ästhetizismus.
So einen Film von Dominik Graf anzuschauen ist weniger Filmgenuss denn ein Erlebnis, wie das Durchblättern eines geleckten Hochglanzmagazins von Condenast.

Der Kommissar Brandt, der in seinem Habitus immer mehr an einen früheren Bundeskanzler erinnert (die um ihn herum spielen den König), der ist so ein patenter Kerl, der massiert dem Haupt-Verdächtigen sogar mit den Füßen den Rücken. Das ist ein bisschen wie ein Schlaraffenland. Dominik Grafs Schlaraffenland. Spielzimmer für Buben einer gehobeneren Gesellschaftsschicht.

Vor lauter Schönheit und Ästhetizismus und Bildimpressionismus und vor lauter Ineinandermix von Verhörszenen mit Erinnerungsszenen hätten wir fast vergessen, dass es sich hier um einen Kriminalfall handelt, den der Kommissar lösen muss. Eine Journalistin ist mit grandios malerisch verspritzten Blutspuren (und selbst dieses Detail wird noch zu einem gestischen Wiederholungsrefrain ausgewalzt sowohl vom Kommissar als auch vom Verdächtigen; Suhlen in sinnentleerter Ästhetik; Blutspritzen um des Blutspritzens willen). Ein Jazzmusiker (was wiederum Anlass für Szenen aus der Kulturwelt des „Jazz-Tunnels“ und Musikeinlagen bietet) wird des Mordes an der Journalistin bezichtigt und gesteht auch. Es ist Mischa Eigner, ein Künstler; „gesellschaftliches Fallobst“ (diese Folie braucht die Mehrbesseren-Schicht). Er hat den Fehler gemacht und wollte seinen Traum vom Künstlertum verwirklichen, aber 1200 netto reicht kaum für die Miete in München.

Jedenfalls ist in Minute 38 des Eineinhalbstünders bereits klar, wer wirklich der Täter ist. Aber botticellihaft schöne Fickszenen sind eben auch nicht zu verachten.

Welchem Verbrechen die Journalistin exakt auf der Spur war, das geht leider im blumigen Ästhetizismus unter. Der Weg des Kommissars führt zu einer Abhörstation im Voralpenland (NSA?), zu einer alt-eingesessenen adeligen Familie und der Rüstungsindustrie.

Da die Dialoge gar nicht oder nicht gut gearbeitet sind, versuchen die Darsteller wenigstens, ihre Bandwurmsätze unfallfrei abzuliefern.

Als Countdown gibt es ödes Kokolores mit maskierten Polizisten in der Villa des Haupverdächtigen. Kindertheaterspooky, der Kommissar als Märtyrer gefesselt am Fußende einer Treppe liegend, semireligiöser Schnieck.

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