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Ein mäßiges Produkt der TV-System-Reihe Tatort. Fängt verheißungsvoll an mit Bildimprovisationen eines bohème-angehauchten Lebemannes (Martin Feifel als Stararchitekt und Frauenliebhaber Thomas Jacobi). Aber Feifel spielt schon kurz darauf nur noch den potentiellen Mörder, böse, finster, unattraktiv, sehlustmindernd.

Der Fokus des nicht überzeugenden Buches von Katrin Bühlig und der nicht sonderlichen Regie von Rainer Kaufmann liegt auf den Frauen, auf ihrer Attraktivität, auf ihrem Verführungspotential, das hier allerdings durchs Band notleidend ist. An Dorthe Braker hat dafür Frauen besetzt im Spannungsfeld von Schönheitsanspruch und Gestörtheit: eine polyamorine Dauerwelle, eine auf perfekte Schönheit gestylte Friseuse, eine grau wirkende, geblondete Ärztin, ein gestörtes Buschgespenst und eine erstmals federführende Architektin.

Durch diesen Fokus auf die Frauen bleibt das Stammpersonal der Männer von den Verspannungen der Regie verschont, spielt locker und zurückhaltend, der Pathologe verzichtet auf seine Clownereien, Leitmayr und Kalli bekommen sogar eine tragende Rolle (Sofa in den x.ten Stock hochtragen) und Batic insinuiert mit seiner Geliebten den eigenen Tatort-Spinoff.

Die Verwirrgeschichte handelt von toten Frauen und von den nach und nach an den Tag tretenden Liebschaften des Architekten, die empirisch kaum nachvollziehbar sind, denn er versucht den Täter zu spielen und verspielt dadurch sein Verführungspotential. Trotzdem wird seine erfolgreiche Verführungskunst behauptet und bewiesen mit einem schönen kleinen Requisit, einem wie in Glas gegossenen Hologramm seiner Büste.

Und wie 80 Minuten vorbei sind, muss es laut System zu Ende gehen, so wird denn kurz mit einem Beweisstück ein Täter aus dem Hut gezaubert, den man nicht erwartet haben sollte; aber Feifel hat so dick einen auf Ablenkungsmanöver gemacht, dass das nicht überrascht und wie vom Billig-Jakob wirkt.

Das Intro: Verheißungsvoller Lebenskünstler-Impro. Oh, eine interessante Figur in einem Tatort! Ein Typ, mit dem man zusammensein möchte, und dann spielt er ganz was anderes, versucht den Verdächtigen zu spielen. Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Die Intro suggeriert eine Delikatesse, stattdessen wird System-Erzählerei nach Dienst serviert, wobei nicht ganz klar ist, weshalb man sich dafür interessieren sollte.

Die Männer dürfen Kindsköpfe bleiben, können lustige Spiele treiben, beim Einsteigen ins Auto veräppelt Leitmayr Batic. Oder Batic darf ficken.

Erotik im Tatort braucht viel sorgfältig drapiertes Tuch.

Symptomsatz für diesen Tatort: etwas fehlt noch an dem Modell, ich komm nur nicht drauf was.

Gesellschaftliche Relevanz: gleich Null; belanglose Liebesklischees werden anskizziert.
Sehrvergnügen: bescheiden.
Spannung: gleich Null.
Interesse und Empathie an den Gastfiguren: gleich Null.
Im Hinblick darauf, dass es sich um eine zwangsfinanzierte Produktion handelt:

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Korea: Über Bravheit. Oder: ein Aufruf zu zivilem Ungehorsam.
Oder: mit Tränengas gegen Tränen. Und die Lügenpresse.

So viel anders als unser Land ist Südkorea nicht. Es gibt Dinge, denen geht die Regierung lieber nicht auf den Grund und die dominierenden Medien unterstützen sie dabei. Wir würden von Lügenpresse sprechen.

Minsu Park aus Südkorea studiert an der HFF München Dokumentarfilm. Er befassst sich in diesem Film mit dem Fährunglück im Gelben Meer vom 16. April 2014. Dabei starben 304 Personen, die meisten von ihnen Schulkinder. Aber die Regierung weigert sich, die Fähre zu heben, um das Unglück restlos aufzuklären. 9 Leichen sind immer noch nicht geborgen.

Es scheint sich um grob menschliches Versagen gehandelt zu haben aus reiner Profitgier, die dazu geführt hat, dass das Schiff offenbar mit zu viel Fracht beladen worden ist, dass seine Mannschaft aus Leiharbeitern bestand, die von einem Rettungsplan keine Ahnung hatten. Der Kapitän hat bis zuletzt die Parole ausgegeben, die Passagiere sollen im Inneren bleiben, Rettungswesten anziehen und sich ruhig verhalten. Was für viele den sicheren Tod bedeutet hat. Der Kapitän sei als einer der ersten von Bord gegangen. Sicherheitsbestimmungen wurden missachtet.

Minsu Park fängt den Film mit einem kurzen Blick in eine Parlamentsanhörung in Seoul an, in welcher die Aufklärung des Unglücks gefordert wird. Die Sewol ist auch ein Jahr nach dem Unglück noch nicht gehoben.

Dann fährt Minus Park in der Münchner Mäuschendokumanier fort, ist bei Hinterbliebenen, Müttern, Vätern, Geschwistern, bei ihrer persönlichen Trauer dabei. Eine Mutter hat Tage nach dem Unglück den Koffer der Tochter zurückbekommen. Ein Vater tut weiter so, als ob der Sohn noch lebt, kocht Frühstück für ihn, setzt ihn an den Schreibtisch, der zum Gedenktisch geworden ist.

In der Schule ist ein ganzer Klassenraum Gedenkraum. An jedem Tisch sind Fotos der ertrunkenen Schüler und viele Blumen. Eine Mutter und eine Tochter stehen am Meer, werfen Blumen und Süßigkeiten hinein, rufen nach dem Ertrunkenen.

Dann geht Minsu Park mitten hinein in die Katastrophe. Es gibt rekonstruierte Handyvideos, die die Kinder bis zuletzt aufgenommen haben, anfangs fanden sie es lustig, denn die Sewol scheint recht langsam gesunken zu sein. Sie haben schon die Rettungswesten an und halten sich, das wird eine Mutter später reflektieren, diszipliniert an die Verharrens-Anleitung, obwohl das Schiff schon in bedenklicher Schräglage sich befindet.

Es gibt Vidoes vom Helikopter aus. Kaum Menschen, die aus dem sinkenden Schiff hinaus mit den Rettungswesten ins Meer springen oder in die immer zahlreicher werdenden Fischerboote. Es gibt Handy-Gespräche bis kurz vorm Sinken.

Das ist der rebellische Impetus des Filmes, dass die Mutter sagt, wären die Kinder nicht so diszipliniert gewesen, so wären sie vielleicht nicht ertrunken. Der Augenschein der Videoaufnahmen von der Sinksituation gibt ihr Recht.

Da Staat und Medien wenig Interesse an Aufklärung zeigen, sondern die Eltern mit Geldzahlungen zum Schweigen bringen wollen, entwickelt sich eine starke Bewegung der Eltern, motiviert aus dem Verlust der Kinder, denn das Leben ist nicht mehr dasselbe, wenn eine Familie so verletzt wird. Es gibt Demonstrationen und die Polizei greift schnell zum Tränengas gegen die Tränen der Eltern. Es gibt machtvolle Demos und solche, bei denen Eltern, Väter und Mütter sich kahlrasieren lassen. Und regelmäßige Mahnwachen. Oder Trommelkurse für die Mütter.

Die Botschaft ist subtil in dieser Dokumentation: Das Warten und die Disziplin hat den Kindern den Tod gebracht.

Beachtlich ist das Interesse von chinesischen Touristen an den Mahntafeln der Eltern.

Traurig im Hinblick auf das öffentliche Interesse ist die Erkenntnis, dass Korea wie ein Topf sei, schnell heiß und auch schnell wieder kalt. Schicksale, die einen nicht kalt lassen können.

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Varia. Wie echt: eine Jugend in den 70ern im emanzipierten, antiautoritären Kalifornien. Ein Raumschiffhorrortrip aus dem Jahr 2104. Der ungewöhnliche Weg eines Gedichts aus der k. und k. Monarchie ins heutige Fußballrampenlicht. Drei Menschen plaudern aus den unästhetischen Innereien der amerikanischen Drohnenpolitik. In Deutschland sind die NSU-Morde immer noch eine offene Wunde. Ein ordentlich präsentierter Joseph Beuys. Eine französische Jugend-Attentats-Phantasie. Extreme der Landwirtschaft aus aller Welt. Die Wüste lebt in Arizona. In Berlin hocken Referendare zwischen allen Stühlen. Auf DVD beglückt die Katze Bob und fasziniert ein Glasgow-Portrait. Im Fernsehen stimmte Gift aus aller Welt pessimistisch, erfreute aus Landsberg die Langzeit-Waldorf-Doku und in Hindafing fährt der BR mit voller Wucht eine neue Serie an die Wand.

JAHRHUNDERTFRAUEN – 20TH CENTURY WOMEN
Sich um das Liebesleben der pubertierenden Sohnes zu kümmen, scheint der emanzipierten Frau der 70er Jahre einfacher, als sich mit dem eigenen Glück zu quälen.

ALIEN: COVENANT
Grad im Außerirdischen und im elaborierten Kinorahmen können irdische Ängste besonders kitzeln.

YOU’LL NEVER WALK ALONE
Das hätte sich der ungarische Autor Molnar nicht träumen lassen, dass ein kleiner Text aus seinem Stück Liliom Jahrzehnte später die Fußballstadien der Welt erobert.

NATIONAL BIRD
Dokumentation über drei Whistle-Blower, die die amerikanische Militärdoktrin erschüttern.

6 JAHRE 7 MONATE UND 16 TAGE
Erinnerungscollage an die NSU-Morde, deren juristische Aufarbeitung auch im vierten Jahr noch nicht zu Ende ist.

BEUYS
Beuys selbst hätte über sich und sein Werk sicher nie so ein ordentliches Fotoalbum zusammengestellt.

NOCTURAMA
Allgemeines, jugendliches Unwohlgefühl, das sich in diffusem, logistisch hervorragend vorbereitetem Attentat ausdrückt.

BORDERLINE BLUES
Vor großartiger Wildwestkulisse geraten die Interessen unterschiedlichster Menschen in Konflikt.

ZWISCHEN DEN STÜHLEN
Wenn die Leute in dieser Doku das Gähnen anfangen, dann ist sie bald aus.

DVD
BOB DER STREUNER
Der Junkie, der Entzug, die Gitarre und die Katze, britisch anrührend ganz ohne Kitsch.

TOMORROW IS ALSWAYS TOO LONG
Kunterbunte Bildcollage über Leute, die nicht über den Tag hinaussehen.

TV
AUF MEINEM WEG
Vom BR als Stiefkind behandelt – weil nicht jeder sich so eine Schule leisten kann?

GIFT
Gegen die Interessen der Pharma-Fake-Industrie ist kein Kraut gewachsen.

HINDAFING FOLGE 1 DONAU VILLAGE
HINDAFING FOLGE 2 SCHWARZE KASSEN
Wer merkt, dass es sich bei diesem konfusen Krampf um Satire handeln soll, der erhält eine lobende Erwähnung.

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Die Wüste lebt.

Die Kamera von Bernd Effenberger zuerst. Sie wirkt, aus dem barocken Bayern kommend, als sauge sie wie ein trockener Schwamm die Wüstenlandschaft Arizonas im Grenzgebiet zu Mexiko auf, als sei in ihr der Urinstinkt zur Westernfotografie erwacht.

Diese Fotostrecke von Weite und Wüste, von Hügel und Steppe, von arider Landschaft, die teils von dem berühmten Grenzzaun zu Mexiko durchschnitten wird, den Donald Trump auf Kosten Mexikos noch um Tausende Kilometer erweitern will, macht, dass das von Gudrun Gruber in der Münchner Mäuschen-Dokumanier geschossene Material philosophieren lässt. Dass jeder Mensch ein Ziel hat, sich ein Ziel setzt, dass sich solche Ziele in die Quere kommen können, dass solche Ziele von anderen Menschen gezielt konterkariert und unterminiert oder auch helfend unterstützt werden, nämlich der unkontrollierte Übertritt in die USA (78 verschiedene Nationalitäten hat ein Paramilitär gezählt).

Die Münchner Hochschulabsolventin hat sich möglicherweise inspirieren lassen von Filmen wie SIN NOMBRE. Sie zeigt, was es an Aktivitäten gibt in dieser lebensgefährlichen Wüste, die die Weltpolitik und der Drogenhandel zu ungeahntem Leben (und Sterben) führen.

Hier schreiben Politik und Wüste das Drehbuch. Es sind verschiedene Lebens- und Aktivitätsbegründungen, die Leute hier leben lassen. Einige hat die Filmemacherin ordentlich dokumentiert und die Fotstrecke dann ineinander geschnitten.

Nailer (ihm kennen wir schon und deutlich schärfer aufs Korn genommen aus Cartel Land) betreibt eine paramilitärische Organisation, die nennt sich eine NGO, die Arizona Border Recon. Sie patroullieren an der Grenze. Allzu genau hat die Dokumentaristin nicht nachgefragt, was sie wirklich tun. Nailer gibt sich als Gutmensch, erzählt von einer 23fach vergewaltigten und ohne Papiere zurückgelassenen Frau. Seither würde er speziell auf Gruppen achten, die eine Frau dabei hätten und die Polizei bitten, noch vor Anbruch der Nacht ein Auge drauf zu werfen. Seine Truppe besteht aus Kriegsveteranen, Afghanistan, sie sehen ihren Sinn darin, Polizei und Militär zu entlasten im Kampf gegen die illegale Immigration.

Von der NGO No Mor Deaths hält Nailer wenig. Die Dokumentaristin begleitet eine Aktivistin, die Wasserbehälter, Konservendosen und Socken unter einem Baum an einem Trampelpfad deponiert. Einige Wassereimer findet sie zerstochen vor. Auch die Frau ist voll engagiert, will verhindern, dass Flüchtlinge zu Tode kommen.

Die ewige Diskussion, soll Flucht attraktiv gemacht werden oder soll abschreckend vorgegangen werden. Über 300 Tote jährlich finden sich allein in Arizona (aus dem Mittelmeerraum erreichen uns deutlich höhere Zahlen von Ertrunkenen); diese Tode werden kaum aufgearbeitet.

Viele Aktivitäten im Grenzland von Arizona drehen sich um den illegalen Zuwandererstrom aus dem Süden ins gelobte Land USA. Darunter leidet die eingesessene Bevölkerung, am meisten die Indios vom O‘ Odham-Land. Eine Frau erzählt, wie ihr Land durch den Grenzzaun geteilt wird. Ein Tierarzt und ein Farmer berichten, wie gefährlich ihr abgelegener Job inzwischen sei wegen des Drogenschmuggels durch die Kartelle, die schamlos den Zaun zersägen, um mit ihren Drogen-Transportern durchzufahren und die schnell zur Waffe greifen, wenn man ihnen in die Quere kommt. Über die Kartelle gibt es robuste Filme, als Spielfilm Sicario und als Doku Cartel Land.

Flüchtlinge selber kommen nicht vor. Drogenschmuggler auch nicht, auch keine Opfer von Drogenschmugglern wie in Cartel Land. Dafür gibt’s schöne Büffelherden, Cowoboys, eine Viehauktion, einen Einblick in eine Touristen-Wild-West-City, Bilder von Kontrollen an Checkpoints des O‘ Odham-Reservates, verschiedene Varianten des „Zaunes“ und Beifang von der Border Security Expo, einer Sicherheitsmesse, und ganz normale Grenzpolizei (deren Fokus jetzt mehr auf Terroristen gerichtet sei denn auf die Kartelle) und einmal auch einen Helikopter oder Kuriositäten wie Unregelmäßigkeiten im Verlauf des Zaunes, weil er um einen Baum oder einen Kaktus einen Bogen macht, Symbole von Achtsamkeit und Respekt in einer grausamen Gegend.

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15’000 Jobs

hat dieser Film von Ridley Scott nach dem Drehbuch von Dan O’Bannon, Ronald Shusett + 4 geschaffen. Mit dieser Bemerkung landet am Schluss des Abspanns das Weltraum-Horror-Grusel-Abenteuer wieder ganz irdisch hienieden. Wobei vieles ganz irdisch bleibt, sonst könnten die Menschen gar nicht andocken an diese Expedition zu unbekannten Gebieten im Weltall.

Bei diesem Weltraumflug der Covenant handelt es sich um einen Siedlertransport. 7 Jahre und ein paar Monate dauert die Reise, um 2000 Menschen auf Oreya 6 (?) anzusiedeln. Ein Kolonisationsfilm.

Wie es bei einer mehrjährigen Raumfahrt üblich scheint, werden die Passagiere und Teile der Crew für große Zeiträume in den „Pot“ gesteckt, das ist eine Art Sarg für einen künstlichen Tiefschlaf (das war schon schön zu sehen bei Passengers).

Auch unser Raumschiff Covenant, eine elegante Entwicklung, ist im Jahre 2104 so unterwegs, die meisten der 15 Besatzungsmitglieder sind im Tiefschlaf. Signalstörungen, heftige Turbulenzen und Ionenstürme lassen es ratsam erscheinen, die Besatzungemitglieder aufzuwecken.

Um auf das Irdische zurückzukommen, die Besatzungsmitglieder sind Menschen wie du und ich, die einen ganz normalen Job machen, die sich nicht irgendwie aufspielen müssen, die sich nicht wichtig machen müssen, der eine trägt sogar einen Cowboyhut, wenn er vor seinem Desk sitzt, der ist auch liiert mit einer der Frauen der Besatzung.

Irdische Teamatmosphäre. Sie wollen den Störungen auf den Grund gehen und schicken ein Erkundungsraumschiff los, das tatsächlich einen unbekannten Himmelskörper findet; der aber wiederum sehr irdisch wirkt.

Im Landeanflug entdecken sie Berge und Wälder, einen Wasserfall und einen See. Was sie hier erleben, übersteigt allerdings die Vorstellungskraft des Normaliridischen – es sei denn, er sei in diesem Filmgenre geschult. Irdisch bleibt, dass sie auf Kommunikation zur Covenant angewiesen sind, dass die sehr schwierig ist. Irdisch-kinematographisch-abenteuerhaft bleibt auch die Aufteilung der Gruppe.

Eine kümmert sich um einen Defekt am Raumschiff, andere wollen Bodenproben nehmen und eine dritte Gruppe sucht die Quelle des Störsignals und begibt sich wie im Dschungelabenteuerilm in die Wildnis.

Wie sich das Grauen in die Gruppe einschleicht, das ist von pikant feiner Art, es symbolisiert wunderbar die urmenschliche Angst vor Fremdem, Unbekannten, gar vor Infektionen mit Unsichtbaren – insofern auch das ein höchst irdischer Akt.

Es wird nicht für alle gut ausgehen. Denn Heerscharen von Animationsspezialisten und Visual Artists haben ganze Arbeit geleistet, die Menschen aus Fleisch und Blut mit Dingen zu konfrontieren, die den Atem zum Stocken bringen, die an Tiefenängste im Verletzlich-Menschlich-Endlichen rühren.

Ridley Scott hat die Abenteuergeschichte dicht an den Menschen inszeniert, geht wohldosiert um mit den Elementen von Normalität und kontrastierender Irregularität, von Routine und Schock und bindet die Bilder mit suggestiver Bannkraft aneinander.

Eingebettet ist der Film in eine höchst kultivierte Rahmenhandlung in spacigem Designmilieu, ein halbrunder Raum mit gebogener Glasfront und Aussicht auf bergige Natur. Im Raum ein Flügel, ein Thron und an der Wand ein Bild von Piero della Francesca Die Geburt Christi, das Thema des Androiden paraphrasierend und die Frage aufwerfend, ob die Schöpfung des Menschen lediglich ein biologischer Zufall sei oder doch eine gezielte Angelegenheit. Die Schöpfung des Androiden ist kein Zufall.

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Sprudelnd und vif europäisch vom k. und k. Budapest im Jahrzehntetempo über Wien, New York nach Liverpool und von da aus in die Fußballstadien der Welt, ein masseneuphorisierender Song von 2 Minuten und 38 Sekunden, der das Nicht-Aufgeben und das Gemeinschaftsgefühl thematisiert:

When you walk through the storm
Hold your head up high and dont be afraid of the dark
At the end of the storm theres a golden sky
And the sweet silver song of a lark

Walk on through the wind
Walk on through the rain
For your dreams be tossed and blown
Walk on, Walk on
With hope in your heart
And you’ll never walk alone
You’ll never walk alone

Walk on, walk on

zu deutsch
Wenn du durch einen Sturm gehst
Halte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit
Am Ende des Sturms ist ein goldener Himmel
Und das süße, silberhelle Lied einer Lerche

Gehe weiter durch den Wind
Gehe weiter durch den Regen
Auch wenn sich alle Deine Träume in Luft auflösen.
Geh weiter, geh weiter,
Mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst niemals alleine gehen
Du wirst niemals alleine gehen

Geh weiter, geh weiter,
Mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst niemals alleine gehen
Du wirst niemals alleine gehen

Ein Song, der von Träumen, Hoffnungen und vom silberhellen Lied der Lerche singt, von Hoffnung im Herzen und vom niemals alleine Gehen. Er thematisiert auch das Dunkle im Leben, den Sturm, auch im Fußballerleben.

Der Schauspieler und bekennende Borussia-Dortmund-Fan Joachim Król macht sich als sympathisch-bescheidener Moderator und Wandler zwischen den Welten Fußball und Theater in der Regie von André Schäfer nach dem Buch von Hartmut Kasper auf die Suche nach dem Ursprung und Weg dieses einzigartigen Liedes.

Das Lied hat eine Odyssee hinter sich und dabei manche Untertext-Schwundstufen bei gleichzeitiger Härtung der kulturellen Währung durchlebt.

Król triff in Budapest im Café New York einen Enkel des Autors Ferenc Molnar und in Wien Marvie Hörbiger aus dem berühmten Schauspielerclan, der weit in der k. u. k.-Zeit wurzelt. Sie spielt heute in Liliom am Burgtheater. Das ist das Stück Molnars, das in Amerika zum Musical „Carousel“ umfunktioniert wurde und in welchem der hier behandelte Song vorkommt.

Hervorragend bereits am Molnar-Stück sei die stringente Verfolgung des Stoffes, der Story und die Herausarbeitung der Charaktere gewesen; diese Qualitäten wurden für die Musicalbearbeitung beibehalten, was dem Substanzerhalt zuträglich gewesen sei.

Es geht um einen Mann, der ein Verführer ist, der zwischen zwei Frauen steht, mit der einen alles ausleben möchte und die andere, die Schwangere, mit Schlägen traktiert und dann verduftet. Jahre später kehrt er zurück, da behandelt er seine inzwischen erwachsene Tochter ebenso. Ein Zwiderwurz von Charakter, aber in seiner Widersprüchlichkeit offenbar bühnen- und leinwandattraktiv genug. Ein Beispiel zeigt Hans Albers in der Rolle.

Gesungen wurde der Song von vielen Berühmtheiten, im Plattenladen findet Król jede Menge Aufnahmen, auch von Mahalia Jackson. Die merkwürdige Verbindung, die hier die Hochkultur mit dem Sport eingeht, die ist wohl rational nicht erklärlich, eher als akausale oder eine substanzgeleitete Faszination, dass der Fußball möglicherweise diese Zwiespältigkeit des männlichen Charakters im Theaterstück durchaus spürt, Verbindungen ahnt, es darf spekuliert werden.

Kein Zufall, dass der Song in Liverpool den Weg zum Fußball gefunden hat, einer Stadt in einer Region, die durch den industriellen Niedergang eine tiefe Depression erlitten hat, ähnlich wie Dortmund oder Herne im Ruhrgebiet und dass hier ein so emotionaler Song, der auch textlich tiefenfundiert ist, auf besonderen Resonanzboden stößt.

Über die Entwicklung innerhalb der Stadien geben Stadionsprecher detailliert Auskunft. In Liverpool kommt zu diesen tiefen Erniedrigungen der Menschen die Katastrophe von Hillsborough von 1989 hinzu, die lange den Fans angelastet wurde, welche erst 27 Jahre später vom Gericht entlastet worden sind.

Ausdauer auf dem Weg, das lobt die Hymne; die Liverpooler vergessen nicht leicht die Zeitung Sun, die den Skandal ausgelöst hat, noch heute wird sie dort nicht verkauft und die Briefträger weigern sich, Gratisexemplare an die Haushalte zu verteilen.

Viele Menschen, die Król trifft, verlebendigen die aufregende Geschichte und Hintergründe dieses Liedes: Choreographen, Fußballer, Trainer, Stadionsprecher, Theaterleute, Arrangeure, Musiker, Pfarrer, Dirigenten in knappen, kurzweiligen Statements. Ein Film, der eine ganz ungewöhnliche Kurve nimmt. Nicht zufällig wird auch die Nähe des Liedes zum Gebet erwähnt.

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Kuddelmuddelmäuschendoku, untermalt von nervender Saitenzupfhüpferei, die Leichtigkeit vorgaukelt.

Der Titel diese Schulfilmes von Jakob Schmidt „Zwischen den Stühlen“ zielt auf ein Zitat im Film, der in Mäuschenmanier (wie die München Hochschüler sie lernen, dieser aber ist aus Berlin) von Lehramtsreferendaren berichtet, sie, die Referendare und Referendarinnen, seien einerseits Lehrer, aber also solche auch Schüler.

Nun, allzu tief kann sowas nicht gehen. Lernt doch meiner Ansicht nach ein guter Lehrer selbst am meisten. Aber das übersteigt bei weitem den Horizont dieser kurzatmigen Verzopf-Dokumentation, die mit viel Impro-Beifang aufgeschlämmt ist, und die offenbar keine klare Haltung einnehmen kann, die denkt, wenn sie einfach dabei ist und dabei möglichst viel belastbare Info vorenthält und das Ganze, obwohl das Fernsehen, ZDF Kleines Fernsehspiel und also wir Zwangsgebührenzahler mit an Bord sind, auf um die zwei Stunden Spielzeit zerdehnt, dann könne schon nichts schief gehen, denn es sei ja die Wahrheit.

Es gibt drei Protagonisten, zwei Frauen, ein Mann. Mit etwas Glück kann man sich wenigstens im Abspann kundig machen, wie die heißen, falls man das Rätsel nicht schon mit Argusaugen und gespitzen Ohren beim Schauen lösen konnte. Ab und an wird jemand angesprochen mit Vornamen, so man ihn denn versteht oder der Kandidat schreibt, wie er sich der ersten Klasse vorstellt, groß seinen Familiennamen an die Wandtafel und versucht eine Eselsbrücke zu schlagen, welche Lustigkeit die Schüler und mit ihnen der Zuschauer nicht teilen.

Wie der Film insgesamt nicht so recht gelingt, zu zerfasert, zu wenig informativ, aber auch keine Ruhe, mal eine Szene länger zu betrachten, und somit, um einen Satz in Film zu zitieren, „keine vier, bestenfalls eine minus Fünf“ als Benotung erhalten dürfte plus die rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

Zwangsläufig ergibt der Film trotzdem Einblicke in so einen Schulalltag, denn der Dokumentarist war fleissig dabei in den Lehrstunden, im Lehrerzimmer, beim Schulbesuch, im Sekretariat, im Buchladen, vor der Prüfungskommission, bei der Manöverkritik, beim Aufgabenkorrigieren, in den Küchen der Kandidaten oder beim Joggen, so einfallslos wie möglich, beim Radau in der Klasse, bei Momenten der Unsicherheit der Kandidaten oder beim Statement „Es wird blaue Briefe regnen“ oder sogar beim Privat-Coaching durch eine Guru mit feiner Villa – sein Name wird so deutlich ausgesprochen wie keiner sonst im Film. Hat nichts genützt, kann gleich beigefügt werden, die Sondergecoachte ist, was selten passiert, durch die Prüfung gerasselt und wird mit falscher Herzlichkeit verabschiedet.

Warum dürfte der Film im Kino keinen Erfolg haben? Weil er einfach zu schlecht gearbeitet ist. Wir würden dem Dokumentaristen empfehlen, erst mal eine Kino-Grundschule zu besuchen oder wenigstens einen einzigen Dokumentarfilm von Frederick Wiseman gründlich zu studieren. (National Gallery oder „La Danse – Das Ballett der Pariser Oper“. Je länger der Film läuft, desto öfter zeigt dieser Jakob Schmidt die Leute beim Gähnen; damit beweist er immerhin Selbstironie.

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Dieser Film von Bertrand Bonello zeigt die Schönheit ernsthafter, sensibler Jugend und artikuliert deren Ohnmachtsgefühl gegenüber einer diffusen Gemengelage von Institutionen, Globalisierung, Geschichte, Staatsgewalt, Facebook, Luxuskonsum, Unternehmerverband.

Die jungen Leute David (Finnegan Oldfield), Greg (Vincent Rottiers), Yacine (Hamza Meziani), Sabrina (Manai Issa), André (Martin Petit-Guyot), Mika (Jamil McCraven, Omar (Rabah Nait Oufella), Sarah (Laure Valentinelli), Samir (Ilias Le Doré), Fred (Robin Goldbronn) stammen aus den verschiedensten Pariser Milieus, vom Verwandten eines Ministers bis zu Immigrantenkindern aus der Banlieue.

Sie haben verschiedene Bildungsstufen, der Ministerverwandte besucht eine Elite- Verwaltungshochschule, andere verdingen sich als Security oder Bedienung. Was sie eint, ist ihr Ohnmachtsgefühl gegenüber der Welt, in die sie hineingeboren sind und in der sie jetzt oder bald als Erwachsene sich integrieren sollen. Diese Aussicht scheint unerträglich. Das wird bestätigt durch die Meinung auf der Straße nach den zeitgleichen Attentaten, dass das kommen musste, dass irgendwer das tun musste.

Indem der Staat in diesem Film die Attentäter zu Staatsfeinden – und nicht zu Terroristen – erklärt und sie zum Abschuss frei gibt, gibt er dieser Meinung, dass etwas getan werden müsse, recht.

In einer ersten Phase des über zwei Stunden langen, aber schön zu schauenden Filmes, verfolgt Bertrand Bonello seine jungen Protagonisten auf dem Weg zum Attentat. Er blendet die Zeit ein, fängt kurz nach 14 Uhr an einem sonnigen Pariser Tag an.

Er springt in der Zeit zurück, um parallele Vorgänge einzubinden – und später macht er ganz wenige Zeitsprünge in die Vorgeschichte, um Licht auf Hintergründe und Vorbereitungen zu werfen.

Er stellt diese Protagonisten als gewöhnliche, unauffällige Großstadtmenschen vor, die viel Zeit in der U-Bahn, in den langen, labyrinthischen Verbindungsgängen der Metro, Passagen, Eingängen, an Kontrollpunkten, auf Treppen in den Untergrund verbringen; eindrückliche Bestandsaufnahme eines Teiles modernen öffentlichen Lebens.

Bonello verzichtet auf Kommentare und Erklärungen. Die jungen Menschen sind ganz bei sich, sind fokussiert auf das, was sie offensichtlich, wie später klar wird, abgesprochen und ausgheckt haben, eine beachtliche logistische Leistung.

Nach und nach finden sie sich zusammen, sie verhalten sich konspirativ, tun teils so, als ob sie sich nicht kennen. Andere wiederum stellen sich plötzlich als Miteingeweihte und Mitkonspirative heraus. Alle entsprechen dem Bild ihrer Gruppe, gepflegter Student, Banlieu-Immigrant oder strenger Security-Mensch im Anzug, sie spielen ihre Rollen perfekt und perfekt angepasst.

Es folgt die Phase zwischen Hoffen und Bangen, ob die Anschläge wie vorbereitet passieren; der Zuschauer ist längst zum Komplizen dieser sympathischen und auch erotischen jungen Menschen, die so konzentriert und uneitel ihr diffuses Terror-Ziel verfolgen, geworden.

Die letzte Phase des Filmes entwickelt ihren eigenen, beklemmenden Reiz. Treffpunkt nach der Tat ist ein Luxuskaufhaus in Paris. Hier lassen sich die jungen Leute über Nacht einsperren, um sich am nächsten Tag unauffälig unter das Kaufhausvolk zu mischen und in die Stadt abzutauchen, wobei sich die Frage stellt, warum sie das nicht gleich nach dem Attentat gemacht haben.

Da sie die Wachen ausschalten und es auch keine Fenster nach draußen gibt, können sie in den Verkaufsräumen tun und lassen was sie wollen, das geht bis zur rauschhaften Musik oder dem Karoke-Auftritt mit „I did it my way“ oder den Nachrichten über das Attentat auf jeder Menge von Bildschirmen.

Es wird an so einem Ort gezwungenermaßen, solche Kaufhäuser sind Luxus-Marken-Marktplätze, jede Menge Product- und Branding-Placement geben, wobei mir eher unwahrscheinlich dünkt, dass die Filmproduzenten sich für jede Klamotten- oder Uhrenmarke, die hier erkennbar vorkommt, haben bezahlen lassen. Das scheint vom Thema her eher unwahrscheinlich. Es ist das Kapitel: Jugend und nicht selbst erworbener, selbst verdienter, also mitunter unerschwinglicher Luxus. Das können die nur versaubeuteln. Und es gibt eine Erklärung zu einem Konzert von Berlioz, aus welchem Ausschnitte eingespielt werden, aus welch historischem Anlass er das komponiert habe. Der Film ist Anna gewidmet – und ein Erbstük aus der Ära von Präsident Hollande?

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Er mache Kunst für das anonyme Publikum und wenn er vor Leuten spricht, dann möchte er, dass es sie interessiert bis in die hinterste Reihe. Mit diesem Statement von Joseph Beuys fängt Andres Veiel seine fernsehasthmatisch kurzgeschnittene Archivdokumentation an, die untermengt ist mit Statements von Menschen, die Beuys kannten, die mit ihm zu tun hatten, die ihm begegnet sind.

Mit dem Eingangsstatement dürfte Veiel eine Kernaussage aus dem gewiss umfangreichen Archivmaterial, was es über Beuys gibt, herausgepickt haben. Und wenn die Leute nicht zuhören wollen, wird Beuys später hinzufügen, dann müsse man eben provozieren, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Beuys weitet den Kunstbegriff radikal aus über den bisherigen Kunstbetrieb hinaus, alles ist Kunst und jeder ist ein Künstler, das sei eine Sache der Betrachtungsweise. Er sieht Kunst als ein Element der Demokratie und der Freiheit. Das hatte zufolge, dass der Professor sich aktiv an der Gründung der Grünen Partei beteiligt hat, wobei die ihn nicht wie erhofft für den Bundestag aufgestellt haben; sie zuckten in vorauseilendem Gehorsam gebravt vor der skandalträchtigen Figur zurück.

Mit „Die Spielwütigen“ hat Andres Veiel 2004 eine eindrückliche Langzeitdokumentation über Schauspielschüler herausgebracht. Offensichtlich ist es eines, Menschen direkt zu beobachten, ihnen versuchen auf die Spur zu kommen, sie zu begleiten in Situationen, in den sie Entscheidungen treffen müssen oder in denen andere eine Entscheidung über sie fällen, sowie während eines langen Zeitraums, Vertrauen zu Menschen aufbauen, damit sie vor der Kamera frei agieren und ein anderes ist es, aus Unmengen Archivmaterial einen Film zu machen, das ist wohl eine völlig andere Kunst.

Diese Archivwühl- und Auslesekunst geht Veiel nun garantiert nicht nach dem radikalen Kunstbegriff von Beuys an (das wäre vielleicht interessant, wenn jemand das versuchen würde). Veiel versucht sich in kunstgewerblicher Fotoalbumpräsentation mit diversen Schnitt-, Vergrößerungs-, Arrangement- und Leinwandteilungsmätzchen, Stop-Motion-Tricks, Spielereien. Das wirkt beamtenhaft bemüht und just nicht nach der Beuysschen Forderung nach Selbstbestimmung und Freiheit. Veiel scheint romantisch hingerissen von den Kontaktbögen, mit denen früher die Fotos eines Rollfilmes im Kleinformat auf wenigen Papierbögen erstmalig abgezogen worden sind; an denen kann er sich nicht satt sehen.

Es gibt Rückblicke in Kindheit und Jugend von Beuys, in seine Zeit bei der Wehrmacht als Flieger und über seinen Absturz über der Krim. Sein Kopilot ist dabei ums Leben gekommen. Er ist kurz aufgewacht und erst Tage später in Deutschland wieder zu sich gekommen. Mag sein, dass sein symbolträchtiger Hut, den er immer auf hatte, darauf zurückzuführen ist, er beantwortet die Frage darnach auch mit der Schutzfunktion.

Es folgt eine Zeit der Stagnation, der Erfolglosigkeit, der Rückzuges und der Verwahrlosung. Womit zwei wichtige Elmente des biographischen Needes erwähnt sein dürften, kommt noch hinzu die Herkunft aus Cleve und die örtliche Fettfabrik, in der die Eltern ihren Sohn gerne in Anstellung gesehen hätten. Bis aus dem Elend die Aktion wurde, einem Kaninchen Kunst zu erklären, und Beuys damit Furore machte bis zum Guggenheim Museum in New York.

Es gibt Beispiele aufgeregter Podiumsdiskussionen und hartnäckiger Interviewer, die sich schwer tun mit seinem Kunstbegriff. Wäre spannend zu sehen, was ein Beuys heute tun würde, um Spektakel zu erreichen; mir scheint die heutige Kunstwelt nicht weniger eingschlafen und auf festgefahrenen Gleisen als jene, die Beuys nach dem Krieg vorgefunden hat.

Was bei diesem Film auch eher nicht im Beuysschen Kunstsinne sein dürfte, scheint mir die Tonspur, die immer versucht Bedeutung und Gewicht zu verleihen, zu zelebrieren, konträr zu den Aussagen von Beuys.

Eine eindrückliche Künstlerhommage war neulich der Film über Frank Zappa von Thorsten Schütte, der auf jegliches Statementgeschwätz verzichtet hat und dadurch eine hochkarätige Dichte gewinnen konnte. Nichtsdestotrotz ergibt sich bei dem vielen Material ein interessanter Einblick in das Werk von einem der wichtigsten deutschen Nachkriegskünstler, von Joseph Beuys.

Darstellungsnote 1.

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Eine offene Wunde in unserer Gesellschaft.

M E M E N T O

Bundeskanzlerin Merkel 2012: Wir tun alles … um aufzuklären.

Enver Simsek, Nürnberg Langwasser
Süleyman Tasköprü, Hamburg-Bahrenfeld
Abdurrahim Özüdogru, Nürnberg
Habil Kilic, München-Ramersdorf.
Mehmet Turgut, Rostock-Toitenwinkel
Ismail Yasar, Nürnberg
Theodoros Boulgarides, München
Mehmet Kubasik, Dortmund
Halit Yozgat, Kassel
Michèle Kiesewetter, Heilbronn

Jedes der Opfer der NSU erhält in diesem nötigen und wichtigen Film, einer musikalisch-fotografischen Mahn-, Gedenk- und Erinnerungscollage von Sobo Swobodnik, einen eigenen Beitrag. Als Titel steht der Name des Opfers und der Ort der Tat. Als Bilder folgen in Schwarzweiß Fotoimpressionen aus der Natur, Blume auf Boden, Wasserlachen, entlaubte Bäume, Pfützen, städtische Impressionen aus der Umgebung der Tatorte, Straßen, Autos, wenige Menschen, gerne in Zeitlupe, Schneeregen, vornehmlich Dämmerlicht, Zwielicht, Grau-in-Grau-Stimmung.

Auf der Tonspur lesen gut geschulte Sprecher und Sprecherinnen Zitate aus Tatschilderungen, von Angehörigen der Opfer, aus Medienberichten, Zeitungen, Rundfunk- und Untersuchungsberichten, von Anwälten, Staatsanwälten, Bundesanwälten, aus Zeugenaussagen und Ermittlungsberichten und -gerüchten aus Protokollen des NSU-Prozesses.

Die Musik- und Tonkomposition von Elisas Gottstein improvisiert eindringlich das mehrfach Unfassliche, den ganzen irrationalen Irrsin, der sich um die Morde in diesem unserem Lande abgespielt hat: die Morde, die anschließende Verdächtigung und Kriminalisierung der Angehörigen der Opfer, die Medienkolportage dazu und das umfassende Behördenversagen im Umgang mit den behördenbekannten Tätern, die sich in den Untergrund abgesetzt hatten.

Die juristische Aufarbeitung in München in einem der wahrscheinlich längsten Prozesse der jüngeren Justizgeschichte fing am 6. Mai 2013 an und ist immer noch im Gange: NSU-Prozess

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