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Der Pfründenplünderer weitere Folge.

Hier ist das Objekt knuddelig, airstreamig, ein süßer kleiner DDR-Wohnwagen in der Oberpfalz, der Eigenleben entwickelt und erneuert werden soll. Typisch: er stammt aus einer Zeit, als noch Kalter Krieg und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Tümpel ohne Konkurrenz war; insofern passt er zu dieser Sendung, die wie ein Relikt aus jener Zeit anmutet.

Ansonsten gilt der Befund für die vorhergehenden Folgen 1 von 2016 und 1 von 2017.

Wobei das mit der Anleitung zum Selberbasteln nicht mehr stimmt. Es werden Fachleute zugezogen: ein richtiger Künstler und ein Elektrofachmann. Auch wird viel vom Innenausbau weggemauschelt; insofern hält die Sendung gleich mehrfach nicht, was sie verspricht („do-it-yourself!“).

Frau Milberg fällt vor lauter Ego-Überzeugtheit grad gar nichts ein, deshalb will sie das Wohnwägelchen mit eigenen Bildern bemalen und behauptet, ohne rot zu werden: Die kriegen einen Original-Milberg, unverschämter geht Fernseh-Werbung für die eigenen Kunst nicht; da verfehlt sie auch schlicht das Thema der Sendung: Anleitung zum Selberbasteln – oder sind die Original-Milbergs so simpel zum Selberbasteln? Wie eingebildet muss jemand sein, wie vom Ehrgeiz zerfressen, so was in aller öffentlich-rechtlichen Rundfunköffentlichkeit und im Brustton der Überzeugung zu behaupten, und was werden ernsthafte Künstler sagen, die ums Überleben kämpfen, die sich die Rundfunkzwangsgebühr zusammenkratzen müssen, um so eine dreiste Schnoddrigkeit zu finanzieren? Somit wird Frau Milberg zur Hypothek für den BR. Mit diesem Egobrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks treibt Frau Milberg möglichereise der AfD Wähler zu, die als einzige Partei die aktuelle, sozial unausgewogene Finanzierung dieses großen Gemeinschaftswerkes zum Thema macht.

Aber Frau Milberg hat ja keinen Gewerbeschein, wie in der Diskussion zu ersten Folge letztes Jahr geschrieben wurde, was wohl bedeutet, dass sie am Fernsehen ungeniert Werbung für sich und ihre Kunst, machen darf, und wenn sie in der Folge Aufträge bekommen sollte, so rechnet sie diese ohne Gewerbeschein ab und dann hat das auch nichts mit unfairen Wettbewerbsbedingungen zu tun. Kein Wunder, wirkt Frau Milbergs Schauspielerei immer gekünstelter, bei dem dünnen Eis, auf dem sie sich bewegt.

Frau Milberg scheint unentschieden, wie oberflächlich sie ihre Figur in dieser ausgestellten Fröhlichkeit anlegen soll, sie entscheidet sich offenbar für die Tendenz in Richtung alberne Gans: Das ist ja so überraschend hier, das ist ja knallmodern, ich glaub es nicht.

Der reelle, solide Handwerker Wagner dagegen kann einem nur leid tun.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Und da es sich bereits um die dritte Rote Karte handelt: Sperre für die Akteure bis zur Aufhebung der Zwangsfinanzierung des Rundfunks.

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Ein Bildschirm voll substanzarmer Hoffnungslosigkeit,

Abbild einer wenig attraktiven, wenig inspirierenden, wenig verbindlichen, sicher nicht stilbildenden Multikultimischwelt, die ihre Umgangsformen, ihre Attraktivität, ihre Lebendigkeit, ihre Verbindlichkeit gar nicht erst sucht oder hinterfragt, die in unentschiedener, konturloser Formlosigkeit wabert.

So schnell dürfte kaum eine Serie auserzählt sein. Schon in der zweiten Folge dieses Krimis nach Su Turhan, das dünnflüssige Drehbuch stammt wieder von Sascha Biegler, die etwas weniger unbedarfte Regie übernahm Matthias Steurer, scheint so manches auserzählt: der Seidentaschentuchtick des Kommissars, seine scheinheilige Beterei bei Leichen, sein falscher Glaube, sein bereits muffeliger Anzug und auch sein nackter Oberkörper genau so wie seine wenig stinnstiftende Sonnenbrille. Und der hier neu hinzuerfundene Gag des Requirierens von Privatwagen für eine dringende Mission ist so schlecht performed und so abgelutscht, dass er sich schon im ersten Fall von zweien in dieser Folge bereits mehr als übererzählt hat. Dasselbe gilt für den Versuch des Magenknurrens. Ist dieser als Fastenverarsche intendiert? Der Autor scheint unter Ideennotstand zu leiden und wirkt verzweifelt, Eigenschaften für diesen Kommissar zu erfinden, die ihn originell machen sollen. Und dass der scheingläubige Kommissar in Krisenmomenten zum Alkohol greift, billiger geht’s nicht, längst auserzählt.

Weil sie die Integration versemmeln, hangeln sie sich mit einfältigen, abgedroschenen Einfällen von Szene zu Szene und bestätigen somit Klischee und Vorurteil vom Gemüsetürken, statt es zu entkräften.

Nach wie vor gelten die Kritikpunkte von Fall 1.

Heute versucht der Kommissar im Ramadan-Modus zu delirieren, zwischendrin lächelt er souverän – kleines Continuity-Problem.

Es handelt sich um Morde im Brauereimilieu. Kein Grund, sich dafür zu interessieren. Der Kommissar breitet sein unerquickliches Privatleben aus. Das Jacket zieht er nicht mehr so oft an und aus, spielt weniger damit; hat wohl vom Cutter nach der ersten Folge einen Anschiss gekriegt; der Anzug hat seinen Reiz verloren. Einen erstaunlich aparten Sohn hat dieser Zivilpolizist. Dieser Sohn könnte mit der Mitarbeiterin Jale ein TV-Traumpaar abgeben, wenn denn einer ein gscheites Drehbuch schreiben würde. Sonst öde Hoffnungslosigkeit allerorten und die Versöhnung zwischen Kommissar und seiner Ex-Frau ist wie aus dem Ärmel geschüttelt und in keiner Weise nachvollziehbar. Der türkische Autor, mit dem sie zusammen ist, scheint ja kein Depp und bekannt ist er außerdem. Das Leben mit so einem Autor ist bestimmt spannender als das mit einem ungepflegten Kommissar. Dieser wirkt bereits in der zweiten Folge, als ob er unter Burn-Out leidet; man sollte ihn dringend zur Kur schicken.

Und immer noch ist nicht geklärt, womit dieser Kommissar seinen offensichtlich teuren Lebensunterhalt finanziert, er wird doch wohl für seine Kinder, die noch unselbständig sind, Unterhalt zahlen müssen, nebst der bestimmt beachtlichen Miete für die großzügige Altbauwohnung und nebst den teuren Seidentaschentüchern, die er reihenweise zum einmaligen Gebrauch verschenkt oder nach einmaligem Gebrauch entsorgt wie Papiertaschentücher. Schon bei der ersten Position bei Google kann so ein Teil bis zu 50 Euro und mehr – das Stück! – kosten.

Aufklärungsimpetus: der integrationsgeneigte Zuschauer erfährt ein paar Dinge über Ramadan. Und den hält der Kommissar offenbar wieder genau ein, vielleicht, um den Hungereffekt spielen zu können. Sonst gibt es noch eine übertriebene Knallcharge von fränkischer Pennerin und einige gestörte Brauerei-Figuren von Minga-Bräu. Suggeriert wird, dass es sich um feines Brauer-Milieu handle und es um eine Übernahme durch einen türkischen Unternehmer geht. Wobei dann doch alles ganz anders gewesen ist.

Die Figuren sind nach wie vor merkwürdig gehaltlos gezeichnet, die Besetzung wirkt zerfahren und beliebig – vielleicht eine Preisfrage (Politik des Senders: Thema Integration darf nichts kosten?).

Was die gesellschaftliche Relevanz des Filmes anlangt, ist auf Anhieb nicht ersichtlich, ob eine solche da ist, weil weder die Figuren noch ihre Probleme ernst genommen werden. Solch unentschiedener Umgang mit einem so delikaten Thema wie der Integration, lässt allemal offen, ob der Film nun pro Integration oder dagegen gedacht ist. Für einen Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist das, hm, gelinde gesagt etwas fragwürdig.

Einmal regt sich der Kommissar zwar über den Klimawandel auf, aber offenbar auch nur aufgrund seines Fastendeliriums.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Heute wird die Welt gerettet, verbessert, verändert oder sie bleibt sich gleich. In Angel Grove retten 5 Teens die Welt vorm Untergang, in Genf ist Jean Ziegler rhethorisch auf Rettungsmodus geeicht, in der Weltraumstation landet ein Marswesen an, in Frankreich geht’s den islamistischen Verführern an den Kragen, in Deutschland muss sich die industrielle Landwirtschaft gegen die Ökolandwirtschaft verteidigen, in Holland piekst der Geist Luthers mit Hilfe von Kindern die Inquisition, in Paris singt Rammstein den Schlagbaum hoch, in Nürnberg kehrt Nostalgie ein, die nichts verändert, in den USA beleben Spione eine Ehe und in München ist die Komödie so totgeboren wie ihr überfahrener Hund. Im Fernsehen geisterte ein Desintegrationskommissar über den Bildschirm und Michaela May ging am Viktualienmarkt einkaufen.

POWER RANGERS
Bilder von starker Symbolik zeugen von der Stärke der Konflikte des Coming-of-Age individueller Charaktere.

JEAN ZIEGLER: DER OPTIMISMUS DES WILLENS
Auf Tuchfühlung mit diesem Stachel im Fleisch des Geierkapitalismus.

LIFE
Ein Marswesen, das „Calvin“ genannt wird, könnte auf der Welt für Umwälzungen gut sein.

DER HIMMEL WIRD WARTEN
Pubertät, Identitätskrise und Verführbarkeit durch radikal-islamistische Internetpropaganda.

BAUER UNSER,
gib uns unser täglich Brot – wie kann das in der Welt der Investitionen und des Kapitalismus funktionieren?

STORM UND DER VERBOTENE BRIEF
Kinderabenteuer- und -mutgeschichte vor brisantem geistes- und religionsgeschichtlichem Hintergrund.

RAMMSTEIN PARIS
Konzertdoku in Dolby-Atmo-Dröhn und Megapyromantik.

LOMMBOCK
Nostolgie nach dem Erfolg von ehedem.

DIE JONES: SPIONE VON NEBENAN
Prickelndes für ausgeleierte Ehen.

DER HUND BEGRABEN
Hier soll ein begrabener Hund eine eingerostete Ehe retten. Deutsche Spreizfußkomödie.

TV
KOMMISSAR PASCHA
Dieser Kommissar ist weder Pascha noch Kommissar noch Anatole noch Bayer noch Türke und schon gar nicht sauber.

LEBENSLINIEN: MICHAELA MAY – MEINE MÜNCHNER GESCHICHTEN
Durch die Münchner Geschichten mit Helmut Dietl ist die Schauspielerin ein Stück Münchner Fernsehgeschichte geworden.

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Glücklich, wer so die Verpuppung vom Jugendlichen zum Erwachsenen durchseuchen kann; dem dürfte jedenfalls auf seinem weiteren Lebensweg kein verpatztes Coming-of-Age Steine vor die Füße knallen, gar als Dauer-Verhinderer zum Begleiter werden.

Die Verwandlung ist eindeutig dörflich. Angel Grove heißt das gottverlassene Kaffee im Irgendwo, ein idealer Nährboden für Superheldenträume.

Es gibt eine Goldmine in der Nähe. Die zieht junge Leute magisch an. Sei es Ich-Suche oder Gold-Suche oder Abenteuer. Sie ist der Ort, der das Team zusammenführt. Es sind die Protagonisten dieses Filmes von Dean Israelite (Project Almanac) nach dem Buch von John Gatins + 4 nach der Geschichte von Matt Szama.

Es sind keine glatten Charaktere, keine geleckten Biographien. Sie haben Brüche in ihrer Geschichte.

Die jungen Helden sind phantasievoll und chaotisch. Das zumindest suggerieren die symbolstarken Bilder der titanischen Auseinandersetzung im letzten Teil des Filmes, in welchem es darum geht, das Kaff ihrer Herkunft, was gleichzeitig die ganze Welt bedeutet, vor dem Untergang zu retten.

Wie sie in ihrer Morphform als Superhelden im Cockpit in Saurierrenn- und kampfmobilen, im Design eine Mischung aus Hightech- und Schrottautos, sich nicht unterkriegen lassen und zu einer List von odysseusschem Ausmaß greifen, indem sie sich zu zusammentun und selbst einen Riesen bilden, um gegen den Goldriesen anzutreten, das hat Format und irgendwie auch Humor, wenn einer nur noch ein Bein, einen Arm einer solchen Figur als Teil eines Ganzen, eines auf diese Weise unschlagbaren Teams wird.

Was auch insofern frisch und präsent wirkt, als die Figuren eingangs in ihrer Individualität vorgestellt werden, mit ihren Konflikten und Eigenschaften und einer individuellen Farbmarkierung: der rote Jason (Dacre Montgomery), der den Status des Fußballstars eingebüßt und Probleme mit dem Vater hat, die pinke Kimberly (Naomi Scott), der plötzlich die Beliebtheit abhanden gekommen ist, der blaue Billy (RJ Cyler), der vergeistigte, eigenbrödlerische Einzelgänger, die gelbe Trini (Becky G), die nicht aus Angel Grove stammt und daher Außenseiterin ist, und der schwarze Zack (Ludi Lin), der Wichtigtuer, der Aufschneider.

Sie lernen sich im Sonderunterricht an der Schule kennen. In der Goldmine finden sie zusammen. Das Zusammentreffen kann als eine Art Psi-Erlebnis interpretiert werden, denn anderntags finden sie alle eine Münze, die aus sich heraus leuchtet. Es verbindet sie die Erinnerung an eine Flucht im Auto und einen Zusammenprall mit einem Zug, Alptraumbilder.

Von dem Moment an entdecken sie ihre Superkräfte. Diese möchte man am liebsten mit ihnen ausprobieren mit einem kühnen Sprung über eine tiefe Schlucht hinweg oder gar in diese hinunter. Ihr Geheimnis verleiht ihnen Flügel.

Vom Story-Telling her liegt der Zusammenhang zum Geheimnis weit zurück, im Kanozoikum (vor den Titeln) und wird sich als Herausforderung herausstellen. Zerdon heißt die magische Figur, die in der morphen Phase ein Ansprechpartner wie hinter einer leicht durchsichtigen, mit magischen Jalousien verhängten Wand wird.

Die physische Heftigkeit der Jugend-Konflikte wie auch deren Humorgehalt führt uns Israelite gleich mit einer ersten Szene nach dem Titel vor. Jason und ein Kumpel wollen eine Kuh melken. Das ist mit naher Handkamera aufgenommen, die ständig fürchten lässt, in dem kräftigen Gerangel und Geschiebe zwischen Kuh (wenns denn eine ist)- und Jungmännerkörpern zermalmt zu werden. Hier wird klar angegeben, um was für Kräfte es sich im Folgenden handeln wird und das Thema ob Kuh, ob Stier, gibt die Humorlage vor, die immer wieder aufblitzt und die zu einem heiteren Gefühl beim Verlassen des Kinos führt.

Wird doch hier diesen unglaublichen Emotionen und Kräfte, die die Kämpfe um das Erwachsenwerden auslösen, mit Gelassenheit, Ernst aber ohne Bierernst, Raum gegeben. Dieses Gefühl, Bäume ausreißen zu können, was in fantasy-surrealistischen, überquellenden Superheldenbildern sein kinematographisches Äquivalent findet. Es wird allerdings nicht verheimlicht, dass die diesen Prozess durchmachen, durch das Feuer, die Hölle, gar die Apokalypse gehen.

Der Clou an unseren Helden: am nächsten Tag hören sie sich interessiert und leicht amüsiert die Geschichten ihrer Heldentaten an. Es erkennt sie keiner.

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Das ist, was es ist; der aufwändige Mitschnitt eines dröhnenden, bombastisch inszenierten Rammsteinkonzertes an zwei Abenden im Palais Omnisports im Stadtteil Bercy in Paris.

Die 170’000 enthusiasmierten Besucher skandieren das Wort ‚Frankreich‘ auf Deutsch, zählen auf Deutsch von Eins bis Zehn und singen auf Deutsch Textstücke raukehlig vorgetragener Sehnsucht nach rudimentärer Poesie: Mutter, Keine Lust, Asche zu Asche, Du hasst mich, Bück Dich, Mann gegen Mann, Ohne Dich, Mein Herz brennt, Engel – 16 Titel insgesamt.

Der Kino-Zuschauer bekommt einen Eindruck, wie diese Band mit ihrer gigantischen Show das Palais Omnisports zum Kochen bringt. Die Band-Mitglieder marschieren ein wie Gladiatoren, martialisch. Sie sind in Söldner- oder kriegerassoziative Klamotten gekleidet, überwiegend nackte Oberkörper (beeinflusst bestimmt von Iggy Pop, der zeitnah in einer anderen Doku zu erleben ist). Sie sehen nicht geleckt aus. Einer trägt die Tricolore voran. Das wirkt ernsthaft, besonders in den Phasen, in denen der Film die wenigen Farben noch reduziert.

Sie stellen sich vors Publikum, breitbeinig – wie die Morituri. Sie werden alles geben. Sie werden teils wie auf einem Schlachtfeld agieren, wen die Pyrotechnik aus allen Rohren schießt, selbst aus den Gitarren. Sie werden klein sein und doch übergroß innerhalb einer gewaltigen Bühnenmaschinerie aus Brücken und Podesten, die durch den Raum bewegt, in die Höhe gehoben oder versenkt werden.

Sie werden wie die Hunde an der Leine von einer barocken Kostümfigur über die Brücke getrieben zu einer Satellitenbühne und von Mann gegen Mann singen und unanständige Gesten ausführen, triebhaft, pronographisch.

Ihre dröhnende, donnernde, hämmernde, teils mechanistisch massiv wie Planierraupen wirkende ‚Musik‘ oder wie Erdbeben und herabstürzender Himmelskörper zusammen wird den Kinosaal, wenn er mit Dolby-Atmo ausgestattet ist, zur Erschütterung bringen und so einen Vibe von der Atmosphäre eines solchen Megakonzertes evozieren.

Der Film von Jonas Akerlund nutzt kompensatorisch die Möglichkeiten des Schnittes um etwas von dem rauschhaften Gefühl zu schaffen, das sich in der Menschenmenge wie schwindelerregend ausbreitet. So ein Konzert ist allerdings auch eine brutale Masenmanipulation, der Führer gibt vor, die Menge schreit mit und nach und streckt die Arme in die Höhe, hier selbstverständlich im guten Sinne, denn der Schlagbaum soll nach oben gehen, singen sie.

Mit für Raumänner vollendeter Grazie und Würde verbeugen sie sich am Schluss vor dem Publikum und sagen Merci. Da kann einem direkt feierlich zumute werden.

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Leben! Es lebt! Das ist der Ausruf der Wissenschaftler auf der Internationalen Raumstation, wie sie bei der Untersuchung von Bodenproben vom Mars unterm Mikroskop eine Bewegung feststellen. Alle schauen sie aus unterschiedlichsten Positionen, teils schwebend wie überhaupt oft in diesem Film, sogar die Kamera, auf das kleine gallertarige, durchsichtige Teil unter dem Mikroskop. Es handelt sich um Leben vom Mars. Ein menschheitsgeschichtlicher Sensationsaugenblick. Das spiegelt sich in den Gesichtern und Minen der Mannschaft auf der internationalen Raumstation wider.

Daniel Espinosa (Safe House, Kind 44) hat nach dem Drehbuch von Rhett Reese und Paul Wernick (Beide: „Deadpool“) ein gewinnendes, hingebungsvolles Team auf der Raumstation versammelt; ein bisschen schafft er so etwas wie eine vertraute Gartenlaubenatmosphäre; die Station ist noch nicht übertrieben computerisiert; hier muss auch mal manuell ein technisches Teil repariert werden und für den Betrieb gibt es jede Menge Schalter und Türen, die genau so bedient werden müssen; auch das Manöver der Anlandung des Raumkörpers, der die Bodenproben vom Mars bringt, wie der andockt, scheint mehr ein mechanisches, denn ein Computerproblem zu sein, zu viel davon sieht der Zuschauer nicht, aber da muss einer das Raumschiff verlassen und händisch agieren.

Das Team besteht aus Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal, Hiroyuki Sanada, Olga Dhovichnaya. Das Lebewesen, was sie entdecken, richtet sich tatsächlich nach den Fingern des Forschers, die er in das Labor hineinhält. Es sieht durchsichtig aus wie ein gallertartiger Einzeller, dann entwickelt es sich wie eine Blumenknospe. Es lebt. Pflanze oder Tier? Hm.

Es gibt Rückschläge. Menschen machen Fehler. Durch einen Bedienungsfehler gibt’s einen Defekt im Labor. Das Lebewesen zeigt keine Regung mehr. Zu kalt, erstarrt. Eine Schockbehandlung reanimiert es. Und wie.

Die Forscher nennen es „Calvin“. Da springt der europäische Assoziationsgedanke gleich zur Reformation, Lutherjahr und Calvin als ein Schweizer Pendant, radikaler in seiner Prädestinationslehre, wonach die Vorbestimmung sich im materiellen Erfolg zeige: massiver Schub für den Kapitalismus. Was dieser Mars-Calvin wohl anstiften wird auf der Welt?

Calvin macht Entwicklungen durch, die Angst machen, die den Film in Richtung Horrorfiction wenden.

Zur Erde gibt es nicht allzuviel Kontakt, eine Geburt per Skype und der Witz der Kollegen, wer denn der Vater sei. Zwischen den dramatischen Moment findet der Film Zeit für kurze Melo-Intermezzi. So wird die Geschichte wunderbar nachvollziehbar.

Calvin ist eine sympathische Mischung aus Orchidee und Fantasie-Kraken-Schlangenwesen. Wär doch schön, wenn es auch sprechen und uns etwas vom Mars erzählen könnte. Andererseits ist Calvin eben doch nicht so ganz knuddelig, wenn auch eine Eigenschaft des Anlehnungs- und Umarmungsbedürfnisses festzustellen ist, das das schnell wachsende Marswesen allerdings ziemlich verschlingend versteht.

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Luther hilft, Maria hilft und auch der Drehbuchautor hat ein paar Wunder parat, um diese Kinderabenteuer- und Mutgeschichte vor brisantem geistes- und religionsgeschichtlichem Hintergrund zu einem runden Ende zu bringen.

Der Bub Storm (Davy Gomez) ist der Held dieser Geschichte. Es ist 1521, der Reformationsaufruhr in Holland in vollem Gange. Storm lebt in Antwerpen. Sein Vater Klaas (Yorick van Wageningen) ist Buchdrucker, seine Mutter Cecilia (Angela Schijf) strenggläubige Katholikin und am Kauf eines Ablasses interessiert.

Weil der Ablasshandel teuer ist, nimmt der Vater einen verbotenen Auftrag an, den Druck eines Briefes von Luther an seine holländischen Anhänger. Das ist ein riskantes Unterenehmen, denn der Inquisitor Van der Hulst (Peter Van den Begin) ist angetreten, die Stadt von Häretikern zu säubern mittels Folter und Scheiterhaufen.

Storm, der seinem Vater gerne bei der Arbeit hilft, bekommt den geheimen Auftrag mit.

Im Stil der flämischen Portrait- und Interieurmalerei des 16. Jahrhunderts beginnt Dennis Bots, der ein Drehbuch von Karin van Holst Pellekaan als Regiegrundlage hatte, mit der Schilderung des Lebens in Anwerpen und der Arbeit in der Druckerei mit Setzkasten; wie Öl auf Leinwand wirken die Bilder.

Die Dramatik fängt in dem Moment an, wie die Inquisition an die Tür der Druckerei des Vaters poltert. Der hat den Satz für den Lutherbrief bereits fertig. Storm schnappt sich den Setzkasten und flieht. Der Vater landet im Gefängnis. Die Inquisition sucht überall den Jungen und den Setzkasten mit dem Lutherbrief.

So kommt der Kinderabenteuerfilm ins Rollen, der Storm nach halsbrecherischer Flucht und immer mit dem schweren Setzkasten im Arm in die Katakomben der Kanalisation von Antwerpen führt. Dorthin hat ihn ein Mädchen gelotst. Es ist Marieke (Juna de Leeuw), die in einem mit Kerzen ausgestatteten Hohlraum lebt, weil ihre Mutter gestorben ist und ihr Vater ein portugiesischer Seeman auf hoher See sei. Sie hat Storm vor der Verhaftung bewahrt.

Was genau in dem Brief steht und was dessen Brisanz sei, das weiß Storm nicht, aber er weiß, dass es sich um einen Schatz handelt, um etwas Wichtiges, wenn die Inquisition so hinterher ist.

Zwei Ziele stehen jetzt für die beiden Kinder, die plötzlich ein Gespann sind, fest: der Brief soll gedruckt werden und der Vater muss vor dem Scheiterhaufen bewahrt werden.

Dazwischen gibt es noch die Figur des Lokalpoeten Alwin (Maarten Heijmans), ein romantisch aussehender, junger Mann, der vor allem von seinem eigenen dichterischen Ehrgeiz getrieben ist und der für einen bösen Verrat gut sein wird.

Viel Hit- and Rund immer unter der Gefahr der Entdeckung.

Ein Hilfsmittel von Marieke kommt da besonders gelegen: sie hat eine Technik entwickelt, einen Stein mit Hilfe eines Schwungtuches zielgenau zu schleudern, so dass sie selbst einen Mann in Ritteruniform aus Distanz zu Fall bringen kann.

Der dicht erzählte Film ist von einer angenehm Musik im Sinne eines concerto vivace unterlegt und neben der reinen Bubenabenteuergeschichte ist es auch die Geschichte, dass ein Bub ein Mädchen kennenlernt. Was wäre bloss, wenn es zu dieser Zeit schon die Internetmedien gegeben hätte, wo Wörter offenbar viel billiger, deutlich weniger kostbar geworden sind?

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Ein intellektueller Romantiker.

Dokumentation weniger gedacht als Faktencheck, Infobroschüre oder chronologische Vita, das gibt es hier, sondern als Abenteuer mit durchaus skurrilen Einschlägen des Zusammenseins mit dem weltberühmten Soziologen Jean Ziegler, dem Deutschschweizer aus calvinistischem Hause, der überwiegend französisch (und auch spanisch in diesem Film) spricht und der dem Thema Prädestination abgeschworen und zum linken Kampf für mehr Gerechtigkeit auf der Welt sich zugewandt hat mit hingebungsvoller, verlässlicher Treue.

Nie vergisst er Che Guevara, der ihm den entscheidenden Impuls für den Rest des Lebens gegeben hat. Er hatte ihn als Fahrer anlässlich einer Konferenz 12 Tage durch Genf kutschiert und wollte sich dessen Kampf in Lateinamerika anschließen, worauf Che ihn angeherrscht habe, er stamme von hier, er kenne sich hier aus, er solle bittschön hier kämpfen.

Der Marsch durch die Institutionen. Das tut Jean Ziegler heute noch. Mit zahlreichen Publikationen, Reden vor Versammlungen, als Berichterstatter in UN-Ausschüssen. Nach einem Leben, was in keinen Film passt, hält er Vorträge, spricht auf dem Gegengipfel zum Gipfeltreffen in Elmau 2015 auf dem Münchner Odeonsplatz, bezeichnet die Staatschefs als Befehlsempfänger, als Handlanger der großen Konzerne, bezeichnet die aktuell praktizierte Demokratie als simulative Demokratie. Er signiert Bücher oder macht eine Kubareise, dem Land seiner Träume, seiner Bewunderung.

Der Filmemacher Nicolas Wadimoff, der mit Ammanuel Gétaz auch das Drehbuch geschrieben hat, war ein Schüler von Ziegler, der an verschiedenen Universitäten Soziologie lehrte. Er scheint einen familiären Zugang zu diesem linken Mastermind zu haben. Er bringt uns den Menschen Ziegler ganz persönlich näher.

Auch mit Äußerungen, die verwunderlich wirken, wie er beispielsweise die Unterdrückung der Pressefreiheit in Kuba vorbehaltlos verteidigt, weil dadurch der ganze Mist der Kommerzmedien nicht aufkommen könne.

Ein Bild von Che steht im Arbeitszimmer von Ziegler. Er erzählt uns, wie gründlich er seine Texte arbeitet, mehrfache Durchgänge, bis endlich seine Frau Erica, die er liebevoll Loulou nennt, die letzte Version in den Computer tippt – humoristisch fügt er hinzu, und nochmal einen Großteil umarbeite, denn er mache viele Fehler; dann kann er schmunzelnd anmerken, aber er stehe im Larousse als Autor.

Ein Damaskus-Erlebnis für Ziegler, der aus wohlbehütetem, bürgerlichen Schweizer Hause stammt, waren Kinder in Afrika, deren Gesichter von der Krankheit Noma zerfressen waren. Ziegler erkannte den Zusammenhang zwischen der Profitorientierung westlicher Konzerne und solchen Zuständen in Afrika, die nur dem westlichen Gewinnstreben geschuldet sind. Das begründet seine Mission, die er unbeirrbar verfolgt.

Die Geierfonds sind besonders hässliche Beispiele eines inhumanen Kapitalismus. Ziegler führt Malawi an, ein Hungerland, das 2002 seine Maisreserven ins Ausland verkaufen musste, um die Ansprüche solcher Fonds zu befriedigen. Über die Geierfonds gibt es bei einem UN-Termin ein Fingerhakeln zwischen ihm und dem Vertreter Ghanas. Der fragt, ob man nicht ein anderes Wort für „Geier“ nehmen könne. Schlagfertig zitiert Ziegler einen Kolumnisten der New York Times, der den Titel für eine Beleidigung hält, denn Geier täten etwas Nützliches. Nach der Sitzung äußert Ziegler im privaten Gespräch plausibel die Vermutung, dass der Ghanaer auf amerikanisches Geheiß die Anfrage gestellt habe.

Ab und an gerät der Filmemacher selbst in Diskussion mit Ziegler, speziell im Hinblick auf Kuba, das Ziegler (und die ihn begleitende Kamera) als die Realisierung eines Traumes sieht – und er versteht nicht, warum nicht in jeder Wohnung ein Bild von Fidel Castro hängt. Das ist auch der Ziegler. Vielleicht als Verkörperung des von Gramsci beschriebenen Widerspruchs zwischen Pessimismus der Intelligenz und dem Optimismus des Willens – ein romantischer Intellektueller eben.

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Alles für die Katz.

Gedacht
hat Sebastian Stern (Die Hummel) sicher gut: er will dem Zuschauer einen Mann mittleren Alters zeigen, der mitten im Leben steht, der einen Job in der Verwaltung von Pegasus Papier hat, verheiratet ist, Vater einer pubertierende Tochter ist.

Stern will nun zeigen, wie wenig es braucht, bis die Welt von Hans zusammenbricht. Dazu trägt bei, dass er offenbar ein Mensch ist, der sich nicht allzu gut wehren kann, der in vielen Jahren Betriebszugehörigkeit nie eine Gehaltserhöung verlangt hat, der sich zuhause nicht traut zu sagen, dass er den Job verloren hat und sowieso nicht, dass er selber den zugelaufenen Hund überfahren und im Wald vergraben hat. So weit die Erfindung einer rein klischeehaft unmutigen, ängstlichen Figur.

Laut Presseheft will Stern eine schwarze Komödie drehen, „über die Angst, ersetzbar zu sein und die Unfähgkeit, darüber zu reden. Über den falschen Umgang mit Problemen.“ Stern will uns eine moralische Lektion erteilen, wie man richtig mit Problemen umgeht, also auch ein Lehr- und Belehrfilm. Er will einen Film machen „über Nicht-Kommunikation und den Umgang mit Problemen“.

Realisiert
hat er diese frei erfundene Geschichte mit den frei erfunden Figuren mit einem Ensemble bis in die kleinste Rolle aus namhaften Darstellern aus dem Suventionstümpel, die überwiegend gepflegt und verständlich sprechen, was den Nachteil hat, dass die vielen moralischen, belehrenden und auch Papiersätze erschreckend krass die Komödienuntauglichkeit seines Drehbuches (zu dem noch eine Beraterin in Abspann sich gesellt, was die wohl beraten hat?) zur Geltung bringen.

Es fehlt der Komödie am Sprungbrettern, von welchen aus die Pointen ihre Salti schlagen könnten. Es fehlt ihr an Studium der Charaktere, die Voraussetzung für Komplikationen und Konflikte und Sichtbarmachung von fehlgeleiteten Situationen und Erwartungen sine-qua-non sind. Es sind Papierfiguren mit Papiertexten. Der Film erstirbt am eigenen Anspruch, weil es schlicht am Komödienhandwerk fehlt. Das einzige Requisit ist der Hund, der die Message von Sebastian Stern zum Tragen bringen soll. Die häufigen kommentierenden Klavierklimpertöne sind wohl als Hinweis auf Pointenabsicht zu deuten.

Stern inszeniert sauber, direkt edel sieht es aus, sehr gepflegt, wie die Küchenauslagen bei Kustermann. Es sind Klischees in steriler Reinkultur, just deshalb packen sie nicht. Die 86 Minuten ziehen sich wie endlose drei Stunden. Ein typisches TV-Filmförder-Projekt, das sich im Kino kein Hund anschauen möcht, weil die präpotente Erzählhaltung abschreckt.

Sätze, typisch TV, aber nicht Kino.
Mama, weißt du überhaupt noch, wie sich Liebe anfühlt?
Die Finnen haben die Firma übernommen. (Untertext: haben wir das nicht gut recherchiert: Finnen, die sich für eine Papierfabrik interessieren?)
Sei froh, dass du bei dem globalisierten Krampf nicht mitmachen musst (plus Klavierklimperkommentar, war eine Pointe!).
Kannst nicht lauter rufen? Du musst schon lauter rufen.
Muss das sein mit dem Rauchen in deinem Alter? (Moralisch korrekter Satz an den Nachwuchs)
Du Hans, kannst du dir nicht morgen frei nehmen, dann kannst du beim Suchen helfen?
Entschuldigung, ich bin auch noch da. Sie hatten nicht versehentlich mein Bier genommen? Das hatte ich bestellt (weltfremder Bardialog, garantiert humorfrei).
Du bist ernst und echt unbrauchbar, merkst du das nicht.
Der Hund hat uns so gut getan.
Ich glaub, ich geh jetzt lieber, dann erwisch ich noch den Bus und Sie sollten auch lieber ein Taxi nehmen (Moral: kein Alkohol am Steuer! Taxi ist korrekt, in diesem Bierernst leider ohne jegliche Komödientauglichkeit).
Ich finde, wir sollten nichts übers Ziel hinausschießen (wow, wäre nicht just das ein irrer Komödienparamter?).

Belehrender Input.
Stern will Dinge deutlich machen: die Mechanismen der freien Wirtschaft (Übernahme der Papierfabrik durch die Finnen), die Mechanismen der Automobilwerbung (sie verheißt Glück), die Mechanismen esoterischen Gurutums (dazu gibt es eine beispielhafte Sitzung). Das wirkt alles belehrend. Der Zuschauer kommt sich vor wie einer, dem eine Wahrheit eingetrichtert werden soll, die ihm eh längst augenfällig und bewusst ist. Die Frage wäre, ob es dem Film gelingt, wenigstens einen Zuschauer in dieser Hinsicht aufzuklären, dem diese Dinge noch nicht klar sind – und ob dieser Zuschauer, den Weg zu diesem Behufe ins Kino findet, ob der nicht lieber sich im Autohaus von einer Verkäuferin bezirzen lässt.

Das Motiv des Plakates, das die Glücksgefühle verspricht, wird überstrapaziert, kommt zu häufig vor. Serge Bonneur (Walter Hess) als Glücksguru wird nicht komödien-, sonderb vhs-haft belehrend eingesetzt. Man kommt sich unweigerlich vor wie in der Volkshochschule, die einen über falsche Glücksbringer oder die Werbung der Autoindustrie aufklären möchte. Stern gibt den gesellschaftlichen Beobachter, der das Beobachtete mit der Pinzette anfasst und sauber präsentiert; nur wird dadurch leider keine Komödie daraus.

Diese überhebliche Position wird auch erkennbar an der Opernarie, die Stern über Impressionen von einer Hundewiese legt. Was sind wir doch erhaben über Hündischem.

Auch die Benennung der zugelaufenen Hundes als Kurt in Form einer Hommage an Kurt Cobain wirkt intellektuell überheblich. Wir machen hier ganz große Kunst, alles ist kunstdurchdrungen, da müssen die Fernsehredakteure und Filmförderer die Gelder fließen lassen, sie können sich doch keine Blöße geben.

Es scheint eine massive Diskrepanz zu herrschen zwischen den Ideen des Regisseurs und Autors und dem, was er herstellt. Diese Diskrepanz zwischen Können und Selbsteinschätzung ist nicht geringer als bei Amerikas Präsident Trumps Selbsteinschätzung von sich als Politiker.

Story.
Hans (Justus von Dohnany – der könnte Komödie!) wird gekündigt und erhält eine Abfindung. Damit kauft er einen Bentley. Seiner Frau Yvonne (Juliane Köhler, sie kann Komödie nicht!) und seiner Tochter Laura (Ricarda Zimmerer) erzählt er nichts davon. Laura (15) möchte, dass ihr Freund Fabi (Ben Cervilla Fischer), 17, bei ihr schläft. Vater findet das zu früh. Der Familie läuft ein Hund zu. Sie nennen ihn Kurt. Er bringt Gefühl und eine Idee von Glück in die Familie. Detailliert zeigt der Film, wie Hans Aushangzettel herstellt und verteilt, auf denen der Hund ausgeschrieben ist. Dann überfährt Hans mit dem verschwiegenen Bentley den Hund und vergräbt ihn im Wald. Inzwischen hat er Mike (Georg Friedrich) kennengelernt. Der soll gegen Bares der Familie beichten, dass er den Hund überfahren hat. Diese Geschichte nimmt eine Wendung, die den Film einen Moment lang interessant macht und kurz an Pasolinis Teorema erinnern lässt: wie Mike als Besucher, der die Familie mit den erkalteten Gefühlen wieder in Wallung bringt, Hoffnung verspricht. Jedoch verflüchtigt sich der kleine Storyansatz schnell wieder.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers für diese Geldverschwendung für die Katz!

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Punktuelle Einblicke in das hochkomplexe und längst nicht gelöste Problem der Ernährung der Menschheit.

Obwohl noch 40 Prozent der Weltbevölkerung Bauern (somit meist Selbsternährer) sind, während in Europa mit seiner industriell-marktwirtschaftlichen Agrarlandschaft es nur noch zwischen 2 und 5 Prozent sind.

Das Hauptaugenmerk von Robert Schabus, dem Macher dieses Filmes, liegt auf der mittelständisch industriellen Landwirtschaft, die Investitionsbetriebe in rasanter Entwicklung sind: einem Eierproduzenten mit 65’000 Legehühnern in Bodenhaltung und etwa 56’000 Eiern pro Tag, die vollautomatisch aus dem Stall geholt und abgepackt werden, einem hochmodernen Schweinemastbetrieb mit 1300 Mastplätzen sowie einem Milchbauern mit 130 Milchkühen (maximale Automatisierung bis hin zum Melken).

Diesen drei Industriebetrieben stellt Schabus einen Milchbauern mit 40 Milchkühen gegenüber, der nach biologischen Richtlinien arbeitet, eine Biobäuerin, die mit ihrem Mann Gemüse, Schafe, Wein und Getreide selbst anbaut und direkt vermarktet, sowie einen Biobauern im Vorarlberg, der die Direktvermarktung über den Hofladen und die Hauslieferung von Gemüsekisten betreibt.

Zwischendrin kommen Forscher, Funktionäre, Politiker, Verbandsleute in kurzen Statements zu Wort zu den Themen Subventionierung, unsinnige Auswirkungen der EU-Agrarpolitik (die der entsprechende EU-Minister wortgewandt wie ein schmieriger Advokat als Erfolg darstellt und ausbauen möchte, ein Gläubiger des Marktradikalismus), die Auswirkungen der Freigabe des Milchpreises, zu den Auswirkungen von TTIP, das Diktat der Lebensmittelhändler und die Angst der Bauern, ausgelistet zu werden, wenn sie Kritik üben, über Neoliberalismus und totale Regulierung und die Krux von beidem, über Wachstumswahn.

Die Kamera von Lukas Gnaiger setzt lustvoll von der Drohne über die GoPro bis zur Steadycam alles ein, was einzusetzen ist, immer im Sinne einer spannenden und vor allem informativen Fotografie, sie nutzt die Effekte der Mechanisierung der modernen Landwirtschaft entsprechend aus und bevor sie auf die Gehöfte geht, nähert sie sich ihnen gerne aus der Luft, umkreist sie, so weiß man dank dieser establishing Shots auch, wo man sich befindet.

Positiv an der Auswahl der Höfe ist, dass sie alle die Tiere nach den gesetzlichen Vorschriften der Artgerechtigkeit halten, dass uns also extreme Horrorbilder erspart werden, wie sie gerne kontrastierend zur harmonischen Ernährung in die Ernährungsfilme eingesetzt werden, von sich killenden und toten Hühnern, von gestörten Schweinen und ausgemergelten Kühen, die einem jeden Appetit auf Fleisch verderben.

Die Produzenten dieses Filmes sind im Genre des Ernährungsfilmes bewandert und erfolgreich: More than Honey oder „We feed the World“. Die traurige Info: aktuell gibt es eine hohe Selbstmordrate unter Bauern.

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