Author Archiv

Zwei großartig erzählte Vertreibungsgeschichten, die auf den Genozid der Türkei an den Armeniern und auf die Naziherrschaft in Frankreich referieren, eine makellose, italienische Mutterreflektion, zwei restaurierte Meisterstücke der taiwanesischen Kinogröße King Hu von 1971 und 1967, ein beeindruckendes Biopic der charaktervollen Latinosängerin Chavela Vargas, der komödiantische Röntgenblick auf den Katzentisch bei einer Hochzeit aus Amerika, das Biopic eines weltberühmten Pariser Fotografen und ein stimmungsvoll erzähltes Coming-of-Age aus Berlin bilden einen markanten Strauß aus durchs Band empfehlenswerten Neustarts. Und dann trudelte mit Sperrfrist noch Bully Herbig auf der Suche nach der Frische seines stehengebliebenen Humors ein.

THE PROMISE – DIE ERINNERUNG BLEIBT
Der Genozid an den Armeniern bringt die Lebensplanung von Michael durcheinander.

EIN SACK VOLLER MURMELN
Murmeln begleiten den kleinen Joseph auf seiner Flucht durch Frankreich vorm Naziterror.

TRÄUM WAS SCHÖNES – FAI BEI SOGNI
Belphegor und das Mutterdilemma.

A TOUCH OF ZEN
Konfuzius, die chinesische Kampfkunst und die iridsch-kaiserlichen Palastintrigen.

DRAGON INN
Kein Konfuzius weit und breit um das entlegene Wirtshaus, aber die Ausläufer der Machtkämpfe am Kaiserhof wachsen bis hierher und wüten was das Zeugs hält.

CHAVELA
Die Latinosängerin mit der kristallklaren Stimme und der famosen Alterskarriere.

TABLE 19 – LIEBE IST FEHL AM PLATZ
Wer allein auf eine Hochzeit eingeladen ist und nicht mit Partner oder Partnerin angeben kann, der hat ein Problem. Dessen nimmt sich dieser Film mit komödiantischen Mitteln und soziologischem Röntgenblick an.

ROBERT DOISNEAU – DAS AUGE VON PARIS
Biopic aus familärer Innensicht. Die Enkelin galoppiert im Schnelldurchlauf durch das Leben ihres berühmten Opas und faszinierenden Fotografen.

TIGERMILCH
Defloration als Sommerferienziel zweier Berliner Gören.

BULLYPARADE: DER FILM
Der Abspann zeigt’s: das Team hatte beim Drehen viel Spaß.

Comments Keine Kommentare »

Humor ist eine anstrengende Sache, besonders wenn es sich wie hier bei Michael Herbig unter Drehbuchmitarbeit von Christian Tramitz und Sky du Mont um dessen Rekonstruktion von anno dunnemals handelt und wenn die Zeit sich deutlich schneller entwickelt hat als der Humor dieser älteren Herrschaften. So etwas kann nicht zünden.

Tut es auch nicht. Hatte es einmal vor Urzeiten: die Bullyparade im Fernsehen anno 1997, noch im letzten Jahrtausend und der Schuh des Manitu (damals gab es noch einen Bernd Eichinger, erinnert sich wer?) anno 2001 ein gigantischer Kinoerfolg, aber das neue Jahrtausend und das Internet steckten gerade mal in den Kinderschuhen, Social Media gab es noch gar nicht.

Was die Menschheit allein seither alles erfunden und durchgemacht hat, was sich alles verändert hat, da haben vorher hundert oder tausend Jahren nicht gereicht. Mit diesen Entwicklungen kann Bullys Humor nicht mithalten. Er wirkt wie stehengblieben.

Bully macht immerhin als Winnetou spürbar, dass er einen im deutschen Kino seltenen Charme versprühen kann.

Der Film durchquert in Abschnitten verschiedene Bully-Universen: erst die Winnetou-Phase, dann folgt eine zähe, uncharmante und unlustige Sissy-Phase abgelutschter Travestie, bald sind Bully und seine Kumpanen in New York und grad aus dem Knast entlassen, das spielt bereits in der IT-Zeit. Hier wird besonders deutlich, wie Bully und Konsorten dieser modernen Zeit keinen Witz abgewinnen können.

Schließlich beamen sie sich noch in Science-Fiction-Weite, die beim berühmten Käptn Spock stehengeblieben und zudem vertüdelt ist und erfinden ein Frauenuniversum, das von Alice Schwarzer noch nichts gehört hat, und dem sie weder so noch so Humor abgewinnen können.

Weil alles so trostlos ist, überladen sie den Abspann mit Müll vom Drehort, der uns deutlich machen soll, dass das Team beim Drehen vor Lachen oft Szenen nicht zu Ende spielen konnte. Wenigstens haben die sich beim Dreh amüsiert.

Der Chose-Sauce-Mayonnaise vorangestellt wird ein Sketch, der etwas mit dem Mauerfall zu tun hat, unklar wieso.

Eine gewaltige Disproportion wird generell augenfällig zwischen den großen Kinobildern von Torsten Breuer und dem kleinen Witz, den sie transportieren.

Selbstverständlich steht es jedermann frei, Kinoeintrittsgeld für diese Altherrenveranstaltung zu bezahlen, für ihre Selbstbelustigung einen Mitleidsobulus ihnen zukommen zu lassen, davon soll hier niemand abgehalten werden.

Comments Keine Kommentare »

Die Menschen tun unvorstellbare Dinge in Hotelbadewannen.

Hochzeit ist immer ein Statement und Prärogativ für Paarung. Wer auf dem Hochzeitsbankett als Paar auftritt, der erfüllt die Kriterien, der ist in, der ist salonfähig, der ist respektiert.

Wer niemanden hat, der gehört zu den vernachlässigbaren Erscheinungen, zur Komparserie, gut genug, einen Obulus zu entrichten, wie es an einer Stelle heißt, deren Abwesenheit würde aber auch nicht weiter auffallen. Es sind die Gäste vom Katzentisch.

Der hat in diesem Hochzeitsfilm von Jeffrey Blitz nach dem Drehbuch von Mark und Jay Duplass + 2 die titelgebende Nummer 19, wodurch er ganz gegen seine Definition ins Rampenlicht gerät und einen komödiantisch soziologischen Röntgenblick auf diese Randfiguren erlaubt. Dabei werden der Komödie zuliebe komplexe Differenzierungen der Figuren in den Hintergrund geschoben.

Eloise (Anna Kendrick mit dem charmant-angewiderten Finsterblick) sitzt da. Sie war bis vor kurzem mit dem Bruder der Braut, ihrer besten Freundin, liiert. Und sie ist schwanger von ihm. Sie muss auf die Zähne beißen.

Das müssen andere auch, so dass viele Gegenstände im Raum und auch die mehrstöckige Hochzeitstorte dauernd Begegnungen mit ungeschickten menschlichen Bewegungen ausgesetzt sind und zu Fall gehen.

Pikant ist, dass Eloise unwissentlich einen Fleurt mit dem Bräutigam der parallelen Hochzeitsfeier in dem Hotel anfängt.

Am Katzentisch sind ferner die Kepps, die sind immerhin verheiratet, ohne die Lüste dieser Existenzbindung noch genießen zu können, sie betreiben eine Pommesbude und fragen sich, wieso sie nicht an einen prominenteren Tisch platziert worden sind. Mr. Mann (Charles Green) sitzt hier, der vorsorglich, wenn er sich vorstellt, immer gleich hinzufügt, er sei ein erfolgreicher Geschäftsmann und wenn er etwas gefragt wird, stiert er erst mal irritiert geradeaus – eine etwas merkwürdige Umschreibung für seine aktuelle Lebenssituation und seine Vergangenheit; er ist solo, lebt in einer WG mit einem unangenehmen Zeitgenossen.

Dann ist da noch Renzo Eckberg (Tony Revolori), der mit den weit geöffneten indischen Augen und manchmal einer etwas zu direkten Sprache. Er ist mutterabhängig, steht über Handy ständig in Kontakt mit ihr und soll womöglich eine Frau kennen lernen.

Nicht zu vergessen die alte Nanny der Braut (June Squibb), die alles im Blick hat. Die Brautmutter, eine Alkoholikerin, die erkennt sie nicht mal mehr. Aber sie macht aus allem das Beste.

Irgendwann verdrückt sich die 19er Truppe aus dem Bankettsaal, es vermisst sie eh keiner, teils unterhalten sie sich in Zweiergruppen, lernen sich kennen, schütten ihr Herz aus, geben Ratschläge oder lernen sich wieder lieben, wie die Kepps; dann landet die Bande im Zimmer der Nanny. Diese hat Joints anzubieten. Eloise checkt auch gleich, wo sie die her hat.

Ein Hochzeitsfilm der besonderen Sorte, minderheitenfreundlich, wohldurchdacht. Vom Brautpaar ist kaum mehr als ein Komparsenaufritt zu sehen. Ein Hochzeitsfilm ganz ohne die üblichen Hochzeitsbilder und dafür mit menschlichen Geschichten, die mit komödiantischen Elementen etwas überzeichnet und vereinfacht werden. Die deutsche Synchro schmiegt sich nahtlos ein. Ein subversives Votum fürs Außenseitertum.

Comments Keine Kommentare »

Kurz, schmerzlos, informativ ist diese Innenansicht eines Biopics des berühmten Fotografen Robert Doisneau durch seine Enkelin Clémentine Deroudille.

Sie ist mit ihm aufgewachsen in einem Haus, das Familienort und Atelier zugleich war. Und es war eine Selbstverständlichkeit, dass seine Familie seine Modelle spielten bei inszenierten Fotos. Wenn er Fotos entwickelte im Badezimmer, so konnte nicht gebadet werden.

Das Haus, das er damals mit seiner Frau Pierrette als Wohn- und Atelierhaus bezog, beherbergt heute das Archiv mit seinem Bildern, die Nachlassverwaltung, die in den Händen der Nachfahren ist.

Clémentine Deroudille prescht nach der Chronologie durch das Leben ihres Opas, der, so sehr er die Familie mochte, praktisch immer am Arbeiten war. Geboren ist er 1912, gestorben 1994 als weltberühmter Fotograf, mit Sammlern und Galerien in aller Welt, was ihn selbst wohl am meisten amüsierte, wie die Enkelin meint.

Er hat das Leben und die Fotografie ernst genommen, aber nicht tierisch ernst. Er wird als humanistischer Fotograf bezeichnet. Er hat keine Berührungsängste zu den verschiedensten Genres, Titelbilder für Life oder die Vogue, Modefotografie oder auch Architekturfotografie vorstädtischer Hochhäuser. Ganz am Anfang war er 5 Jahre lang bei Renault als Werksfotograf tätig mit Stempelkarte.

Dann macht er sich selbstständig mit seiner jungen Frau. Ein Thema, was sein Werk durchzieht, ist Paris, sind seine Vororte. Er freundet sich mit anderen Künstlern an, Fotografen, Schrifttsteller, Schauspieler, er gibt Bildbände heraus.

Ein inszeniertes Straßenfoto, ein küssendes Paar mitten in Paris, hat erst Jahre später Furore gemacht, ist weltberühmt geworden, so weit, dass sich Leute das Bild sogar auf die Haut tättowieren ließen.

Der Film ist ein Schnelldurchlauf durch sein beeindruckendes Werk. Dies ergänzt durch Archivfootage von Interviews bis zur Talkshow mit Susan Sonntag, von Dokumenten über ihn als Fotografen und von Statements seiner Tochter, einer Schauspielerin, eins Sammlers, einer Galeristin etc, alles knapp und bündig und generell in schnellem Redetempo, es sprudeln die Texte und Paris sprudelt aus den Bildern in diesem Film über die Leinwand.

Ursprünglich will er die aussterbende Kunst des Kupferstechers lernen – wie signifikant. Bemerkenswert und charakteristisch ist, wie er die Naziokkupation fotografiert: er weigert sich, die Besatzer und ihre Insignien abzulichten, stattdessen leere Straßen oder ein Pferd, das auf dem Boden liegt. Da könnte sich so manch einer ein Beispiel dran nehmen in den heutigen Medien, mit welchem Brimborium die heutigen Tyrannen und Usurpatoren in die Medien und auf die Titelseiten gelangen, wie leicht es ist als Terrorist, auf die Titelseiten zu gelangen – zuletzt wieder Putin (oder ein Körperdouble von ihm) mit nacktem Oberkörper. Doisneau hat dem Bösen keinen roten Teppich ausgelegt.

Was ist die Fotografie heute dokumentarisch noch wert, heute, wo jeder mit seinem Handy alles einfangen kann?

Doisneaus Leitfaden für den Fotografen, er habe zu sein: neugierig, ungehorsam, geduldig.

Familienmensch vor Karrierist: wie seine Frau ins Pflegeheim kommt, nimmt er nur noch Aufträge an in einem Radius von Zuhause, der es ihm ermöglicht sein Frau auch mittags zu besuchen.

Comments Keine Kommentare »

Gegen den Schmerz ansingen.

Die Kindheit in Costa-Rica der 1920er Jahre war nicht der Hit für Chavela Vargas. Von der Mutter nicht anerkannt als ‚boyish Girl‘, Scheidung der Eltern und dann bei Onkel und Tante aufgewachsen, rebellisch dazu.

Um sich durchzusetzen muss sie mehr Macho sein als die lateinmerikanischen Männer – und trinkfest. Sie träumt von Mexiko, dort sieht sie ihre Zukunft. Das mit Schmuck und femininen Frauenkleidern hat nie richtig funktioniert.

In den 30ern geht sie nach Mexiko, blüht auf, fängt an zu singen aus tiefen Seelengründen. Sie fasziniert das Publikum, sie und zwei oder drei Gitarrenspieler genügen. Sie hat Erfolg.

In den 50ern in Acapulco. Da tummelt sich die amerikanische Prominenz ungeniert und nicht gestört von Papparazzis. Chavela verführt die Frauen der Prominenten. Sie ist eine bekannte Sängerin.

Dann Absturz, Alkohol und zwanzig Jahren Elend. Bis ein Schamane sie heilt, sie eine Verbindung zu Spanien schafft und eine fabelhafte zweite Karriere draufsattelt mit ihren lateinamerikanischen Liedern und die großen und berühmten Hallen und Säle von Paris bis Mexiko füllt.

Den Schmerz kann sie nie vergessen. 2012 stirbt sie und wird unter großer Anteilname der Bevölkerung in Mexiko beerdigt.

Catherine Gund und Aresha Kyi bringen intutiv durch die Anteilnahme an diesem eindrücklichen Schicksal und dieser einmaligen, kristallklaren Stimme einen unwiderstehlichen Sog in ihre Dokumentation. Sie bringen viele Lieder von Chavela. Die Statements von anderen Sängerinnen, Autorinnen, Agentinnen, Ex-Freundinnen und Pedro Almodovar sind kurz und erträglich, da ab und an Chavelas Songs drüber weiterlaufen.

Wie immer bei solchen Dokus übt das Archivmaterial ein speziellen Reiz aus. Es reicht zurück bis ins Costa Rica der 20er Jahre, Mexiko, Acapulco, schwarz-weiß Filme wie auch Fotos.

Die spanischen Liedtexte werden in gut leserlicher Handschrift auf Englisch übersetzt.

Ein zwingender Film für Musik- und Latinofans und auch für die mit Genderthemen Befassten, obwohl sie es lange hasste, sich selbst eine Lesbe zu nennen. In ihrer obersten Karrierenstufe ist sie in einer Art Poncho aufgetreten, die Abende gingen an die Grenze von Meditation und Katharsis.

Comments Keine Kommentare »

Defloration
ist das Sommerferienziel der beiden dicksten Freundinnen Nini (Flora Thiemann) und Jameelah (Emily Kusche), die sich im unsinnigsten Alter befinden. Da sie es ohne Liebe und rein technisch ausprobieren wollen, es geht lediglich um den Vorgang der Defloration, ist das als dramaturgisches Ziel für einen Spielfilm etwas dünn, was solls, fabelhaft an der Inszenierung von Ute Wieland (Besser als nix, Freche Mädchen-2, FC Venus) nach dem Roman von Stefanie de Velasco ist ihre Nähe zu den Menschen, ist dieses Inszenieren und dieses ‚Bilder so locker mit der Kamera schießen wie aus dem Handgelenk‘ und so eine markante Authentizität erzeugend, wie nach dem wahren Leben.

Nini ist die Icherzählerin, die ab und an auch einen Voiceover-Kommentar loslässt. Sie stammt, das geht allerdings mit ihrem Schauspieler-Typ nicht ganz zusammen, aus fetten Proloverhältnissen mit einem Stiefvater, während Jameelah ein Irakflüchtling ist und mit ihrer Mutter akut von der Abschiebung bedroht.

Sie wohnen beide in Wohnblocks mit viel Radau und Remmidemmi und vor dem Haus von Jameelah passiert sogar ein Ehrenmord und Nini und sie werden Augenzeuge davon. Sie halten erst mal still. Wie es sich gehört, es sind Serben, gesteht der kleine, noch nicht strafmündige Bruder des Mörders die Tat.

Die Themen mischen sich wie in einer Wäschetrommel, es kommt noch Schule hinzu, Männeranmache auf dem Strich und auch deren Abzocke und ein Gefängnisbesuch beim kleinen Nicht-Mörder.

Das mag in einem Buch als Literatur wunderbar funktionieren, ergibt aber Probleme im Kino, wenn das Buch vermutlich einfach so Kapitel für Kapitel oder Abschnitt für Abschnitt in Spielszenen übertragen wird.

Hier ist besonders problematisch, dass es die Geschichte der beiden dicksten Freundinnen ist, sie aber aus der Sicht der einen erzählt wird, formal, dass aber das Drehbuch darauf verzichtet hat, dem Film die Sicht radikal auf diese Darstellerin, auf Nini, zu lenken.

Wobei das Abschiebeproblem just nicht ihres, sondern das ihrer Freundin ist. Hinkommt ein meiner Ansicht nach gravierender Casting-Fehler, dass nämlich Emily Kusche, die gar nicht die Progatonistin ist, die deutlich stärkere Leinwandpräsenz hat als Flora Thiemann.

Durch den Verzicht auf den Nachvollzug der subjektiven Entwicklung der Hauptfigur, die noch dazu merkwürdig wenig zu den Verhältnissen, die ihr zugeschrieben werden, hineinpasst, außer dass sie darunter leidet, dass der Vater weg ist, auch ein weggeschummeltes Problem, wird auf ein elementares Spannungsmoment des Kinos verzichtet und die Arbeit ins TV verwiesen.

Die Behauptung kann noch unterstützt werden, dass der Hinweis auf die Benutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr dermaßen dick und pädagogisch aufgesetzt wirkt, dass ihn offenbar der dümmste Fernsehrredakteur oder Filmförderer kapiert.

Die Geschichte mit der Abschiebung verlässt die Subjektive von Nini, auch sie wird mit dem kirchlichen Helferkreis aufgebauscht und so deutlich wie der Helfer die Unterlassung des Klagens durch die Flüchtlinge erklärt, das hat mit Kino kaum mehr zu tun, das tendiert in Richtung Volkshochschulkurs oder Helferlehrfilm, vermutlich auch im Hinblick auf besagte Fernsehredakteure und Filmförderer – wenn es ums Geld geht, sind diese die einzigen, die den Film verstehen können müssen.

Den Fernseheindruck verstärken ein paar blasse, deutsche Jüngelchen, die wohl auch dem Fernsehen entlaufen sind. Maalala-Plakat als Referenz. Schöner Satz, dass Erwachsene nicht richtig lebendig wirken – das fängt schon bei der Jugend an, siehe die TV-Jüngelchen. Trotzdem schön lebendig: das Reenactment Berliner Lebens.

Comments Keine Kommentare »

Wie kann Völkermord im Kino erträglich geschildert werden?

Großes, episches Erzählkino, gekonnt, gefühlvoll, spannend und – politisch hochbrisant, auf jeden Fall in der Türkei, da in ihr zur Zeit vergleichbare Prozesse von Diskriminierung und Verhaftung von Journalisten ablaufen (ob allerdings die Botschafter der westlichen Länder beim Innenministerium in Ankara ebenso bestimmt und beherzt auftreten, wie der amerikanische Botschafter in diesem Film, muss nicht als ausgemacht gelten).

Der Film dürfte in der immer diktatorischer geführten Türkei kaum öffentlich zur Aufführung freigegeben werden.

Das titelgebende Versprechen ist ein Hochzeitsvesprechen. Michael (Oscar Isaac) ist ein begabter, medizinisch interessierter junger Mann, schöner Mann dazu, filmschön, filmattraktiv. Er möchte in Konstantinopel Medizin studieren (wir schreiben das Jahr 1914 und befinden uns in der südtürkischen Stadt Siroun). Von Hause aus hat er das Geld nicht. Also verspricht er Maral (Angela Sarafyan) die Hochzeit; für die Mitgift (400 Golddukaten) will er in Konstantinopel im Schnelldurchgang statt in drei in zwei Jahren Medizin studieren, um dann zurückzukehren, sie zu heiraten und in seiner Heimatstadt ein Spital aufzubauen. So weit das Versprechen. So weit die Pläne.

Konstantinopel, die hochtourige Metropole, das auseinanderbrechende osmanische Reich, die Politik werden der Einlösung dieses Versprechens in die Quere kommen. Und auch andere menschliche Horizonte und Begegnungen.

In kurzen, griffigen Szenen schildert Terry George, der mit Robin Swicord auch das sorgfältige Drehbuch geschrieben hat, das Leben in Konstantinopel, Studentensituationen, die Beziehungen über die Heirat zu einem Onkel, die Begegnung mit Ana (Charlotte Le Bon), die die Kinder des vermögenden Onkels in Ausdruckstanz unterrichtet, den Associated-Press-Journalisten Chris Meyers (Christian Bale) und den Mitstudenten Emre Ogan (Marwan Kenari), dessen Vater ein hoher Politiker ist und der nur Medizin studieren will, um nicht in den Militärdienst eingezogen zu werden.

Dieses Merkmal der unterschiedlichen Interessen an der Medizin schildert eine keine Zweifel übrig lassende Szene aus der Pathologie.

Die Gefühle explodieren zwischen Ana und Michael, obwohl er doch Maral die Hochzeit versprochen hat und auch weiß, dass Ana mit dem Journalisten Chris ein Verhältnis hat.

Terry George schildert das viel weniger groschenhaft, als sich das in dieser verkürzten Wiedergabe möglicherweise liest.

Es machen sich die ersten Anzeichen des Armenier-Progroms bemerkbar. Das betrifft unseren Protagonisten, seinen Onkel und Ana direkt, da sie Armenier sind. Und es betrifft den Journalisten, der darüber berichten möchte, es betrifft den Studienkollegen Ogan, der mit diesen Leuten befreundet ist.

Die politisch rasant sich verschlechternde Lage bricht jetzt brutal in die Planungen von Mikael ein, treibt ihn auf gefährlichen, abenteuerlichen Wegen inklusive Gefangennahme und Mitansehen von Greueln, mit Zwangsarbeit und Flucht wieder zurück in seinen Heimatort.

Auch in Siroun ist alles in Aufruhr, in Gefahr. Aber da es sich um einen Liebesfilm handelt, von einer großen Liebe, die allerdings selbst ständig gefährdet hautnah am Völkermord der Armenier stattfindet, findet diese Geschichte, damit sie überhaupt irgendwie erträglich wird, ein relativ glückliches Ende.

Thema: Völkermord im Kino erträglich zu machen durch Abfedern mittels einer großen Liebesgeschichte.

Comments Keine Kommentare »

Flucht – eine hochaktuelle Angelegenheit.

Vielleicht ist es die Sicht aus Canada des Regisseurs Christian Duguay (Sebastian und die Feuerretter, Jappeloup – eine Legende), die seine Verfilmung der Fluchtgeschichte vor den Nazis nach dem Drehbuch von Jonathan Alllouche + 7 in den Jahren 42 – 45 aus Paris so lebendig und vor allem so aktuell erscheinen lässt.

Sicher trägt dazu bei, dass Duguay die Klippen von Schuldbewusstsein und schlechtem Gewissen und Nie-wieder-Panik, über die so viele deutsche Nazizeitverfilmungen stolpern, wie in kinematographischer Kurzschrift vorträgt. Er hält sich nirgend lange auf, ohne den Eindruck von Gehetztheit oder der Konzession ans Fernsehen zu erwecken.

Sein Trick funktioniert, dass er gerne über szeneentscheidende Details oder ganz klare Blicke erzählt, dass er sich sehr genau überlegt, was das Erzählwesentliche einer Szene ist. Das fängt schon im elterlichen Frisiersalon der Familie Allouce in Paris an. Es ist eine jüdische Familie, die in der Elterngeneration bereits eine Fluchtgeschichte aus Russland hinter sich hat.

Zwei der Söhne sind schon groß gewachsen, wollen auch Frisöre werden, die jüngeren zwei Brüder sind noch halbwüchsig. Der kleinste Joseph (Dorian le Ciech) ist noch ein richtiger Bub. Er hat die Geschichte später aufgeschrieben. Sie ist die Grundlage für das Drehbuch.

Dass die Geschichte glücklich ausgeht, wird von Anfang an klar. Jo kehrt 1944 nach Paris zurück, nach Clignancourt und überlegt sich, ob alles noch so sei wie vorher, es kommt ihm kleiner vor, er fragt sich, ob er vielleicht größer geworden sei.

Dann springt die Erzählung zurück ins Jahr 1942. Für die Juden wird es bald schon gefährlich in Paris. Noch frequentieren deutsche Offiziere den Salon von Vater Roman (Patrick Bruel), lassen sich rasieren.

Die Mutter, eine begeisterte Geigerin, wird gespielt von Elsa Zylberstein. Der alte Kinematographenkniff, die Rasur spannend zu machen mit Nahaufnahme auf die Kehle des Kunden und anschließender Nahaufnahme auf das scharfe Rasiermesser, oder umgekehrt, funktioniert hier als Szeneessenz erzählendes Detail: noch könnte der Friseur seinen Feind…

Schmerzhaft ist die Szene, wie der Vater seine beiden jüngeren Buben coacht, wie sich bei Befragungen durch die Nazis zu verhalten, wie keine Ohrfeige sie vom Lügen abhalten darf. Das wird sich später im Film in Südfrankreich als überlebenswichtige Hilfe erweisen.

Die Familie muss sich trennen, um auf verschiedenen Fluchtwegen in den Süden zu gelangen, wo die Nazis noch nicht sind. Der Film bleibt bei den beiden Buben, Jo und Maurice (Batyste Fleurial), die nur mit Umhängetasche ausgerüstet, genügend Bargeld und einem Routenplan, den auf keinen Fall jemand zu Gesicht bekommen darf, losgeschickt werden.

Erst müssen sie den Zug nehmen. Sie sind zu spät dran. Am Zielort filzen schon die Nazis die Passagiere. Flucht, das bedeutet, ständig wachsam sein, sich wieder verstecken, sich mit Menschen einlassen, von denen man nicht weiß, ob man ihnen trauen kann, wie dem Schleuser am Ende der Bahnfahrt, der sie in eine befreite Zone lotsen soll.

Ständig denke ich bei diesem Film daran, dass auch heute noch weltweit zwischen 50 und 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind mit der Hoffnung auf einen sicheren Hafen. Und dass dabei die Überlebenslüge das A und das O sein kann. Das gilt nicht nur im Hinblick auf das Judentum, das kann eine ethnische Minderheit sein, eine religiöse Minderheit.

Dabei kann so eine Flucht voller Fallen sein, die einem andere Menschen stellen. Vielleicht ist nach diesem Film besser zu verstehen, warum Flüchtlinge ihre Papiere vernichten oder verstecken oder sich falsche besorgen.

Die Lüge kann zwar auch neue Klippen schaffen. Wie bei der raffinierten Befragung durch einen Nazioffizier die beiden Buden standhaft ihre Geschichte von katholisch-algerischer Herkunft verteidigen, bis Maurice dummerweise behauptet, er sei in Nizza getauft worden, worauf ihm der Offizier einen Passagierschein und zwei Tage Zeit gibt, den Beweis dieser Taufe aufzutreiben und vorzulegen.

Lügen will gelernt sein. Der Mensch auf der Flucht eignet sich ganz andere Fähigkeiten an als der Mensch in einer ordentlich-bürgerlichen Laufbahn – das können wir uns nicht deutlich genug bewusst machen.

Doch die Fluchterfahrung lehrt auch, dass es immer wieder Menschen gibt, die anderen Menschen in so einer bedrängten Situation helfen. Die Bewandtnis mit dem Titel ist die, dass Jo seinen Judenstern gegen einen Sack voll Murmeln von einem Mitschüler eintauscht. Die, resp. eine Murmel davon, wird im Laufe des Filmes immer wieder eine Rolle spielen, wie es sich für eine schöne und schön erzählte Geschichte gehört.

Die leicht Musik wirkt belebend wie die Kohlesäure im Sprudelwasser, gibt dem Erzählfluss ein zusätzlich leichtes Cachet, dass hier nicht dröge Erinnerungskultur betrieben wird, sondern eine Geschichte erzählt aus einer grauenhaften Zeit, in der das Menschliche nicht ganz ausgestorben ist.

Comments Keine Kommentare »

Restaurierte Fassung des Filmes von King Hu von 1967.

China im 8. Jahr der Herrschaft des Ming-Kaisers Jingtai, 1457 n. Chr.
Die Palasteunuchen haben die Herrschaft übernommen. Sie kontrollieren den Kaiserhof und die zwei größten Geheimorganisationen: den Ostdienst und die Kaiserliche Garde —- beide skrupellos und gnadenlos. Allein ihre Erwähnung versetzt das Volk in Angst und Schrecken. Ihr zweiter Kommandeur: Mao Zongxian. Der oberste Kommandeur: Pi Shaotang,. Gut ausgebildete Kämpfer, die vor keiner Tat zurückschrecken. Oberhaupt: Eunuch Cao Shaoqin (in der Sänfte), unvergleichlicher Schwertkämpfer. Alle Würden- und Amtsträger erzittern bei seinem Anblick.

Das sind die Infos, die in den ersten anderthalb Minuten auf den Zuschauer einprasseln, in diesem Film von King Hu von 1967, der jetzt vom „Taiwan Film Classical Digital Restauration and Value-Adding Project“ im Auftrag des Kulturministeriums beim Chinese Taipei Film Archive neu herausgebracht wird.

Beim Betrachten des Getues und des Sich-Aufführens dieses präpotenten Eunuchen, muss man nicht weit suchen nach heutigen, wütenden Eunuchen: Putin, Erdogan, Assad, Trump ……

Heute beobachtet der Eunuch die Hinrichtung eines loyalen Lehrers eines Prinzen.

Das Prinzip ist ähnlich wie im anderen restaurierten King-Hu-Film Ein Hauch von Zen: Miese Usurpatoren haben den Kaiser entmachtet und verfolgen mit verschiedenen Geheimdiensten die lebenden Überbleibsel der „guten“ Macht.

An einem äußersten Zipfel des Kaiserreiches spiegeln sich die Machtkämpfe wieder, kumuliert und verdichtet sich das Aufeinandertreffen von Protagonisten, Flüchtlingen, Verfolgern.

Während allerdings bei „Ein Hauch von Zen“ über allem die philosophische Frage von Gewalt und Gewaltlosigkeit schwebt, Konfuzius, geht es hier, einem früheren Film von King Hu, irdischer zu und her, kneipenhafter, denn der Punkt weit außen im Kaiserreich ist die „Herberge zum Drachentor“.

Hier treffen sie alle aufeinander, die verschiedenen Geheimdienste, Einzelkämpfer fürs Geld (Xiao, der Darsteller, der schon im „Ein Hauch von Zen“ die geheimnisvolle Hauptrolle gespielt hat), ein Ex-General und Verfemter, der sich als Kneipier zurückgezogen hat in das wüstenhafte Land.

Inspieriert ist der Film sicher vom Genre des Western inklusive Western-Suspense („Ich will seine Schale Nudeln“). Das Innere der Herberge, der Gastraum, ist einem Western-Saloon nachempfunden. Auch die Humorlage ist ähnlich.

Die Darstellung, da es nichts tiefergehend Philosophisches zu verhandeln gibt, neigt zur Klamotte, Hauptsache lustig. Merkwürdige Verbündete paaren sich. Im Count-Down-Duell mit dem usurpierenden Eunuchen, ist auch er, der Negativ-Protagonist, wie schon im „Ein Hauch von Zen“, ein fast überiridisch guter Kämpfer. Und ständig wird über die Entmannung und das Eunuchtentum gefrozzelt.

Dieser Film ist vielleicht eher in der Nähe einer Kneipenunterhaltung anzusiedeln; aber es gibt jede Menge immer wieder variierter Kämpfe und die Briefpost, die kommt hier mit dem Pfeil geflogen. Auch das Kriegslistmoment wird ausgereizt. Ein Film, den man unbedingt im Kino sehen sollte – denn dafür ist er gemacht. Womöglich im Doppelpack mit „Ein Hauch von Zen“, der ebenfalls heute seine Wiedergeburt im Kino erlebt.

Comments Keine Kommentare »

Ein restaurierter Klassiker von King Hu nach der Geschiche von Songling Pu von 1971 aus Hongkong/Taiwan.

Eine bildstarke Ventilation zum Thema Gewalt und Gewaltlosigkeit im Sinne des Zen und von Konfuzius.

Der Film spielt im äußersten Zipfel eines gewaltigen Kaiserreiches, zeigt, wie die Querelen und Machtansprüche und das Durchsetzen der Macht bis in die äußersten Gemarkungen hineindringen und Unfrieden stiften.

Die Hauptfigur ist ein etwa 30-jähriger junger Mann, der einen kleinen Schreib- und Porträt-Laden betreibt („Schriftanfertigung, Bildtafel, Frühlingswunschzettel“) in einer Ortschaft fernab der Weltgeschichte mit einem Fort in Ruinen, ein beschaulicher Ort, an dem jeder jeden kennt.

Ku Shen Kai, so heißt er, lebt noch bei seiner Mutter. Sie drängt ihn, da er mit dem Schreibgeschäft nicht reich werde, eine Beamtenprüfung abzulegen. Das zeigt, wie wichtig staatliche Funktionen sind, wie angesehen und auch wie gut bezahlt. Er aber will nicht.

Der Hickhack der großen Politik fängt an, sich in dem kleinen Ort zu zeigen. Seit einem Monat schon hat sich hier ein neuer Arzt niedergelassen, ein blinder Heiler.

Der Film fängt mit einer Szene an, in der Ku seinen Laden aufmacht und gleich Besuch von einem Fremden erhält. Dem bietet er an, ihn zu porträtieren. Allein wie King Hu diese Begegnung inszeniert, wie er Blicke und Irritationen einfügt, hier ist etwas, was nicht stimmt, sagen die Reaktionen von Ku, der dann schnell wieder zu seiner Professionalität zurückfindet.

Aber etwas bleibt hängen. Wie der Fremde ihn verlässt, geht Ku vor die Tür, beobachtet ihn, verfolgt ihn. Dabei zeigt sich, mit welcher Dynamik King Hu solche menschlichen Beziehungen und Bewegungen inszeniert, wie er mit Energie und Tempowechseln, mit unvermitteltem Stehenbleiben und Richtungsänderung eine Choreographie der Bewegung zeichnet, die als solche allein faszinierend ist, die aber auch die Bedeutung dieses Auftrittes unterstreicht, dass da ein neues Element, ein unberechenbares, irritierendes anfängt mitzuspielen in dem verschlafenen Nest.

Denn es bleibt nicht bei diesem einen Fremden. Auch in der Nachbarschaft von Ku ist eine junge Frau eingezogen, Yang, die Totengeld verkaufe. Die ist unverheiratet, sie wäre im idealen Heiratsalter für Ku. Ku wäre nicht abgeneigt, seine Mutter bemüht sich. Aber Yang will nicht.

Bald ahnt der Zuschauer, dass hier Ausläufer des großen politischen Spiels in dieses Nest eingedrungen sind, auf einmal wimmelt es von Geheimagenten, von Abordnungen des Kaisers.

Ku wird über die Beziehung zu Yang hineingezogen in dieses Spiel, was er doch gar nicht will. Dabei diskutiert er mit seiner Mutter, was Konfuzius gesagt habe, dass man von der Gewalt lassen solle.

Bei meinem Onlinescreening (aber diesen Film sollte man unbedingt in Kino anschauen!) gab es eine Macke mit dem Downlowd, der Film ist immer mal wieder ein paar Sekunden stehen geblieben. Nachdem es mich anfangs geärgert hat, stellte ich plötzlich fest, wie unglaublich spannend jedes einzelne Bild gebaut und komponiert ist. Welch atemberaubender Bildaufbau! Wie die Figuren immer einen Bezug zu anderen Figuren haben, ein Ziel, das sie verfolgen, zu dem sie ausgerichtet sind, einen Gegner, dem sie entweichen.

King Hu unterscheidet dabei auch ganz präzise zwischen statischen Figuren, die das Dorfleben schildern, und solchen, die in die dynamischen, politisch-kriegerischen Verwicklungen einbezogen werden.

Das offenbart eine Kinosicht, eine Schönheit, wie sie wohl nur mit richtigem Film in den 70ern herstellbar war. Wie King Hu die Elemente Dorf, Ruine, romantische Ruinenlandschaft, Garten, verwilderter Garten und dann erst die Natur einsetzt!

Welche Leichtigkeit der Inszenierung von Kämpfen, es gibt ihrer zusehends mehr, vor allem mit Schwertern, aber auch mit spitzen Stiften und Seilen. Und welche Sprünge die Darsteller machen.

Zur Illustration der These von der Gewaltlosigkeit gibt es eine Gruppe von Mönchen, die in einem Koster leben und meditieren und die Kampfkunst üben. Sie sind unterwegs. Sie scheuen nicht vor physischen Auseinandersetzungen zurück. Sie sind stärker, schneller, erfolgreicher im Kämpfen.

Flankierend dazu spielt auch das Thema Aberglaube und Spuk eine Rolle, auch das wird eingangs schon zwischen der Mutter und dem Sohn abgehandelt, wogegen King Hu die rationale Meinungs setzt, dass es Geister und Übernatürliches nur gebe, wenn man daran glaube – und händisch zeigen die Mönche Schwertkämpfern, dass ihr Geist stärker sei. Aber es taucht auch ein Buch auf, betitelt: taoistischer Zauber.

Zudem gibt es ein höchst unterhaltsames Beispiel für psychologische Kriegsführung, die mit dem Aberglauben kalkuliert, aber auch damit, dass dem, der alles weiß, der Sieg sicher sei. Das ergibt weitere, aufregende Bilder, die King Hu großartig zusammenmontiert.

Comments Keine Kommentare »