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Für Bud Spencer vergieße ich nicht nur eine Träne.

Carlo Pedersoli 2015 in Berlin. Foto: Michél Buchmann, CC-BY-SA 4.0. Quelle: Wikipedia

Carlo Pedersoli 2015 in Berlin. Foto: Michél Buchmann, CC-BY-SA 4.0. Quelle: Wikipedia

Nein, der Tod dieses großartigen Mannes rührt mich zutiefst. Er bezeichnete sich selbst nur als Darsteller neben dem ausgebildeten Schauspieler Mario Girotti (Terence Hill).

Er stellte sein Licht stets unter den Scheffel, war stets ehrgeizig und dankbar für seine Karriere.

Er war sich dessen bewusst, dass die von ihm gespielten Figuren nur aufgrund eines skurrilen kosmischen Zufalls erfolgreich waren, und nützte das nicht leidlich aus.

Von ihm stammt das einzige Autogramm, das ich von jemandem habe, den ich dafür nicht persönlich getroffen habe. Ich beneide einen Kollegen sehr, der vor Jahren noch ein Interview mit ihm machen konnte.

Noch vor wenigen Wochen ging ich mit der Idee schwanger, ihm einen Fan-Brief zu schreiben.

Ein erwachsener Journalist schreibt Fanpost an seinen gealterten Kindheitshelden, das hätte schön sein können. Es sollte nicht sein, ich war mal wieder zu langsam, zu bedacht, zu sehr von Ausreden („Gründen“) gehindert.

Deine Filme bereicherten meine Kindheit in einem Maße, wie es nur wenige andere konnten. Ich schulde Dir was.

Ich werde Dich immer in bester Erinnerung behalten, Mücke, Nilpferd, Bulldozer, Banana Joe, Kommissar Plattfuß. Ruhe in Frieden!

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Der alte Matthiesen ist ein Haudegen, wie er im Buche steht. Er säuft, er schießt, er reitet, und er lebt alleine, seit seine Frau und später seine drei Töchter gegangen sind – das war vor zwanzig Jahren. Sein heruntergewirtschaftetes Gestüt irgendwo in der weitesten, extrem hinterwäldlerischen Umgebung von Stralsund ist schon lange hoch verschuldet und obendrein Pferdelos, Matthiesen hat schon lange aufgegeben. Sich, den Hof, seine Töchter, alles.

Da treibt das Schicksal sie alle drei wieder nach Hause, zur gleichen Zeit. Die drei Töchter haben sich ebenfalls die Finger verbrannt, als Autorin, in einem Schiffbaubetrieb und als Modedesignerin. Die älteste hat einen Sohn, Teenager, ein Bulle von über zwei Zentnern, der dabei ist, sich auf die schiefe Bahn zu bewegen.

Als sie alle im heruntergekommenen, aber dennoch sehr wohnlichen Zuhause wieder aufeinandertreffen, gibt es erst einmal Streit – gerade als bayerischer Autor dieser Zeilen erkennt man nur zu gut die Dickköpfigkeit (Sturschädeligkeit) der tief wurzelnden Menschen wieder, die schon in der x-ten Generation an einem Ort, in einer Gegend zuhause sind und die Dinge schon immer auf ihre Art gemacht haben.

Die eigentliche Handlung beginnt damit, dass der schmierige Emporkömmling von Bankdirektor, Sohn des alten Bankdirektors, der, so kann man rückschließen, ein ähnlicher Haudegen gewesen sein musste wie der alte Matthiesen, und diesen auch privat gut gekannt hatte. Der neue will sich profilieren, neuen Wind spüren lassen und natürlich allein im Interesse der Bank nach Lehrbuch vorgehen. Das heißt: Gestüt abwickeln, verkaufen, abreißen, die Menschen sind scheißegal.

Selbst wenn der alte Matthiesen diesen seelenlosen Arsch mit einem Blattschuß auf seinem Grundstück niedergestreckt und damit von seinem – dem sozialen Grobmotoriker selbst natürlich völlig unbewussten – Leid erlöst hätte, wäre der Film eine kleine Genugtuung gewesen. Gerade in den Zeiten des Weitens der Kluft zwischen Arm und Reich eine deutliche Botschaft.

Doch natürlich ist es nicht so simpel und nicht so plakativ. Im weiteren Verlauf des Filmes wächst die völlig versprengte Familie wieder zusammen, überwindet Hindernisse und so weiter – aber alles mit einem wundervollen herben Charme, der obendrein aufgrund der weiten Wiesen und des Themas Gestüt in einer deutlichen Wildwestromantik inszeniert wurde.

Matthiesen wird gespielt von Matthias Habich, die Töchter von Julia Jäger, Ulrike C. Tscharre, Anja Antonowicz, der Bankdirektor von Martin Brambach, der bullige Teenagersohn und Matthiesen-Enkel von Rouven David Israel, und „Onkel“ Gernot, der gezwungenermaßen beste Freund von Matthiesen, von Thomas Neumann. Regie: Titus Selge, Kamera: Martin Langer und Buch: Sathyan Ramesh. Die Musik, die ebenfalls starke Westernmotive enthält, wurde von Dominik Giesriegl komponiert.

Ein überraschend gut funktionierender Fernsehfilm, gar nicht mal altbacken und knöchern, wie so oft als Vorurteil erwartet.

Zu sehen bis 8. Juli in der ARD-Mediathek.

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Keine Sorge, dieser Film läuft nicht gerade im Kino an. Doch manchmal tut es ganz gut, eine plumpe Komödie wie diese außer der Reihe zu sehen, denn: The Night Before ist eine Mischung aus ein ganz klein bisschen „A Christmas Carol“ und recht viel „The Hangover“. Die Geschichte, und das finde ich eben das sympathische, zeigt drei den Drogen nicht abgeneigten Freunde bei ihrem Versuch, mit dem Leben fertig zu werden. Seit Ethan seine Eltern bei einem Unfall verloren hat, verbringen seine beiden besten Kumpels Isaac und und Chris jedes Weihnachten mit ihm, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. Nach über zehn Jahren ist die Tradition eine beliebte, doch die Leben der Freunde haben sich weiterentwickelt. Chris ist ein berühmter Sportler, Isaac wird bald Vater. Für diese letzte Weihnachtstour der Freunde drückt ihnen Betsy, die hochschwangere Frau von Isaac, noch selbst eine Auswahl an Drogen in die Hand, damit die Jungs einen echt schönen Abend haben werden. Nur Marihuana fehlt, das kaufen sie dann eben bei ihrem Dealer aus Schultagen, Mr. Green! Hätten sie das mal lieber selber angepflanzt – Hanfsamen kann man ja heute sogar online kaufen – denn nun beginnt die Angelegenheit erst aus dem Ruder zu laufen!

Zum einen gibt es da die mysteriöse Superparty „The Nutcracker Ball“, zu der man nur auf Einladung gelangt, und deren Ort man erst ab einer gewissen Uhrzeit über eine Telefonhotline abfragen kann. Zum anderen wirken die Drogen stärker, als die Jungs es gewohnt sind, man wird halt alt. Dazu kommt noch eine Reihe von aufgestauten Konflikten, die sich langsam Bahn brechen, und obendrauf hat Ethan nach dem Verlust seiner Eltern nie so recht wieder Fuß gefasst im Leben. Er jobbt in einem Hotel und musste sich zuletzt als Weihnachtself verkleiden und gerieren, um auf einer Party Snacks zu servieren, ein erniedrigender Job.

Das schöne an diesem Film ist, dass er eben nicht den klassischen Spannungsbogen hat, die klassische dramaturgische Entwicklung, die man so gewohnt ist, und nicht die geschliffenen Übergänge von einem Handlungsfaden in den anderen, nein. Dieser Film ist genauso bekifft wie seine Hauptfiguren. Nichts läuft rund, alles ist ein bisschen aus dem Takt, die Figuren und die Leute sind ebenfalls ein wenig schräg gezeichnet. Was den nüchternen Zuschauer wie mich leicht stört, mag den angezwitscherten jedoch umso positiver reizen. Daher halte ich „The Night Before“ für einen netten Geheimtipp, wenn man mal eine etwas flachere Komödie sehen will, die aber nicht gleich Schenkelklopferniveau hat. Eine interessante Mischung, irgendwo dazwischen eben.

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Die Handlung von Quentin Tarantinos neuestem Film, seinem achten, worauf im Vorspann bereits deutlich hingewiesen wird, ist recht schnell erzählt:

Tiefer Winter in Wyoming (das ist der völlig rechteckige US-Staat am östlichen Rand der Rockies, aber recht weit nördlich, ein Teil des Yellowstone-Nationalparks befindet sich im Westen), im ausgehenden 19. Jahrhundert, etwa 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg. Der Kopfgeldjäger John Ruth befindet sich mit einer gemieteten Kutsche auf dem Weg in die (fiktive) Stadt Red Rock, wo er die junge Daisy Domergue, die er mit Handschellen an sich gekettet hat, der Gerichtsbarkeit überstellen will. Auf sie ist das gewaltige Kopfgeld von 10.000 Dollar ausgesetzt, und damit man sie für ihre Greueltaten hängen sehen kann, bringt John Ruth die Gefangene lebend nach Red Rock, wie er es mit jeder seiner „Kunden“ macht.

In der verschneiten Wildnis, irgendwo im Nirgendwo, steht plötzlich Major Marquis Warren im Weg, seines Zeichens ebenfalls Kopfgeldjäger, ebenfalls kein Unbekannter. Seine Beute ist schon tot und kalt (so auch sein Pferd), doch kaum weniger wertvoll als die Frau – er nimmt es nicht so genau mit der gerechten Bestrafung wie John Ruth. Bald taucht auch Chris Mannix auf, der sich als neuer Sheriff von Red Rock ausgibt. John Ruth ist etwas skeptisch, denn es ist ungewöhnlich viel los in der eigentlich erstarrten, völlig unwirtlichen Winterlandschaft.

Ein Sturm kommt auf, und man entscheidet, nicht bis Red Rock zu fahren, sondern nur bis Minnie’s Haberdashery, ein Hof in Alleinlage in erreichbarer Entfernung. Dort trifft man auf einige weitere zwielichtige Gestalten, darunter ein Henker, ein Cowboy, ein General, jedoch nicht Minnie und Sweet Dave, und beschließt, zusammen den Blizzard auszusitzen. Ein paar Tage wird das wohl dauern.

Doch schon bald zeigen sich erste Ungereimtheiten in den Geschichten der Reisenden. Die Frage ist, welche davon einfach nur Spleens der Beteiligen in diesem mittlerweile gut eingeschneiten Gehöft sind, und welche davon Lügen. Man könnte ja versuchen, den Kopfgeldjägern ihre Beute abzuluchsen, um selbst den schnellen Dollar zu machen.

Schon bald kommt es zu mehr als nur skeptischen Blicken und unscheinbaren Fragen am Rande.

Es gibt einiges Interessantes an diesem Spätwestern (im doppelten Sinne: spät in der Zeit der US-Geschichte, aber auch spät in Bezug auf die Filmgeschichte und die Modewellen). Zum einen ist nicht ganz klar, wer überhaupt die Hauptfigur sein soll. Ein Ensemblestück (wie z.B. Ocean’s Eleven), eine von Tarantino frequentierte Erzählform, zeichnet sich normalerweise auch dadurch aus, dass alle, oder zumindest die meisten der beteiligten Sympathieträger am Ende der Handlung noch am Leben sind.

Der abgeschiedene, geschlossene Dreh- und Handlungsort der Haberdashery (=Herrenausstatter, kann eine Anspielung für ein Bordell sein, oder auch Süßwaren, Waffen, Bekleidung und so weiter, die Frage bleibt offen, doch ist Haberdashery für den Zuschauer weit eingängiger als der x-te Saloon) bietet Tarantino einmal mehr die Gelegenheit, ein wundervolles Katz- und Maus-Spiel aufzubauen, das nicht nur spannend und mitreißend ist, sondern auch Hercule Poirot und seiner Erschafferin gefallen hätte.

Der Film ist eigentlich gar kein Western, sondern ein Kammerspiel im Rahmen eines Western-Settings: Bewaffnete Personen, Exekutionen ohne langes Gezauder, die Möglichkeit für Übeltäter, sich weit genug entfernt absetzen und somit unbehelligt von ihrer Vergangenheit neu anfangen zu können.

Quentin Tarantinos Handschrift ist unverkennbar in Drehbuch, Musik (Ennio Morricone gibt sich die Ehre), Figuren und natürlich der Inszenierung zu erkennen. Im Vorfeld wurde intensiv darüber berichtet, dass der Film im Format Ultra Panavision 70 gedreht wird, anamorph (seitlich gestaucht) auf 65mm-Negativmaterial. Das interessante daran ist aber nicht die unglaubliche Qualität des großartigen analogen Filmmaterials, mit dem seit rund 20 Jahren nicht mehr gearbeitet wurde, sondern das ungewöhnlich breite Seitenverhältnis von 2,76 : 1 – mehr ging nicht in der Geschichte der Spielfilme (von einzelnen Kunstprojekten und ähnlichem abgesehen). Die Bildsprache, die durch dieses Format (Ben Hur zum Beispiel) möglich ist, zeigt ihre Stärken eben nicht nur in den Aufnahmen draußen, mit der kleinen Kutsche vor den gewaltigen Rockies, sondern auch drinnen, wo die Figuren wie gleich geladene Teilchen stets aufs Neue auf Abstand zueinander gehen. Kameramann Robert Richardson, der schon öfter mit Tarantino zusammengearbeitet hat (Kill Bill, Inglorious Basterds, Django), hat uns bereits mit Platoon, Geboren am 4. Juli und JFK begeistert, um nur ein paar seiner Arbeiten zu nennen.

The Hateful Eight ist wahrlich ein Meisterwerk. Vielleicht nicht Tarantinos rundester und „bester“, wenn man das überhaupt so messen kann, wohl aber um Längen besser als das, was im Schnitt so im Kino auf einen wartet.

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Die Tetralogie der Tribute von Panem findet mit diesem Film ihren Abschluss. Eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse findet sich hier.

Auch in diesem Bericht kann man nicht wirklich viel von der Handlung erzählen, da sie direkt an den Vorgängerfilm anschließt. Der Widerstand gegen das Kapitol, bzw. Distrikt 1 ist zum offenen Krieg eskaliert, der Widerstand hat sich unter der (Konter-)Präsidentin Alma Coin formiert und bereitet sich zum großen Sturm auf Distrikt 1 vor, wo Präsident Snow das alte Regime gnadenlos führt. Die militärische Übermacht von Distrikt 2 kann mit einem klugen Schachzug außer Gefecht gesetzt werden.

Doch es kommt zum Unerwarteten: Katniss Everdeen, die sich auch vom Widerstand nicht medial instrumentalisieren lassen will, unternimmt einen Alleingang in die Hauptstadt, um Präsident Snow persönlich zu ermorden. Dies bleibt natürlich nicht unbemerkt (war dies also so unerwartet?), und so evakuiert man in der Hauptstadt einige Viertel und Straßenzüge, um diese so zu präparieren, wie man bisher die Hungerspiele durchgeführt hat: Mit Kameras und Fallen. Das kleine Kommando, das Katniss begleitet, soll also publikumswirksam aufgerieben werden, der Widerstand soll so gebrochen werden. Doch natürlich hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mehr wird nicht verraten.

Filmisch, und dies gilt rückblickend für alle vier Filme, ist Die Tribute von Panem eine überaus gelungene Parabel auf die Gefahren unserer hochmodernen, dauervernetzten, mediendurchtränkten Gesellschaft. Es wird kein Hehl daraus gemacht, wen das dekadente, spaßversessene Publikum der Hauptstadt darstellen soll, wen die hageren Arbeiter aus den übrigen Distrikten und wie all das mit perversen Brot und Spielen zusammengehalten wird. Der Wink mit dem Zaunpfahl ist überdeutlich. Doch gibt es auch feinere Zwischentöne, die der Jugend von heute durchaus hilfreich bei der persönlichen Meinungsbildung sein dürften, darunter zum Beispiel die klare Botschaft, dass man (auch heute) nicht alles glauben darf, was man über die Medien erfährt.

Wie schon beim letzten Mal geschrieben, hat der alte Hase von Cineast all dies natürlich schon mal gelesen oder gesehen, und ja, dies wurde schon zur Genüge verarbeitet. Aber genau so, wie auch ein klassisches Theaterstück jederzeit neu interpretiert werden darf, darf ein Thema mit aktuellem Bezug eben auch neu aufgekocht werden. Sicher ist zum Beispiel Logan’s Run ähnlich schwergewichtig in der Frage, ob man eine Gesellschaft auf so eine Weise führen darf, oder Soylent Green in der Frage, wie weit man generell gehen darf, aber wenn man ehrlich ist: Die Kids von heute gucken diese alten Schinken einfach nicht. Nur Filmkritiker und andere echte Fans können ihren Dunstkreis noch wirklich dazu bewegen, sich die echten Klassiker anzuschauen, für die Masse braucht es einfach new and shiny, mit schicken, jungen Darstellern, die dann in den Hochglanzmagazinen abgebildet werden oder deren YouTube-Kanal man abonnieren kann. Und daher: Dieser Swarowski-Kristall von Film ist nunmal kein echter Diamant, aber er ist hübsch anzusehen, und die Laien erkennen den Unterschied sowieso nicht. Für die kritische Meinungsbildung sollte das jedoch allemal reichen.

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Liebe Leser, liebe Fans dieser gar nicht mehr so kleinen Filmseite, liebe (bisweilen streitbare) Kommentatoren!

Heute vor 6 Jahren hat unser mysteriöser Stefe seine erste Review bei filmjournalisten.de veröffentlicht. Er hat sich seit diesem ersten Text über die Maßen eingebracht, hat geradezu eine Berufung gefunden und seither schon sage und schreibe schon über 1.950 Kritiken hier veröffentlicht.

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich und zutiefst bei Stefe bedanken. Ohne ihn und seine cineastische Aufopferung (er schaut wirklich jeden Film, den er kriegen kann, und schreibt über praktisch alle) wäre diese Seite schon lange einseitig und öde, wenn nicht sogar gar nicht mehr online.

Lieber Stefe, Worte können nicht zum Ausdruck bringen, was Du für unsere Seite hier getan hast. Du bist einmalig, ein Wink des Schicksals, ein absoluter Glückstreffer, ein traumhafter Partner in diesem schönen Umfeld. Ich hoffe, dass wir noch lange Spaß miteinander und an der Sache haben, und dass Du auch weiterhin mit Biss, aber nie unfair, berichten wirst – aber nur, solange Du auch Lust dazu hast!

Ich denke, die Leser sehen das genauso – auf die nächsten sechs Jahre, mindestens!

Julian

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Ein großartiger Artikel über all die digitalen Effekte, die in den letzten zwei Jahrzehnten immer leichter verfügbar wurden, technisch immer besser – und letztlich immer unglaubwürdiger. Warum? Hier lesen.

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Zur Eröffnung der Ausstellung Die Olympischen Spiele: Hinter dem Bildschirm (19.2.2015 – 26.1.2016) lud das Olympische Museum vor einigen Wochen nach Lausanne. Dort stellte man uns Journalisten nicht nur die Ausstellung selbst vor, sondern insbesondere auch die gewaltige Anstrengung, die diese erst ermöglichten.

Das Olympische Feuer brennt ständig. Im Hintergrund das Olympische Museum Lausanne.

Das Olympische Feuer brennt ständig. Im Hintergrund das Olympische Museum Lausanne.

Schwerpunkt der Ausstellung ist das Broadcasting, also die Berichterstattung über die Spiele im Verlauf der letzten 100 Jahre. Wer nicht zu den Spielen anreisen konnte, konnte schon in der Urzeit des Kinos Filmausschnitte in den Wochenschauen im Kino sehen oder Radio hören. Später wurde mit TV-Liveübertragungen begonnen – zu einer Zeit, als man die Anzahl der Fernsehgeräte quasi noch an einer Hand abzählen konnte – und schließlich gelangte man zu der ausgefeilten, aufwendigen Berichterstattung, die wir heute kennen.

Nimmt man die Organisation, die hinter der heutigen Berichterstattung steht, unter die Lupe, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist eine eigene olympische Leistung, hunderte von Kameraleuten und tausende von weiteren Mitarbeitern, vom untersten Assistenten bis zum obersten kreativ Verantwortlichen unter einen Hut zu bringen. Alles folgt einer kreativen Direktive, hat eine spezifische Bildsprache, einen eigenen Schnitt – als wenn 50 Regisseure mit 600 Kameramännern einen Film drehen, und es soll keinen Stilbruch geben. Eine herkulische Aufgabe.

Das IOC hat vor zwanzig Jahren damit begonnen, sämtliche Fotos, Filme und TV-Aufzeichnungen aller vergangenen olympischen Spiele zu sammeln, zu archivieren und zu restaurieren. Der Aufwand ist gigantisch: Nicht nur offizielles Material wird archiviert, sondern auch das von Privatleuten: Jedermann kann seine eigenen Aufzeichnungen und Fotos von Spielen, die er besucht hat, zur Digitalisierung einschicken.

Entstanden ist ein riesiges Archiv historischer Sportaufnahmen aller Art. Da man im allgemeinen nur die beeindruckendsten Momente und die großen Siege gezeigt bekommt, ist es umso beeindruckender, auch das übrige Material sehen zu können: Schmerz, Enttäuschung, Unfälle, die besonders enttäuschenden vierten Plätze, Freude daran, so eine Anstrengung überhaupt geschafft zu haben, Erleichterung, generell emotionale Ausnahmezustände und natürlich jede Menge Material davon, wie alles ganz normal läuft. Also die Dokumentation der Spiele aus vergangenen Zeiten und ihrer Umgebung.

Doch dem ist nicht genug: Zu jeden olympischen Spielen wird ein Filmemacher ausgewählt und damit beauftragt, einen offiziellen (Kino)film über die Spiele zu drehen. Der Hintergedanke hierzu war früher, dass man auf diese Weise den Menschen mehr als nur die Nachrichtenmomente nahebringen kann. Und da es „Live“ noch nicht gab, gingen die Leute natürlich einfach nach den Spielen ins Kino.

Großmutters Wohnzimmer im 50er-Chic am Eingang der Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wo die Liveberichterstattung erstmals massentauglich wurde.

Großmutters Wohnzimmer im 50er-Chic am Eingang der Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wo die Liveberichterstattung erstmals massentauglich wurde.

Die zunehmende Verwöhntheit, alles immer sofort und auf Abruf zur Verfügung gestellt zu bekommen, setzt die Filmemacher unter Druck. Hitler und Goebbels dachten damals an ein paar Wochen für den Schnitt, Leni Riefenstahl dahgingegen hatte zwei Jahre für eine ordentliche Arbeit im Sinn. Kein Wunder: Allein die erste Sichtung allen Materials nahm Monate in Anspruch. Man kann sich gut vorstellen, wieviel mehr Material heute bei den Spielen entsteht.

Besonders beeindruckend ist die Erkenntnis, wie sehr Leni Riefenstahls Stil die filmische Berichterstattung über Sportereignisse noch heute beeinflusst. Sah man auf uralten Filmszenen vom Anfang des letzten Jahrhunderts zum Beispiel noch die Langläufer von der Zuschauertribüne aus die Ziellinie überqueren, so setzte Riefenstahl die Kamera auf Hüfthöhe direkt an die Ziellinie. Diese Entscheidung (und viele andere wie sie) rückte den Zuschauer mitten ins Geschehen, brachte ihm eine völlig neue, ästhetische Perspektive auf den Sport und erhöhte die Dramatik der Sache um ein Vielfaches.

So absurd es einem erscheinen mag, so einen Olympia-Film Monate nach dem Ende der Spiele anzusehen, so erstaunt wird man sein, wenn man sich diese Zeit tatsächlich einmal nimmt. Nirgendwo sonst gibt es Emotionen so ungefiltert zu sehen wie bei Olympioniken, die der Erfüllung ihres Lebenstraumes nahe sind.

Besonders beeindruckend, und dies sei als persönliche Anmerkung des Autors zu verstehen, ist das völlig eigene Universum von Dramaturgie und Bildsprache, das sich innerhalb des Genres Sport entwickelt hat. Da der Cineast sich üblicherweise nicht oder kaum mit diesem Genre auseinandersetzt, und sich den klassischen Genres des meist inszenierten Schauspiels widmet, läuft er Gefahr, etwas Gewaltiges zu verpassen: Echte, wirkliche Dramen und Emotionen auf der großen Leinwand – oder nur dem heimischen TV. Dieser Autor wird Sportberichterstattung von nun an mit völlig anderen Augen wahrnehmen.

Originalkostüme und eine von hunderten von Trommeln der Sommerspiele 2008 vor einer der bewegenden Videoinstallationen.

Originalkostüme und eine von hunderten von Trommeln der Sommerspiele 2008 vor einer der bewegenden Videoinstallationen.

Die Ausstellung im Olympischen Museum Lausanne (Schweiz) nimmt, zusammen mit der regulären Ausstellung, mehrere Stockwerke in Anspruch und ist in drei Teile bzw. sieben Abschnitte gegliedert. In der Broschüre ist mehr zu erfahren, besonders empfehlenswert ist jedoch die großartige interaktive Ausstellung: Sie enthält jede Menge Beispiele rund um das Thema Broadcasting the Games, so auch restauriertes Filmmaterial bis zurück nach 1904 (St. Louis, USA). Doch nur vor Ort kann man all die Gerätschaften sehen, die so eine Übertragung erst möglich machen, von der Kamera, die neben den Wasserspringern in die Tiefe rauscht, über die komplette, mehrere Meter breiten Regiepult-Simulation bis hin zur Rundum-Videokomposition, in der die Aufnahmen zusammenlaufen und einem das Erleben der Spiele erst so richtig nahe bringen.

Das Museum liegt wunderschön am Nordufer des Genfer Sees (Google Maps). Bei gutem Wetter kann man nach Frankreich hinüberblicken, genau genommen nach Evian, dem Evian. Vom ein paar hundert Meter westlich gelegenen Hafen von Ouchy kann man mit dem Schiff auch hinüberfahren. Die Anreise ist denkbar einfach, denn vom Hauptbahnhof Lausanne (zu dem es unter anderem eine direkte Zugverbindung vom Flughafen in Genf gibt), führt die derzeit steilste U-Bahn der Welt (M2) direkt bis zur Seepromenade hinunter. Zu sehen gibt es in Lausanne und generell der Schweiz natürlich noch viel mehr. Aber wer zum Beispiel auf der Durchreise ist, dem sei ein Stop und ein Besuch dieser Ausstellung hiermit dringend ans Herz gelegt.

Am 30. und 31. Mai gibt es ein Event-Wochenende um die Ausstellung.

(Für Kollegen: Pressebereich, Press Kit)

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Es passiert nur selten, dass man als Filmkritiker einen Film zu sehen bekommt, der es in Folge nicht mehr auf die Leinwand schafft. In diesem Fall „The Interview“ von Sony Pictures.

Im Film – auf den wir wegen einer Sperrfristklausel an dieser Stelle nicht eingehen – geht es um einen TV-Talkshow-Master und seinen Produzenten, die es schaffen, ein Interview mit Nordkoreas oberstem Führer Kim Jong-Un versprochen zu bekommen.

Schon im Sommer diesen Jahres wandte sich Nordkoreas Führung an die UN, um sich gegen den (zu diesem Zeitpunkt noch in Arbeit befindlichem Film) zur Wehr zu setzen. Ein Hackerangriff auf Sony im Spätherbst sorgte nicht nur für massiven Zwiespalt zwischen betroffenen Personen in der Branche, sondern enthielt auch terroristische Drohgebärden rund um den Release von „The Interview“. Die Attacke wird nun Nordkorea zugeschrieben, Sony sagte daraufhin die für heute (18.12.2014) geplante Premiere in New York ab. Etwas später wurde der Film komplett zurückgezogen.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Laut Wikipedia ist die Veröffentlichung in anderen Länden nicht betroffen. Mal sehen, was Sony Deutschland sagt.

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