Wie eine Vulkaneruption

schleudert Asteris Kutulas, der mit Ina Kutulas auch das Drehbuch geschrieben hat, 40 Jahre aus dem Wirken und Werk von Mikis Theodorakis auf die Leinwand.

Kutulus orientiert sich am Chaos, dem Theodorakis sich selbst nahe fühlt, kurz davor, kurz darnach, mittendrin, er der schwer kategorisierbare Musiker, Sänger, Dirigent, Komponist, der mit Musik zu Alexis Zorbas 1964 weltberühmt wurde.

1980 begann die Zusammenarbeit von Asteris Kutulus mit Mikis Theodorakis; er hat Griechisch studiert, als Übersetzer gearbeitet, über 30 CDs mit Theodorakis produziert und über 150 Konzerte organisiert. Dabei hat er wohl immer selbst auch gefilmt.

Aus diesem Material und vielem Archivfootage zwischen 1987 und 2017 hat er diesen Film montiert, mit kurzem Schwarzbild wie beim Seitenumblättern zwischen einzelnen Episoden. Ein System ist kaum zu erkennen, es herrscht die Anarchie der Bilder aus historischem Archivfootage aus dem Krieg, von Ausnahmezuständen, Kunstfilmen mit Opernmusik von Theodorakis, Hinter-der-Bühne-Aufnahmen, Footage von Konzerten als Sänger, als Dirigent, Experimentelle Filmelemente, Ballettproben, Studioaufnahmen und auch wie Theodorakis griechisch feiert und singt und zecht und raucht.

Es gibt Ausschnitte aus Filmen zu Opernmusik von ihm. Wie bei einem Feuerwerk schießt eine Aufnahme nach der anderen auf die Leinwand, erzählt vom unergründlichen Fundus an Musikideen, die vor künstlerischen Experimenten nicht zurückschrecken (Air Brush), die immer auch Krieg und Holocaust und Militärdiktatur und die griechisch-türkische Versöhnung, den Kalten Krieg thematisieren. Es sind wie Eruptionen aus dem Zusammenprall des Universums mit der Destruktivität des Menschen.

Es gibt keine Statements von zugewandten Orten, kein Blabla, keine Erklärungen nur die Titel der Werke, die Musik immer von Theodorakis, und die Orte, den Rest kann man bei Wikipedia nachlesen.

Einzig ein Interview führt der Filmemacher mit ihm, aus welchem einige Philosopheme stammen. Wie Theodorakis als kleines Kind es als eine Anomalie der Natur betrachtete, dass er nicht fliegen konnte, es trotzdem tun wollte und sich dabei die Arme brach. Wie er sich mit dem Universum einig fühlt und sich doch im Stich vorgelassen vorkommt. Wie er sich immer am Rande des Chaos sieht. Dass er sich weder dem Wasser noch der Erde verbunden fühlt, sondern der Luft. Wie er die Welt schön findet, wenn nur der Mensch nicht da wäre, der alles zerstört und zunichte macht.

Die Ausschnitte, die dieser Leinwandvulkan aussprüht, stammen aus vielen Teilen der Welt und einmal tanzt Theodorakis Jahrzehnte nach Zorbas mit Anthony Quinn auf dem Königsplatz in München Sirtaki. Ein andermal schwärmt er von sowjetischer Alpenschockolade, die er aus einem ‚tollen‘ Schrank hervorholt. Und wenn seine Hände nicht gerade Schockolade aus dem Schrank zaubern, dann sind sie gerne am dirigieren und komponieren. Er ist eine Wucht, dieser Mann.

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