Fassade der Jugend.

Die Protagonisten sind alles blendend ausschauende und sogar mit Ansätzen von Charakter versehene jüngere Schauspieltalente: Lucy Hale, Violet Beane, Tyler Posey, Hayden Szeto, Sophia Ali, Nolan Gerard Funk, Landon Liboiron, Sam Lerner. Lebendig, frisch, wach, agil und vor allem gut aussehend, das typisch Verführerische paarungsbereiter Jugend portierend.

Regisseur Jeff Wadlow, der mit Jillian Jacobs, Michael Reisz und Christopher Roach auch das Drehbuch geschrieben hat, reißt mit seinem halbwegs amüsanten, vor allem aber rasanten Streifen (Rasanz im Sinne der Unruhe und des seelischen Aufruhrs und der Idiotie der Jugend: schnelle Schnitte, leicht bewegliche Kamera, und fett im Soundrepertoire auch verfremdenden Horrors gewühlt), der Jugend die verführerische Maske in Aufklebermanier weg.

Zum Vorschein kommt der reine Horror, ich schwöre, nichts als der Horror und der reine Horror. Denn charakterlich haben diese Studenten schon alle Eigenschaften, die später Romane und Kriminalgeschichte füllen werden: sie lügen und betrügen, sie haben alle ein Problem mit der Wahrheit und der Opportunismus ist auch nicht fern.

Zum Behufe der Stoffwerdung seines Ansinnens ersinnt Wadlow eine letzte „Spring-Break“-Reise der Clique aus dem Studentenwohnheim Serra Appartments nach Mexiko. Dort schickt er ihnen Carter auf die Fährte, der sie in eine abgelegene Behausung mitschleppt, man möchte doch den letzten Abend noch feiern, und sie ins Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ hineinzieht, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Denn es verfolgt die Clique bis in die USA hinein, den Rest des Semsters, es wird brutale Realität. Wenn einer nicht die Wahrheit sagt oder die Pflicht nicht erfüllt (generell eine grausame, wie mit der Dienstpistole auf den Vater zielen, mal aber auch nur betrunken an der Dachrinne entlang wanken), so muss sie oder er sterben.

Als Plot ist das ungefähr so ergiebig, wie „Zehn Kleine Negerlein“ oder die „Reise nach Jerusalem“. Aber durch die prima Auswahl der Jungakteure wird der Gegensatz zwischen Fassade und Innerei bemerkenswert deutlich, eben, wie es im Film selber heißt, die Idiotie der Jugend oder der Wahn oder die Halluzination von Jugend als eines ganz besonderen Zustandes, der leichtsinnig im Gefühl von Kraft und Stärke und Erwachsensein so tun kann, als bräuchte es weder Charakter noch Pflichterfüllung dazu. Die deutsche Nachsynchronisation passt deckungsgleich zu diesem Jugendbild.

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