Kontaminierter Boden für die Demokratie.

Für das Erblühen der Demokratie scheint der Boden der Ex-DDR extrem kontaminiert zu sein. Deshalb gedeihen hier vorzüglich Fremdehass, Fußball-Ultrarandale und -Krawalle, Neonazitum und AfD. Während sich der Verfassungschutz von Mecklenburg-Vorpommern (und ziemlich schlechtsichtig auf dem rechten Auge) der aus unserer Sicht ideologisch korrekten Band „Feine Sahne Fischfilet“ ausgiebig widmet.

Deren Texte sind, dem extremen, politischen Klima geschuldet, nicht von Pappe, bullenfeindlich. Aber ohne Provokation kein Publikum und ohne Publikum kein Geschäft.

Wobei der Film von Charly Hübner und Sebastian Schulz das mit dem Geschäft sorgfältig ausblendet (bis auf eine Bemerkung des Frontmanns, des dicken Jan ‚Monchi“ Gorkow, dort seien die Stände mit dem Merchandising).

Die Filmemacher scheinen sich als ideologische Gehülfen und Werbeverstärker für die Band zu verstehen. Das reicht bereits aus, um an öffentlich-rechtliche Gelder zu kommen; da spielt es keine Rolle, dass es eine Dokumentation von der Machart „jeder kann heute Doku“ wird.

Nicht Recherche ist gefragt, nicht Ergründung (warum die EX-DDR so anfällig für all diese Strömungen ist oder warum trotz der Band die AfD der deutliche Wahlsieger in Meck-Vorpom wird) noch ein Konzept der Herangehensweise.

Man hat halt viel Fernsehen geschaut und sich nicht sonderlich mit der Sparte Dokumentarfilm beschäftigt. Dokumentation heißt hier auch nicht Umfeldforschung, sondern vor allem aktuell einige Zeit dabei sein und sonst in den reichlich vorhanden Fundi von Familienfotos und Homevideos wühlen, Dinge rauszupfen und irgendwie nach dem groben Raster der Chronologie montieren.

Das muss ideologisch korrekt, aber künstlerisch nicht wertvoll sein. Hauptsache, es kommt ein irgend geartetes Statement gegen Rechts heraus.

Dass die Macher konzeptionell schwimmen, zeigen die extra inszenierten Ausflüge zum früheren Elternhaus des Musikers oder ein Besuch in der Grundschule inklusive Interview mit der Lehrerin. Für solche Unternehmungen fehlt dem Sänger bei weitem seine kultur- und musikhistorische Relevanz.

Plündern der viefältig vorhandenen Homevideos aus der Kindheit. Die sind zu beliebig und austauschbar, die mögen allenfalls in Fankreisen von Interesse sein, nicht aber darüber hinaus, genausowenig wie die Statments der Eltern. Für diese simplizistische Art Doku ist der Künstler biopicunergiebig.

Spannend ist die Episode mit dem Verfassungsschutz und die mit dem Polizeigewahrsam wegen UltraKrawallen. Aber dafür reichte ein Kurzfilm dicke aus. Oder die beiden Themen müssten außerordentlich sorgfältig, raffiniert und genau untersucht werden, um daraus einen Langfilm zu machen. Dazu dürfte den Machern weder das Können noch die Intention gefehlt haben.

Propaganda, auch wenn sie für eine gute Sache, ist leichter, simpler, als einen Sachverhalt oder eine Karriere penibel zu erforschen. Das Geschäft mit dem klaren Feindbild ist purer Manchester-Kapitalismus ohne Rücksicht auf Ideologie: je mehr Zuschauer, desto mehr Geld, genauso wie bei den Kabarettisten. Wobei diese Art des Geldverdienens ideologisch eher nicht links anzuordnen ist, ein Widerspruch, auf den der Film nicht eingeht. Das Ziel sind Massenveranstaltungen, Massenmanipulation, die hier bis zum T-Shirts wegschmeißen geht und pyrotechnisch und mit Papierschlangeneffekten mächtig angeheizt wird. Antirechter Kapitalismus in Reinkultur.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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