Archivwühlkuddelmuddel.

Zweimal 45 Minuten lang soll die Sendung sein; sie soll reichlich angefüttert werden mit wild ineinanderzuschneidendem Archivmaterial; kein Clip darf länger als ein paar Sekunden dauern – aus Panik vorm Wegzappen der Zuschauer; dann drehen wir noch ein paar heutige Statements und Blabla von damals Beteiligten oder Unbeteiligten, schneiden das willkürlich dazwischen, schreiben ein paar nette bis augenzwinkernde Zwischentexte und lassen die mit Tranquilizer-Stimme vortragen und fertig ist wieder eine BR-Sendung, wieder konnten ein paar Menschen Zwangsgebührengelder abgreifen – ohne Besonderes zu leisten.

Eine sich historisch gebende Sendung, die ganz ohne Analyse auskommt, ohne Nachfrage nach dem Wieso, Weshalb, was die Gründe waren, was die Paradoxien waren (warum Widerstand just mit aufkommendem Wohlstand?). Hauptsache: es ist was los auf der Mattscheibe, Randale sind schön, Aufmärsche, blutige Köpfe aber auch Blasmusik und lange Haare oder auch ein Toter (Benno Ohnesorg – der wurde allerdings schon 1967 getötet und nicht in Bayern, sondern in Berlin).

Und sollte ein einziger Zuschauer eine neue Einsicht zu 1968 gewonnen haben, so war das keine Absicht der Redaktion (Andreas Bräu); sie will es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag nicht übertreiben. Mit dem Herstellen dieses Bildverhaus wurde Klaus Uhrig beauftragt.

Dem BR dürften keine Probleme aus so einer Sendung entstehen; es sind keine gewagten Thesen, Beobachtungen oder neue Einsichten drin oder gar eine klärende Sicht auf jene Entwicklungen. Man verliert sich im Vielen und im Allgemeinen, im Schlagzeilenhaft-Ergiebigen.

Die Sendung wirkt fließbandhaft routinemäßig montiert, ja sie böte sich direkt an für einen Archivwühlroboter. Nur nicht denken, wenn es um die Produktion von so einer Sendung geht. Das Etikett allein soll überzeugen. Es steht zwar ‚Mythos‘ drauf, drin ist Bilderbrei. Warum stellt der BR nicht sein ganzes Material aus dieser Zeit direkt online? So könnte jeder sich sein eigenes Bild machen, seinen eigenen Bilderbrei kochen.

Fragen stellen wäre Majestätsbeleidigung. Ihren alten Kack wollen wir nicht mehr hören, Magnifizienz.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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