Der dunkle Himmelsbau.

Das ist das Bild,was bleibt von diesem Film. Nacht, Donau, alles dunkel, eine Frau geht ins Wasser, hinter dem Fluss ragt ein Gebäude wie ein Gebirge dunkel in den Himmel, die unregelmäßig angeordneten Fenster sind erleuchtet. Gespenstisch. Wenn es ein Gemälde wäre, gäbe es Anlass zu vielfältigen Interpretationen. Hier ist es allerdings nur das Schlussbild des ganz und gar misslungenen Filmes von Jan Speckenbach.

Das Schlussbild steht im Hinblick auf das Thema des Filmes für unwirtliches Hausen, für eine zerrüttete Familie, für eine verwirrte Frau, die ihren Mann (Amwalt wie sie) und die beiden Kinder in Berlin zurücklässt, nach Wien stromert und von dort mit dem erstbesten Bus nach Bratislava fährt, gewollt oder nicht, gezielt oder nicht.

Der Film walzt die Folgen einer nicht intakten Familie reizlos aus, lässt den Zuschauer lange im Ungewissen, besinnt sich später darauf, oder weil es zu fade ist, mit Rückblenden einige platte Hinweise darauf zu geben, wieso diese Frau so allein und orientierungslos bis nonintentional in der Weltgeschichte sich herumtreiben lässt.

Offenbar bekommen solche Menschen leicht Sexerlebnisse. In Wien landet die Frau vom Supermarkt weg im Bett eines ungaren Jünglings, in Bratislava schließt sie sofort familiäre Freundschaft mit einer Frau, die Tänzerin sei und im Nachsatz anfügt, sie würde auf der Bühne Sex treiben.

Das sind wohl die Vorstellungen von Freiheit einer nachrückenden Filmemachergeneration, falls Speckenbach typisch sein sollte dafür. Ziemlich rückständige Vorstellungen, darum bleibt ihm nichts anderes übrig, als beim Wassergang – und sie ward nicht mehr gesehen – seiner Protagonistin den Song Freiheit darüber zu hauen.

Freiheit zum selbstgewählten Exitus. Vielleicht ist es pure Verzweiflung des Filmemachers über sein Werk oder aber über das Leben, was er uns so aber nicht so richtig kommunizieren kann.

Der Film scheint vom Unglück begleitet. Der Dreh wurde 2014 abgebrochen (oder unterbrochen?). 2016 ging es weiter, einer in Berlin, einer in der Slowakei. So wundert es nicht, dass der Mann der Freiheits-Protagonistin (die Namen der Darsteller wollen wir rücksichtsvoll verschweigen, der Darsteller, die das Pech hatten, eine Rolle hier angeboten zu bekommen und das Ungeschick dazu, sie noch zuzusagen) im Film plötzlich ganz anders ausschaut und dass das Opfer einer Fremdenhass-Tat plötzlich ausschaut wie eine Frau.

Den Film zu verteidigen, ihm etwas abzugewinnen scheint schwer, wenn nicht gar ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht nachvollziehbar ist, dass sich dafür Geldgeber gefunden haben, denn es ist auch nicht ablesbar, dass eventuell eine überzeugendes Drehbuch vorgelegen haben könnte.

Dazu ist auf der Tonspur ein Lied, das von Freiheit singt, zu hören. Kann den Film aber nicht erklären. Es gibt eine kleine Nebengeschichte, die nicht nur zeigt, wie langweilig ein Anwaltsleben in Berlin ist. Diese kleine Geschichte zeigt mit dem moralischen Zeigefinger auf die Folgen des Fremdenhasses hin. Der Anwalt hat einen jungen Deutschen zu verteidigen, der einen Schwarzen vermöbelt hat und der im Krankenhaus auf der Intensivstation liegt. Der Anwalt spielt den Verzweifelten, er möchte den Typen nicht verteidigen. Stattdessen sitzt er im Krankenhaus am Bett des Komatösen, hält Monologe zu seiner (imaginierten) Frau oder streichelt das Opfer. Fremdenhass ist nicht gut, vielleicht so eine Message.

Über das Leben in Berlin gibt es Rückblenden, die zeigen, dass das Familienleben der abgänigen Frau nicht glücklich war. Ihr Mann knutscht mit einer Kollegin rum.

Die Kamera trägt wenig zur Entschlüsselung der Absichten des Regisseurs bei, scheint selber im Nebel zu tappen und Musik ist mal da, mal nicht.

Es gibt im ersten Drittel eine kurze Phase, in der der Eindruck entsteht, hier geile sich ein Regisseur am Motiv aus, dass eine Frau allein und hilflos in der Welt sei; das könnte schöner Genretrash werden. Hat aber auch nicht geklappt.

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