Archiv für 6. Februar 2018

Keine Recherche-, aber eine Adabei-Doku, die Einblicke gewährt in die Leben von drei Mitmenschen in unserer Nähe und die unter dem Begriff Flüchtlinge die politischen Wellen hochschlagen lassen.

Andreas Unger, Suli Kurban und Emel Ugurcan haben die minderjährigen Flüchtlinge Esraa, Fahad und Moamel in ihrem neuen Leben in München beobachtet. Sie gehen in eine Übergangsklasse, in der sie vor allem Deutsch, Demokratie und Teamarbeit lernen sollen, aber selbstverständlich auch alle anderen Fächer, die nötig sind, damit sie nachher an eine weiterführende Schule oder in ein Praktikum mit anschließender Lehre wechseln können.

Zu sehen sind Momentaufnahmen aus der Schule; der Unterschied zu den autoritäten Schulsystemen in ihren Heimatländern kommt zu Sprache. Zu sehen sind Einblicke in die Privatleben, in die Praktika, in Schulausflüge und inszenierte Gespräche mit Lehrern oder erwachsenen Verwandten über die Haltung zur Schule und zum Leben.

Fahar kann anfänglich bei einem Onkel, der Firsör ist, unterkommen. Seine Familie ist noch im Irak. Esraa aus Syrien ist die älteste Schwester von vielen Kindern und wird von ihrem Vater religiös erzogen. Man sieht die ganze Familie beim Beten oder es gibt ein Gespräch über leichte Frauenbekleidung in Deutschland im Sommer. Moamel wohnt anfänglich mit seinem Vater in einem Wohnabteil in einer großen, mit dünnen Wänden unterteilten Halle. Sie haben keine eigenen Zimmer und sollen doch den Schulstoff bewältigen.

Probleme gibt es oft mit der Pünktlichkeit. Zwischen den Impressionen aus diesen jungen Leben schneiden die Filmemacher immer wieder Details und Überblicksaufnahmen von München und Telefonate mit den Familien in den Kriegsländern.

Solche Blicke über den Gartenzaun zu werfen, ist sicher sinnig und auch im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Immerhin seien allein in Bayern 11’000 minderjährige Flüchtlinge. So bekommt die Zahl ein Gesicht.

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