Die Schizophrenie des Künstlers.
(Kachelmann oder Wedel?)

Schönes Genre. Genre aus Deutschland. Reinstes Genre aus Bayern, vom Tegernsee, so rein wie bayerisches Bier. Wann gibt es das schon. Über die Persönlichkeitsspaltung. Eines Künstlers. Eddy (Felix Schäfer) macht alles, was Freddy (ebenfalls Felix Schäfer) sich nicht traut.

Der Künstler hat noch einen Bruder, David (Alexander Finkenwirth). Der ist Assistenzarzt. Freddy ist Maler und erfolgreich mit expressiven, emotionsschürenden Bildern. Was ist mit Eddy? Hat der die üble Tat begangen und Freddys Ruf ruiniert? Wahrheit? Erfindung? Was meint der Psychiater dazu? Was meint ein Genabgleich dazu?

Das Problem von Freddy ist, dass er angeklagt wird und dass seine Frau mit seinem Sohn abhaut. Der Skandal vom Tegernsee wird öffentlich. Freddy wird überall gemobbt. Er wird Opfer einer medialen Kampagne. Seine Galeristin will seine Bilder nicht mehr ausstellen, weil die Leute ihn wegen seiner Tat, er habe seine Frau geschlagen, nicht mehr mögen, mögen sie auch seine Bilder nicht mehr, sagt die Galeristin. Rufmordkampagne?

Aufspaltung eines Künstlers in zwei widersprüchliche Wesen. Problematisch wird es, wenn dieser Eddy wirklich existiert. Und auch noch alles sammelt, was es über Freddy zu lesen gibt. Freddy möchte Eddy loswerden. Aber dann taucht er wieder auf. Vergeht sich am süßen neuen Nachbarsmädchen Mitzi (Greta Bohacek).

Aber Freddy war es nicht. Er hat auch die neue Nachbarin Paula (Jessica Schwarz) nicht auf dem Schlitten den Hang runtergestoßen. Verkomplizierend oder erhellend, je nach dem, kommt noch ein wirklicher Bruder von Freddy dazu, David.

Eddy ist für die Abgründe zuständig, die abgrundtiefen Abgründe, die dunklen Abgründe – die ein Künstler kennen muss. Reines Genre, das sich mit den blutigen Abgründen und deren künstlerischer Kompensation beschäftigt. Stimmungsvoll ergänzt von schnell zusammengeschnittenen Flashbacks und dann wieder Blicken in die Berge und das Tegernseer Tal mit Drohnenflügen wie Drachenfliegen.

Dieser Film von Tini Tüllmann (Buch und Regie) fängt mit einer Reflexion über den Künstler und die Kunst an, über den Maler, denn ein solcher oder ein doppelter solcher ist die Hauptrolle, eben Freddy und Eddy. Über die unendlichen Möglichkeiten auf der leeren Leinwand etwas zu entwerfen, wozu menschliche Abgründe sicher eine Fundgrube bilden dürften; und die sind hier eben nicht nur auf der Leinwand zu sehen, sondern auch in der Geschichte von Freddy, der gerade Furchtbares hinter sich hat, seinen Ruf verloren hat, in der Öffentlichkeit gejagt wird.

Schuld war wohl sein imaginärer Freund Eddy. Der Psychiater (Burghart Klaußner) versucht zu helfen mit der Schizophrenie-Erklärung, mit dem Verrückterklären.

Oder: Psychogramm eines Sensiblen. Über einen Menschen, der in die Enge getrieben wird (auch das Konto abgeräumt). Aber typisch für so einen Film ist selbstverständlich, dass er auch ein paar Rätsel offen lässt. Und dass er schon gar nicht die menschliche oder die künstlerische Natur erklären will, dass er sich eher wundert darüber oder zu verstehen gibt, dass solches erwägenswert sei.

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