Sie treibens für 40 oder 30 Lei.

Dieser Film von Alexandra Balteanu, die Mit Xandra Popescu auch das Buch geschrieben hat, fängt gezügelt, ganz brav in der Art eines ordentlichen Hochschulfilmes an und wächst sich peu a peu über einen Guerilladreh unversehens zu einer heftigen Story aus, die in die Gefilde des modernen rumänischen Kinos vorstößt.

Irgendwo in einem von Politik und Kultur vergessenen rumänischen Niemandsland bei einer Autobahnbrücke, einer Garage und einer Art provisorischer Kioskbar lebt in einer bescheidenen Behausung Lidia (Corina Moise). Ihren Buben Razvan hat sie nicht im Griff. Ihr Mann gibt ihr kein Geld und der Bub geht mit dem Geld, was sie ihm gibt, auch nicht getreulich um.

Gekocht werden die eigenen Tauben aus einem wilden Verschlag, der erst minutenlang ins Bild kommt, während Lidia auf der Tonspur über ein Handygespräch ihre Geldsorgen exponiert. Dann tötet sie eine Taube für die Küche.

Es gibt weitere Niemandsland-Impressionen von einer Busfahrt, einer Kollegin, Andeutungen zum Strich, der Kioskkneipe und immer das Thema Geld, aber auch Abtreibung und viele vorbeifahrende Autos.

Anfänglich gibt der Film dffb-tauglich die Atmosphäre des Milieus, in das er eintauchen will, an. Wie Lidia sich mit ihrer Kollegin Denise (Julia Lumanare) auf den Weg auf den Strich macht, wie sie sich umständlich unter einer lärmigen Brücke umziehen und bereit machen, wie sie ihre nicht benötigten Utensilien und Kleider in Taschen in einem Gebüsch an einem Steilhang verstecken und sich dann in Position stellen.

Jetzt legt der Film guerilldrehhaft einen Zahn zu, bleibt lange mit einer unruhigen Handkamera unter der Brücke, schaut dem Treiben zu, versucht gerade noch so die Dialoge zu erhaschen bei laufendem Verkehrslärm. Der Unterbietungswettbewerb zwischen den Frauen funktioniert, für 30 Lei schnappt die einer der anderen einen Freier weg.

Schließlich stößt die Dritte zu ihnen. Schon kommt die Polizei und wird nach einigem Vorgeplänkel die drei Frauen mitnehmen. Was zu einer intensiven Fahrt mit hartnäckigen Dialogen zwischen Prostitutierten und Polizisten führt und zur definitiven Faszination für diesen Film.

Es ist traurig, dass in einem Land wie Rumänien, das EU-Vollmitglied ist, viele hübsche und sicher nicht dumme Frauen nur in der Prostitution einen Weg sehen, an Geld zu kommen. Das zeigt wohl, wie entwicklungsbedürftig das Land noch ist; andererseits ist das rumänische Kino vielen anderen Kinos weit voraus ist.

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