Brösel vom Tisch saugen.

In einer eigens inszenierten Szene werden in diesem Film von Margarethe von Trotta (Hannah Arendt, Die abhandene Welt, Aus dem Leben der Hildegard von Bingen) nach dem Drehbuch von Pamela Katz mit einem sauberen Akku-Handstaubsauger Brösel von einem Designer-Tisch gesaugt. Die beiden Filmemacherinnen werden sich was gedacht haben dabei, was das mit ihrem Thema zu tun hat, dass zwei Ex-Frauen eines Modesdesigners sich unbekannterweise in dessen Appartement in New York kennenlernen.

Mit dieser Szene ist ein Beleg geliefert für die Behauptung, dass es sich hier auch um einen Haushaltsfilm handelt, der vom Umgang in einem Haushalt der Upper Class berichtet. Weitere Belegszenen sind das Aussuchen von Stoffen für Vorhänge, der Blick in eine Schublade mit einer exquisiten Auswahl an Messern, das Umhängen eines Gemäldes, auch der Blick auf die Unordnung im Haushalt, wenn zwei Paar High-Heels von spätheimkehrenden Damen durch ein Chaos von Kinderspielzeug am ansonsten blitzblanken Boden stöckeln.

Warum macht Frau von Trotta überhaupt noch Filme? Sie scheint noch nicht gefunden zu haben, wonach sie sucht, und der Handstaubsauger erweist sich als wenig hilfreich – vielleicht die definitive Definition des Daseins als Frausein in einem gehobenerem Lifestyle mit entsprechender Inneneinrichtung und den passenden Klamotten? Die Frau als Wohnungseinrichterin und Köchin? Das Frausein als Penelope-Sein, als Weberin ihres Glücks/Unglücks?

Die Themen des gepflegten Tischdeckens, der Präsentation von Essen, von dessen Zubereitung und Einkauf und auch das Thema der geschmackvollen Innenausstattung, die beherrscht Frau von Trotta, das zeigt jeder ihrer neuen Filme.

Aber Einrichtungsfilme allein sind fade. Die Filmemacherin meldet Anspruch an. Sie will die gehobene Inneneinrichtung mit Frauenleben erfüllen. Die Frau ist nicht nur Dekorzweck in einem schicken Interieur.

Die Musik von Helmut Zerlett lässt den Film vom ersten Ton an als eigentümlich altbacken erscheinen. Die bastelhaften Titel, die an Schnittmuster und Scherenschnitt gemahnen, verstärken diesen Eindruck. Das spätere Penelope-Zitat setzt dem die Krone auf, macht den Film keineswegs moderner.

Katja Riemann als Maria, ein Rollenname, der so gar nicht zu ihr passen will, erst recht nicht zu ihrem harten, unsanften Auftritt mit den offenbar schweren Schuhen, lächelt in ihren ersten Szenen pausenlos, ein kindliches, kleinmädchenhaftes Lächeln oder wie eine Göre, die etwas Dummes angestellt hat; welches Glück oder welche Glücksahnung trägt sie mit sich herum? Ist das so beglückend, aus Berlin in das leere Loft des Ex in New York zurückzukehren?

Dort trifft sie auf die zweite Ex ihres Ex, auf Ingrid Bolo Berdal als Jade, die ebenfalls unvorteilhaft gekleidet ist, aber anders unvorteilhaft als Katja Riemann. Die beiden radebrechen die absehbare Dramaturgie ihrer Verständigung (erst spinnefeind, böse und kalt bis zu Friede, Freude, Eierkuchen und feministischer Solidarisierung), in einem heimatlosen Englisch, keine Freude für das Ohr des Zuschauers.

Als Katalysator kommt Tinka Fürst als Marias Tochter Antonia mit ihrem Buben Paul in diesen Zweierhaushalt contre coeur. Der ist so zustande gekommen, dass der Ex seinen beiden Exen zu gleichen Teilen dieses Loft geschenkt hat. Was ihn dabei geritten haben mag? Vermutlich ist er einer Einflüsterung der Drehbuchautorin Pamela Katz erlegen, die für Frau von Trotta etwas schreiben sollte, was zwei Frauen und einen Tischstaubsauger in einer gehobeneren Wohnsituation zusammenbringen und zueinanderfinden lassen soll.

Versuchsanordnung, insofern merkwürdig begründet, als über die Motive des Ex nichts zu erfahren ist, ob er mit den beiden Frauen ein Experiment und zu welchem Behufe veranstalten wollte. Insofern ist es eine wenig ausgeschriebene Rolle mit nur kurzen Auftritten, die Haluk Bilginer als Nick entsprechend entgeistert absolviert.

Der Bub aber ist erfunden, um als Katalysator für die eh ausgemachte Annäherung der beiden Frauen zu dienen, indem er „anständige“ Konversationen oder Verhandlungen der Menschen lautstark übertönt und stört und zeigt, dass es auch ein anderes Leben gibt, eines mit Hang zum Anrichten von Chaos.

Der Ex-Gatte konnte, das finden die Frauen nach einer gewissen Zeit heraus, ihnen nicht geben, was sie sich gewünscht hatten (Prinzessin auf der Erbse oder so?); aber er ist ja nun wirklich nicht Dr. Frank, dem die Frauen vertrauen, aus der Fernsehserie.

Dieser zweimalige Ex ist Modedesigner. Er nutzt die Models als Musen. Das versteht sich von selbst, das geht durch die Literatur, durch die Filmgeschichte; zuletzt der Autor als Musenverschleißer bei Darren Aronofsky: mother!

Und da Jade eines dieser Models war und jetzt nicht mehr ist, versucht sie sich, und das ist eigentlich der einzig kleine zurechtgesponnene Handlungsstrang an Penelope Katz‘ Webstuhl, gewoben in der dürren Begebenheit, dass zwei Frauen ein Loft teilen müssen, Jade also versucht sich selbst als Designerin und ist gerade dabei, eine eigene Kollektion auf die Füße zu stellen und sie hat ein paar Probleme dabei. Das wird alles kurz angetippt, anskizziert, hütet Euch vor allzu konkreten Handlungen in einem Konversationsfilm.

In einem Nebenstrang wird die Parfümkreierfähigkeit von Antonia behandelt. Vom Ende des Filmes her betrachtet müsste das sogar die Haupthandlung sein, die Frau von Trotta gleich selbst im Film zum Schluss heftig beklatschen lässt – denn so sicher dürfte ihr der Applaus für diesen Film nicht sein.

Humorfrei-Lifestyle-Kino: Igitt: wie kann man eine Aubergine nur als eggplant bezeichnen!

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>