Will Ferrell und Mark Wahlberg sind vielleicht zur Zeit die charmantesten, kindischsten, pannenanfälligsten, dusseligsten und herzlichsten Väter, die man sich im amerikanischen Unterhaltungs- oder Komödienkino vorstellen kann.

Im Kino treten sie an gegen Bad Moms 2. Es ist spannend, den Unterschied der beiden Filme zu studieren.

Bei den Bad Moms gibt der Muttermechanismus einen harten und auch rasanten Takt vor, der zu einer Versöhnung über den Verstand (dass jede Mutter auch eine Tochter sei) zustande kommt – außerdem konkurrieren drei bemerkenswerte Schauspielerinnen darum, als solche wahrgenommen zu werden. Faktoren, die Power erzeugen.

Der Film von Sean Anders scheint dagegen zu behaupten, Väter sind verspielter als Mütter, sind nicht so verbissen, sie sind kindischer, lockerer; sie lassen aber auch keine Panne aus, die möglich ist, ja das Drehbuch sieht solche vor, die kaum möglich sind, greift zu herrlich abstrusen Comedy-Erfindungen.

Wenn der eine mit dem Schneepflug zugange ist, sich ablenken lässt von einem Kind, der Schneepflug sich selbständig macht und in etwa wie ein Rasenmäher die ganze Weihnachtsdeko vernichtet, so ist das von beachtlicher Konsequenz und ebenso desaströs. Aber das kann die Vorfreude auf Weihnachten nicht trüben. Der lockere Umgang mit solchen Unglücken charakterisiert eine Nonchalance, die andere zur Verzweiflung bringen kann.

Genau so konsequent für die Komödie ist, dass jetzt keiner daran geht, irgendwelche Schadenersatzforderungen zu stellen oder versucht, den Schaden zu beheben. Etwas anders wird es mit der Weihnachtstanne. Die beiden Väter sollen mit ihren Patchworkkindern, den beiden Frauen und ihren eigenen Vätern, die zu Besuch kommen, das sind Mel Gibson und John Lithgow, Weihnachten feiern. Mit Kettensäge bewaffnet begeben sie sich in den Wald, um eine weit überdimensionierte Tanne zu fällen.

Mit dem Stamm kann das Kamin geheizt werden im kurzfristig über Airbnb angemieteten Chalet, so begründen sie die überdimensionierte Fällung. Da es sich um eine ziemlich besondere Tanne handelt, was erstaunlich ist mitten im Tannenwald, wird eine horrende Schadenersatzforderung auf sie zukommen, die aber auch keine weiteren Konsequenzen und schon gar nicht Trübung der Vorweihnachtsfreude zur Folge hat.

Was will man verbissen sein, wenn es ohne viel lustiger ist. Die Männer sind die Attraktionen, ihr Humor, ihre Lockerheit; während ihre Gattinnen mit gesichtsmodifizierten Frauen besetzt sind, Püppchen wie aus dem Katalog.

Dabei geht mir durch den Kopf, wo kommt eigentlich dieser Gesichtsmodifikationswahn besonders bei Hollywoods Frauen her? Hat das nicht auch etwas mit sexual harassment zu tun, dass denen das Gefühl gegeben wird, wenn sie sich das Gesicht nicht richten lassen, dann müssen sie schauen, wo sie mit ihrer Karriere bleiben?

Beim Vergleich der beiden Filme können sich Abgründe auftun. Die Mütter würden nie so rumalbern wie die Väter es hier tun. Die Versöhnung hier wird mit direkter Herzlichkeit in die Wege geleitet. Wahlberg als Dusty liebt seine Tochter. Und deshalb liebt er, umwerfende Logik, auch ihren leiblichen Vater Roger (John Cena).

Es gibt viele andere Beispiele für die Sorglosigkeit, irgendwie auch die Unerschrockenheit der Männer im Umgang mit der Welt, auch die Tölpelhaftigkeit, umzufallen, wenn es irgend geht, tappsig mit einer Dusche umzugehen, die auf Stimme reagiert, im Wald attraktiv für Wölfe werden, einen kleinen Buben aufzuklären versuchen, die Heilige Familie darstellen mit Bärten und Kostümen – oder wegen der Verkehrsverhältnisse einen Film „Missile Tower“ im Kino anschauen; auch das Truthahnschießen ist ein vorweihnächtlicher Akt. Die Weihnachtvorbereitungsanforderungen sind für die Männer ein Traumland für Fettnäpfchen – für die Frauen ist es Stress pur, das ist auch so ein Unterschied, den das amerikanische Kino mit diesen zwei Filmen behauptet.

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