Vita eines Komparsen oder wie der Esel nach Bethlehem kam.

Hollywood erfindet und animiert eine Seitengeschichte zur Bestsellerstory vom Jesuskind, das was auf Stroh gebettet ward, zur Weihnachtsgeschichte, die in unendlich vielen Lesungen und Krippenspielen jährlich um Weihnachten herum fester Bestandtteil christlicher Popkultur geworden ist.

Da kann auch in Hollywood nichts schiefgehen mit seinem Figuren- und Stilgemisch, das jedem Weihnachtsmarkt Konkurrenz machen könnte, dazu mit massenhaft bewährten und gekonnten Slapstickeinlagen, die besonders die Kleinen zum Juchzen bringen (allein wie der Esel die Schlucht hinunterfällt und sich hangelt und strampelt und sich stemmt) und dann noch mit Running Gags wie dem Streit zwischen zweien der Kamele der Heiligen Drei Könige, ob sie auf dem Weg zu einer Baby- oder zu einer Geburtstagsparty seien.

Es ist die Geschichte von Bo, dem Esel, der an der Krippe steht, die Timothy Reckart nach dem Drehbuch von Carlos Kotkin, Simon Moore + 1 erzählt.

Das ist direkt sozialkritisch. Der Esel Bo ist jung, steht aber unter dem Joch eines Müllers, einer Mühle, muss mit einem alten Esel ständig im Kreis laufen, um den Mahlstein zu bewegen. Schöne Aussichten sind das, ständig den Hinteren eines alten Esels vor Augen zu haben.

Bo träumt von der Freiheit, träumt davon, in der königlichen Karavane mitzumarschieren. Die kommt gerade in der Nähe vorbei, das weiß die Taube Dave. Bo will ausbrechen. Aber er wird wieder eingefangen.

Parallel dazu will Maria den Josef heiraten und der Erzengel Gabriel verspricht ihr das Kind. Der Stern, der die Könige nach Bethlehem leiten wird, taucht am Himmel auf. Wie die Zeit knapper wird mit der Geburt Jesu und die Gerüchteküche brodelt, dass ein neuer Herrscher auf die Welt komme und deshalb Herodes die Volkszählung befiehlt – nun, das darf als bekannt vorausgesetzt werden, schafft Bo die Befreiung und macht sich auf den Weg, um Maria, Josef und das zu erwartende Kind vor den Häschern des Herodes zu schützen.

Bo bekommt Gefährtenschaft von Schaf Ruth, von der Taube Dave und die kleine Tratschmaus Abby funkt auch noch dazwischen. Der Weg ist eine einzige Hit- and- Run- und Stolper-, Aufsteh-, Verfolgungsjagd- und Abhängnummer.

Die bunt gemischten Figuren und ihre grobkörnigen deutschen Synchronstimmen erinnern an ein Kinderzimmer, das bunt gefüllt ist mit diesen Figuren und viel tiefer geht diese Geschichte ja auch in der Bibel nicht, nur dass dort die bösen Kettenhunde des Herodes nicht vorkommen und eben auch die Geschichte des Esels nicht auserzählt ist, was hiermit Hollywood, verdienstvoll oder nicht, nachgeholt hat.

Das subtilste Kunststück bieten die drei Kamele, wie sie zu Spionagezwecken in die Räumlichkeiten des Herodes eindringen und sich vor Entdeckung schützen, indem sie hinter einem Vorhang die Schattenfigur des Herodes nachstellen. Das Filmorchester versucht, der Story mehr Bauch zu geben, als sie hat.

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