Der Geschichte den Vorrang.

Der Geschichte von Cornelia Funke gehört in der Augsburger Puppenkisten-Bearbeitung von Martin Stefaniak der Vorrang. Die entzückenden Marionetten werden zu Fixpunkten, um die herum sich die Geschichte als Synapse in den Gehirnen der jungen Zuschauer entwickeln kann, die ihren Geist anregt und trainiert.

Es ist die Geschichte vom Weihnachtsmann, der vom Himmel fiel. Es gibt eine kleinen Rahmenhandlung. Die Zuschauer strömen in der kleinen Gasse in das Haus der Augsburger Puppenkiste. Der Name wird vorm Vorhang annociert. Die Titel verschwinden.

Ein schöner, roter Vorhang ist zu sehen. Dieser geht auf. So wird für den Kinozuschauer das Zuschauergefühl aus dem Puppentheater simuliert, die Guckkastenbühne kinematographisch nachempfunden. Die Kamera bleibt im Saal. Sie entscheidet sich bei Dialogen lediglich für engere Ausschnitte, welche die Dialogteilnehmer zeigen.

So kommt die Faszination durch die Marionetten in ihren gepflegt-wohligen Kostümen und Bewegungen und den fixen Gesichtszügen, die durch die Kopfbewegungen und die Gesten belebt werden, bestens zur Geltung. Und durch diese die Geschichte.

Der Weihnachtsmann ist mit dem Weihnachtswagen, vor den der Elch „Sternschnuppe“ gespannt ist, in den Wolken unterwegs. Eine unvorhergesehene Schlechtwetterfront bringen Elch und Gefährt in Turbulenzen, der Elch verliert die Bindung zum Wagen, haut ab und der Wagen stürzt auf die Erde. Er kommt in der Nebelgasse mit gebrochenen Rädern zum Stehen, das ist eine Gasse mit kleinen Einfamilienhäusern.

Die Angst des Weihnachtsmannes und seiner Gefährtin, dem Engel Matilda, ist die, dass der böse Weihnachtsmann mit den Nussknackern ihn finden würde. Dieser steht für die kommerzialisierten Weihnachten und für den Primat des Geschäftes, während unser Weihnachtsmann Julebukk mit seinen Weihnachtskobolden Fliegenbart und Ziegenbart und Matilda für den zauberhaften Weihnachtsmann steht, für denjenigen, der die Träume der Kinder erforscht und erfüllen will.

Handlung entwickelt sich durch Schulkinder. Ben wird eingeladen beim Weihnachtsmann, entdeckt das Innere des Wagens, der innen viel größer ist, als er von außen ausschaut, kommt hinter Geheimnisse und Probleme des Weihnachtsmannes und wird sich mit einem Mädel und einem Hund aufmachen, den Elch aus den Händen des bösen Weihnachtsmannes Waldemar zu befreien und auch Julebukk und die Seinen zu beglücken.

Eine kleine Nebengeschichte ist die von Ben. Seine Eltern wollen über Weihnachten verreisen. Er möchte hier bleiben und wünscht sich einen Hund.

Inszenierung und Führung der Figuren ist gekonnt, die Sprachregie ist knapp und gut verständlich. Es gibt musikalische Ansätze, auch die kommen angenehm und mehr anskizziert rüber, was wieder als ein Beweis dafür genommen werden kann, dass hier wirklich die Konzentration auf die Geschichte – und somit auch jene der jungen Zuschauer – und auf nichts anderes gelegt wird. Kopf in Richtung Bühne und nicht gebeugt über’s Smartphone.

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