60 Sekunden post mortem – fetter Horrburger.

Flatline, die flache Linie, das ist Medizinersprech und meint jene Linie, die auf dem Monitor die Lebensaktivitäten eines Patienten anzeigt, in dem Moment, wo diese zuende ist, da gibt es nur noch eine gerade Linie, das wird hier oft zu sehen sein, Synonym für tot.

Das Forschungsfeld, um das es den Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Marlo (Nina Dobrev), Jamie (James Norton) und Sophie (Kiersey Clemons) – die Namen spielen in der Art, wie Niels Arden Oplev die Geschichte von Peter Filardi nach dem Drehbuch von Ben Ripley inszeniert, eine austauschbare Rolle, da es ihm um den Fakt und die Horroreffekte und nicht um menschliche Schicksale geht – ist das Leben nach Erreichen der Flachlinie.

Die Studenten haben eine Vermutung, dass es nach dem Tod noch Aktivitäten im Gehirn gibt. Dieses möchten sie erforschen.

Nach schnellbunter Schilderung des hektischen Klinikbetriebes, folgt Oplev seinen Studenten in einen tiefen, verbotenen Keller der Klinik, in dem die Experimentierapparaturen stehen. Sie haben die Arbeitspläne von Wachen und Reinigungspersonal studiert und wissen also, wie lange sie unentdeckt sich ausprobieren können.

Sie wollen diese flache Linie überschreiten, sie wollen sich von den Kollegen in den Todeszustand versetzen lassen, um nach 60 Sekunden wieder zurückgeholt zu werden. Selbstversuche des Ganges durch die bestimmte Tür.

Sie entwickeln einen Sport daraus, nachdem die erste Überschreitung gelungen ist. Jeder will die Erfahrung machen, denn die erste Studentin zeigt daraufhin auffallende Verhaltensänderungen, sie kann plötzlich wieder klavierspielen und im Seminar benennt sie schwierige Krankheitssymptome, die noch gar nicht behandelt worden sind.

Jeder will die Erfahrung etwas länger machen als der oder die vor ihm.

Überraschend ist allerdings, aber vielleicht hängt das mit der Inszenierung zusammen, dass diese Nachtod-Erlebnisse wie aus dem üblichen kinematographischen Horrorbaukasten zusammengesetzt scheinen, insofern ziemlich überraschungsfrei und zur Bestätigung der These, dass kurz vor dem Tod das ganze Leben nochmal in Bildern ablaufe.

Das dürfte auch Oplev bewusst gewesen sein. Deshalb versucht er diesen Mangel an Substanz mit einer enormen Materialfülle aus dem Standardhorrorbrevier und in schnellem Tempo und durchaus professionell kompensieren zu wollen, ein Film, vollgestopft mit rasant aneinandergeschnittenen Horrobildern und die Flatline-Idee dahinter lässt einen schönen Eindruck davon entstehen, was verschiedene Bewusstseinebenen im Gehirn auf das Handeln des Menschen für einen Einfluss haben können, so dass von unerwünschten Nebenwirkungen der Experimente gesprochen werden muss. Diese sind zwiespältiger Natur.

Es gibt aber auch positive Nebenwirkungen – wir sind im amerikanischen Kino – es gibt Entschuldigungen für frühere schlechte Taten.

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