Von wegen Frauenquote!

In der Hochschulstadt St. Gallen in der Schweiz beginnt am Mittwoch die Pantalla Latina (vom 15. – 19. November), ein sympathisches, temperamentvolles Latino-Festival, das nicht nach Rekorden jagt, sondern sich als Kulturvermittler versteht und das mit seiner persönlichen Atmosphäre und einem ansprechenden Rahmenprogramm unwiderstehlichen Charme verbreitet. Ein Festival, das nicht vom grassierenden Festivalsyndrom angesteckt ist, das immer mehr Filme in immer mehr Kategorien und Wagenladungen voller Stars auffahren möchte, sondern ein Festival, das übersichtlich und daher auch gut konsumierbar und anregend bleibt mit einer direkt angeschlossenen Pantalla-Bar, die lateinamerikanische Spezialitäten serviert. In Deutschland gehört akut zum Gejammer bei den Festivals das Thema Regie und Frauenquote; in St. Gallen sind von 15 Regisseuren der Filme des Hauptprogrammes 9 Frauen und nur 6 Männer (wobei die beim Kurzfilmwettbewerb wieder deutlich dominieren!). Hier die Filme des Hauptprogramms:

LOS PERROS (Chile)
Die verdrängte Zeit der Diktatur macht sich in einer heutigen Liebe unangenehm bemerkbar.
Von der Regisseurin Marcela Said stammt auch „Der Sommer der fliegenden Fische“ (El verano de los peces voladores).

NINAS ARANA (Chile)
Im Gegensatz zu Sofia Coppolas The Bling Ring brechen hier nicht Fans in die Villen von Prominenten ein, sondern Ghetto-Kids in die Villen von Reichen.
Regisseur Guillermo Helo hat bisher vor allem Fernsehserien gedreht.

JEFFREY (Dominikanische Republik)
Des armen Kids Traum von einer Reggeaton-Sänger-Karriere.
Es ist der erste Langfilm von Yanillys Perez.

EL FUTURO PERFECTO (Argentinien)
Eine Chinesin in Argentinien (Komödie)
Es ist der erste Langfilm von Nele Wohlatz.

EL PACTO DE ADRIANA (Chile)
Regisseurin Lissette Orozco spürt in ihrem Erstlingsfilm verdrängten Spuren der Diktatur in der eigenen Verwandtschaft nach.

LOS MODERNOS (Uruguay)
Die ewig gleichen Probleme der Beziehungskisten komödiantisch betrachtet.
Erstlingsfilm von Marcela Matta und Mauro Sarser.

LAS CINÉPHILAS (Argentinien)
Dokumentarische Filme über Kinofreaks sind skurrile Liebeserklärungen an das Kino.
Es ist der Erstlingsfilm von María Alvarez.

LA NOVIA DEL DESERTO (Argentinien, Chile)
Beliebtes lateinamerikanische Thema: Herrschaft/Dienerschaft. Eine Haushaltshilfe muss sich nach Jahrzehnten neu orientieren.
Das Langfilmdébut von Cecilia Atan und Valeria Pivato
(kommt am 30. November in Deutschland ins Kino).

LA REGIÓN SALVAJE (Mexiko/Schweiz)
Geheimnisvolle Vérónica bringt eingefahrene Rollen- und Geschlechterbilder in der Provinz durcheinander.
Vom Regisseur Amat Escalante stammt auch Heli (stefe: ein grandioses Stück Kino).

EL LIBRO DE LILA (Kolumbien)
Kinderanimationsfigur Lila sucht Leser Ramón, der ihr helfen soll, zu sich zurückzufinden.
Der Erstlingsfilm von Marcela Rincón González.

NADIE NOS MIRA (Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Spanien, USA)
Eines lateinamerikanischen Schauspielers Traum von einer Karriere in New York.
Regisseurin Julia Solomonoff hat schon einiges vorzuweisen an Kurz-, Fernseh- und Kinofilmen.

GABRIEL Y LA MONTANA (Brasilien/Frankreich)
Eine Weltreise als Initiation; verläuft aber anders als der deutsche Kinohit Weit.
Das ist schon der zweite Langfilm des Brasilianers Fellipe Barbosa.

SANTA Y ANDRÉS (Kuba)
Eine Freundschaft gegen die Ideologie im Kuba der 80er Jahre.
Carlos Lechuga ist ein kubanischer Regisseur, dessen Filme schon auf vielen Festivals gelaufen sind und Preise eingeheimst haben.

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