Kino in dieser salopp-souveränen amerikanischen Art, die Kino für einen Swimmingpool hält, um sich darin auszutoben, könnerisch und ohne Hektik und ohne falschen Ehrgeiz sich ein Thema vornehmend, das man sauber auf die Leinwand bringt.

Tom E. Brown hat sich das Thema AIDS und das Leben damit vorgenommen. Sein Protagonist Dan Schauble (James Roday) hat schon lange AIDS und muss regelmäßig einen enormen Tablettenmix schlucken. Er lebt in einer WG mit Paula (Robin Weigert), verständnisvoll, kumpelhaft.

Dans Exfreund, mit dem er lange zusammen war, ist gestorben. Ein freundschaftliches Verhältnis besteht zum Betreiber der Kneipe „Club Dot“, Bob (Danny Glover). Bob hat gerade eine Krise mit seiner Frau Dot. Auch Bob scheint AIDS zu haben und muss seinen Tablettenmix zu sich nehmen. Dan veranstaltet in seiner Kneipe einen Poetry Slam, an dem normalerweise außer ihm selbst keiner teilnimmt.

Die Welt in diesem Film ist überschaubar und insofern auch nachvollziehbar. Die Apotheke spielte eine wichtige Rolle, weil Dan hier seine Medikamente abholen soll. Aber er ist grad nicht gut bei Kasse. Und das amerikanische Gesundheitssystem ist jetzt noch schlechter dran unter Trump als zur Drehzeit des Filmes.

Tom E. Brown hat keine Hemmungen vor Szenenwiederholungen, immer wieder müssen die Pillendosen rausgenommen, die Pillen eingenommen werden, immer wieder steht Dan an der Ladentheke der Apotheke. Immer wieder gibt die Kasse eine negative Antwort.

Aber die Amis, der Film spielt in San Francisco, verstehen es, solche Alltagszenen immer lebendig, nie dröge alltäglich zu spielen, immer mit diesem leichten Draufsetzer zu zeigen, dass es ja gespielt ist.

Dan bandelt mit einem blondierten jungen Mann an. Er hätte gerne wieder eine Beziehung. Aber als Infizierter ist das nicht leicht. Allein schon drüber zu reden und selbst in San Francisco, sei auch heute noch schwierig.

Scherzhaft gibt es knallige Werbung für ein Schweizer Knabberprodukt mit Schweizer Käsegeschmack (SWISS UMS). Die wird witzigerweise als fettes Product-Placement eingeführt. Ein grüblerisch-gründlerischer Gag.

Momentweise verliert Dan die Beherrschung, demoliert eine Uhr oder reißt das Telefonkabel heraus. Eine Welt, in der jede Figur ihren ungestörten Auftritt hat und keine sich deswegen stressen muss. Locker unabhängige Behandlung eines Themas.

Es scheint der erste Langfilm dieses Regisseurs zu sein, laut IMDb hat er bisher nur Kurzfilme gemacht. Das ist schon bemerkenswert. Und die Symbolfigur des kleinen Mädchens mit den Weisen- oder den Todessprüchen kommt auch vor. Aber so wie Tom E. Brown sich Zeit zur Schilderung von Dans Lebens- und Überlebenswelt lässt, scheint er den Tod nicht zu fürchten.

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>