Ein fröhlicher, farbfreudiger Wimmelbildfilm, in dem es viel zu entdecken gibt, ohne dass dabei die Geschichte verloren ginge.

Es sind genauer gesagt zwei Geschichten, die es miteinander zu tun bekommen und durch diese Dynamik auch zu einem guten Ende finden.

Geschichte 1, hier geht es um Einsamkeit, Graf Tetrich, der noch halb ein Bub ist, residiert ganz allein mit einigen Burgknechten in einem mittelalterlichen Schloss hoch über oder hinter den Wolken. Da er allein ist und ohne Gesellschaft an einem großen Tisch sitzt und Weihnachten näherrückt, beschließt er aus Frust, die ganze Geschenkerei mit dem Weihnachtsmann und dem Knecht Ruprecht zu unterbinden. Es soll keine Geschenke mehr geben. Knecht Ruprecht, der dagegen aufbegehrt, lässt er in den Kerker werfen.

Geschichte 2: die Schule, an die Lilli (die wunderbar natürliche Hedda Erlebach), das Mädchen mit den Hexenfähigkeit, geht, will ein Weihnachtsspiel aufführen. Lilli und ihre Freundin Layla (Aleyna Hila Obid) möchten Nikolaus und Knecht Ruprecht spielen. Lilli ist in einem Alter, in dem sie zuhause die Oma (Maresa Hörbiger) unterm Nikolaus-Kleid erkennt, während ihrer Bruder Leon (Claudio Magno) noch naiver ist.

Zwengs dem Rollenstudium und wegen ihrer Hexenfähigkeit zaubert sie den Knecht Ruprecht herbei. Allerdings hat sie vergessen, sich kundig zu machen, wie sie ihn wieder loswerden kann. So kämpft sie – und mit ihr ihr unverzichtbarer Gefährte, der Drache Hektor (Michael Mittermeier als Sprecher) und ihre Umgebung nun mit dem Knecht, den sie rief und nicht wieder los wird.

Parallel läuft die Geschichte mit den Geschenken der Oma. Leon erhält einen Spielzeugkrieger und demoliert mit diesem umgehend das Teleskop, das Lilli geschenkt bekommen hat. Dafür hat sie sich vom Knecht Ruprecht einen Hasen herbeizaubern lassen; allerdings ist ihr kleiner Bruder allergisch gegen Katzen- und Kaninchenhaare. Womit weitere Konflikte, auch mit der Mutter (Anja Kling) programmiert sind.

Wolfgang Groos inszeniert mit leichter Hand liebevoll nach dem Buch von Gerrit Hermans. Wobei ich etwas Mühe mit der Besetzung von Jürgen Vogel in der Rolle von Knecht Ruprecht habe, speziell, weil ich ihn eine Stunde vorher in dem überwiegend misslungenen Film DER MANN AUS DEM EIS ertragen musste. Er scheint mir hier zu dominant.

Vielleicht hätte man lieber einen guten Schauspieler statt einen Star engagiert, um das Gleichgewicht unter den Rollen besser auszutarieren. Das hätte den ansprechenden Film runder gemacht. So aber fällt Ruprecht aus dem Ensemble heraus, was möglicherweise einem Rollenmissverständnis von Vogel zuzuschreiben ist. Und das fällt dank der guten Portion Wiener Charme im Film noch drastischer auf.

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