Was ist ein Bump?

Ein Bump ist das Andocken eines Geheimdienstes an einen oder gar an einen Ring von Zuträgerspionen in einem fremden Land. Von so einen Bump mit Einfluss auf die Weltgeschichte handelt diseer Film von Peter Stephan Jungk. Es ist der Kontakt, den seine Tante Edith Tudor Hart zwischen dem sowjetischen Arnold Deutsch und dem späteren britischen Topspion und Doppelagenten Kim Philby in London hergestellt hat.

Eine prickelnd montiert und beschallte Fotostrecke aus Archivaufnahmen, Fotos der Fotografin Elsbeth Tudor Hart, aus Re-Animationen von Szenen, aus Archivtexten und Gesprächen mit Forschern, Psychiatern, Archivaren, Journalisten und Ex-KBG-Agenten zeichnet das Leben dieser Frau nach, die in Wien in Buchhändlers- und Verlegerskreisen 1908 zur Welt kam, sich in London von Maria Montessori hat zur Kindergärtnerin und im Bauhaus zu Dessau zur Fotografin ausbilden lassen.

Elsbeth Tudor Hart war Idealistin, überzeugte Kommunistin, war aber nie in der Sowjetunion und war Teil jener Spione der Cambridge Five die dafür sorgten, dass die Sowjets über die britischen Atomprogramme und auch über die britischen Agenten bestens informiert waren. Was, so ist aus dem Film herauszuhören, mit zur Etablierung des Kalten Krieges und dem Gleichgewicht des Schreckens geführt habe.

Vielleicht sind diese Agentenstories hier nicht so bekannt, weil sie kein Ruhmesblatt für die westlichen Geheimdienste sind. Deshalb geben wohl nur Ex-KGB-Mitglieder Auskunft und kein Ex-M5ler.

Charakteristisch für diesen Geheimdienstring war auch, dass alle ohne Bezahlung gearbeitet haben. Edith war angesichts der großen Not, die sie in Wien kennengelernt und gesehen hatte und der Hungermärsche überzeugte Anhängerin des Kommunismus geworden.

Edith hatte oft Mühe, sich und ihren Sohn mit Werbefotos und Fotoreportagen zu ernähren, während ihr Mann sich mehrere Jahre im spanischen Bürgerkrieg als Arzt um die Opfer kümmerte. Ediths wichtigstes Arbeitsinstrument war die Rolleiflex.

Ganz nebenbei werden Infos über Agentenanwerbung und Agentprofile eingestreut und auch über sehr einfache Decknamen. Die Differenz zwischen diesen unspektakulären, hoch gebildeten Agenten und dem Bild, was die James Bond Filme abgeben, ist erklecklich.

Basis für den Film ist das Buch „Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hard“ ebenfalls von Peter Stephan Jungk.

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