Bora Dagtekin, der Erfinder dieser Reihe, Autor, Produzent und Regisseur und sein Zugstar Elyas M’Barek, der Exknasti und Gesamtschullehrer Zeki Müller, sind sich treu geblieben und werfen einen dritten und letzten Teil als pubertätsgrelle, temperamentvolle Klamotte vor ernstem bis schmerzhaftem gesellschaftlichem und bildungspolitischem Hintergrund auf den Markt.

Nicht Stringenz und Konsequenz von Story und Drama interessieren sie primär, wie es mit dem Zeki Müller weitergeht, dessen Situation wird inzwischen als gegeben angenommen. Vielmehr spielen sie lustvoll magazinhaft, gegen die political Correctness auf einigen Baustellen in unserem Bildungs- und Gesellschaftssystem.

Am bittersten dürfte das Thema der Berufswahl sein. Was sind die Zukunftsaussichten dieser Schüler, viele mit Migrationshintergund, und einer überschaubaren schulischen Bildung? Eine hervorragende Corinna Harfouch arbeitet im BIZ hart an der Desillusionierung. Wie hier schwere, anstrengende Berufe mit niedriger Zugangsschwelle in Imagefilmen doch schön geredet werden, wie wunderbar es sei, alten Menschen zu helfen oder Müll zu entsorgen (fragt sich nur, warum es Mühe macht, für diese Traumberufe Interessenten zu finden?)!

Das Thema des Klauens der Examensaufgaben wird eher locker durchgesponnen, da geht es ja auch auf das Ende dieses letzten Teiles zu (ein fettes Happy End, wer will das monieren, wir sind im Kino, die gesellschaftliche Realität wird die Menschen alsbald wieder einholen).

Man wird sie vermissen, die Schüler und Lehrer der Goethe-Gesamtschule. Diese ist nicht sehr gefragt, ihr drohen harte Konsequenzen, wenn sich nicht genügend Schüler für den nächsten Jahrgang bewerben. Das führt zu einem Schüler-Anwerbe-Extempore in einer Grundschule.

Ein Thema ist das Mobbing. Extrem, zu welchen Handlungen solches führen kann am Beispiel des dicklichen Justin (Anton Petzold). Immerhin wird das vor einer Vollversammlung der Schule in der Turnhalle verhandelt, geleitet von Katja Riemann als Schulleiterin Gudrun Gerster, die zum Vorteil des Filmes wieder mehr Platz eingeräumt bekommt. Bei der Vollversammlungsszene schrammt der Film allerdings knapp am Muster des amerikanischen Weltverbesserungsfilmes vorbei.

Für Uschi Glas ist bei einem weiteren Themenseitensprung, einem Besuch in einer Pinakothek, für eine weitere groteske Szene (nach ihren Selbstmorddauerversuchen im ersten Teil) als Opfer eines Schülerstreiches gesorgt; sonst repräsentiert sie als Pars pro toto wunderbar den „Lehrkörper“. Dem Drogenthema ist ein anderer, kleiner Seitenstrang gewidmet. Ebenso der Todessehnuscht (Fahrt in den Hades der „Suizidfotzen“).

Für die Teens unter den Fans wurde eine kleine Lovestory eingebaut. Dann das Thema der Schülerzeitung („Klassenfurz“). Daneben gibt es Einblicke in die Themen Lehrprobe (zu Homo Faber für Müller, der von sich behauptet „ich habe die Arschgesichter an der Backe und muss ständig improvisieren“), Schulinspektion, Zustand der Schule, Impfung.

Turbulent geht es zu und die Musik knallt in Discolautstärke. Treu sind sich die Macher zu ihrem und des Filmes Vorteil bei den Besetzungen geblieben. Besonders der Wutschüler Danger (Max von der Groeben) hat hier einen grandiosen Lauf. Wobei eine Sandra Hüller als Lehrerin nicht an den verbiesterten Perfektionismus einer Karoline Herfurth herankommt, da schwingt Toni Erdmann noch zu locker mit.

Bei einigen Zubesetzungen entsteht der Eindruck, dass nicht zu viel Geld in Casting und Darsteller investiert werden sollte. Was soll’s, solche Mäkeleien können dem kraftvollen, engagierten Gesamteindruck nichts anhaben.

Die Goethe-Skulptur vor der Schule mit dem Che-Guevara-Kopf und der Zigarette im Mund, die entschädigt allein dafür und Schulleiterin Gersters Begründung ist herrlich genug, dass die Leute eh nicht übers Knie schauen, dass es so billiger war und dass sie die Zigarette für einen Schreibstift halten würden. Auch der Streich mit der Sprinkleranlage ist ein tauglicher Schülerstreich. Schüler, die Streiche machen, die sind noch nicht tot – so wenig wie Filmemacher, die sich der Schulstreiche annehmen.

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