Können deutsche Komödien lustig und entspannt sein?

Der inszenatorische Drive, treffliche Besetzungen und überzeugende schauspielerische Leistungen, das Offenlegen der theatralen Mittel und der dramaturgische Rückgriff auch das Prinzip der Köpenickiade lassen in diesem Film von Franziska Meletzky nach dem Drehbuch von Markus Thebe ein Fünkchen Hoffnung gedeihen.

Und das trotz Mitmischen von Degeto und dem heiklen, noch längst nicht erledigten DDR-Thema.

Aber der doppelte Honecker (Jörg Schüttauf in einer kabarettistischen Glanzrolle), die Theatersituation, die Montagsdemos in Leipzig, der Ausreisewunsch von Otto Wolf, dem Honecker-Parodisten, Töchterchen Anna (Josefine Preuß), ein angedachter und bereits angeordneter Panzeraufmarsch gegen die Demos in Leipzig, machen das offenbar möglich.

Die anfangs irritierende Grundsituation einer Theaterszene unter Regisseur Harry Stein (Devid Striesow, der hier innert kürzesters Zeit in der dritten Rolle zu sehen, ist, eine wie die andere, wie ausgeleiert) will politische Aufmüpfigkeit der Theaterleute dem DDR-System gegenüber demonstrieren mit einem nicht angekündigten politischen Stück, in dem Honecker und Konsorten verhohnepiepelt werden.

Gleichzeitig will Anna mit einem gefälschten Pass rübermachen. Ihr Freund, ein ambitionierter Nachwuchsschauspieler und Sohn des vom Wolf gehassten Stein, Matti (Marc Benjamin), soll das nicht erfahren, denn er will in der DDR Karriere machen.

Parallel laufen die Demos in Leipzig und es geht das Gerücht im Politbüro, dass Honecker dem Spuk mit Panzern ein Ende machen wolle.

Beim Versuch, die Story nachzuerzählen, fällt dann doch auf, dass das gar nicht so leicht ist und auch zu eruieren, wieso der Honecker-Darsteller plötzlich den echten Honecker spielen soll und wie die Informationen da gelaufen sind, dass er mit dem falschen Auftritt im echten Politbüro und mit Vorfahrt einer Staatslimousine und Uniformen aus Theaterbeständen, den Panzerbefehl mit dem roten Telefon, das in Wahrheit ein schwarzes ist – oder das graue? – zurücknehmen soll.

Die Verwicklungen gehen so, dass Vater Wolf das Töchterchen erwischt, wie es abreisen will, ganz unvorsichtig führen die beiden eine lautstarke Auseinandersetzung und der Vater zerreißt den falschen Pass. Alles wird getreulich von der schlecht getarnten Stasi verfolgt und von den Mundbewegungen lesen die den Text ab. Mehr theatral denn real.

So kommt der Nexus zu Leipzig zustande, denn der Untergrundmensch, der Anna den falschen Pass verschafft hat, August (Jacob Mattschenz) kann ihr auf die Schnelle nur in einer Kirche in Leipzig einen neuen Pass beschaffen.

Komödienimmanent laufen diese verschiedenen Unternehmungen auf jede Menge Pannen hinaus, es gibt bewährte Fassadenfluchtsituationen und andere Artistik genauso sie wie weniger bekannte Momente aus dem Eheleben der Honeckers.

Margot (Hedi Kriegeskotte) findet im Ehezimmer den falschen Honecker. Das Potential solcher Situationen von Doppelgängern und falscher Autorität schöpft der Film mit Laune aus. Dabei wird er unterstützt durch die Kamera von Bella Halben, die sich über die Komödienmöglichkeit freut und ebenso durch die Musik die das nicht weniger geil findet.

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