Die Ambition, den Film zu erklären, die schmink ich mir gleich ab.

Stattdessen sei der Versuch gewagt, zu ergründen, warum ich diesem Film von Hong-jin Na aus Südkorea so gerne zugeschaut habe.

Das ist nicht nur die reizvoll milde und sattgrüne Landschaft Südkoreas, die lauschigen Häuschen, die wie Gartenhäuschen oder Wochenenddatschen wirken oder der weiche Sound des Südkoreanischen, das viel weicher klingt als das Japanische, was in einer Figur und im Dialog mit einem Diakon auch vorkommt.

Vertraut ist uns ebenfalls alles Christliche, was in so einem Horrorfilm, der von Besessenen handelt, eine wichtige Kontrastfunktion ausübt, als Kreuz, als Kirche, mit Kerzen.

Besonders vertraut ist uns Westlern auch die Hauptfigur des rundlichen, behäbigen Polizisten Jong Goo (Do-won Kwak), etwas langsam im Geist, bei aller unser Rezeptions- und Perzeptionsschwierigkeit asiatischer Gesichtsunterscheidungen. Er ist die Figur, um den sich der ganze Hokuspokus dreht. Er ist verheiratet, hat ein kleines Töchterchten und, wie er am Schluss noch vor sich hinmurmelt, sein Töchterchen muss keine Angst haben, er sei Polizist. Der Polizist steht dafür, dass die Menschenwelt in Ordnung ist, dass die Dinge im Lot sind.

Ein Film mit dem Ttiel The Wailing (nach Wörterbuch: das Wehklagen) und zu Deutsch als Die Besessenen, spielt damit, dass dem vielleicht doch nicht ganz so sei, dass sich Ängste von Menschen zu Ungeheuerlichkeiten auswachsen können in einer Bildwelt, die Horrorbildwelt genannt werden muss und die eine besondere Wirksamkeit entfaltet, wenn sie in dieser lieblichen Gegend bei diesen stinknormalen Menschen passiert.

Es scheint erst ein ganz gewöhnlicher Mordfall, zu dem der Polizist Jong Goo gerufen wird. Das ist es aber nicht. Bald schon kommt es zu Begegnungen mit einem zombiehaften Typen, einem Menschenfresser, der nur mit einer Windel bekleidet sei, wie eine Zeugin meint und der irgendwo im Wald hause.

Bald schon gibt es fürchterlich zugerichtete Leichen. Und dann wieder einen Routineeinsatz der Dorfpolizei, die diesen Menschen in einer kleinen Einsiedelei aufsuchen will, einen Japaner, der nur japanisch spricht, deshalb kommt der christliche Diakon mit. Der kann übersetzen. Der Einsiedler ist nicht da. Aber sein Hund ist bissig. Das führt zu heftigen Actionszenen.

Immer mehr scheint auch das Töchterchen von Jong Goo in Gefahr. Ein Schamane wird beigezogen. Eins kommt zum anderen. Eine Aktion führt zur nächst schlimmeren, nächst blutigeren. Das Unglück, der Wahnsinn und der Horror fressen sich unaufhaltsam in die liebliche Gegend.

Es gibt verwirrende Infos über eine vergiftete Tinktur, die die Leute in den Wahnsinn treibt. Oder handelt es sich gar um einen Fluch wegen eines menschlichen Verbrechens? Der geistige Boden des Zusammenhalts der Menschen im Dorfe wird zusehends gefährdet. Vielleicht bloß, weil ein Schamane einen Fehler gemacht hat? Und was hat es nochmal in christlicher Diktion mit dem Hahn zu tun, der drei Mal kräht?

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