„Ich finde Menschen furchtbar“.

Mit dem Kino verhält es sich wie mit einem Cocktail: gut ausgewogene Zutaten werden zu einem neuen, hoffentlich mundenden Ganzen zusammengemischt.

Wenn allerdings der berühmte Münchner Barmann Charles Schumann einen Cocktail aus so unsäglich unpassenden Einzelteilen zusammenmixte, wie hier Marieke Schroeder zu diesem Film, so bräuchte er seinen Laden gar nicht erst aufmachen.

Verwunderlich ist, dass es dieselbe Marieke Schröder ist, die die Lebenslinien über ihn zu verantworten hatte, ein überraschend sympathisches und persönliches Porträt.

Jetzt war sie vielleicht überfordert durch das beachtliche Reisepensum nach New York, Paris, Havanna, Tokio, war schlecht unterstützt von einer ahnungslosen Kamera oder von der Unklarheit der eigenen Projektvorgabe, von einer Musik, die versucht den geistigen Stillstand des Bildmaterials, das oft in nicht aussagekräftiger Zeitlupe zu verenden droht, mit Rhythmusansätzen, Electronic wie Trommeln anzukämpfen, von einem nicht sonderlich guten O-Ton, von einem Kommentarsprecher, dem wohl die Gage nicht groß genug war, als dass er den Mund beim Sprechen aufzumachen für nötig befunden hätte, so dass es sich anhört, als spreche er mit zusammengebissenen Zähnen, das passt so gar nicht zum direktherzigen Schumann, der ja gleichzeitig die Menschen nicht mag, aber bei ihm geht es über Offenheit oder Knappheit des Kontaktes.

Aus dem Material, was sie sich wohl selbst in aller Welt zusammengeschustert hat, lässt sich vermutlich in keiner Weise ein gscheiter Film montieren. Er wirkt so, als hänge sich das Team rein in die Promidunstwolke und parfümiere sich damit.

So läuft die Kamera oft hinter Schumann in fremden Städten her. Filmt die Bars frontal von außen und die Bartheken ebenfalls frontal. Die „Gespräche“: das heißt, Schumann sitzt an Bars oder auf Stühlen, lächelt linkisch zum Filmteam und zeigt, dass ihm die Rolle des Moderators nicht liegt und die des reinen Zuhörers auch nicht, gibt mal einen Kommentar ab, wenn Autoren oder Barkeeper Drinks erklären oder mixen.

Nach 50 Minuten blitzt kurz Esprit auf bei einem auf spanisch vorgelesenen Bunuel-Zitat. Unvermeidlich bleibt es, Hemingway zu bemühen. Aber was wirklich das Ziel dieses öffentlich-rechtlich geförderten Filmes ist, bleibt verschwommen, Barbesuche in aller Welt, Einfangen von Promi-Statements.

Der Film hängt in der Luft. In den Lebenslinien wirkten Schumanns Barmixer noch spontan. Jetzt wirken sie verkrampft, bemüht um lobende Statements für ihren Chef.

Und dass Schumann das mit sich machen lässt, sich dafür hergibt, verwundert dann doch und konterkariert krass das glaubwürdig bescheidene Image, was er in den Lebenslinien von sich entworfen hat. Dann lassen wir halt mal wieder einen Lieferwagen durchs Bild fahren – am besten in Zeitlupe. Dösige Kamera.

Oder Marieke Schröder hat sich thematisch überfordert, da es offenbar doch um Fachspezifisches und Kulturphilosophisches zum Thema Cocktail geht, während es in den Lebenslinien um die Person gegangen ist, ein Porträt also, jetzt wäre der filmische Essay gefragt.

Rote Karte des zwangsgebührenzahlers!

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