Archiv für 8. Oktober 2017

Das Staatsfernsehen unter Oberaufsicht der Kammerzofe Redakteurin Stephanie Heckner (BR) steigt mit Glacehandschuhen und Mundschutz, bildlich gesehen, in das anrüchige Milieu der Pornofilmerei hinab, in die Massensexverfahren namens Gangbang oder des Bukkake.

Dieses Milieu wird dargestellt von einem abtörnenden Steifcast in Grobschauschpielerei. Die Kommissare, die mechanisch wirken, müssen pausenlos desinfizierendes Moralin über die Pornographie und den Gruppensex verströmen. Wie schlimm das doch sei. Nur der kleine Kalli darf aufklären, dass der Pornoumsatz in Deutschland sehr groß sei und also offenbar ein Bedarf darnach bestehe.

Philip Koch (Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben, Outside the Box, Picco), der mit Bartosz Grudziecki auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt einen Staatsanwalt in einen Mord in diesem Milieu verwickelt werden. Wie igitt. Seine Tochter wird nach einem Dreh mit Gangbang-Szenen ermordet aufgefunden.

Koch erzählt das ganz seriös im Step-by-Step-Verfahren ausgehend von der Leiche und die Kommissare tappen vorerst im Dunklen. Ja, sie arbeiten sogar vor lauter Ehrfurcht vor dem furchteinflößenden Milieu fast überbedacht und eine Nutte darf den schönen Satz sagen, dass die beste Art, Sex abzugewöhnen sei, beim Porno zu arbeiten.

Das Staatsfernsehen tut sich offensichtlich schwer mit so einem Milieu, sollte die Finger davon lassen – Gruppensex ist kein Staatsakt; auch die Schauspieler tun sich schwer mit den knarzigen Dialogen. Es fehlt offenbar an exakter Milieustudie der Autoren. Ihnen ist die Staatsmoral, dass Porno dreckig und anrüchig sei, wichtiger, etwas, wovon man bittschön die Finger lassen soll.

Sex darf kein Spaß machen. Kammerzofenmoralin in Tatortwolle verpackt. Das kommt bleifüßig daher. Trotzdem müssen ein paar Schüsse Pornodreh gezeigt werden, doch Staatspornokanal, das wäre eine Idee, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt – der Bedarf ist doch da, warum sollte man ihn nicht in der Grundversorgung festschreiben?

Doppelmoral: mit spitzem Mündchen ‚i‘ zu sagen über einen Gegenstand, ihn aber unaufhörlich in Händen halten, ihn vorführen und auf Quote hoffen. Offenbar haben alle guten Schauspieler mit Urteilsvermögen nach Lektüre des Drehbuches abgesagt. So ist geblieben, was geblieben ist.

Schauspielerinnen können merkwürdigerweise nur ganz selten glaubwürdig Nutten und Pornodarstellerinnen mimen – dabei ist der Beruf doch reichlich nuttenhaft. Immerhin, da ist beim Tatort Verlass, etwa zehn Minuten vor Schluss rasen Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenen dahin, wo der Fall gleich aufgeklärt wird. Da, wo einen schon grad gar nichts mehr interessiert.

Die Filmemacher brüsten sich mit vorgeblicher Kenntnis: Schneeflittchen und die miesen Zwerge wird zitiert und alibihalber wird Außer Atem einem pornographischen Zusammenhang zugeordnet von einer ungebildeten Figur.

„Diese besudelten Gesichter, ist das sowas wie das Markenzeichen?“
„Unsere Tochter ist tot, und du ziehst dir die Scheiße rein“.
„Hochseriös, so a Hauer-Produktion“.

Rezept: Man nehme im Staastsfernsehen etwas Verrurfenes, lasse dort einen Mord passieren und dann dürfen die Kommissare als Reiseleiter, Aufklärungs- und Moralonkel den unbedarften Zuschauer mit scheinheiligen Kommentaren und naserümpfend durch das Milieu führen.

Nach der englischen Opernarie am Anfang wird am Schluss ein deutsches Lied drübergehauen. So ist alles wieder kulturell in trockenen Tüchern, die ganze Schande der Pornographie und Staatsfunk-Kammerzofe und Moralgouvernante Heckner kann was Sauberes abliefern – glaubt sie.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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