Archiv für 2. Oktober 2017

Authentizität – Selbstreflektion einer Rockband.
Einblick in die Teenie-Musik-Kultur.

Hinter allem steht die Kirchenmusik. Kirchenmusiker Halbig in Dillingen. Seinen Kindern lässt er eine klassische, musikalische Früherziehung angedeihen, Tuba, Klavier. Talent und Musikalität vererbt er ihnen offenbar auch, Charakter dazu.

Mit 13 will Jo, der ältere Sohn eine Band gründen. Keine Ahnung wie. Vorbilder: keine. Schlagi, ein Schüler, der zu seiner Klasse runtergefallen ist, weiß mehr. Wenn man eine Rockband gründen will, braucht man auf jeden Fall andere Instrumente. Und Rauchen ist auch gut dafür. Dann ist noch Schulfreund Mäx. Aber es fehlt ein Drummer. Vielleicht kann der kleiner Bruder Fabi, gerade mal 9 Jahre alt, kurz überbrücken.

Klar, wer eine Band gründet, will groß rauskommen. Die Vier haben einen guten Grundsatz: Musik zu machen, wie sie ihnen gefällt, etwas rebellisch, etwas revolutionär und dem Publikum soll es auch gefallen, sie wollen die Leute berühren. Sie möchten mit ihrer Musik von sich, von ihrem Erleben erzählen. Schon mal keine schlechte Voraussetzung.

Und sie üben gerne und viel. So ergibt sich nach dem ersten Gig als Vorband in Dillingen der nächste und der übernächste, bald geht’s bis München. Die Band, das ist für die Vier eine Freizeitbetätigung neben Schule und später Studium.

Bald schon nimmt der Erfolg der Band allerdings enorme Ausmaße an. Jugendkultur-Geschäftemacher werden auf sie aufmerksam, Bravo, Universal Records. Es ist die Zeit der Teenie-Bands, eine Welle, eine Euphorie, ein Business.

Sie sind die jüngste Teenie-Band. Sie werden total gehypt. Kreischende Girlies überall. Der Hype weitet sich auf Europa aus. Privetjetflüge nach überall. Nach zwei Jahren ist es vorbei. Für Universal sind sie nicht mehr interessant. Die Verkäufe gehen zurück. Das zweite Album fährt nicht mehr ein. Schlagi verlässt die Band. Vater Halig stirbt. Die Band geht in sich, muss die Rückschläge verdauen, muss sich auf ihren Kern besinnen. Die Jungs besuchen die Schule, fangen an zu studieren. Aber sie bleiben dran, lassen sich nicht entmutigen.

Der Film ist ein einzigartiges Zeugnis einer Musikkünstler-Entwicklung, eines Reifeprozesses. Er ist von Bandmitglied Fabian Halbig mit David Schlichter geschrieben, gedreht und produziert; er enthält viel privtaes Material, was sie im Laufe ihrer Zeit gedreht haben, Ausschnitte aus TV-Auftritten, Statements von Produzenten, Redakteuren, Moderatoren, Managern, anderen Rockmusikern.

Der Film ist aber nicht nur eine Selbstreflektion, er ist selbstverständlich auch ein Promotionsvehikel, was selbst einen Filmreviewer neugierig machen könnte auf einen Bandauftritt.

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