Archiv für 10. September 2017

Denkpausenmacher als Pausenfüller – die KiKa-Nachtschleife, das mimiklose Kastenbrot Bernd mit den für den Joystick zu kurz geratenen Armen und der imaginären Fußkette, die es vor dem White-Screen fesselt – nach dem Buch von Tommy Krappweis und Norman Cöster und in der Regie von Tommy Krappweis und Erik Haffner.

Bernd das tägliche Nachtbrot, das mit seinem 4.0-Dadaismus aus den ultramodischen Begriffen rund um die virtuelle Welt aus Games und Internet und Chat und Videoclips und Kommentarfunktionen nüchtern reflektiert und bestens unterhält und nicht mal beabsichtigt, witzig zu sein.

Dieses bemitleidenswerte Zeichnergeschöpf Bernd soll nun mit seinem pferdegebissigen Praktikanten Bob, der den Drehplan falsch herum hält, auf Tournee gehen, soll auftreten und singen. Sonst droht ihm eine Rolle als Komparsen-Brösel in Hänsel und Gretel – das Schicksal dieser Brösel darf als bekannt vorausgesetzt werden.

Bernd wundert sich, warum ihm überhaupt jemand zuschaut, da doch nix passiert. Das ist vielleicht das Geheimnis dieser reduzierten Zeichenkunst, dass mehr reflektiert und wortverdreht und wortverspaßt als agiert wird. Dass die Figur über die neuen Wörter stolpert. Dass sie über ihre neue Rolle als Follow-Me skeptisch spricht.

Die Serie Follow-Me, in der Bernd mitspielen soll, behandelt witzig kurz das Thema, was der Film The Circle extensiv macht, dass die ganze Welt teilhaben soll an Bernds Leben unter Ausbeutung des privaten Aspektes, dass Bernd in ständigem Chat-Austausch mit seinen Followern steht, was wieder eine Kette von absurd-witzigen Dialogen nach sich zieht; wodurch er aber auch preisgibt, dass er täglich seinen Schimmelblocker brauche, damit ihm aufgrund von Schimmel kein Haar wächst und aus der Netiquette wird die Berndikette.

Aber die Drehabeiten sind hart, der frühe Vogel ist auch saumüde; immerhin bekommt Bernd eine eigene Garderobe und das ist doch besser als im Recycling-Container zu landen. Seine Verträge hat Bernd mit Fußabdruck besiegelt. Und so wortspielt sich Bernd brillant durch seine Aphorismus-Brösel-Existentialismus-Abenteuer.

Auf der kurzweiligen DVD sind außerdem zu finden; Videoclips ICH SAGE NEIN und SINGT DAS BROT! – Hinter den Kulissen WIE EIN BROT – Singt das Brot! (Videoeffekte) und SINGT DAS BROT! (Outtakes)

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