Der Stoff geht auf Nikolai Leskovs „Lady Macbeth of Mtsensk“ aus dem Jahr 1865 zurück, den Fjodor Dostojewski in der Zeitung „Epocha“ veröffentlicht hat und den Dimitri Schostakowitsch zur Oper umgearbeitet hat. Alice Birch hat darauf basierend das Drehbuch geschrieben.

Ein Stoff also mit viel Geschichte hinter sich und sicher mit viel Zukunft vor sich, da er Menschen in Situationen mit unlösbaren Konflikten zeigt und die Konsequenzen der gewaltsamen Lösung, die weitere Gewalt erzeugt.

Dieser Film von William Oldroyd, der vom Theater kommt, könnte fast gelesen werden als cleanes Libretto zu einer Oper. Es ist eine hochkonzentrierte, minimalistische Filettierung der Ausgangsposition und der Entwicklungen.

Oldroyd hat sich für seine Arbeit ein erstklassiges Schauspielerensemble zusammengesucht, lauter Darsteller, die sich darauf verstehen, nicht mehr zu machen als nötig, allenfalls – wie im Schlussbild die Protagonistin Katherine (Florene Pugh) – nur mit eiskaltem Blick in die Kamera zu schauen.

Katherine muss den unästhetischen, unangenehmen Alexander (Paul Hilton) heiraten, Sohn des herrischen Kohlegrubenbesitzer Boris (Christopher Fairbank). Herrschaftlicher Haushalt. Für sie gibt es die Haushälterin Anna (Naomi Ackie).

Die Nächte im ehelichen Schlafzimmer nach der Heirat verlaufen nicht gerade wie erwartet für Katherine. Sie soll sich nackt ausziehen, gegen die Wand schauen und sich neben das Bett stellen. Hinter ihr befriedigt sich der Hausherr.

Auch ist ihr Gatte immer mal länger weg. Er will seine Frau ins Haus sperren, frische Luft tue ihr nicht gut, meint er, ihren Einspruch überhört er. Er ist auch mit seinem Vater länger abwesend, kein Mensch weiß, wo und wie die sich rumtreiben. Vorerst.

Oldroyd verzichtet auf jegliche filmisch-kinematographisch Eitelkeit oder Ambition. Mit so wenig Kamerapositionen wie möglich versucht er, den Eindruck einer Guckkastenühne zu erwecken, damit nichts von der hochkonzentrierten Darstellung verloren geht, nichts davon ablenkt. Selbst die Natur, der dicke Wald, ein, Fluss, Wiese, wirken bei ihm wie gemalte Theaterprospekte.

Bei einer Abwesenheit von Mann und Schwiegervater erlebt Katherine bei ihren neugierigen Erkundungsgängen auf dem Gut deftiges Tun der Knechte mit den Mägden, eine muss die Sau spielen, wird in einem Tuch an die Decke gehängt, Gekreische und Gezeter erfüllen die Luft.

Katherine mischt sich ein, will wissen, was das ist, kommt ins Handgemenge mit Sebastian (Cosmo Jarvis). Er ist ein Außenseiter wie sie und bald schon sind sie heftig als Paar zugange.

Das ist so offensichtlich, dass ihre Gatte sie nach seiner Rückkehr zur Rede stellt. Die Auswirkungen sind fürchterlich, die Schuld, mit der sich Katherine und Sebastian besudeln, diese Liebe kann nicht mehr rein werden. Der erste Mord wird weitere Folgen zeitigen. Später wird Katherine eiskalt alles ableugnen und die Taten ihrer Magd und Sebastian in die Schuhe schieben.

Der Film wirkt wie eine minutiöse Lecture dieser klassischen Konstellation von Handlungszwickmühlen, aus denen offenbar nur mit Gewalt herauszukommen ist. Die steif-geometrische Möblierung der Inennräume wirkt rahmengebend kulissenhaft.

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