Archiv für Juli 2017

Der Wolf und die Frauenleiche im Bergwald.

Aus einer italienischen Serie mit vielen Autoren (Mario Ruggeri, Francesca de Michelis, Enrico Oldoini, Salvatore Basile, Andreas Valagussa), einem Regisseur (Enrico Oldoini) und Terence Hill als reitendem Bergewaldförster und Zugpferd.

Die Kamera versucht krampfhaft ab und an Bilder zu schießen, in denen Terence Hill den Kopf ruhig hält und ins Leere starrt, damit seine berühmten, kristallklar-blauen Augen zur Geltung kommen – sonst rast sie gerne an einer Drohne übers Gebirge.

Als deutsche Synchronstimme haben sie dem ehemaligen Bud-Spencer-Buddy eine angekränkelte Apothekerwerbestimme unterlegt. Der Hairstylist versucht Hills Resthaar sorgfältig und gerecht über den leeren Scheitel zu verteilen.

Die Serie spielt aus Gründen der Tourismus-Werbung in Innichen in Südtirol. Dafür gibt’s auch mal einen Satz im Tiroler Dialekt.

Die Gemeinde ist besiedelt von mickrigen Figuren und Schicksalen, die nicht gerade gelaufen sind. Die Polizei ist im Gebäude der Forstwächter einquartiert, damit Konflikte angedeutet werden können.

Ein neuer Polizeikommisar, der die Raumspanne nach Süditalien ausdehnt, ist aus Neapel eingetroffen, wohin er mit seiner Marcella skypt.

Die Autoren haben sich außerdem eine diffuse Gemengelage zwischen Tier- und Menschenmedizin ausgedacht, indem es im Dorf offenbar nur eine Veterinärin gibt.

Die Inszenierung ist holterdiepolter; nicht lange grübeln, in die Szene marschieren, Text abliefern und die schönen Frauen vorher perfekt schminken – und den Terence Hill sauber bräunen … und Fels und Pferd und Wolf, Förster hoch zu Pferd und zweifelhafte Menschenfiguren, Natur, Bergsee, Hütte und illegale Hund-Wolf-Kämpfe dazu der neue Kommissar mit Heuschnupfen und roten Flecken.

Hill ist nur noch ein Schatten seiner selbst, im Vergleich zu den Bud-Spencer-Filmen; er sieht frustriert aus, in sein Gesicht haben sich wenig glückliche Furchen eingegraben. Die deutsche Synchro dieser Wildererschmonzette mit dem einschläfernden Musikscore (zähflüssige Sauce) ist billig und lieblos, die Figuren nach ungenauen Schablonen flüchtig gestanzt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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Der zuletzt angeführte, geruchslos-anbiedernde Kind-Hund-Weiß-Haus-Film macht besonders deutlich die eigenwilligen Ansätze von vier anderen Filmen, die hier mit einer Review berücksichtigt werden: einem hochkünstlerischen Zugangsversuch zum Holocaust aus Russland, dem Fotoshooting hübscher Boys vor Kriegshintergrund, einem kulturpessimistischen Edel-Thriller aus Britannien und einem rotzigen, kabarettistisch intendierten Elite-Bashing ebenfalls von der Insel. Aus Deutschland kommt hinzu der gefühlvolle Abschied von der Ostwindreihe.
Im Fernsehen ließ sich eine Wiener Kommissarin von einem Bauchschuss nicht die Laune nehmen und eine Sektenaussteigerin schüttete in Bayern ihren Seelenkummer vor uns aus, umso sauberer und perfekter präsentiert sich ein Ort aus der Oberpfalz, das reine Glück.

PARADIES
Dem Holocaust mit Kinokunst zu Leibe gerückt.

DUNKIRK
So modelhafte Jungs sind selten in Kriegsbildern fotografiert worden.

BABY DRIVER
Musik und Crime zusammenbringen, bis dem Crime der Kragen platzt.

THE PARTY
Augenzwinkerndes Pointenschielen in der Elite der Brexitgesellschaft.

OSTWIND 3: AUFBRUCH NACH ORA
Ostwind hat seine Schuldigkeit getan, verdient Besseres als ein Gnadenbrot auf einem Therapiereiterhof für gestörte Reiter und Reiterinnen. Jedem Ende wohnt ein Zauber inne.

MAX – AGENT AUF VIER PFOTEN
Familiy-Unterhaltung ohne Kontaminationsgefahr, wohldeodoriert, parfümiert und frisiert – wie aus dem Pudelsalon.

TV
SCHNELL ERMITTELT: IVONNE WERNER
Bauchschuss und Wasserleiche lassen Schnell lebensphilosophisch werden.

AUSSTEIGEN
Aus den Fängen raffinierter, geldgieriger Sektengurus zu entkommen, ist ein Ding der schieren Unmöglichkeit und scheint bleibende Schäden zu hinterlassen.

BAYERN ERLEBEN: DAHEIM IN STEINBERG AM SEE
Ein Flecken Erde ohne Makel in der Oberpfalz.

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Fotoshooting mit hübschen Jungs vor Kriegskulisse.

Wo die nur all die gut aussehenden Jungschauspieler herhaben? Sie könnten allesamt einem Modelkatalog entstammen.

Hübsche Jungs in unangenehmer Lebenssituation. Sie spielen britsche Soldaten, die 1940 von den Nazis in Dünkirchen eingekesselt werden, chancenlos. Die Schlacht von Dünkirchen als Fotostrecken-Storyvorwand. Die Fotostrecke ist grandios.

An der Mole sammeln sie sich und die Briten versuchen, sie von da mit Schiffen, zivilen wie militärischen, und mit Luftunterstützung rauszuholen.

Was hat Christopher Nolan (Inception, Man of Steel) nur gereizt an dem Stoff? Denn der Film passt für mich weder in die Kategorie Kriegsfilm (der generell im Sinne eines Propagandafilms virulent wird) noch in die Kategorie des Antikriegsfilmes.

Mir scheint, ihn hat vor allem gereizt, allen voran diese Jungs, unterstützt von für ihr Alter nicht weniger gut aussehenden Stars wie Tom Hardy oder Kenneth Branagh, in Situationen zu filmen, zu denen sie einen attraktiven Gegensatz behaupten, wodurch das Fotoshooting den Titel „Jungs in unangenehmen oder unpassenden Situationen“ erhalten könnte. Insofern selbstverständlich kriegskritisch, oder mindestens insofern kriegskritisch, als er behauptet, so hübsche Jungs sollte man nicht in den Krieg schicken.

Oder: Christopher Nolan hat bei der Besetzung voll auf Antimilitarismus gesetzt, nicht im Sinne von Milchbubis oder Wehleidigen oder Mimosen, sondern im Sinne von Models, wie bei Abercrombie und Fitch sie zeitweilig für die Promotion eingesetzt hat; wobei Nolan zur Unterstreichung dieses Jungs-Ästhetizismus gar einen kontrapunktisch mit Knollennase besetzt hat. Der muss dann allerdings sterben. Und lässt die anderen umso besser aussehen.

Nolan ist ein großartiger filmischer Fotograf, hinter der Kamera: Hoyte van Hoytema. Er nutzt alle Möglichkeiten, die so eine Lage bietet bis in den letzten Winkel der breiten Leinwand aus. Der Pilot, der sich aus dem Cockpit des ins Meer abgestürzten Flugzeuges befreien will, um nicht zu ertrinken. Die Gruppe von Jungs, die sich in einem gestrandeten Wrack in Sicherheit bringt, hier kommen diese Gesichter und die Frisuren vom Feinsten besonders porträthaft zur Geltung.

Zwei Jungs sind zu sehen, die einen Verwundeten auf einer Bahre im Dauerlauf über den ewig langen Sandstrand von Dünkirchen tragen in Richtung rettendes Schiff und wie sie sich durch die wartenden Massen zwängen, wie sie sich nachher im Holzunterbau der Mole verstecken. Der Colonel auf der Mole, der die Ruhe bewahrt. Soldaten, die ins Meer waten. Soldaten, die aus einem sinkenden Schiff in einem Ölteppich gelandet sind, aus ölverschmierten Gesichtern funkeln die Augen besonders.

Die zivilen Jungs mit hübschen Pullover oder Pullunder auf der Privatjolle Moonstone, wie eben einem Fotoshooting entsprungen, die auch zur Rettung beitragen wollen.

Die Fotografie kann sich an ihren Sujets nicht satt sehen und der Maskenbildner dürfte bis zuletzt am wohlgefälligen Fall schwarzer Haarlocken und -strähnen in Richtung verwegener Augen getüftelt und gekämmt haben.

Das Bedrohungsgefühl in diesem überwältigenden Kriegsgemälde, das auch niemanden als Helden hervorhebt, vermitteln vor allem Naziflieger wie eklige Insekten, die Bomben werfen und britische Flieger, die diese jagen, auch das ein Spiel, das gerade über dem offenen Meer fotoergiebig ist, aber auch die Fontänen, die die Bomben im Meer bewirken, genauso fotoeinträglich sind Schaumteppiche am Meeresrand, durch die die Soldaten waten.

Gewiss, ein Kriegsgemälde der besonderen Art, das noch wasserdicht untermalt wird mit der Musik von Hans Zimmer, der alle Register zieht. Höchst positiv zu bewerten ist auch, dass der Film nicht in 3D gezeigt wird. Durch dieses Hauptaugenmerk auf der Ästhetik der jungen Soldaten in allen drei Partitionen von Mole, Luft und Meer, artet der Film auch nicht, wie so viele Hollywood-Blockbuster, in endlose Schießereien aus, bleibt übersichtlich, was exzellent für die Erinnerung ist und dem Film ein längere Haltbarkeit bescheren dürfte.

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Abschied nehmen.

Irgendwann ist die Zeit des Coming of Age vorbei, ist aus dem Mädchen Mika (Hanna Binke) eine selbstbewusste, junge Frau geworden – mit Hilfe der Beziehung zum anfangs schwierigen Pferd Ostwind und mit dem schönen Nebeneffekt, dass aus Omas (Cornelia Froboess) verlottertem Reitstall ein florierendes Therapiezentrum für gestörte Reiterinnen und Reiter geworden ist (immer liegt es an den Pferden).

Es stellt sich eine Beruhigung der Lage ein. Aber die pferdesensible Mika merkt, dass Ostwind etwas fehlt, dass Ostwind nicht glücklich ist.

Herr Khan (Tilo Prückner) kann den richtigen Tipp geben. Der führt dazu, dass Mika sich auf den Weg nach Andalusien macht, wo Ostwind herkommt, nach Ora. Ohne es zu wissen, aber sicher intuitiv, bereitet sie damit den Abschied von dieser Lebensphase und der Beziehung zu Ostwind vor.

Bis es soweit ist, wird sie Nicolette Krebitz in der großartig naturnahen Rolle der ‚Schläferin‘ Tara kennenlernen, die sich mit Pferden in eine einzigartig einsame Landschaft in Andalusien zurückgezogen hat.

Und sie wird sich mit Jungtalent Lea van Acken als Samantha anfreunden, die auf dem Pferdegut des Bruders von Tara, von Pedro (Thomas Sarbacher), arbeitet. Sie wird mit weiteren Mitaktivisten einen groben Fehler von Pedro wiedergutmachen, der die Quelle für die Wildpferde an einen weltweiten Wasserverramschkonzern verkauft hat, indem sie über Nacht ein andalusisches Kulturgut, das Pferderennen von Ora, wiederaufleben lassen.

Die Story von Lea Schmidbauer ist dünn gewoben. Das macht Regisseurin Katja von Garnier mehr als wett, indem sie organisch und mit einfühlsamer Regie erzählt mit einem wunderbaren Ensemble an Schauspielern und im erhabenen Licht und der eigenen Atmosphäre Andalusiens mit Bildern, die in manchen Momenten einen Hauch Erinnerung an die Mexiko-Fragmente von Sergej Eisenstein aufkommen lassen.

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So, jetzt zeigen wirs denen mal richtig, dieser Elite, dieser demokratischen und hochgebildeten Elite, wie kaputt und verlogen und unfähig die Demokratie zu führen sie sind, dürfte sich Sally Potter gesagt haben, die für Buch und Regie dieses auf 71 Minuten ausgewalzten Kurzfilmes steht.

Sally Potter konnte eine großartige Corona von Darstellern gewinnen, Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer, Cilian Murphy, Kristin Scott Thomas, Timothy Spall. Sie alle sind sich nicht zu schön, ihre fortgeschrittene Kaputtheit auf der Leinwand zu exponieren, sie von Sally Potter exploiten zu lassen und Texte, die dies Kaputtheit ihre Klasse demonstrieren mit einem Tick zu deutlich zu prononcieren, wie auf Pointe gesprochen, damit das Publikum in der Position des Kabarettpublikums, als des Wissenden, des Besserwissenden, des Rechtwissenden sich darin mit pünktlichem Lachen beweisen und vorgeblich befreien und auch in seiner deutlich ausgestellten Klugheit feiern kann.

Janet feiert das titelgebende Fest bei sich zuhause, irgendwo, kleiner Hinterhof, Britannien, Backstein, sie hat eben ihr Lebensziel, Ministerin zu werden, Gesundheitsministerin, errreicht. Das soll im engsten Freundeskreis aus der gleichen Gesellschaftsschicht gefeiert werden.

Ihr Mann Bill scheint schon hochgradig dattergreisig und dement. Er legt die Platten für den Sound auf und stiert vor sich hin. Es trudelt ein Freund Gottfried, ein Naturheiler. Er wird hier gebraucht, um die Schulmedizin textlich in die Pfanne zu hauen.

Die zwei Freundinnen Matha und Jinny geben bekannt, dass sie Eltern von Drillingen werden. Aber Kinder kriegen kann jeder, Minister (wenn auch nur Schattenministerin) wird man nur ganz selten, womit die Priorität der Festivität gesetzt ist.

Der Karrieresprung wird Anlass geben zu Bemerkungen über die Differenz der politischen Realität, wenn man an der Macht ist, und den revolutionären politischen Zielen, die die Leute als Studenten verfolgt haben. Alles ist eben kaputt. Auch der jüngste von allen, der Banker Tom. Er ist kaputt von Koks und Nervosität.

Es ist in diesem Film immer abzusehen, dass alles auf Pointe hinausläuft. Dadurch werden die Figuren gar nicht richtig ernst genommen, sie verraten sich sozusagen auf ihrem hohen, kaputten Niveau andauernd.

Als thrillerzeugend sollen die verborgenen und weniger verborgenen Dreiecks- und Seitensprunggeschichten fungieren. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht und wirkt so, als ob ein Hochschüler eine Kameraübung machen müsse und dazu alibihalber eine oberflächliche, billige Story erfindet. Dumm nur, dass er, resp. sie, offenbar zu viel Geld zur Verfügung hat, um diese Stars zu engagieren. Die haben wohl gerade nichts zu tun gehabt und müssen in enormen Verzweiflungen stecken, dass sie den Rollen in dem schwachen Drehbuch, das aus einer losen Aneinanderreihung von Statements zu den Themen Medizin, Untreue und politische Emanzipation als Gesamtbild einer kaputten Bildungsschicht besteht, zugesagt haben.

Dekadenz. Verkommenheit. Kaputtheit. Vorsätzlich und prinzipiell. Liebe und Lügen. Akademelnde Pointen-Vorzeigedrescherei, Daraufhinweiskino. Brexit-Kino.

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Kinder, Hunde und Idioten sind für Schauspieler die gefürchtetsten Konkurrenten, was beweist, wie attraktiv Kinder, Hunde und Idioten auf der Leinwand oder auf der Bühne sein müssen.

Es gibt im Kino sogar eigene Genres, den Kinderfilm und den Tierfilm, was oft verächtlich gemeint ist mit dem Vorwurf im Untertext, na ja, mit Kinder- oder Tierfilmen, das sei eine sichere Bank für den Erfolg, da könne man nichts falsch machen.

Aber amerikanische Filmstudios kalkulieren scharf, sie wollen auf Biegen und Brechen den kommerziellen Erfolg und schrecken deshalb vor erfolgversprechenden Kombinationen nicht zurück, das haben sie schon mit dem kalt angerichteten Mix verschiedener Grimmmärchen vorgemacht.

Warum also nicht. Warum also nicht Kinderfilm und Tierfilm vereinen? Den apriorischen Sympathiefaktor der Genres schon von der Struktur her potenzieren. Warum nicht den Kinderfilm mit dem Tierfilm zusammenschmeißen und als Spielort gleich das Weiße Haus nehmen und mit den Kindern und dem Hund eine ganz normale Kinderabenteuergeschichte inklusive Aufdeckung einer Verschwörung zusammenmixen?

Der amerikanische Präsident Bennett (Lochlyn Munro) und seine First Lady Maureen (Carrie Genzel) haben einen Buben im frühen Schulalter, im Bubenstreichalter, TJ (Zane Austin). Der Geheimdienst trainiert einen Wolfshund als speziellen Aufpasser für den Buben (klar, dass der sich anfreundet).

Drehbuchautor Steven Altiere schreibt jetzt einen Besuch des russischen Präsidenten Bragov (Andrew Kavadas) im Weißen Haus ins Drehbuch. Der Russe bringt sein Töchterchen Alex (Francesca Capaldi) mit.

Also kann Regisseur Brian Levant das Kinderprogramm inszenieren. Das besteht in Ausbrüchen aus den Kinderzimmern in die Küche und aus dem Weißen Haus hinaus bis zur Räuberpistole auf Camp David, das den größten Teil des Filmes einnimmt.

So hat das Filmstudio geballte Special Selling Points für sein Industrieprodukt. Zwei perfekte Kinderdarsteller, die erwachsener als die Erwachsenen agieren, süß, süß, so süß, das Erschreckende daran nimmt keiner wahr.

Auf Camp David gibt es zudem richtig Action in Form einer wilden Rafting-Tour im Gummiboot, auf welches ein Anschlag verübt wird. Mehr reinzupacken geht kaum im industriellen, amerikanischen, wie geleckt glasierten Family-Entertainment, egal wie erfunden, egal wie schmarrenhaft, es gibt dazu den klatschspaltenhaltigen Blick durchs Schlüsselloch in die Innereien des Weißen Hauses, in das schwere Schicksal des First Söhnchens, das ständig bewacht werden muss und doch so gerne normal wäre: die Leiden eines höchstsicherheitsbewachten Kindes. Mit dem wollen wir ja auf gar keinen Fall tauschen. Die ganz gewöhnlichen Pfiffigkeiten eines aufgeweckten Buben dazugemixt und die kleinen Fluchten in die Küche und aus dem Weißen Haus.

Dumm nur, dass bei der Planung des Filmes nicht absehbar war, dass bei seinem Kinostart ein gewisser Herr Trump amerikanischer Präsident sein wird und dass das hier gezeichnete Weiße Haus und die hier gezeichnete First Familiy im Gegensatz zur realen aktuellen Besetzung so wirken, als würden sie von Trump geradezu niedergetrampelt.

Doch Hollywood-Studios wissen sich abzusichern. Mit der kleinen Originalfotoreihe „Präsidenten, ihre Familien und ihre Hunde“, die weit zurückreicht in der Geschichte des Weißen Hauses, haben sie den Film auf historische Linie gebracht – weit außer Schussweite von querulantischer Tagesaktualität. Und so politisch wollen wir doch gar nicht sein, wir wollen nur mit glatt perfektionierter Unterhaltung Geld verdienen; die muss immun sein gegen die Tagespolitik.

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Ein recht künstliches Konstrukt und reichlich stilisiert (eher nicht nach einer wahren Geschichte), wobei sein apartes Ziel, Musik und Crime zu vereinen, aus Crimestorydramaturgiegründen (der letzte Überfall muss daneben gehen) in typisch amerikanischer Kinoschießerei ganz furchtbar Schiffbruch erleidet und somit auch den eingangs ansatzweisen Charme der Baby-Figur verliert.

Baby (Ansel Elgort) ist ein junger Mann mit Babyface (im Sinne eines Pokerfaces) und wie ein junger Delon mit sinnigem Verzicht auf Gesichtsmimik, dafür gerne mit Sonnenbrille und immer mit Kopfhörern auf. Er ist ein brillanter Fluchtfahrer für Banküberfälle (Erinnerungen an Drive drängen sich auf).

Die kunstsinnige Idee des Autors und Regisseurs dieses Filmes, Edgar Wright (The Worlds End), Baby nach den Gigs zu seiner Musik (er ist ein ständiger Sound- und Textfischer und -mixer mit einem altmodisch wirkenden Aufnahmegerät: Baby: retarded was slow. Was he slow?) schwungvoll durch Atlanta sich tänzerisch bewegen zu lassen, die ist klar diagnostizierbar abzulesen, wenn sie auch von der Performance her mehr Leichtigkeit zu wünschen übriglässt, mehr Beschwingtheit.

Der Grund für den Gang durch die Stadt ist der, dass er nach jedem Bruch für das jeweilige Team von vier Leuten und für den Boss, Caffe-to-Go bringen soll anlässlich des Verteilens der Beute. Bei diesem Gang nimmt er Motive aus Schaufenstern und Plakaten oder von Menschen auf, die mit Musik zu tun haben, imitiert Bewegungen, spielt sie ausdruckstanzhaft nach, immer die Kopfhörer auf.

Ebenso sympathisch ist sein Zuhause. Nach einem schweren Autounfall als kleines Kind hat er seine Eltern verloren. Ein taubstummer Afroamerikaner hat ihn adoptiert. Aber auch diese Idee wirkt freihändig erfunden um ihrer Originalität selbst willen.

Noch konstruierter wirkt der Grund, weshalb er für den Chef immer den Fahrer spielen muss. Man muss es schlucken, es ist halt so. Gegen all die doch irgendwie schrägen Erfindungen und Behauptungen wirkt die Liebesgeschichte zu Debora (Lily James) wie aus dem 0.8.15-Hollywood-Selbstbaukasten, wie eine Groschenromanze aus dem Waschsalon.

Und wie der Film sein anfänglich fragiles Gleichgewicht verliert, artet er aus in übel-übliche Verfolgerei und Ballerei. Das ist wohl die pessimistische Weltsicht von Edgar Wright, dass Talent und Kunst und Eleganz und Zierlichkeit unter die Dampfmaschine des Welt- und Zeitgeschehens, von Mechanik und Waffengewalt gerät und zermalmt wird.

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Noch in der Routine entwickelt dieser Wien-Krimi einen morbiden Charme.

Um eine Wasserleiche aus dem Donaukanal herum schreibt Verena Kurth eine ordentliche, nicht verhirnte Geschichte, die Andreas Kopriva mit Leichtigkeit inszeniert.

Über die Aufklärung gibt es Einblicke in die Leben verschiedener Menschen, ihrer Beziehungen, ihres vorgeblichen Glücks in der Ehe, ihrer Unruhe bei der Partnersuche.

Angelika Schnell (Ursula Strauss), die titelgebende Chefermittlerin, hat die Fährnisse eines Kommissarlebens kennengelernt, sie hat einen Bauchschuss zu verarbeiten und zu heilen, sie geht leicht traumatisiert durch die Aufklärung des Falles, der als eine wichtige Informationsfundgrube einen Dating-Club einsetzt; nicht ohne Wonne stürzen sich die Ermittlerinnen in das Dating-Leben – und werden dort zu Stimmungskillerinnen.

Auch die Umgebung des Opfers muss näher untersucht werden; keine Happy-Verhältnisse, in denen die ermordete Fluglotsin lebte, die ein Kind hinterlässt und einen Ex-Mann, der sie stalkt. Aber auch Dr. Stefan Schnell (Andreas Lust) hat einen Trauerfall zu verarbeiten; hier schwebt die Beziehungsfrage zur Schnell in der Luft, denn er kann erstmal bei ihr unterkommen. So sind alle menschlichen Verhältnisse nah am Wasser gebaut und können leicht auch dort enden.

Sommerkost, bei der als Garnitur Weisheitssätze abfallen wie, Ein paar Jahre noch, dann ist das große Glück auch vorbei. Oder: Dann auf einmal wird das alles Alltag, merkst du, dass du nicht nur den Menschen an deiner Seite verloren hast, sondern vor allem dich selber.

Die Kommissarin kämpft psychisch mit den Folgen des Bauchschusses, hat momentweise Absenzen, lächelt sich drüber hinweg, versprüht wie frisch getankt gnadenlos ihren Charme als sei sie nicht von dieser Welt, was ihren Skeptizismus den Aussagen von Befragten gegenüber nicht mindert.

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Planet Mül.

Ein Traumort im Windschatten der Zeit mit einem wunderbaren Zusammenhalt. Ein Ort, von dem keiner weg will, Aufbaustimmung und Boom, nachdem aus dem Kohlebergbau ein See gemacht worden ist, der sich vom verächtlich verspotteten Weiher zur Touristenattraktion entwickelt hat.

Alles ist hier Friede, Freude, Eierkuchen. Für alle fällt etwas ab. Ein Flüchtlingsproblem gibt es hier nicht, Minderheitenprobleme gibt es hier nicht, Außenseiterprobleme gibt es hier nicht. Es gibt kein Integrationsproblem, kein Drogenproblem, kein Alkoholproblem, keine Beziehungsprobleme, keinen Neid und kein Mobbing und keine Mordanschläge. Ein Ort, aus dem es keine Geschichten zu erzählen gibt, außer Erfolgsgeschichten, wobei dieser Erfolg eine Geschichte hat: das Ende des Bergbaus. Geschichte auch ist die Nachbarsgemeinde Wackersdorf. Das ist lange her.

Alles, was an hässlicher Politik die Nachrichten füllt und die Gemüter beschäftig, der Euro, die Immobilienblase, die Flüchtlinge, eine Schicht, die aus der sozialen Teilhabe rausfällt, Armut, alles das gibt es in Steinberg am See nicht, hier gibt es nur glückliche Familien, erfüllte Jugendlieben, glückliche Heimkehr nach Weltreise, Aufbau eines Alpakahofes, es gibt einen Ponyhof, glückliche Pensionsbesitzer, einen prima ehemaligen Bürgermeister, der Kinderfußballtrainer ist. Es gibt Burschenschaften, die allfällige Energieschübe ungarer Jugend prima zügeln. Kurz: ein Musterbeispiel von Demokratie, das reibungslos funktioniert.

Diese Ortschaft in der Oberpfalz scheint der real gewordene Traum des Planeten Mül aus Luc Bessons neuestem Film Valerian (die Wasserskianlage und der Alpakahof, das Gasthaus Fenzel, die Pension Pfeffer und die Segelschule, das sind die Transmutatoren, die Perlenscheißerchen).

Steinberg am See ist eine ideale Ortschaft, angepriesen von der Dokumentaristin Dominique Klughammer. Unter den schläfrigen Augen von BR-Redakteur Ulrich Gambke wird hier wie in einem Propagandafilm aus DDR-Zeiten das Bild einer Ortschaft schön geschrieben.

Leider vergessen Filmemacherin und Fernsehredakteur den Grundauftrag des öffentlicht-rechtlichen Rundfunkes: Wahrerin der Demokratie zu sein. Die Propagandistin vergisst ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es sich hier – so wie sie den Ort schildert – um ein Musterbeispiel von Demokratie handelt, einen Modellfall von einem gleichberechtigten Zusammenleben aller, davon, dass keiner unter die Räder kommt, keiner diskriminiert wird, keiner zur Seite gedrängt wird in Steinberg am See. So wirkt dieses Fernsehprodukt wie eine staatliche Berichterstattung aus der Geisteshaltung eines diktatorischen Systems, das sich für unfehlbar hält.

Man kann sich leicht vorstellen, wie diese Dokumentaristin hofiert worden ist vor Ort, damit der ja gut dasteht im Fernsehen.

Verwunderlich ist schon, dass Dominique Klughammer diesem unermesslichen Glück nicht näher auf den Grund geht, da die Region ja offenbar einen Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben der Menschen gefunden hat, dass die Dokumentaristin sich mit den Ansprüchen eines Hochglanzwerbeprospektes für die Regionalwerbung zufrieden gibt oder ist sie etwa vom Tourismusverband engagiert worden? Das sollte dann allerdings kenntlich gemacht werden.

Hier gibt es nur Menschen, die den Zusammenhalt am Ort bewundern, echt ein Demokratiemodell, einzig die Familie mit dem Polizisten, der unter der Woche in München arbeitet, die habens ein bisschen schwer, aber nicht so, dass es das Glücksbild dieser einmaligen Ortschaft trüben könnte.

Über dem von Glück und Erfolg überquellenden Werbeprospekt lullt eine Routinemusiksauce und eine Sterilsprecherstimme mit Placebowirkung den Restverstand des Zuschauers ein.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers für unzulängliche Dokumentation.

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Lustig und keck ist das Lied, das die Tochter Louisa unserer Protagonistin, der preisgekrönten Autorin Ariela Bogenberger, zum Ausklang zur Gitarre singt. Das ist Problem- und Existenzbewältigung über das Medium der Kunst.

Die Mutter macht etwas anderes in den ausführlichen Interviews mit Petra K. Wagner (Redaktion: Claudia Simionescu, Petra Felber, Fatima Abdollahyan). Sie breitet ihren seelischen Müll vor uns aus. Das ist zwiespältig.

Da ist einerseits die Info über die Sekte des Schweizer Psychiaters Samuel Widmer und dessen Psycholyse (Behandlung mit Drogen), in deren Hände Frau Bogenberger geraten ist. Nach eigenem Bekunden hat sie da fast 20 Jahre versucht, etwas zu reparieren, was gar nie kaputt war und dafür hat sie auch noch 100’000 Euro auf den Tisch geblättert. Dazu gehörten tantrische Übungen, über die sich hier zu unterhalten sie nun nicht gerade der Hit findet. Der Guru, der ist nur an Kohle interessiert.

Es ist spannend zu hören, wie sie erzählt, wie sie da reingerutscht ist in den Zustand der Indoktrination, der ein Hinterfragen desselben hermetisch ausschließt. Wie sie ihr Leben normal weiterführte, denn es handelte sich ja immer nur um Seminare, Wochenenden, Workshops etc, sie sei in so einer Gruppe. Nie hätte sie sagen könnnen, Leute, ich bin in einer Sekte gelandet. Oder man sagt, man macht eine Reise, man meditiert, nie aber hätten sie gesagt, sie nehmen Drogen.

Interessant ist sicher auch, wie die Erkenntnis, dass was faul sei im Staate Samuel Widmer allmählich an Boden gewinnt, wie raffiniert aber die Mechanismen in der Sekte sind, zu verhindern, dass ein Sektenmitglied so etwas formuliert oder gar Außenstehenden gegenüber äußert.

Andererseits macht Frau Bogenberger, deren Öffnung der Öffentlichkeit gegenüber zu respektieren ist, den Eindruck eines tief verunsicherten Menschen. Von dem aussgehend, dass sie nicht mehr wisse, selbst zu entscheiden, was gut und was nicht gut für sie sei, denn das hat immer die Sekte übernommen. Dann erzählt sie doch schweren Herzens über ihre Familie, Künstlerbackground und auch schlimme Erlebnisse ihrer Tochter, Unfälle mit Todesnähe, unendlich viele Pflegleistungen; zu schweigen vom selbst erlebten Missbrauch.

Das ist das, was einen vielleicht wahnsinnig machen kann an so einer Übung, dass sie einerseits ja loskommen will von dieser Dauervivisektion der Seele, die die Sekte betreibt, dass sie aber auch durch das Reden darüber, das Problem möglicherweise irgendwie bewältigt, andererseits aber just in der Interviewsituation weiterbetreibt, was den unangenehmen Eindruck erweckt, die Chose sei noch lange nicht ausgestanden. Auch mit den Kärtchen und den Begriffen drauf, mit denen sie an einem Tisch hantiert, erweckt sie den Eindruck, sie wühle noch in dieser kaputten Seelenhistorie.

Da scheint die Tochter mit dem Griff zu künstlerischen Mitteln einen geschickteren Umgang mit den Problemen gefunden zu haben. Denn das ist in der Psychologie wohl anerkannt, dass Kinder die unverarbeiteten Traumata der Eltern übernehmen. Spezielle Untersuchungen zu dem Thema gibt es auch im Hinblick auf holocaustgeschädigte Familien. Wie das noch in der zweiten und dritten Nachfolgegeneration fortwirkt, das als Nebenbemerkung.

Erfreulich sind solche seelischen Mülleimerausschüttsituationen nicht. Die Frage ist, ob das Thema mit derselben Protatogonistin fruchtbarer und erfreulicher zu transportieren wäre, als sie just in die Interviewsituation zu stecken; wobei sie selber sagt, sie wolle auf gar keinen Fall beim Kochen gefilmt werden. Irgendwie scheint es, als führe sie die Sektensituation eins zu eins öffentlich-rechtlich fort, als könne sie nicht loslassen.

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