Feines Kino zum 5’o Clock Tea, das majestätisch und auf Sicht fahrend die Geschichte augenzwinkernd und Schmunzeln machend über die Leinwand ziehen lässt, indem es auf das Menschlich-Humane hinweist, das in jedem Menschen noch unter den chaotischsten Lebensumständen schlummert.

Dieser Film von Simon Aboud könnte inspiriert sein vom Film „Die wundervolle Welt der Amélie“. Die Message ist die, was führt ihr euch alle so auf, ihr seid doch nur Menschen, also könnt ihr auch menschlich handeln und fühlen.

Bellas Auf-die-Welt-Kommen ist chaotisch und katastrophal: ein Findelkind in einem Karton in freier Natur, ein Sturm als apltraumhaft prägendes Früherlebnis, fürsorgliche Enten, die sich in den Karton setzen und den Säugling wärmen und ein drahtig-greiser Naturanbeter und Griesgram, der das Ding findet.

Damit sind die Motive, die die Geschichte durchziehen und die miteinander in Gegenwirkung treten, bereits eingeführt; die Natur als verheerendes Desaster, Flugvögel, die abheben können, und alte Männer als Retter.

Auch wenn zwei von den drei Männern, die in Bellas (Jessica Brown Findlay) Erwachsenenleben eine Rolle spielen, nach Jahren jung, nach Verhalten aber schon recht verknöchert, eigenbrödlerisch, verknorzt wirken.

Alt ist lediglich der Nachbar Alfie Stephenson (Tom Wilkinson) ein Stinkstiefel, der seinen Koch Vernon (Andrew Scott) und seine Ärztin Milly (Eileen Davies) wie Sklaven behandelt.

Bella hat sich mit Geschichten über ihre einsame Juend hinweggeträumt. Sie will Schriftstellerin werden und ein Kinderbuch schreiben. Gegen das Chaos ihrer Herkunft und der Natur setzt sie eine akribisch-penetrante Ordnungsliebe, obwohl sie mit der Pünktlichkeit beim Erscheinen am Arbeitsplatz Mühe hat. Sie arbeitet in einer Bibliothek, Bücher sind ihre Welt, nicht unbedingt aber jene der Penetranz und Verhärtung ihrer Chefin Bramble (Anna Chancellor), die, um dem Motiv der absoluten Ruhe Nachdruck zu verleihen, die Ordnungsübertreter wie die zu spät kommende Bella oder den essenden und laut redenden Bibliothekbesucher Billy (Jeremy Irvine) mit Schrifttafeln und mit strafendem Blick auf ihre Vergehen aufmerksam macht.

Mit den zwei jugen Männern sind auch die nötigen Elemente für den Ansatz einer RomCom eingeführt, deren Ent- und Verwicklung verzwickt und nicht besonders romantisch abläuft; wobei das Vogelmotiv insofern Eingang findet als Bibliotheksbesucher Billy ein Erfinder mechanisch fliegender Vögel ist.

Der Kontakt zum Koch kommt über den starrsinnigen Nachbarn zustande, der am verwahrlosten Garten von Bellas Haus nur rummäkelt; der Hausverwalter droht sogar mit der fristlosen Kündigung, falls der Garten nicht in Ordnung gebracht wird, wodurch Bella die größte Prüfug noch bevorsteht, die aktive Auseinandersetzung mit der wuchernden Natur – andererseits ist das auch das verbindende Thema zum alten Nachbarn: seinen Garten zu pflegen. Das führt alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner zurück, eine schöne Moral.

Der Erzählduktus ist bestimmt vonn Bellas etwas kindlicher, vereinfachend-stilisierenden Sicht auf die Welt, die sich in Inszenierung wie Szenenbild wiederfindet mit einer Tendenz in Richtug naiver Malerei, aber auch mit einem ebenso einfachen wie klaren Konfliktdispositiv.

Und hübsch: kurz unterhält sich der von Stephenson geschimpfte Vernon mit Bella auf gälisch.

Schöne Bezeichnung für das Vorratsregal von Bella, in welchem in militärischer Reih und Glied eine größere Anzahl Konservendosen stehen: Food-Prison, Ernährungs-Gefängnis.

Zu so einer Geschichte gehört es von Natur aus, dass noch die härteste Figur den Moment ihrer seelischen Erweichung erfährt. Dabei rührt die Musik eifrig mit.

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