In zwei Stunden um die Welt ohne Flugzeug.

Das sind zwei Kinostunden, in denen Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser ihre 3-jährige Weltreise von Freiburg im Breisgau einmal um den Globus immer nach Osten bis zurück nach Freiburg im Breisgau schildern.

Vor allem sind sie Rucksack-Tramper, die letzten 900 Kilometer von Barcelona aus bis nach Hause gehen sie zu Fuß („Es ist wunderbar, das letzte Stück zu laufen“). Inzwischen sind sie zu Dritt. Reiset und vermehret Euch.

In Freiburg im Breisgau schlägt der Film alle Zuschauerrekorde. Das mag zum Teil damit zusammenhängen, dass die beiden Weltreisenden von hier sind, aber auch damit, dass sie ihre Reise mit Crowdfunding-Mitteln finanziert haben.

Das allein dürfte für den Erfolg nicht ausreichen. Denn das Reisen hat sich heute doch sehr professionalisiert. Alles wird organisiert, alles erst mal mit dem Flugzeug angeflogen. Trampen ist kaum mehr in. Das heutige Reisen scheut das Risiko. Und sowieso glaubt der Mensch, über Internet, Google-Earth und diverse Apps alles zu kennen auf der Welt und also keine Neugier nötig zu haben.

Allgaier und Weisser zeigen, dass dem nicht so ist, dass sich die Welt weit spannender und differenzierter darstellt, als die Nachrichten in den Medien uns weis machen möchten. Ihre Reise ist geplant von Neugier und Offenheit. Sie reisen mit kleinem Gepäck, ein Zelt, Rucksäcke, Kocher, ein Minimum an Kleidung. So dass sie es tragen können – in Wüstengebieten einige Flaschen Wasser.

Die Reise führt sie von Deutschland über Bulgarien nach Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan in die Innereien Asiens, dann über Aserbeidschan, Georgien in Richtung Iran, Indien, Pakistan, Nepal, China, Mongolei (das ist jetzt nicht unbedingt die richtige Reihefolge und vollständig schon gar nicht), mit dem Schiff nach Japan und von da über den Pazifik nach Mexiko, worauf sich eine ausgiebige Mittelamerikareise anschließt bis zur Passage mit einem Kreuzfahrtschiff mit 110 Köchen und 90 Passagieren (eine Überführungs-Leerfahrt zwischen zwei Reisen) nach Barcelona.

Überwiegend trampen unsere Selbstdokumentaristen, sind mit Eseln in gebirgiger Wüste unterwegs, werden in Pakistan von der Polizei eskortiert, sind mit der Bahn zugange,im Bus, auf LKWs. Aber sie sind auch tagelang in Gebirgs- und Wüstenlandschaften als Wanderer unterwegs.

Sie bleiben zeitweilig an einem Ort, um Geld zu verdienen. Sie wohnen als Couch-Surfer. Sie ziehen sich mit ihrem Zelt in die Wüste zurück – diese Stille! Sie organisieren per Internet und dann wieder mit dem erhobenen Daumen und einem beschriebenen Karton am Straßenrand. Oder sie bleiben über Wochen in Sibirien in einer Behinderteneinrichtung und arbeiten dort mit oder besuchen eine Partnerschule der Waldorfschule von Freiburg.

Zeitweise schließen sich ihnen andere Reisende an; in Iran gehen Studenten mit ihnen mit auf die Erkundungsreise in deren eigenem Heimatland, weil einer von ihnen eben die Ablehnung einer Uni aus Deutschland erhalten hat (wobei ihm sogar ein Stipendium in Aussicht gestellt wurde), aus merkwürdig formulierten Gründen.

Sie studieren die Eintragungen an den Checkpoints im gefährlichen Belutschistan und wundern sich, dass doch pro Woche ein Reisender sich hierher verirrt. Sie bestaunen die prunkvollen LKWs und Autobusse in Pakistan. Sie finden in Indien keine Ruhe. Sie haben in China einen chinesischen Selbstdarstellungs-Text dabei, den ihnen eine Freundin aus Freiburg übermittelt hat, damit sie sich mit den Autofahrern unterhalten können.

Wer eine Reise macht, kann etwas erzählen und wer eine 3-Jahres-Reise macht, kann besonders viel erzählen. Jede Begegnung ergibt eine kleine Geschichte. Vom Achsbruch eines LKWs, der Kohlen transportiert, mitten in einem überfluteten Stück im Niemandsland der Pamir-Hochstraße.

Es ist ein Film, der kein absehbares Drehbuch hat, nur einen groben Routenplan. Aber ein LKW kann sich auch mal verfahren, fährt, da das Navi kaputt ist, 400 Kilometer in der kasachischen Steppe in die falsche Richtung, obwohl der Fahrer schon 40 Stunden ohne Schlaf unterwegs ist.

Man muss den Film selber anschauen. Und kommt vermutlich als ein etwas anderer aus dem Kino hinaus – weil die Welt nicht so ist, wie es die Machtpolitiker über die Medien uns penetrant einhämmern (das böse Pakistan, der böse Iran, das böse Katar). Weil hier gegen die immer mehr überhandnehmende Planungs- und Organisationsepidemie in unserer Gesellschaft – gerade auch durchs Internet – ein aufregender Kontrapunkt gesetzt wird, und zwar wohlbedacht.

Oder wie Gwendolin Weisser es sagt: das Wissen von den Elefanten ist eines, einen Elefanten zu berühren ist ein anderes. Über die Reise wird aus der Fantasie Erfahrung. Und Hollywood dürfte eine Schrottkarre, wie die von Maradona, mit der die Weltreisenden immerhin 8 Kilometer zurücklegen, nicht in den kühnsten Träumen zu erfinden in der Lage sein.

Zu empfehlen: Haferschleimbrei mit Yakkäse aus dem Himalaya auf 5400 Metern Höhe.

Das Link zur Filmwebsite.

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