Sprudelnd und vif europäisch vom k. und k. Budapest im Jahrzehntetempo über Wien, New York nach Liverpool und von da aus in die Fußballstadien der Welt, ein masseneuphorisierender Song von 2 Minuten und 38 Sekunden, der das Nicht-Aufgeben und das Gemeinschaftsgefühl thematisiert:

When you walk through the storm
Hold your head up high and dont be afraid of the dark
At the end of the storm theres a golden sky
And the sweet silver song of a lark

Walk on through the wind
Walk on through the rain
For your dreams be tossed and blown
Walk on, Walk on
With hope in your heart
And you’ll never walk alone
You’ll never walk alone

Walk on, walk on

zu deutsch
Wenn du durch einen Sturm gehst
Halte deinen Kopf oben und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit
Am Ende des Sturms ist ein goldener Himmel
Und das süße, silberhelle Lied einer Lerche

Gehe weiter durch den Wind
Gehe weiter durch den Regen
Auch wenn sich alle Deine Träume in Luft auflösen.
Geh weiter, geh weiter,
Mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst niemals alleine gehen
Du wirst niemals alleine gehen

Geh weiter, geh weiter,
Mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst niemals alleine gehen
Du wirst niemals alleine gehen

Ein Song, der von Träumen, Hoffnungen und vom silberhellen Lied der Lerche singt, von Hoffnung im Herzen und vom niemals alleine Gehen. Er thematisiert auch das Dunkle im Leben, den Sturm, auch im Fußballerleben.

Der Schauspieler und bekennende Borussia-Dortmund-Fan Joachim Król macht sich als sympathisch-bescheidener Moderator und Wandler zwischen den Welten Fußball und Theater in der Regie von André Schäfer nach dem Buch von Hartmut Kasper auf die Suche nach dem Ursprung und Weg dieses einzigartigen Liedes.

Das Lied hat eine Odyssee hinter sich und dabei manche Untertext-Schwundstufen bei gleichzeitiger Härtung der kulturellen Währung durchlebt.

Król triff in Budapest im Café New York einen Enkel des Autors Ferenc Molnar und in Wien Marvie Hörbiger aus dem berühmten Schauspielerclan, der weit in der k. u. k.-Zeit wurzelt. Sie spielt heute in Liliom am Burgtheater. Das ist das Stück Molnars, das in Amerika zum Musical „Carousel“ umfunktioniert wurde und in welchem der hier behandelte Song vorkommt.

Hervorragend bereits am Molnar-Stück sei die stringente Verfolgung des Stoffes, der Story und die Herausarbeitung der Charaktere gewesen; diese Qualitäten wurden für die Musicalbearbeitung beibehalten, was dem Substanzerhalt zuträglich gewesen sei.

Es geht um einen Mann, der ein Verführer ist, der zwischen zwei Frauen steht, mit der einen alles ausleben möchte und die andere, die Schwangere, mit Schlägen traktiert und dann verduftet. Jahre später kehrt er zurück, da behandelt er seine inzwischen erwachsene Tochter ebenso. Ein Zwiderwurz von Charakter, aber in seiner Widersprüchlichkeit offenbar bühnen- und leinwandattraktiv genug. Ein Beispiel zeigt Hans Albers in der Rolle.

Gesungen wurde der Song von vielen Berühmtheiten, im Plattenladen findet Król jede Menge Aufnahmen, auch von Mahalia Jackson. Die merkwürdige Verbindung, die hier die Hochkultur mit dem Sport eingeht, die ist wohl rational nicht erklärlich, eher als akausale oder eine substanzgeleitete Faszination, dass der Fußball möglicherweise diese Zwiespältigkeit des männlichen Charakters im Theaterstück durchaus spürt, Verbindungen ahnt, es darf spekuliert werden.

Kein Zufall, dass der Song in Liverpool den Weg zum Fußball gefunden hat, einer Stadt in einer Region, die durch den industriellen Niedergang eine tiefe Depression erlitten hat, ähnlich wie Dortmund oder Herne im Ruhrgebiet und dass hier ein so emotionaler Song, der auch textlich tiefenfundiert ist, auf besonderen Resonanzboden stößt.

Über die Entwicklung innerhalb der Stadien geben Stadionsprecher detailliert Auskunft. In Liverpool kommt zu diesen tiefen Erniedrigungen der Menschen die Katastrophe von Hillsborough von 1989 hinzu, die lange den Fans angelastet wurde, welche erst 27 Jahre später vom Gericht entlastet worden sind.

Ausdauer auf dem Weg, das lobt die Hymne; die Liverpooler vergessen nicht leicht die Zeitung Sun, die den Skandal ausgelöst hat, noch heute wird sie dort nicht verkauft und die Briefträger weigern sich, Gratisexemplare an die Haushalte zu verteilen.

Viele Menschen, die Król trifft, verlebendigen die aufregende Geschichte und Hintergründe dieses Liedes: Choreographen, Fußballer, Trainer, Stadionsprecher, Theaterleute, Arrangeure, Musiker, Pfarrer, Dirigenten in knappen, kurzweiligen Statements. Ein Film, der eine ganz ungewöhnliche Kurve nimmt. Nicht zufällig wird auch die Nähe des Liedes zum Gebet erwähnt.

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