Der Titel muss erklärt werden. Er ist nicht so kindisch, wie er sich anhört. Double Income No Kids Yet und Single Income No Kids Yet.

Ein Themenfilm zum dünnen Thema KiWu (Kinderwunsch) von Mareille Klein mit einem spielbegabten und spielbegeisterten Ensemble in Impromanier mit Handkamera in spontaner Dokuart lustvoll und charmant aufbereitet (da gibt es auch mal eine Szene über moderne Kinderwägen und ihre Tools).

Getragen wird der Film schauspielerisch von Katrin Röver als Frida. Sie ist Sportlehrerin, trainiert für den München Marathon, möchte ein Kind, an ihr kann es nicht liegen. Jetzt sollte ihr Freund Tobias (Till Firit) sich untersuchen lassen; er aber will kein verdammter Zuchthengst sein, er zieht lieber Leine.

Eine gute Stütze für Frida möchte ihre Mutter Brigitte (Ulrike Willenbacher) sein. Die selbst ist des Alleinseins überdrüssig und lernt über das Internet Hartmut (Michael Wittenborn) kennen. Sein Charaktermerkmal sind Anekdoten, in denen seine früheren Frauen eine Rolle spielen, Ehefrau zwei oder drei oder bald vier oder Samll-Talk mit den serbischen Möbelpackern.

Frida ist weniger erfolgreich mit ihren Blind Dates über ein Internet-Portal. Schöne Männerzeichnungen liefern die Kandidaten mit wenigen Strichen.

Das Thema KiWu illustriert ein Requisit: das Periodenbüchlein, was Frida im Sportunterricht führt. Denn viele der Mädchen scheinen auffallend häufig die Periode zu haben, um sich damit vom Sportunterricht zu entschuldigen. Statistik könnte da hilfreich sein. Aber das Requisit bekommt ein komödienwirksames Eigenleben. Die Schüler kopieren eine Seite daraus und ergänzen die teils skurillen Zeichnungen mit Pornographischem, veröffentlichen sie im Internet mit absehbaren Folgen. Frida kann sich in der Elternversammlung nur schlecht wehren. Katrin Röver spielt das großartig.

Ein anderes Requisit mit einer kleinen Geschichte ist der Hamster, den Tobias Frida schenkt, ein schräges Geschenk im Hinblick auf den unerfüllten Kinderwunsch. Auch dieses entwickelt später Eigendynamik, die zu komischen Szenen führt, weil Mareille Klein in solchen Dingen konsequent denkt.

Klar lässt sie Frida in Szenen erscheinen, in der junge Familien sind, in denen sich alles nur um die Kinder dreht. Auch am See lernt sie einen interessanten Mann und Journalisten kennen.

Doch der Kinderwunsch drängt, umso mehr als der Arzt ein Schwinden des Vorrates an Eizellen bemerkt, mit einem schönen Fachbegriff. Auf Fridas langes Gesicht hin befleissigt er sich zu ergänzen, das seien Feststellungen, die seien heute lediglich dank überaus genauer Messmethoden treffbar. So gibt es ein Stück Aufklärung über solcherlei Dinge.

Das Thema Samenspender kommt auf, denn Frida möchte ein Kind, solange es noch geht. In Holland sei das machbar. Kostet eine Kleinigkeit und Mutter ist nicht bereit, eine Vorabzahlung aus dem Erbe zu leisten.

Einen Hauch scheint der Film inspiriert von der Tradition, die mir in „Shoppen“ das erste Mal aufgefallen ist: Spontan- und Blind-Date-Stories in Impromanier mit einem Schuss augenzwinkernder Ironie.

Ein besonderes Kompliment gehört der Castingabteilung, die einen interessanten Mix an Darstellern zusammengebracht hat, die prima mit dieser improvisatorischen Arbeit umgehen können und dadurch Interesse wecken. Der Film könnte auch als Vorfilm durchgehen zu Was hat uns denn bloss so ruiniert? nach der Methode: glaubwürdig Alltag mimen.

Schön, wenn Requisiten für kleine Geschichten gut sind, wenn sie wie ein Staubkorn wirken, um das herum sich kondensierend ein Wassertropfen bildet, der das Thema des Filmes vibrierend und leicht gebogen spiegelt wie das Periodenbüchlein.

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