2002 hatte Francois Ozon einen Film mit dem Titel „8 Frauen“ herausgebracht, Ausdruck französischer Filmkultur, französischer Regiekunst und französischen Startums.

Ganz offensichtlich möchte Olaf Kraemer mit seinem Titel von 5 Frauen darauf als Vorbild verweisen, als Messlatte? Das lässt auf enorme Selbstüberschätzung schließen.

Die gute Nachricht zuerst: Die Filmmusik von Philipp Fabian Kölmel, die hats in sich, die saugt sich einem ins Ohr, zu der könnte man stundenlang Landschaftsbilder aus Frankreich vorm inneren Auge vorüberziehen lassen, wenn da nur nicht die Schauspielerei wäre und das Drehbuch und die Regie und überhaupt: die fehlende deutsche Filmkultur, die sich aufführt.

Die schlechte Nachricht: eben diese Auswüchse deutscher Filmsubventionskultur sind leider zur Musik auf der Leinwand zu besichtigen. Einmal mehr hat ein deutsches Filmteam geglaubt, von der französischen Filmkultur beleckt zu werden, wenn es für einige Wochen eine lauschige Location in Frankreich mietet und dort in Urlaubsmanier versucht, einen Film zu drehen. Das hat in den letzten Jahren nie funktioniert – es gab viele solcher Versuche, zuletzt der gründlich misslungene Affenkönig.

Auch diesmal ist die Location einzigartig. Ein länglicher Steinbau in grünen Hügeln mit großbürgerlicher Innenausstattung.

Doch der Film bedürfte einer Generalsanierung noch vor dem Erscheinen im Kino. Schon die Grundidee ist nicht wirklich ausgeführt, ist nicht mal auf ihre Tragfähigkeit für einen Kinofilm geprüft worden. Sie kommt in einem Satz im Film vor. Der wirkt so jedoch lediglich als Gag, weil er keineswegs auf seine Konsequenz im Verhalten der Figuren zu einander, in ihrem vertrauten Ton, in der Differenzierung der Charaktere durchgearbeitet worden.

Hier werden die Frauen eingesetzt wie ein anderer Kühe verwendet, ohne individuelle Geschichte, ohne Konflikte und entsprechende Verhaltensweisen; die Figuren haben keine Lebensläufe, womit den Dialogen und den Handlungen weitgehend die Basis zur Glaubwürdigkeit entzogen ist.

Diese Grundbehauptung ist diejenige, dass die 5 Frauen sich von Kindsbeinen an kennen. Sie waren alle in einem „Bastelkreis für verhaltensgestörte Einzelkinder“. Sie haben sich seither einmal jährlich getroffen, um die Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Davon ist allerdings weder in der Inszenierung noch vom Drehbuch noch von der Schauspielerei her auch nur ein Hauch zu verspüren. Der Satz über diese Vergangenheit ist bestenfalls heiße Luft oder Bluff oder ein Beweis für die lausige Kinoarbeit von Olaf Kraemer.

Die essentielle Kinoarbeit wurde nicht geleistet. Das Filmteam träumte lediglich von ein paar netten Tagen auf des deutschen Steuer- und Zwangsgebührenzahlers Kosten, in denen mit Handkamera und Unterwasserkamera und mit Drohnen und einigen psychodelischen Effekten mit dem Material rumgespielt wird; alibihalber werden ins Drehbuch Gesprächsfetzen über Beziehung und Bindung und dann aus purer Auswegslosigkeit und wegen miserabler Vorbereitung einige Trash-Elemente eingebaut, ein unglaubwürdig dargestellter Mord an einem vermeintlichen Vergewaltiger und noch viel weniger plausible Reaktionen auf die Leiche plus ein reichlich alberner Versuch, die Leiche zu entsorgen und als Höhepunkt eine Vergebungsszene zwischen Opfer und Vergewaltiger.

Das Opfer, das ist die Gastgeberin, erkennt den früheren Vergewaltiger an einem Tattoo wieder. Mit einem Messer deutlich sichtbar aus Gummi, damit keine Verletzung passiert, drückt sie auf dessen Kehle. Der Mann muss vor ihr niederknien. Er muss sich entschuldigen und ab dem Moment fühlt die Frau sich nicht mehr als Opfer.

So leicht geht das im subventionierten deutschen Film. Dafür wurde er auch vielseitig aus Steuern und Zwangsgebührengeldern gefördert und die Herrschaften Funktionäre und Redakteure sollten sich nochmal ganz genau überlegen, wieso sie dieses miserabel gearbeitete Drehbuch zum Dreh freigegeben haben.

Dem vorgeblichen Regisseur und Autor Kraemer fehlt es zu ernsthaftem Filmemachen an allem, an Menschenkenntnis, an konsequentem Figur- und Handlungsdenken, am Scannen der Charaktere, am Willen zur Glaubwürdigkeit, am Talent zum Schreiben von sich aus der Situation und der Vorgeschichte ergebenden Dialogen, so dass dann einmal mehr zu dem verräterischen Satz „Was ist denn hier passiert?“ gegriffen wird.

Ein weitere filmische Totgeburt aus deutschen Filmlanden, eine weitere Steuer- und Zwangsgebührenverschwendung.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

6 Antworten zu “5 Frauen”
  1. Jesuspilz sagt:

    „Frauen, Drogen, Rausch und Erotik. Dazwischen Fragen zum Beziehungsideal, zur Opferrolle und den dunklen Seiten der weiblichen Persönlichkeit. In seinem Spielfilmdebüt verdichtet Olaf Kraemer die Essenz seines schriftstellerischen Schaffens zu einem experimentellen Drama. Der Autor der Uschi-Obermaier-Biografie „High Times“ schickt seine Schauspielerinnen auf einem französischen Landgut buchstäblich durch Licht und Schatten. Die sinnlichen, sonnengefluteten Bilder weichen einer düsteren Drohkulisse, als ein Unbekannter in das Haus eindringt. Das Ensemblestück wird zum Psychospiel, aus dem entspannten Wochenende ohne Männer ein bohrender Krimi mit Leichen. “ Bernhard Blöchl Süddeutsche Zeitung

  2. Stefe sagt:

    Vielen Dank, Jesuspilz, für das kritikvergleichende Einstellen der Blöchl-Passage aus der SZ. Ich hatte den Text zufälligerweise auch gelesen und mich gewundert, wie über einen so unausgegorenen Film so wunderbar geschrieben werden kann.

    Ein Film, zwei Texte. Wobei, wenn ich das richtig sehe, der Bernhard Blöchl nicht im Feuilleton, sondern auf der Veranstaltungsseite der SZ schreibt, welche prinzipiell die Filme von ihrer attraktiveren Seite darzustellen versucht.

    Mein Rat ist und bleibt: Leute, schaut Euch die Filme an, nur dann können wir diskutieren darüber, gerade über den aktuellen Film „5 Frauen“, zu welchem wir hier schon mal zwei extrem konträre Meinungen haben.

  3. Jesuspilz sagt:

    Na, der Film hat zahlreiche gute Besprechungen bekommen u.a. auch im Filmteil der SZ. Zu recht finde ich, weil er innovativ, spannend und angenehm undeutsch ist. Siehe unten:

    http://www.ardmediathek.de/tv/kinokino/5-Frauen-Kurzkritik/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14913678&documentId=42568400

  4. stefe sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis, Jesuspilz.
    Vielleicht war der BR ja Koproduzent und macht somit Werbung in eigener Sache.
    Schön für den Film, wenn er gute Kritiken bekommen hat. Allerdings können die Leser meist instinktsicher unterscheiden zwischen „gut“ und „gut gemeint“. Mir ist jedenfalls das Innovative, Spannende und angenehm Undeutsche, von dem Sie schreiben, nicht aufgefallen; außer der Location: die war angenehm französisch.

  5. Jesuspilz sagt:

    Der BR war kein Co-Produzent, der Film ist ohne Senderbeteiligung enstanden, das hat der Regisseur im Interview gesagt. Scheinbar ist es ist viel einfacher sich hinzusetzen und einen Verriss runter zu schreiben, als sich damit auseinanderzusetzen wie ein Film enstanden ist und wie er finanziert wurde. Der Film hat kaum Geld gekostet und ist sicher kein Beispiel für die Verschwendung von Subventionen – immerhin haben über 60 Leute daran gearbeitet und Geld verdient. Wovon leben Sie denn? Werbung? Ich finde es grauenhaft wie Sie die Arbeit anderer so vernichtend niederschreiben, ohne die Hintergründe zu kennen oder auch nur recherchiert zu haben – was ein Journalist tun sollte. Einen schönen Tag trotzdem Stefe! Der Jesuspilz

  6. Stefe sagt:

    Es steht Ihnen frei, Jesuspilz, sich aufzuregen. Bisher haben Sie keinen meiner Einwände widerlegt und was Sie an dem Film so spannend und innovativ finden, bleibt offenbar Ihr Geheimnis.

    Es gibt viele Möglichkeiten, über Film zu schreiben und es gibt keine Vorschrift, was dabei zu tun sei, auch keine Vorschrift, Interviews mit Regisseuren zu lesen. Auf jeden Fall ist ein Filmkritiker kein Sozialarbeiter, der einen Film nur deshalb gut finden muss, weil 60 Leute wenig Geld damit verdient haben (war es überhaupt der Mindestlohn?). Vielleicht ist ja die Idee hinter dem Film ganz passabel; entscheidend aber ist, was auf der Leinwand zu sehen ist; und das scheint mir bei diesem Film nicht besonders gelungen, und das habe ich beschrieben.

    Das fängt schon mit dem Titel an. Wenn einer in Frankreich einen Film dreht und ihn „5 Frauen“ nennt, so setzt er selbst die Messlatte hoch, nämlich mit dem direkten Hinweis auf Francois Ozons „8 Frauen“; sollte er den allerdings nicht kennen, obwohl er in Frankreich dreht, dann gibt er schon mal zu, dass er zumindest im französischen Kino nicht allzu bewandert ist, was doch verwunderlich wäre, da er doch einen erfrischend undeutschen Film habe machen wollen, wie Sie andeuten.

    Auf jeden Fall tritt der Filmemacher mit seinem Film an die Öffentlichkeit und zeigt ihn nicht im geschützten Rahmen einer Schule, eines Clubs oder einer sozialen Randgruppe, bei dem die Hintergründe eine entscheidende Rolle spielen mögen, und so muss er sich mit anderen Werken in der freien Kinowildbahn messen lassen, mit der Erinnerung an „8 Frauen“. Da können die „5 Frauen“ nicht ansatzweise mithalten. Das habe ich beschrieben. Die Steilvorlage dazu hat der Filmemacher selbst mit seinem Titel geliefert.

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