PR-Hilfe von Donald Trump: der Abwurf der Mutter aller Bomben hat Afghanistan wieder in den Blick gerückt.

Dass das Thema Abschiebung Stoff für eine rabenschwarze Komödie hergeben kann, das lässt dieser Film von Philippe de Chauveron (Monsieur Claude und seine Töchter) spüren.

Karzaoui (Medi Sadoun), der nicht Karzaoui zu sein behauptet, soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Der Grund dafür ist der, dass er mit den Papieren von Karzaoui aufgegriffen wurde. Dieser hat Ähnlichkeit mit dem Mann auf den Papieren. Allerdings hat er diese einem Obdachlosen geklaut, der die alte Frau niedergeschlagen hat, weswegen er jetzt ausgewiesen werden soll.

Der vorgebliche Karzaoui ist jedoch ein papierloser Algerier, der sich illegal in Frankreich aufhält. Und der soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Das ist allerdings nicht die Perspektive und der Grund, das zu erzählen. Hauptfigur ist der Polizist José Fernandez (Ary Abittan), ein zugewanderter Franzose, der davon träumt, zur Feuerbekämpfung befördert zu werden.

Sein Job mit den Abschiebeflügen wird informativ vorneweg gezeigt. Das führt zu Misstrauen von seiner Frau Maria (Reem Kherici), weil der Kollege Guy Berthier (Cyril Lecomte) die Reisen und Übernachtungen zwischen den Flügen für das Vergnügen mit Hostessen benutzen will. Da kann José, der ein gutaussehender, viriler Mann ist, nicht Nein sagen und versucht, sich mit dem Begrifff „Subliminalbild“ bei seiner Maria herauszureden.

Wobei Josés Hauptcharakteristik die ist, wie der Titel sagt, alles unter Kontrolle zu haben. Er muss nur noch mit Guy zusammen den schwierigen Karzaoui nach Afghanistan bugsieren und dann steht seiner Beförderung zur BRB, der Brandbekämpfungsbrigade, nichts mehr im Wege.

Außer den Problemen mit dieser einen Abschiebung. Turbulenzen kündigt schon der Wetterbericht an. Der Kapitän spricht von „Rock n Roll“, später fällt der Satz „es turbuliert“. Die dadurch bedingte Zwischenlandung in Malta bringt jede Menge weiterer Turbulenzen und Verführungen und Ausbruchschancen für Karzaoui und ein Luxushotel mit Sprachstudentinnen aus aller Welt.

Diese Hindernisse arbeitet de Chauveron schön ab. Das wirkt wie ein Pflichtprogramm, vielleicht nimmt de Chauveron das Thema für eine schwarze Komödie nicht ernst genug, versucht zu sehr die Klamotte zu bedienen, Klamotte vor ernstem Hintergrund, ohne allerdings allzugenau die Charaktere und die Konsequenzen einzelner Vorgänge zu untersuchen.

Wobei Jose überzeugt als der Mann, der alles richtig machen will. Später wird er eine einschneidende Erfahrung macht, indem er als Bootsflüchtling ohne Papiere vor Lampedusa aufgefischt wird und das routinierte Prozedere der Flüchtlingsaufnahme selber erleiden muss. In solchen Momenten entwickelt das Denken des Autorenfilmers abgründiges Komödienpotential, wenn es um das Spiel mit den Identitäten geht, darum, dass Ausweispapiere den Menschen ausmachen und was die Folgen sein können, wenn er solche nicht hat oder die falschen.

Sympathisch wirkt José auch dadurch, dass er unbedingt seine Maria, die ihn längst aus der Wohnung mit dem Buben rausgeschmissen hat, zurückhaben will. Auch da ist er konsequent und ein gradliniger Charakter. Das ist gut gedacht, eine gradlinige Figur in das Zentrum von lauter krummen Handlungen zu setzen.

Drastische Beschreibung der Folgen eines Drohnenangriffes in Afghanistan: Mutter ist platt wie ein Panini. Schöner Satz eines Afrikaners über die Afrikaner: on circule, wir sind immer unterwegs!

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