Zwei Dinge sind an diesen Lebenslinien über die Ur-Münchnerin und Schauspielerin mit Vorfahren auf dem alten Südfriedhof bemerkenswert. Zum einen, dass sie ihr Kinderstartum, sie bekam schon mit 9 Jahren ihre erste Filmrolle, offenbar unbeschadet überstanden und mit einer kleinen Unterbrechung es seither in 55 Jahren auf um die 140 Film- und Fernsehrollen gebracht hat. Zum anderen, dass sie durch ihre von Helmut Dietl für sie maßgeschneiderten Rolle in den „Münchner Geschichten“ zur Fernsehgeschichte gehört.

Außer ein paar kurzen Hinweisen auf die Kinderstarzeit, gibt es noch gruselige Ausschnitte und Statements zum Polizeiruf (mit dem Insert von Szenen aus dieser Serie tut Andi Niessner, der Regisseur und Autor dieser Lebenslinien, der Portraitierten keinen Gefallen), aber von all den anderen vielen Rollen erfährt man grad gar nichts, auch kein Kommentar zum Niveau der Drehbücher und generell der Entwicklung des Fernsehens oder des Kinos.

Ein schöne Anekdote ist, und das spricht für ihre Freiheit, dass sie, nachdem nach dem Kinderstartum ein Angebot aus der Sexwelle kam, sie lieber mit Freunden in einem VW-Bus nach Afrika gereist ist. Solche Entscheidungen sind Knackpunkte, Weichenstellungen in einem Leben, sicher im Sinne der „Lebenslinien“. Und genau da, wo sie sich losgesagt hat von der Filmerei, sucht Helmut Dietl sie. Damals ging Kommunikation nach Afrika noch postlagernd.

Eine weitere Entscheidung war die, auch eine eindrückliche Anekdote, dass ihre Agentin Alexander aus ihr einen Weltstar machen wollte; dafür hätte sie aber ihre Nase operieren lassen müssen. Da weigerte sich die May und bewies Charakter.

Der größere, der Homestoryanteil dieser Lebenslinien ist nicht allzu ergiebig (Kinder, Trennungen, Scheidungen, Oma, Yoga, Natur und Käuzchen) und wie sie am Valentinsbrunnen auf dem Viktualienmarkt ein Rose hinlegt, kommt das Logo einer Münchner Brauerei doch irre gezielt im Hintergrund ins Bild; so als ob im Trüben mit solch nicht ausgewiesener Werbung Geschäfte gemacht würden.

Niessner hat sich in München vor allem für bekannte Drehorte entschieden: Viktualienmarkt, Isar, Nymphenburger Park.

Man hätte sich mehr von den Geschichten gewünscht, die dem Leben eine bestimmte Richtung geben, wie die Anekdote von der Agentin oder dem Sexfilmangebot und der darauf folgenden Entscheidung, Kindergärtnerin werden zu wollen.

Oder von den vielfältigen Aktivitäten, die der Schauspielerberuf wie ein bunter Strauß, wie sie sagt, bereithält (Lesungen, Theater). Aber Niessen gibt sich lieber mit wenig aussagekräftigen, wohlwollenden Statements von Kollegen, Yogagruppe, Bekannten und Verwandten zufrieden. So wirkt es allerdings auch so, als seien die ganzen Rollen, die Michaela May seit Dietl gespielt hat, spurlos an ihr abgeperlt. Gerade dadurch wiederum macht sie jedoch einen ganz normalen, bodenständigen – münchnerischen – Eindruck. Was nicht im Widerspruch zu ihrer Maxime steht, die Einheit von Alter und Aussehen, von Seele und Körper anzustreben.

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