Die Schöne und das Biest ist ein Repertoire-Stück im Kino. Zuletzt kam es aus Frankreich als eine harte, auch filmästhetische und kinematographische Auseinandersetzung über Kunst, was ist schön.

Jetzt ist der Stoff bei Diesney gelandet und die machen daraus, was sie eben können. Sie fangen ihn als opulentes, zuckersüßes Operettentheater an, viel Volk, viele Songs (der Dorf-Bonjour-Song), viele Kostüme und Belle, die Schönheit, ist Emma Watson, hier als eine Konfektionsschönheit vom Lande hergerichtet. Belles Vater Maurice (Kevin Kline) ist ein Bastler, baut an Windmühlen-Musikdosen. Die Mutter ist in Paris an der Pest gestorben.

Das Biest (Dan Stevens) flezt sich erst als Prinz auf dem Thron in einem höfischen Thronsaal von Hollywooddimensionen. Dann taucht die Alte, die Hexe auf und die Verwandlug zum Biest findet statt, die Rose, die ab und an ein Blatt abwirft, wird in einer Glaskugel aufbewahrt. Wenn das letzte Blatt ab ist, kann das Biest nicht wieder zum Prinzen zurückverzaubert werden.

Im Dorf ist Gaston (Luke Evans), ein stutzerhaft eingebildeter Macho. Der ist scharf auf Belle. Sein rundlicher Sidekick, der beide zu einer Art komischem Buffopaar macht, ist Le Fou (Josh Gad). Gaston erhält eine Abfuhr von Belle.

Belles Vater Maurice gerät auf dem Rückweg von der Stadt in den Winterbereich ums Schloss und in die Herrschaft des Biestes, das von der Ausstattung her ein Operettenbiest ist, besonders später, wenn es Belle kennengelernt hat und schön höfisch gekleidet ist; vom Spiel her ist es anfangs eher grob und grobschlächtig zu nennen.

Die Ausgangspositionen der Figuren und Gruppierungen, die jetzt aufeinander losgelassen werden, sind somit abgesteckt, denn es gilt für Belle, den Vater zu suchen und Gaston ist hinter Belle her.

Die Begegnung zwischen Belle und Biest passieren bei Disney in erklärender Weise. Erst sorgt sich Belle samariterhaft um das von den Wölfen verwundete Biest. Dann lernen sie bei Gesprächen über Literatur in der Bibliothek einander schätzen. Es wird also „erklärt“, was meiner Ansicht nach genau den Reiz und das Geheimnis, das Undurchschaubare dieser Beziehung ausmacht, dass sie nicht erklärbar ist, dass Belle unerklärliche Schönheit im verunstalteten Biest sieht, vielleicht seine Seele erkennt, aber sicher nicht über ein Abstecken gemeinsamen literarischen Interesses. Dann könnten sie sich genau so gut über ein Dating-Portal kennenlernen.

Diesen substanziellen Verlust, diesen Verlust des Atomkerns der Geschichte überdeckt Disney gewohnt souverän mit Effekten und Songs, die mit der Story und ihrem Thema wenig zu tun haben, die aber immer für Lacher gut sind.

Das Schlossmobiliar wird animiert. Teetassen und Teekannen sprechen und bewegen sich nicht weniger als Kandelaber, Pendule, Plumette, Schminkschränke oder gar ein Cembalo – Hotel-Mobiliar-Story statt Toy-Story. Später, wenn ein Aufstand des Volkes mit Fackeln gegen das Schloss einsetzt, fällt Diesney noch viel mehr Unfug mit diesen animierten Gegenständen ein.

Vom Genre her wandelt sich die Operette mit der Anbahnung der Liebesgeschichte zum Melodram um gegen Ende hin nochmal kräftig und aus allen Rohren traditionell operettig und disneyig aufzudrehen.

Wer die Geschichte noch nicht kennt, der lernt immerhin, dass es sich um die Liebe zwischen einer schönen Frau und einem behaarten, gehörnten Freakwesen handelt, eine Anti-Romeo-und-Julia-Geschichte.

Das Buch stammt von Stephen Chbosky (Rent), Evan Spiliotopoulos (The Huntsman & the Ice Queen)
Die Regie führte Bill Condon (Mr. Holmres, Inside Wiki-Leaks, Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 2).

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>