Archiv für 16. März 2017

„Wenn eine Frau lächelt, dann ist die Suppe schon vergiftet“ meint der Kommissar – und wenn ein Kommissar lächelt – und er tut es oft, strahlt wie ein Konfirmand -, was ist es dann? Dann ist es Kommissar Pascha (Tim Seyfi), das bedeutet:

Billige Fernsehware, die linkisch auf den Integrationszug hechtet.
Resultat: Referenz an Rosenheim Cops als bayerisch-anatolischem Bauerntheater für Integrationszurückgebliebene.

Vielleicht hat die Story ja Hand und Fuß, ist aber im viel zu schnell und oft undeutlich prononcierten Textgeschnetzele schlicht untergegangen. Jedenfalls ist einem Kommissar, der lächelt, offenbar nicht zu trauen, dieser Kommissar ist nicht vertrauenswürdig, er ist scheinheilig, unzuverlässig, unhygienisch und ein anatolischer Macho dazu.

Scheinheilig: er spielt den gläubigen Muslim, kaum wird er einer Leiche ansichtig, betet er und im nächsten Moment, wenn es irgendwo Schweinefleisch und Bier gibt, greift er zu; also weder richtig Bayer noch richtig Anatole.

Er ist unzuverlässig im Umgang mit seinen Mitmenschen, Gattin, Tochter. Erst wenn letztere merkwürdig dilettantisch in Lebensgefahr gebracht wird, dann ist er plötzlich der liebende Vater; verlogen sowieso, wenn er behauptet, seine Familie sei seine große Liebe.

Er ist unhygienisch. Das zeigt der Umgang mit dem Zitronenhuhn, nachdem der Hund in die Tüte gebissen hat, trägt er die angebissene Tüte mit dem rausschauenden Hühnerkopf noch ewig und im Dienst nachlässig mit sich herum, der Kopf schleift fast auf dem Boden. Und wie er nachher das Huhn auf dem Küchentisch rupft, na guten Appetit! Auch im Biergarten trinkt er so unordentlich Bier, dass ihm ein dicker Schaumfetzen an der Nase hängen bleibt und er das offenbar nicht bemerkt, so dass die Tochter kümmernd diesen wegwischt, das lässt ihn als vertrottelt oder infantil erscheinen im Gegensatz zu seinen Bügelbemühungen.

Er ist ein anatolischer Macho. Er duldet keinen Mann neben sich und unter sich nur jüngere Frauen, und wenn Mann, dann muss es ein ganz pflaumenweicher sein (Michael A. Grimm als Pius).

Er will elegant sein, was an den guten alten Derrick als Kommissar erinnert, denn er trägt Anzug, verfügt über eine enorme Sammlung an Stofftaschentüchern mit Monogramm, die er sorgfältig bügelt. So eine teures Taschentuch nimmt er im Puff, um sich drauf zu setzen und entsorgt es gleich im Müll oder er verschenkt eines an die schniefende (das tut diese überzeugend!) Mitarbeiterin Jale (Almila Bagriacik).

Überhaupt scheint in den Lebensverhältnissen dieses Möchtegern-Mann-von-Welt einiges nicht zu stimmen, nicht nur, dass er es nicht geschafft hat, seine Familie zusammenzuhalten, auch wohnt er weit überdimensioniert in einer schicken Altbauwohnung, wie ein kleiner Kripokommissar sie sich in München garantiert nicht leisten kann, zu schweigen von der Sammlung offenbar exklusiver Taschentücher. Dieser Kommissar will mehr sein als er ist.

Die Anzug-Masche bringt ihn und die Continuity beim eh schon schwerfälligen Schnitt dauernd in die Klemme, Sakko an, Sakko aus, Sakko unterm Arm, Sakko über die Schulter, Sakko-Knopf zu, Sakko-Knopf auf oder am Knopf nesteln, auch wenn er zu ist, Sakko gezielt neben den Kleiderhaken hängen, auch das ein Hinweis darauf, dass diesem Kommissar nicht zu trauen ist, denn das müsste er doch bemerken; soll aber vielleicht diesmal erzählen dass er betrunken ist. Wenn schon Anzug als Hinwegtäuscher über Defizite, dann müsste man ihn wenigstens beherrschen.

Dieser Kommissar ist mit Selbstdarstellung beschäftigt und nicht mit Betrachten des Falles und der Menschen um ihn herum, der Fälle, die es zu lösen, in die es einzudringen gilt. Es fehlt das Elementarste für einen spannenden Krimi: eine menschliche und auch nachvollziehbare Geschichte, die sich aus Konflikten ergibt. Hier geht es lediglich um eine diffuse, geschäftliche Liaison zwischen zwei türkischen Geschäftsleuten, die in den Dämpfen eines Hamams in Istanbul schummrig bleibt und die nicht weiter herausgearbeitet ist. Dem Krimi fehlt der Krimi.

Der Impetus, einen Integrationsfilm zu machen (mit der Erfindung einer Türkenabteilung, Ausländerabteilung bei der Kripo, als Antwort auf die NSU-Morde? – das wäre doch hanbüchen) ist deutlich stärker, als der Impetus, etwas über Menschen und deren Konflikte zu erzählen.

Der Leiche, die auf dem Boden liegt, sieht man an, dass sie das Lachen verklemmt. Muss lustig gewesen sein am Drehort. Leider nicht für den Zuschauer.

Eine fernsehkritische Bemerkung erlaubt sich die junge Kommissarin angesichts eines möglichen Selbstmordes, vielleicht habe der Selbstmörder das Hauptabendprogramm geschaut. Nun, wegen diesem Film wird sich niemand erschießen; einschlafen oder wegzappen dürften naheliegendere Reaktionen sein.

Der Kommissar wirkt angespannt, der Druck seiner gut präparierten Texte, die wie aus dem Rohr geschossen kommen, übersteuert, zu bemerken gelegentlich an einem aufgeregten Fingerkuppenaneinanderreiben bei Steh-Dialogen, wobei die Regie von Sascha Bigler, der auch das Drehbuch nach dem Roman von Su Turhan geschrieben hat, nicht gerade smart zu nennen wäre – um höflich zu bleiben. Auch was die Bevölkerung des Bildschirms mit Randfiguren betrifft, mit plumpen, uncharmanten Knallchargen von Hundebesitzerin oder Killer, dumpfe Figuren, sind diese nicht dazu angetan sind, einen Krimi zum Vibrieren zu bringen.

Gleichzeitig muss der Taschentuchtick des Kommissars für einen billigen Running-Gag herhalten: ein Bediensteter des Kommissariats bringt ständig neue Kommoden, die mindestens drei Schubladen für Paschas Taschentuchsammlung haben sollen. Müde Einlage aus verschlissenem Improtheater.

Es scheint im Film um die Fusion zweier türkischer Unternehmen zu gehen. Eine Heirat soll das besiegeln. Anlass, das Thema Defloration, resp. den Anspruch auf und die Kontrolle der Jungfräulichkeit fürs deutsche Fernsehpublikum zu erklären und auch, wie ein kaputtes Hymen in einer Klinik namens Virgo wiederhergestellt werden kann.

Die Erinnerung an Derrick lässt den Unterschied zu diesem ungepflegten Machwerk besonders eklatant erscheinen. Derrik selbst musste im Grunde genommen nur den Anzug und die Rolex tragen können. Das tat er. Er musste sich lediglich das Drumherum anschauen (und mit ihm die Zuschauer): das waren generell erstklassig geschriebene Figuren, dargestellt von einer Riege erstklassiger Schauspieler, die unter der Anleitung erstklassiger Regisseure großartig aufgespielt haben. Das hatte Klasse. Hier scheinen jedoch Geld und Wille zur Klasse gefehlt zu haben; genau so wie ein Wettbewerb um die bestmögliche Besetzung. Die Billiglösung: anatolisch-bayerisches Bauerntheater; wobei das auch wieder nicht stimmig ist, denn die Darstellerinnen türkischer Provenienz versuchen sauberes Hochdeutsch zu sprechen, was faktisch einem niederschmetternden Fernsehdeutsch gleichkommt, um nicht in die Ecke des sogenannten „Gemüsetürken“ (der auch vorkommt) gestellt zu werden. Diese Rollen hat unser Kommissar bereits hundertfach hinter sich, wie die Liste bei IMDb vermuten lässt.

Der Prozess des Zusammenpralls zweier Sprachen ist miserabel beobachtet, er wird hier desintegrativ eingesetzt, wirkt wie eine kulturelle Schwundstufe, statt dass die beiden Idiome sich befruchtend antörnen: im Film wird faktisch negative Integration praktiziert; denn realiter ist in Bilinguebiotopen ein häufiges Übernehmen von Begriffen, ein von einem Idiom ins andere Fallen zu beobachten: das wird hier radikal ausgeschlossen, womit die Sprach- und Sprechverwaltung in diesem TV-Produkt konsequent auf Realitätsverweigerung setzt: den positiven Effekt von Integration negiert. Statt dass sich die Sprachen durch ihre Begegnung befruchten, separieren sie sich.

Der Kommissar will die wichtige Figur sein und nicht die Geschichte, die wird weggenuschelt, er möchte ein starker Typ sein, der seine Mitarbeiterin Isabel nur mit dem Familiennamen Vierkant (Theresa Hanich) schnodddrig anspricht. Hier will der Kommissar im Mittelpunkt stehen – und leider demonstriert er gerade dadurch einmal mehr, dass er nicht vertrauenswürdig ist. Denn er gibt sich auch dümmlich-kumpelig bei der Begrüßung „Habe die Ehre, hebe die Haare“ – nicht gerade geeignet, um einer Figur identifizierbares, verbindliches und respektgebietendes Profil zu verleihen.

Der Film versteht sich wohl von weltfremder, fernsehredaktioneller Seite und zur Legitimation der Erfüllung des Grundauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes als ein Immigrationsauflärungsbeitrag: es sind fingerzeigdicke Infos enthalten über die Döner-Industrie, türkische Hochzeitsrituale und das Problem des intakten Hymens.

Ob das geschickt ist, den Killer gerade während der Tötung eines Taxifahrers vorzustellen, mit Kopfhaube dazu, ein Mord, der im Film keine weiteren Folgen hat und dabei telefoniert der Täter noch beim Töten mit dem Handy, scheint zu sagen: uns interessiert Plausibilität einen Deut.

Überhaupt ist das Problem des Kommissars nicht klar, und auch, warum ein Mensch mit so vielen Defiziten Kriminalkommissar hat werden können.

Immerhin, eine schöne Kamerafahrt gilt es zu erwähnen: die Kamera schwenkt erhöht über München an einer Kirche nach oben, so wirkt der Kirchturm momentweise wie ein Minarett, das auch weitere Türme in München in diesem Lichte erscheinen lässt – fehlt nur noch die Überblendung zu Istanbul.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers an die von ihm finanzierten Redakteurinnen Stephanie Heckner, Katja Kirchen, Lucia Vogdt und an den Intendanten Ulrich Wilhelm des produzierenden BR!

(Erdogans Propagandabteilung dürfte den Auftritt eines bereits halbwegs islamisierten Kommissars im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland als enormen Erfolg verbuchen).

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Filme der unterschiedlichsten Kaliber und Herangehensweisen. In Frankreich untersucht Téchiné, wieso Damien und Thomas wie Feuer und Wasser aufeinander reagieren; in Thailand gerät der ausgerissene 100jährige 101jährig in Geldnot, im Animationsland gilt Vorsicht vor falschen Hasen, am Bosporus wird ein delikates Liebesthema delikat verklausuliert und in Hollywood versuchen sie, die Liebe der Schönen zum Biest vernünftelnd zu entzaubern.

MIT 17
Wie können zwei Außenseiter-Jungs sich nur so abstoßen?

DER HUNDERTEINJÄHRIGE, DER DIE RECHNUNG NICHT BEZAHLTE UND VERSCHWAND
Ob Volkssoda und die Erinnerung an den Kalten Krieg die finanziellen Probleme des 101jährigen lösen?

DIE HÄSCHENSCHULE
Stadt oder Land, die Frage wird klar beantwortet, aber ob ein Hase immer ein Hase ist, das ist nicht so sicher.

ISTANBUL KRIMIZISI
Ganz vorsichtig formuliert dieser Film sein Herantasten an die Liebe zweier Künstler.

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST
Hollywood kann Operette, hat aber Mühe mit dem Geheimnis der Liebe zu einer Nicht-Schönheit. Das ist doch schon per definitionem so. Da braucht sich keiner wundern.

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Ein Autor verschwindet.

Er heißt Deniz (Nejat Isler), wohnt mit seiner Mutter in einem großzügigen roten Haus direkt am Bosporus und ist ein erfolgreicher Drehbuchautor und Filmregisseur. Um ihn dreht sich einiges in diesem Film von Ferzan Ozpetek nach seinem eigenen Roman. Deniz wird bald spurlos verschwinden. Raum für Spekulationen, Offengelassenes, Für Nicht-Ausgesprochenes aber auch für Unklarheiten, die der Film reichlich nutzt.

Die Hauptfigur ist eine andere. Es ist Orhan (Halit Egenc), der aus London für einige Tage nach Istanbul zurückkehrt, um mit Deniz an seinem neuen Drehbuch zu schreiben. Nach einem trinkreichen Abend und dem Ausklang auf Liegestühlen direkt am Bosporus bei Gesprächen über Gott und die Welt, schlafen sie im Freien vor dem roten Haus ein. Am Morgen ist Deniz weg.

In der Manier redlichen Intellektuellentums und in smarter Filmsprache schwenkt ab jetzt der Fokus des Filmes wie ein Pendel seines Interesses zwischen der ebenfalls bitteren Geschichte von Orhan, der vor Jahren ein erfolgreiches Märchenbuch herausgegeben hat und seither unter Schreibblockade leidet und sich nach London abgesetzt hat, zur Mutter von Deniz, die kurz vorm Auszug aus dem Haus am Bosporus steht, und überhaupt zu den vielen Frauen, unter deren Obhut Deniz aufgewachsen ist, ein Haushalt ohne Männer, zur kurdischen Hausangestellten Sultan (Cembre Ebuzziya) und sowieso peripher zum Kurdenproblem, zur attraktiven Neval (Tuba Büyüküstün), die einmal mit Deniz was hatte, jetzt sind sie gute Freunde, und die mit einem Architekten verheiratet ist und an sensationeller Lage mit Blick über Istanbul wohnt, zu Yusuf, der plötzlich ins Spiel kommt und der Bildhauer ist, der Deniz verehrt und ihm wohl den Zugang zum Künstlertum zu verdanken hat und schließlich zur erotischen Spannung, die sich zwischen Orhan und Neval aufbaut.

Außer dem kurzen Blick auf die Kurdenthematik bleibt die Politik außen vor, lediglich eine türkische Fahne weht gut sichtbar auf dem kleinen Boot, das Orhan zu seinem Besuch über den Bosporus fährt.

Im wohlverhüllten Kern dieser Geschichte scheint es um eine künstlerische und erotische Amour Fou zwischen Yusuf und Deniz zu gehen; der Hinweise sind viele; aber so direkt scheint man das in der Türkei heute nicht auf die Leinwand bringen zu können; weitere Indizien ergeben sich auch aus Bildern, die Orhan im Zimmer von Deniz findet.

Die flüssige Erzählweise erinnert in Momenten tendenziell an die Daily-Soap-Methode, Szenen fangen damit an, wie die Leute zusammenkommen, sich vorstellen, sich begrüßen; dem Zuschauer erleichtert das das Folgen; es wirkt in solchen Momenten wie ein Kino zum täglichen Gebrauch; gleichzeitig werden in die Dialoge Weisheiten zum Leben oder zum Schreiben eingeflochten, auch zur Schilderung des literarisch-gebildeten Milieus, in dem der Film spielt und das sich hier spiegelt inklusive dem Thema der Einsamkeit des Autors.

Merke: wer an die Vergangenheit denkt, der verpasst die Gegenwart.

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Verlangen: Attraktion und Abstoßung.

Etwas ist zwischen Damien (Kacey Mottet Klein) und Thomas (Corentin Fila). Beide sind 17, sind auf derselben Schule in derselben Klasse in einem kleineren Ort in den französischen Alpen. Thomas reagiert allergisch auf Damien.

Damien guckt Thomas an und dieser stellt ihm ein Bein. Sie scheinen unversöhnlich, „Wir mögen uns nicht“ – „Erregst gerne Mitleid?“. Es stellt sich die Frage, ob Menschen im Allgemeinen und Jungs im Besonderen sich überhaupt vertragen können. Wie zwei Elemente, die nicht miteinander in Berührung kommen dürfen.

Das schildert Altmeister André Techiné im ersten Drittel seines Filmes, zu dem er mit Céline Sciamma auch das Drebhbuch geschrieben hat, übertitelt mit „erstes Trimester“; hier lässt er die Dramen, die in den Figuren ablaufen, vermuten. Hier ist noch Winter.

Techiné als Autor wird dafür sorgen, dass die beiden Jungs sich nicht auskommen, damit er genau studieren kann, was los ist mit ihnen und woher das Explosive in diesem Verhältnis/Nicht-Verhältnis kommt. Er wird den Gefühlen und dem Aufruhr oder dem Panzer der jungen Männer auf den Zahn fühlen.

Damien lebt mit seiner Mutter, der Ärztin Dr. Marianne Delille (Sandrine Kiberlain) in einem stadtnahen Einfamilienhaus. Ihr Mann, der Vater von Damien, Nathan (Alexis Loret) ist Pilot und auf einem Fronteinsatz der französischen Armee in Afrika im Rahmen des Antiterrorkrieges, für Téchniné Anlass für eine kritischen Seitenblick in das aktuelle Kriegsgewerbe.

Die Mutter von Damien ist eine engagierte Hausärztin, sie besucht ihre Patienten auch zu Hause, nicht selten verzichtet sie auf ihre Honorarforderung oder wird mit Naturalien entlohnt. So führt sie ihr Beruf auch zum Bergbauern Chardoul (Jean Fornerod), dessen Frau Christine (Mama Prassinos) immer Probleme mit Schwangerschaften hatte und noch keine mit einer Geburt vollenden konnte.

Deshalb haben die Chardouls den Jungen Thomas, der aus dem Maghreb stammen dürfte, adoptiert. Es ist jener Thomas, der wie allergisch auf den Arztsohn Damien reagiert. Zudem hat Thomas Mühe in der Schule, er hat einen langen Weg, erst Fußmarsch, dann Schulbus und verliert so täglich 3 Stunden. Er möchte Veterinär werden.

Die Mutter von Damien schlägt vor, Thomas solle doch zu ihnen ziehen, weil sie seine Mutter wegen einer erneuten Schwangerschaft ins Spital einweist. So ist die spannende Voraussetzung für das zweite und das dritte Trimester gegeben, wie die Zwischentitel heißen.

Zur Verschärfung der Auseinandersetzung der jungen Burschen, schickt Téchiné Damien zu Boxstunden beim Nachbarn Paulo (Jean Corso). Ob die Mutter, die mit ihrem fürsorglichen Einsatz, das Leben ihrer Mitmenschen geregelt haben möchte, das wirklich erreicht, ist fraglich.

Die beiden Protagonisten werden gleich zu Beginn als in sich gekehrte, eigenwillige, von den anderen nicht besonders geliebte Außenseiter charakterisiert, wie in der Turnstunde zwei Mannschaften gebildet werden sollen; diese beiden will erst mal keiner.

Das erste Trimester, das die Ausgangslage der Geschichte bildet, baut geschickt auch die Erwartung auf, dass Schlimmes passieren wird und lässt sich genügend Zeit, den Protagonisten auf langen Wegen weg oder hin zu Konfliktsituationen zu begleiten, wenn der innere Monolog wort- und mimiklos rumort.

Zwischendrin eine essentielle Diskussion über den Begriff „Verlangen“ von Platon bis Leibniz, ob dieses natürlich sei oder überflüssig.

Das Blumen-T-Shirt von Damien hat die Inschrift: „My dream is alive“
Er muss sich aber auch sagen lassen: „Du hast nicht genügend Vertrauen in dich und die anderen“.

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Die Schöne und das Biest ist ein Repertoire-Stück im Kino. Zuletzt kam es aus Frankreich als eine harte, auch filmästhetische und kinematographische Auseinandersetzung über Kunst, was ist schön.

Jetzt ist der Stoff bei Diesney gelandet und die machen daraus, was sie eben können. Sie fangen ihn als opulentes, zuckersüßes Operettentheater an, viel Volk, viele Songs (der Dorf-Bonjour-Song), viele Kostüme und Belle, die Schönheit, ist Emma Watson, hier als eine Konfektionsschönheit vom Lande hergerichtet. Belles Vater Maurice (Kevin Kline) ist ein Bastler, baut an Windmühlen-Musikdosen. Die Mutter ist in Paris an der Pest gestorben.

Das Biest (Dan Stevens) flezt sich erst als Prinz auf dem Thron in einem höfischen Thronsaal von Hollywooddimensionen. Dann taucht die Alte, die Hexe auf und die Verwandlug zum Biest findet statt, die Rose, die ab und an ein Blatt abwirft, wird in einer Glaskugel aufbewahrt. Wenn das letzte Blatt ab ist, kann das Biest nicht wieder zum Prinzen zurückverzaubert werden.

Im Dorf ist Gaston (Luke Evans), ein stutzerhaft eingebildeter Macho. Der ist scharf auf Belle. Sein rundlicher Sidekick, der beide zu einer Art komischem Buffopaar macht, ist Le Fou (Josh Gad). Gaston erhält eine Abfuhr von Belle.

Belles Vater Maurice gerät auf dem Rückweg von der Stadt in den Winterbereich ums Schloss und in die Herrschaft des Biestes, das von der Ausstattung her ein Operettenbiest ist, besonders später, wenn es Belle kennengelernt hat und schön höfisch gekleidet ist; vom Spiel her ist es anfangs eher grob und grobschlächtig zu nennen.

Die Ausgangspositionen der Figuren und Gruppierungen, die jetzt aufeinander losgelassen werden, sind somit abgesteckt, denn es gilt für Belle, den Vater zu suchen und Gaston ist hinter Belle her.

Die Begegnung zwischen Belle und Biest passieren bei Disney in erklärender Weise. Erst sorgt sich Belle samariterhaft um das von den Wölfen verwundete Biest. Dann lernen sie bei Gesprächen über Literatur in der Bibliothek einander schätzen. Es wird also „erklärt“, was meiner Ansicht nach genau den Reiz und das Geheimnis, das Undurchschaubare dieser Beziehung ausmacht, dass sie nicht erklärbar ist, dass Belle unerklärliche Schönheit im verunstalteten Biest sieht, vielleicht seine Seele erkennt, aber sicher nicht über ein Abstecken gemeinsamen literarischen Interesses. Dann könnten sie sich genau so gut über ein Dating-Portal kennenlernen.

Diesen substanziellen Verlust, diesen Verlust des Atomkerns der Geschichte überdeckt Disney gewohnt souverän mit Effekten und Songs, die mit der Story und ihrem Thema wenig zu tun haben, die aber immer für Lacher gut sind.

Das Schlossmobiliar wird animiert. Teetassen und Teekannen sprechen und bewegen sich nicht weniger als Kandelaber, Pendule, Plumette, Schminkschränke oder gar ein Cembalo – Hotel-Mobiliar-Story statt Toy-Story. Später, wenn ein Aufstand des Volkes mit Fackeln gegen das Schloss einsetzt, fällt Diesney noch viel mehr Unfug mit diesen animierten Gegenständen ein.

Vom Genre her wandelt sich die Operette mit der Anbahnung der Liebesgeschichte zum Melodram um gegen Ende hin nochmal kräftig und aus allen Rohren traditionell operettig und disneyig aufzudrehen.

Wer die Geschichte noch nicht kennt, der lernt immerhin, dass es sich um die Liebe zwischen einer schönen Frau und einem behaarten, gehörnten Freakwesen handelt, eine Anti-Romeo-und-Julia-Geschichte.

Das Buch stammt von Stephen Chbosky (Rent), Evan Spiliotopoulos (The Huntsman & the Ice Queen)
Die Regie führte Bill Condon (Mr. Holmres, Inside Wiki-Leaks, Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 2).

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Unbeschwert, sorglos und fröhlich einige Grundkonstanten des Lebens noch jenseits von Familie, Liebe, Karriere und Tiefgründigkeit munter abgehandelt oder zwanglos durchdekliniert.

Es gibt den Gegensatz von Stadt und Land. Die Hasen in der Stadt sind Straßenkids und stibitzen was nicht niet- und nagelfest ist, Äpfel oder Klamotten. Sie spielen mit einem fernsteuerbaren Modellflugzeug. Auf diesem dreht die Hauptfigur des Filmes, Max, Prototyp des städtischen Lausbuben, Runden und Pirouetten bis die Fernsteuerung versagt und das Flugzeug mit Max die Gemarkung der Stadt verlässt, über das Fuchsgebiet hinwegfliegt, die Füchse narrt und verwirrt und schließlich im eingezäunten Bereich der traditionell idyllischen Osterhasenschule im Stile köstlich-altbackener Niedlichkeit landet.

Die Freundschaftskomponente wird vom jüngeren Hasenmädel Emmi verkörpert, die Max bei seinen weiteren Auseinandersetzungen und Abenteuern, die er sich selber einbrockt, noch nützlich sein wird, denn Idylle und Osterhasenschule und auch, sich an Regeln halten, gar für eine Prüfung auf einem harten, physischen Parcours trainieren, sind Maxens Dinge nicht.

Max möchte lieber Mitglied in der coolen Gang in der Stadt werden. Und auch Autoritäten wie die spröde Madame Hermine oder der etwas verkindete Lehrer Eitelfritz sind in seinem Weltbild nicht vorgesehen. Er wird Ausbruchsversuche machen. Das ist verboten. Auch muss er dazu des Schlüssels, der geschickt in der Kuckucksuhr versteckt ist, habhaft werden, aber wozu hat Max seinen Slime-Arm.

Die Füchse aber haben das goldene Osterei in der Häschenschule entdeckt und wollen es klauen. Dadurch sind die Voraussetzungen gegeben, die Elemente eines vergnüglichen Kinderkrimispieles einzubauen mit comic-gerechter Action inklusvie Kidnapping und Vorspielen falscher Identitäten mittels Kostümen.

Das Drehbuch stammt von Katja Grübel und Dagmar Rehbinder nach dem Buch von Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus, die Regie übernahm Ute von Münchow-Pohl, die schon mit den Filmen von Rabe Socke das kleine Publikum erfreut hat: Der kleine Rabe Socke das große Rennen und Lauras Stern.

Im Abspann stehen viele chinesische Namen, die an den kinderfreundlichen Animationen beteiligt gewesen sind. Doch die Füchse sind nicht nur böse, auch ihnen droht Gefahr, der Nachrichtensprecher im Fuchs-TV warnt vor der Ausbreitung des Fuchsbandwurmes und wenn es den Hasen zu heiß wird, so üben sie den „Verschwindibus“, trotzdem gilt: Vorsicht vor falschen Hasen!

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Wenn ein Hundertjähriger im Altenheim statt durch den Flur zu seiner Geburtstagsfeier zu schlurfen durchs Fenster aussteigt und abhaut und sobald der Zuschauer mitkriegt, dass es sich keinesfalls um Demenz handelt, so ist er ob dieser ungeheuerlichen Abenteuerlichkeit sofort gefesselt. So war es bei Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, einem enormen Kinoerfolg von 2014.

Jetzt legt das gleiche Team, Felix Herngren und Hans Ingemansson mit dem Drehbuch und Felix Herngren als Regisseur zusätzlich verstärkt mit Mans Herngren ein Sequel vor. Wobei die Qualitäten eines solchen zum Tragen kommen. Man kennt die Figuren, man weiß, wie sie funktionieren, dass hinter dem Hundertjährigen gerne mal was explodiert, dass er ein aufregendes Leben als Spion im Kalten Krieg hinter sich hat, man weiß das er auf seiner Reise eine nette Reisegruppe um sich geschart hat, das Äffchen Erlander (Crystal, der Affe), Julius (Iwar Wiklander), Benny (David Wiberg), Miriam (Shima Niavarani).

Man weiß, dass die Truppe auf nicht ganz legalem Wege zu Geld gekommen ist und sich nach Bali abgesetzt hat. Hier nun setzt der Folgefilm ein am Sandstrand mit der Feier zum 101. Geburtstag von Allan (der großartig wandlungsfähige Robert Gustafsson).

Statt der Sensation des Neuen, wie im vorherigen Film stellt sich eher so etwas wie eine urige Gartenlaubenatmosphäre ein, denn die Figuren sind einem vertraut, man hat sie lieb gewonnen. Fast wirkt dieses beschauliche Strandleben öde und 101 Geburtstagskerzen auszublasen, das könnte demnächst zur olympischen Disziplin werden.

Keine Bange, den Herrschaften geht das Geld aus und sie müssen sich zu einem neuen Abenteuer auf den Weg machen. Allan erinnert sich an eine Geschichte aus seiner Agentenzeit. Russland wollte mit Innovationen gegen Amerikas Popkultur mobil machen. Mit der Balalaika-Rockband hat es nicht hingehauen, aber die Limonade „Volkssoda“, die schien das Zeugs für einen Knüller gegen Coca-Cola zu haben.

Allan hatte das Rezept. Wie das kam, das wird liebevoll in Kalt-Kriegs-Nostalgie-Filmart erinnert, da treten Breschnew und Reagan auf und Greis Allan verwandelt sich in einen eleganten Meisterspion in den besten Jahren.

Es geht um die Wiederbeschaffung des Rezeptes für das Knüllergetränk „Volkssoda“, von welchem Allan und seine Mitkämpfer sich ein Riesengeschäft erhoffen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne Youtube gemacht. Hier ist ein Clip von Allan und dem Äffchen erschienen und hat schlafende Hunde geweckt. Denn der letzte Film hat eine Reihe Geschädigter hinterlassen, die Wiedergutmachung verlangen und eine abenteuerliche, thrillerhafte Verfolgungsjagd in Gang setzen inklusive Engagement des CIA, was wiederum die Routinen des Polizisten von Malmköping gehörig stört.

So stellen wir uns über 100-Jährige vor. Ab 6. April wird Dagmar Wagner dieses Bild mit ihrer Doku „Ü 100“ einem harten Realitätstest aussetzen.

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