Archiv für 6. März 2017

Schleich-Werbung.

Keine guten Lebenslinien. Sabine Barth dringt forsch und breitbeinig in das Familienleben und Gefühlsmuus des renommierten und respektablen Kabarettisten ein, macht eine Homestory draus, die trieft vor Rührung über den harten Bruch in Helmut Schleichs Leben mit 6, wie seine Großmutter, bei der er bis dahin hauptsächlich aufgewachsen ist, starb.

Kinder und früher Tod einer Bezugsperson, das ist schon neulich im BR behandelt worden: inkompetent vom selbsternannten Checker Tobi und hochinteressant von der Sterbebegleiterin und Bayerin aus Kalifornien, die erzählt, wie sie mit den Kindern stundenlang bei der toten Mutter verweilt ist.

Helmt Schleich konnte so nicht Abschied nehmen von seiner Oma, die ihm alles bedeutet hat, denn die Mutter war ledig und berufstätig. Die Mutter hat, das sagt sie heute selber, sicher falsch reagiert, indem sie den Helmut zu einer wenig bekannten Verwandten gegeben hat, bis die Oma nach dem unerwarteten Tod weggeschafft worden ist. So ein Erlebnis prägt. Da bleibt was hängen. Ähnlich in den kürzlichen Lebenslinien über Reinhard Stummreiter, hier war der Tod der Mutter des Buben ausschlaggebend für die Fresssucht.

Sabine Barth behandelt all die Dinge wie heiße Klatschware und die verantwortliche Redakteurin Sonja Hachenberger lässt es ihr durchgehen. Vom Kabarettprogramm bekommt man wenig mit. Die gehen wohl davon aus, dass man es kennt. Was ich von mir nicht behaupten kann. So sehe ich denn, dass Schleich ein Franz-Joseph-Strauß-Imitator ist. Nun, Strauß? Hat doch einen ziemlich langen Bart.

Es ist zu erfahren ist, dass Helmut in der Jugend mit dem Kabarett Fernrohr aufmüpfig war und links und gegen Wackersdorf. Heute scheint davon nicht mehr viel übrig. Heute gilt es, an 100 Abenden im Jahr Hallen zu füllen und Geld herbeizuschaffen. Auch das ist typisch für solche Sendungen, die Kabarettisten erzählen gerne, wenn sie vom Geld reden, von früher, von heute, da wird eine dicke Decke des Schweigens drüber gelegt. Und da er Hallen füllt und dafür in Manier des Manchester-Kapitalismus Geld scheffelt, sind die Fernsehsendungen, die er regelmäßig macht, auch zu Proben und Aufzeichnungen gibt es kurze, wenig aussagekräftige Ausschnitte, in diesem Falle direkte Schleich-Werbung.

Das Fernsehen sollte auf solche Sendungen verzichten, so lange die Rundfunkzwangsgebühr unsolidarisch erhoben wird zu Lasten der Schwachen der Gesellschaft. Es kann nicht angehen, dass arme Familien mit drei Kindern, die beengt wohnen und die jeden Cent umdrehen müssen und die Fernsehzwangsgebühr kaum aufbringen können, diese bezahlen müssen, damit ein Kabarettist, so sehr wir es ihm gönnen, wegen seinem Kindheitstrauma für seine Familie zwei Wohnungen im teuren München sich leisten kann.

Das wäre mal ein brisantes Thema, das wir ihm, der jetzt eine Tournee-Pause für ein neues Programm einlegen will, aufzunehmen empfehlen. Ihm, obwohl er zu den Profiteuren gehört, wäre es allenfalls zuzutrauen, das rumorende Thema der unfairen Finanzierung des Gemeinschaftswerkes „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ anzupacken. Da könnte er mal wieder aufmüpfig werden im Sinne einer gerechteren Gesellschaft. Er wirkt redlich und bodenständig und sympathisch als Mensch, besonders mit seinem Geständnis des Verlustes der Bodenhaftung anlässlich Nockherbergerfolg und daraus resultierender Therapie.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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