Die titelgebende Symbolik in dieser Verfilmung eines Theaterstückes von August Wilson in der erstklassigen Schauspielerregie von Denzel Washington ist ein Holzzaun, bei dem nicht nur die Frage nach der Art des Holzes eine Rolle spielt, sondern auch die Frage, ob er dazu gut sei, die Bewohner des kleinen Backsteinhäuschens einzusperren oder sie zu schützen, wobei hier wiederum gefragt wird, vor wem eigentlich.

Müssten sie doch wohl eher vor sich geschützt werden oder vielleicht vor ihren Geschichten. Diese sind nicht glorios. Es sind einfache Arbeitermilieus. Die Zaunbauerfamilie besteht aus Vater Troy (Denzel Washington), Mutter Rose (Viola Davis) und den Söhnen Lyons (Russell Hornsby) und Cory (Jovan Adepo).

Der Autor August Wilson wurde 1945 geboren. Hat also die Nachkriegsatmosphäre in Amerika und die McCarthy-Stimmung mit der Muttermilch aufgesaugt, in der der Mensch sich lieber aufs Private, Sünden und Gesinnung zurückgezogen hat, und obwohl Wilson das Stück erst 1986 geschrieben hat, wirkt es authentisch wie aus den 50ern/60ern.

Nachkriegsgedämpft beschäftigt sich das Stück mit Familiärem, mit Konflikten im privaten menschlichen Milieu und auch wie damit umgegangen wird. Es ist dialoglastig, gründlich, auseinandersetzungsfreundlich. Es ist von einem Hauch von Hoffnung auf Erlösung von der Schuld durchzogen, die Kirche kommt vor, wenn auch nicht zentral, aber das Schlussbild gegen den Himmel kann es mit jeder Apotheose aufnehmen.

Der Film brilliert durch seine Konzentration auf die Dialoge, er spart mit Musik, nur nach der zentralen Auseinandersetzung des Ehepaares, das nach 18 Jahren die größte Krise erlebt, erhält einen Drüberstreuer aus Stimmungsbildern und einem Song über die Liebe.

Suggeriert die Atmosphäre eines Gottesdienstes. Wobei auch der Gott oder der Teufel oder Petrus je nach Diktion eine Rolle spielt, bei aller Skepsis durch Krieg und Kommunistenhetze, besonders beim Bruder von Troy, Gabe (Mykelti Williamson), der kriegsgeschädigt ist und im Kopf eine Metallplatte trägt, innerhalb der Familie und der Straße erfüllt er die Funktion eines generell gut gelittenen Dorftrottels, wobei die Polizei ihn gerne festnimmt und ihn von seinem Bruder Troy für 50 Dollar auslösen lässt.

Der Film fängt mit einer furiosen Dialogszene an, die sich über ein langes Kapitel zieht. Troy und sein Arbeitskollege Jim Bono (Stephen Henderson) arbeiten bei der städtischen Müllabfuhr. Sie kippen die Mülltonnen in den Müllwagen und unterhalten sich über Gott und die Welt (vom Lotto über den Knast und die Frauen, den Zaunbau, Football, die Benachteiligung der Schwarzen und dass Fahrer doch weniger anstrengend wäre als Mülltonnenentleerer, und Familiengeschichten; ein Wort ergibt das andere wie ein munter plätschernder Fluss) und weil gerade Freitag ist, ist Zahltag, also holen sie ihre Lohntüten ab (Troy erhält 76 Dollar die Woche), begeben sich mit einem Sack voller Kartoffeln und mit einer Dose Schmalz auf den Heimweg.

Sie schauen erst bei Troy vorbei, da stößt Rose dazu, es geht hin und her, es wird gefrotzelt und der Schwarze (Troy) nennt seinen weißen Kumpel (Bono) Nigger. Sie haben beide Knasterfahrung und Troy liefert brav sein ganzes Geld seiner Frau ab. Zufällig taucht der ältere Sohn auf, der Musiker werden möchte und keinen Sinn in einem Job als Müllmann sieht. Aber Geld vom Vater „leiht“ er sich schon gerne.

Hart und unversöhnlich ist der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Troy und dem Jüngeren, dem football-begabten Cory. Nach Meinung des Vaters soll er lieber jobben, statt sich von Talenscouts für den Sport anwerben zu lassen. Auch dieser Beziehung sind mehrere Akte geweiht. Sie verläuft nicht erfreulich. Zentral wird jedoch das Seitensprungproblem von Troy, das aus dem Stück ein Gesinnungsstück, ein Moralstück, ein Gewissensdrama, ein Schuldstück macht und exzessiv und exzellent ausdiskutiert wird, so dass es mir wie ein Museumsstück vorkommt, aber ein großartiges Museum.

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